Die Inschriften der Stadt Halle an der Saale

Hinweis: Diese Einleitung enthält Abweichungen gegenüber der Druckfassung. Alle Von-Bis-Angaben bei Verweisen auf Katalognummern (z. B. Nr. 7173) wurden aus Referenzierungsgründen zu kommaseparierten Listen aufgelöst.

3. Kurzbeschreibungen wichtiger Standorte von Inschriften

3.1. Wichtige Standorte in der Altstadt von Halle

3.1.1. Kirche der ev.-ref. Domgemeinde (Dom)

Auf einem Hügel am östlichen Ufer der Saale erhebt sich die älteste erhaltene Kirche der Altstadt, die ehemalige Dominikanerkirche St. Paul zum Hl. Kreuz.99) Eine Niederlassung der Dominikaner in Halle ist für 1271 belegt, ihr Konvent 1283 erstmals urkundlich bezeugt. Die dreischiffige Hallenkirche muß, ihrer Bauornamentik nach zu urteilen, bei Ersterwähnung des Dominikanerkonvents bereits in Bau gewesen und im dritten Jahrzehnt des 14. Jh. vollendet worden sein. Die vergleichsweise schnelle Errichtung der großen und architektonisch anspruchsvollen Bettelordenskirche läßt eine großzügige Förderung durch Stifter vermuten. Zu diesen gehörten sicherlich die Herren von Ammendorf (südlich von Halle), die bereits in der frühen Überlieferung erscheinen und sich einer Grabinschrift des 16. Jh. zufolge seit Generationen in der Dominikanerkirche beisetzen ließen (Nr. 154). Zu den Stiftern gehörte vielleicht auch die adlige Familie Keseling, die das älteste im Dom erhaltene Grabmal gestiftet haben könnte. Auf dem um 1370/80 zu datierenden, unbeschrifteten Relief, das eine junge Frau mit Kleinkind abbildet,100) befindet sich in der linken oberen Ecke ein Wappen, das dem Wappen auf einem spätmittelalterlichen Meßkelch gleicht (Nr. 17) und mit der Familie Keseling in Verbindung gebracht werden kann.

Der Dominikanerkonvent überdauerte zweieinhalb Jahrhunderte, bis die kirchliche Neuordnung Halles durch Erzbischof Albrecht von Brandenburg den Umzug der Mönche in das ehemalige Moritzstift erforderte. Auf der Grundlage mehrerer päpstlicher Privilegien stiftete Albrecht 1520 im aufgelassenen Dominikanerkloster ein Chorherrenstift, das Neue Stift, das er reich ausstattete, durch Übertragung des Archidiakonats an die Spitze der kirchlichen Hierarchie stellte und den Hll. Mauritius und Maria Magdalena weihte. Die kirchliche Stellung seines Stifts versuchte Albrecht durch eine entsprechende Liturgie, einen Umbau der Stiftskirche und eine neue Kirchenausstattung gebührend herauszustellen. Für [Druckseite XXI] das Stiftskapitel warb er gelehrte Geistliche wie die Pröpste Stefan Greisel (Nr. 130) und Michael Vehe (gestorben 1539) und den Humanisten Johannes Crotus Rubeanus (gestorben um 1545).101)

Die alte Dominikanerkirche erhielt mehrere neue Portale (Nr. 117, 138) und unter der Leitung des erzbischöflichen Werkmeisters Bastian Binder einen neuen Dachstuhl sowie einen Giebelkranz, der die ganze Kirche umziehen sollte und noch 1524 in Bau war.102) Zwei aufwendige Wappentafeln, deren Inschriften an die Kirchenweihe von 1523 erinnern (Nr. 114, 115), bildeten den Auftakt zu einer vollständigen, prächtigen Neuausstattung der Kirche. Erzbischof Albrecht ließ ein neues Chorgestühl anfertigen103) und eine neue Kanzel errichten (Nr. 120); er bestellte zahlreiche Altarretabel in der Werkstatt Lucas Cranachs104) und beauftragte den Mainzer Bildhauer Peter Schro mit einem Zyklus überlebensgroßer Heiligenfiguren, der an den Langhauspfeilern Aufstellung fand (Nr. 119). Beide Zyklen gehören zu den anspruchsvollsten und umfangreichsten Aufträgen, die deutsche Künstler im 16. Jh. ausgeführt haben.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Kapitels sollte das liturgische Totengedenken für Albrecht von Brandenburg werden, der seine Grabanlage im Chor der Kirche vorbereiten und mit einem Bronzebaldachin sowie Bronzeplastiken und -reliefs aus der Nürnberger Vischer-Werkstatt ausgestalten ließ.105) Als der Erzbischof aber seine Hofhaltung und das Neue Stift aufgab und sich 1540/41 dauerhaft aus Halle zurückzog, ließ er nicht nur seine zukünftige Grabanlage, sondern auch die gesamte bewegliche Ausstattung des Stifts, darunter den Reliquienschatz des Hallischen Heiltums und alle Altarretabel, entfernen und abtransportieren. Die Dominikaner kehrten in ihr angestammtes Kloster zurück und durften in der lutherisch gewordenen Stadt als einzige außer den Franziskanern noch Chordienste halten und die Messe nach altkirchlichem Ritus feiern. Die letzten Mönche sahen sich nach der lutherischen Kirchenvisitation 1561 genötigt,106) das Kloster aufzugeben und Halle zu verlassen. Die Kirche blieb allem Anschein nach ungenutzt, bis sie der Administrator Joachim Friedrich von Brandenburg als Hofkirche herrichten und 1589 der Hl. Dreieinigkeit weihen ließ (Nr. 261). Das Innere erfuhr aber erst durch den Administrator August von Sachsen(-Weißenfels) nach 1650 eine großzügige Neugestaltung.

Der Übergang der Stadt Halle in brandenburgische Herrschaft 1680 führte erneut zum Leerstand der ehemaligen Dominikanerkirche. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg übertrug sie 1688 einer neu gegründeten reformierten Gemeinde,107) die noch heute hier Gottesdienst feiert. In den folgenden Jahrhunderten blieb das Äußere der Kirche weitgehend unverändert; die Ausstattung Augusts von Sachsen wurde schrittweise reduziert und teilweise erneuert. 1910 wurde das Südportal aus der Zeit Albrechts von Brandenburg ausgebaut und durch eine Kopie ersetzt, um es vor einer weiteren Schädigung durch Umwelteinflüsse zu bewahren. Etwa einhundert Jahre später ist die Nachbildung am Dom in einem schlechteren Zustand als das im Museum Moritzburg eingebaute Original (Nr. 117).

Im Dom blieben so viele Grabplatten und Epitaphien des 17. Jh. erhalten, wie in keiner anderen hallischen Kirche überliefert sind. Neben aufwendigen Grabmälern für Hofbedienstete und deren Angehörige (z. B. Nr. 408, 411, 486, 491) stehen Grabmäler oder hängen Epitaphien für auswärtige Adlige, insbesondere Offiziere, die in den Schlachten des Dreißigjährigen Krieges fielen (z. B. Nr. 449, 493). Der böhmische Adlige Johann Bubna starb 1635 als Emigrant in Halle und wurde im Dom beigesetzt (Nr. 458). Die Klostergebäude nördlich der Kirche wurden im 15. Jh. umgebaut (Nr. 58) und nochmals unter Erzbischof Albrecht verändert (Nr. 141). Er ließ die Hauptgebäude des Klosters im Stil der Frührenaissance, der „welschen Manier“, d. h. nach italienischen oder französischen Vorbildern umgestalten. Einzelne Stiftsgebäude erhielten wie die Stiftskirche rundbogige Zwerchhäuser und Giebel aufgesetzt,108) die geradezu als Kennzeichen der mitteldeutschen Frührenaissance gelten können. 1703 schenkte König Friedrich I. von Preußen die ehemaligen Stifts- bzw. Klostergebäude der Reformierten Gemeinde zur Einrichtung eines Gymnasiums mit Pfarrer- und Lehrerwohnungen. 1808 vereinigte die Regierung des Königreichs Westfalen die drei Gymnasien der Stadt und übereignete das Klosterareal der Universität.109) Im Laufe des 19. Jh. wurden die alten Gebäude durch moderne Instituts- und Klinikbauten ersetzt, so [Druckseite XXII] daß heute nur noch die freistehende Westwand des östlichen Kreuzgangflügels die Lage der Klausur anzeigt.110)

Die volkstümliche Bezeichnung der ehemaligen Stifts- und Klosterkirche als „Dom“ geht offenbar auf die Zeit des Neuen Stifts zurück, obwohl die Kirche im rechtlichen Sinne nie Bischofssitz war. Quellen des 16. Jh. nennen die ehemalige Stiftskirche „Dom“,111) der hallische Hofprediger Paul Röber spricht 1618 von der „Dom Kirchen“, und der Chronist Gottfried Olearius schreibt 1667 selbstverständlich über den „Dom zu Hall“ wie nach ihm alle jüngeren Autoren.

3.1.2. Ev. Marktkirche Unser Lieben Frauen

Das an Ost- und Westende von Doppelturmbauten begrenzte dreischiffige Langhaus der Marktkirche läßt nicht auf den ersten Blick erkennen, daß ihm zwei eigenständige, unmittelbar hintereinander liegende Kirchenbauten vorausgegangen waren: im Osten die St. Marienkirche und im Westen die St. Gertrudenkirche.112) Die westlichen Turmpaare beider Kirchen wurden dem 1530 begonnenen Neubau eingefügt. Die St. Gertrudenkirche gehörte bereits zur Ausstattung des 1116 gegründeten Neuwerkstifts; ihr Patrozinium könnte auf ein weit höheres Alter, gar auf eine Kirchengründung in fränkischer Zeit hinweisen.113) Zur Zeit ihrer Ersterwähnung war sie wahrscheinlich die einzige Pfarrkirche im Bereich der Altstadt von Halle.114) Über ihre ursprüngliche Gestalt ist wenig bekannt. Ein nach umfangreichen Baumaßnahmen 1399 geweihter Kirchenbau besaß wahrscheinlich ein dreischiffiges Langhaus mit einschiffigem Chor, wie archäologische Befunde vermuten lassen.115) Länge und Breite ihres Langhauses entsprechen etwa der Grundfläche des 1476 aufgeschlagenen Dachstuhls,116) der im 16. Jh. wiederverwendet wurde.117) Der aus Bruchstein aufgemauerte, querrechteckige Westriegel stammt aus dem Spätmittelalter und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt um zwei quadratische Türme mit eingeschossigen achteckigen Aufsätzen aus rotem Backstein erhöht. Die hohen spitzen Hauben der sogenannten Blauen Türme setzte man 1507 (im Norden) und 1513 (im Süden) auf.118)

Das tatsächliche Alter der St. Marienkirche hingegen, die erstmals 1180 explizit genannt wurde,119) war bislang weder aus den Quellen noch aus ihrem Patrozinium mit Gewißheit zu erschließen. Allein der Umstand, daß die 1529 abgerissene Kirche zwei archäologisch gut dokumentierte früh- bzw. hochmittelalterliche Vorgängerbauten hatte, läßt auf ein höheres Alter schließen. Ein Saalbau unbestimmter Zeitstellung wurde durch eine dreischiffige querhauslose Kirche ersetzt, die wegen ihrer drei halbkreisförmigen Ostapsiden sicherlich in die Romanik zu datieren ist. Diesem Bau fügte man einen von zwei Türmen, den sogenannten Hausmannstürmen, flankierten zweijochigen Westbau an, der – um das westliche Joch reduziert – erhalten blieb und den Ostabschluß der heutigen Marktkirche bildet.120) In dem erhaltenen Joch befindet sich seit dem 16. Jh. die Sakristei. Aus stilistischen Erwägungen ist dieser anspruchsvolle, einheitlich aus Großquaderwerk errichtete Westbau in die Übergangszeit von der Spätromanik zur Frühgotik zu datieren.121) Die romanische Kirche wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jh. für einen größeren und gewölbten Neubau beseitigt, der geringen archäologischen Befunden zufolge im großen und ganzen der Gertrudenkirche geglichen haben wird.

