Die Inschriften der Stadt Pforzheim

3. Die wichtigsten Standorte

Angesichts der Zerstörungen durch Kriege und Brände, die Pforzheim immer wieder heimgesucht haben, ist es verwunderlich, daß die Stadt insgesamt 250 historische Inschriften aufzuweisen hat, die vor 1650 entstanden sind. Noch immer sind 158 Stücke erhalten, allerdings häufiger als in anderen Städten in fragmentarischem Zustand. 92 Stücke mußten in diesem Band als zwar im Wortlaut überliefert[Druckseite XXIII], im Original aber als verloren gekennzeichnet werden. Die Gesamtzahl von 250 Stücken stellt nur einen Bruchteil des ursprünglich vorhandenen Inschriftenschatzes dar. Eine Einzeluntersuchung der wichtigsten Standorte soll versuchen herauszufinden, welche Gründe für den Inschriftenverlust verantwortlich sind. Angaben zu hier nicht berücksichtigten Standorten befinden sich im Kommentarteil des Inschriften-Katalogs.

3.1. Die ev. Altstädter Pfarrkirche (St. Martin)

Die zwischen 1989 und 1991 durchgeführten Grabungen auf dem Gelände der Altstädter Pfarrkirche und des benachbarten Kappelhofplatzes (ehemals Standort des Hirsauer Klosterhofs) machten wahrscheinlich, daß die ersten Vorgängerbauten der Kirche in die karolingisch-fränkische Zeit des 9./10.  Jahrhunderts zurückgehen, worauf auch das frühe Patrozinium des hl. Martin hinweist54). Diesem Bau und der zugehörigen Siedlung steht die erste Erwähnung „Phorzheim“ in einer Urkunde Heinrichs IV. im Jahre 1067 gegenüber, die auf das Vorhandensein salischen Haus- oder Burgbesitzes in Verbindung mit der Siedlung schließen läßt55). Im frühen 12. Jahrhundert wurde anstelle des vorromanischen Bauwerks eine Pfeilerbasilika mit Chorturm mit den heutigen Abmessungen errichtet. Zu diesem Bau gehören das romanische Tympanon56) über dem Westportal von 1874 (heute durch die Turmvorhalle des 19. Jahrhunderts geschützt), der romanische Triumphbogen sowie Reste der Pfeiler der Mittelschiffsarkaden an der östlichen und westlichen Langhauswand.

Die weitere Bau- und Besitzgeschichte der Frühzeit kann übergangen werden, da keine Inschriften-Denkmäler aus dieser Zeit erhalten sind. Festzuhalten ist jedoch, daß St. Martin in der Funktion einer ehemaligen „Mutterkirche“ die älteste Kirche Pforzheims ist. Das Patronat war seit dem 11. Jahrhundert im Besitz des Klosters Hirsau, das damit zugleich das Patronatsrecht über sämtliche Filialen der Pfarrkirche St. Martin – also auch über die Schloßkirche St. Michael – besaß. Im 14. Jahrhundert waren die Markgrafen von Baden im Besitz dieser Rechte, denn am 21. Februar 1344 übergaben Markgraf Rudolf IV. († 1348) und seine zweite Frau Maria Gräfin von Oettingen das Patronatsrecht über die Kirche von Pforzheim an das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal mit der ausdrücklichen Zweckbestimmung umfangreicher Memoria-Leistungen für das Stifterpaar und seine Vorfahren57). Diese Schenkung führte unter der Äbtissin Agnes von Baden (1335–1361) zum Neubau des heutigen hochgotischen Chorpolygons anstelle der halbkreisförmigen romanischen Apsis.

Über die Ausstattung der Kirche im Mittelalter haben wir keine Nachrichten. Möglicherweise war ursprünglich ein Geläute von vier Glocken vorhanden58). Auf den Seitenwänden des Vorchors wurde 1945/47 eine Ausmalung aus den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts mit einem reichen Figurenprogramm und Inschriftresten aufgedeckt (Weltgericht mit Apostelreihe, Schutzmantel-Muttergottes und Heiligenleben; vgl. nr. 54)59). Diese Wandmalereien sind vermutlich im Gefolge der Reformation nach 1556 übertüncht worden. Wahrscheinlich wurde gleichzeitig die übrige mittelalterliche Ausstattung beseitigt. Die Teile, die damals nicht zerstört wurden, sind vermutlich dem Brand von 1645 im Dreißigjährigen Krieg zum Opfer gefallen. Beim Wiederaufbau hat man die Außenwände der Seitenschiffe erhöht und alle drei Schiffe unter einem Satteldach zusammengefaßt. Im 19. Jahrhundert war die Kirche so baufällig, daß man zum Abbruch des romanischen Langhauses schritt und 1823/24 auf den alten Fundamenten einen Saalbau mit Emporen errichtete. Der Chorturm wurde 1872 durch einen neugotischen Westturm mit Vorhalle ersetzt. Der Wiederaufbau der 1945 schwer beschädigten Kirche konnte bis 1959 – nun als bescheidene Saalkirche ohne seitliche Emporen und mit einem Westturm in vereinfachten Formen – zum Abschluß gebracht werden.

[Druckseite XXIV]

Die ältesten Teile der Ausstattung sind fünf inschriftlose Grabplatten, die man bei den Grabungen 1949 bis 1951 im Langhaus aufgefunden hatte. Alle tragen Ritzzeichnungen von einfachen Kreuzen verschiedener Form. Zwei davon sind mit Lilienkreuzen verziert, eine ist mit einem Kreuz und einem unbekannten Wappenschild geschmückt60). Vermutlich sind alle Stücke noch im 13. Jahrhundert entstanden. Dieser Fund weist auf die Funktion der Altstädter Pfarrkirche als zentrale Begräbnisstätte der Stadt hin. Die Kirche war seit ihren Anfängen von einem ausgedehnten ummauerten Kirchhof umgeben, der bis ins 19. Jahrhundert hinein bestand.

Von den Grabplatten und Epitaphien des späten 16. Jahrhunderts sind die meisten 1823 beim Abbruch des romanischen Langhauses als Baumaterial verwendet worden; einige hat man wieder aufgefunden. Heute sind drei Epitaphien evangelischer Pfarrer (nrr. 195, 196; ferner Pfarrer Elias Niethammer, † 1678) in den Chor zurückgekehrt, aber die an den Außenwänden des Chores eingelassenen Grabplatten oder Epitaphien gehen ihrer Zerstörung entgegen (nrr. 167, 189, 198, ferner vier Epitaphien aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts). Selbstverständlich ist anzunehmen, daß die Kirchenbestattung im Innern auch hier bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts üblich war. Das einzige künstlerisch bedeutende Bildwerk der Kirche ist das Epitaph der Familie Beck von 1625 (nr. 237); leider hat das reich mit Figuren und Reliefs geschmückte Denkmal seine Bekrönung verloren61).

3.2. Die ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael)

Die urkundlichen Quellen schweigen über den Baubeginn der Schloßkirche62). Neue Grabungsbefunde aus der Zeit nach 1946 konnten zwei Vorgängerbauten nachweisen: eine vorromanische Kapelle des 9./10. Jahrhunderts und einen bereits dreischiffigen Bau mit einer Chorapsis aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts63). Dieser schlichte Bau ist als Kapelle der Höhenburg anzusprechen, die um 1220 zusammen mit der staufischen Stadtanlage am Fuß des Burgbergs in den Besitz des Markgrafen Hermann V. gelangte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß gerade dieser Markgraf, der „Wegbereiter“ des badischen Territorialstaats, mit dem Ausbau der Pforzheimer Burg und ihrer Kirche offenbar noch vor seinem Tod 1242 ein Zeichen seines Herrscherwillens setzen wollte64). Dafür zeugt die Monumentalität der Burgkirche St. Michael, die durch ihr gewaltiges Volumen ihre Mutterkirche, die Altstädter Pfarrkirche St. Martin, in den Schatten stellt, darüberhinaus aber eine höchst eigenwillige künstlerische Leistung ist. Der Neubau hat um 1220 den – vielleicht schon bestehenden – spätromanischen Westbau als Teil der frühgotischen Basilika einbezogen und in der Ausbildung des Langhauses neue Lösungen gesucht65). Der Baufortgang ist urkundlich nicht zu greifen, denn die Kirche wird erst 1342 erstmals in einer Schenkung erwähnt66). Wohl aber lassen sich in Gestalt der ältesten Inschriften der Kirche Zeugnisse dafür beibringen, daß der Bau von Westen nach [Druckseite XXV] Osten Joch für Joch fortschritt und daß mindestens das Langhaus vor 1275 benutzbar war, wie die Bestattung des Eberhard Liebener (nr. 2) beweist67). Als die Kirche dann 1344 und 1347 zusammen mit der Altstädter Pfarrkirche dem Patronat des Klosters Lichtenthal übergeben wurde68), war der Bau längst vollendet als durchgehend gewölbte Basilika von drei Jochen mit quadratischem Vorchor und (nicht erhaltener, aber ergrabener) polygonaler Apsis. Als Besonderheit endet das Mittelschiff mit einem querrechteckigen Joch anstelle eines Querschiffes, an das zwei schrägstehende sog. Diagonalchöre von gleicher Höhe angesetzt sind.

Daß St. Michael in der Praxis längst die Funktionen einer Pfarrkirche innehatte, obgleich ihr kirchenrechtlicher Status noch 1347 ausdrücklich als derjenige einer Filialkirche bekräftigt wurde, bezeugen Grabmäler, die schon 1260 mit dem Margarethen-Sarg (nr. 1) einsetzen und ab 1275 in dichter Folge entstanden (nrr. 2, 11, 13, 14, 15, 16, 17). Der Personenkreis dieser ältesten Grabplatten gehört fast ausschließlich der bürgerlichen Oberschicht – der Liebener, Weise, Rappenherr und Göldlin – an; dieselben Personen sind durch Stiftungen an die Kirche hervorgetreten, worauf man ihnen das Kirchenbegräbnis nicht versagen konnte. Wie in anderen Städten fand man eine Regelung, die der tatsächlichen Lage entsprach und Pfarrechte auch an der zentralen und geräumigeren Kirche wirksam werden ließ69). Das Begräbnisrecht, ebenso wie das Taufrecht ein Privileg der Pfarrkirche, war offensichtlich schon vor 1300 an die Filialkirche St. Michael übergegangen, auch wenn die juristische Gleichstellung als Pfarrkirche mit der Altstädter Kirche formal erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts erreicht worden sein mag. Sie ist urkundlich nicht faßbar, drückt sich aber im Anstieg der Anzahl von Grabplatten für den Klerus aus, die aus der Zeit nach 1407 in dichter Folge erhalten sind (nrr. 30, 33, 34, 40, 42, 44, 45, 46, 47 etc.).

Die bereits erwähnte Erhebung von St. Michael zu einem weltlichen Kollegiatstift leitete 1460 für Pforzheim – nach den Stiftsgründungen in Baden-Baden und Ettlingen – den Aufstieg in die Gruppe der vom Landesherrn bevorzugten Städte ein. Die Erhebung von schon bestehenden Pfarrkirchen zu Stiftskirchen und die Verlegung der herrschaftlichen Grablegen von den Klöstern weg in diese Stiftskirchen ist im 15. Jahrhundert eine verbreitete Praxis. Im Vordergrund dieser Stiftserhebungen stand in jedem Falle die Intensivierung der Totenmemoria für das betreffende Adelsgeschlecht70). Die politische Bedeutung, die die Markgrafen darüber hinaus der Pforzheimer Stiftsgründung beimaßen, wird darin deutlich, daß sie zusätzlich zu den bestehenden 22 Altarpfründen zur Erstausstattung des Stifts rund 12 000 fl. aufgewendet haben, um im Falle des Gelingens der beabsichtigten Universitätsgründung über eine Besoldungsgrundlage für die Professoren zu verfügen71). Die Stiftsgründung erforderte eine Vergrößerung des Chorbaues nicht nur für die Bedürfnisse des Stiftskollegiums, sondern auch für die repräsentative Selbstdarstellung der fürstlichen Stiftsgründung nach außen. Der Chorneubau, den wir zusammen mit seiner – durch die Reformation vernichteten – Ausstattung mit Sakramentshaus, Hochaltar-Retabel, Chorgestühl, Lettner (nr. 62) und Verglasung als Gesamtkunstwerk ins Auge zu fassen haben, bildet einen Höhepunkt in der Entwicklung der spätgotischen Sakralarchitektur in Baden72).

Der ungewöhnliche Grundriß der Chorpartie mit ihren Nebenchören war im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts noch bereichert worden durch den Anbau der sog. Margarethen-Kapelle an das nördliche Seitenschiff. Diese Kapelle ist erst 1939 von Emil Lacroix willkürlich mit dem Namen der „Margarethe von Pforzheim“, die 1260 Opfer eines Ritualmordes geworden war (nr. 1), verbunden [Druckseite XXVI] worden73). Lacroix hat nicht gesehen, daß es sich bei diesem zierlichen Kapellenanbau um einen doppelgeschossigen Karner und nicht um eine Kapelle mit „Krypta“ zur Verehrung der Lokalheiligen handelte. Die Kapelle gehört zu den frühesten polygonalen Kleinbauten dieser Gattung in Süddeutschland74). Der – ursprünglich gewölbte – Karner war bis zum Anbau der nicht erhaltenen „Kapelle von 1487“ in Benutzung; denn diese – 1487 westlich an den Karner angebaute – rechteckige Kapelle von zwei Jochen verstellte dessen Zugang. Der Karner konnte zu diesem Zeitpunkt geschlossen werden, weil von ca. 1470 an zusammen mit dem Neubau des Stiftschores an dessen Südseite ein dreigeschossiger Sakristei-Neubau – heute Reuchlin-Kapelle genannt – mit einem neuen Beinhaus im Untergeschoß entstanden war. Dieser neue Karner erfuhr später eine Umnutzung als Markgrafengruft75). Beide Karner weisen unmißverständlich darauf hin, daß das die Kirche umgebende Gelände jahrhundertelang als Bestattungsplatz genutzt worden ist, wahrscheinlich bis zum Jahr 1588, in dem der städtische, damals außerhalb der Mauern gelegene Friedhof – der sog. „Obere Altstädter Gottesacker“ – eröffnet wurde. Die beiden Kapellen-Anbauten standen in Zusammenhang mit den neunzehn nachweisbaren Altären, die nicht mehr sicher lokalisiert werden können76). Jedenfalls verteilten sich die Altarpfründen im Mittelalter auf den Hochaltar im Stiftschor, den Kreuzaltar vor dem Lettner, die Altäre der Nebenchöre, mindestens einen Altar in den beiden Kapellen am nördlichen Seitenschiff und eine unbekannte Anzahl von Altären im Langhaus.

