Die Inschriften des Landkreises Weilheim-Schongau

8. Nicht aufgenommene Inschriften

Nach den Regeln des deutschen Inschriftenwerkes werden in jedem Band alle Inschriften eines definierten Territoriums – mit den in den Benutzungshinweisen genannten Ausnahmen – zwischen dem Ende der Antike und dem Jahr 1650 aufgenommen. Der Bearbeiter steht dabei immer wieder vor dem Problem, bei der Autopsie der Inschriften auf Stücke zu stoßen, die zwar den Anschein erwecken, den oben genannten Kriterien zu entsprechen, aber bei näherem Hinsehen aus vielerlei Gründen nicht in den Bestand gehören. Prominente Stücke, die auf Grund solcher Kriterien ausgeschieden wurden, werden im Folgenden – verbunden mit der Angabe der Ausscheidungsgründe – aufgelistet.

Inschriftenträger mit Beschriftungen, die auf eine Jahreszahl im Bearbeitungszeitraum verweisen, aber auf Grund historischer, paläographischer und kunsthistorischer Befunde nicht diesem Zeitraum zugeordnet werden können

– Burggen, Kap. St. Anna
Stifterinschrift des Gallus Thomae. Auf dem Längsbalken eines Kruzifixus. Südseite der Kapelle. G(ALLUS) T(HOMAE) D(ECANUS) · / P(LEBANUS) · I(N) · B(URGGEN) · / 1619. Die Inschrift, die sich auf den für Burggen wichtigen Stifter Gallus Thomae bezieht (Nr.  252, 306 und 307), ist auf Grund der Schriftgestaltung eindeutig als Neuschöpfung des 20. Jahrhunderts anzusprechen. Ob sie auf einer älteren Vorlage beruht, ist nicht zu ermitteln.

Dürnhausen, Gde. Habach, Filialkirche St. Martin
Stifterinschrift des Andreas Doll. Auf einer Kartusche zu Füßen des Kruzifixus über dem Chorbogen. Jm Jahr / 1634 / hat Andräas Doll dieses / Cruzifix machen laßen.
Renoviert Anno / 1882. / Peter Freisl. Die gesamte heutige Beschriftung verdankt sich nach dem Schriftbefund der Renovierung des 19. Jahrhundert. Quellen für die Gestaltung der ursprünglichen Beschriftung auf dem Inschriftenträger liegen nicht vor.
Literatur: DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 134f. (mit Abb.); Bachmeier, St. Martin Dürnhausen 25.

– Echerschwang, Gde. Bernbeuren, Kap. St. Erasmus
Bauinschrift am Chororatorium mit Jahreszahl 1649. Die Inschrift verdankt sich erst dem Neubau um 1730/31.
Literatur: DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 42.

– Oderding, Filialkirche St. Martin
Künstlerinschrift des Elias Greither d. Ä. auf dem Gemälde des nördlichen Seitenaltars. [ELI]AS KREITHERR / [---] WEILHEIM / [---PI]NXIT 1642 Renovierungsvermerk auf der rechten unteren Hälfte des Bildes: RENOVAVIT ET PICTURIS / LATERALIBVS AVXIT. PATROCINIIS LAT(ERIS) DELETIS . SEB(ASTIAN) TROGER DE WEILHEIM / 1784 darüber weitere Inschrift des 18.  Jahrhunderts MENTEM SANCTAM / SPONTANEAM AC HONO/REM DEO ET PATRIAE / LIBERATIONEM DEDIT. Da das Gemälde anlässlich der Renovierung von 1784 beschnitten wurde, ist davon auszugehen, daß es sich bei der Signatur Greithers um eine Nachsignatur aus dieser Zeit handelt (Vgl. Helm, Elias Greither 24). Alle Signaturen dieses Typs hält auch Zottmann, Kunst 9, für Nachsignaturen.
Literatur: Rückert, Martinskirche Nr.  36; Helm, Elias Greither 24.

