Die Inschriften des Odenwaldkreises

2. Kurzer historischer Überblick

Die Anwesenheit von Menschen in dem im Süden Hessens gelegenen Odenwaldkreis ist schon in prähistorischer Zeit nachweisbar, wenn sich auch die urgeschichtliche Besiedlung auf den nördlichen Teil des Mümlingtals beschränkt.5) Die römische Phase der Region begann mit ihrer Eroberung durch Kaiser Domitian in den Jahren 83 bis 85 nach Christus, doch blieb der Odenwald auch in dieser Zeit spärlich besiedelt.6) Nach dem Alemanneneinfall von 259/260 setzte der Rückzug der Römer auf die linke Rheinseite ein, und die Alemannen konnten sich in dem frei gewordenen Gebiet festsetzen. Nach ihren Niederlagen gegen die Franken 496/97 und 506 wurden die Alemannen jedoch aus dem Gebiet verdrängt, das nun in das fränkische Reich eingegliedert wurde.7)

Eine verstärkte Einbindung der rechtsrheinischen Gebiete in das fränkische Reich erfolgte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Sie spiegelt sich unter anderem in der Übertragung der Klöster Fulda, Hersfeld und Lorsch an Karl den Großen wider, der sie mit umfangreichem Landbesitz ausstattete.8) Bei Fulda und Lorsch berührten diese Schenkungen mit der Mark Umstadt und der Mark Heppenheim auch den Odenwald.9) Nach der zwischen 1130 und 1156 geschriebenen jüngeren Vita des Bischofs Burchard von Würzburg (742-753) soll der fränkische Hausmeier Karlmann die villa Michelstadt an Burchard geschenkt haben, der sie zur Ausstattung des neuen Bistums Würzburg benutzte.10) Ob diese späte Überlieferung allerdings auf einer zuverlässigen Basis beruht, ist nicht gesichert, denn im Jahr 815 erscheint Michelstadt als Königsgut.11) Sollte die Angabe der Vita stimmen, müßte Michelstadt also vor 815 durch Würzburg an die karolingischen Könige übergeben worden sein, denn in diesem Jahr schenkte Kaiser Ludwig der Fromme (814-840) die Mark Michelstadt an Einhard (ca. 770-840), den Biographen Karls des Großen (768-814).12) Dieser übertrug seinerseits im Jahr 819 die Mark Michelstadt dem Kloster Lorsch,13) das dadurch bis 1232 zur bestimmenden Kraft im Bereich des heutigen Odenwaldkreises wurde. Das änderte sich mit der am 24. Februar 1232 erfolgten Übertragung des Klosters Lorsch an das Erzstift Mainz durch Papst Gregor IX.14) Denn nach der Übertragung Lorschs an das Erzstift kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Mainz und dem rheinischen Pfalzgrafen, der nicht auf seine Vogteirechte über Lorsch verzichten wollte.15) Diesen Streit konnten sich die Schenken von Erbach zunutze machen. Sie waren ein Ministerialengeschlecht, das sich zum erstenmal um die Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisen [Druckseite XIV] läßt.16) Spätestens zu Anfang des 13. Jahrhunderts stiegen sie im Königsdienst zu königlichen Schenken auf, und dieser Titel wurde dann zum Namensbestandteil.17) Im Windschatten des Streites um Lorsch gelang es den Schenken, sich um Michelstadt, Erbach und Beerfelden herum ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet zu schaffen,18) das von den benachbarten Fürsten als Eigengut der Erbacher anerkannt wurde. Die Anerkennung als erbachisches Eigengut ergibt sich aus einer Urkunde von 1307, in der Michelstadt von dem Pfalzgrafen in den Besitz der Schenken von Erbach zurückgegeben wurde, und aus einer Urkunde von 1311, in der Eberhard VII. von Erbach Michelstadt als sein „aigen“ dem Pfalzgrafen zu Lehen auftrug.19) Durch diese Lehensauftragung, die durch eine Niederlage der Schenken von Erbach gegen den Pfalzgrafen ausgelöst worden war, hatten die Erbacher ihr Territorium zwar nur noch als Lehnsmänner des Pfalzgrafen inne, doch blieben sie die bestimmende Kraft in diesem Raum. Die Herren von Breuberg, die im Norden des heutigen Odenwaldkreises ihre Herrschaft um den Breuberg und Höchst herum aufgebaut hatten, starben bereits 1323 aus.20) Ihre Erben, unter denen die Grafen von Wertheim waren, mußten zunächst die Herrschaft konsolidieren und entwickelten sich nicht zu territorialen Konkurrenten der Erbacher.21) Das gilt auch für die edelfreien Herren von Crumbach-Rodenstein, deren Herrschaft rings um Fränkisch-Crumbach im Nordosten des heutigen Kreisgebiets lag. Sie mußten im 13. und 14. Jahrhundert territoriale Verluste hinnehmen, die sie nicht wieder ausgleichen konnten. Deshalb verloren die Rodensteiner aufgrund ihrer zu geringen wirtschaftlichen Basis im 15. Jahrhundert den Anschluß an den nichtfürstlichen Hochadel.22)

Doch auch für die Schenken von Erbach war es schwer, ihre Herrschaft zu erweitern, da sie außer im Norden fast ganz von den mächtigen Nachbarn Mainz und Pfalz eingeschlossen war. So mußte man sich mit kleineren Erwerbungen zufrieden geben. Wohl noch im 13. Jahrhundert gelangten die Erbacher in den Besitz der Hälfte des Amtes Tannenberg,23) und in der Zeit von 1335 bis 1346 konnten sie das Amt Jossa mit dem Dorf Jugenheim kaufen.24) Im Jahr 1355 erwarben die Schenken vom Erzstift Mainz das Schloß Fürstenau zusammen mit dem halben Dorf König, das sie ab 1459 dann ganz innehatten.25) Im Jahr 1502 konnten die Schenken von Erbach dann die Herrschaft Bickenbach auf dem Erbweg endgültig an sich bringen, doch verloren sie dieses Gebiet bereits 1504 im Bayerischen Erbfolgekrieg an den Landgrafen von Hessen, von dem sie es nun zu Lehen nehmen mußten.26) Auch die Versuche der Erbacher, in der Herrschaft Breuberg Fuß zu fassen, mißlangen zunächst,27) und erst 1556 beziehungsweise 1563 erhielten sie die Hälfte der Herrschaft Breuberg auf dem Erbweg.28) Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Territoriums war, daß Kaiser Karl V. 1532 in Regensburg auf Bitten Eberhards XI. die Schenken von Erbach in den erblichen Reichsgrafenstand erhob.29) Aufgrund ihrer neuen Stellung konnten die Erbacher in ihrem Territorium, das fast dem heutigen Odenwaldkreis [Druckseite XV] entsprach, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Landesherrschaft ausüben. Erst 1806 wurde die Grafschaft Erbach ebenso wie die alte Herrschaft Fränkisch-Crumbach in das Großherzogtum Hessen eingegliedert.30) Im Gebiet der alten Grafschaft Erbach und der Herrschaft Breuberg schuf man 1822 zunächst die beiden Landratsbezirke Erbach und Breuberg. Im Jahr 1848 wurde dann der Regierungsbezirk Erbach gebildet, den man aber schon 1852 wieder in die Kreise Erbach und Neustadt zerlegte, die dann 1874 zum Kreis Erbach vereinigt wurden. Bei der Gebietsreform von 1972 entstand daraus schließlich der Odenwaldkreis, dem die zuvor zum Landkreis Dieburg gehörenden Gemeinden Fränkisch-Crumbach, Brensbach und Wersau angegliedert wurden.31)

2.1. Geschichte und Beschreibung der wichtigsten Standorte

Die Inschriften des Odenwaldkreises verteilen sich auf zahlreiche Orte, deren Geschichte hier nicht im einzelnen behandelt werden kann. Eine ausführliche Würdigung aller Standorte käme einer Geschichte des Landkreises gleich, die einer eigenen Arbeit vorbehalten bleiben muß. Die historische Einleitung beschränkt sich deshalb auf die sieben wichtigsten Standorte, in denen sich auch der größte Teil der Inschriften befindet.

Breuberg

Die Burg Breuberg wurde vermutlich im 12. Jahrhundert durch die Abtei Fulda errichtet, um ihren Besitz in der Gegend um Höchst zu schützen.32) Die wohl edelfreien Herren33) von Breuberg lassen sich zum erstenmal 1222 urkundlich nachweisen.34) Sie nannten sich nach der Burg, die sie als fuldisches Lehen innehatten.35)Bereits 1323 starben die Breuberger jedoch aus,36) und die eine Hälfte der Herrschaft fiel an die beiden Töchter Eberhards von Breuberg, von denen Elisabeth mit Graf Rudolf IV. von Wertheim verheiratet war, und Lukardis Konrad von Weinsberg zum Mann hatte. Die andere Hälfte ging an die beiden Töchter des Arrosius von Breuberg, von denen Kunizza mit Konrad von Trimberg vermählt war, während Mechtilds Ehemann nicht bekannt ist.37) Allerdings verzichtete Mechtild zu Gunsten von Konrad von Trimberg, der nun eine Hälfte der Herrschaft innehatte. Diese Hälfte versetzte Konrad 1336 an Graf Rudolf von Wertheim und Gottfried von Eppstein, den Lukardis nach dem Tode Konrads von Weinsberg geheiratet hatte, und der dadurch im Besitz eines Achtels der Herrschaft Breuberg war. Gottfried verpfändete den Anteil weiter an Wertheim, so daß um 1340 Wertheim drei Viertel der Herrschaft in der Hand hatte.38) Nachdem in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Mitbesitzer mehrfach gewechselt hatten und die Anzahl der Parteien zudem zugenommen hatte, gelang es Wertheim im Jahr 1400 den größten Teil der Herrschaft endgültig für sich zu erwerben. Neben den Grafen von Wertheim erscheinen nur noch die Herren von Eppstein als Besitzer eines Viertels der Herrschaft, das sie aber an die Schenken von Erbach sowie an Heinrich Starkerad, Hans Schelm von Bergen, Heinrich Steinhaus und vor allem 1463 an die Herren von Walbrunn verpfändeten. Im Jahr 1489 verkaufte Gottfried IX. von Eppstein schließlich seine Anteile an Wertheim, das 1497 dann auch den Erbacher Anteil erwerben konnte.39) Wertheim war nun Alleinbesitzer der Herrschaft, die aber immer noch fuldisches Lehen war.40) [Druckseite XVI]

