Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

3. Die nicht-originale Überlieferung der Inschriften

Die Überlieferung inschriftlicher Quellen in der Nagelkapelle setzt erst im 15. Jahrhundert ein. Dies liegt wohl in erster Linie daran, dass die Kapelle erst ab dieser Zeit – verbunden mit einer Bauerweiterung – zur reinen Sepultur wurde. Seitdem ergaben sich Verluste originalen Inschriftenbestandes bei diversen Renovierungen der Kapelle, besonders bei der Erneuerung des Fußbodens 1762/63, bei der Profanierung während der Säkularisation 1808 und im Zuge der Regotisierung ab 1840.

Es dürfte jedoch auch schon vor der Mitte des 18. Jahrhunderts Abgänge gegeben haben, da Subkustos Johann Graff schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts verlorene Denkmäler bzw. Inschriften registriert.

Mit Subkustos Graff setzt die kopiale Überlieferung für die Bamberger Nagelkapelle ein. Der Liber Mortuorum datiert auf das Jahr 1735 (StA Ba B 86, Nr. 250). Graffs Werk dient als Grundlage für spätere Überlieferungen und Restaurierungen.

Es fällt auf, dass sich im Falle der Nagelkapelle der Bestand an original erhaltenen Inschriften nicht durch kopial überlieferte Stücke ergänzen lässt.

Eine Besonderheit im Bamberger Nagelkapellenbestand stellen die Ergänzungen des 19. Jahrhunderts dar. Im Zuge einer Restaurierung fertigte man um 1870 fehlende Teile nur mehr fragmentarisch erhaltener Umschriften neu an3). Für den Text orientierte man sich vor allem an den Aufzeichnungen Graffs, für die Schrift an den vorhandenen Originalinschriften. Diese Ergänzungen stellen streng genommen ebenfalls eine kopiale Überlieferung dar. Sie wurden in der vorliegenden Edition als solche behandelt und mit spitzen Klammern gekennzeichnet.

Handschriftliche Überlieferung

Archiv des Erzbistums Bamberg

– AEB Rep. I, Nr. 1309

Titel: Viri Illustres sive Canonici qui In Ecclesia Imperiali Bambergensi De Anno 1046. Praebendati fuere, In duos Elenchos Distincti sedulo Collecti Per Joannem Graff, Eiusdem Ecclesiae Subcustodem. Anno 1748.

Inhalt: Nennung der Bamberger Domherren nach ihrem Eintritt ins Kapitel, z.T. mit Inschrift; am Ende ein alphabetisches Register der Familiennamen.

Umschlag: nach 1748; 41,5 x 26 x 8,5 cm; weißes Leder auf Holz; florale Prägung; zwei Messingschließen; auf dem Buchrücken Kurztitel Canonici Ecclesiae Bamberg 1046-1747 und 1309.

Handschrift: Papier; 40,2 x 24 x 7,5 cm; 495 Seiten paginiert und ca. 250 Seiten unpaginiert, z.T. leer.

Bayerisches Nationalmuseum München

– BNM Bibl. 1088

Verfasser: Johann Sebastian Schramm

Titel: Gloria Imperialis Cathedralis Ecclesiae Bambergensis id est Argumentum Perfectum Agnatorum P.R.R. D.D. Canonicorum tam Capitularium quam Domicellarium Collegij Imperialis Ecclesiae sine quibus nullus ad praebendam admittur post longum temporis spatium summo studio collecta ex epitaphys exequys gratulationibus diversis aedibus modernis documentis velut illis candelabris scabellis probatissimis a me

Inhalt: Biographische Daten und z.T. farbige Stammbäume der Domherren und Bischöfe, die zuvor Kapitelsmitglieder waren, z.T. mit Nennung der Grabschrift. Nach Eintrittsdatum ins Kapitel sortiert.

Umschlag: Kartoneinband; Datierung: 1768.

Handschrift: Papier; foliiert (z.T. falsch gezählt); 43,5 x 26,5 cm; 443 Blatt.