Für die Geschichte der Kirche war der Entschluß des Markgrafen Ernst (1482–1553; reg. 1515 bzw. 1533–1552) von weitreichender Bedeutung, den damals noch in Funktion befindlichen Stiftschor von St. Michael fortan zur Grablege für die durch ihn begründete „ernestinische“ Linie des badischen Hauses (die spätere Linie Baden-Durlach) zu erwählen. Erst mit dieser Maßnahme erfüllte Pforzheim für kurze Zeit alle Kriterien einer Residenzstadt, zu deren kirchlich-sakraler Dimension ein Kollegiatstift mit Grablege des Fürstenhauses gehört77). Diese Entscheidung bestimmte bis 1860 das Schicksal der Pforzheimer Schloßkirche und überdauerte sämtliche späteren Verlegungen der badischen Residenzen.

Nach Auflösung des Stifts und der Klöster durch die Reformation ging die Funktion einer zentralen evangelischen Stadtpfarrkirche zunächst nicht an die Schloßkirche über, sondern an die ehemalige Dominikaner-Klosterkirche, nun ev. Stadtkirche St. Stephan. Die Schloßkirche hatte nur noch als Grabeskirche der Markgrafen Bedeutung und wurde kaum mehr benutzt, bis eine Brandkatastrophe die Stadtkirche 1789 vernichtete. In der Folgezeit verzichtete man auf deren Wiederaufbau und nahm die Schloßkirche als Stadtpfarrkirche wieder in Dienst. Ihre gesamte mittelalterliche Ausstattung war offenbar bald nach 1556 spurlos beseitigt worden, um die Einrichtung des Chores als Grablege zu ermöglichen. An der Südwand des Chores wurden ab etwa 1553 (nr. 149) die großen Grabdenkmäler für Angehörige der markgräflichen Familie aufgerichtet. Nicht nur das Chorgestühl war zu dieser Zeit bereits entfernt; auch der Chor selbst muß bald nach Erlaß der Kirchenordnung leergeräumt gewesen sein, um die Särge fürstlicher Personen in Einzelgrüften aufzunehmen, wie noch gezeigt werden soll. Die Ausstattung des Langhauses als Predigtraum wird nach der Entfernung der zahlreichen Altäre relativ dürftig gewesen sein, zumal die Kirche 1565 auch ihre alte Funktion als Schloßkirche an die neue Residenz Durlach und die dort vorhandene Schloßkapelle abgeben mußte. Nach der kopialen Überlieferung sind zwei monumentale Kruzifixe als die einzigen spätmittelalterlichen Holzbildwerke der Kirche greifbar; sie haben dem lutherischen Kultus weiterhin gedient: einmal das 1945 zerstörte Triumphkreuz über dem Lettner, zum andern das um 1760/70 noch als vorhanden erwähnte Kruzifix mit der Longitudo Christi (nr. 90). Die Glocken und Vasa sacra gingen als Raubgut oder Teil der Kontributionen an die durchziehenden Truppenkontingente verloren78). Glasmalerei vor 1650 ist in Pforzheim weder hier noch in den anderen Kirchen überliefert. Die zweifellos vorhandene [Druckseite XXVII] Wandmalerei hat man übertüncht (nr. 54)79). Auch von einer barocken Ausstattung nach den Kriegen des 17.  Jahrhunderts haben sich keinerlei Spuren erhalten. Im 18.  Jahrhundert befand sich im nördlichen Seitenschiff vor dem Ostjoch der „Kapelle von 1487“ der markgräfliche Fürstenstand (abgebrochen im 19.  Jahrhundert)80).

Nach einer Periode der Profanierung und Verwüstung des Inneren während der Napoleonischen Kriege 1806 begann die Verwandlung des Pforzheimer Chores in eine „dynastische Gedenkstätte“81). Die Kirche wurde 1831–1834 unter der Leitung des großherzoglichen Baudirektors Heinrich Hübsch (1795–1863) einer Restaurierung im neugotischen Sinne unterzogen. Daran schloß sich 1851 eine Restaurierung des Außenbaues und 1875–1881 des Kircheninneren an. Seit 1881 wurde das Langhaus der Pforzheimer Schloßkirche der evangelischen Stadtgemeinde zur Nutzung übergeben, wobei man den Chor mit den Markgrafengräbern durch eine Glaswand vom Langhaus abtrennte. Dieser Status wurde auch 1918 nach dem Übergang der Liegenschaft in den Besitz des Staates und nach 1945 beibehalten.

Aus der Stadtzerstörung von 1945 ging die Kirche als Ruine hervor. Das Chorgewölbe war herabgestürzt, jedoch hatte die Bombensicherung in Form einer Ziegelstein-Ummantelung der fürstlichen Grabdenkmäler im Chor standgehalten (vgl. Abb. 1). Im Zuge des Wiederaufbaues ab 1946 mußte der südliche Nebenchor abgetragen und wieder aufgebaut werden. Auf die Rekonstruktion der doppelgeschossigen Sakristei auf der Südseite und der Kapelle von 1487 wurde verzichtet, dafür wurde das zerstörte nördliche Seitenschiff zusammen mit der sog. Margarethen-Kapelle weitgehend rekonstruiert. Zwischen 1957 und 1967 erhielt die Kirche eine moderne Ausstattung von namhaften Künstlern, darunter eine Farbverglasung von hohem Rang82).

Zur Wiederherstellung des Baues gehörte auch die sorgfältige Restaurierung und Neuaufstellung der Grabplatten an der Süd- und Westwand des Langhauses. Beim Abräumen des Schuttes kamen zahlreiche Grabplatten zutage, die vor dem Krieg noch unter dem Gestühl verborgen waren und deshalb hier erstmals veröffentlicht werden83). Auch haben viele Grabplatten nach 1946 ihren Standort gewechselt, obwohl man sichtlich versucht hat, die Abfolge der Vorkriegszeit beizubehalten. Eine nicht geringe Anzahl war so verstümmelt und zerborsten, daß man glaubte, auf die kleinteiligen Fragmente für immer verzichten zu können. Ein Teil kam 1994 beim Abtragen der Erdaufschüttung auf der Südseite der Kirche wieder ans Licht und konnte dank der Vorkriegs-Dokumentation des Landesdenkmalamtes teilweise identifiziert werden84). Eine größere Gruppe von neunzehn mehr oder weniger verstümmelten Grabplatten hat man nach 1945 an den Außenwänden des Chores angebracht, wohl damals noch in Unkenntnis der durch sauren Regen und Schadstoffe in der Luft verursachten Schäden. Als zu diesen Umweltschäden noch die Gefährdung durch Vandalismus und Zerstörungswut im öffentlichen Raum hinzukam, hat die Heidelberger Inschriftenkommission seit 1975 mit Erfolg versucht, die verantwortlichen Dienststellen bei Land, Stadt und Kirche zu einer Rettungsaktion zu veranlassen. Die Grabplatten wurden abgenommen und zunächst jahrelang unter Dach gelagert, bis die langjährige Innen- und Außenrestaurierung der Kirche abgeschlossen war. Seit Sommer 2001 wurden die Grabplatten fachmännisch restauriert85) und seit dem Winter 2001 nach und nach im Innern des Kirchenraumes aufgestellt86). Da es sich bei diesen – ursprünglich aufgegebenen – Grabplatten [Druckseite XXVIII] fast ausnahmslos um mittelalterliche und sogar relativ frühe Kulturdenkmäler des 14. Jahrhunderts handelt, wird dieser geschundenen und nur mit Mühe und Opferbereitschaft wieder ins Leben der Stadt zurückgeholten Kirche damit ein kostbarer Schatz zurückgegeben.

Insgesamt ist die Schloßkirche in diesem Band mit 138 historischen Inschriften vertreten, von denen noch 104 (also knapp 80%) erhalten sind. Die Schloßkirche ist damit die wichtigste Fundstätte der Stadt. Die Inschriften betreffen fast ausschließlich Grabplatten und Epitaphien, wobei auf die Zeit vor der Reformation – also vor etwa 1530 – 90 Stücke (60%), auf die Zeit nach der Reformation aber nur 48 Stücke entfallen. Hiervon auszunehmen ist die Gruppe der Grabdenkmäler, Grabplatten und Särge der Markgrafen-Grablege im Chor aus der Zeit der Spätrenaissance. Sie umfaßt nur zwei Generationen und ist mit 35 Stücken (26 erhalten, 9 verloren) isoliert zu betrachten. Der restliche Bestand von Inschriften des Langhauses aus der Zeit nach 1530 ist mit 13 Stücken (davon 2 verloren) so gering, daß man daraus schließen muß, die Kirche sei nach ihrer exklusiven Nutzung als markgräfliche Grablege nur noch wenigen, hochprivilegierten Personen des Hofes zugänglich gewesen. Offensichtlich besaß die Kirche noch im 18. Jahrhundert – wie viele lutherische Kirchen des Landes – mehrere gemalte Holz-Epitaphien, von denen aber nur ein einziges Stück, nämlich das Epitaph der Anna von Hardheim geborene von Ehingen († 1543, nr. 136), in seinem Aussehen und mit seiner Inschrift überliefert ist, bevor es 1945 verbrannte. Hölzerne Totenschilde, deren sich auch die Familien der bürgerlichen Oberschicht bedienten, sind nur in einem Exemplar bezeugt (nr. 119).

Schon im frühen 14. Jahrhundert war die Michaelskirche von der bürgerlichen Oberschicht der Pforzheimer Neustadt mit Altarpfründen ausgestattet worden, die im allgemeinen die Erwerbung des Begräbnisrechts in unmittelbarer Nähe des betreffenden Altars mit einschlossen. Diese 16 frühen, vor 1400 entstandenen Grabplatten bilden einen Schwerpunkt innerhalb des Bandes. Mehrere sind nur erhalten geblieben, weil sie ein zweites Mal Verwendung fanden (nrr. 16, 19, 21, 23, 25, 31). Das heißt doch wohl, daß die Grabstätten des 13. und 14. Jahrhunderts im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert erneut belegt worden sind. Diese hier in Doppelbeschriftungen sichtbar gemachte Praxis der Kirchenbestattung ist m. E. nicht etwa als Sparsamkeit späterer Generationen zu deuten, denen die Anfertigung einer eigenen Grabplatte zu aufwendig war. Vielmehr scheinen hier für die Zeit bis zum Eindringen der Reformation besondere Vorschriften wirksam, die eine Entfernung älterer Grabplatten verboten, um die Einhaltung der liturgischen Memoria – vermutlich in Verbindung mit einem schriftlich angelegten Anniversar – zu garantieren. Wenn die Zweitverwendung in nachreformatorischer Zeit vorgenommen wurde, so folgte man vermutlich immer noch dieser Tradition und respektierte die ältere Belegung des Grabes. Nur diese flachen Grabplatten sind in größerer Zahl erhalten geblieben, weil sie vermutlich bis zum 19. Jahrhundert noch in situ im Boden lagen und dort durch den Einbau eines festen Gemeindegestühls mit Holzboden dem Zugriff entzogen waren. Im Zuge der Restaurierung durch Heinrich Hübsch 1831–1834 erhielt das Langhaus einen neuen Bodenbelag, wobei die Grabplatten entdeckt, gehoben und an den Wänden aufgestellt wurden.

Epigraphisch besonders reizvoll sind drei Stiftungsinschriften des frühen 16. Jahrhunderts (nrr. 92, 99, 112), die sich auf Meßstiftungen beziehen. Obgleich weder die Grabplatten oder Epitaphien der Stifter noch die zugehörigen Altäre überliefert sind, wird hier besonders deutlich, daß fromme und wohltätige Stiftungen, in aller Öffentlichkeit durch eine Inschrift verbürgt, für die soziale Führungsschicht einen Prestigegewinn bedeuteten. Bemerkenswert ist ferner eine – leider nicht erhaltene – lateinische Versinschrift, deren Textquelle sich in der Grabeskirche in Jerusalem befand und die als eine Stiftung des Vikars Jacobus Schüm genannt Abenturer († 1519) erschlossen werden konnte (nr. 110). Hier wird – wie bei vielen der nur mehr kopial überlieferten Inschriftendenkmäler – deutlich, wie unverzichtbar die Edition gerade der verlorenen Inschriften für eine Stadt wie Pforzheim ist, deren geschichtliche Identität angesichts der Spuren der Zerstörung kaum mehr greifbar scheint.