Der vollständige Erwerb der Herrschaft Breuberg war für die Grafen von Wertheim deshalb so wichtig, weil durch das Hausstatut Graf Johanns des Älteren 1398 eine zweite, selbständige Linie der Wertheimer entstanden war, deren Herrschaftsmittelpunkt die Herrschaft Breuberg bilden sollte.41) Der vollständige Erwerb der Herrschaft machte sich in dem umfangreichen Ausbau der Burg durch Graf Michael II. von Wertheim (Nr. 122) bemerkbar. Ab 1499 ließ er die Burg durch eine Aufschüttung vergrößern, die Wehrmauer erweitern und drei Türme errichten.42) Obwohl Michael II. nach dem Aussterben der älteren Wertheimer Linie 1497 auch die Regierung der Grafschaft Wertheim übernommen hatte, hielt er sich auch anschließend überwiegend auf dem Breuberg auf.43) Dadurch verloren die alte Burg Wertheim und die Stadt Wertheim einen Teil ihrer Bedeutung zugunsten des Breuberges. Das macht sich vor allem im Wechsel der Grablege bemerkbar. Waren die ersten beiden Vertreter der Linie Wertheim-Breuberg noch in der Wertheimer Stiftskirche beigesetzt worden,44) fanden nun Michaels Frau Barbara von Eberstein im Jahr 1529 (Nr. 117), sein Sohn Georg 1530 (Nr. 120) und schließlich auch Michael II. (Nr. 122) selbst 1531 ihre letzte Ruhe in der Kirche von Sandbach unterhalb des Breubergs. In Sandbach lag die alte, bereits 1320 nachweisbare Pfarrkirche für das Gebiet des Breubergs,45) während das 1378 von den Grafen von Wertheim gegründete, von Kaiser Karl IV. in demselben Jahr als Marktort privilegierte und im 15. Jahrhundert als „Stadt“ bezeichnete Neustadt46) nur Filialort von Sandbach war.47) Allerdings ließen die Wertheimer schon 1409 dort eine Kapelle errichten,48) und 1480 wurde unter Graf Wilhelm von Wertheim ein Turm für die zu dieser Zeit vermutlich schon erheblich erweiterte Neustädter Kirche erbaut (Nr. 50).49)

Mit dem Tode Michaels II. stand das Haus Wertheim vor einer Krise, denn Michaels Enkel Michael III. war zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre alt. Die Vormundschaftsregierung übernahmen die Mutter Michaels III., Barbara Schenkin von Limpurg, deren Bruder Wilhelm und Graf Wilhelm von Eberstein, doch scheint die Regierung vor allem in den Händen Barbaras gelegen zu haben. Sie war es auch, die 1537 die Reformation in der Herrschaft Breuberg einführte.50) Michael III. selbst übernahm 1551 die Regierung, doch starb er bereits 1556 mit 27 Jahren und wurde ebenfalls in Sandbach bestattet (Nrr. 148, 152).

Da Michael ohne männlichen Erben gestorben war, erlosch mit ihm das Haus Wertheim und der Erbfall trat ein. Im Jahr 1503 hatte Eberhard XI. von Erbach (Nr. 131) Maria von Wertheim (Nr. 146) geheiratet, eine Tochter Graf Michaels II. und der Barbara von Eberstein (Nrr. 117, 122). Gegen den Familienbrauch hatte Maria nicht auf ihr Erbteil verzichtet und schon nach dem Tode Michaels II. 1531 auf ihr Erbe Anspruch erhoben. Es kam zu einem Prozeß, der 1549 vor dem Reichskammergericht mit der Anerkennung ihrer Ansprüche endete. Allerdings verglichen sich die Grafen von Erbach 1551 mit den Grafen von Wertheim. Erbach sollte auf den ihm zustehenden Anteil an der Herrschaft Breuberg verzichten, falls Michael III. von Wertheim männliche Erben haben sollte.51) Da dieser Fall nicht eintrat, sollte die Herrschaft Breuberg 1556 gemäß der Erbverträge von 1551 und 1553 an die Söhne Graf Eberhards XI. von Erbach und der Maria von Wertheim sowie an Ludwig von Stolberg-Königstein fallen, mit dessen Tochter Katharina Michael III. verheiratet gewesen war. Allerdings versuchte Katharina ihrem Vater das ganze Erbe zu übertragen und erst 1563 einigte sich Ludwig von Stolberg-Königstein mit den Grafen von Erbach auf die Teilung der Herrschaft.52) Bereits 1556 hatte man sich aber auf eine Teilung der Burg Breuberg geeinigt,53) und dieser Erfolg der Erbacher machte sich auch in Baumaßnahmen auf der Burg Breuberg bemerkbar. Graf Georg II. ließ zwischen 1558 und 1561 den Torbau am unteren Burghof und 1568 das Erbacher Herrenhaus auf der Südseite der Hochburg errichten (Nr. 86, XII-XIX). [Druckseite XVII]

Als Graf Ludwig von Stolberg-Königstein 1574 ohne männliche Erben starb, ging sein Anteil über seine drei Erbtöchter an Graf Philipp II. von Eberstein, Graf Dietrich VI. von Manderscheid und Graf Ludwig III. von Löwenstein. Im Jahr 1587 sah sich Katharina, die Frau des erkrankten Philipp von Eberstein, gezwungen, ihren Anteil an dem wertheimischen Erbe gegen eine jährliche Zahlung an die beiden anderen Teilhaber zu übergeben. Nach dem Tode Dietrichs von Manderscheid 1593 heiratete seine Witwe den Freiherrn Wilhelm von Kriechingen, der sich nicht an die Erbregelungen halten wollte, weshalb ihm Ludwig III. von Löwenstein die Mitregierung verweigerte. Um die Auseinandersetzungen zu beendigen, übernahm Ludwig von Löwenstein 1598 durch Kauf und Verträge den gesamten ehemaligen stolberg-königsteinschen Anteil an der Herrschaft Breuberg.54)

Nun hatten die Grafen von Löwenstein und die Grafen von Erbach die Herrschaft Breuberg gemeinsam inne, und zunächst herrschte hier gutes Einvernehmen. Dies zeigt sich darin, daß Graf Johann Dietrich von Löwenstein-Wertheim-Rochefort, der mit Johann Casimir von Erbach in Straßburg studiert hatte, diesem eine Bauerlaubnis in der Vorburg der Burg Breuberg gab, die sein Vater noch verweigert hatte (Nr. 253). Johann Casimir konnte dort nun einen Bau mit einem repräsentativen Bankettsaal errichten lassen (Nr. 255).

Während des Dreißigjährigen Krieges kam es allerdings zu heftigen Konflikten zwischen Erbach und Löwenstein. Die protestantischen, aber zunächst kaisertreuen Erbacher sahen sich durch Drohungen des schwedischen Königs Gustav Adolf dazu veranlaßt, sich seiner Partei anzuschließen, während die katholischen Grafen von Löwenstein weiterhin auf der kaiserlichen Seite blieben. Im Auftrag der Schweden bemächtigte sich Graf Gottfried von Erbach gegen den Widerstand der Löwensteiner der gesamten Burg Breuberg und übernahm dort das Kommando.55) Nach seinem Tod 1635 (Nr. 292) konnten jedoch die Löwensteiner mit Hilfe eines kaiserlichen Dekrets das alleinige Kommando auf der Burg an sich bringen.56) Ein Zwischenfall aus dem Jahr 1639 verdeutlicht die angespannte Atmosphäre jener Zeit. Am 31. Juli 1639 begab sich Graf Georg Albrecht von Erbach (Nr. 300) in Begleitung des erbachischen Rats und Amtmanns Johannes Onuphrius Hinderhofen auf die Burg Breuberg, um sich über die Übergriffe der löwensteinschen Soldaten zu beschweren. In dieser Situation löste sich aus der Waffe eines löwensteinschen Soldaten ein Schuß, der als Querschläger Hinderhofen tödlich traf (Nr. 297). Auch in den folgenden Jahren behaupteten sich die Löwensteiner auf der Burg, und erst 1644 konnte Erbach den Breuberg mit Waffengewalt an sich bringen. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 war die Burg dann wieder im gemeinsamen Besitz beider Parteien.57)

Erbach

Die Burg Erbach wird 1303 zum erstenmal erwähnt,58) doch stammt ein Teil des Bergfrieds wohl noch aus dem frühen 13. Jahrhundert.59) Die Burg scheint zunächst ganz in der Hand der Erbacher gewesen zu sein, denn der vor 1303 verstorbene Gerhard Schenk von Erbach verkaufte die Hälfte der Burg an Gerlach von Breuberg. Es kam deshalb zum Streit zwischen den übrigen Schenken von Erbach und den Herren von Breuberg, der erst 1303 beigelegt wurde.60) In den Auseinandersetzungen zwischen den Erbachern und dem Pfalzgrafen zwischen 1307 und 1311 geriet die Burg dann vollständig in die Hand des Pfalzgrafen,61) doch versprach Pfalzgraf Ludwig 1314 dem Mainzer Erzbischof, das Schloß an Konrad III. von Erbach und Eberhard von Breuberg wieder zurückzugeben, falls er die Stimme des Mainzers bei der Königswahl erhielte.62) An diese Vereinbarung hat sich Ludwig nach seiner Königswahl gehalten.63) Als Erben der 1323 ausgestorbenen Herren von Breuberg kamen die Herren von Eppstein und die Grafen von Wertheim in den Besitz eines Teiles der Burg, doch verzichteten sie 1365 beziehungsweise 1371 auf ihren Besitz zugunsten der Schenken von [Druckseite XVIII] Erbach.64) Die Burg wurde nun Sitz der Linie der Schenken von Erbach-Erbach, bis diese 1503 mit Erasmus von Erbach ausstarb.

Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts sind eine Reihe von Baumaßnahmen an der Burg dokumentiert. Im Jahr 1497 hatte Erasmus Schenk von Erbach den Bergfried umgebaut, der einen Helm mit drei, durch abgetreppte Giebel verzierten Turmerkern erhielt (Nr. 68). Graf Eberhard XII. von Erbach ließ 1540 den Kanzleibau (Nr. 133) und 1550 den sogenannten „Alten Bau“ errichten (Nr. 144). Graf Georg III. baute dann 1571 einen neuen Torbau (Nr. 173) und sorgte für weitere Baumaßnahmen in den Jahren 1579 (Nr. 190) und 1593 (Nr. 220). Im Jahr 1736 wurde dann der Hauptbau des alten Schlosses abgerissen, um einem neuen Bau Platz zu machen.65) Dieses Gebäude ist für die Geschichte der Grabdenkmäler des Hauses Erbach von erheblicher Bedeutung, denn Graf Franz I. von Erbach-Erbach ließ zu Anfang des 19. Jahrhunderts die meisten Grabdenkmäler seiner Familie, die sich in der Einhards-Basilika in Steinbach befanden, in die in dem neuen Schloßgebäude angelegte Einhardskapelle überführen.66)

Um die Burg Erbach herum entwickelte sich wohl im 13. Jahrhundert eine Burgmannensiedlung.67) Bereits 1303 sind Burgmannen nachweisbar,68) und eine Urkunde von 1382 erwähnt sechs Burgmannen, die ihren Sitz in Erbach hatten.69) Ihre Häuser bildeten den Ursprung des Erbacher Städtels.70) Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts werden auch ihre Namen faßbar, unter ihnen die Familien von Brensbach, Echter von Mespelbrunn und von Habern.71) Einige der Häuser im Städtel können heute noch durch Wappentafeln und Inschriften diesen Familien zugewiesen werden. So ist das heutige Anwesen Städtel 26 das ehemalige Burgmannenhaus des Cunz von Brensbach, das 1425 in den Besitz der Familie von Habern kam und von diesen 1515 umgebaut wurde (Nr. 107). Aus dem 16. Jahrhundert lassen sich auch zwei Höfe der Echter von Mespelbrunn nachweisen (Nrr. 140, 254), die schon 1398 mit zwei Häusern in Erbach nachweisbar sind.72) Im Jahr 1545 erhielt Erbach dann unter Graf Eberhard XII. ein eigenes Rathaus, das 1594 erweitert wurde (Nr. 107).

