Die Inschriften des Odenwaldkreises

6. Nicht aufgenommene Inschriften

Nicht alle vor 1650 entstandenen Inschriften des Bearbeitungsgebiets wurden aufgenommen. Grundsätzlich ausgeschlossen blieben die erst nachträglich in das Bearbeitungsgebiet verbrachten Inschriften, die sich in der gräflichen Sammlung in Erbach befinden,360) sowie reproduzierte Inschriften auf Siegeln, Medaillons, Bucheinbänden und Ofenplatten, die definitionsgemäß nicht unter die aufzunehmenden Inschriften fallen.361) Bei Ofenplatten wurde allerdings in zwei Fällen (Nrr. 155, 177) eine Ausnahme gemacht, da es sich um singuläre Stücke handelt, die zu einem bestimmten Anlaß geschaffen wurden. Nicht erfaßt wurden zudem alle Inschriften, die in Kapitel 1. dieser Einleitung benannt sind.

Nicht aufgenommen wurde die Grabplatte eines unbekannten Mitglieds der Familie Duborn, die sich in der Einhards-Basilika in Steinbach befindet. Die Platte trägt im Feld ein reliefiertes Wappen, und auf der oberen und der rechten Leiste sind Zeichen zu sehen, die von Beeh-Lustenberger als Buchstaben gedeutet wurden. Sie las TI[- - -]O und X[- - - ]ONE.362) Für den Bearbeiter waren die Buchstaben jedoch nicht nachvollziehbar. Es scheint sich eher um Zierelemente zu handeln. Ebenfalls keine Aufnahme in den Katalog fand die Wappentafel von 1624 am Schloß von Bad König.363) Es handelt sich dabei um den Abguß einer Wappentafel, die sich heute am Schloß Schönberg (Bensheim, Lkr. Bergstraße) befindet.364) Auch das Bullauer Bild im Wald an der Alten Bullauer Straße nach Erlenbach mußte von der Aufnahme ausgeschlossen werden, da es nicht wie in der Literatur angegeben von 1561,365) sondern von 1761 stammt.

Dieser Fall zeigt bereits, wie unsicher die Überlieferung von Jahreszahlen seien kann. Da sich bei weiteren Vergleichen erhaltener Jahreszahlen mit der nichtoriginalen Überlieferung zeigte, daß die Angaben der Gewährsmänner häufig unzuverlässig sind,366) wurden nichtoriginal überlieferte Jahreszahlen nicht in den Katalog aufgenommen, wenn sie nicht wenigstens an einem Photo überprüft [Druckseite LV] werden konnten. In der Regel wurden diese Jahreszahlen aber in den Fußnoten der Sammelnummern für Jahreszahlen vermerkt. Zusätzlich sind hier noch die folgenden von der Aufnahme ausgeschlossenen Jahreszahlen zu nennen. Auf der Burg Breuberg befindet sich im Erker des sogenannten Frauensaals im Frauenbau ein Schlußstein, der die Inschrift Anno Dommini M ccccc liii sowie ein Wappen trägt. Die Machart sowohl der Inschrift als auch des Wappens ist modern. Bei der Inschrift fallen die seltsam gebildeten Versalien und bei dem Wappen die eingerollten Wülste auf. Ob es für diese Inschrift eine Vorlage gab, ist zweifelhaft, da Schaefer im Kunstdenkmalinventar von 1891 die Inschrift nicht erwähnt, obwohl er das spätgotische Gewölbe des Saals genau beschreibt.367) Auch sonst ist die Beschreibung der Burg Breuberg bei Schaefer sehr ausführlich und durchaus problemorientiert. Dies zeigt die Diskussion über die der Echtheit des Wappens von 1499 am Burgtor.368)

In Erbach befindet sich am Haus Städtel 15 im Eckständer die Inschrift ANNO / 1619 eingeritzt. Das Haus stammt jedoch aus Dornheim (Lkr. Groß-Gerau) und wurde 1991 nach Erbach verbracht, wo es wieder aufgebaut wurde.369) Ebenfalls in Erbach ist im Sturzbogen der Südpforte des Lustgartens die Jahreszahl 1573 in modernen Ziffern angebracht. Ob sie auf eine zeitgenössische Vorlage zurückgehen, ließ sich nicht klären.370) In Höchst befand sich am Haus Aschaffenburger Straße 2 die Jahreszahl 1577, die seit dem Umbau der Anwesens verschwunden ist.371)

Zitationshinweis:

DI 63, Odenwaldkreis, Einleitung, 6. Nicht aufgenommene Inschriften (Sebastian Scholz), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di063mz09e004.

  1. Dazu ist auch die Doppelgrabplatte für Philipp II. Schenk von Erbach und seine Frau Margaretha von Hohenlohe zu rechnen, die zwischen 1892 und 1912 ins Erbacher Schloß verbracht wurde, ursprünglich aber aus dem Kloster Schönau stammt, vgl. DI 12 (Heidelberg) Nr. 122. »
  2. Vgl. Kloos, Einführung 2f. »
  3. Beeh-Lustenberger, Grabdenkmäler 272, Nr. I,3 mit Abb. Taf. 122. »
  4. Ihr Text lautet: IOHAN CASIMIR GRAVE ZV / ERPACH VND HERR ZV BREV/BERG AN(N)O 1624. »
  5. Vgl. dazu ausführlich Nr. 273»
  6. Vgl. Albach, Bildstock 51 und Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 300f. mit Abb. »
  7. Vgl. dazu die Nrr. 89, 112, 149, 211, 246, 266 und DI 49 (Darmstadt, Lkr. Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau) XLVI. »
  8. Schaefer, Kdm. 29. »
  9. Schaefer, Kdm. 21; vgl. dazu ausführlich Nr. 70»
  10. Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 291. »
  11. Vgl. dazu Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 277. »
  12. Teubner/Bonin, Kulturdenkmäler 369. »