Der 1530 auf Verlangen des Kirchen- und Stadtherrn Erzbischof Albrecht von Brandenburg ins Werk gesetzte Neubau schritt unter der Leitung des aus Sachsen zugewanderten Stadtwerkmeisters Caspar Kraft [Druckseite XXIII] zügig voran. 1533/34 wurden die vier östlichen Joche der neuen Hallenkirche überdacht; 1539 waren die kunstvollen Ziergewölbe vollendet.122) 1542 fuhr man im Westen fort und band nunmehr die ehemalige Gertrudenkirche in den Neubau ein. Dabei trat der böhmische Steinmetz Jakob Hans in Erscheinung, dessen Stellung und Anteil am Baugeschehen noch nicht hinreichend geklärt sind (Nr. 147). Seit 1549 aber hat zweifellos der sächsische Werkmeister Nickel Hofman die Bauleitung innegehabt, um das Kirchenschiff nach dem Entwurf Krafts zu vollenden und die Hausmannstürme zu erhöhen (Nr. 157). Hofman wird an der von 1549 bis 1554 erbauten massiven Emporenanlage mehrfach inschriftlich genannt (Nr. 152).

Während der Errichtung des Kirchenschiffs wurde die Reformation durch den Wittenberger Justus Jonas eingeführt, der als erster lutherischer Geistlicher Halles an der Marktkirche wirkte. Der Reformation und der lutherischen Tradition Halles wurden durch Emporeninschriften, die an das reformatorische Wirken Luthers und Jonas’ erinnern (Nr. 152), und durch einen in der Sakristei aufbewahrten Porträtzyklus der Pfarrer der Marktkirche und Superintendenten von Halle (Nr. 201, 211, 510), dem die Bildnisse Luthers und Melanchthons vorangestellt sind, Denkmale gesetzt.

Einige Ausstattungsstücke wurden aus den Vorgängerkirchen übernommen: ein Taufbecken aus Bronze von 1430 (Nr. 27), ein Andachtsbild des späten 15. Jh. (Nr. 67), ein 1529 vollendetes Altarretabel (Nr. 127), ein lebensgroßes Kruzifix, eine kleine Kreuzigungsgruppe und natürlich die Glocken, die in den alten Türmen hängen blieben (Nr. 4, 26, 56).123) Dazu kamen neue Ausstattungsstücke, die im Laufe der zweiten Hälfte des 16. Jh. beschafft wurden und die Kirchenausstattung nach und nach vervollständigten: in den 1550er bis 1570er Jahren ein umfangreiches, heute nur noch teilweise erhaltenes Gestühl (Nr. 182), 1588 eine große und 1597 eine kleine Orgel,124) um 1590 das monumentale Gemälde an der Ostwand der Kirche (Nr. 266), 1595 die sogenannten Bräutigamsstühle (Nr. 292) und 1596 der Schalldeckel der Kanzel (Nr. 295). Die Kanzel selbst (Nr. 144) wurde zusammen mit den Langhauspfeilern ausgeführt. Das Kircheninnere und die Ausstattung bilden ein bedeutendes Ensemble kirchlicher Kunst der Früh- und Hochrenaissance. Umbauten nach 1650 und jüngere Ausstattungsstücke haben den Gesamteindruck nicht wesentlich verändert, eher bereichert.

Auffällig ist, daß außer einem einzigen Epitaph von 1512 (Nr. 96) weder alte Grabmäler in den Neubau übernommen, noch bis zur Mitte des 17. Jh. neue gesetzt wurden. Johann Gottfried Olearius wußte 1674 aus der Marktkirche nur von diesem einen zu berichten, während er für alle anderen Pfarrkirchen in Halle und in den Vorstädten Neumarkt und Glaucha sowie für die sogenannte Barfüßer- oder Schulkirche zahlreiche Grabmäler des 16. und 17. Jh. überliefert.125) Offensichtlich war es der Gemeinde seit Einführung der Reformation 1541 oder seit Fertigstellung der Kirche 1554 verwehrt, in der Kirche selbst Grabmäler setzen zu lassen. Die Gemeinde der Marktkirche konnte nur auf dem Stadtgottesacker für ein dauerhaftes monumentales Totengedenken sorgen.

Nach regelmäßigen Instandsetzungen machten zwei gravierende Schädigungen im 20. Jh. umfassende Wiederherstellungsarbeiten notwendig: 1946/47 beseitigte man Bombenschäden am Langhaus der Kirche; 1967 mußte nach einer Explosion der Dampfheizung das Innere einschließlich aller Ausstattungsstücke restauriert werden.

3.1.3. Kath. St. Moritzkirche

Auf einer Geländestufe im äußersten Südwesten der Altstadt steht die dreischiffige Hallenkirche St. Moritz.126) Archäologische Untersuchungen im nördlichen Seitenschiff der heutigen Kirche haben 1937 Fundamentreste zweier Vorgängerkirchen freigelegt;127) eine von beiden wurde um 1170/80 erstmals erwähnt.128)

[Druckseite XXIV]

1183 oder 1184 gründete Erzbischof Wichmann an der Moritzkirche ein Augustinerchorherrenstift, besetzte es mit Kanonikern aus dem Neuwerkstift und inkorporierte die Moritzpfarrei.129)

Eine Stiftung des Pfänners Hamer Frůnt ermöglichte 1388, einen wesentlich größeren Kirchenneubau zu beginnen, der wegen seiner reichen Außendekoration richtungsweisend für vergleichbare Kirchenbauten in Mitteldeutschland werden sollte.130) An der ersten Bauphase haben Conrad von Einbeck und Peter von Mordal maßgeblich mitgewirkt, wie eine Inschrift besagt (Nr. 13). Conrad ist im zweiten Jahrzehnt des 15. Jh. auch als Bildhauer an der skulpturalen Ausstattung der Kirche beteiligt gewesen (Nr. 20, 21, 23, 24).131) Er schuf u. a. eine überlebensgroße Statue des Kirchenpatrons Mauritius (Nr. 19). Unter Leitung des Magdeburger Werkmeisters Hans Brochstete begann 1448 vermutlich eine zweite Hauptbauphase.132) Mit Vollendung des Lettners wurde 1456 die Chorpartie abgeschlossen; 1472 hat der Magdeburger Erzbischof Johannes von der Pfalz-Simmern vier Altäre geweiht; 1481 waren die Außenmauern des Kirchenschiffs fertiggestellt (Nr. 52).

Der fast dreieinhalb Jahrzehnte amtierende Propst Dietrich von Oppershausen (gestorben 1516) nahm den letzten großen Bauabschnitt in Angriff. Propst und Pfarrgemeinde beschlossen 1491, im Westen eine Doppelturmfassade zu errichten,133) für die Erzbischof Ernst von Sachsen 1493 den Grundstein legte. Die Türme wurden allerdings nur bis zur Traufhöhe des Kirchenschiffs ausgeführt. Der Ausbau der Kirche schritt indes seit der Jahrhundertwende zügig voran: Man begann 1504 bzw. 1508 den Bau der an den Chorbereich anschließenden Langhausarkaden (Nr. 86) und 1510 die Einwölbung der Kirche (Nr. 92). Der westliche Teil des Kirchenschiffs war sicherlich noch vor Beginn der Wölbarbeiten überdacht worden.134)

Spätestens bei Aufhebung des Stifts 1519 mußte der Bau eingestellt werden. Erzbischof Albrecht von Brandenburg vereinnahmte das gesamte Stiftsvermögen für seine Neugründung, das Neue Stift, das er im ehemaligen Dominikanerkloster angesiedelt hatte. Die Dominikaner bezogen 1520 das vollständig geräumte Moritzstift und übernahmen auch die Pfarrei der Moritzkirche. Nach ihrem Auszug 1541 war das Verfügungsrecht über die Kirche umstritten, bis die der Reformation zugewandte Moritzgemeinde 1542 die ungenutzte Kirche eigenmächtig in Besitz nahm.135) Der Stadtrat bemühte sich, die wirtschaftliche Lage der Gemeinde, die durch Erzbischof Albrecht ihres Vermögens beraubt worden war, zu verbessern, und ermöglichte so, bis 1557 (?) die Einwölbung der Kirche zu vollenden (Nr. 168) und 1559 eine erste Empore einzubauen.136)

Die alte Ausstattung, von der nur wenig mehr als die monumentalen Skulpturen Conrads von Einbeck, ein lebensgroßer Kruzifixus (Nr. 216) und das seiner Reliquien und Reliquiare beraubte Retabel des Hauptaltars (Nr. 93) erhalten blieben, wurde um eine aufwendige Kanzel (Nr. 270) mit Schalldeckel (Nr. 331) aus den Werkstätten der Bildhauer Zacharias Bogenkrantz und Valentin Silbermann ergänzt. Ein Porträt Martin Luthers, das einem Relief in der Marktkirche nachgebildet wurde, stellt ein unübersehbares Bekenntnis zur lutherischen Lehre dar (Nr. 265). Etwa einhundert Jahre nach Einführung der Reformation ließ die Gemeinde die Heiligenbilder auf der zweiten Schauseite des Altarretabels mit vier großen Gemälden des Malers Michael Beyer verblenden (Nr. 521).

Die Ausstattung erlitt erheblich Schäden, als die Moritzkirche zwischen Oktober 1806 und Mai 1808 zweimal über mehrere Monate für profane Zwecke genutzt wurde. Bei der lange geplanten und längst überfälligen Instandsetzung der gesamten Kirche von 1838 bis 1842137) wurden leider auch die „Kirchstübchen“, Beichtstühle und jene Emporen beseitigt,138) die einen von Johann Treber 1580 gemalten Bibelzyklus mit Stifterinschriften getragen hatten.139) Was darüber hinaus an künstlerischen und epigraphischen Denkmalen verloren ging, läßt die kopiale Überlieferung an mittelalterlichen Grabmälern (Nr. 47, 85), neuzeitlichen Epitaphien (Nr. 358, 389, 390) und Pfarrerbildnissen (Nr. 335, 389, 480) [Druckseite XXV] erahnen.140) Erhalten blieben die Grabplatten der Pröpste Dr. Paul Busse (gestorben 1478) und Dietrich von Oppershausen (Nr. 50, 99). Das Kircheninnere und Teile der Ausstattung wurden von 1971 bis 1978 letztmals restauriert.141)

Die einst südlich der Kirche, zwischen der Stadtmauer und der Straße An der Moritzkirche befindliche Stiftsklausur konnte ab 1546 von den lutherischen Geistlichen genutzt werden. Von 1806 bis 1808 aber ließ man den Kreuzgang abbrechen und „Predigerhäuser“ bauen. Sie sind heute Sitz der katholischen Pfarrei St. Mauritius und Elisabeth, die nach der Vereinigung der evangelischen Moritzgemeinde mit der Marktkirchengemeinde 1970 die Moritzkirche in Nutzung genommen hat.

