Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau

6. Elias Greither d. Ä. und seine Werkstatt

Der Weilheimer Maler Elias Greither d. Ä. und seine Familie bzw. seine Werkstätte sind mit insgesamt 30 Inschriften in dieser Sammlung vertreten. Elias Greither ist seit 1591 in Weilheim nachgewiesen. Die Herkunft und sein Geburtsdatum sind nicht bekannt328). Erstmals mit den ab 1591 in der Weilheimer Friedhofskirche St.  Salvator und St. Sebastian geschaffenen Fresken (Nr. 186†ff.) tritt er als Maler auf. Im Jahre 1591 dürfte er auch das Bürgerrecht in Weilheim erworben haben und seine 1622 verstorbene erste Frau, Anna Glaner (Nr. 289), geheiratet haben. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, die eine Tochter des Weilheimer Goldschmiedemeisters Wolfgang Glaner war, verheiratete er sich 1624 nochmals mit der aus Weilheim stammenden Witwe des Malers Melchior Reichart329). Aus erster Ehe gingen wohl die beiden Maler-Söhne Johann und Elias d. J. hervor.

Elias Greither d. Ä. unterhielt in Weilheim eine größere Werkstatt, in der auch Faßarbeiten erledigt wurden. Er bildete auch Lehrlinge aus. Zumindest sein Sohn Johann scheint seine Ausbildung zum Maler in der Werkstatt seines Vaters erhalten zu haben330). Im Jahre 1646 bedrängten die Schweden nochmals die Stadt Weilheim, nachdem sie bereits 1632 in der Oberen Stadt 40 Häuser niedergebrannt hatten. Nach kurzer Belagerung wurde die Stadt Weilheim erobert und im Zuge der dabei auftretenden Gewalttaten wurde neben anderen Bürgern auch Elias Greither d. Ä. getötet. Er starb zwischen dem 8. und 11. November 1646331).

Sein Sohn Johann Greither war wie sein Vater zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Anna Staiger aus Schongau332). Ob diese aus der Familie des Schongauer Bürgers Michael Staiger stammte, dessen Epitaph in der dortigen Friedhofskirche aufgestellt ist (Nr. 296), ist nicht bekannt. In seiner zweiten Ehe war er mit Agathe Rosenberger aus Kochel verheiratet333). Johann Greither blieb Zeit seines Lebens in der Heimatstadt. Von Franz Sales Gailler wird er wegen seiner Kunstfertigkeit, die er in der Pfarrkirche, aber auch an vielen Bürgerhäusern wohl durch Fassadenfresken bewiesen hat, gerühmt334). Von diesen Fresken ist nichts erhalten.

Elias Greither d .J. hat dagegen meist außerhalb von Weilheim gearbeitet, vor allem in Südtirol335).

Gemäß dem von Helm erstellten Werkverzeichnis war Elias Greither d. Ä. im wesentlichen in Weilheim und seinem Umkreis tätig. Nachweisbar ist er auch in Kremsmünster, Augsburg sowie in München und auch Bozen.

1591 begann er die Ausschmückung der Weilheimer Friedhofskirche St.  Salvator und St.  Sebastian mit den Wand- und Deckenfresken. Die Datierung ist durch mehrfache Inschriften gesichert. So besagt eine Inschrift nördlich vom Chorbogen, daß Georg Sigmund von und zu Weichs, Pfleger in Weilheim, Stifter des Bildes von Christus vor Pilatus im Jahre 1591 war (Nr. 187). Außerdem befand sich an der westlichen Innenwand eine Inschrift, in welcher Greither selbst angibt, diese Kirche ausgemalt zu haben, und daß Hans Lang die Kistlerarbeiten erledigte (Nr. 186†).

