Die Inschriften der Nagelkapelle im Dom zu Bamberg

1. Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

1.1 Vorwort

Die Bearbeitung der Inschriften des Bamberger Domes war eines der letzten Projekte des Münchener Epigraphikers und Honorarprofessors Rudolf M. Kloos, der große Teile seiner beruflichen Laufbahn im staatlichen bayerischen Archivdienst in Bamberg verbracht hatte. Ihm war die Arbeit an diesen Inschriften ein Herzensanliegen. Bei seinem plötzlichen Tod im Jahre 1982 ließ er das Manuskript als Torso zurück. Die Bearbeitung der Inschriften des Domes wurde daraufhin an Frau Dr. Renate Baumgärtel-Fleischmann, Diözesanmuseum Bamberg, übergeben. Durch ihre starke berufliche Beanspruchung konnte eine Fertigstellung dieses Bamberger Teilbandes im Rahmen der Reihe „Die Deutschen Inschriften“ nicht erreicht werden. Nach dem Tod von Frau Baumgärtel-Fleischmann fiel das Manuskript an die Inschriftenkommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zurück. Mit der Überarbeitung wurde daraufhin mit Julia Karg M.A. eine Doktorandin der Ludwig-Maximilians-Universität München betraut. Während der Überarbeitung kam das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf die Kommission zu und bat um fachliche Unterstützung bei der Bearbeitung des Bamberger Dombandes der Kunstdenkmäler von Bayern. Die Kommission war daraufhin bei der Erstellung von Inschriftennummern für den Domband eingebunden. In dieser Zeit konzentrierte sich die Arbeit für den Inschriftenband auf die Domherrensepultur der Nagelkapelle. Ein eigener Inschriftenband Bamberg Dom würde nunmehr in vielen Teilen eine Doppelung zum Denkmalinventarband darstellen. Deshalb, aber auch angesichts des auf Grund von laufenden Forschungsprojekten zu erwartenden großen Erkenntnisfortschrittes bei der Erforschung des Bamberger Domes und nicht zuletzt wegen der Zwänge, die das Akademienprogramm der Kommission bei der Bearbeitung von Inschriftenbeständen auferlegt, soll die Bearbeitung des Dombereiches zurückgestellt werden. Die Arbeit an den Beständen der Nagelkapelle hat jedoch über die im Denkmalinventar präsentierte Kurzdokumentation hinaus, bereits Ergebnisse erbracht. Sie sollen der Forschung zeitnah in der hier vorliegenden Onlinepublikation präsentiert werden.

Das von Rudolf M. Kloos gesammelte und von Renate Baumgärtel-Fleischmann und Julia Karg weiter bearbeitete Material wird hier in einer von Frau Dr. Christine Steininger, der Leiterin der Arbeitsstelle, sowie von den Mitarbeiterinnen der Kommission Dr. Ramona Baltolu und Dr. Tanja Kohwagner-Nikolai überarbeiteten Fassung, wofür die Kommission den drei Damen sehr zu Dank verpflichtet ist, vorgelegt. Dank und Hilfe geht an den Domkapitular Dr. Norbert Jung, Domstift Bamberg, Dr. Holger Kempkens, Diözesanmuseum Bamberg, Mathias König, Dombauhütte Bamberg und ihre Mitarbeiter sowie den Kustoden des Bamberger Domes. Für Hinweise und Stellungnahmen sei Dr. Karl Rupprecht, Staatsarchiv Bamberg, Dr. Matthias Exner, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Franz Bornschlegel und Prof. Dr. Peter Zahn, beide Mitglieder Inschriftenkommission, gedankt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege stellte in großzügiger Weise die Plangrundlage und einen Großteil der Abbildungen zur Verfügung. Allen sei für die so wertvolle Kooperation bei den laufenden Arbeiten herzlich gedankt.

Prof. Dr. Walter Koch

Vorsitzender der Kommission

1.2 Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Die vorliegende Publikation enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom bis zum Jahre 1650. Die Edition folgt den Richtlinien des deutschen Inschriftenwerks, wie sie 1991 von Walter Koch für die Münchner Reihe zusammengestellt worden sind.

Die Edition umfasst sowohl die im Original erhaltenen als auch die nicht mehr original, sondern nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen sowie auf Fotos oder in Nachzeichnung überlieferten Inschriften. Vollständigkeit der Erfassung wurde soweit als möglich angestrebt. Denkmäler mit heute völlig zerstörten und nirgends sonst überlieferten Inschriften sowie Nachrichten über verlorene Inskriptionen ohne Textüberlieferung wurden nicht berücksichtigt.

Die Inschriften werden im Katalogteil in chronologischer Folge geboten. Ihre Präsentation erfolgt nach einem einheitlichen Schema.