3.1.4. Ehemalige Barfüßer- oder Schulkirche

Auf dem weiträumigen Universitätsplatz, in dessen Mitte von 1832 bis 1834 das klassizistische Universitätshauptgebäude emporwuchs, stand zuvor das 1247 erstmals nachweisbare Franziskanerkloster.142) Über den Ursprung und die ersten Jahrzehnte des Klosters ist nichts bekannt; 1286 tritt erstmals ein hallischer Franziskaner urkundlich in Erscheinung.143) Zu den Förderern des Konvents gehörte vermutlich eine alteingesessene Adelsfamilie aus Dieskau (südöstlich von Halle), die einzelne Ausstattungsstücke stiftete.144) Eine enge Verbindung mit dem Kloster bestand im 15. Jh., als zwei Herren von Dieskau dem Konvent angehörten145) und mehrfach Familienangehörige im Kloster beigesetzt wurden (Nr. 64). Die zweischiffige Klosterkirche schloß im Osten mit einem einschiffigen Rechteckchor. An der Nordseite der Kirche lag die Klausur; daran schloß sich ein Baumgarten an.146) Für die zweite Hälfte des 15. Jh. sind Baumaßnahmen an Kirche (Nr. 59) und Klausur überliefert.

Der Konvent überstand die Einführung der Reformation 1541, mußte aber in der lutherischen Stadt dieselben Einschränkungen seines geistlichen Lebens hinnehmen wie die Dominikaner. Als die letzten Mönche 1564 zum Verlassen des Klosters genötigt worden waren, übereignete Erzbischof Sigismund von Brandenburg die gesamte Klosteranlage der Stadt, die darin eine städtische Lateinschule, das Stadtgymnasium, einrichtete.147)

Der erste Rektor des Stadtgymnasiums war Michael Jering, der jedoch unmittelbar nach Eröffnung der Schule 1565 als Pfarrer an die Moritzkirche wechselte (Nr. 334, 335). Der Stadtrat bemühte sich stets, Gelehrte mit höheren akademischen Abschlüssen anzustellen, waren doch die Lehrerstellen der beiden höchsten Klassen, Prima und Secunda, mit dem Rektorat bzw. dem Konrektorat des Gymnasiums verbunden. Die Lehrer der mittleren Klassen wirkten zugleich als Kantoren an den drei städtischen Pfarrkirchen (Nr. 454, 497).148) Nachdem der Rektor Christoph Caesar (1582/83–1604) mit einer systematischen Verbesserung des Unterrichts begonnen hatte (Nr. 507), gelang es in der ersten Hälfte des 17. Jh., die bedeutenden Pädagogen und Schulreformer Sigismund Evenius (Nr. 407) und Christian Gueinzius (Nr. 523) als Rektoren zu verpflichten.

Das Schiff der ehemaligen Franziskanerkirche wurde auch nach 1565 kirchlich genutzt. Hier fanden die Gottesdienste des Stadtgymnasiums und ab 1699 auch die Gottesdienste der Universität statt. Die Kirche wurde mit Logen und einer Emporenanlage versehen sowie durch Stiftung einiger Grabmäler zu einer Gedächtnisstätte für adlige und andere ehrwürdige Personen erhoben (Nr. 345, 383, 460, 523).149) Die Grabmäler und andere, mittelalterliche Ausstattungsstücke (Nr. 497) sind wahrscheinlich alle bei der Umnutzung des Kirchenschiffs zerstört worden oder auf andere Weise verlorengegangen. Die Kirche, die man schon in der zweiten Hälfte des 18. Jh. gelegentlich für profane Zwecke genutzt hatte, wurde 1809 endgültig aufgegeben, privatisiert und 1811 als Theater wiedereröffnet. Die [Druckseite XXVI] Universität erwarb 1827 die Kirche und riß sie im folgenden Jahr in Vorbereitung des Universitätsneubaus ab.150)

Die Klausur des Franziskanerklosters wurde 1564/65 für die Bedürfnisse des Stadtgymnasiums hergerichtet und immer wieder modernisiert (Nr. 512). Ein reichhaltig bepflanzter Schulgarten sollte den Lehrern auch in Mußestunden offenstehen (Nr. 253). Die Geschichte des Stadtgymnasiums endet 1808, als es mit dem Reformierten Gymnasium und dem Gymnasium der Franckeschen Stiftungen vereinigt wurde.151) 1818 begann der Verkauf und der Abbruch der Klosteranlage, der 1828 beendet war.

3.1.5. Ehemalige St. Ulrichskirche, Konzerthalle

Die zweischiffige Ulrichskirche wurde als Kirche einer monastischen Gemeinschaft erbaut,152) die schon auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken konnte, bevor sie sich in der Stadt niederließ. 1216 wird erstmals eine Einsiedelei bei Giebichenstein (nördlich von Halle) erwähnt;153) in einer Bulle Papst Bonifacius' VIII. (1295–1303) werden die Klausner von Giebichenstein erstmals „servi sancte Marie“, Knechte der hl. Maria, genannt.154) Sie gehörten wahrscheinlich dem gleichen Orden an wie jene Mönchsgemeinschaft, die nachweislich 1304 „iuxta muros hallis“ eine Niederlassung hatte.155) Diesem Konvent wurde allem Anschein nach nur wenig später die Klause bei Giebichenstein inkorporiert und erlaubt, ein Kloster vor dem Galgtor von Halle zu bauen.156) Der Bauplatz wurde jedoch aufgegeben und verkauft, als ein Stifter 1339 die Möglichkeit bot, sich innerhalb der Stadt niederzulassen.157) Die Mönche siedelten sich in „Hagedorns Warte“ an der Galgstraße, heute Leipziger Straße, an158) und begannen zum zweitenmal, ein Kloster zu bauen.159) Die Datierung einzelner Balken im Dachstuhl der Klosterkirche, die 1397/98 (d) eingeschlagen und im 15. Jh. wiederverwendet wurden, scheint auf den Abschluß eines größeren Bauabschnitts am Ende des 14. Jh. hinzudeuten.160) Vermutlich begann man vor 1446 den westlichen Abschnitt der Kirche (Nr. 31), der schon bald nach 1456/57 (d) überdacht werden konnte.161) Die Einwölbung soll jedoch erst im Jahr 1510 begonnen worden sein. Die Verzögerung des Kirchenbaus erklärt sich vielleicht dadurch, daß nach Ausweis von Inschriften im letzten Viertel des 15. Jh. auch an der Klausur gebaut wurde (Nr. 55, 65). Die bis zum fünften Joch vorangeschrittene Einwölbung der Kirche blieb vermutlich unvollendet, weil der Konvent früh unter reformatorischen Einfluß geriet und sich 1527 auflöste. Erzbischof Albrecht von Brandenburg erwarb das Kloster samt Einkünften und übergab die Klosteranlage der Gemeinde von St. Ulrich, deren Pfarrkirche im Norden der Stadt er einzuziehen und abzubrechen wünschte. Die Gemeinde nahm am 1. Januar 1531 die ehemalige Servitenkirche unter dem Patrozinium des hl. Ulrich in Besitz162) und bekannte sich 1541 zur lutherischen Reformation.

Die sicherlich aufwendigsten Ausstattungsstücke aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. waren die Orgel von 1573 (Nr. 204) und die reich ausgestaltete Kanzel, die 1588 vollendet wurde (Nr. 244). Sie schließt sich eng an die lutherische Ikonographie der Zeit an. Von 1673 bis 1675 wurde das Gewölbe der Kirche in Holz vollendet163) und eine neue Orgelempore mit Orgel gebaut. 1886 hat man die gesamte Kirche einer purifizierenden Instandsetzung unterzogen und 1925 nochmals durchgreifend renoviert. Dabei verschwanden die letzten Teile einiger ohnehin schon fragmentierter frühneuzeitlicher Epitaphien (Nr. 250, 361, 362); Teile weiterer Epitaphien konnten im Museum Moritzburg geborgen werden (Nr. 327, 431). Bemerkenswert ist, daß alle bekannten Epitaphien höchst aufwendig gestaltet und [Druckseite XXVII] (außer Nr. 378) entweder Kanzlern des Erzstifts Magdeburg oder fürstlichen Leibärzten gewidmet waren. Die aus dem späten Mittelalter stammenden Glocken (Nr. 8, 15) und das große bronzene Taufbecken (Nr. 28) wurden vermutlich aus der alten Ulrichskirche übernommen; die Herkunft des prächtigen, 1488 vollendeten Altarretabels ist aber ungeklärt. Es könnte seiner Ikonographie nach sowohl aus der Servitenkirche als auch aus der alten Pfarrkirche St. Ulrich stammen (Nr. 60).

Die einstmals im Süden anschließende Klausur des Servitenklosters wurde der Ulrichsgemeinde übereignet, für die Nutzung durch die Kirchengemeinde umgebaut und teilweise auch für Neubauten – wie das Gemeindehaus Kleine Märkerstraße 1 von 1892/93 – abgebrochen. Teile der mittelalterlichen Klausur sind in dem Komplex Christian-Wolff-Straße 2 erhalten. 1970 wurde die Ulrichsgemeinde mit der Marktkirchengemeinde vereinigt und 1975/76 die profanierte Ulrichskirche zur städtischen Konzerthalle umgestaltet.164) Das mittelalterliche Taufbecken, die Kanzel und das Altarretabel kamen in die evangelische Wallonerkirche zu Magdeburg.

3.1.6. Stadtgottesacker

Der Stadtgottesacker ist im Osten vor der Altstadt anstelle eines alten Friedhofs entstanden, auf dem Seuchenopfer beigesetzt worden waren. Eine dem hl. Martin geweihte Kapelle gab der Geländestufe, auf der der Friedhof angelegt wurde, den Namen Martinsberg.165) Der Beschluß des hallischen Rates im Jahr 1529, die an den städtischen Pfarrkirchen liegenden Friedhöfe zugunsten eines zentralen Friedhofs aufzugeben, folgte einer Entwicklung jener Zeit. Der Bevölkerungsanstieg und die damit einhergehende Zunahme der Sterbefälle hatten hygienische Bedenken gegenüber den Bestattungen auf innerstädtischen Friedhöfen ausgelöst und veranlaßten in der ersten Hälfte des 16. Jh. die Obrigkeit etlicher deutscher Städte, die Friedhöfe zu verlegen.166) Einen weiteren Anlaß bot sicherlich die im gleichen Jahr beschlossene bauliche Vereinigung der Pfarrkirchen St. Marien und St. Gertruden, die ohnehin eine Neuordnung der Kirchhöfe nach sich ziehen mußte. Am 8. August 1529 wurde der neue Friedhof von Halle geweiht.