Um das Jahr 1620 schuf Greither die Fresken in Töllern (Nr. 274, 275). In den Jahren ab 1623 war Greither für die Stiftskirche des Klosters Polling tätig, die ab dem Jahre 1621 umgestaltet wurde. Greither wurde der Bilderschmuck der Altäre, die Fassung von Skulpturen, Bilderrahmen, Orgeln, Tafelbildern und des Eisengitters am Choreingang übertragen336). Er stattete die Klosterkirche mit Votivfresken „sambt Schrift“ aus337). Diese wurden in der unter Franziskus Töpsl im Stil des Rokoko durchgeführten weiteren Umgestaltung übermalt und erst im 20. Jahrhundert wieder teilweise freigelegt (Nr. 286). Hier dürfte auch die von Greither für seine Texte verwendete Schrift noch am besten erhalten sein, da die meisten übrigen Freskeninschriften durch Übermalungen oder Renovierungen nur noch teilweise im Originalzustand erhalten sind.

Im Jahre 1627 schmückte Elias Greither, wahrscheinlich zusammen mit seinem Sohn Johann, der wohl auch die übrigen Deckenfresken der Weilheimer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt schuf, die Chorkuppel mit einem Fresko der Muttergottes und sieben Erzengeln, die jeweils durch eine Namensinschrift bezeichnet sind, aus. Daneben wurde die Kuppel mit einer umlaufenden Inschrift verziert338).

Auf den Gemälden von Elias Greither d. Ä. finden sich – von den gemalten Epitaphien und Votivbildern abgesehen – nur vereinzelt Inschriften, meist jeweils nur eine Künstlersignatur. Diese Signaturen dürften im Zuge der vielfältigen Renovierungen verfälscht worden sein. Die früheste datierte Signatur von Elias Greither befindet sich auf dem im Stadtmuseum Weilheim aufbewahrten Gemälde der Hl. Familie mit Elias Greither Maler 1604 (Nr. 223). Ob diese Signatur original ist, muß anhand der erkennbaren Übermalung bezweifelt werden.

Auf einem Tafelbild mit der Darstellung der Kreuzigung aus der Zeit von 1617 bis 1627 am nördlichen Seitenaltar in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hohenpeißenberg ist eine rechteckige Tafel mit dem Kreuztitulus in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache aufgemalt. Der lateinische Text ist in Kapitalis ausgeführt (Nr. 276).

In Polling hat Greither in den Jahren 1622 bis 1626 im Zuge der Umgestaltung neben den erwähnten Votivfresken eine Vielzahl von Gemälden geschaffen. Von diesen sind nur noch die „Taufe des Augustinus“ und die „Auferstehung des Lazarus“ in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung München339) (Nr. 281 und 292) vorhanden. Die übrigen sind verschollen340).

In der Stadtpfarrkirche Weilheim sind neben der erwähnten Chorkuppel und dem Epitaph für die im Jahre 1622 verstorbene erste Ehefrau Greithers, Anna (Nr. 289), zwei Gemälde erhalten. Auf dem Auszugsbild des Margarethen-Altares von 1628 mit der Anbetung der Hl. Könige ist keine Signatur ersichtlich. Auch auf dem Johannes-Altar mit der Darstellung der Enthauptung von Johannes d. Täufer ist die Signatur KREITHER PINXIT 1630 nicht zu erkennen, die Helm341) und Zottmann342) angeben. Es ist aber auf einem Schriftband in der unteren linken Ecke ein kurzes Bibelzitat aufgemalt (Nr. 305).

In Oderding ist auf dem 1642343) entstandene Gemälde des Seitenaltars mit der Darstellung des Hl. Urban die Inschrift Elias KREITHER WEILHEIM PINXIT angebracht, die jedoch im Zuge der auf dem Bild vermerkten Renovierung im Jahre 1784 nur teilweise erhalten ist344).

Auf den Gemälden von Greither befinden sich im wesentlichen nur Signaturen, die meist nicht in originalem Zustand sind. Andere Inschriften auf seinen Gemälden sind selten.

Ganz anders verhält es sich bei den Votivbildern und gemalten Epitaphien. Auf diesen findet sich eine Fülle von inschriftlichen Zeugnissen von Elias Greither d. Ä. Ein frühes Beispiel hierfür ist das sog. Greither-Altärchen, das im Jahre 1611 als Stiftung des Ehepaars Greither für die Krankenstube des Klosters Benediktbeuern geschaffen wurde und das heute in der Weilheimer Friedhofskirche St.  Sebastian und St.  Salvator aufgestellt ist. Dort hat sich in einem Reim, der eine Lobpreisung Gottes und Marias enthält, Elias Greither als Schöpfer dieses Werks bezeichnet und das Jahr seiner Entstehung festgehalten.