– Peißenberg, Wallfahrtskirche Maria Aich
Votivbild zur Erinnerung an wundertätige Ereignisse der Errichtung des Vorgängerbaues der heutigen Wallfahrtskirche Maria Aich. Wohnhaus / der Bauerseheleute Matthäus und Anna Liebhard von Unterpeißenberg / Im Jahre 1631 legen sie das Grundgemäuer zu dieser Marienkirche, und zeigen / die ihnen gewordenen, hell glänzenden Hühnereier, um zur Mithilfe beim Auf-/baue dieser Marienkirche ihre Gemeindegenoßen zu ermuntern Renov. 1866. Das Bild wurde vom Maler Joseph Mangold d. J. 1866 renoviert. Die gesamte heutige Beschriftung verdankt sich nach dem Schriftbefund dieser Renovierung. Quellen für die Gestaltung der ursprünglichen Beschriftung auf dem Inschriftenträger liegen nicht vor.
Literatur: Mauthe, Kirchen Peißenberg 19–21 (m. Abb.); DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 224 (m. Abb.).

– Peißenberg, Wallfahrtskirche Maria Aich
Gedenktafel zur Erinnerung an die Entstehung der Wallfahrtskirche Maria Aich.
I. Dieser Gedenktafel Sinn / Die Welt ist von dem Geiste der Hoffart, des Geizes und der Unkeuschheit beherrscht. Der allgerechte Gott sendet zur Strafe drei Pfeile, nämlich Krieg, Hunger und Pest. Die Gläubigen jedes Standes fleh-/en reumüthig zu dem Welterlöser Jesus und zur jungfräulichen Gottesmutter Maria um Erbarmen. Durch ihre Vermittlelung wird der allgerechte Gott besänftigt, und es weicht die dreifache / Strafruthe.
II. Geschichtliche Bemerkung. Der Bauersmann Mathäus Liebert / : Liebhard : / und seine Hausfrau Anna von Unterpeißenberg, sind mit ihren Kindern innige Verehrer der Hl. Jungfrau und Gottes / Mutter Maria, und erbauen im Jahre 1631, unter dem Prälaten Chilian Westenrieder von Polling auf dem Eichanger hölzerne Kapelle, und zieren dieselbe mit einem / aus Holz geschnitzten Marienbilde. Dem Gegenstande ihrer häuslichen Andacht, um die Verehrung Mariens allgemein zu erhöhen. Diese Kapelle, Mariaeeichkirche genannt, / wird am Freitage nach dem Martinitage unter dem Titel „Maria vom Siege“ eingeweiht. – Diese hölzerne Mariaeeichkirche wird im Jahre 1731. unter dem Probste Albert Oß-/wald von Polling niedergerissen, und so, wie sie jetzt dasteht, / neuaufgeführt, und am VI.ten Sonntage nach Ostern im Jahre / 1734, von dem Weihbischofe Johann Jakob von Mayr aus / Augsburg feierlich eingeweiht, und zum Hauptfeste in / dieser Märiäeichkirche wird das Fest „Mariae Geburt“ bestimmt, an dem der gläubige Christ einen vollkommenen / Ablaß gewinnen kann. Diese Gedenktafel ist errichtet anno MDCXXXV. - / und erneuert anno MDCCCLXIV. –III. E. Mayr / M. Liebert IV. Anna Maijr / verw(itwete) Liebert.
Die Tafel selbst könnte nach dem kunsthistorischen und kostümgeschichtlichen Befund ins 18. Jahrhundert gehören. Sicher ist auf jeden Fall, daß sich gesamte heutige Beschriftung nach dem Schriftbefund der Renovierung des 19. Jahrhunderts (J. Mangold) verdankt. Quellen für die Gestaltung der ursprünglichen Beschriftung auf dem Inschriftenträger liegen nicht vor.
Literatur: DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 1, 224 (mit Abb.).

– Polling, Heimatmuseum, Walfischschulterblatt
Walfischschulterblatt mit Inschrift und Jahreszahl 1606. Das Walfischschulterblatt unbekannter Provenienz ist nach neuesten Erkenntnissen erst dem Jahre 1706 zuzuweisen.
Literatur: Bayern – Italien Nr. F41 (mit Abb). http://www.polling.de/kunst_kultur/museum_polling/uebersichtsseite/uebersichtsseite.php (eingesehen am 18.01.2012)

– Unterhausen, Stadt Weilheim, Pfarrkirche Mariae Heimsuchung
Altarinschrift auf einem ehemaligen Altaraufsatz. Orate pro nobis. Die gesamte heutige Beschriftung verdankt sich nach dem Schriftbefund der Renovierung des 19.  Jahrhunderts. Quellen für die Gestaltung der ursprünglichen Beschriftung auf dem Inschriftenträger liegen nicht vor.
Literatur: Helm, Elias Greither 25; DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 608 (mit Abb.).