Die erste Einhegung des neuen Gottesackers wurde durch eine Mauer ersetzt, an deren Innenseite ab dem Jahr 1557 überdachte Kammern entstanden. Diese Kammern wurden zur Freifläche des Gottesackers hin mit Pfeilern und Bögen abgeschlossen; unter den Bogenkammern, den sogenannten Schwibbögen, befanden sich Grüfte. Pfeiler und Bögen zieren ornamentale Reliefs und Inschriften (Anhang 1). Die ältesten acht Bogenkammern an der Nordwestseite der Anlage sind an ihrer Außenseite durch eingetiefte Wandfelder mit Friesen aus einzeln hervortretenden Backsteinen abgesetzt (Nr. A1/11, A1/12, A1/13, A1/14, A1/15, A1/16, A1/17, A1/18) und die ältesten vier Kammern durch Wappentafeln mit Bauinschriften ausgezeichnet (Nr. A1/11, A1/12, A1/13, A1/14).167) Die ältesten acht Bogenkammern heben sich auch in epigraphischer Hinsicht von den 85 folgenden, den Friedhof gänzlich umschließenden Bögen ab. An ihnen ist vielleicht der Entwurf für die Gestaltung aller Bogenkammern abzulesen, der aber schon seit 1559/60 nur noch mit Abstrichen umgesetzt wurde. Ab Bogen 19 hat man auf die beschriebene Außenwandgestaltung verzichtet; ab Bogen 76 sind keine bauzeitlichen Inschriften an den Friesen der Schwibbögen mehr überliefert.

Den Inschriften zufolge wurden die Bogenkammern privat finanziert, einige auch aufgrund testamentarischer Verfügung gebaut (Nr. A1/19C). Das private Verfügungsrecht ist anhand vieler, auch inschriftlich dokumentierter Verkäufe von Bogenkammern ersichtlich. Die einheitliche architektonische Gestaltung der Bogenfronten und die bis auf zwei Ausnahmen stets voranschreitenden inschriftlichen Jahresangaben zeigen, daß es einen koordinierten und kontinuierlichen Bauverlauf gab. Die Bogenkammern 17 bis 24 z. B. wurden zwischen 1560 und 1562 erbaut und nach ihrer Fertigstellung mit einem übergreifenden Dachstuhl versehen.168)

In den ersten Jahren nach Baubeginn war Nickel Hofman der leitende Werkmeister, wie seine Initialen und Steinmetzzeichen belegen (Nr. A1/10, A1/11, A1/12, A1/13, A1/15, A1/17, A1/19). Seine Mitwirkung in späteren Jahren, als Hofman auch Aufträge außerhalb Halles ausführte (Nr. 152), läßt sich nicht ermessen. Ein Porträtrelief mit undatierter Inschrift über dem ehemaligen Nordwesttor bildet ihn als alten Mann ab und würdigt ihn als STEINMETZ MEISTER DIESES BAVWES (Nr. 269). Das Nordwesttor (Bogenkammer 9a) beschloß den letzten Bauabschnitt, der den Inschriften zufolge 1590 in einem Zuge realisiert worden ist (A1/Tor sowie Nr. A1/6 und A1/9).

[Druckseite XXVIII]

Auf dem Stadtgottesacker sind mindestens 21 Grabmäler oder Fragmente von Grabmälern mit Inschriften aus der Zeit vor 1650 erhalten geblieben.169) Sie befinden sich zumeist an ihren ursprünglichen Standorten in den Bogenkammern oder wurden nach ihrer Bergung dort eingelagert. Zwei weitere Grabmäler wurden in das Museum Moritzburg überführt (Nr. 225, 273). In Ermangelung zeitgenössischer Quellen kann nicht mehr geklärt werden, wie es dazu kam, daß sich 1674 in einigen Bogenkammern Grabmäler befanden, die älter waren als die Bogenkammer. Wahrscheinlich hatte es anstelle der Bogenkammern bereits Grabstellen derselben Familien gegeben (Nr. 149, 158, 159, 162, 202, 208), die die Bogenkammern bauen ließen (Nr. A1/8, A1/20, A1/54, A1/62, A1/75, A1/78). In einem Fall ist tatsächlich die Rede davon, daß die Bogenkammer zur Erweiterung eines bestehenden Begräbnisses derselben Familie diene (Nr. A1/23). In anderen Fällen waren ältere Grabstellen mit den Grabmälern (Nr. 165, 166, 170) vielleicht durch Erbfall oder Ankauf an die Erbauer der Bogenkammern gekommen. Zweimal ist belegbar, daß nach Erwerbung der Bogenkammer der neue Besitzer ältere Grabmäler seiner Familie von der Freifläche des Stadtgottesackers in die Bogenkammer umsetzen ließ (Nr. 167; Nr. 421 und A1/74).170) Einige Grabmäler wurden Jahrhunderte nach ihrer Aufstellung als Baumaterial für den Stadtgottesacker verwendet, wie streifenförmig zugehauene Fragmente belegen (Nr. 174, 225, 357, 524).

1721 wurde der Stadtgottesacker nach Norden und 1835/36 nach Osten erweitert. Im Jahr 1950 verbot der Stadtrat Erdbestattungen; Urnenbeisetzungen waren noch bis 1964 generell erlaubt und wurden danach in Einzelfällen genehmigt. 1975 ließ man die Erweiterungsflächen des Stadtgottesackers in einen Park umwandeln. Nach Beschädigung und Zerstörung einzelner Bogenkammern im Zweiten Weltkrieg verfiel die Schwibbogenanlage, bis sie von 1991 bis 2003 vollständig restauriert wurde. Der gesamte Stadtgottesacker ist seit 2001 für Urnenbeisetzungen wieder geöffnet.

3.1.7. Moritzburg, Stiftung, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

Nachdem Erzbischof Ernst von Sachsen 1478 Halle besetzt hatte, begann er 1479 auf dem Martinsberg vor der Stadt eine Befestigung zu errichten, brach aber das Vorhaben ab und entschied sich 1484 für den Bau eines vierflügeligen, mit Ecktürmen und Artillerierondellen gut befestigten Schlosses im Nordwesten der Altstadt.171) Der Bau wurde allem Anschein nach mit dem Westflügel begonnen und mit den Rondellen im Osten vollendet. Trotz aller Wehrhaftigkeit war der Bauherr bestrebt, Wohn- und Repräsentationstrakte mit regelmäßig gegliederten Fassaden und Appartements zu schaffen, wie es die modernen Tendenzen des Schloßbaus geboten. Ernst bezog 1503 die Moritzburg als neue erzbischöfliche Residenz und konsekrierte 1509 die an der Nordseite liegende Schloßkapelle der hl. Maria Magdalena (Nr. 90). Den Plan zur Errichtung eines Kollegiatstifts an der Kapelle konnte Ernst von Sachsen vor seinem Tod 1513 nicht mehr verwirklichen.172) Sein Nachfolger Kardinal Albrecht von Brandenburg ließ die Maria-Magdalenen-Kapelle 1514 nochmals weihen (Nr. 98), suchte aber nach einem anderen Standort für das geplante Stift, den er im ehemaligen Dominikanerkloster fand. Für den weiteren Ausbau der Befestigungsgräben verpflichtete Albrecht den Werkmeister Andreas Günther. Er ließ das Osttor der Burg erbauen oder umbauen und schmückte es wie sein erzbischöflicher Nachfolger Johann Albrecht von Brandenburg mit einem Wappen (Nr. 103, 156). Als sich Albrecht von Brandenburg 1540/1541 mit all seiner beweglichen Habe dauerhaft aus dem Erzstift Magdeburg zurückzog, ließ er allem Anschein nach die reiche Ausstattung der Kapelle unangetastet.173) Einzelne Stücke wurden unter Administrator Christian Wilhelm von Brandenburg zur Neuausstattung der Hofkirche, des Domes, verwendet (Nr. 89).

Die Moritzburg diente weiterhin der Hofhaltung der Erzbischöfe und der Administratoren des Erzstifts Magdeburg, bis sie nach der Flucht Christian Wilhelms von Brandenburg 1625 zum Quartier wechselnder Söldnertruppen wurde, die während des Dreißigjährigen Krieges das Schloß besetzt hielten. Durch Unachtsamkeit einer kursächsischen Besatzung entstand im Januar 1637 ein Brand, der das gesamte Schloß in Schutt und Asche legte und das Gewölbe über dem Mittelraum der Schloßkapelle einstürzen ließ. Der letzte Administrator des Erzstifts, August von Sachsen, richtete seine Hofhaltung vermutlich [Druckseite XXIX] 1647 im „Neuen Gebäude“ Albrechts von Brandenburg ein,174) das seither Neue Residenz genannt wird.

Die Ruine der Moritzburg wurde dennoch, soweit das möglich war, genutzt und in begrenztem Umfang wieder ausgebaut. Von 1690 bis 1805 feierte eine französische reformierte Gemeinde in der Schloßkapelle Gottesdienst. Als erstes großes, auch denkmalpflegerisch bedeutsames Bauvorhaben innerhalb des alten Baubestandes wurden von 1897 bis 1899 die Maria-Magdalenen-Kapelle wieder eingewölbt und der Nordflügel ausgebaut. Um- bzw. Neubauten in großem Umfang begannen nach Umwidmung der Moritzburg als Sitz des 1885 gegründeten städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe.175) An der Südseite des Schloßhofs entstand von 1902 bis 1904 anstelle des alten Küchengebäudes ein heute „Talamt“ genanntes Museum, dessen Innen- und Außengliederung dem 1882 abgerissenen Talhaus angeglichen wurde, um dessen wandfeste Ausstattung aufnehmen zu können (Nr. 291, 525). Darüber hinaus hat man im Laufe des 20. Jh. Bau- und Ausstattungsteile anderer, z. T. zerstörter hallischer Bauwerke in die Räume des Museums eingebaut (Nr. 102, 117, 150, 193). Sie waren ebenso wie Grabmale des Stadtgottesackers (Nr. 225, 273) und Epitaphien aus der Ulrichskirche (Nr. 327, 431) über Jahrzehnte hinweg vom städtischen Museum gesammelt worden, um sie als Geschichts- und Kunstdenkmale dem Museumsbestand einzugliedern. Einige Stücke, die im sogenannten Gotischen Gewölbe, einem als Depot genutzten Saal im Untergeschoß des Westflügels, eingelagert waren, sind jedoch bis zur Räumung dieses Depots 1951 oder während der Räumung176) teilweise oder gänzlich (Nr. 440) verlorengegangen.