Im Jahr 1614 schuf Greither das Votivbild für das Weilheimer Bürgermeisterpaar Martin und Anna Pänzinger. Die auf der Rückseite des Epitaphs befindliche Inschrift ist nicht zugänglich (Nr. 256).

Im Jahre 1624 schuf Greither für seine 1622 verstorbene erste Frau, Anna Glaner, ein Epitaph. Das Epitaph mit der Darstellung der Macht des Todes hängt heute im südlichen Eingang der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Weilheim (Nr. 289). Die vielfachen Inschriften auf diesem Rundbogenbild dürften weitgehend durch die Renovierung im Jahre 1843 verfälscht sein.

Für die Wallfahrtskirche Maria Aich in Peißenberg schuf Greither 1631 eine große Votivtafel. Die Schrift des Textes entspricht auch hier sicherlich nicht mehr der originalen Elias Greithers d. Ä.

Im Stadtmuseum Weilheim befindet sich das 1636 geschaffene Votivbild, das Greither selbst für Errettung aus eigener großer Gefahr gestiftet hat (Nr. 316). Aus dem gleichen Jahr stammt das Gemäldeepitaph für Christoph Angermair bzw. für die Familie Khörchshamer, das sich im Besitz der Katholischen Kirchenstiftung Weilheim befindet (Nr. 310/315). Sämtliche dieser Gemälde sind mit Inschriften – teilweise in Gedichtform – versehen, die von Elias Greither d. Ä. selbst verfaßt wurden345).

Neben diesen Elias Greither sicher zuzuordnenden Werken sind im ehemaligen Altlandkreis Weilheim-Schongau noch eine Reihe von Votivtafeln oder Bildern mit Inschriften vorhanden, die Greither oder seiner Werkstatt zugeschrieben werden. Hierzu gehören die Epitaphien für die Familien Mair (Nr. 214) und Thumberger (Nr. 265) in der Friedhofskirche St. Salvator und St. Sebastian in Weilheim. Sämtliche Epitaphien sind renoviert und können somit kaum etwas über die Schrift von Elias Greither aussagen. Auch ein Gemälde in der Hl. Geist-Kirche in Weilheim sowie ein solches in Unterhausen (Stadt Weilheim) werden Elias Greither d. Ä. oder zumindest seiner Werkstatt zugeschrieben. Während das erstere Monogramm, Wappen und eine Datierung (Nr. 326) aufweist, zeigt das andere die lateinische Bitte „Orate pro nobis“. Dieses Bild wird auf die Zeit um 1630 datiert346).

Wahrscheinlich gehören auch die beiden Pietabilder in Habach und Wielenbach (Nr. 317) in den Umkreis von Elias Greither, denn beide zeigen in gleicher Gestaltung dasselbe Motiv. Das Wielenbacher Tafelgemälde ist durch die Stifterinschrift auf der Rahmung auf das Jahr 1637 datiert. Die Habacher Pieta wird aufgrund der Ähnlichkeit der Darstellung mit dem Wielenbacher Tafelgemälde und durch das unten auf dem Gemälde angebrachte Gedicht, das dem Stil von Elias Greither d. Ä. entspricht, diesem bzw. seiner Werkstatt zugeordnet.

Mois weist in der Stiftskirche Rottenbuch für zwei ovale Bilder, die heute im Chor der ehemaligen Stiftskirche hängen und einmal das 1803 abgebrochene Altenmünster zierten, Elias Greither d. Ä. als vermutlichen Schöpfer aus (Nr. 239). Die abgebildeten Heiligen werden jeweils auf einer hellen Schriftleiste in Kapitalisschrift namentlich bezeichnet.

Schmidtner überliefert ein langes Gedicht von Elias Greither d. Ä. auf einer verschollenen Bildtafel, die sich im 1849 abgebrochenen Ossarium des Weilheimer Friedhofs befand (Nr. 285†).