3.3. Die Geschichte der markgräflichen Grablege in Pforzheim

Bei der Bearbeitung des vorliegenden Bandes stellte sich die Aufgabe einer Präzisierung der Geschichte der Pforzheimer Grablege, womit die Frage nach der Entstehungszeit der sog. Alten Gruft auf der Südseite des Chores im Vordergrund stand. Diese Frage verlangte nach einer Klärung, weil damit auch die Suche nach darin aufgestellten Särgen mit vor 1650 entstandenen Inschriften verbunden war. Aufgrund intensiven Aktenstudiums und durch Abwägung widersprüchlicher Befunde ist es gelungen, die Geschichte der Pforzheimer Markgrafengrablege genauer zu zeichnen, als es dem Inventarband von Emil Lacroix von 1939 möglich war. Aufgabe der vorliegenden Inschriftenedition kann freilich nicht sein, alle hiermit zusammenhängenden Fragen erschöpfend zu klären. So war es innerhalb eines vertretbaren Zeitrahmens etwa nicht mehr möglich, die außerhalb [Druckseite XXIX] Baden-Württembergs in zahlreichen Archiven verstreuten Leichenpredigten und die Testamente der markgräflichen Familie auf Hinweise für Inschriften hin systematisch durchzusehen.

Pforzheim besitzt mit dem – bis heute nahezu vollständig gebliebenen – Ensemble einer fürstlichen Grablege mit Denkmälern und Särgen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert einen Denkmälerschatz von hohem künstlerischen Niveau und historischer Aussagekraft, und dies nicht nur wegen seines Quellenwertes für die einzelnen Personen des Fürstenhauses, sondern auch für das Verständnis neuzeitlich-dynastischen Denkens und des Bestrebens nach zur Schau gestellter Legitimation von Herrschaft87). Dabei ist festzuhalten, daß die Wahl Pforzheims als Grablege der ernestinischen Linie des badischen Hauses durch die Begründung einer neuen Dynastie durch Erbteilung und die Wahl eines zentralen Residenzortes mit bereits bestehender sakraler Tradition bedingt war. Die Einrichtung der Grablege in einem dem Residenzschloß eng benachbarten, als „Schloßkirche“ angegliederten Kirchenbau entsprach dem fürstlichen Selbstverständnis, für das nicht mehr so sehr die Wirkung in der Öffentlichkeit der städtischen Pfarrkirche der Residenzstadt, sondern der „sozial exklusive“ und zugleich „sakral überhöhte Raum des Residenzschlosses“ relevant war88). Ähnliche Konstellationen finden sich bei den Grablegen des sächsischen Hauses in der Wittenberger Schloßkirche oder bei der Grabkapelle der Familien Kaiser Karls V. und König Philipps II. im Escorial, um nur zwei prominente Beispiele zu nennen. Bei der Verwirklichung einer neuen Konzeption spielten neben den künstlerischen und finanziellen Möglichkeiten des Begründers auch die bisher in der Familie befolgten Begräbnis-Traditionen eine Rolle.

Mit dem Hochgrab (nr. 129) des Markgrafen Ernst (1482–1552; reg. 1515 bzw. 1535–1552) und seiner Gemahlin Ursula von Rosenfeld († 1538) beginnt 1538 die Serie der markgräflichen Grabmäler im Chor, die fünf verschiedenartige Denkmalstypen mit unterschiedlichen Funktionen, nämlich Grabplatten im Boden, große an der Wand aufgerichtete Grabdenkmäler in der Funktion von Epitaphien, Särge, Sargtafeln und Aufbahrungsgemälde umfaßte. Es ist für die schwankende konfessionelle Haltung des Dynastiegründers Ernst bezeichnend, daß seine Konzeption durchaus mit dem um 1535 noch funktionsfähigen Stiftskonvent in Einklang stand. Vermutlich hat er dessen liturgische Totensorge noch beansprucht. Sein in der Chorachse aufgerichtetes Hochgrab mit den Liegefiguren des Markgrafenpaares ließ sich ohne Störung des vorreformatorischen Ensembles – vor dem Hochaltar und flankiert vom Chorgestühl – in den Chorraum einfügen. Das Hochgrab besaß im Innern oder darunter im Boden einen Hohlraum, in dem die Särge des markgräflichen Paares Platz fanden89). Es steht nach Form und Position in der Tradition des mittelalterlichen Fürstengrabmals, wobei auf die Grablegen der verwandten Herrscherhäuser in der Klosterkirche Heilsbronn, in der Fürstenkapelle des Meissener Domes oder in der Heidelberger Stiftskirche zum Heiligen Geist zu verweisen ist. Das Hochgrab erhob mit dieser Hoheitsform einen Anspruch, der innerhalb des badischen Hauses an das um 1340 entstandene Grab der Irmengard, Stifterin des Klosters Lichtenthal, anknüpft90). Auch mit den Gräbern Irmengards und ihres Gemahls Hermanns V. begann 1248 ein neuer Abschnitt badischer Sepulkraltradition, nachdem die älteste Grablege des Hauses in der Stiftskirche zu Backnang91) zugunsten des neuen Hausklosters Lichtenthal aufgegeben worden war. Markgraf Bernhard I. († 1431) hat dann mit der Verlegung der Grablege von seinem Hauskloster in die Pfarrkirche und spätere Stiftskirche seiner Residenzstadt Baden-Baden erneut einen Wechsel vollzogen. Bis zum Aussterben der katholischen Badener Linie 1771 ist Baden-Baden Grablege geblieben92). Allerdings besitzt Baden-Baden kein freistehendes Hochgrab. Die dortigen Markgrafen und ihre Angehörigen wurden im 15. Jahrhundert im Chorboden in Einzelgrüften bestattet, die durch steinerne Grabplatten mit Bronzeauflagen bedeckt wurden. Es war dies eine schlichte Bestattungsform, [Druckseite XXX] die auch das württembergische Grafenhaus bis zur Reformation in der Stuttgarter Stiftskirche praktizierte93).

Am Vorabend der Reformation wurde die Wahl Pforzheims wohl nicht mehr vom Wunsch nach einer wirksamen Memoriapflege durch das Stiftskapitel bestimmt. Die „personelle Demontage“ des Stifts hatte schon unter dem Markgrafen Philipp I. (reg. 1515–1533) vor der Landesteilung eingesetzt und wurde unter Karl II. von Baden-Durlach durch die offizielle Einführung der Reformation 1556 beendet94). Wenn durch die Verlegung der Residenz 1565 nach Durlach unter Karl II. schon bald ein Bruch in der Traditionsbildung drohte, so hat Karl doch selbst durch sein Festhalten an Pforzheim als Grablege seiner ersten Gemahlin und seiner Kinder, möglicherweise auch durch eine (nicht mehr nachweisbare) testamentarische Verfügung für seine eigene Person, deutlich gemacht, daß die Grablege in der durch ihr Alter ehrwürdigen Schloßkirche und Stiftskirche verbleiben sollte. Vermutlich erwies sich Durlach mit seiner wenig repräsentativen Stadtkirche als ungeeignet, als Mausoleum sein Geschlecht mit dem Glanz vergangener Jahrhunderte zu verknüpfen. Karl hat jedoch einen weiteren Bruch in der Tradition herbeigeführt als Schöpfer einer für die Markgrafschaft neuartigen Konzeption der Pforzheimer Grablege, die hier zu untersuchen ist.

Offenbar hat dieser Markgraf bald nach der offiziellen Einführung der Reformation 1556 und nach Auflösung des Kollegiatstifts den Pforzheimer Chor für den Kultus geschlossen und den Hochaltar und eventuell vorhandene Nebenaltäre beseitigen lassen, um Platz für die neue und alleinige Funktion des Chores als fürstliches Mausoleum zu gewinnen. Wie in den Stiftskirchen von Tübingen oder Heidelberg blieb der Lettner als eine willkommene Schranke zwischen dem Langhaus als Gemeinderaum und dem nun mehr und mehr in eine Grabanlage des Herrscherhauses sich verwandelnden Chor erhalten. Das Chorgestühl wurde spätestens ab 1557 beseitigt, damit monumentale Grabdenkmäler mit Epitaph-Charakter für die Glieder der markgräflichen Familie an der Wand des Chores aufgereiht werden konnten95). Mit der Aufrichtung der ersten Denkmäler für die Markgrafen Bernhard d. J. († 1553; nr. 149) und Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Ansbach († 1557; nr. 157) sowie für Maria († 1561; nr. 171), eine Tochter Karls II., ist eine hier noch neuartige Tradition der Kirchen-Bestattung eingeführt worden. Zu jedem dieser monumentalen Grabdenkmäler gehört eine im Kirchenboden bündig verlegte Grabplatte über einem „Erdgrab“, einem ausgemauerten Einzelgrab im Boden96). Zu dem Grabdenkmal Karls II. und seiner beiden Frauen (nr. 192) gehören drei Grabplatten (nrr. 158, 185, 199), die vor dem Grabdenkmal im Boden liegen. Während die Grabplatte Bernhards d. J. durch ihren exzellent gearbeiteten Wappenschmuck und die Inschriftkartusche ein individuelles Gepräge erhielt, folgen die übrigen Grabplatten der fürstlichen Familie von 1557 an bis ins 17. Jahrhundert hinein einem neuen und einheitlichen Musterentwurf, der zwar immer wieder leicht abgewandelt wurde, aber in den Grundzügen übereinstimmt: ein rechteckiger, doppelt profilierter Rahmen wird von einer Inschriftkartusche mit einer Rahmung aus Roll- und Beschlagwerk seitlich überschnitten; die kurze Grabinschrift ist zeilenweise in Kapitalis ausgeführt und stets in Latein abgefaßt. Der Inschrifttext enthält neben dem Sterbevermerk eine Grabbezeugung und bezieht sich unmißverständlich auf das betreffende Grab darunter, indem er dieses benennt: SEPVLCRVM (nrr. 156, 177), IN HOC TVMVLO SVNT OSSA (nr. 158), EXVVIAE HOC LOCO REPOSITAE SVNT (nr. 163), HOC LOCO SEPVLTVS EST (nr. 180), HOC LOCO QVIESCIT (nr. 185) und ähnlich. Ein während der Bodenuntersuchungen 1946 im Chor aufgenommenes Photo zeigt, daß ca. 40 cm tief unter diesen Grabplatten die aus Backsteinen gemauerten Einzelgrüfte lagen, deren „Dach“ leicht gewölbt und im Querschnitt segmentbogenförmig war97). Leider ließen sich trotz intensiver Bemühungen bei den verantwortlichen Stellen keine Aufzeichnungen über die unter Leitung des damaligen Konservators Dr. Emil Lacroix 1946 vorgenommenen Untersuchungen einzelner Grüfte und ihrer Särge auffinden. Deshalb bleibt offen, wie die Särge in den Einzelgrabkammern gestaltet waren. Vermutlich handelte es sich um Holzsärge, die von einem Sarg aus Metall – wohl aus Zinn – umschlossen waren98). Jedes Glied der engeren Familie Karls II. erhielt ein zusätzlich errichtetes und durch seine Höhe und künstlerische Ausgestaltung unübersehbares Grabdenkmal an der Chorwand. Dieses konnte entweder schon zu Lebzeiten begonnen sein, wie es für das Denkmal [Druckseite XXXI] Karls II. und seiner beiden Gemahlinnen (nr. 192) wahrscheinlich ist, oder es konnte beträchtliche Zeit nach der Bestattung angefertigt werden, wie es offenbar bei den Kindern Karls II. (nrr. 171, 183, 186) geschah.

Auffallend ist nun, daß einzig bei dem jüngsten, nach 1604 entstandenen Denkmal des Chores, dem Doppeldenkmal der Gebrüder Ernst Friedrich und Jakob III. (nr. 220), die bei allen von Karl II. veranlaßten Denkmälern geübte Praxis aufgegeben wurde. Denn für Markgraf Jakob fehlt die Grabplatte, obgleich seine Bestattung in Pforzheim gesichert sein soll. Für Ernst Friedrich wird eine Grabplatte (nr.  219) im südlichen Bereich des Chores in Anspruch genommen, die lediglich mit seinen Initialen geschmückt ist und weder Sterbeinschrift noch Grabbezeugung trägt. Glücklicherweise verfügen wir über eine neu entdeckte Beschreibung seines Todes und Begräbnisses99). Daraus ist zu entnehmen, daß der einbalsamierte Leichnam zunächst in einem mit schwarzem Samt ausgeschlagenen Holzsarg sechzehn Tage lang in der Durlacher Schloßkapelle aufgebahrt war, wobei ihm sein Degen und eine Sargtafel aus Zinn mit Inschrift (nr. 218) beigegeben worden ist100). Dann wurde der Sarg für die Einzelbestattung in Pforzheim mit einem Bleisarg umschlossen und dieser wiederum in einen Holzsarg gestellt und feierlich nach Pforzheim überführt.