3.1.8. Ehemalige Stadtbefestigung

Die Stadtmauer und ein Stadttor, das Steintor, werden erstmals in einer Urkunde genannt, mit der Erzbischof Wichmann dem Neuwerkstift 1182 alle älteren Privilegien und Zuwendungen bestätigte und neue verbriefte.177) Eine von der älteren Stadtgeschichtsforschung angenommene erste Befestigung um den Siedlungskern am Alten Markt178) hat sich archäologisch nicht zweifelsfrei bestätigen lassen. Im Laufe des 12. Jh. aber wurde jenes Gebiet, das bis zum heutigen Tag als Altstadt städtebaulich separiert ist, mit einer massiven Befestigung umgeben, wie archäologische Befunde belegen. Ihre Mauern und Tore werden im Jahr ihrer Ersterwähnung vollendet gewesen sein.179) Die Stadtmauer zog sich an Moritzburg- und Universitätsring, Joliot-Curie-Platz, Hanse- und Waisenhausring und am Moritzzwinger hin. Im Westen war sie an Gerbersaale (Hallorenring)180) und Mühlgraben entlang geführt. Die Stadtmauer hatte sechs Tore181) und mehrere Pforten an Gerbersaale und Mühlgraben. Zwei der Tore, die in der jüngeren epigraphischen Überlieferung erscheinen, das Moritztor und das Galgtor, sind bereits um 1300 bzw. im frühen 14. Jh. bezeugt.182) Instandhaltungsmaßnahmen, Um- und Neubauten wurden vor allem im 15. Jh. durch Inschriften dokumentiert (Nr. 29, 36, 37, 44, 246). Wappen markierten den Rechtsbezirk der Stadt und wiesen das Erzstift Magdeburg als Stadtherrn aus (Nr. 34, 37). Im 16. Jh. wurde die Stadtbefestigung nochmals verstärkt (Nr. 139) und ihr die abschließende, bis zum frühen 19. Jh. bewahrte Gestalt gegeben.183) Eine weitere Modernisierung unterblieb, obwohl diese bereits im 16. Jh. von dem Ratsmeister Caspar Querhammer angemahnt worden war. Die Unterlassung rächte sich im Dreißigjährigen Krieg, als die unzureichend befestigte Stadt wechselnden Heerzügen und Besatzungstruppen ausgeliefert war.

Vereinzelte, unter anderem von Karl Friedrich Schinkel unterstützte Bemühungen im frühen 19. Jh., die Stadtbefestigung als Denkmal der Stadtgeschichte zu erhalten, blieben erfolglos. Zwischen 1817 und 1831 wurden sämtliche Toranlagen abgebrochen; in den folgenden Jahrzehnten fiel der größte Teil der Mauern und Mauertürme.184) Heute sind nur noch der einst zur Anlage des Galgtores gehörende Leipziger Turm (Nr. 307, 308) und zwei kurze Mauerabschnitte an Waisenhausring und Hallorenring erhalten.

[Druckseite XXX]

3.1.9. Ehemaliges Altes Rathaus und ehemaliges Waagegebäude

Die Ostseite des Marktplatzes wurde jahrhundertelang vom Rathaus und dem im Norden benachbarten Gebäude der Ratswaage eingenommen,185) die einstmals durch die schmale Rathausstraße voneinander getrennt waren. Beide Gebäude sind aus Bauteilen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Zweckbestimmung hervorgegangen, wie sich am Rathaus schon an den differierenden Geschoßhöhen zeigte. Eine turmähnliche Baugruppe, die an der Südwestecke des Rathauses eingebunden war, soll der Sitz des erzbischöflichen Schultheißen gewesen sein.186) Das tatsächliche Alter und die ursprüngliche Nutzung der ältesten Bauteile läßt sich am Denkmal selbst allerdings nicht mehr feststellen, da das gesamte um zwei Höfe gruppierte Ensemble aus Rathaus und Waagegebäude zwischen 1948 und 1950 abgebrochen wurde.187)

1312 wird erstmals die „curia“ und zwischen 1312 und 1315 erstmals das „rathus“ erwähnt,188) von dem 1368 das „alde rathuse“ (am Alten Markt) unterschieden wurde.189) Die Kapelle zum Hl. Kreuz, die das Rathaus im Norden an der Rathausstraße abschloß, erscheint erstmals 1327.190) Aus der bei Einführung der Reformation 1541 aufgelassenen und später für die Bedürfnisse der Stadtverwaltung umgebauten Kapelle haben sich spätmittelalterliche Ausstattungsstücke erhalten (Nr. 32, 84).

In der zweiten Hälfte des 15. Jh., einer Zeit allgemeiner, intensiver Bautätigkeit in der Stadt, wurde auch am Rathaus gebaut, wie mehrere Quellen überliefern (Nr. 43). Eine grundlegende Neugestaltung erfuhr es aber von 1501 bis 1505 vermutlich durch den Ratswerkmeister Ulrich von Schmiedeberg,191) der die unterschiedlichen Bauteile mit einer zwei- und dreigeschossigen Fassade an der Marktseite vereinheitlichte und zwei neue Risalite an der Westseite der Hl.-Kreuz-Kapelle und etwa in der Mitte der Rathausfassade aufführte (Nr. 82). Zwischen die Risalite setzte er eine mehrgeschossige Laube. 1501/02 schuf der mit dem Monogramm HW zeichnende Bildhauer die Skulptur der Kreuzauffinderin Helena (Nr. 84) für die Nordwestecke des Kapellenrisalits; 1526 fand an der Südwestecke die Skulptur des Bistumspatrons Mauritius Aufstellung (Nr. 105). In einem hofseitigen Anbau wurde die Große Ratsstube eingerichtet; im Erdgeschoß des Rathauses befand sich das städtische Gefängnis, die „Thenitz“, worauf eine Poeninschrift an der Fassade hinwies (Nr. 105). Ein Arrestant hatte 1577 in die Wände des Gefängnisses mehrere Inschriften eingeritzt, in denen er sein Schicksal beklagt (Nr. 210).

Die nächste größere Umgestaltung des Rathauses geschah 1558, als der Ratswerkmeister Nickel Hofman die Ratslaube zu einer dreigeschossigen Loggia mit hervortretendem Altan umgestaltete (Nr. 171) und 1568 den Mittelrisalit turmartig erhöhte.192) Damit hatte das Rathaus seine für Jahrhunderte charakteristische Gestalt erhalten, an der Baumaßnahmen in den 1620er Jahren nichts wesentlich veränderten (Nr. 171, 433).

Zur anspruchsvollen Ausstattung des Inneren gehörten auch Gemäldezyklen, die im 16. Jh. begonnen und bis 1668 fortgesetzt wurden. Der älteste ist ein Zyklus mit Bildnissen der Stadtherren von Erzbischof Ernst von Sachsen bis zum Administrator August von Sachsen (Nr. 192). Dazu kamen im ausgehenden 16. Jh. ein Kurfürstenzyklus (Nr. 310) und Bildnisse, die nach der Überlieferung die deutschen Kaiser von Karl V. bis Rudolf II. darstellten193) und die allesamt verloren sind. In den 1660er Jahren wurde die Porträtsammlung um eine Serie der lutherischen Superintendenten von Halle ergänzt,194) die vielleicht in Zusammenhang mit der Neuausstattung und Neuausmalung der Großen Ratsstube 1665195) in Auftrag gegeben worden war. Als Vorlage diente der kleinformatige Bildniszyklus in der Sakristei der Marktkirche. Die schnelle und vollständige Entfernung der Porträtserien aus dem Rathaus nach dem Übergang der Stadt an Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1680 deutet darauf hin, daß die Gemälde jene [Druckseite XXXI] Rechte symbolisch vergegenwärtigten, die der Stadt bald vom Großen Kurfürsten genommen werden sollten.196)

Rathaus und Waagegebäude waren die Hauptflügel mehrseitig umbauter Hofanlagen, deren Entstehung und vielfache Veränderung von einigen wenigen Inschriften bezeugt wird. Der sogenannte Archivturm, der an der Südostecke des Waagegebäudes eingebunden war, wurde einer Inschrift zufolge 1401 begonnen (Nr. 18). Ein zweiter, den Hof der Waage zur Rathausstraße hin abschließender Flügel wurde um 1570/80 neu erbaut und wie alle übrigen städtischen Gebäude mit dem Stadtwappen geschmückt (Nr. 223). An der Ostseite des Rathaushofes stand der monumentale Ratsmarstall, von dem vielleicht eine im Museum Moritzburg aufbewahrte Inschrift mit der Jahresangabe 1516 stammt (Nr. 102).

Sämtliche Gebäude unterlagen einer wechselhaften Nutzung, die mit mehr oder minder verlustreichen Umbauten verbunden war. Als erster gravierender Eingriff in die historische Bausubstanz ist sicherlich der Abbruch des Chores der Rathauskapelle 1862/63 zu sehen, der zu den wertvollsten Teilen des historischen Bauensembles gehörte. Bei Gelegenheit dieses Abbruchs könnte auch der unmittelbar benachbarte Anbau für die Große Ratsstube gefallen sein. Eine umfassende Renovierung 1883 führte erneut zu Verlusten an der historischen Bausubstanz und den Inschriften des Rathauses (Nr. 82, 105).197) In Vorbereitung eines Neubaus für die Stadtverwaltung ließ man 1927 den Marstall abreißen.198) Das ohnehin schon reduzierte Ensemble von Rathaus und Waagegebäude wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs durch mehrere Bombentreffer beschädigt. Nach mehrjähriger kontroverser Debatte entschloß sich der Stadtrat, nicht nur die Ruinen von Rathaus und Waagegebäude, sondern auch den im 18. Jh. neugestalteten und im Krieg nur wenig beschädigten Seitenflügel des Rathauses an der Leipziger Straße abreißen zu lassen.199) Die Entwürfe eines Architekturwettbewerbs zur Neubebauung des Areals wurden nie realisiert; an der Stelle des Waagegebäudes steht heute ein Kaufhaus.

3.1.10. Kühler Brunnen (Marktplatz 15/16, Kühler Brunnen 1)

Die Hofanlage „Kühler Brunnen“ war eines der größten und prächtigsten Anwesen, die sich im 16. Jh. das hallische Bürgertum geschaffen hatte.200) Hans von Schenitz (1499–1535), der den Ausbau vornahm, entstammte einer etablierten Pfännerfamilie201) und war schon als junger Kaufmann in Geschäftsbeziehungen zu Kardinal Albrecht von Brandenburg getreten. Albrecht bestallte ihn 1528 als Hofdiener und 1531 als Kammerdiener.202) Als Händler von Luxuswaren lernte Schenitz in den Kulturzentren Süddeutschlands und der Niederlande das moderne Formengut der nordalpinen Renaissance kennen,203) das er in Architektur und Ausstattung seiner neuen Hofanlage zur Entfaltung brachte. 1522 kaufte er dem Neuwerkstift das Grundstück der ehemaligen Lambertikapelle ab204) und vereinigte es mit benachbarten, wahrscheinlich in den 1520er Jahren erworbenen Höfen.205) Das Haus „Zum schwarzen Löwen“ (Marktplatz 15) ist bereits 1512 errichtet oder modernisiert worden, wie eine Jahreszahl (Nr. 97) belegt. Im Jahr 1514 oder bald danach wurde es zusammen mit dem benachbarten stattlichen Vorderhaus des Hofes „Zum Schwarzen Bären“ (Marktplatz 16) mit einem Dachstuhl überdacht.206) Ein auf 1528 datierter Dachziegel dokumentiert den fortschreitenden Ausbau durch Hans von Schenitz (Nr. 125). Der sogenannte Galeriebau verbindet Marktplatz 16 mit dem im Hof stehenden sogenannten Küchenbau. Ein aufwendiges Portal im Erdgeschoß des Galeriebaues, datiert auf 1531, ist möglicherweise von einem anderen Standort hierher versetzt worden (Nr. 132). Von der Bebauung des nördlichen, von der Großen Nikolaistraße [Druckseite XXXII] aus erschlossenen Hofes ist der sogenannte Saalbau (Kühler Brunnen 1) und eine einzige Arkade eines Arkadenganges erhalten (zu Marktplatz 16). Der ebenfalls mit Teilen seiner ursprünglichen Ausstattung erhaltene Saalbau207) ist durch eine Terracottatafel im reich ausgestalteten Portal seines Treppenturmes auf 1532 datiert (Nr. 134). Für die letzte, mit Schenitz' Verhaftung 1534 endende Bauphase konnte der erzbischöfliche Werkmeister Andreas Günther verpflichtet werden.208) Zur Ausstattung des Hofes gehörten außerdem eine farbige Fayencetafel (Nr. 135) und vielleicht auch ein Porträtgemälde des Bauherrn (Nr. 136), die heute in Museen gezeigt werden. Die Hofanlage und ihre Ausstattung sind zu den bedeutendsten Leistungen der Frührenaissance in Mitteldeutschland zu rechnen. Ihr großzügiger Ausbau fand ein jähes Ende, als Hans von Schenitz auf Betreiben Albrechts von Brandenburg 1534 der Unterschlagung angeklagt, verhaftet und 1535 hingerichtet wurde. Nach Schenitz' Tod wurde das große, aus drei Höfen gebildete Anwesen wieder geteilt und vielfach umgestaltet.209)