Eine Kapelle läßt sich für Erbach zum erstenmal 1341 nachweisen.73) Sie war Filialkirche von Michelstadt und blieb dies bis 1498.74) Allerdings erhielt Erbach im Brudergrund mit Zustimmung Papst Alexanders VI. 1496 einen eigenen Friedhof, der bis Anfang der 1590er Jahre benutzt wurde (Nr. 171).75) Im Jahr 1590 legte man einen neuen Friedhof an, und für 1596 ist die Fertigstellung der neuen Friedhofskapelle inschriftlich bezeugt (Nr. 226).

Fränkisch-Crumbach

Fränkisch-Crumbach und die Burg Rodenstein bildeten den Mittelpunkt der Herrschaft Crumbach-Rodenstein. Sie war Eigengut76) der edelfreien Familie von Crumbach, die sich zum erstenmal in der Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisen läßt.77) Von dieser Familie spalteten sich im 13. Jahrhundert die Herren von Rodenstein ab.78) Der erste sicher bezeugte Rodensteiner ist der Mainzer Domherr Heinrich (1293-1327).79) Die Linie nannte sich nach der Burg Rodenstein, die zwar erst 1346 urkundlich [Druckseite XIX] erwähnt wird,80) aber vermutlich bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut wurde.81) An der Burg scheinen allerdings die Grafen von Katzenelnbogen von Anfang an beteiligt gewesen zu sein.82) Zu Fränkisch-Crumbach gehörte eine eigene Zent mit allodialem Zentgericht und Hochgerichtsbarkeit für Fränkisch-Crumbach, Bierbach, Erlau, Güttersbach und Michelbach.83) Die Pfarrei Fränkisch-Crumbach ist 1327 zum erstenmal belegt,84) doch dürfte die dem heiligen Laurentius geweihte Kirche noch aus dem 13. Jahrhundert stammen.85) Sie diente vermutlich von Anfang an als Grablege der Herren von Crumbach und von Rodenstein,86) doch lassen sich Bestattungen erst ab 1470 (Nr. 45) nachweisen. Im Jahr 1485 ließ Hans III. von Rodenstein durch Konrad von Mosbach einen neuen gotischen Chor errichten (Nr. 58).

Mit dem Tode Engelhards von Rodenstein-Lißberg 1470 (Nr. 45) starb die oberhessische Lißberger Linie der Herren von Rodenstein aus.87) Die Besitzungen fielen nun an Hans III. von Rodenstein, der im Alter von 53 Jahren 1471 seine erst 14 Jahre alte Verwandte Anna von Rodenstein-Lißberg geheiratet hatte (Nr. 71). Obwohl Hans III. 1500 den gesamten Besitz der Rodensteiner noch einmal in seiner Hand vereinigen konnte,88) ließ sich der soziale Abstieg der Familie nicht mehr aufhalten. Ihre geringe Besitzbasis hatte schon seit der Mitte des 14. Jahrhunderts dazu geführt, daß sie immer mehr Anteile der Burg Rodenstein an die Grafen von Katzenelnbogen verpfänden und verkaufen mußte, bis diese 1422 schließlich im Besitz der gesamten Burg erscheinen.89) Im Jahr 1436 belehnte Graf Johann von Katzenelnbogen schließlich Hans II. von Rodenstein-Lißberg mit der ehemals im Rodensteiner Besitz befindlichen Hälfte der Burg.90)

In den Eheverbindungen fanden die Rodensteiner seit dem 14. Jahrhundert nur noch Anschluß an die unterste Schicht des nichtfürstlichen Hochadels, der durch die Herren von Frankenstein, die Herren von Lißberg und die Schenken von Erbach repräsentiert wird. Allerdings dominierten Verbindungen mit ritteradeligen Familien.91) Auch in der Titulatur wird der soziale Abstieg der Rodensteiner faßbar, da sie im 16. Jahrhundert in den Urkunden und auch in den Inschriften die Standesbezeichnung „Herr zu Rodenstein“ ablegten.92) Besonders deutlich wird der soziale Abstieg der Rodensteiner darin, daß in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Philipp III. (Nr. 198) und sein Bruder Georg Otto (Nr. 217) als Breuberger Amtmänner der mittlerweilen zu Grafen aufgestiegenen Schenken von Erbach begegnen, mit denen die Rodensteiner noch im 15. Jahrhundert als standesgleich gegolten hatten. Allerdings blieb die Herrschaft Rodenstein im Eigentum der Rodensteiner, wodurch sie eine Sonderstellung erhielten, da sie weder der Reichsritterschaft angehörten, noch landsässig waren.93)

Im Jahr 1555 kam es unter den Söhnen Hans' IV. von Rodenstein (Nr. 121) zu einer Erbteilung. Engelhard (1511-1568) gründete die Dalsheimer Linie, während der 1563 verstorbene Georg III. und sein Bruder Hans V. (Nr. 193) sich die Besitzungen der alten Herrschaft Rodenstein teilten.94) Da Hans 1580 kinderlos starb, fiel die gesamte Herrschaft Rodenstein an die Söhne Georgs III.95) Während die Dalsheimer Linie bis zu ihrem Aussterben 1627 katholisch blieb, wandten sich Hans V. und sein Neffe Philipp III. (Nr. 198) dem lutherischen Bekenntnis zu. In den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts führte Philipp in der Herrschaft Rodenstein die Reformation ein und berief 1579 mit Johannes Busch den ersten lutherischen Pfarrer nach Fränkisch-Crumbach.96) [Druckseite XX]

Philipp III. ließ in Fränkisch-Crumbach auch einen neuen Herrschaftssitz für seine Familie errichten. Während sein Onkel Hans V. sich vorwiegend auf der Burg Rodenstein aufhielt, beschlossen Philipp und seine Frau Margarete von Habern im Jahr 1572, direkt neben der Kirche von Fränkisch-Crumbach einen herrschaftlichen Hof zu bauen, der 1574 vollendet wurde.97)

Höchst

Höchst gehörte der Reichsabtei Fulda, und bereits im Jahr 1156 erscheint ein fuldisches Lehnsgericht zu Höchst.98) Das Augustinerinnenkloster Höchst wird 1244 zum erstenmal erwähnt.99) Die Nennung eines Herrn von Crumbach als „advocatus“ (Vogt) in einer Urkunde Graf Dieters von Katzenelnbogen im Jahr 1219100) wird auf Höchst bezogen, da das Herrschaftsgebiet der Herren von Crumbach dem Kloster benachbart war.101) Die Vogtei wurde vom Abt des Klosters Fulda vergeben. Als Obervögte erscheinen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts regelmäßig die Pfalzgrafen bei Rhein, die Untervogtei blieb bis Anfang 1314 bei den Herrn von Crumbach, die sie im Januar dieses Jahres an das Kloster Höchst verkauften.102) Wann die Obervogtei an die Grafen von Wertheim gelangte, deren Erben 1566 als Kastenvögte und Schutz- und Schirmherren des Klosters bezeichnet werden,103) ist unbekannt.

Im 13. Jahrhundert und wohl auch noch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts prosperierte das Kloster, denn der Abt von Fulda mußte im Jahr 1290 die Zahl der Konventualinnen, die im Kloster aufgenommen werden durften, auf 32 begrenzen.104) Aus dieser Phase des Klosters sind die Grabplatten für den Dekan Crafto von 1336 (Nr. 15), für die Meisterin des Klosters Ida von Erbach von 1345 (Nr. 16) sowie für den Grafen Otto von Waldeck von 1310 (Nr. 12) erhalten geblieben. Die letzte Platte zeigt, daß die Klosterkirche nicht nur für die Angehörigen des Konvents, sondern auch für Adelsfamilien als Bestattungsort diente. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Klosters jedoch, und in einer Urkunde von 1397 werden seine großen Schulden erwähnt.105) Im 15. Jahrhundert scheint sich die Situation nicht wesentlich gebessert zu haben, und 1506 gab der zuständige Abt Johannes von Fulda der letzten Konventualin der Augustinerinnen wegen ihres Alters den Abschied.106) Im Jahr 1508 wurde das Kloster reformiert und mit Benediktinerinnen besetzt.107) In dieser Zeit wurden die Zellen der Nonnen mit neuen Ausmalungen geschmückt (Nr. 95a), und in den Jahren 1514 und 1534 kam es zu Baumaßnahmen an den Klostergebäuden (Nr. 106). Zwar wurde in der Herrschaft Breuberg, in der Höchst lag, 1537 die Reformation eingeführt,108) doch das immer noch zu Fulda gehörende Kloster blieb davon unberührt. Allerdings machten sich jetzt auch im Konvent der Benediktinerinnen wirtschaftliche Probleme und mangelnder personeller Zuwachs bemerkbar. Nach dem Tode der Äbtissin Margarete Reußer 1557 blieb Anna Gans von Otzberg als letzte Nonne übrig, die vom Abt von Fulda zur Äbtissin ernannt wurde.109) Inzwischen war die Herrschaft Breuberg nach dem Tode des Grafen Michael III. von Wertheim 1556 (Nrr. 148, 152) je zur Hälfte an die Grafen von Erbach und die Grafen von Stolberg-Königstein gefallen.110) Nachdem 1563 eine Einigung über die Teilung erzielt worden war, befand sich Höchst im Besitz beider Familien.111) Unter ihrem Einfluß wurde 1566 mit dem Neubau der verfallenen Klosterkirche begonnen, die 1568 vollendet wurde (Nr. 164). Wenn auch formal die Geschäfte noch in der Hand der Äbtissin lagen,112) nennt die Bauinschrift der Kirche doch nur Graf Ludwig von [Druckseite XXI] Stolberg-Königstein und Graf Georg II. von Erbach als Bauherren (Nr. 163). Diese hoben das Kloster nach dem Tode der Anna Gans von Otzberg 1567 auf, ohne daß der Abt von Fulda der Maßnahme zunächst widersprach.113) Im Jahr 1569 wurde Johannes Würtzburger (Nrr. 207, 208) als erster evangelischer Pfarrer in Höchst eingesetzt, der zugleich als Klosterverwalter amtierte.114) Erst 1570 versuchte der Fuldaer Fürstabt Balthasar von Dernbach Höchst zurückzugewinnen und legte dazu auch Beschwerde beim Kaiser ein, worauf es 1573 zu einem Prozeß um das Kloster kam. Nach der Absetzung Balthasars 1576 stagnierte der Prozeß jedoch, und Fulda konnte seine Rechte an Höchst nicht mehr durchsetzen.115)