Jeder Generationswechsel der Auftraggeber hat auch einen Wechsel in der Konzeption hinsichtlich der Bestattungsform bewirkt. Der Auftraggeber des Doppeldenkmals der Markgrafenbrüder (nr. 220), zweifellos Markgraf Georg Friedrich, hat in der Folgezeit weder weitere Grabdenkmäler noch Grabplatten für seine nächsten Angehörigen veranlaßt. Lediglich seinen Schwiegervater, den Wild- und Rheingrafen Friedrich († 1608; nr. 225), und seine unverheiratete Schwester Elisabeth († 1611; nr. 228) hat er noch – der älteren Tradition folgend – im Chorboden bestatten lassen. Noch in seinem Testament von 1615 hatte Georg Friedrich verordnet, daß ihm selbst zu Pforzheim „innerhalb einer jahr frist ein epitaphium … aufgerichtet werden solle“101). Er hat diesen Plan offenbar bald danach aufgegeben. Der Tod seiner ersten Ehefrau, der Wild- und Rheingräfin Juliana Ursula, am 5. April 1614 könnte der Anlaß für den Ausbau einer Gruft unter der Pforzheimer Schloßkirche gewesen sein. Juliana Ursula ist zweifellos in Pforzheim bestattet worden, doch ist keine Grabplatte erhalten. Auch Georg Friedrichs zweite Ehefrau und seine zahlreichen Kinder scheinen weder ein Grabdenkmal noch eine Grabplatte erhalten zu haben, ob sie nun im Durlacher Schloß oder im Exil in Basel oder Straßburg verstorben waren. Offensichtlich sind sie – wie auch Georg Friedrich selbst – nach ihrer Aufbahrung von einem Zinnsarg umhüllt beigesetzt worden. Diese Praxis kam der Unsicherheit im Kriegsgeschehen während des Dreißigjährigen Krieges entgegen. Im Zinnsarg blieben die Toten transportabel. Sie konnten auf der Flucht mitgeführt, in der Erwartung besserer Zeiten im Exil gelagert oder über weite Entfernungen zu Schiff oder auf Wagen transportiert werden. Der Zinnsarg konnte aufwendig mit Gravierungen verziert werden und ausführliche Sarginschriften, Bibeltexte, Wappen und sogar szenische Darstellungen in barocker Manier tragen102). Gegenüber dem spätbarocken Sargtyp – einem mit Samt überzogenen und mit Goldborten geschmückten Holzsarg, der ab 1730 Mode wurde und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein verwendet worden ist und keine Inschrift trug – hatte der Zinnsarg überdies den Vorteil, daß seine meist ausführlich gehaltene Sarginschrift über die Person des Verstorbenen Auskunft gab.

Der Prälat Franz Josef Herr (1778–1837), Kenner und Erforscher der Markgrafen-Grablegen, hat 1830 als erster die Vermutung geäußert, Georg Friedrich – und nicht schon sein Großvater, Markgraf Ernst, – habe in Pforzheim die Gruftbestattung eingeführt. In der Tat hat sich frühestens in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts die Gruftbestattung ohne Steindenkmal allgemein bei den Häusern des Hochadels eingebürgert. Bayern, Hessen-Darmstadt, die Höfe in Wolfenbüttel und Kassel sowie der [Druckseite XXXII] Stuttgarter Hof ab 1607 gingen zu der neuen Bestattungsform über103). Der Schlichtheit des unterirdischen Bestattungsortes stand von nun an das immer prunkvoller ausgestaltete Leichenbegängnis gegenüber, an dem die Vertreter aller Stände teilnahmen104). Alles spricht dafür, daß es Markgraf Georg Friedrich war, der die Pforzheimer Gruft unter der Sakristei auf der Südseite des Chores, der sog. Reuchlin-Kapelle, hat einrichten lassen. Dort befand sich ein zweijochiger, mit einem flachen Kreuzgratgewölbe gedeckter Raum als Untergeschoß der dreigeschossigen, um 1470 von Hans Spryß neu erbauten Sakristei. Er diente vermutlich als Beinhaus, nachdem der bisherige Karner unter der sog. Margarethen-Kapelle 1487 durch den westlich anstoßenden Kapellenanbau unzugänglich geworden war. Da der Friedhof bei der Schloßkirche 1588 durch den zentralen Stadtfriedhof, den sog. Oberen Altstädter Friedhof, abgelöst wurde, stand der Karner zur Disposition. Man vermauerte vermutlich die noch schwach erkennbare Türöffnung auf der Westseite105) und legte im Chorinnern hinter dem Lettner einen abwärts führenden Zugang mit Treppenlauf an, der durch eine Falltür verschlossen werden konnte. Diese Maßnahmen lassen sich genau datieren für die Zeit zwischen der letzten, durch Georg Friedrich veranlaßten Erdbestattung seiner Schwester Elisabeth im Chor im Jahr 1611 (nr. 228) und dem Tod seiner ersten Gemahlin, der Wild- und Rheingräfin Juliana Ursula, am 5. April 1614. Sie wurde vermutlich als erste in einem Zinnsarg hier in der neu eingerichteten Gruft beigesetzt106).

Vom Begräbnis oder Grabmal der Juliana Ursula sind keinerlei Spuren oder Nachrichten vorhanden. Eine Erklärung dafür ist, daß ihr Sarg – ebenso wie die Särge ihres Gemahls und ihrer Kinder – Opfer der Katastrophe geworden ist, die 1692 im Pfälzischen Erbfolgekrieg über diese sog. Alte Gruft hereinbrach und die zum Verlust aller dort deponierten Särge geführt hat. Nach dem Bericht des Verwalters Jacob Heyland vom 8. Oktober 1692 waren die Särge der Alten Gruft kurz zuvor von Soldaten erbrochen und weggeführt und die Leichname geschändet worden107). Diesen Ort des Grauens hat man offensichtlich anschließend gemieden und zugemauert. Schon unter Georg Friedrichs Enkel Friedrich VI. (1659–1677) war die Alte Gruft – vermutlich weil der Raum voll mit Särgen belegt war, nicht mehr genutzt worden. Unter diesem Fürsten ist daher auf der Nordseite des Chores 1673 eine neue Gruft von gleichen Dimensionen und ähnlicher Bauart als Gegenstück angelegt worden, die die Särge der Familienglieder dieses Markgrafen und seiner Nachkommen aufnahm108). Diese sog. Neue Gruft blieb 1692 von der Verwüstung verschont und ist bis heute mit ihrem reichen Bestand erhalten. Er setzt mit den Särgen von Friedrichs VI. Gemahlin Christine Magdalene von Pfalz-Zweibrücken († 1662) und beider Tochter Eleonore Friederike († 1658) ein. Die hier aufgestellten Särge und ihre Inschriften sind lückenlos erfaßt, während die Sarginschriften der Alten Gruft bisher als verloren gelten mußten109).

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein undatiertes Manuskript GLA 47/47 (Absterben, fürstliche Grüfte) – wohl eine Abschrift älterer Teile, angefertigt im 2. Viertel des 18. Jahrhunderts – besondere Bedeutung, das von Lacroix nicht ausgewertet wurde110). Dieser aus vier unterschiedlichen Teilen von [Druckseite XXXIII] verschiedenen Schreiberhänden zusammengestellte, nicht paginierte Konvolut von 24 Blättern enthält ausnahmslos Grabinschriften. Zu Beginn (fol. 1r–6r) stehen die Grabinschriften der Steindenkmäler und Grabplatten der markgräflichen Familie im Chor. Es handelt sich hier um die wahrscheinlich früheste listenmäßige Erfassung der – korrekt wiedergegebenen – Inschriften im Chor, entstanden im 18.  Jahrhundert. Die Inschriften setzen ein mit der Inschrift des Hochgrabes des Markgrafen Ernst; dann folgen die Inschriften der Grabplatte und des Epitaphs von Bernhard d. J. Danach sind zuerst in chronologischer Abfolge die Grablatten und die zugehörigen Grabdenkmäler an den Chorwänden aufgeführt. Es folgen die Grabplatten der vier Ehefrauen Friedrichs V. (fol. 4v–5r) und schließlich die Inschriften für die fernere Verwandtschaft, für Albrecht Alcibiades von Brandenburg, für den kleinen Pfalzgrafen Karl und für Wild- und Rheingraf Friedrich von Salm (fol. 5v–6r). Die lateinische Inschrift der Grabplatte ist jeweils der deutschen Inschrift des zugehörigen Grabdenkmals vorangestellt. Eine kurze Überschrift bezeichnet das Grabdenkmal jeweils als „bildnus“. Darauf folgen die zwei Inschriften von 1709 und 1723 (fol. 7r–7v). Es sind dies die ältesten Inschriften von insgesamt sieben Aufbahrungs-Gemälden, wie sich anhand der Aufstellung von Lacroix nachprüfen läßt111). Diese Gemälde zeigten die fürstlichen Personen auf ihrem Paradebett – vermutlich in der Durlacher Schloßkapelle – in feierlicher Aufbahrung unter einem Baldachin und von Kerzen in hohen Kandelabern umgeben112). Dann folgen (fol. 8r–13r) – ohne Standortsbezeichnung oder Kommentar – lateinische Inschriften, die ihrem zentrierten und schmalen „Layout“ nach als Sarginschriften anzusprechen sind. In der Tat lassen sie sich identifizieren als die Inschriften von sechs Särgen, nämlich von Friedrich VII. Magnus († 1709) und seiner Mutter Christina Magdalena von Pfalz-Zweibrücken († 1662) sowie von vier Kindern – also von Särgen, die sich heute alle in der Nordgruft von 1673 befinden.

Am Schluß des Manuskripts GLA 47/47 ist ein für die Rekonstruktion des Bestandes in der Alten Gruft besonders wichtiges Konvolut von sechs Blättern (fol. 14r–19r) beigeheftet. Es ist – wie die andern Konvolute – undatiert und von anderer Hand beschriftet. Hier sind u. a. acht bisher unbekannte Grabinschriften, abgefaßt in kunstvoll komponiertem Latein, aufgeführt. Sie sind der zentrierten Anordnung ihres Schriftbildes nach ebenfalls als Sarginschriften anzusprechen und betreffen Personen, die zwischen 1643 und 1679 verstorben sind. Darunter befinden sich zwei bisher unbekannte Sarginschriften für Personen, die vor 1650 gestorben sind und die deshalb hier erstmals vorgestellt werden: für Anna Maria Markgräfin von Baden geborene Freiin von Geroldseck, vierte Gemahlin Friedrichs V., † 1649 (nr. 247) und für Maria Elisabeth Markgräfin von Baden geborene Gräfin von Waldeck, dritte Gemahlin Friedrichs V., † 1643 (nr. 244). Diese beiden Markgräfinnen sind nach Aussage der Sarginschriften in Basel verstorben. Ihre Särge sind 1650 nach Pforzheim transloziert und nicht in der Alten (Süd‑ )Gruft – wie man bei Särgen erwarten würde –, sondern in einem Erdgrab im Chor beigesetzt worden. Dies geht aus den Inschriften ihrer Grabplatten (nrr. 248, 249) eindeutig hervor. In der Tat hat Markgraf Friedrich V. (1594–1659; reg. 1622–1659), der Sohn und Nachfolger Georg Friedrichs, sich nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Rückkehr in seine Stammlande unverzüglich um die Rückführung der Särge seiner Familienglieder bemüht, welche im Exil verstorben und vorläufig in der lutherischen Kirche St. Thomas in Straßburg beigesetzt worden waren113). Offensichtlich befanden sich unter diesen Särgen auch diejenigen seiner dritten Ehefrau Maria Elisabeth und seiner vierten Ehefrau Anna Maria, deren Sarginschriften durch das Manuskript GLA 47/47 wiedergewonnen werden konnten. Schon für seine ersten beiden Ehefrauen Barbara und Eleonora (nrr. 239, 241) hatte Markgraf Friedrich V. die Bestattung in der Alten Gruft gemieden und war zur Praxis der Erdbestattung zurückgekehrt. Auch er selbst hat für seine Person offenbar bestimmt, neben seinen vier Ehefrauen im Boden des Chores in einer Reihe nebeneinander und unter schlichten Grabplatten westlich von den Gräbern Karls II. und seiner Familie beigesetzt zu werden114). Die Grabplatten der Ehefrauen sind als Gruppe einheitlich gestaltet. Obgleich nun [Druckseite XXXIV] mit Inschriften in deutscher Sprache versehen, ähneln sie in der Gestaltung den Platten aus der Zeit Karls II., verzichten aber auf die Rollwerk-Kartuschen der älteren Serie (nrr. 239, 241, 248, 249).

Unter den von Friedrich V. aus Straßburg nach Pforzheim heimgeführten Särgen befand sich zweifellos auch derjenige seines Vaters Georg Friedrich († 1638). Diesen hat Friedrich V. vermutlich in der Alten Gruft neben den Särgen seiner Mutter Juliana Ursula und seiner jung verstorbenen Geschwister beisetzen lassen, wo er offensichtlich bei der Plünderung 1692 spurlos untergegangen ist. Die separat überlieferte Sarginschrift Georg Friedrichs (nr. 243) fehlt in dem Manuskript GLA 47/47 ebenso wie diejenige von dessen erster Gemahlin Juliana Ursula († 1614). Hier ist das Verzeichnis unvollständig; offenbar ist es ohne die Grundlage einer Autopsie vor Ort vor dem Zerstörungsjahr der Gruft 1692 zusammengestellt worden. Es enthält jedoch die Sarginschriften von weiteren sechs bisher unbekannten Särgen. Dabei kann es sich nur um Särge handeln, die vor 1673 in der Alten Gruft des Markgrafen Georg Friedrich standen und die dort 1692 zerstört worden sind115). Eine Begründung für das Fehlen gerade der Sarginschriften des Erbauers und Stifters der Alten Gruft und seiner Gemahlin, deren beider Beisetzung an diesem Ort hinlänglich gesichert erscheint, ist nicht leicht. Eine Hypothese wäre die Annahme, die Särge Georg Friedrichs und seiner Gemahlin seien glatte Zinn- oder Bleisärge oder Holzsärge ohne jede Inschrift gewesen. Diese Hypothese mag nicht recht überzeugen, wenn man die reich mit Inschriften geschmückten, gleichzeitig entstandenen Zinnsärge der württembergischen Herzöge oder anderer Adelshäuser zum Vergleich heranzieht. Da die Analyse des Manuskripts GLA 47/47 den zeitlichen Rahmen der vorliegenden Edition überschreitet, müssen die noch ungelösten Fragen offen bleiben.