3.1.11. Das „Tal“ und seine unmittelbare Umgebung (An der Halle, Trödel)

Die ursprünglich dichte Bebauung des „Tals“ mit salinetechnischen Einrichtungen, dem Talhaus (Nr. 172, 291, 525) sowie privaten Häusern und Höfen, ist am anschaulichsten auf einem Plan wiedergegeben, der den Zustand des Jahres 1746 zeigt.210) Viele der um das „Tal“ herum liegenden bürgerlichen Anwesen gehörten zum Rechtsbezirk des „Tals“ und waren unter der Anschrift „An der Halle“ registriert (Nr. 263, 288). Vom „Tal“ ausgehend schob sich zwischen dem Alten Markt und der Marktkirche ein Stadtviertel mit mehreren engen Gassen gegen die Schmeerstraße vor. Die Gassen Freudenplan, Hanfsack, Schülershof, Steinbockgasse und Trödel waren kleinteilig und überwiegend mit Fachwerkhäusern bebaut (Nr. 281).

Im Zuge einer Modernisierung der gesamten Saline wich die dichte Bebauung des „Tals“ im letzten Viertel des 18. Jh. allmählich einer lockeren Bebauung mit großen Gebäuden, die bis 1869 bewirtschaftet wurden. Schon ein Jahr nach Produktionseinstellung war auch von diesen Gebäuden kaum noch etwas erhalten. 1882 wurde das altehrwürdige Talhaus abgebrochen.211) Zwischen 1886 und 1890 hat man die gewaltige Brachfläche des „Tals“ durch Anlegung von Straßen strukturiert und parzelliert sowie den neuen „Hallmarkt“ und die anschließenden Straßenzüge „An der Marienkirche“, „Dreyhauptstraße“ und „Oleariusstraße“ bebaut.212)

Im Anschluß daran sollte auch zwischen Marktkirche und Altem Markt ein modernes großstädtisches Quartier entstehen. 1895 erwarb der Rat die ersten Grundstücke und begann mit dem Abbruch der alten Häuser vor allem an Hanfsack, Schülershof und Trödel. Die Abbrucharbeiten stagnierten jedoch und wurden erst 1912/13 an Schülershof und Steinbockgasse fortgesetzt. Nachdem der Erste Weltkrieg das Projekt zum Erliegen gebracht hatte,213) wurden der Abbruch des Quartiers und seine großzügige Neubebauung erst 1970 abgeschlossen.214)

3.2. Wichtige Standorte außerhalb der Altstadt

3.2.1. Glaucha, St. Georgenkirche, ev.-freikirchliche Gemeinde

Die Georgenkirche liegt auf einer kleinen Anhöhe gegenüber dem ehemaligen Moritztor südlich der Altstadt.215) Die stattliche Barockkirche und ihr von Bauwerken des 19. bis 21. Jh. geprägtes städtisches Umfeld lassen nicht erahnen, welch lange und wechselvolle Geschichte die ehemalige Pfarrkirche der Vorstadt Glaucha hat. Sie wurde als eine der ältesten Kirchen von Halle und Umgebung 1116 dem Neuwerkstift übereignet.216) Ein erster Versuch zur Gründung eines Nonnenklosters an der Kirche durch Erzbischof Wichmann im Jahr 1180 war offenbar nur geringer Erfolg beschieden,217) denn 1231 gründete [Druckseite XXXIII] Erzbischof Albrecht II. von Käfernburg erneut ein Nonnenkloster am selben Ort und übereignete diesem die Georgenkirche, die aus dem Besitz des Neuwerkstifts herausgelöst worden war.218) Von der kirchlichen Ausstattung des Mittelalters ist nur ein Bronzetaufbecken bezeugt (Nr. 68) und ein Kelch erhalten (Nr. 73).219)

Für die Reformation in Halle gewann das Marienkammer genannte Kloster Bedeutung, weil hier 1522/23 der radikale Kirchenreformer Thomas Müntzer (1489–1525) als Kaplan amtierte.220) Obwohl in der Pfarr- und Klosterkirche bereits 1547 lutherisch gepredigt geworden war,221) konnte sich der altgläubige Zisterzienserinnenkonvent noch ein Jahrzehnt behaupten, bis mit Berufung des ersten lutherischen Pfarrers Jodokus Nothafft 1557 das monastische Leben an der Georgenkirche zu Ende ging (Nr. 205).222) Nach Auflösung des Nonnenkonvents entwickelten die Pfarrgeistlichkeit und die Gemeinde von Glaucha ein ausgesprochen starkes konfessionelles Selbstbewußtsein, das in Epitaphien (Nr. 215, 304, 478), Pfarrerbildnissen (Nr. 205, 403, 488) und einer Ehreninschrift (Nr. 324) Ausdruck fand – ohne auf das Wirken des von Luther verurteilten Müntzer in irgendeiner Weise Bezug zu nehmen. Darüber hinaus hatte sich in der Kirche bis 1660 ein großer Bestand an Gemälden mit biblischen Motiven angesammelt, die zum größten Teil an den Emporen angebracht waren223) und eine Vorstellung davon geben, wie reichhaltig die künstlerische Ausstattung der Kirche war. Die gesamte Kirchenausstattung fiel am 6. Januar 1740 einem Großbrand zum Opfer, aus dem eine auf kreuzförmigem Grundriß vollständig neu erbaute und 1744 vollendete Georgenkirche hervorging. Einige Vasa sacra und ein Parament, die dennoch erhalten geblieben waren, wurden als Relikte aus der Schaffenszeit des verehrten Pfarrers von St. Georgen und Gründers der Waisenhausstiftung von Halle, August Hermann Francke (1663–1727), sorgfältig aufbewahrt (Nr. 447, 503, 520). Sie gingen in den Besitz der altstädtischen Marktkirchengemeinde über, als im Jahr 2000 die Glauchaer Gemeinde mit dieser vereinigt und im Jahr darauf die Georgenkirche einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde zur Nutzung überlassen wurde.224)

Die ehemalige Klosteranlage wurde 1570 von Administrator Joachim Friedrich von Brandenburg dem Stadtrat von Halle übereignet und 1576 vom städtischen St. Cyriacihospital bezogen. Nach seiner Verwüstung 1636 wurde das St. Antoniihospital vom Neumarkt mit dem Cyriacihospital an dessen Standort zusammengelegt, wo es noch heute unter dem Namen „Hospital St. Cyriaci et Antonii“ existiert.225) Die Klosteranlage mußte sukzessive bis in das 20. Jh. hinein Neubauten für das Hospital weichen.

3.2.2. Neumarkt, ev. St. Laurentiuskirche

Die Laurentiuskirche trat in die Geschichtsschreibung ein, als Erzbischof Wilbrand von Käfernburg im Jahr 1241 alle im Umkreis des Neuwerkstifts Wohnenden zu Parochialen der Laurentiuskirche erklärte.226) Wann die Kirche, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Neuwerkstifts lag, Pfarrrechte bekommen hatte und dem Stift inkorporiert worden war, ist nicht bekannt. Der Bau selbst, eine zweischiffige Kirche mit Westturm, ist wesentlich älter, wie ein Siegelabdruck Erzbischof Konrads I. von Querfurt (1134–1142) beweist, der auf zwei im Altar verborgenen Reliquienbehältnissen angebracht war.227) Aus dem späten Mittelalter sind einige Ausstattungsstücke bezeugt (Nr. 7) bzw. erhalten (Nr. 39, 80); am Taufstein von 1478 ist der Kirchenpatron St. Laurentius abgebildet (Nr. 49). Zu den wertvollsten Ausstattungsstücken gehörte ein Altarretabel des späten 15. Jh., das allerdings erst als Schenkung 1570 in die Kirche gelangt war und 1984 verbrannte (Nr. 70).

Nach Aufhebung des Neuwerkstifts 1530 kam die Laurentiuskirche unter die Jurisdiktion des Neuen Stifts228) und wurde 1547 mit Einführung der Reformation lutherische Pfarrkirche.229) In den 1580er Jahren, als der Dom noch nicht als Hofkirche zur Verfügung stand, waren Kirche und Kirchhof allem [Druckseite XXXIV] Anschein nach bevorzugte Begräbnisstätten für Hofbedienstete des Administrators Joachim Friedrich von Brandenburg und deren Verwandte (Nr. 217, 228, 238, 239, 245). Zahlreiche andere Grabmäler des 16. und 17. Jh. repräsentieren die Honoratioren des Städtchens Neumarkt (z. B. Nr. 219, 240, 430, 484, 487).

Nach mehreren mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Umbauten erhielt die Kirche 1690 ihre heutige Gestalt. Eine Brandstiftung im Jahr 1984, die die Kirche bis auf die Umfassungsmauern zerstörte, schädigte nicht nur das älteste der erhaltenen Grabmäler (Nr. 197), sondern vernichtete auch die gesamte übrige Ausstattung (außer den Grabmälern). Im Zuge des Wiederaufbaus, der 1991 abgeschlossen war, konnte der Taufstein restauriert und wieder nutzbar gemacht werden; die beiden unbrauchbar gewordenen Glocken (Nr. 39, 328) wurden 2002 durch ein neues Geläut ersetzt.230)

3.2.3. Giebichenstein, Ober- und Unterburg, Kunsthochschule

Die Burg gliedert sich in zwei deutlich geschiedene Teile: Auf einem steil über der Saale aufragenden Porphyrrücken erhebt sich ein Torturm als das einzige intakte Bauwerk der Oberburg. Daneben liegen die Mauerreste hochmittelalterlicher Gebäude.231) Am Fuß des Felsen erstreckt sich die spätmittelalterliche Unterburg. Lage und bauliche Entwicklung der im frühen Mittelalter erwähnten Burg sind allerdings nicht zweifelsfrei geklärt. Die Burg könnte auf einem benachbarten steilen Hügel mit dem Namen „Alte Burg“ gelegen haben, bevor im Hohen Mittelalter die heutige Oberburg von Giebichenstein errichtet wurde. Deswegen ist der Standort der bereits 1012 und 1116 chronikalisch erwähnten Burgkapelle232) unsicher. Die 1182 urkundlich erwähnte St. Margaretenkapelle in der Burg233) wird eher mit der vermutlich im 12. Jh. erbauten Kapelle gleichzusetzen sein, die auf der Oberburg archäologisch nachgewiesen ist. Johann Christoph von Dreyhaupt aber identifiziert die Kapelle mit dem neuzeitlichen Brauhaus in der Unterburg Giebichenstein.234) Sie ist wie andere Bauten der Ober- und Unterburg bei einem unter schwedischer Besatzung im Januar 1636 ausgebrochenen Brand zerstört worden. Die Oberburg diente fortan zur Gewinnung von Baumaterial.