Michelstadt

In der Urkunde, durch welche Kaiser Ludwig der Fromme 815 die Mark Michelstadt an Einhard (ca. 770-840), den Biographen Karls des Großen (768-814),116) und seine Gemahlin Imma schenkte, wird für den Ort Michelstadt eine bescheidene Holzkirche erwähnt.117) Im 9. Jahrhundert wurde die Holzkirche möglicherweise auf Veranlassung Einhards durch einen Steinbau ersetzt, denn die ältesten Fuldaer Annalen berichten zu 821 von der Weihe einer Kirche in Michelstadt.118) Zu nicht genau bekannter Zeit wurde diese Kirche dann an der Ost- und an der Westseite erweitert.119) Für die Zeit um 1140 ist erstmals ein Marienaltar in der Michelstädter Kirche nachweisbar.120) Aus dieser Zeit stammt auch die älteste erhaltene Grabplatte (Nr. 4). Zusammen mit mehreren bei der Grabung von 1967 entdeckten Steinsärgen belegt sie, daß die Kirche schon früh als Bestattungsort diente. Hierbei stand sie in Konkurrenz zu der 1073 errichteten Lorscher Propstei Michelstadt-Steinbach. Die nächste erhaltene Grabplatte stammt erst aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts (Nr. 10). Sie deckte das Grab eines unbekannten Ritters von Hochheim. Aufgrund dieser extrem lückenhaften Überlieferungssituation bleibt es fraglich, welche Familien vom 12. bis zum 14. Jahrhundert in der Michelstädter Kirche bestattet wurden und in welchem Verhältnis sie zu den Herren von Michelstadt, den Schenken von Erbach, standen. Erst im 15. Jahrhundert läßt sich die Bestattung Erbachischer Lehnsträger und Dienstmannen sowie reicher Bürger in der Michelstädter Kirche belegen.121)

Die Burg Michelstadt, die sich bereits unter Abt Gerbod von Lorsch (951-972) nachweisen läßt,122) sowie der zugehörige Ort, der 1311 als „oppidum“ und 1314 als „stat“ genannt wird,123) dürften im Laufe des 13. Jahrhunderts in die alleinige Hand der Erbacher gekommen sein und bildeten das Kernstück des erbachischen Territoriums. Das blieb auch so, nachdem die Schenken von Erbach im Jahr 1311 Michelstadt dem Pfalzgrafen hatten zu Lehen auftragen müssen.124) Die Bestattung eines Schenken von Erbach in der Michelstädter Pfarrkirche ist aber erst 1387 nachweisbar. Heinrich I. Schenk [Druckseite XXII] von Erbach (Nr. 25), dessen Frau Anna (Nr. 24) noch im Kloster Steinbach bestattet worden war, bestimmte in seinem Testament, ihn in der Pfarrkirche beizusetzen. Zudem stiftete er für den Liebfrauenaltar 400 Gulden, damit der zuständige Priester für sein Seelenheil betete, und weitere 20 Gulden, damit der Pfarrer der Michelstädter Kirche sein Jahresgedächtnis mit Vigilien und fünf Messen feierte.125) Die Entscheidung Heinrichs könnte durch den möglicherweise schon zu dieser Zeit einsetzenden Niedergang des Klosters Steinbach ausgelöst worden sein.126) Zwar wurde Johannes Schenk von Erbach 1404 noch in Steinbach bestattet (Nr. 29), doch danach machte Heinrichs Vorbild Schule, und 1423 erhielten Konrad VII. Schenk von Erbach und seine Frau Agnes ihr Begräbnis ebenfalls in der Michelstädter Pfarrkirche (Nr. 30), über welche die Schenken von Erbach auch das Patronat besaßen.127) Damit löste die Michelstädter Pfarrkirche das Kloster Steinbach als Familiengrablege der Schenken von Erbach ab.128) Ein Grund dafür könnte darin liegen, daß die Kontrolle über den Vollzug der Totenmemoria in der Pfarrkirche für die Patronatsherren einfacher war als im Kloster. Philipp I. und seine Frau Lukardis planten nun einen Neubau der Kirche. Dieser Plan entsprang zum einen sicherlich der persönlichen Frömmigkeit Philipps und seiner Frau,129) zum anderen aber wohl auch dem Wunsch nach einer repräsentativen Grablege im Zentrum ihrer Herrschaft.130)

Philipp erlebte den Baubeginn jedoch nicht mehr. Er starb 1461 und wurde noch in dem alten karolingischen Bau bestattet (Nrr. 37, 38). Aber noch in demselben Jahr legte sein Sohn Adalar den Grundstein für den Chorneubau (Nr. 39), der vermutlich spätestens 1464 abgeschlossen war.131) Nach dem Wortlaut einer weiteren Bauinschrift (Nr. 46) wurde das Langhaus erst 1475 unter den Schenken Philipp II., Georg I. und Johann IV. begonnen. Ein Wechsel der Steinmetzzeichen vier Steinschichten oberhalb der Tafel zeigt die Fortsetzung des Baus durch andere Werkleute an und spricht für eine längere Bauunterbrechung.132) Im Jahr 1490 wurde der Neubau dann durch Konrad von Mosbach fortgesetzt und 1497 fertiggestellt.133) Während der ganzen Bauperiode hatte die Kirche ihre Funktion als Grablege weiter erfüllt, wovon eine Reihe qualitätvoller Grabplatten Zeugnis ablegt.134) Hinzu kommt das beeindruckende Epitaph, mit dem Philipp I. 20 Jahre nach seinem Tod zusammen mit seinem Sohn Georg im Jahr 1481 noch einmal verewigt wurde (Nr. 53).

Mit dem Tode des Erasmus Schenk von Erbach erlosch 1503 die alte Linie Erbach-Erbach, die sich seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Kloster Schönau hatte bestatten lassen.135) Michelstadt war nun die einzige Familiengrablege der Erbacher. Im Jahr 1507 entschlossen sich Valentin I. (Nr. 124) aus der Michelstädter Linie der Schenken von Erbach und Eberhard XI. (Nr. 131) aus der Fürstenauer Linie die bisher turmlose Kirche mit einem Turm zu versehen, der an die Südmauer des Chores angebaut wurde (Nr. 94). Die Bauarbeiten zogen sich allerdings hin und wurden erst 1537 endgültig abgeschlossen.136) Bereits 1535 hatte der Turm aber schon ein Geläut aus drei Glocken erhalten (Nrr. 127-129), zu denen 1542 noch eine vierte hinzukam (Nr. 135).

Mittlerweile war Schenk Valentin 1531 gestorben (Nr. 124) und Eberhard XI. konnte den Besitz der drei Linien der Schenken von Erbach in seiner Hand vereinigen. In dieser gestärkten Position erlangte er 1532 durch Kaiser Karl V. die Erhebung in den Reichsgrafenstand.137) Sein Tod 1539 führte zu neuen Bautätigkeiten an der Kirche, da seine Frau Gräfin Maria von Wertheim für ihn eine Grabkapelle errichten ließ, die 1542 durch Moritz Lechler vollendet wurde (Nr. 62,VI). In der Kapelle [Druckseite XXIII] ließ Maria für ihren Mann und für sich selbst ein großes Epitaph errichten, das die Bedeutung Eberhards und den Aufstieg der Erbacher sichtbar machen sollte (Nr. 136). Seit dem monumentalen Doppelepitaph für Philipp I. und Georg I. von 1481 erhielt damit zum erstenmal wieder ein Erbacher ein Epitaph.

Im Jahr 1543 kam es dann zu einer weiteren Baumaßnahme an der Kirche, als Lorenz Lechler das schadhafte Chormauerwerk erneuerte und den Chor neu einwölbte (Nr. 62, VII).138) Bei dieser Gelegenheit ließen Maria und ihre Söhne Georg II. und Eberhard XII. gemeinsam mit ihren Frauen Herzogin Elisabeth von Pfalz-Simmern und Margareta Wild- und Rheingräfin zu Dhaun Wappenscheiben in einem der Chorfenster anbringen (Nr. 137). Damit endet die Reihe der für den Zeitraum bis 1650 dokumentierten Baumaßnahmen. Das innere Erscheinungsbild der Kirche wurde aber weiterhin von seiner Funktion als Grablege mitbestimmt. Auffällig ist dabei, daß man seit 1535 auf figürliche Grabdenkmäler zunächst verzichtete. Der Grund dafür könnte in der Hinwendung zum lutherischen Bekenntnis liegen. Während sich Graf Eberhard XI. in der Glaubensfrage noch nicht eindeutig festgelegt hatte, führte sein Sohn Georg II. mit Unterstützung Eberhards XII. und Valentins II. ab 1544 schrittweise die Reformation ein und erließ im Jahr 1560 eine Kirchenordnung. Die drei Brüder neigten dabei deutlich Philipp Melanchthon und der oberdeutschen Ausprägung der Reformation zu.139) Im Verzicht auf jegliche figürliche Darstellung scheinen sie sogar durch das strenge Bilderverbot Calvins beeinflußt worden zu sein,140) denn die Epitaphien für Georg (Nr. 160), Eberhard XII. (Nr. 166) und seine Tochter Margarete (Nr. 165) blieben ohne jeden Bilderschmuck und stechen nur durch ihre Materialien Alabaster und Schiefer sowie durch ihr Schriftbild hervor. Den offenen Übergang Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz zum Calvinismus haben die Erbacher jedoch nicht mitgemacht, wenn auch Georg und Eberhard den oberdeutschen Kräften am Heidelberger Hof zunächst den Weg gebahnt hatten.141) Es ist deshalb nicht besonders auffällig, daß sich in den nächsten beiden Generationen bei den Epitaphien eine andere Darstellungsform durchsetzte, die sehr viel mehr auf Repräsentation und Selbstdarstellung abzielte. Georg III., der einzige Sohn Eberhards XII. und der Margareta Wild- und Rheingräfin zu Dhaun, der den Calvinismus entschieden ablehnte,142) erhielt ein monumentales Epitaph im Chor der Michelstädter Stadtkirche, das ihn selbst als Liegefigur in Ritterrüstung zeigt (Nr. 250). Auch seine beiden Söhne Friedrich Magnus (Nr. 267) und Johann Casimir von Erbach (Nr. 279) erhielten 1620 beziehungsweise 1627 monumentale figürliche Grabdenkmäler. Diese drei Denkmäler prägen auch heute noch das Erscheinungsbild des Chores der Michelstädter Stadtkirche.