Staatsarchiv Bamberg

– StA Ba B 73, Nr. 1

Inhalt: Sammelakt mit Briefen und einem Fragment der Nennung der Weihbischöfe. Ca. 50 Blatt.

– StA Ba B 86, Nr. 250

Titel: Liber Mortuorum Episcoporum, Praepositorum, Decanorum, Canonicorum et Aliorum in ipsa Ecclesia Imperiali Bambergensi et Fraternitate Eijusdem Sepultorum (Manum propriam formatus a Johanne Graff Subcustode. Anno 1735).

Inhalt: Auflistung der Standorte der Grabdenkmäler.

Umschlag: 1735; 39,6 x 25 cm; Holz mit hellem Leder bezogen, 2 Messingverschlüsse, an den Seiten angeschrägt; Prägung: rechteckige Leistenrahmen, nach innen kleiner werdend mit ornamentaler und floraler Prägung; abgenutzt, auf dem Buchrücken verblasste Zettel mit Angabe der Signatur bzw. des Titels, vorne links oben Signatur, viele Farbflecken, rote Färbung der Seitenkanten.

Handschrift: Papier; Seitenzählung: foliiert I-V, Seite 1-292, leere 1-46; 38,5 x 23,5 cm.

Staatsbibliothek Bamberg

– SB Ba HV.H.Bbg. 261a

Titel: Landgraf M., Der Dom zu Bamberg mit seinen Denkmälern, Inschriften, Wappen und Gemälden, nebst der Reihenfolge der Fürstbischöfe von 1007-1805. Bamberg 1836.

Handexemplar des Autors mit zusätzlichen Anmerkungen und Zeichnungen.

– SB Ba HV.Msc. 195 (Nro. 1668)4)

Titel: Graff Johann, Nomina canonicorum ecclesiae cathedralis Bambergenis. Bamberg 1745.

Umschlag: Ledereinband; 41,4 x 24 cm; Stempelverzierung; Rückenschild mit Titel, 656 Seiten.

– SB Ba HV.Msc. 2125)

Titel: Schramm Johann Sebastian, Epitaphia Canonicorum Ecclesiae Cathedralis Bambergensis. 18. Jh.

Loseblattsammlung; 42 Blatt.

– SB Ba HV.Msc. 4566)

Titel: Schramm Johann Sebastian, Abschriften aller in unserer Vater-Stadt Bamberg vorfindlichen Grabmalen. 18. Jh.

Halbpergamentband; z.T. mit farbigen Zeichnungen, beiliegend ein Register von Reider; 684 Seiten.

– SB Ba HV.Msc. 6107)

Titel: Reul Johann Heinrich, Supplementum in Joannis Graff Catalogum Canonicorum. 1764.

Papierumschlag; 83 Blatt.

– SB Ba JH.Msc.hist. 10c

Titel: Heller Joseph, Inschriften der Domherren – Denkmäler im Dom zu Bamberg nebst Abbildungen und chronologischen und anderen Verzeichnissen. Vor 1837.

Teil der Signatur SB Ba JH.Msc.hist. 10a-c mit Gesamttitel: Materialien zur Geschichte der Domkirche zu Bamberg, ges. v. J. Heller. 1837. Loseblattsammlung; Papier; 37 x 23,5 cm; 220 Blatt.8)

  1. Zur Restaurierung im 19. Jahrhundert vgl. Baumgärtel, Nagelkapelle 21f.: es wurden insgesamt 665 Buchstaben und 22 Wappen an zwölf Monumenten ergänzt. »
  2. Ausführliche Beschreibung bei Dengler-Schreiber, Handschriften 57. »
  3. Ausführliche Beschreibung bei Dengler-Schreiber, Handschriften 65. »
  4. Ausführliche Beschreibung bei Dengler-Schreiber, Handschriften 109. »
  5. Ausführliche Beschreibung bei Dengler-Schreiber, Handschriften 150f. »
  6. Ausführliche Beschreibung bei Leitschuh, Katalog 2, Helleriana 4. »