Eindrucksvoller als die Oberburg präsentiert sich heute die Unterburg. Erzbischof Günther II. von Schwarzburg begann um 1445, eine Befestigung mit fünf, für Feuerwaffen ausgelegten Rundtürmen zu errichten. Die Gebäude hinter der gut erhaltenen Mauer sind hingegen vielfach verändert worden, so daß sich Funktion und Zeitstellung der Bauteile mitunter schwer bestimmen lassen. Wappentafeln der erzbischöflichen Burgherren geben Hinweise auf die Entstehungszeit einzelner Teile der Burg. Das im Hof freistehende mächtige Kornhaus ist laut Inschrift unter Erzbischof Johannes von der Pfalz-Simmern 1473 erbaut worden (Nr. 46). Eine Wappentafel des Erzbischofs und Kardinals Albrecht von Brandenburg von 1526 datiert wahrscheinlich die ehemalige Scheune an der Südmauer der Unterburg (Nr. 121), deren Giebel Schmuckformen dieser Zeit aufweist. Eine zweite, undatierte Wappentafel Albrechts wird bei Bau oder Umbau eines Gebäudes an der Westmauer angebracht worden sein (Nr. 131).235) Die ursprüngliche bauliche Einbindung zweier Inschriften des Erzbischofs Sigismund von Brandenburg ist allerdings verlorengegangen (Nr. 191).

Mit Indienstnahme der innerstädtischen Residenz Moritzburg 1503 verlor die Burg Giebichenstein die Residenzfunktion und diente den Erzbischöfen nur noch als Vorwerk. Als Sitz des Amthauptmannes des Saalkreises behielt sie aber eine politische Funktion bis zur Aufhebung des Amtssitzes 1807. Die Burg selbst und alle dazugehörigen Güter blieben Fiskalgut und wurden seit ihrer Übernahme durch den Kurfürsten von Brandenburg 1680 verpachtet.236)

1905 hat der preußische Fiskus die Oberburg an die Stadt Halle abgetreten und die Unterburg an Rudolf von Bagenski verkauft. Bagenski, der eine romantisierende Umgestaltung der Unterburg anstrebte,237) ließ einige Wirtschaftsgebäude umgestalten, andere abbrechen und den Innenhof in den heutigen malerischen Zustand versetzen. Seine Erben verkauften 1917 die Unterburg an die Stadt Halle.238) Die Stadt baute [Druckseite XXXV] die verbliebenen Wirtschaftsgebäude so um, daß sie die Ateliers jener städtischen Kunstgewerbeschule hier unterbringen konnte, aus der 1958 die „Hochschule für industrielle Formgestaltung“ und 1991 die „Hochschule für Kunst und Design“ hervorging.239) Es ist noch zu klären, ob Rudolf von Bagenski oder die Stadt als Bauherr veranlaßt hatte, mehrere Inschriftenträger aus abgerissenen Bauwerken Halles auf der Unterburg sicherzustellen bzw. einzubauen (Nr. 36, 65, 140) und so die Burg zu einem der wichtigen Inschriftenstandorte in Halle zu machen.