Spätestens in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts löste der neue Michelstädter Friedhof den um die Kirche gelegenen Friedhof als Begräbnisstätte ab. Nach einer nicht gesicherten Überlieferung soll der Friedhof bereits 1535 angelegt worden sein,143) doch stammt das älteste erhaltene Grabdenkmal erst von 1566 (Nr. 162). Als Friedhofskapelle diente die alte Heilig-Kreuz-Kapelle auf der Kapellenwiese, die man abbrach und auf dem Friedhofsgelände wiedererrichtete.144) Die erhaltenen Grabdenkmäler wurden für wohlhabende Michelstädter Bürger, Angehörige von Pfarrersfamilien und erbachische Amtsträger wie Keller, Schultheißen und Zentgrafen gesetzt und gewähren so einen Blick auf die soziale Oberschicht Michelstadts.145)

Michelstadt-Steinbach, Einhards-Basilika

Der Platz, an dem sich heute die Ruine des Klosters Steinbach befindet, war bereits vor der Gründung des Klosters besiedelt, doch lassen die schwer zu interpretierenden archäologischen Befunde keine Aussage darüber zu, wann die Besiedlung einsetzte.146) Als Kaiser Ludwig der Fromme die Mark Michelstadt am 11. Januar 815 an Einhard schenkte, stand in Michelstadt bereits eine hölzerne Basilika.147) [Druckseite XXIV] Etwas abseits von diesem schon bestehenden Zentrum ließ Einhard Häuser und Unterkünfte sowie eine ansehnliche Kirche errichten.148) Nach seiner eigenen Aussage wollte Einhard sich dort niederlassen, wenn er sich von seinen Verpflichtungen am Hof Kaiser Ludwigs des Frommen zurückgezogen habe.149) Er beauftragte im Jahr 827 seinen „notarius“ Ratleik (gest. 854), in Rom für die fertiggestellte Basilika150) Reliquien zu erwerben.151) Ratleik gelang es allerdings nur mit Schwierigkeiten, sich in der Katakombe SS. Marcellino e Pietro unter fragwürdigen Umständen in den Besitz der Reliquien der beiden Heiligen Marcellinus und Petrus zu bringen. Die Heiligengebeine wurden anschließend in das Frankenreich gebracht und trafen im Oktober oder November in Michelstadt ein, wo die Reliquien in der neuen Steinbacher Basilika deponiert wurden.152) Angesichts der Bedeutung der beiden Heiligen und der Schwierigkeit, im abgelegenen und seit 819 dem Kloster Lorsch unterstehenden Steinbach einen angemessenen, selbständigen Kult für Marcellinus und Petrus zu etablieren, entschloß sich Einhard jedoch, die Gebeine weiter nach Mulinheim, dem späteren Seligenstadt, zu überführen.153) Dort trafen die Reliquien im Januar 828 ein.154)

Nachdem Einhard Steinbach verlassen hatte, scheint auch das von ihm dort gegründete Kloster aufgegeben worden zu sein. Zwar hatte Einhard die Mark Michelstadt schon 819 an das Kloster Lorsch geschenkt, dem der gesamte Besitz nach dem Tode Einhards und seiner Frau Imma zufallen sollte,155) doch gibt es keine Hinweise darauf, daß Steinbach in dieser frühen Zeit von Lorsch aus mit Mönchen besiedelt wurde. Erst im Jahr 1073 gründete Abt Udalrich von Lorsch (1056-1075) eine Propstei in Michelstadt-Steinbach, das laut dem Lorscher Codex seit Einhards Zeiten verfallen war.156) Die Wiederbesiedlung Steinbachs diente dem Kloster Lorsch zur Erschließung neuer wirtschaftlicher Ressourcen und zur besseren herrschaftlichen Durchdringung des Odenwaldes,157) und auch unter Abt Anselm (1088-1101) wurde die Propstei gezielt gefördert.158)

Der neuen Blüte Steinbachs in dieser Zeit verdanken wir die frühesten inschriftlichen Zeugnisse des Mittelalters im Odenwaldkreis. Denn in den Jahren nach 1111 kam es zum Streit zwischen Abt Benno von Lorsch (1111-1119) und Libelinus, dem Propst von Michelstadt-Steinbach, weil der Abt die Burg Weinheim auf einem Gelände hatte errichten lassen, das der Propstei gehörte. Im Laufe der Auseinandersetzungen wurde Benno zunächst aus Lorsch vertrieben, konnte dann aber mit Hilfe Kaiser Heinrichs V. zurückkehren und wollte nun Libelinus bestrafen.159) Nach seiner Ankunft in Steinbach starb Benno jedoch überraschend und wurde in der Propstei bestattet. Seine Grabplatte befindet sich heute im Erbacher Schloß (Nr. 1). Auch das ungleich aufwendigere Nischengrab seines Kontrahenten Libelinus blieb erhalten und steht heute ebenfalls im Erbacher Schloß (Nr. 2). Zwei weitere Grabdenkmäler des 12. Jahrhunderts in Steinbach (Nrr. 3, 5), von denen eines nachweislich für einen Laien geschaffen wurde (Nr. 3), zeigen, daß die Propstei in dieser Zeit nicht nur für den dort beheimateten Konvent als Bestattungsort diente und dadurch der Michelstädter Pfarrkirche als Bestattungsort Konkurrenz machte.160)

Für die folgende Zeit ist nur wenig über die Geschichte der Propstei bekannt.161) Der letzte bekannte Propst Adelhelm wird in den Jahren 1222 bis 1224 in den Urkunden genannt.162) Im Jahr 1232 bestätigte dann Papst Gregor IX. (1227-1241) einem Benediktinerinnenkonvent in Steinbach den [Druckseite XXV] Propsteibesitz.163) Zwischen 1224 und 1232 muß die Propstei also zu einem Benediktinerinnenkloster umgewandelt worden sein. Möglicherweise war der Grund hierfür die am 24. Februar 1232 erfolgte Übertragung des Klosters Lorsch an das Erzstift Mainz durch den Papst.164) Dieses Ereignis war noch in anderer Weise für das Kloster von Bedeutung, denn es lag nun in dem Herrschaftsgebiet der Schenken von Erbach, das sich diese im 13. Jahrhundert im ehemaligen Lorscher Gebiet um Michelstadt und Erbach aufgebaut hatten. Zwar regelte der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein (1259-1284) im Jahr 1269 die Unterordnung Steinbachs unter das inzwischen zur Prämonstratenserpropstei umgewandelte Lorsch in weltlichen wie geistlichen Dingen,165) doch dürfte der Einfluß der Schenken von Erbach auf das mitten in ihrem Herrschaftsgebiet gelegene Steinbach nicht ohne Bedeutung gewesen sein,166) zumal sie bis zum 15. Jahrhundert die Vogtei über das Kloster besaßen.167)

Wohl aufgrund der Nähe zu Michelstadt wählten die Erbacher Steinbach im 13. und 14. Jahrhundert zu ihrer Grablege. Zum erstenmal greifbar wird das Kloster als Grablege der Schenken im Jahr 1279, als sich dort Konrad II. Schenk von Erbach mit seiner Frau Gertrud Gräfin von Ziegenhain bestatten ließ (Nr. 6). Diese Ehe war sichtbarer Ausdruck des sozialen Aufstiegs der Schenken von Erbach im 13. Jahrhundert. Indem Konrad eine Frau aus dem Grafenhaus Ziegenhain, sein Bruder Johann I. die Gräfin Anna von Rieneck und Eberhard V. Agnes aus dem edelfreien Geschlecht der Herren von Breuberg heirateten, fanden die ursprünglich aus einem unfreien Ministerialengeschlecht stammenden Erbacher den Anschluß an den nichtfürstlichen Hochadel.168) Diesen sozialen Aufstieg setzten die Schenken von Erbach in ihrer Grablege im Kloster Steinbach ins Bild um. Aus der Zeit zwischen 1279 und 1304 blieben hier die Tumbenplatten für Konrad II. und seine Frau Gertrud von Ziegenhain (Nr. 6), für Eberhard V. (Nr. 7) und seine Gemahlin Agnes von Breuberg (Nr. 11) sowie für Johannes I. (Nr. 8) erhalten. Im kastenförmig eingetieften Feld der Platten steht jeweils eine Figur in Hochrelief. Aufwendige Grabdenkmäler dieser Art sind in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bei Laien selten und vor allem beim fürstlichen Hochadel und bei Grafen nachweisbar. Die Schenken von Erbach wählten diese Darstellungsform, um dadurch ihre Bedeutung zum Ausdruck bringen und sich als eine dem Hochadel gleichrangige Familie zu präsentieren.

Es ist bezeichnend, daß diese Darstellungsform bei den Schenken von Erbach abrupt endete, nachdem sie 1311 eine schwere Niederlage gegen Pfalzgraf Rudolf erlitten hatten. Seitdem Kaiser Friedrich II. 1232 das Kloster Lorsch an das Erzbistum Mainz übertragen hatte, schwelte ein Konflikt zwischen dem Erzbischof und dem Pfalzgrafen um den Lorscher Besitz im Odenwald und an der Bergstraße. Im Odenwald besaß der Pfalzgraf die bessere Ausgangsposition, doch bedeutete der kompakte und weitgehend geschlossene Besitz der Schenken von Erbach ein ernstes Hindernis für den Herrschaftsausbau. Bereits 1307 erhielten die Erbacher Michelstadt vom Pfalzgrafen nur unter der Bedingung zurück, dort keine Befestigung gegen seinen Willen zu errichten, und in demselben Jahr mußten sie von ihm ihre Burg Reichenberg zu Lehen nehmen.169) Im Jahr 1311 hatte Pfalzgraf Rudolf dann das kurz zuvor von ihm zerstörte Michelstadt und die Burg Erbach in seiner Hand. Diese beiden Kernstücke ihres Besitzes konnten die Schenken nur dadurch retten, daß sie sie der Pfalz zu Lehen auftrugen und dem Pfalzgrafen das Öffnungsrecht zusicherten.170) [Druckseite XXVI]

Dieses schwerwiegende Ereignis hatte sichtbare Folgen. Die beiden besonders betroffenen Schenken von Erbach, Eberhard VII. und Heinrich genannt Rauch, erhielten nach ihrem Tod in den Jahren 1327 und 1334 jeweils nur einfache Grabplatten mit Umschrift und einem Wappen im Feld (Nrr. 13, 14). Auch im Konnubium machte sich die Krise bemerkbar. Heinrich und Eberhard VII. gelang es noch, mit Klara von Löwenstein und Mene von Sponheim jeweils eine Grafentochter zu heiraten. Danach aber konnte keiner der männlichen Schenken von Erbach, die in der Krisenzeit oder unmittelbar danach heirateten, eine Grafentochter ehelichen. Sie blieben auf Frauen aus den edelfreien oder reichsministerialen Familien der Rodensteiner, Steinacher und Weinsberger beschränkt, die in der unmittelbaren Nachbarschaft beheimatet waren. Erst Eberhard VIII. heiratete 1347 mit Elisabeth von Katzenelnbogen wieder die Angehörige eines Grafenhauses.171)

Und noch eine weitere Folge hatte die Auseinandersetzung mit dem Pfalzgrafen. Konrad III. suchte den Ausgleich mit der Pfalz, zählte bereits 1339 zu den Räten Pfalzgraf Rudolfs II.172) und scheint als erster Erbacher das pfälzische Erbschenkenamt übertragen bekommen zu haben.173) Möglicherweise aufgrund seiner engen Verbindung zur Pfalz setzte mit ihm 1363 auch die Bestattung der Schenken von Erbach im Kloster Schönau ein, dessen Schutzherren die Pfalzgrafen waren. Schönau blieb von da an Bestattungsort der alten Erbach-Erbacher Linie, bis sie mit Erasmus von Erbach 1503 erlosch.174) Steinbach hatte damit eine Konkurrenzgrablege außerhalb des Machtbereichs der Erbacher erhalten. Die beiden anderen Linien der Schenken von Erbach hielten jedoch zunächst an Steinbach als Grablege fest. Dies dokumentiert eine Reihe figürlicher Grabdenkmäler aus den Jahren von 1357 bis 1396.175) Die letzte Bestattung eines Schenken von Erbach in Steinbach stammt aus dem Jahr 1404 (Nr. 29). Danach wurde die Kirche in Michelstadt zur Grablege der Erbacher. Möglicherweise hielten sie ein dauerhaftes Totengedenken in Steinbach nicht mehr für gewährleistet, denn 1437 beauftragte das Baseler Konzil den Abt von Amorbach und den Dekan des Stifts St. Peter und Alexander in Aschaffenburg auf Bitten der Äbtissin und des Konvents von Steinbach damit, die durch Mißwirtschaft und Entfremdungen in Unordnung geratene wirtschaftliche Lage des Klosters in Ordnung zu bringen.176)