Die Kopfzeile gibt links die laufende Nummer im Rahmen der Edition an. Ein lateinisches Kreuz neben der Zahl kennzeichnet nicht mehr im Original erhaltene Inschriften. In der Mitte der Kopfzeile ist der heutige bzw. der letzte bekannte Aufstellungsort der Inschrift angegeben. Am rechten Ende der Kopfzeile steht die Datierung. Sie ist nach Möglichkeit dem Inschriftentext entnommen. Bei offenkundigem Auseinanderklaffen zwischen einem im Text angegebenen Datum und der tatsächlichen Entstehungszeit der Inschrift werden beide Termine – durch Schrägstrich getrennt – angeführt. Erschlossene Daten sind zwischen runde Klammern gesetzt. Können Denkmäler nur einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet werden, sind sie – gegebenenfalls mit Fragezeichen versehen – jeweils am Ende des ermittelten Zeitraumes eingeordnet.

In dem auf die Kopfzeile folgenden beschreibenden Teil finden sich zunächst die Nennung des Inschriftenträgers, des Inschriftentypus und gegebenenfalls von Personen, denen er zugeordnet werden kann, ferner die präzise Angabe des Standorts, Hinweise auf frühere Standorte, eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers sowie Bemerkungen zu Material, Anbringung der Inschrift und Erhaltungszustand des Denkmals. Stehen mehrere Inschriften auf einem Träger, so werden diese mit römischen Zahlzeichen bezeichnet. Die Beschreibung des Inschriftenträgers erfolgt vom Betrachter aus. Nur bei Wappenbeschreibungen wird nach den Regeln der Heraldik verfahren. Die Beschreibung schließt mit Maßangaben zu Inschriftenträger und Inschrift ab. Die Schrifthöhe ist nach dem Normalwert des Buchstabens N bzw. n angegeben. Erhebliche Schwankungen werden durch die Angabe der Extremwerte vermerkt. Die Angabe der Schriftart ist typisierend. Vor der Textedition kopial überlieferter Inschriften ist die maßgebliche Quelle genannt.

In der Textedition sind Zeilenumbrüche durch Schrägstrich gekennzeichnet. Doppelte Schrägstriche markieren die Unterbrechung des Textes oder seinen Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld. Metrische oder gereimte Texte sind versweise geboten. Gekürzte Wörter sind in originalen Inschriften nach Möglichkeit zwischen runden Klammern aufgelöst, wobei das Kürzungszeichen selbst entfällt. Worttrennzeichen sind durch Punkte in halber Höhe wiedergegeben und gegebenenfalls in Apparat oder Kommentar beschrieben. Darunter gesetzte Bögen kennzeichnen Nexus litterarum, Ligaturen und Bogenverbindungen. Erhaltene, aber in ihrer Lesung nicht ganz sichere Buchstaben sind unterpunktiert. Zur Kennzeichnung zerstörter Textteile dienen eckige Klammern. Ist eine Ergänzung nicht möglich, wird die ungefähre Anzahl der ausgefallenen Buchstaben durch Punkte innerhalb der Klammern wiedergegeben. Bei umfangreicheren oder in ihrer Dimension ungewissen Verlusten sind drei Gedankenstriche gesetzt. Ursprünglich freigelassene Stellen sowie nachträgliche Ergänzungen sind durch spitze Klammern gekennzeichnet. Dies betrifft im vorliegenden Bestand besonders Teile der Inschriften, die im Rahmen einer Renovierung im 19. Jahrhundert ergänzt wurden. Sie werden in der Edition durch spitze Klammern gekennzeichnet und wie ein kopial überlieferter Text behandelt.

An den Wortlaut der Inschrift schließt sich der textkritische Apparat, gegebenenfalls der Nachweis von Zitaten sowie die Übersetzung der fremdsprachigen Texte an. Es folgt die Auflösung der nicht nach der fortlaufenden Tageszählung angegebenen Datierungen und die Benennung bekannter und unbekannter Wappen.

Der Kommentar enthält gegebenenfalls notwendige Hinweise zu Schrift, Sprache, Formular, kunsthistorischen Fragestellungen und zur chronologischen Einordnung, insbesondere aber Erläuterungen zu den genannten Personen und zum historischen Umfeld.

Es folgt ein Anmerkungsapparat, der Zitate aus der Literatur, Nachweise und ergänzende Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar sowie die Blasonierung unbekannter Wappen bietet. Abgeschlossen wird jede Katalognummer durch ein Literaturverzeichnis, das in chronologischer Folge Abschriften, Abdrucke sowie Abbildungen und wesentliche Arbeiten über die Inschrift nachweist.