  1. Die Ausführungen zum Dom stützen sich auf folgende Übersichtswerke, wobei die jüngeren Forschungsergebnisse maßgeblich sind: BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 218–261; Albertz 1888; Redlich 1900a, S. 90–226; Nickel 1962; Krause 1991, S. 311–326; Scholz 1998, S. 187–204; Todenhöfer 2010, S. 81–91. »
  2. Vgl. Nickel 1962, Frontispiz. »
  3. Scholz 1998, S. 347, 350, 356. »
  4. Vgl. Redlich 1900a, S. 40* (Beilage 15). Das Holz des neuen Dachstuhls wurde zwischen 1518 und 1522 eingeschlagen; Eißing 2009, Taf. 49. »
  5. Vgl. Karlson 1994. »
  6. Vgl. Tacke 1992, S. 71–169; Tacke 2006; Münch 2006. Einige Retabel sind heute auf Standorte außerhalb Halles verteilt, andere sind verloren. »
  7. Vgl. Merkel 2004; Hauschke 2006, S. 317–322 (Kat.-Nr. 101). Sämtliche Teile der Grabanlage befinden sich heute in der ehemaligen Stiftskirche St. Peter und Alexander in Aschaffenburg. »
  8. Dreyhaupt 1, 1749, S. 783. Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. »
  9. Ebd., S. 1093 f. »
  10. Vgl. das sogenannte Domhaus auf dem Stadtplan von Gottfried Olearius (Nr. 25); Dreyhaupt 1, 1749, S. 698 f. »
  11. Schultze-Galléra 1920, S. 180–183; Dolgner 2003, S. 21–24. »
  12. Teile des Ost- und des Westflügels der Klausur wurden 1962 und 1964 archäologisch untersucht; vgl. Nickel 1966. »
  13. Vgl. Förstemann 1834, S. 205. »
  14. Die Ausführungen zur Marktkirche und ihrer Vorgängerbauten stützen sich auf folgende Übersichtswerke, wobei die jüngeren Forschungsergebnisse maßgeblich sind: BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 6–84; Hünicken 1933/34; Hasse 1948; Volkmann 1959; Krause 1983; Rüger 1983; Krause 1995; Broda 1998, S. 135–156; Scholz 1998, S. 263–267; Schmitt 2008. »
  15. Zur Verehrung der hl. Gertrud von Nivelles s. LexMa 4, 2002, Sp. 1356 f. (M. van Uytfanghe). »
  16. Scholz 2001, S. 66 geht von einer einzigen Pfarrei aus, ohne sich festzulegen, welche der 1116 genannten Kirchen das gewesen sein könnte. Ranft/Ruprecht 2006, S. 101 plädieren für St. Gertruden. »
  17. Vgl. Schmitt 1995. »
  18. Wachter 1882, S. 116. »
  19. Eißing 2009, S. 174 und Taf. 53: Holzeinschlag 1473/74, 1474/75 (d). Dagegen nimmt Thomas Eißing an, daß das Dachwerk zuerst auf der 1529 abgerissenen Marienkirche gestanden habe; ebd., S. 174. »
  20. Olearius 1, 1667, S. 224 f., 227 f.; Schmitt 2008, S. 166: Holzeinschlag 1504/05 bzw. 1510/11 (d). »
  21. UBH I, S. 80 (Nr. 81). »
  22. Vgl. Herrmann 2008a; Schmitt 2008, S. 166 f. »
  23. Schmitt 2008, S. 169 nimmt einen Baubeginn im späten 12. bzw. frühen 13. Jh. an und bringt noch Ablässe von 1275 und 1287 mit dem Westbau in Verbindung. »
  24. Zu C. Kraft s. Hünicken 1933/34, S. 60, 72, 74. Rolf Hünicken, der erstmals die Baugeschichte auf Grundlage archivalischer Quellen darstellte, glaubte noch, daß Kraft 1539 den gesamten Kirchenbau vollendet habe. Der aktuelle Forschungsstand bei Krause 1983, S. 240–247. »
  25. Außerdem eine inschriftlose Glocke des 13. Jh., die noch heute in der Laterne des Nordostturms hängt, aber nicht mehr geläutet werden kann. Zur Geschichte der neuzeitlichen Glocken s. Grothe 2004. »
  26. Beide wurden durch jüngere Instrumente ersetzt; vgl. Mund 1908, Runowski 2004. »
  27. Vgl. Olearius 1674, S. 158–192. »
  28. Die Ausführungen zur Moritzkirche stützen sich auf folgende Übersichtswerke, wobei die jüngeren Forschungsergebnisse maßgeblich sind: Dähne 1856; Wolf 1856; BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 85–167; Schadendorf 1958; Krause 1983; Todenhöfer 2006, S. 211–214. »
  29. Herrmann 2001, S. 138, 270 (Kat.-Nr. 18). »
  30. MGH SS XXX, II, S. 951; zur Datierung der Quelle s. ebd., S. 947. Einem Necrologium zufolge soll die Moritzkirche bereits von den Erzbischöfen Norbert (1126–1134) und Konrad von Querfurt (1134–1142) beschenkt worden sein; UBH I, S. 29 (Nr. 24), 35 (Nr. 29). »
  31. UBH I, S. 93–97 (Nr. 91, 93). »
  32. Vgl. Groß 1967, Bureš 1999. »
  33. Für eine bei Schadendorf 1958, S. 10 erwogene Kirchenweihe im Jahr 1411 hat sich bislang kein urkundlicher oder chronikalischer Beleg finden lassen; vgl. Krause 1983, S. 249 (Anm. 19). »
  34. Zu H. Brochstete s. Hünicken 1936, S. 85, 129 f. (Anm. 248–251); Krause 1983, S. 233, 249 f. (Anm. 21–25); Thieme/Becker 5, 1911, S. 37; AKL 14, 1996, S. 297 (Catrin Ritter). »
  35. Moritzkirche 1838, S. 1045. »
  36. Das Kirchendach wird von zwei eigenständigen Konstruktionen getragen. Das Holz für das westliche Dachwerk hat man 1503/04 und 1504/05 (d) eingeschlagen; Eißing 2009, Taf. 54. »
  37. Wolf 1856, S. 35, 51; Delius 1953, S. 94 f. »
  38. Schubart 1662, fol. E2r»
  39. Vgl. Dolgner 2011. »
  40. Siehe auch Nr. 190»
  41. Vgl. Schubart 1662, fol. E2v»
  42. Der Maler Wilhelm von Kügelgen erzählt in seinen Jugenderinnerungen, er habe 1811 in der Moritzkirche noch „alte Fahnen und Epitaphien“ sowie Grabplatten mit den Reliefs „eines geharnischten Mannes“ und der „vermummte(n) Gestalt“ einer Frau gesehen; von Kügelgen 1954, S. 84, 87, 423. »
  43. Rüger 1983, S. 261–267. »
  44. Zur Geschichte des Klosters s. Dreyhaupt 1, 1749, S. 793–801; vgl. Weigel 2006. Die wichtigsten Forschungsergebnisse zusammengefaßt bei Todenhöfer 2010, S. 92–99. »
  45. UBH I, S. 348 (Nr. 384). »
  46. Olearius 1667, S. 215, 496 f.; Dreyhaupt 2, 1750, S. 203 f. »
  47. Nissen 1938, S. 158, 161. »
  48. Das ehemalige Klosterareal wird etwa von dem Straßenzug des Kaulenbergs im Nordwesten, dem Universitätsring im Nordosten und dem Robertinum der Universität im Südosten begrenzt. »
  49. Dreyhaupt 1, 1749, S. 295, 796. »
  50. Serauky 1, 1935, S. 265–269. »
  51. Siehe auch Dreyhaupt 2, 1750, S. 204. »
  52. Schultze-Galléra 1920, S. 119 f. »
  53. Ebd., S. 120. Zur Geschichte des Stadtgymnasiums s. auch Dolgner 2003, S. 12–15, 27. »
  54. Die Ausführungen zur Ulrichskirche stützen sich auf folgende Übersichtswerke, wobei die jüngeren Forschungsergebnisse maßgeblich sind: BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 168–217; Ulrichskirche 1939; Todenhöfer 2006, S. 218–220. »
  55. UBH I, S. 148 f. (Nr. 154). »
  56. UBH II, S. 8 f. (Nr. 480). »
  57. Ebd., S. 9 f. (Nr. 482). »
  58. Es bleibt offen, ob das unter Erzbischof Burkhard II. (1296–1305) oder Burkhard III. (1307–1325) geschah. Arthur Bierbach plädiert für letzteren; UBH II, S. 90 f. (Nr. 553). Der Standort des Klosters vor dem Galgtor, d. h. am heutigen Riebeckplatz, bezeugen die im folgenden genannten Urkunden. »
  59. UBH II, S. 278–282 (Nr. 696–698), 284–287 (Nr. 700–702). »
  60. Das Klosterareal erstreckte sich zwischen Leipziger Straße, Christian-Wolff-Straße und Kleiner Märkerstraße. »
  61. Vgl. UBH II, S. 282 (Nr. 698); Olearius 1667, S. 161. »
  62. Eißing 2009, Taf. 56. »
  63. Ebd. »
  64. Scholz 1998, S. 269–271. »
  65. Dreyhaupt 1, 1749, S. 1054. »
  66. Rüger 1983, S. 259, 261. »
  67. Die Martinskapelle wurde 1547 abgerissen. Die folgende Übersichtsdarstellung stützt sich auf BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 422–432; Broda 1998, S. 162–192; Tietz 2004, Krüger 2004. »
  68. Tietz 2009, S. 5–97. »
  69. Zur Datierung und Zählung der Bogenkammern s. Anhang 1, insbesondere S. 423. »
  70. Das Holz dafür wurde 1560/61 (d) eingeschlagen; Eißing 2009, S. 123, Taf. 55. »
  71. Weitere Fragmente entziehen sich einer zeitlichen Einordnung. Eine figürliche Grabplatte des 16. oder 17. Jh., die seit jeher im Freien liegt und verwittert ist, trägt keine Inschrift mehr; vgl. Nr. 218»
  72. Unklar bleibt, ob damit eine Umbettung der Gebeine einherging. »
  73. Die Ausführungen zur Moritzburg stützen sich auf folgende Übersichtswerke, wobei die jüngeren Forschungsergebnisse maßgeblich sind: BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 299–326; Wäscher 1955; Werner 1955; Scholz 1998, S. 154–166; Nickel 1999a; Stahl 2002; Krause 2005; Mock 2007, S. 21–92, 165–251. »
  74. Scholz 1998, S. 179–181. »
  75. Vgl. das Inventar der Maria-Magdalenen-Kapelle von 1608; Mock 2007, S. 279–289 (Nr. 7). »
  76. Thiele 2011, S. 111. »
  77. Seit 1952 Staatliche Galerie Moritzburg, seit 2003 Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt. »
  78. Neuß 1955, S. 3 f. »
  79. UBH I, S. 84, 86 f. (Nr. 86). »
  80. Gemeint ist das Stadtviertel zwischen dem Marktplatz, Große Märkerstraße und Moritzzwinger. »
  81. Zusammenfassend Herrmann 2001, S. 128–130. »
  82. Der Hallorenring verläuft über der heute unterirdisch fließenden Gerbersaale. »
  83. Das waren im Norden beginnend und im Uhrzeigersinn fortfahrend das Ulrichstor, das Steintor, das Galgtor, das Rannische Tor, das Moritztor und das Klaustor. Die letzten beiden führten zur Saalebrücke. »
  84. UBH I, S. 419 (Nr. 466); UBH II, S. 13 (Nr. 484), 91 (Nr. 553). »
  85. Vgl. StAH S 13 M 2; BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 327–336; Neuß 1–2, 1934–1935. »
  86. Neuß 2, 1935, insbesondere S. 77–82; Dolgner 2006, S. 79 f., 102 f. »
  87. Folgender Darstellung liegt die Zusammenfassung aller baugeschichtlichen Forschungsergebnisse bei Rühl 2008 zugrunde. »
  88. Rühl 2008, S. 32, 36; siehe auch Herrmann 2001, S. 375 (Nr. 17). »
  89. Einige Anhaltspunkte ergaben sich aus archäologischen Untersuchungen 2004/05; Herrmann 2008b. »
  90. UBH II, S. 62 (Nr. 529), 93–95 (Nr. 555). »
  91. Schöffenbücher 1, 1882, S. 288 (Nr. 675). »
  92. UBH II, S. 178 (Nr. 617). »
  93. Hünicken 1936, S. 65 f. »
  94. Broda 1998, S. 274–279. »
  95. Olearius 1667, S. 29 bezeugt die Kaiserbildnisse im Rathaus; Dreyhaupt 2, 1750, S. 219 nennt zwei der Bildnisse als Besitz der Marienbibliothek, wohin sie 1680 oder 1681 mit den übrigen Porträtzyklen gelangt sind. Vgl. auch Stiebritz 2, 1773, S. 294. »
  96. Vgl. Jäger 2011b. »
  97. Olearius 1667, S. 494 f. »
  98. Für die Bildnisse der Superintendenten untersucht bei Jäger 2011b. »
  99. Rieken 2008, S. 117–119; vgl. auch Rathaus 1884. »
  100. Rieken 2008, S. 136. »
  101. Vgl. Rühl 2008b. »
  102. Grundlage folgender Ausführungen ist ein noch unveröffentlichtes Manuskript von Frau Dr. Anke Neugebauer, Halle (Saale), über die Baugeschichte des Hofes „Kühler Brunnen“, das die wichtigsten älteren Arbeiten berücksichtigt; vgl. Volkmann 1956, S. 35–78; Rüger 1989; Krause 1991, S. 347–352. »
  103. Vgl. Dreyhaupt 2, 1750, Beylage B, S. 146 („Geschlechts-Register derer von Schenitz“). »
  104. Zum Verhältnis des H. v. Schenitz zu Albrecht von Brandenburg und zu seiner Verurteilung s. Hülße 1889; Scholz 1998, S. 102–105; Brecht 2004. »
  105. Vgl. Redlich 1900a, S. 210, 293, 306–309, 17*–29* (Beilage 9), 80*–81* (Beilage 20). »
  106. Dreyhaupt 1, 1750, S. 940 f. (Nr. 298). »
  107. Die Ankäufe ließen sich quellenmäßig noch nicht belegen, ergeben sich aber aus den später nachweisbaren Besitzverhältnissen und den Inschriften. Frau Dr. Neugebauer sei für die gewährte Einsichtnahme in ihr Manuskript herzlich gedankt. »
  108. Cramer 1999, S. 59; Eißing 2009, S. 139. Schultze-Galléra 1920, S. 258 f. betrachtet irrtümlich Marktplatz 16 und 17 als Haupthäuser des „Kühlen Brunnens“. »
  109. Darunter ein hölzernes Ziergewölbe, das zur Zeit ausgelagert ist. »
  110. Neugebauer 2006, S. 230–244. »
  111. Zur jüngeren Geschichte des „Kühlen Brunnens“ s. Schultze-Galléra 1920, S. 208–211, 258 f. »
  112. Dreyhaupt 1, 1749, Beylage A, Plan zwischen S. 52 und 53. »
  113. Just/Just 2007, S. 33–42. »
  114. Schultze-Galléra 1920, S. 18 f.; Just/Just 2007, S. 50–52. »
  115. Schultze-Galléra 1920, S. 20, 231–235. »
  116. Münzberg/Richter/Findeisen 1977, S. 24. Die Gassen Freudenplan und Hanfsack sind vollständig verschwunden. »
  117. Eine Übersicht über Geschichte und Ausstattung der Kirche bis zum Ende des 19. Jh. geben: BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 273–276; Knuth 1891; Kopitzke 1968, S. 22–46. »
  118. UBH I, S. 19 (Nr. 15), 23 (Nr. 17). »
  119. Ebd., S. 81 f. (Nr. 84). »
  120. Ebd., S. 190–193 (Nr. 205–207), 195 f. (Nr. 209). »
  121. Darüber hinaus scheinen bis zum Brand 1740 noch vorreformatorische Bildwerke erhalten gewesen zu sein, z. B. Schnitzplastiken der Hll. Maria und Petrus; vgl. PfA St. Georgen C 1, fol. 65v, 66r»
  122. Held/Hoyer 2004, S. 115–122 (Nr. 69–73). »
  123. Dreyhaupt 1,1749, S. 808. »
  124. Delius 1953, S. 112 f. Zur nachreformatorischen Geschichte der Gemeinde s. auch Witte 1927. »
  125. PfA St. Georgen C 1, fol. 64v–65v»
  126. Grötschel/Behne 2006, S. 65. »
  127. Zur Geschichte des Hospitals s. Eckstein 1841a, Weise 2008. »
  128. UBH I, S. 228 f. (Nr. 239). Zur Geschichte der Kirche und ihrer Ausstattung s. BKD Prov. Sachsen NF 1, S. 262–272; Wagner 1927. »
  129. Dreyhaupt 2, 1750, S. 770. Auch der Kirchturm entstammt dem 12. Jh.; vgl. Dehio 1999, S. 270. »
  130. Vgl. Dreyhaupt 1, 1749, S. 737–743 (Nr. 181–184). »
  131. Dreyhaupt 2, 1750, S. 770. »
  132. Grötschel/Behne 2006, S. 57. »
  133. Die Ausführungen zur Baugeschichte folgen Schmitt 1993. »
  134. MGH Script. Rer. Germ. NS IX. S. 362; UBH 1, S. 19 f. (Nr. 15). »
  135. UBH I, S. 86 (Nr. 86). »
  136. Dreyhhaupt 2, 1750, S. 849; Schultze-Galléra 1924, S. 12 f., 18. »
  137. Mit den baulichen Veränderungen im ersten Viertel des 20. Jh. ging auch eine Anhebung des nach Westen hin stark abfallenden Hofniveaus einher, so daß das Erdgeschoß des Westflügels jetzt unter Hofniveau liegt. »
  138. Dreyhaupt 2, 1750, S. 852; Schultze-Galléra 1924, S. 14–16. »
  139. Vgl. Schmitt 1993, S. 12, 16. »
  140. Ebd., S. 22–24. »
  141. Seit 2010 „Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle“. »