Weitere Nachrichten über die Geschichte des Klosters sind nur noch spärlich vorhanden. Im Jahr 1504 bat die Äbtissin Elisabeth Lochinger von Archshofen den Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg um seinen Schutz für das Kloster, da Landgraf Wilhelm von Hessen im Zuge der Auseinandersetzungen im Bayerischen Erbfolgekrieg in das Territorium der Schenken von Erbach eingefallen war,177) und 1509 ließ sie im Kloster Baumaßnahmen durchführen.178) Elisabeth, die 1512 starb, ist die einzige Äbtissin, deren Grabplatte in Steinbach erhalten blieb (Nr. 98). Im Jahr 1535 wurde das Kloster durch Graf Eberhard XI. (1470-1539) aufgehoben und in ein Hospital umgewandelt. Luck sieht hierin den Beginn der Einführung der Reformation in der Grafschaft Erbach,179) doch scheint das Kloster zu diesem Zeitpunkt personell am Ende gewesen zu sein.180) Sieben Jahre später, 1542, verkaufte dann der Lorscher Propst Jacobus Zentner alle Besitzungen des Klosters innerhalb der Grafschaft Erbach an die Grafen Georg II. (1506-1569) und Eberhard XII. (1511-1564).181) Aus dieser Zeit läßt sich die letzte Bestattung in der Klosterkirche nachweisen: Im Jahr 1545 fand der Zigeunerfürst Panuel seine letzte Ruhe in Steinbach und wurde dort mit einer Grabplatte und einem Epitaph verewigt (Nrr. 138, 139).

[Druckseite XXVII]

Michelstadt-Steinbach, Schloß Fürstenau

Um 1300 errichtete der Mainzer Erzbischof Gerhard II. von Eppstein (1289-1305) in unmittelbarer Nähe des Klosters Steinbach die Wasserburg Fürstenau.182) Sie wird zum erstenmal 1310 in einer Urkunde Erzbischof Peters von Aspelt (1306-1320) erwähnt,183) der wohl im Jahr 1313 500 Pfund Heller an einen nicht genannten Herrn von Erbach zur Lösung von Fürstenau zahlte184) und 1317 Eberhard VI. von Erbach genannt Rauch mit einem Burglehen zu Fürstenau belehnte.185) Aufgrund der seit 1232 andauernden Streitigkeiten zwischen dem Mainzer Erzbischof und den Pfalzgrafen vor allem um Besitzungen an der Bergstraße und im Odenwald186) kam es 1344 zu einem Schiedsgericht, vor dem auch über die Burg Fürstenau verhandelt wurde. Während die Pfalzgrafen und die Schenken von Erbach erklärten, Mainz habe die Burg mit Gewalt widerrechtlich auf ihrem Grund errichtet, erklärte Mainz, Fürstenau sei sein Eigentum und weder die Pfalzgrafen noch die Schenken von Erbach hätten damals gegen den Bau der Burg geklagt.187) Die neun Schiedsrichter kamen zu keinem einheitlichen Schiedsspruch. Eine Minderheit von vier Richtern forderte Mainz auf, die Burg an die Pfalzgrafen oder die Schenken von Erbach zu übergeben oder sie abzubrechen.188) Die Mehrheit der Richter entschied jedoch, sie könnten den Mainzer Erzbischof nicht zur Rückgabe oder zum Abbruch der Burg verurteilen, da die Pfalzgrafen dies bisher selbst nicht gefordert hätten, obwohl der Erzbischof seit über 40 Jahren im Besitz der Burg sei.189)

In den folgenden Jahren ist die Burg unangefochten in Mainzer Besitz, wie verschiedene Verpfändungen belegen.190) Am 22. Februar 1355 verkaufte Erzbischof Gerlach von Mainz (1346-1371) schließlich die Burg Fürstenau zusammen mit der Hälfte des Dorfes König an die Schenken Johannes und Konrad genannt Rauch von Erbach.191) Die Herrschaftsrechte über die Burg blieben jedoch beim Erzstift Mainz,192) das sich das Öffnungsrecht und das Rückkaufsrecht vorbehielt. Zudem versprach Mainz den Erbachern Hilfe, wenn sie im Besitz der Burg bedroht seien. Damit hatte sich nun die Reichenberger Linie der Schenken von Erbach an das Erzstift Mainz angelehnt, nachdem zuvor Konrad III. aus der Erbacher Linie sich an die Pfalzgrafen angenähert hatte. Die Anlehnung an die beiden rivalisierenden Mächte Mainz und Kurpfalz war für die Erbacher von entscheidender Bedeutung, da sie gegen keine der beiden den Kampf aufnehmen konnten, aber auch nicht von einer völlig vereinnahmt werden wollten. Zudem bot der Besitz der Burg Fürstenau die strategisch wichtige Möglichkeit, Michelstadt von beiden Seiten durch die Burgen Erbach und Fürstenau zu schützen. Allerdings scheint Mainz zu unbekannter Zeit von seinem Rückkaufsrecht Gebrauch gemacht zu haben, denn 1459 erhielt Philipp Schenk von Erbach vom Mainzer Erzbischof das ganze Schloß und das ganze Dorf König zu Lehen.193)

Im 15. Jahrhundert wurde Fürstenau zum Wohnsitz der vorher auf der Burg Reichenberg ansässigen Linie der Erbacher. Dies zog umfangreiche Bauarbeiten nach sich.194) Unter anderem wurde 1460 eine Burgkapelle errichtet, auf die das Patrozinium und die Einkünfte der Kapelle der zerstörten Burg Tannenberg übertragen wurden.195) Im Jahr 1492 errichtete der Baumeister Konrad von Mosbach eine neue Kapelle im Osterker der Burg, die jedoch schon 1528 umgebaut wurde.196) Spätestens in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts verlor die Kapelle ihre Funktion, als infolge der Aufnahme Eberhards XI. von Erbach (Nr. 131) in den Reichsgrafenstand neue große Repräsentationsräume im Ostflügel des Schlosses entstanden. Im Jahr 1528 war aber nicht nur die Kapelle umgebaut worden, [Druckseite XXVIII] sondern es kam insgesamt zu umfangreichen Baumaßnahmen, die besonders den Nord- und den Ostflügel betrafen.197) Zuvor war bereits der Burggraben, der die Vorburg von der Kernburg trennte, aufgefüllt worden.198) Im Jahr 1588 wurde dann unter Graf Georg III. der Prachtbogen auf der Südseite des Schlosses errichtet (Nr. 116) und der Bau des Roten Turms vollendet (Nrr. 116, 134). Die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts begonnene Umformung der Burg zu einem wohnlichen Schloß war damit im wesentlichen abgeschlossen.199)

Zitationshinweis:

DI 63, Odenwaldkreis, Einleitung, 2. Kurzer historischer Überblick (Sebastian Scholz), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09e004.