– Weilheim, Stadtmuseum
Gebetsanruf auf einer Kartusche zu Füßen der von Hans Degler geschaffenen Madonna mit Kind. Hl. Maria · / bitt für uns. Die Fassung der Madonna und damit auch die Beschriftung der Kartusche ist erneuert. Quellen für die Gestaltung der ursprünglichen Beschriftung liegen nicht vor.
Literatur: Helm, Stadtmuseum 33–34.

– Weilheim, Stadtmuseum
Porträt des Jeremias Drexel mit Begleittext im Depot des Stadtmuseums Weilheim (Depot-Nr.  GE 3). I. DE / AETERN/ITATE / Considera/tiones. II. R(EVERENDUS) P(ATER) HIEREMIAS DREXELIUS, Augustanus, Orator, et Scriptor / cel[e]berrimus, postquam aulam Boicam per annos 23. concionibus ferventissi/mis, orbem vero reliquum libris pientissimis, ac eruditissimis ad omnem pietatem / [in]struxit, et incitavit, decessit Monachii 19. apr(ilis) 1638 aet(atis) 57. Sociis 40. III. Bene dixit, Bene Scripsit, Bene vixit, aevi sui phaenix, sol litterarum, virtutum viva / Imago, Ecclesiae Columen, omnium delicium. Malach(ias) Geigerus in Micro[cosmus] h[ypoch]ond(riacus). Die Provenienz des Bildes ist unbekannt. In der Inschrift wird eine Stelle aus einem Werk Malachias Geigers, Microcosmus Hypochondriacus, zitiert. Dieses Werk ist erst 1652 zum ersten Mal erschienen. Dies ist der außerhalb des Bearbeitungszeitraums liegende Terminus post quem des Gemäldes.

Inschriften unbekannter Provenienz

– Weilheim Stadtmuseum (Depot)
Bildnis eines unbekannten jungen Mannes mit Angabe der Lebensdaten (Inv. Nr.  Ge 4). AETATIS SVAE / XXVIII, AN(NO). M.D.LXXXII. Wappen: Ein Mühlstein. Die Provenienz des Bildes ist unbekannt. Ebenso, wann und wodurch das Bild in das Weilheimer Museum kam.

Nicht inschriftlich ausgeführte Texte

– Rottenbuch, St. Sebastianskapelle (abgegangen)
Weiheinschrift für die Altäre zu Ehren des Hl. Sebastian und Hl. Longinus. Anno Domini 1577 die 14. Julii proxima post festum s. Margarethae stili veteris sub Praeposito Urbano Schwaiger ab Episcopo Dariensi et Suffraganeo Frisingensi haec duo altaria consecrata sunt, primum ad s. Sebastianum in honorem huius S. Martyris et S. Sanguinis inclusis in eodem reliquiis de S. Sepulchro, S. Mauritio, S. Cyriaco, S. Corbiniano, Wunibaldo, S. Anastasia, S. Juliana etc., qui Episcopus concessit indulgentias in forma Ecclesiae. Dieser Text wird zum ersten Mal von Mois als Inschrift bezeichnet. Inhalt und Gestaltung weisen jedoch eher auf einen Chroniktext hin. Greinwald (AEM Nachlaß Clemens Braun 49) spricht nicht von einer Inschrift, sondern von Aufzeichnungen von alter Hand.
Literatur: Mois, Nebenkirchen 3, 26; Mois, Kirchen und Kapellen 2, 32.

– Bernried, Pfk. St. Martin
Beschriftung der Stiftergrablege und des Herlukagrabes. O(ssa) F(undatorum) auf dem Stiftergrab. O(ssa) H(erlucae) auf dem Grab der Seligen Herluka (Herkula). Der erste Hinweis auf eine Grablege der Stifter und das Grab der Seligen Herluka findet sich in Hundt/Gewold, Metropolis Salisburgensis 2, 149, er beruft sich auf Aussagen Aventins. Unter Propst Mansuet Resch (1723–1741) entdeckte man im Chor zwei gemauerte Grüfte unter je einer Steinplatte. Auf den Platten sollen die Buchstaben „eingraviert“ gewesen sein. Unbekannt ist der Entstehungszeitpunkt der angeblichen Beschriftung. Sie erscheint für solch wichtige Gräber außerordentlich rudimentär, es kann sich daher auch um Beschriftungen im Zuge einer früheren, heute nicht mehr nachweisbaren Umbettung handeln.
Literatur: Scherbaum, Augustinerchorherrenstift 29f.