Von den Inschriften Elias Greithers d. Ä. sind – wie erwähnt – die meisten durch Renovierungen und Übermalungen, die vor allem im 19. Jahrhundert geschahen, verfälscht. In originalem Zustand sind wahrscheinlich nur die Schriftzeugnisse Greithers auf den Fresken in der Kirche St. Johannes d. Täufer in Töllern, Weilheim (Nr. 274 und 275), und auf den freigelegten Fresken an den Säulen der Stiftskirche Polling (Nr. 286). Die Fresken in der Kirche St. Johannes d. Täufer in Töllern wurden zum Teil erst 1950/52 freigelegt, nachdem sie im 19. Jahrhundert übermalt worden waren. Die Fresken in Polling – wie auch die dortigen Gemälde – wurden im Zuge der von Propst Franz Töpsl im Jahre 1761 begonnenen letzten großen Kirchenumgestaltung entfernt bzw. übertüncht. Sämtliche erhaltenen Schriftzeugnisse zeigen die in dieser Zeit übliche Fraktur. Lediglich auf den ovalen Bildern in Rottenbuch sind die Namen der dargestellten Heiligen in einer Kapitalis aufgemalt (Nr. 239). Bei den Künstlersignaturen wird meist Fraktur verwendet, nur in einigen Fällen Majuskelbuchstaben.

Von seinem Sohn Johann Greither sind im Landkreis Weilheim-Schongau nur wenige Werke erhalten. In der Stadtpfarrkirche Weilheim dürfte er zusammen mit seinem Vater die Gemälde der Chorkuppel geschaffen haben (Nr. 297), während die übrigen Deckengemälde nach allgemeiner Überzeugung von Johann Greither allein geschaffen wurden347). Alle Inschriften der Deckengemälde zeigen den gleichen Schrifttyp. Aufgrund der mehrfachen Renovierungen der Kirche ist zweifelhaft, daß die Inschriften, wie sie sich heute darstellen, den ursprünglichen Zustand wiedergeben.

Im Weilheimer Stadtmuseum befinden sich vier Gemälde von Johann Greither, die möglicherweise ursprünglich im Stift Polling waren. Nur eines der vier Gemälde weist ein inschriftliches Zeugnis auf. Auf dem Gemälde, das Christus und die beiden Schächer auf dem Weg nach Golgatha zeigt, ist am rechten Bildrand ein römischer Soldat dargestellt, auf dessen Fahne die Kapitalisbuchstaben S.P.Q.R. anzeigen, daß er die römische Herrschaftsgewalt repräsentiert (Nr. 270).

  1. Helm, Elias Greither 4. »
  2. Helm, Elias Greither 5. »
  3. Helm, Elias Greither 8. »
  4. Eintragung im Weilheimer Pfarregister zum 8. bis 11. November 1646: A sueco milite horrendum in modum cives subsequentes trucidati sunt. Arte et magna industria preclar(us) et celeberrim(us) vir Dominus Elias Greither, zitiert nach Zottmann, Kunst 5; vgl. auch Gailler, Vindelicia Sacra (deutsch) 52. »
  5. Zottmann, Kunst 5. »
  6. Helm, Elias Greither 9. »
  7. Gailler, Vindelicia Sacra (deutsch) 50. »
  8. Zottmann, Kunst 6. »
  9. Angelosanti, Pollinger Pröpste 50. »
  10. Angelosanti, Pollinger Pröpste 50. »
  11. Zottmann, Kunst 39; Corpus 1 (Weilheim-Schongau) 553 schreiben auch das Deckenbild der Chorkuppel allein Johann Greither zu. »
  12. Inv. Nr. 3753 und Nr. 1395. »
  13. Helm, Elias Greither 22. »
  14. Helm, Elias Greither 23. »
  15. Zottmann, Kunst 35. »
  16. Helm, Elias Greither 24. »
  17. Von Helm, Elias Greither 24, als nachsigniert bezeichnet. »
  18. Helm, Elias Greither d. Ä. 31–38; Mauthe, Elias Greither 19–21. »
  19. Helm, Elias Greither d. Ä. 25. »
  20. Corpus 1 (Weilheim-Schongau) 553 schreibt alle Deckengemälde allein Johann Greither zu. »