Als um 1760 auch der Raum in der Neuen (Nord‑ )Gruft knapp wurde, sind Überlegungen über eine neue Nutzung der Alten Gruft angestellt worden. Der Amtskeller Philipp Jacob Schewermann ließ 1762 die vermauerte Alte Gruft aufbrechen116). Er fand darin die Spuren der Zerstörung von 1692, nämlich Reste von mindestens drei vor 1650 entstandenen Zinnsärgen mit aufgemalten Wappen und Inschriftfragmenten (nrr. 233, 236, 238) sowie Bretter von Holzsärgen; die Gebeine waren in einem Sammelgrab in der Mitte beigesetzt worden. Auf Befehl des Markgrafen wurde die Alte Gruft von diesen Resten gereinigt und zur Neubelegung wiederhergestellt. Sie wurde 1763 durch einen von Süden nach Norden verlaufenden, tonnengewölbten unterirdischen Gang mit der Neuen (Nord‑ )Gruft und deren Treppenzugang verbunden; der separate Zugang auf der Südseite des Chores wurde beseitigt117). In der neu aktivierten Alten Gruft fanden seit etwa 1762 die Familienglieder und Nachkommen des Markgrafen und späteren Großherzogs Karl Friedrich (1728–1811) bis 1860 ihre letzte Ruhestätte118). Auch der erneute Wechsel der Residenz von Durlach 1718 nach der Neugründung Karlsruhe und die 1771 erfolgte Vereinigung aller badischen Landesteile haben die Begräbnistraditionen des Hauses Baden-Durlach zunächst nicht brechen können.

Im Gegenteil scheint man sich von nun an intensiver als je auf seiten der Regierung um die markgräfliche Grablege in Pforzheim bemüht zu haben. Denn unter Leitung des Oberbaudirektors Friedrich Weinbrenner erfuhren beide Grüfte ab etwa 1800 eine Neugestaltung. Durch den Oberamtsassessor und späteren Hofgerichtspräsidenten Karl von Beust ist 1802 offiziell eine vollständige Liste aller in Pforzheim bestatteten Angehörigen des Markgrafenhauses und ihrer Grabinschriften veranlaßt und ein Lageplan dazu gezeichnet worden119). Eine bewußt inszenierte Aufwertung im Sinne eines romantisch verklärten Geschichtsverständnisses erfuhr die Pforzheimer Grablege unter dem Großherzog Leopold (reg. 1830–1852). Als Organisator und Berater diente dem Großherzog – wie schon zuvor bei der Neugestaltung der Grablege in Lichtenthal – der Geistliche Rat Franz Joseph Herr (1778–1837), illegitimer Sohn des Markgrafen und späteren Großherzogs Karl Friedrich (reg. 1738–1811). Leopold hat in Pforzheim ab 1831 eine Instandsetzung des Chores und eine Restaurierung der Denkmäler angeordnet, ergänzt durch eine Farbverglasung mit Wappenfenstern und eine historistische Farbfassung der Architektur. 1833 wurde in der Chormitte ein neugotisches Karl- [Druckseite XXXV] Friedrich-Denkmal von August Moosbrugger enthüllt, 1834 folgte das Helden-Denkmal der 1622 in der Schlacht bei Wimpfen gefallenen Pforzheimer120). Die Aufstellung dieser Denkmäler wirkt wie ein Versuch der Kompensation für die offiziell ab 1830 geplante Verlegung der Grablege der nun großherzoglichen Familie in die Gruft der 1807/16 von Weinbrenner erbauten ev. Stadtkirche zu Karlsruhe. Die Neuanlage einer geräumigen Gruft unter dieser Kirche signalisierte, daß Karlsruhe nunmehr zum Ort der dynastischen Repräsentation und zur großherzoglichen „Haupt- und Residenzstadt“ mit Herrschergrablege aufgestiegen war121). Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs die Särge der letzten regierenden Großherzöge nicht mehr in dieser Gruft, sondern in dem 1889–1896 errichteten Privat-Mausoleum im Karlsruher Schloßpark aufgestellt wurden122).

Zusammenfassend ist festzuhalten, daß weder zur Zeit des Markgrafen Ernst noch zur Zeit Karls II. eine Gruftanlage vorhanden war, obgleich in der Literatur diese Vermutung immer wieder – so auch bei Lacroix – aufscheint. Die Familienangehörigen Karls II. und seines Enkels Friedrich V. sind im Chor in Erdgräbern einzeln bestattet worden. Das schließt nicht aus, daß sie mit Inschriften verzierte Zinnsärge erhielten, wie es für Friedrich V. und zwei seiner Frauen nachweisbar ist123). Die Geschichte der Gruftbestattung beginnt in Pforzheim erst unter Markgraf Georg Friedrich und läuft in drei Phasen ab. Die sog. Alte Gruft ist von Markgraf Georg Friedrich zwischen 1611 und 1614 exklusiv für seine Familie durch den Umbau des Beinhauses unter der spätgotischen Süd-Sakristei geschaffen worden. Von dem 1692 vernichteten Bestand, der bisher hinsichtlich der Anzahl der Särge und der Identität der Personen unbekannt war, konnten einzelne Sarginschriften wieder aufgefunden werden. Die vor 1611 von Georg Friedrich veranlaßten Bestattungen sind ebenfalls Einzelbestattungen im Chorboden, so vor allem für seinen Bruder Ernst Friedrich, für den jüngst nicht nur der Text der Sargtafel (nr. 218), sondern auch eine genaue Schilderung der Begräbnisfeierlichkeiten entdeckt werden konnte. Verwandte, die nicht unmittelbar der Familie der regierenden Markgrafen angehörten, sind nicht in der Gruft, sondern ebenfalls im Boden des Chores unter Grabplatten (nrr. 154, 193, 225, 228) beigesetzt worden. Daraus folgt, daß die Gruftbestattung exklusiv der jeweils regierenden markgräflichen Familie vorbehalten war. Eine zweite Phase der Gruftbestattung setzte 1673 mit dem Bau und der Belegung der Neuen Gruft auf der Nordseite des Chores unter Markgraf Friedrich VI. ein. Der Bestand mit 16 Särgen ist im wesentlichen bis heute erhalten124). Die dritte Phase der Gruftbestattungen begann 1762 mit der Wiedereröffnung der Alten (Süd‑ )Gruft, die zwischen 1692 und 1762 zugemauert und unzugänglich gewesen war. Diese Gruft wurde renoviert, mit der Neuen Gruft durch einen Gang verbunden und zwischen 1785 und 1860 mit 24 Särgen belegt.

3.4. Die kath. Barfüßerkirche (Franziskaner-Klosterkirche St. Maria)

Der Chor der Barfüßerkirche westlich der Schloßkirche ist der einzige Überrest der drei ehemals in Pforzheim ansässigen Bettelordensklöster. Das Franziskaner- oder Minoritenkloster existierte bereits 1278, wie aus dem Testament der Elisabeth, Tochter des Pfalzgrafen Konrad von Tübingen und Ehefrau des Grafen Otto II. von Eberstein, hervorgeht125). Vermutlich ist der Baubeginn um 1270 anzusetzen, wobei zunächst an die Konventgebäude zu denken ist. Die Klosterkirche mit ihrem dreijochigen gewölbten Langchor war um 1280/90 – also etwa gleichzeitig mit dem südlichen Nebenchor der Schloßkirche – fertiggestellt. Die Kirche hat als Grabstätte niemals große Bedeutung [Druckseite XXXVI] erlangt. Im Chor vor dem Hochaltar befand sich ehemals das Grabmal eines prominenten spätgotischen Kirchenfürsten, des 1467 verstorbenen Speyerer Bischofs Johann II. von Enzberg. Weder Gestaltung noch Wortlaut der Grabinschrift sind überliefert126).

Das Langhaus wurde im Orléans’schen Krieg 1689 zerstört, seine Ruine 1744 niedergelegt. Ausgrabungen ergaben 1938/39, daß es sich um eine dreischiffige, flachgedeckte Halle gehandelt hat. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Serie von acht Grabplatten in situ aufgedeckt und im Bereich des sog. Archivbaues (ehemals Reuchlin-Museum) aufgestellt. Fast alle diese Grabplatten sind 1945 dort zerstört worden, ohne daß ihr Aussehen dokumentiert worden wäre. Nur die figurengeschmückte Grabplatte der Margreth Lutz von Ehingen († 1552) ist in die Kirche zurückgekehrt (nr. 146) und bildet nun dort das Gegenstück zu dem Äbtissinnengrabmal von 1374 aus der Dominikanerinnen-Klosterkirche (nr. 24). Nach der Aufhebung des Klosters im Gefolge der Reformation wurde die Kirche zeitweilig als Kornspeicher genutzt. Daß die Franziskaner um 1635 wieder für kurze Zeit von der Kirche Besitz genommen hatten, beweist das Grabplattenfragment des spanischen Soldaten Pedro de Salazar (nr. 245) aus dem Dreißigjährigen Krieg. 1825 hat die kath. Gemeinde den Chor gekauft und dem Gottesdienst wieder zugeführt. Er wurde 1945 bis auf die Umfassungsmauern zerstört und bis 1959 wieder benutzbar gemacht.

3.5. Die ev. Stadtkirche (Dominikaner-Klosterkirche St. Stephan)

Die Ansiedlung der Dominikaner in Pforzheim wird mit dem für 1260 überlieferten Ritualmord an dem Kind Margaretha in Verbindung gebracht (nr. 1). Die erste Schenkung an das Kloster erfolgte 1294127). Zu dieser Zeit war die Kirche bereits vollendet, denn eine 1858 auf dem Klostergelände ausgegrabene Grabplatte einer Irmingart von Roßwag geborene von Magenheim von 1291 bietet dafür einen klaren Quellenbeleg (nr. 3). Die Kirche war so geräumig, daß sie nach Aufhebung des Klosters 1566 zur evangelischen Stadtkirche bestimmt wurde. Beim Stadtbrand 1692 brannte auch diese Kirche aus. Die Einweihungspredigt von 1721 nach dem Wiederaufbau informiert über ihre Bauform: die dreischiffige Basilika des Mittelalters wurde in eine quer orientierte Saalkirche mit zwei Emporen-Geschossen und einem Fürstenstand verwandelt und erhielt anstelle der Gewölbe im Chor eine barocke Holzdecke. Im Jahr 1787 brannte die Kirche erneut vollständig ab und wurde nicht mehr aufgebaut, denn der evangelische Gottesdienst ist von da an in der Schloßkirche gefeiert worden. Die letzten Reste des Dominikanerklosters mit seiner großen mittelalterlichen Kirche sind seit dem Abtragen der Ruine 1792/1812 spurlos untergegangen. Kurz vor Abriß der Konventbauten mit dem Kreuzgang sind 1743 noch siebzehn – heute verlorene – Inschriften-Denkmäler verzeichnet worden, darunter das Epitaph, das Johannes Reuchlin für seine Mutter Elissa bald nach 1501 gestiftet hatte (nr. 101)128). Vor der Zerstörung von 1692 scheint die Kirche vom Niederadel bevorzugt worden zu sein, denn hier befanden sich Grabstätten der Leutrum von Ertingen (nrr. 121, 137), Hertingshausen (nrr. 208, 231) und Rüppurr (nrr. 172, 179, 187), darunter das vor 1566 entstandene Grabdenkmal des Haushofmeisters Beatus von Rüppurr und seiner Familie, die vor dem Kruzifix kniend dargestellt war. Gehres überlieferte 1811 das Grabmal des Johann Rupert Fleischmann († 12. September 1628)129). Leider verzichtete Gehres auf die Wiedergabe der Inschrift, schilderte aber die Position des Denkmals. Es war zuletzt als Gegenstück zu dem Epitaph der Elissa Reuchlin (nr. 101) beim Hauptportal [Druckseite XXXVII] der ev. Stadtkirche „mit eisernen Klammern befestigt“. Diese beiden Grabmäler waren bis zum Abriß der letzten Reste der Kirche 1812 als einzige Stücke aus der Zeit vor 1689 erhalten geblieben.

3.6. Die Dominikanerinnen-Klosterkirche U. L. Frau und St. Maria Magdalena

Das dritte Bettelordenskloster Pforzheims war ein Frauenkloster der hll. Maria und Maria Magdalena, 1257 erstmals mit einer Schenkung bedacht und zunächst als Kloster der Reuerinnen bezeichnet, vor 1287 aber dem Dominikanerorden inkorporiert130). Nach der Fülle von Besitzungen, die das zunächst außerhalb der Stadtmauern liegende Kloster an sich brachte, müssen das 13. und 14. Jahrhundert Blütezeiten dieser Institution gewesen sein. Der Gründungsbau der Kirche des 13. Jahrhunderts war eine typische einschiffige Saalkirche mit geradem Chorschluß und einer Nonnenempore im Westen. Nach einer Brandkatastrophe im Jahr 1409 berief Markgraf Bernhard I. den Straßburger Münsterwerkmeister – wohl Ulrich von Ensingen – als Berater für den Wiederaufbau131). Am 4. Oktober 1460 hat Bischof Johann II. von Enzberg dem Kloster verschiedene Ablässe erteilt. Dabei wurden Wandgemälde mit einer Darstellung des gekreuzigten Christus und Marias im Dormitorium sowie ein offenbar besonders kostbares Altarkreuz erwähnt.