  1. Kleberger, Territorialgeschichte 1f.; Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 14. »
  2. Ludwig, Geschichtliche Überlieferung 2. »
  3. Heinemeyer, Hessen 126-128; Geuenich, Chlodwigs Alemannenschlacht(en) 423-437. »
  4. Heinemeyer, Hessen 151. »
  5. Kleberger, Territorialgeschichte 17. »
  6. Vita Burchardi episcopi Wirziburgensis 2,3 (MGH SS 15,1, 54). »
  7. Seit Simon, Geschichte 26 wird die Nachricht der vita Burchardi zumeist bedenkenlos übernommen; Kleberger, Territorialgeschichte hat die Stelle nicht berücksichtigt; in der Bestätigungsurkunde Ludwigs des Frommen von 822 für Würzburg erscheint Michelstadt nicht unter den von Karlmann geschenkten Besitzungen, vgl. Böhmer/Mühlbacher, Regesta Imperii I, Nr. 768. »
  8. Codex Laureshamensis I, Nr. 19, 299f. »
  9. Codex Laureshamensis I, Nr. 20, 301f. »
  10. Vgl. Weinfurter, Untergang 47-55; Scholz, Lorsch 797f. »
  11. Knöpp, Das letzte Jahrhundert 203-209. »
  12. Codex Laureshamensis I, cap. 155a, 436; vgl. dazu Scholz, Schenken von Erbach 29 mit Anm. 8; die Ordnungsnummern bei den Namen der einzelnen Schenken von Erbach richten sich im Folgenden grundsätzlich nach den Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 1-9, die von den älteren Stammtafeln zum Teil abweichen. »
  13. Vgl. Scholz, Schenken von Erbach 39f.; das pfälzische Erbschenkenamt scheinen die Erbacher erst im 14. Jahrhundert erhalten zu haben. In einer Urkunde vom 5. Mai 1382 schlichtet Pfalzgraf Ruprecht I. einen Streit, der zwischen den Schenken Konrad IV. genannt Rauch und Heinrich auf der einen Seite sowie Eberhard IX. und Konrad V. von Erbach auf der anderen Seite um das Schenkenamt ausgebrochen war. Nach dem Schlichtungsspruch sollte immer der älteste der Erbacher das pfälzische Schenkenamt innehaben, vgl. Simon, Geschichte Urk. Nr. CV. Die Schlichtung zeigt, daß die Nachfolge im Schenkenamt vorher nicht klar geregelt war. Der Grund dafür könnte darin liegen, daß die Schenken das Amt erst vor kurzer Zeit erhalten hatten. Konrad III., der Vater Konrads V., hat den Ausgleich mit der Pfalz gesucht und erscheint bereits 1339 unter den Räten Pfalzgraf Rudolfs II., vgl. Spiegel, Urkundenwesen 221 und 312f. Mit ihm setzt bezeichnenderweise 1363 auch die Bestattung der Schenken von Erbach im Kloster Schönau ein, dessen Schutzherren die Pfalzgrafen waren, vgl. DI 12 (Heidelberg) Nr. 52. Er könnte das pfälzische Schenkenamt zum erstenmal erhalten haben. »
  14. Vgl. dazu Kleberger, Territorialgeschichte Karte III; Schaab, Kurpfalz I 97, Karte 18. »
  15. Simon, Geschichte Urk. Nrr. X, XV; vgl. Kleberger, Territorialgeschichte 61f.; Scholz, Schenken von Erbach 39. »
  16. Kleberger, Territorialgeschichte 87f. und Karte III. »
  17. Kleberger, Territorialgeschichte 89-94. »
  18. Kleberger, Territorialgeschichte 98-120, bes. 104-106 und 110-112 und Karte III.; Spieß, Familie 401f.; vgl. auch unten bei Anm. 88. »
  19. Simon, Geschichte 270f. »
  20. Simon, Geschichte 165. »
  21. Vgl. dazu unten bei Anm. 193. »
  22. Simon, Geschichte 172. »
  23. Kleberger, Territorialgeschichte 74f. »
  24. Simon, Geschichte 195f.; Kleberger, Territorialgeschichte 76f. und 92f. »
  25. Schneider, Historie Urk. Nr. CLXIV, 330-333; Simon, Geschichte 375f. »
  26. Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 12 und 22. »
  27. Schnur, 181 Jahre Odenwaldkreis 7-11; Maaß, Neustadt 127-131. »
  28. Becher, Geschichte des Breubergs 40-42. »
  29. Becher, Geschichte des Breubergs 43-46. »
  30. Simon, Geschichte Urk. Nr. 1. »
  31. Becher, Geschichte des Breubergs 46. »
  32. Zu ihrer Herrschaft vgl. Kleberger, Territorialgeschichte 81-89; Becher, Geschichte des Breubergs 47-52. »
  33. Schneider, Historie Urk. Nr. 44.3, 75f.; Weber, Grafen von Wertheim 31; Kleberger, Territorialgeschichte 89; Schaffrath, Propsteikloster Höchst 127; Becher, Geschichte des Breubergs 52. »
  34. Aschbach, Grafen von Wertheim II 96-98, Nr. LXXXII, 11-15; Weber, Grafen von Wertheim 32; Kleberger, Territorialgeschichte 89f.; Schaffrath, Propsteikloster Höchst 127; Schäfer, Herren von Eppstein 387f. »
  35. Weber, Grafen von Wertheim 37-39 und 42-45; Kleberger, Territorialgeschichte 90-92; Weber, Breuberg und seine Besitzer 60-65; Schäfer, Herren von Eppstein 389-392; zum Verkauf durch die Schenken von Erbach vgl. Aschbach, Grafen von Wertheim II 304f., Nr. CXCIX. »
  36. Zur Lehnshoheit der Abtei Fulda vgl. Aschbach, Grafen von Wertheim II 187-189, Nr. CXXXIX. »
  37. Aschbach, Grafen von Wertheim II, 163-168, Nr. CXXIV; Kleberger, Territorialgeschichte 92; Ehmer, Grafschaft Wertheim 62-64; Weber, Breuberg und seine Besitzer 66. »
  38. Röder, Burg Breuberg 23-28; vgl. Nrr. 70, 85, 86, 115»
  39. Ehmer, Grafschaft Wertheim 102. »
  40. DI 1 (Badischer Main- und Taubergrund) Nr. 138 (Michael I.) und Nr. 167 (Wilhelm); Wilhelm war bei seinem Tod 1482 zwar zunächst in Sandbach bestattet worden, doch erhielt er später sein Grab in Wertheim. »
  41. Demandt, Kirchenorganisation 148. »
  42. Zu Neustadt vgl. Weber, Entwicklung Neustadts 15-28, bes. 15f. und 20-23. »
  43. Demandt, Kirchenorganisation 136. »
  44. Wackerfuß, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte 55. »
  45. Ebd. »
  46. Ehmer, Grafen von Wertheim 25f.; Langguth, Bausteine zur Reformationsgeschichte 46-49, vgl. auch Nr. 152»
  47. Simon, Geschichte 195f.; Kleberger, Territorialgeschichte 76f. und 92f. »
  48. Ehmer, Grafschaft Wertheim 118-125 und Nr. 155»
  49. Aschbach, Grafen von Wertheim II 377-379, Nr. CCXXXVI. »
  50. Ehmer, Grafschaft Wertheim 133-135 und Nr. 294»
  51. Simon, Geschichte 411 und 200. »
  52. Simon, Geschichte 200; Kleberger, Territorialgeschichte 95. »
  53. Simon, Geschichte 201f. »
  54. Schneider, Historie Urk. Nr. XIV.1, 58. »
  55. Schaefer, Kdm. 51; Steinmetz, Schenken von Erbach 82f., der ebd. 58 davon ausgeht, daß die erste Burganlage von um 1140 stammt. »
  56. Schneider, Historie Urk. Nr. XIV.1, 58f.; vgl. dazu ausführlich, Becher, Familienhändel 39-42. »
  57. Simon, Geschichte Urk. Nr. XIV. »
  58. Schneider, Historie Urk. Nr. XIV.2, 61. »
  59. Schneider, Historie Urk. Nrr. XIV.2 und XIV.3, 61f. »
  60. Simon, Geschichte 91; Kleberger, Territorialgeschichte 70. »
  61. Schaefer, Kdm. 49. »
  62. Schaefer, Kdm. 55 und 58. »
  63. Steinmetz, Schenken von Erbach 95. »
  64. Schneider, Historie Urk. Nr. XIV.1, 58f.; Steinmetz, Schenken von Erbach 92. »
  65. Simon, Geschichte Urk. Nr. CV. »
  66. Steinmetz, Schenken von Erbach 95f. »
  67. Simon, Geschichte 93f.; Steinmetz, Schenken von Erbach 93f. »
  68. Steinmetz, Schenken von Erbach 93. »
  69. Schneider, Historie Urk. Nr. XIIX, 66; Demandt, Kirchenorganisation 105. »
  70. Die Angaben bei Simon, Geschichte 338, Müller, Ortsnamenbuch 161 und Demandt, Kirchenorganisation 105, Papst Alexander VI. habe Erbach 1496 zur Pfarrei erhoben, beruhen auf einem Irrtum; richtig hingegen Schneider, Historie 255f.; die Urkunde Alexanders VI. vom 22. Juni 1496 bei Schneider, Historie Urk. Nr. 6, 500f. besagt lediglich, daß Erasmus Schenk von Erbach den Papst gebeten habe, den Erbacher Kaplänen die Spendung der Sakramente zu erlauben und der Kirche das Tauf- sowie das Bestattungsrecht zuzugestehen. Die Rechte des Michelstädter Pfarrers sollten dadurch ausdrücklich nicht gemindert werden. Erbach blieb also zunächst Filial von Michelstadt. Nach Serarius hat der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg nach einer Prüfung der Situation in Erbach dieses 1498 zur selbständigen Pfarrei erhoben, vgl. Joannis, Rerum Moguntiacarum I 809. »
  71. Schneider, Historie Urk. Nrr. 6 und 7, 500-502. »
  72. Vgl. Kleberger, Territorialgeschichte 106f. »
  73. Schenk zu Schweinsberg, Abstammung 544; Kleberger, Territorialgeschichte 99. »
  74. Schenk zu Schweinsberg, Abstammung 547f; Kleberger, Territorialgeschichte 101f. »
  75. Kleberger, Territorialgeschichte 102; Hollmann, Mainzer Domkapitel 433. »
  76. Regesten der Grafen von Katzenelnbogen Nr. 991. »
  77. Herchenröder, Kdm. 264 und dazu die Korrekturen von Kleberger, Territorialgeschichte 104 mit Anm. 66. »
  78. Kleberger, Territorialgeschichte 104 und 111f. »
  79. Kleberger, Territorialgeschichte 103; die Zehnt wird allerdings erst 1456 urkundlich erwähnt, vgl. Simon, Geschichte Urk. Nr. CCLXXVI. »
  80. Demandt, Kirchenorganisation 107. »
  81. Herchenröder, Kdm. 97f. »
  82. Kleberger, Territorialgeschichte 103. »
  83. Zu ihr vgl. Franck, Geschichte 578ff. »
  84. Zu den Auseinandersetzungen um das Erbe vgl. Kleberger, Territorialgeschichte 114f. »
  85. Regesten der Grafen von Katzenelnbogen Nrr. 991, 1004, 1023, 1174, 1393, 1524, 1838, 3132; vgl. Franck, Geschichte 567-572. »
  86. Regesten der Grafen von Katzenelnbogen Nr. 3743. »
  87. Möller, Stammtafeln AF I, Taf. XXIV; Spieß, Familie 401. »
  88. Vgl. dazu unten bei Anm. 290. »
  89. Kleberger, Territorialgeschichte 115. »
  90. Franck, Geschichte 610; Kleberger, Territorialgeschichte 115f.; Hotz, Rodensteiner 241. »
  91. Kleberger, Territorialgeschichte 116. »
  92. Hassia sacra IV, 479; Hotz, Rodensteiner 244 und 246. »
  93. Vgl. dazu Nrr. 177, 178, 183»
  94. Kleberger, Territorialgeschichte 43; Schaffrath, Propsteikloster Höchst 126. »
  95. Simon, Geschichte Urk. Nr. 2; Schaffrath, Propsteikloster Höchst 126. »
  96. Regesten der Grafen von Katzenelnbogen Nr. 72. »
  97. Kleberger, Territorialgeschichte 44f.; Schaffrath, Propsteikloster Höchst 129f.; Burkhardt, Höchst 641. »
  98. Simon, Geschichte Urk. 15-17; Burkhardt, Höchst 641 und 644. »
  99. Simon, Geschichte Urk. Nr. 74. »
  100. Simon, Geschichte Urk. Nr. 8; Burkhardt, Höchst 642. »
  101. Simon, Geschichte Urk. Nr. 40. »
  102. Simon, Geschichte 212 und Urk. Nr. 66. »
  103. Burkhardt, Höchst 642. »
  104. Ehmer, Grafen von Wertheim 25f.; Langguth, Bausteine zur Reformationsgeschichte 46-49. »
  105. Ehmer, Grafen von Wertheim 30-32. »
