Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Hinweis: Diese Einleitung enthält Abweichungen gegenüber der Druckfassung. Alle Von-Bis-Angaben bei Verweisen auf Katalognummern (z. B. Nr. 7173) wurden aus Referenzierungsgründen zu kommaseparierten Listen aufgelöst.

[Druckseite LVI]

7. Nicht aufgenommene Inschriften

In den vorliegenden Katalog wurden alle Inschriftenträger aufgenommen, die bis zum Ende des Jahres 1650 in das heutige Stadtgebiet von Halle gelangt sind. Unerwähnt blieben Texte, die nicht der von Rudolf Kloos geprägten Definition für Inschriften entsprechen,288) und Texte, die zwar als Inschriften bezeugt, aber nur in Paraphrase tradiert sind. Bei kopial überlieferten Inschriften, die nicht datiert bzw. datierbar sind, wurde in jedem einzelnen Fall nach sorgfältiger Abwägung über eine Aufnahme in den vorliegenden Katalog entschieden. Ausgeschlossen wurden alle Inschriften, die mit Modeln, Matrizen oder Stempeln seriell hergestellt sind. Dazu zählen

– die Inschrift auf einem gestanzten Metallmedaillon am Boden einer spätromanischen Bronzeschale, die 1913 bei Schachtarbeiten in der Altstadt von Halle gefunden wurde. Das Medaillon hat ein Pendant auf einer vergleichbaren Bronzeschale;289)

– die Namensbeischriften auf Ofenkacheln mit figürlichen Reliefs, die im zweiten Viertel des 16. Jh. entstanden und 1917 bzw. 1955/56 bei Ausgrabungen im Hof der Moritzburg entdeckt wurden.290) Ein archäologischer Fund aus Wittenberg beweist, daß es sich auch bei ihnen um seriell hergestellte Stücke handelt.291) Ferner wurden Inschriftenträger nicht aufgenommen, die zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Halle gelangt sind. Dazu gehören

– ein Gewicht mit einer Inschrift von 1427, das 1917 vom Museum Moritzburg übernommen wurde;292)

– ein Krug mit der Jahreszahl 1561, der 1997 zusammen mit Kücheninventar des 17. und 18. Jh. bei einer archäologischen Grabung in der Altstadt von Halle aufgefunden wurde.293)

Kreuztituli mit den Initialen INRI wurden wegen ihrer stets gleichen Bedeutung um die wahrscheinlich komplett erneuerten Beispiele an den spätgotischen geschnitzten Kruzifixen in den Kirchen von Beesen, Giebichenstein und Trotha reduziert. Wegen ihrer nicht präzisierbaren Aussage blieben Ritz- und Rötelinschriften, die nur aus Initialen und Jahreszahlen bestehen, ausgespart – es sei denn, sie weisen paläographisch bedeutsame Buchstabenformen auf oder geben über die Geschichte ihrer Träger Auskunft. Ritzinschriften aus Initialen und Jahreszahlen wurden auch dann ediert, wenn sie sich auf Trägern befinden, die wegen anderer Inschriften Aufnahme fanden. Nicht edierte Ritz- und Rötelinschriften sind an den Außenwänden der Moritz- und der Ulrichskirche, im Inneren von Markt- und Moritzkirche294) sowie an und in den oberen Geschossen der Türme der Marktkirche und des Roten Turmes erhalten.

Die sogenannten Beckenschlägerschalen aus dem späten 15. oder dem 16. Jh., die in der Stadt Halle in großer Zahl überliefert sind, weisen entweder die bekannte, aus einigen wenigen Zeichen295) bestehende Pseudoinschrift (in der Markt- und der Laurentiuskirche sowie in den Kirchen von Ammendorf, Dölau, Giebichenstein, Passendorf und Reideburg), eine andere Pseudoinschrift (in der Kirche von Kanena) oder die Inschrift IEH BART AL ZEIT GELVEK (in der Kirche von Beesen) auf. Schalen in der Moritzkirche und in der Kirche von Mötzlich tragen sowohl die vielfach belegte Pseudoinschrift als auch die Beesener Inschrift; die Schalen in den Kirchen von Ammendorf, Dölau und Passendorf haben außerdem Stiftervermerke aus den Jahren 1628 (Nr. 443), 1666 und 1689. Die getriebenen Bodenreliefs dieser Schalen zeigen die üblichen Bildmotive, wie den Sündenfall, die Kundschafter Moses', eine Weintraube tragend (4 Mo 13,23), einen ruhenden Hirsch, die Verkündigung Mariae und den hl. Georg.296)

Einzelne, nicht aufgenommene Buchstaben und Ziffern, die im späten Mittelalter oder frühen 16. Jh. in die Sandsteinplatten des Fußbodenbelags im Chor des Domes eingehauen wurden, stellen wahrscheinlich Versatzmarken dar. Sie verdienen eine nähere Untersuchung, da die Platten bei einer Verlegung entsprechend den Versatzmarken vermutlich eine bestimmte Figur im Fußboden ergeben hätten (oder hatten).

  1. Kloos 1992, S. 2. Eine begründete Ausnahme ist Nr. 215»
  2. Weitzmann-Fiedler 1981, S. 132 f., Taf. 148; Nickel 1988, S. 15–21. Die Schale befindet sich unter der Inv.-Nr. Z 230/39c im Besitz der Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt. »
  3. Katalog Halle 1, 2006, S. 258–260 (N. 147; Hans-Georg Stephan). Die Kacheln befinden sich unter den Inv.-Nr. KHW Ke 128, 129, 130 im Besitz der Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt. »
  4. Vgl. Stephan 2011. »
  5. Das Gewicht befindet sich unter der Inv.-Nr. MO III 00142 im Besitz der Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt. »
  6. Freundliche Mitteilung von Frau Dr. Caroline Schulz, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale). Der im Depot des Landesamtes verwahrte Krug trägt die HK-Nr. 97: 25932p. »
  7. Die edierten Ritzinschriften aus beiden Kirchen unter Nr. 144, 145, 155, 270»
  8. Vgl. DI 62 (Lk. Weißenfels), S. LIV»
  9. Kruse 1825, S. 77–84, Taf. 4 (Georgenkirche, jetzt Marktkirche; Moritzkirche, Giebichenstein); BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 163–165 (Moritzkirche), 276 (Georgenkirche, jetzt Marktkirche), 448 (Beesen), 465 (Kanena), 482 (Dölau), 492 f. (Giebichenstein), 527 (Mötzlich), 570 (Reideburg). Die Schale aus Beesen wurde in den 1980er Jahren gestohlen. »