Gegen die Einführung der Reformation 1556 wehrten sich die Nonnen erbittert, bis die Abfindung und Umsiedlung des Konvents nach Kloster Kirchberg bei Sulz am Neckar (Lkr. Rottweil) im Jahr 1564 erfolgte132). Aus der Schilderung der Vorgänge durch die Nonne Eva Magdalena Neyler aus den Jahren 1556 bis 1564 geht hervor, welche Maßnahmen der Kanzler Martin Achtsynit (nr. 205) ergriff und wie er schließlich 1561/62 die Altäre und Heiligenbilder der Kirche entfernen ließ. Nach dem Abzug der Nonnen wurde das städtische Spital in das Kloster verlegt. Das alte, 1322 von Markgraf Rudolf IV. und seiner Gemahlin Luitgard gegründete Heiliggeist-Spital östlich des Klosters wurde aufgehoben. Bei der Stadtzerstörung 1689 wurde das (1564 neu konstituierte) Spital so weitgehend zerstört, daß die Neubaumaßnahmen zur Errichtung eines Waisen- und Zuchthauses im 18. Jahrhundert lediglich die Umfassungsmauern der Klosterkirche einbeziehen konnten. Im Jahr 1767 lag hier die Produktionsstätte von Taschenuhren mit den Insassen des Waisenhauses als billigen Arbeitskräften. Die gesamte Anlage wurde durch den Bombenangriff von 1945 und durch die anschließende Neuplanung dem Erdboden gleichgemacht. Dies ermöglichte aber archäologische Untersuchungen auf dem sog. Waisenhausplatz, bevor hier die Neubauten der Stadthalle, des Stadttheaters und des Parkhotels aufwuchsen133).

Die Grabungen auf dem Waisenhausplatz haben eine Reihe von kleinformatigen Spolien von Grabplatten mit Inschriftenresten zutage gebracht, deren Wert in ihrem hohen Alter liegt, denn sie gehören noch überwiegend dem 13. und 14. Jahrhundert, also der Blütezeit des Klosters, an (nrr. 8, 9, 10, 12, 24, 116, 124). Angesichts des fast völligen Verlustes des Inschriftengutes der Pforzheimer Klöster sind diese bescheidenen Original-Reste durchaus relevant. Als Glücksfall ist zu werten, daß in der einzigen gut erhaltenen Grabplatte zweier Dominikanernonnen von 1377 ein frühes Figurendenkmal der an Bildhauerarbeiten so armen Stadt zufällig der Zerstörung entging (nr. 24). In dieselbe Zeit geht eine fromme Legende von der englischen Königstochter Euphemia zurück, die 1367 im Dominikanerinnenkloster starb und von den Nonnen als Schutzpatronin und Wundertäterin verehrt wurde. Ihr verlorenes Grabmal und ihr Reliquienschrein sind bezeugt. Da der Baden-Badener Jesuit Philipp Fehnle134) – wie bei der Aufwertung des Ritualmordes der Margaretha (nr. 1) – auch hier seine Hand im Spiel hatte, könnte man die Legende als Erfindung der Gegenreformation am Ende des Dreißigjährigen Krieges abtun, wenn nicht Ladislaus Sunthaim (ca. 1445–ca. 1512/13) Anfang des 16.  Jahrhunderts ausdrücklich von einem Grab – vermutlich handelte es sich sogar um ein Hochgrab – der Euphemia im Pforzheimer Magdalenenkloster berichtet hätte135). Daß das Dominikanerinnenkloster [Druckseite XXXVIII] die besondere Gunst der markgräflichen Familie genoß, wird darin deutlich, daß wiederholt Töchter des Hauses als Nonnen eintraten und in der Klosterkirche ihr Grabmal erhielten, so Margarethe († 1431) und Brigida († nach 1441), beide Töchter des Markgrafen Bernhard I.136). Ferner soll sich hier das Grabmal der Ottilia, Tochter des Markgrafen Christoph I., befunden haben, die hier als Dominikanerin 1527 gestorben ist137).

3.7. Das Heiliggeist-Spital und seine Kirche

Markgraf Rudolf IV. († 1348) und seine erste Gemahlin Luitgard von Bolanden († 1326), Witwe Graf Albrechts I. von Löwenstein, gründeten 1322 in Pforzheim ein Spital auf einem Gelände, das sie von dem Pforzheimer Schultheißen und Richter Heinrich von Eberdingen († 1324; nr. 14) erworben hatten138). Am 24. September 1323 übergaben sie den vollendeten Gebäudekomplex mit Kirche an den Heiliggeist-Orden mit dem Haupthaus Santa Maria in Sassia in Rom. Daß auch die Spitalkirche Begräbnisstätte war, ist durch Meßstiftungen von 1401 und 1422 belegt, die ausdrücklich mit Bestimmungen über die Bestattung der Stifter verbunden waren139). Nach Aufhebung des Heiliggeist-Ordens im Gefolge der Reformation und nach der Einrichtung eines neuen Spitals im ehemaligen Kloster der Dominikanerinnen verkaufte Markgraf Karl II. die Gebäude an einen Handwerker. Die Heiliggeist-Kirche wurde nach ihrer Schließung zur „Metzig“ umgebaut. Im Jahr 1631 sollen hier noch Gemälde und Grabsteine vorhanden gewesen sein140). Das städtische Schlachthaus als Nachfolgebau ist 1945 zerstört worden.

3.8. Die Heiligkreuz-Kirche in der Brötzinger Vorstadt

Die erste Erwähnung einer Heiligkreuz-Kapelle141) außerhalb der Stadtmauer der Kernstadt, in der Brötzinger Vorstadt gelegen, findet sich in der Bestätigung einer Pfründenstiftung durch die offensichtlich wohlhabende Pforzheimer Bürgerin Katharina Nettinger vom 29. November 1426142). Katharina Nettinger und ihre Brüder sind mehrfach in Urkunden, aber auch durch ihre Grabmäler als steinernen Quellen nachweisbar (nrr. 34, 48). Die Kapelle war ein einschiffiger, dreiseitig geschlossener Kirchenraum mit einem Dachreiter und diente den Bewohnern der Brötzinger Vorstadt, einer spätmittelalterlichen Stadterweiterung, als Gotteshaus und Begräbnisstätte. Baumaßnahmen zur Erweiterung sind für 1615 und 1625 bezeugt. Nach der Stadtzerstörung 1692 wurde die Kirche wiederhergestellt und als evangelische Kirche genutzt, aber 1824 abgerissen. Nach dem Bericht von Pfarrer Philipp Jacob Bürcklin 1737/38 besaßen noch im 18. Jahrhundert viele wohlhabende Bürger in der Kirche und auf dem Kirchhof ihr exklusives „Erb-Begrebdnus“143).

3.9. Zur Geschichte der Pforzheimer Friedhöfe

Die Altstädter Pfarrkirche St. Martin ist die älteste Begräbnisstätte der Stadt. Die Kirche war seit ihren Anfängen von einem ausgedehnten ummauerten Kirchhof umgeben, der bis ins 19. Jahrhundert hinein bestand und auch den umliegenden Filialdörfern Dillstein, Huchenfeld, Weißenstein und Würm bis 1861 als Begräbnisplatz diente144). Obgleich ab 1588 der „Obere Altstädter Friedhof“ [Druckseite XXXIX] angelegt worden war, ist der Altstädter Kirchhof weiter benutzt worden, wie die wenigen an den Außenwänden des Chores eingelassenen Grabplatten oder Epitaphien zeigen (nrr. 167, 189, 198, ferner Epitaphien aus den Jahren 1839, 1843, 1844 sowie das Denkmal der Familie Benckiser mit Sterbedaten von 1822 bis 1858). Im Jahr 1861 wurde der Kirchhof geschlossen. Das Epitaph der Familie Pfeiffer von 1608 (nr. 224), ursprünglich außen an der Umfassungsmauer des Kirchhofs, konnte in der Turmvorhalle von 1872 geschützt aufgestellt werden.

Grundsätzlich waren alle Kirchenbauten Pforzheims im Mittelalter mit Kirchhöfen zur Bestattung der Toten verbunden145). Der seinem Rang nach bedeutendste Begräbnisplatz der Stadt war seit dem 13.  Jahrhundert die aus der Burgkapelle der Markgrafenburg hervorgegangene Schloßkirche, seit 1460 Kollegiatstiftskirche St. Michael. Auch sie war mit einem Friedhof umgeben und besaß ein älteres Beinhaus unter der sog. Margarethen-Kapelle und ein jüngeres unter der zweigeschossigen Sakristei von ca. 1470. Ein Begräbnis im Innern der Kirchen war vor allem den Angehörigen des Klerus vorbehalten, wie sich an der großen Zahl der in der Schloßkirche aufgefundenen Priester-Grabplatten ablesen läßt. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert wurde das Begräbnis von Laien im Kirchenraum üblich. Allerdings waren dies ausnahmslos Angehörige der sozial führenden Schicht der Stadt, wie ihre Grabplatten zeigen, nämlich Angehörige der Familien Göldlin, Goeslin, Flad, Rot gen. Veyhinger, Wels, Weiler u. a. (nrr. 2, 3, 11, 13, 14, 16, 18, 19, 20 u. ö.). Einige bezeichneten sich auf ihren Grabplatten ausdrücklich als civis in Pforzheim, wohl in Analogie zu der Bezeichnung miles beim Niederadel (nrr. 16, 22)146). Das Begräbnisrecht im Kircheninneren erwarb man im allgemeinen durch Seelgerätstiftungen, deren Bedingungen und Gebetsleistungen im einzelnen schriftlich festgelegt waren. Diese mit einem bestimmten Altar verbundenen Pfründen verblieben oft durch mehrere Generationen hindurch bei derselben Familie, was sich nach den Grabplatten einzelner Familien – wie derjenigen der Göldlin, Rot gen. Vaihinger oder Goeslin – vermuten läßt.

Einer der Hauptpunkte der lutherischen Reformation war die Ablehnung jeder Form des liturgischen Totengedenkens. Martin Luthers Theologie brach mit der Tradition des Totenkults in der katholischen Kirche, die von der Gemeinschaft der Lebenden mit den Toten ausging. Hierzu äußerte sich Luther drastisch in der Vorrede zu den Begräbnisliedern 1542: „Haben wir in unsern Kirchen die Bepstischen Grewel, als Vigilien, Seelmessen, Begengnis, Fegfewr und alles Gauckelwerck, fur die Todten getrieben, abgethan etc.“147). Luther verband damit die Forderung der Verlegung der Friedhöfe vor die Stadtmauern. In Pforzheim kam man dieser Forderung 1587 mit der Anlage des ersten allgemeinen Friedhofs (nrr. 201, 202) nach, der nördlich von der Altstadt und weit östlich von der „Neustadt“ gelegen war. Er wurde „Oberer Altstädter Gottesacker“ genannt zur Unterscheidung vom „Altstädter Kirchhof“ unmittelbar bei der Altstädter Kirche St. Martin.

Das Kirchenbegräbnis war auch nach Einführung der Reformation von Bedeutung, denn einmal war es durch jahrhundertelange Übung zu einer Tradition für die Oberschicht geworden, zum andern markierte es den Platz der Familie innerhalb der sozialen Hierarchie der Stadtgemeinde im öffentlichen Raum. Nicht zuletzt bot sich hier eine Einnahmequelle für die kirchliche Verwaltung, da die Grabplätze je nach ihrer Lage weiterhin nur gegen gestaffelte Gebühren vergeben wurden. Wie die überlieferten Denkmäler zeigen, sind auch nach 1556 Hofbeamte und Angehörige der Oberschicht in der Schloßkirche und in der evangelischen Stadtkirche, der ehemaligen Klosterkirche der Dominikaner, bestattet worden. Sie stifteten dort Grabplatten sowie steinerne oder hölzerne Epitaphien (nr. 159 mit der zugehörigen Grabplatte nr. 21, ferner nrr. 166, 170, 172, 184, 188 u. ö.). Da nach der Aufhebung der Klöster die dort befindlichen und im Spätmittelalter beliebten Begräbnisstätten verschwanden – wie z. B. im Kreuzgang des Dominikaner-Klosters –, wurde der neue Friedhof für die Allgemeinheit zu einer Notwendigkeit.

[Druckseite XL]

Der „Obere Altstädter Friedhof“ von 1587 besaß mit der „Altstädter Gottesacker-Kirche“ eine rechteckige Kapelle mit einem Totenglöckchen im Dachreiter. Der Bau wurde bei der ersten großen Stadtzerstörung 1692 vernichtet, aber 1711 neu erbaut. Seine Außenwände und vermutlich auch das Innere waren noch im 19. Jahrhundert mit steinernen Epitaphien der Bürgerschaft geschmückt. Ein Teil dieser Denkmäler stammte vom Kirchhof der Heiligkreuz-Kapelle in der Brötzinger Vorstadt. Obgleich dieser Kirchhof schon 1800 geschlossen worden war, sind eine Reihe von Epitaphien im 19. Jahrhundert gerettet und im Bereich des Oberen Altstädter Friedhofs aufgestellt worden. Angesichts der sprunghaften Zunahme der Bevölkerung bedurfte der Obere Altstädter Friedhof im 19. Jahrhundert dringend einer Erweiterung. Deshalb wurde 1863 jenseits der Ausfallstraße nach Osten an den Gleisen der Eisenbahn ein Friedhof angelegt. Dieser sog. „Alte Friedhof“ war bald wieder voll belegt und wurde schon 1877 wieder geschlossen. Die Friedhofsteile zu beiden Seiten der Lindenstraße sind unter dem Namen „Oststadtpark“ bzw. „Alter Friedhof“ in Parkanlagen verwandelt worden. Bei Schließung des Friedhofs und dem Abbruch der „Gottesacker-Kirche“ im Jahr 1898 hat man die Epitaphien nicht alle beseitigt oder einfach dem Zerfall überlassen, obgleich ihre umfangreichen barocken Grabinschriften dem Zeitgeschmack keineswegs entsprachen148). Offenbar hatte man schon damals erkannt, daß gerade diese Denkmäler das Andenken an alte Pforzheimer Bürger- und Handwerker-Familien wachhielten und Informationsquellen über den bürgerlichen Mittelstand waren, über eine soziale Schicht, deren Erforschung bis heute eher im Schatten steht. Heute befindet sich ein Teil dieser Denkmäler zusammen mit Stücken aus dem späten 17. und dem 18. Jahrhundert im Wandelgang des Hauptfriedhofs (nrr. 181, 190, 202, 203, 207 u. ö.). Eine geringe Anzahl kleinerer Epitaphien verblieb an einem Stück der ehemaligen Umfassungsmauer im Oststadtpark; von dort konnten in den letzten Jahren die noch dem 18. Jahrhundert angehörigen Stücke ebenfalls auf den Hauptfriedhof gebracht und dort gesichert werden. Hingegen besitzt der gegenüberliegende Friedhofspark entlang der Bahnlinie bis heute eine Anzahl von Denkmälern im Stil der Gründerzeit, für die wegen ihrer Dimensionen noch keine befriedigende Lösung gefunden werden konnte.