  106. Simon, Geschichte 195f.; Kleberger, Territorialgeschichte 76f. und 92f. »
  107. Simon, Geschichte 196f. und Urk. Nr. CCCXXXIII. »
  108. Simon, Geschichte Urk. Nr. 74. »
  109. Ehmer, Grafen von Wertheim 31f. »
  110. Ehmer, Grafen von Wertheim 35. »
  111. Schaffrath, Propsteikloster Höchst 135-145; Burkhardt, Höchst 643 und 645. »
  112. Zu Einhard vgl. J. Fleckenstein, in: LMA 3, 1986, 1737-1739; Schefers, Einhard 25ff. und Einhard, Studien zu Leben und Werk passim; zur Bedeutung, die Einhard im 16. Jahrhundert als Stammvater der Schenken von Erbach erlangte, vgl. Nr. 308»
  113. Codex Laureshamensis I, Nr. 19, 300: „... in cuius medio est basilica lignea modica constructa“. »
  114. Annales Fuldenses antiquissimi zu 821 (Kurze 138): „dedicationis ecclesiae Michilinstat in Odtonwald“; vgl. Sommer, Einhardsbau 19-22; die Nachricht kann sich nicht auf die Basilika Einhards beziehen, die zu 827 von Einhard ausdrücklich als noch nicht geweiht bezeichnet wird, vgl. Einhard, Translatio 8 (MGH SS 15,1, 243): ... basilicam noviter a me constructam, sed nodum dedicatam...“. »
  115. Sommer, Einhardsbau 26, dessen Datierung der Anbauten in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts sich allerdings nicht auf Grabungsbefunde stützen kann, sondern aus dem Eintrag im Codex Laureshamensis I, cap. 70, 353, erschlossen ist, nach dem Abt Gerbod von Lorsch ein festes Haus in der Burg Michelstadt errichtete („domum lapideam in castello Michlenstat edificavit“); im Zusammenhang damit sei, so Sommer, auch die Kirche erweitert worden. Allerdings läßt sich aus der Befestigungsmaßnahme in der Burg Michelstadt kaum eine gleichzeitige Baumaßnahme an der Kirche ableiten. »
  116. Simon, Geschichte Urk. Nr. II; die Urkunde hat in der Datumszeile den Text „Actum est anno incarnationis dominice MCXXXV, regnante romanorum imperatore Cunrado, Baldemaro abbatiam laurissensem administrante“. Konrad wurde jedoch erst 1138 zum König gewählt und Baldemar war nur von 1140-1141 Lorscher Abt, vgl. Scholz, Lorsch 792; vermutlich ist das V aus einem X verschrieben oder verlesen. »
  117. Vgl. Nrr. 34, 35, 40, 54, 65, 69»
  118. Codex Laureshamensis I, cap. 70, 353 und dazu oben Anm. 119. »
  119. Simon, Geschichte Urk. Nr. X und Nr. XV. »
  120. Simon, Geschichte Urk. XV; Kleberger, Territorialgeschichte 68f.; an der Burg lassen sich vom 15. bis zum 17. Jahrhundert verschiedene Baumaßnahmen der Erbacher nachweisen, vgl. Nr. 31 und Nr. 110; zur Entwicklung der Stadt Michelstadt im 16. Jahrhundert vgl. Battenberg, Gericht und Verwaltung 79-98. »
  121. Schneider, Historie Urk. Nr. LV, 108. »
  122. Vgl. dazu unten bei Anm. 176. »
  123. Müller, Ortsnamenbuch 462; Demandt, Kirchenorganisation 133. »
  124. Allerdings ließen sich der 1458 verstorbene Hans III. Schenk von Erbach und seine Frau Margarete aus unbekannten Gründen in Bensheim (Lkr. Bergstraße) begraben. Die figürliche Doppelgrabplatte, die nicht in DI 38 (Lkr. Bergstraße) ediert wurde, ist heute verloren. Sie ist jedoch durch eine Abbildung bei Schneider, Historie Taf. VII überliefert. Die Inschriften lauten: Anno d(omi)ni m cccc / lviii die viii mensis febrvarii Obiit Schenck hans / de Erpach c(uius) a(n)i(m)a r(equiescat) und Anno d(omi)ni m cccc / xlviii die xx mensis maii Obiit margareta Sche(n)ck / uxor c(uius) a(n)i(m)a r(e)q(uiescat). »
  125. Vgl. dazu Nr. 37 und Nr. 47»
  126. Die Verlegung der Grablege in die Pfarrkirche der Residenz läßt sich im 15. Jahrhundert in einer ganzen Reihe von Fällen feststellen, vgl. dazu Spieß, Liturgische Memoria und Herrschaftsrepräsentation 106-108. »
  127. Krebs, Baugeschichte 35f. »
  128. Krebs, Baugeschichte 41-43 und Nr. 46»
  129. Krebs, Baugeschichte 43-47 und Nr. 62»
  130. Vgl. Nrr. 43, 47, 55, 61 zu den Schenken von Erbach; vgl. auch Nrr. 54, 65, 69 zu weiteren Grabdenkmälern. »
  131. Vgl. dazu unten Anm. 176. »
  132. Krebs, Baugeschichte 49. »
  133. Schneider, Historie Urk. Nr. CLXIV, 330-333; Simon, Geschichte 375f.; Press, Grafen von Erbach 660. »
  134. Vgl. ausführlich Krebs, Baugeschichte 53-55. »
  135. Vgl. insgesamt Luck, Reformationsgeschichte passim; Simon, Geschichte 383f.; Bernbeck, Mitteilungen 17-19; Press, Grafen von Erbach 659f. und 666ff.; vgl. auch Nr. 160»
  136. Vgl. dazu auch Ernst-Hofmann, Grabdenkmäler der Grafen von Hohenlohe 75f. »
  137. Press, Grafen von Erbach 672-681. »
  138. Press, Grafen von Erbach 679f. »
  139. Hassia sacra VIII 46. »
  140. Ebd. »
  141. Vgl. Nrr. 162, 175, 188, 196, 215, 243, 244, 269, 280, 286, 289, 290, 291, 293, 296»
  142. Ludwig, Geschichtliche Überlieferung 3. »
  143. Codex Laureshamensis I, Nr. 19, 299f. »
  144. Einhard, Translatio 1 (MGH SS 15,1, 239f.): „In quo cum pro modo facultatum ac sumptuum non solum domos ac habitacula ad manendum, verum etiam basilicam divinis officiis faciendis congruentem non indecori operis aedificassem, dubitare coepi, in cuius potissimum sancti vel martyris nomine atque honore dedicari deberet“; vgl. hierzu und zum Folgenden jetzt auch Schefers, Michelstadt-Steinbach 854-856. »
  145. Einhard, Translatio 1 (MGH SS 15,1, 239). »
  146. Vgl. dazu Ludwig, Geschichtliche Überlieferung 14-17. »
  147. Einhard, Translatio 1 (MGH SS 15,1, 240); vgl. dazu Heinzelmann, Einhards Translatio Marcellini et Petri 277-279. »
  148. Einhard, Translatio 4-8 (MGH SS 15,1, 241-243); vgl. Heinzelmann, Einhards Translatio Marcellini et Petri 280-282. »
  149. Heinzelmann, Einhards Translatio Marcellini et Petri 282-284. »
  150. Einhard, Translatio 14f. (MGH SS 15,1, 244f.). »
  151. Codex Laureshamensis I, Nr. 20, 301f. »
  152. Codex Laureshamensis I, cap. 123b, 391. »
  153. Schefers, Michelstadt-Steinbach 856f.; Scholz, Lorsch 787f. »
  154. Codex Laureshamensis I, Nr. 141, 414-416. »
  155. Codex Laureshamensis I, cap. 143a, 423f.; vgl. dazu ausführlich bei Nr. 1»
  156. Zur Bedeutung der Bestattung in der Kirche vgl. Scholz, Grab passim; Scholz, Totengedenken 37-39 und 47f. »
  157. Vgl. dazu zuletzt Schefers, Michelstadt-Steinbach 858-860. »
  158. Schefers, Michelstadt-Steinbach 859. »
  159. Schneider, Historie Urk. Nr. 32, 552f. »
  160. Kleberger, Territorialgeschichte 50; zum Ende der Reichsabtei Lorsch vgl. Weinfurter, Untergang 47-55; Scholz, Lorsch 797f. »
  161. Schefers, Michelstadt-Steinbach 860. »
  162. Zur geographischen Situation vgl. Kleberger, Territorialgeschichte Karte III. »
  163. Daß die Erbacher Vögte von Steinbach waren, ergibt sich aus einer Urkunde von 1283 über einen Besitztausch zwischen dem Kloster Steinbach und dem Ritter Hermann von Eicholdesbach. Der Lorscher Propst ließ diese Urkunde „durch das Siegel unseres Herrn Eberhard Schenk von Erbach“ bekräftigen, vgl. Schneider, Historie Urk. Nr. XII, 53: „Ut autem praescripta nulli existant dubia vel incerta praesentem paginam nostri Domini Eberhardi Pincernae de Erbach sigillis tradidimus roboratam“. Im 15. Jahrhundert erscheinen die Grafen von Wertheim als Steinbacher Vögte, ohne daß bekannt wäre, auf welche Weise sie die Vogtei erworben haben, vgl. Kleberger, Territorialgeschichte 123f.; Hartmann, Kloster Steinbach 85-87 geht aus besitzgeschichtlichen Gründen davon aus, daß die Erbacher nie Vögte von Steinbach waren, sondern die Vogtei in der Hand der Herren von Bickenbach lag und von ihnen auf dem Erbweg an Wertheim kam. Die oben angeführte Urkunde hat Hartmann bei seinen Überlegungen jedoch nicht berücksichtigt. Die Anrede Eberhards als „noster dominus“ und seine Besiegelung der oben erwähnten Urkunde ist aber nur dadurch zu erklären, daß Eberhard die Vogtei über Steinbach innehatte. »
  164. Vgl. dazu jetzt Scholz, Schenken von Erbach 41f. »
  165. Simon, Geschichte Urk. Nr. X und XI. »
  166. Simon, Geschichte 288 und Urk. Nr. XIV und Nr. XV; Kleberger, Territorialgeschichte 66-69. »
  167. Europ. Stammtafeln NF V, Taf. 1 und 2. »
  168. Vgl. Spiegel, Urkundenwesen 221 und 312f. »
  169. Vgl. dazu oben Anm. 17. »
  170. Vgl. zu den Bestattungen in Schönau DI 12 (Heidelberg) Nrr. 52, 84, 86, 100, 108, 122 sowie Drös, Mittelalterliche Grabplatten 636-646. »
  171. Vgl. Nrr. 19, 22, 23, 24, 26, 27»
  172. Schefers, Steinbach-Michelstadt 860; Schneider, Historie Urk. Nr. 33, 553. »
  173. Draudt, Kloster Michelstadt 406; Knöpp, Entstehung 30. »
  174. Vgl. dazu Nr. 96 und Ludwig, Baugeschichtliche Zusammenfassung 82. »
  175. Luck, Reformationsgeschichte 7f. »
  176. Vgl. Simon, Geschichte Urk. Nr. CCCXXX und Müller, Spital 159. »
  177. Simon, Geschichte Urk. Nr. CCCXXX; Knöpp, Entstehung 31; Müller, Spital 159f. »
  178. Dies ergibt sich aus den Zeugenaussagen im Streit um die Burg 1344, vgl. Krebs, Schloß Fürstenau 13. »
  179. Regesten der Erzbischöfe von Mainz I,1 Nr. 1367; vgl. zur Geschichte von Fürstenau ausführlich Krebs, Schloß Fürstenau 10ff. »
  180. Regesten der Erzbischöfe von Mainz I,1 Nr. 2195. »
  181. Simon, Geschichte Urk. Nr. XIX; Regesten der Erzbischöfe von Mainz I,1 Nr. 1934. »
  182. Vgl. dazu zuletzt Heinig, Bergstraße und Kurmainz 59-65 mit weiterer Literatur. »
  183. Regesten der Erzbischöfe von Mainz I,2 Nr. 5126; vgl. Krebs, Schloß Fürstenau 12-15. »
  184. Regesten der Erzbischöfe von Mainz I,2 Nr. 5143. »
  185. Regesten der Erzbischöfe von Mainz I,2 Nr. 5144; vgl. Krebs, Schloß Fürstenau 15f. »
  186. Krebs, Schloß Fürstenau 17. »
  187. Simon, Geschichte Urk. Nr. LX; Regesten der Erzbischöfe von Mainz II,1 Nr. 291. »
  188. Welche Rechte an der Burg konkret von den Schenken von Erbach erworben wurden, läßt sich aus den Urkunden nicht klären; vgl. dazu auch Krebs, Schloß Fürstenau 38f. »
  189. Schneider, Historie Urk. Nr. 117.1, 171. »
  190. Vgl. dazu umfassend Krebs, Schloß Fürstenau 39ff. »
  191. Schneider, Historie Urk. Nr. 27.3, 546. »
  192. Vgl. hierzu und zum Folgenden Nr. 66»
  193. Krebs, Schloß Fürstenau 52-54 und Nr. 116»
  194. Krebs, Schloß Fürstenau 52. »
  195. Vgl. Krebs, Schloß Fürstenau 47-49 und 52ff. »