Inschriften am falschen Ort

– Rottenbuch, Katharinenkapelle (abgegangen), tatsächlich vermutlich in Partenkirchen, Garmisch-Partenkirchen Pfarrkirche (abgegangen)
Grabinschrift für Conradus Weyhs. Hic jacet sepultus honestus vir Conradus Weyhs fundator perpetuae Missae Sancti Spiritus cuius anima in spe resurrectionis quiescat. Mois zitiert den Text unter Berufung auf Greinwald. In Greinwalds Aufzeichnungen zu seiner Klostergeschichte (heute im AEM) ist der Text jedoch nicht enthalten.
Conradus Weyhs, den die Inschrift als Stifter einer ewigen Messe bezeichnet, kann nicht sicher identifiziert werden. Die Familie Weys ist vielfach im Umfeld des Rottenbucher Klosters belegt. Nach Mois (Kirchen und Kapellen 2, 31) ist er möglicherweise mit einem Konrad Weiß identisch, der um das Jahr 1370 Bürger zu Partenkirchen war und dort ebenfalls eine Messe gestiftet hat. Die Stiftung des Konrad Weiß in der abgerissenen Partenkirchener Pfarrkirche ist gut belegt, allerdings ist in diesem Zusammenhang keine Stifterinschrift nachgewiesen (Mayer/Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München und Freising III 596). Der einzige Nachweis für eine Inschrift in Rottenbuch ist die Angabe bei Mois. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß Mois hier aus Versehen eine Inschrift für Rottenbuch überliefert, die sich in Wirklichkeit in Partenkirchen befand. Jedenfalls läßt die Formulierung fundator perpetuae Missae Sancti Spiritus darauf schließen. Die Angabe einer Meßstiftung an einem anderen Ort ohne die entsprechende Ortsangabe ist ungewöhnlich, eine entsprechende Meßstiftung des Conrad Weiß in Rottenbuch ist nicht nachweisbar.
Literatur: Mois, Kirchen und Kapellen 2, 31.

Inschriften, deren Existenz nicht gesichert ist

– Polling, Kapelle St. Wolfgang (abgegangen)
Bildfenster mit Stifterinschrift von Herzog Christoph von Bayern. I. S. Wolfgang // dvrch dei(n) // heil//liges leben // thv avch // Gott // meinn vnser sündt // vergebe(n) II. dvrch herzog Christoff hochgebohren ist das. Einziger Beleg für die Existenz dieser Inschrift ist eine Zeichnung und eine Fußnote im Roman Die Abenteuer Herzog Christophs von Bayern, genannt der Kämpfer von Franz Trautmann. Trautmann beruft sich dabei auf eine angebliche Abzeichnung der Inschrift, die er bei Edmund Freiherrn von Oefele gesehen haben will. Im Nachlaß Oefeles (heute in der BSB) findet sich eine solche Nachzeichnung nicht. Die Inschrift kann daher nicht als hinreichend belegt für eine Aufnahme in den Katalog gelten.
Literatur: Trautmann, Abenteuer 592–593; DiB I,23 (Weilheim-Schongau) 299; Gast, Herzog Christoph 75 (Abb. der Abzeichnung).

– Weilheim, Pöltner Tor (abgegangen)
Adhortative Inschrift am Pöltner Tor.
Du edels bayerisch Fürstenthum
Bleib bei dem alten Christenthum
Denn das hat Dich fast groß gemacht
Will d’rum von Dir nicht sein veracht‘
Weich‘ nicht davon, halt Dich daran
Jung warst Du und bist worden alt,
Bleib‘ alt und werd‘ nicht ungestalt.
Diese Inschrift wird nur von Schuberth für das 1874 abgerissene Pöltner Tor überliefert. Ob die Inschrift jemals wirklich existierte, ist unklar.
Literatur: Schuberth, Weilheim 36.

– Weilheim, an einem nicht näher bezeichneten Torturm
Städtelob.
Weilheim ist ein‘ Stadt fürwahr,
erbaut schon vor 900 Jahr;
ist allzeit gut catholisch g’wesen,
wie in alten Schriften z’lesen.
Böhaimb überliefert diese Inschrift für einen nicht näher bezeichneten Torturm mit dem Hinweis, die Verse seien 1773 noch zu lesen gewesen und würden aus der Zeit um 1640 stammen. Ob die Inschrift jemals existiert hat, ist unklar.
Literatur: Böhaimb, Chronik 11.