Als Ersatz für den Oberen Altstädter Friedhof ist 1877 hoch über der Nordstadt in Berglage der „Friedhof auf der Schanz“ angelegt worden. Er wurde in der Folgezeit immer wieder erweitert, bis er schließlich in den heutigen Hauptfriedhof integriert wurde. Dessen Neuplanung konnte in den Jahren 1914 bis 1917 realisiert werden149). Das Gelände ist als ein weiträumiger, in einzelnen Partien symmetrisch gegliederter Landschaftsgarten nach Plänen des Pforzheimer Gartenbaudirektors L. Hoffmann gestaltet und wirkt heute bei allem neubarocken Pathos wie ein naturnaher Waldpark. Herzstück der Anlage ist die Architektur der Eingangsseite im Westen, bestehend aus einer Eingangshalle, von der aus ein langgestreckter Wandelgang die Anlage im Westen begrenzt. Der L-förmige Arkadengang biegt dann im Winkel um und führt nach Osten auf den Kuppelbau der Friedhofskapelle zu. Es handelt sich also um zwei Flügel einer sog. „Camposanto-Anlage“, einem Kreuzgang nicht unähnlich, dessen geschlossene Rückwände Platz zur Anbringung von Wand-Denkmälern bieten150). Offenbar sind die ersten historischen Grabmäler vom Oststadtpark, dem aufgelassenen Oberen Altstädter Friedhof, bereits bald nach der Einweihung des Friedhofs 1917 hier aufgestellt worden. Nach Lacroix waren im Jahr 1939 bereits siebzehn Stücke hierher verlagert151).

Dieser Wandelgang ist – auf die Initiative des Städtischen Kulturamtes hin – in den letzten Jahren eine Art Sammelplatz für weitere Grabmäler geworden, die nach Abbruch oder Vernichtung ihrer ursprünglichen Standorte am Archivbau (ehem. Reuchlin-Museum), im Stadtarchiv, im Stadtmuseum im Stadtteil Brötzingen oder an anderen Orten geborgen waren. Dadurch ist jetzt unter den Arkaden dieser stimmungsvollen Camposanto-Anlage eine Art Epitaph-Museum entstanden. Es vereinigt zweiunddreißig Stücke aus der Zeit zwischen 1588 (nr. 202) und dem frühen 19. Jahrhundert und erschließt dem Besucher die Texte der Grabinschriften auch inhaltlich durch eine vorbildliche Beschriftung152). Zugleich aber begleiten diese Grabdenkmäler als Zeugnisse der Frömmigkeit vergangener Jahrhunderte die Trauernden von heute auf dem Weg zu den Gräbern.

  1. Kortüm, Portus 1995, 32–42; Kronenwett, Heike/Timm, Christoph, Fenster zur Pforzheimer Stadtgeschichte. Der archäologische Schauplatz Kappelhof. In: Badische Heimat 75 (1995) 441–468; Haag/Bräuning, Stadtkataster Pforzheim 2001, 44f., 151f. »
  2. Ebd.; ferner zur Baugeschichte immer noch umfassend KdmBadenIX/6, 48–61. »
  3. KdmBadenIX/6, 58–61 mit Abb.; Maggi, Pietro, Das schlichte Tympanon im 12. Jahrhundert. Diss. phil. Zürich 1986, 128 Abb. 28; Wischermann, Romanik 1987, 296 und Abb. 72. »
  4. Original Karlsruhe GLA 35/23.12; Carl, Regesten Pforzheim 1998, 61f. nr. 107. Zur Bestätigung durch Gerhard von Ehrenberg, Bischof von Speyer, vgl. ebd. 63 nr. 109. Zu weiteren Regelungen bei diesem Rechtsgeschäft vgl. ebd. 64, nr. 112. Ausführliche Interpretation und Wiedergabe dieser Quelle bei Pätzold, St. Martin und St. Michael 2003. »
  5. Nach einem Bericht von 1691 haben die siegreichen französischen Truppen vier Glocken im Orléans’schen Krieg geraubt; vgl. Pflüger 1862, 526. Für 1737 sind wieder zwei kleine neue Glocken nachweisbar; Karlsruhe, GLA 171/1514, Bürcklin, Diözesanbeschreibung 1737, unter Tit. 11. »
  6. Restaurierung 1952 abgeschlossen. Karlsruhe, LDA, Ortsakten zu 1947, 1952; Diruf/Timm, Kunst- und Kulturdenkmale 1991, 65 u. Taf. 3. »
  7. Vorübergehend waren drei dieser Stücke im Außenbereich des Stadtmuseums aufgestellt; seit 2001 sind sie an die Altstädter Kirche zurückgegeben und im Chor aufgestellt worden; vgl. Karlsruhe, LDA, Grabungsakten zu 1949/1951; Zier, Geschichte Pforzheim 1982, Abb. 14–16, dort „der Ottonenzeit“ zugeordnet; Haag/Bräuning, Stadtkataster Pforzheim 2001, Fundstelle 6, 78 mit Abb. 28. Die dort vorgeschlagene Ansetzung für das 9./10. Jahrhundert trifft mit Sicherheit nicht zu, wie ein Vergleich mit ähnlichen Stücken ergibt; vgl. Azzola, Friedrich Karl, Zur Ikonographie des Kreuzes auf Kleindenkmalen des Hoch- und Spätmittelalters im deutschen Sprachraum. In: Epigraphik Worms 1986, 9–41; bes. 38f. und Abb. 61. »
  8. Das Denkmal befand sich nicht im Kircheninnern, sondern noch 1735/37 in einer hölzernen Vorhalle als Privatkapelle der Beck, die offenbar den Kriegszerstörungen 1689/93 entgangen war. »
  9. Eine dem Bau gerecht werdende, kunstgeschichtliche Untersuchung fehlt. Wichtigste Literatur: Vischer, Die Schloss‑ (Stifts‑ )Kirche zum hl. Michael 1911; Noack, Die Stiftskirche St. Michael 1925; KdmBadenIX/6, 65ff.; Köhler/Timm, Schloß- und Stiftskirche St. Michael 1996, passim (mit ausführlichen Literaturangaben); Haag/Bräuning, Stadtkataster Pforzheim 2001, 55, 148f. Zum kirchenrechtlichen Status von St. Michael vgl. Pätzold, St. Martin und St. Michael 2003. »
  10. Dietrich Lutz hat mit Recht beklagt, daß die nach 1945 während der Wiederaufbauphase der Schloßkirche vorgenommenen Untersuchungen bisher keine wissenschaftliche Auswertung erfuhren; vgl. Lutz, Archäologische Befunde 1998, 137f. Der gegenwärtige Forschungsstand ist wiedergegeben bei Haag/Bräuning, Stadtkataster Pforzheim 2001, 148f. »
  11. Zur Würdigung der Persönlichkeit dieses Markgrafen vgl. Schwarzmaier, Baden. In: Schaab/Schwarzmaier, Handbuch Bd. 2, 1995, 178–182. »
  12. Bemerkenswert ist, daß die badische Stadtgründung Stuttgart zur Zeit Hermanns V. vergleichbare Verhältnisse erkennen läßt. Wie die seit 1999 unternommenen Grabungen in der Stuttgarter Stiftskirche nachweisen, war ihr Vorgängerbau ebenfalls eine dreischiffige spätromanische Basilika in unmittelbarer Nähe der Stadtburg. Die Kirche war der Mutterkirche St. Martin auf der Altenburg über Cannstatt unterstellt. In beiden Fällen sind die geräumigen Neubauten auf die Initiative des Stadtherrn zurückzuführen, der ein Interesse haben mußte, seine noch junge Gründungsstadt durch einen Kirchenbau in zentraler Lage auszustatten. Zur überzeugenden Deutung dieser Vorgänge vgl. Auge, Das Stift Beutelsbach 2002 (wie Anm. 26), 37f. »
  13. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 60 nr. 104. »
  14. Der heutige Standort der Grabplatte an der Wand des südlichen Nebenchors ist nicht der ursprüngliche (vgl. den Lageplan der Grabmäler auf Taf. LXXI). Wo die Platte ursprünglich innerhalb der Kirche im Boden lag, bleibt unbekannt. »
  15. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 61f. nr. 107, 63 nr. 109, 64 nr. 112. Zur Aussage dieser Urkunden vgl. die ausführliche Interpretation und die wörtliche Wiedergabe der Bestimmungen von 1347 bei Pätzold, St. Martin und St. Michael 2003. »
  16. Vgl. dazu Sydow, Jürgen, Die Klein- und Mittelstädte in der südwestdeutschen Geschichte. In: Becht, Pforzheim im Mittelalter 1983, 7–38, bes. 26. »
  17. Zur Häufung der Stiftsgründungen durch Umwandlung städtischer Pfarrkirchen im 15. Jahrhundert vgl. Spieß, Karl-Heinz, Liturgische Memoria und Herrschaftsrepräsentation im nichtfürstlichen Hochadel des Spätmittelalters. In: Adelige und bürgerliche Erinnerungskulturen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Hg. v. Werner Rösener (Formen der Erinnerung 8). Göttingen 2000, 97–123, hier: 101–103, 111; Auge, Das Stift Beutelsbach 2002 (wie Anm. 26), 11f. »
  18. Vgl. Fouquet, St. Michael in Pforzheim 1983, 126. Über die Vorrangstellung Pforzheims vor den badischen Städten Baden-Baden und Ettlingen vgl. Stenzel, Die Städte der Markgrafen von Baden 1994, 119–121. »
  19. KdmBadenIX/6, 65–140, bes. 125–131; Köhler/Timm, Schloß- und Stiftskirche St. Michael 1996, 10, 16, 18; Timm, Christoph, Ein Raum für Reuchlin. Das Reuchlinkolleg – Bedeutung und Wiederaufbau. In: Ängste und Auswege Bd. 1, 2001, 219–237. »
  20. KdmBadenIX/6, 67f., 79, 85, 122–125 u. ö. Christoph Timm, Pforzheim, ist die Entdeckung dieses Sachverhalts zu verdanken. Da keine Schriftquellen mehr vorhanden sind, die das Patrozinium der Kapelle preisgeben, wird man künftig von der „sog. Margarethen-Kapelle“ zu sprechen haben. »
  21. Vgl. die Ergebnisse für Norddeutschland: Grewolls, Antje, Die Kapellen der norddeutschen Kirchen im Mittelalter. Kiel 1999, 60–65. Für Süddeutschland fehlt eine Untersuchung dieses Bautyps. »
  22. Zur Geschichte der Gruft vgl. unten Kap. 3.3. »
  23. Zu den einzelnen Altarpfründen vgl. KdmBadenIX/6, 69; Fouquet, St. Michael in Pforzheim 1983, passim; Haag/Bräuning, Stadtkataster Pforzheim 2001, 47 Anm. 66 mit Aufzählung der Patrozinien. »
  24. Vgl. Andermann, Kirche und Grablege 1992, 176. »
  25. Pforzheim hat alle seine älteren Glocken durch die Plünderungen im 17. Jahrhundert verloren, ohne daß die Inschriften aufgezeichnet worden wären. Die Schloßkirche erhielt 1699 die Glocke eines Basler Gießers. 1715 sollen fünf Glocken bei dem Glockengießer Goßmann in Landau bestellt worden sein, von denen zwei in die Altstädter Kirche, die übrigen auf das Rathaus, in die Heiligkreuz-Kirche und in die Schloßkirche kamen. Die ev. Stadtkirche St. Stephan erhielt 1736 zwei neue Glocken; vgl. Pflüger 1862, 549f., 552. »
  26. Abgesehen von den nach 1945 in der ev. Altstädter Pfarrkirche aufgedeckten Wandmalereien sind auch in der Schloßkirche Reste von Wandmalerei gefunden worden, deren Konservierung aber nicht lohnte. »
  27. Der Fürstenstand soll vom Schloß aus über einen brückenartigen Gang direkt zugänglich gewesen sein, wie das auch bei anderen Schloßanlagen nachweisbar ist, wenn diese einer Kirche benachbart waren; vgl. die ev. Stadtkirche in Leonberg oder die Dresdener Hofkirche. »
  28. Diese Definition bei Krimm, Die Fürstenkapelle – ein Mausoleum der vaterländischen Geschichte 1995 (wie Anm. 48), 147–158. »
  29. Zur Neuausstattung der Kirche nach 1945 vgl. Köhler/Timm, Schloß- und Stiftskirche St. Michael 1996, 23–27. »
  30. Vgl. die Aufzählung bei Trost, Schloßkirche 1962, 75–79. »
  31. Die hier aufgefundenen Grabmal-Fragmente ohne Inschriften sind nicht in den Katalogteil aufgenommen worden. Es sind dies folgende Stücke (alle roter Sandstein): 1. Fragment einer Grabplatte mit Lilienkreuz, 13. Jh. H. 76, B. 48, T. 13. Aufstellung 2002 im nördlichen Seitenschiff. – 2. Grabplatte eines unbekannten Priesters, 15. Jh. Priesterwappen mit Kelch und Wolfsangel. H.  217, B. 95 cm. Nicht geborgen; vgl. Trost, Schloßkirche 1962, 75. – 3. Grabplatte eines Unbekannten, 15. Jh. Im Feld ein Kreis mit Schwert erkennbar. Nicht geborgen. Vgl. Trost, Schloßkirche 1962, 77. – 4. Grabplatte eines Unbekannten, 16. Jh. Nicht geborgen. Oben 15[. .], im Feld Doppelwappen, „links Turm, rechts 2 gekreuzte Pfähle“; vgl. Trost, Schloßkirche 1962, 77. »
  32. Die Durchführung lag in Händen der Firma Peter Walz, Eberbach-Gaimühle. »
  33. An dieser Stelle möchte ich im Namen der Heidelberger Inschriftenkommission noch einmal den Vertretern der betreffenden Dienststellen – des Staatlichen Vermögens- und Hochbauamts Pforzheim, des Landesdenkmalamts Außenstelle Karlsruhe und der Stadtdenkmalpflege Pforzheim, insbesondere den Herren Dipl.-Ing. Michael Schwan, Pforzheim, Dipl.-Ing. Stephan B. von Freydorf, Ettlingen, und Herrn Dr. Christoph Timm, Pforzheim, – für ihr Engagement, ihre hervorragende Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft und sachkundige Beratung danken. »
  34. Zum Verhältnis zwischen Grablege und Residenz vgl. Andermann, Kirche und Grablege 1992, 159–187; speziell zur Markgrafschaft Baden 164f., 176, 182 u. ö. Zum Verhältnis zwischen Herrschaftsrepräsentation und Memoriapflege vgl. Memoria 1984, passim; Memoria als Kultur. Hg. v. Otto Gerhard Oexle (Veröff. d. Max-Planck-Instituts für Geschichte 121). Göttingen 1995, passim; Adelige und bürgerliche Erinnerungskulturen 2000 (wie Anm. 70), passim. »
  35. Diese Beweggründe wurden mustergültig herausgearbeitet bei Schütte, Sakraler Raum und die Körper der Fürsten 2000, 123, 128 u. ö. »
  36. Dies geht aus einem Bericht über die Öffnung des Hochgrabes im Jahr 1878 hervor, als das Hochgrab einen höheren Sockel erhielt. Im Innern sollen sich Reste der Särge und Gewandreste befunden haben; vgl. KdmBadenIX/6, 173f. Über Material, Ausführung und Beschaffenheit der Särge ist leider nichts bekannt. »
  37. Schwarzmaier, Lichtenthal als Grabkloster 1995, 27–29. »
  38. Zu den Denkmälern der badischen Grablege in Backnang zuletzt DI 37 (Rems-Murr-Kreis) Einl. XVIf. und nrr. 108, 109, 110, 111, 115, 116, 117, 118»
  39. KdmBadenXI/1 (Stadt Baden-Baden), 70–142, besonders 113–142. »
  40. Schukraft, Die Grablegen des Hauses Württemberg 1989, 18–26. »
  41. Fouquet, St. Michael in Pforzheim 1983, 142f. »
  42. Der Tübinger Theologe Jacob Heerbrand hat das Chorgestühl noch 1556 in situ bezeugt (vgl. nr. 144). »
  43. Zu dieser Definition vgl. Fingerlin, Die Grafen von Sulz 1992, 200 u. ö. »
  44. Karlsruhe, Photoarchiv des LDA, Neg. nr. 6419. »
  45. Jedenfalls sind die ältesten, bald nach 1650 entstandenen Särge in der Nordgruft schlichte Särge aus Zinn; vgl. KdmBadenIX/6, 195 nr. 25, 197 nr. 26 u. ö. »
  46. Das Begräbnis ist in dem 1604 entstandenen Reisebericht des Niederländers Ernst Brinck genau geschildert; vgl. Ernst, Leben und Tod des Markgrafen Ernst Friedrich 2001, passim. »
  47. Die Funktion der Sargtafel innerhalb des fürstlichen Begräbnisritus ist nicht klar. Festzuhalten ist, daß im 17. Jahrhundert zu einer Gruftbestattung mit Zinnsarg auch eine Sargtafel gehörte, die dem Toten beigegeben wurde. Denn Johann Friedrich Jüngler bezeugte 1625, er habe für den jungen Markgrafen Karl ein „epitaphium … tabellae stanneae insculptum ac tumbae ipsius inclusum“ verfaßt. Reste der zerstörten Sarginschrift sind überliefert (nr. 238), nicht aber die Sargtafel. Eine solche Sargtafel aus Zinn mit einer langen Inschrift ist auch aus der 1945 beschädigten Einzelgruft des Markgrafen Friedrich V. (†  1659) entnommen worden, aber inzwischen wieder verschollen; ein Photo dieser Sargtafel ist im Photoarchiv des LDA Karlsruhe erhalten. »
  48. Dieser Hinweis bei Rott, Baden-Durlacher Hof 1917, 68 Anm. 4. »
  49. Vgl. die reich verzierten Särge der württembergischen Herzogsfamilie in der Gruft der Stuttgarter Stiftskirche; Schukraft, Die Grablegen des Hauses Württemberg 1989, 77–90. Weitere Beispiele und eine Skizze der Entwicklung der Fürstengrüfte bei Fingerlin, Die Grafen von Sulz 1992, 175ff. »
  50. Karlsruhe, GLA, HFK 510, Herr, Collectanea Pforzheim 1830, fol. 7r–8r. Zum Vergleich seien die Daten einiger fürstlicher Gruftanlagen genannt: Haus Pfalz-Zweibrücken-Veldenz: Meisenheim, Schloßkirche, Stephansgruft 1479/1500 zugleich mit dem Neubau der Kirche angelegt, Neue Gruft Einbau 1575; Zweibrücken, Alexanderkirche, Grufteinbau ca. 1668; Haus Hohenlohe-Neuenstein: Weikersheim, Stadtkirche, Einbau der Gruft 1605; Haus Württemberg: Stuttgart, Stiftskirche, Einbau der Gruft 1608, Erweiterung 1683; Haus Brandenburg-Ansbach: Ansbach, Stadtkirche St. Johannis, Einbau der Gruft 1660. Markgraf Ernst scheidet als Begründer der Pforzheimer Gruft aus, da zu seiner Zeit bewegliche Zinnsärge noch kaum üblich waren. Auch benötigte er die Gruft nicht, weil er die Bestattung in einer Einzelgruft unterhalb von seinem Hochgrab gewählt hatte. »
  51. Stellvertretend für eine Fülle von Beschreibungen von solchen Leichenfeiern des Hochadels sei hier nur auf die im Wortlaut veröffentlichte Beschreibung des Begräbnisses des Heinrich Postumus Reuß von Plauen am 4. Februar 1636 in Gera hingewiesen, das besondere Berühmtheit erlangt hat wegen der dafür komponierten musikalischen Exequien von Heinrich Schütz; vgl. Karg, Heike, Die Sterbens-Erinnerung des Heinrich Posthumus Reuss (1572–1635). Konzeption seines Leich-Prozesses. Jena 1997. »
  52. Dort ist die sorgfältige Vermauerung der schmalen Öffnung am Steinwechsel noch sichtbar. »
  53. Daß die Gruft ab 1616 vollendet war und mit Särgen der Familie Georg Friedrichs belegt wurde, beweist der Zinnsarg des Kindes Anna Augusta († 2. April 1616; nr. 233), dessen Reste 1762 in der verwüsteten Gruft aufgefunden worden waren. »
  54. Karlsruhe, GLA 171/1572, Berichte über den Zustand Pforzheims nach der Zerstörung 1692, fol. 84. »
  55. Zur Unterscheidung von der Alten Gruft wird diese von Friedrich VI. (reg. 1659–1677) geschaffene Nordgruft im folgenden als „Neue Gruft“ bezeichnet. Die Anlage ist durch die Bauzahl 1673 genau datierbar. »
  56. Beschreibung der Särge und Wortlaut der Sarginschriften der Neuen Gruft nach dem Stand von 1939 vgl. KdmBadenIX/6, 195–204, nrr. 25–40. Zum heutigen Stand vgl. die Bestandsaufnahme ohne Wiedergabe der Inschriften aus dem Jahr 1983 durch die Firma Koch und Wieck, Stuttgart; Akten-Archiv des Staatl. Vermögens- u. Hochbauamts Pforzheim. »
  57. Hier soll anstelle einer Analyse dieses Konvoluts nur eine kurze Beschreibung geboten werden, da die Auswertung an anderer Stelle erfolgen soll. »
  58. Vgl. KdmBadenIX/6, 184–186 mit Abb. 150–155. Diese Gemälde waren ursprünglich an den Wänden des Pforzheimer Chores aufgehängt. 1939 befanden sie sich im Obergeschoß der Süd-Sakristei, wo sie beim Bombenangriff 1945 verbrannt sind. »
  59. Die Inschriften von GLA 47/47 betreffen nur die Markgrafen Friedrich Magnus († 1709) und Christoph († 1723); die Inschriften der späteren fünf Gemälde, die ehemals vorhanden waren, sind hier nicht enthalten. Dies erlaubt eine zeitliche Eingrenzung von diesem Teil des Konvoluts in die Zeit vor 1723. »
  60. Ein Briefwechsel und die Abrechnung der Transportkosten für die Beförderung der Särge zu Schiff auf dem Rhein und mit Pferdefuhrwerken bis Pforzheim sind erhalten; vgl. Karlsruhe, GLA 47/51 Spezialia: Abführung der zu Straßburg verstorbenen fürstlichen Personen. Leider sind weder die Namen der Verstorbenen noch die Anzahl der Särge aufgeführt. »
  61. Als Grabplatte Friedrichs V. gilt eine vollständig abgetretene Platte, verzeichnet in KdmBadenIX/6, 180, nr. 20. »
  62. Da in diesem Band die Zeitgrenze 1650 eingehalten werden soll, bleiben diese Inschriften einer separaten Publikation vorbehalten. »
  63. Karlsruhe, GLA 171/1339, Akten, die Gruft unter der Schloßkirche betreffend 1760–1796, Bericht v. 19. Mai 1761. »
  64. In den archivalischen Quellen werden die Namen der Grüfte ab diesem Zeitpunkt vertauscht: die Alte (Süd‑ )Gruft nannte man nun Neue Gruft, die Nordgruft wurde zur „Alten“ Gruft, weil in der Tat dort die älteren Särge Aufstellung gefunden hatten. Hier wird die Bezeichnung „Alte Gruft“ stets für die ältere, unter Georg Friedrich geschaffene Südgruft beibehalten. »
  65. Die Alte (Süd‑ )Gruft und die in ihr erhaltenen jüngeren Särge erfuhren zwischen 1983 und ca. 1993 eine umfassende Restaurierung und Sanierung. Die Sanierung der Neuen (Nord‑ )Gruft und ihrer Särge ist noch nicht erfolgt, was angesichts ihres schlechten Zustandes Anlaß zur Besorgnis gibt. »
  66. Karlsruhe, GLA 47/41, Begräbnisse 1762–1891, Grabmal-Verzeichnis v. Beust 1802, Bericht zu 1802. »
  67. Ersteres wurde 1945 vernichtet zusammen mit der Schloßkirche, die bis 1957 bis auf die Umfassungsmauern zerstört war. Von dem Heldendenkmal blieb nur die Rahmung. Die Legende, die zu seiner Errichtung führte, ist heute umstritten. Den Zustand von 1834 gibt ein Stahlstich mit der Innenansicht des Pforzheimer Chores, gestochen von Gustav Adolf Müller, wieder (Abb. auf Frontispiz). Zur Geschichte des Denkmals vgl. Wien, Bernhard, Carl-Friedrich-Feiern 1801–1824 und der gefeierte Wimpfen-Mythos. In: PforzhGbll 10 (2001) 97–110; hier 109 mit Wiedergabe der Inschrift des Denkmals. »
  68. Bräunche, Vom markgräflichen „Lust-Hauß“ zur großherzoglichen „Haupt- und Residenzstadt“ 1992 (wie Anm. 53), 206f.; Andermann, Kirche und Grablege 1992, 176f., 180. »
  69. Ihre Nachkommen wählten nach 1918 private Bestattungsorte bei den ihnen verbliebenen Besitzungen. »
  70. Vgl. nrr. 244, 247. Die Sarginschrift Friedrichs V. von 1659 ist ebenfalls überliefert und bleibt einer künftigen Veröffentlichung vorbehalten. »
  71. Da die Grüfte nicht zugänglich sind, stützen sich diese Angaben auf die knappen Angaben in KdmBadenIX/6, 186–204, ferner auf die ausführliche Bestandsaufnahme der Restaurator-Firma Koch und Wieck, Stuttgart, aus dem Jahr 1983, die als Grundlage für die anschließende Restaurierung der Särge und der Grufträume diente. Dem Vermögens- und Hochbauamt Pforzheim sei herzlich für die Möglichkeit der Einsichtnahme gedankt. »
  72. KdmBadenIX/6, 205f., 209; Carl, Regesten Pforzheim 1998, 31 nr. 28; Haag/Bräuning, Stadtkataster 2001, 90, 155–157, 164f. »
  73. Bischof Johannes II. Nix von Hoheneck genannt Enzberg (1411–1467), Domherr zu Speyer, Mainz und Worms, 1459 zum Bischof von Speyer erhoben, wurde nach der sog. Pfälzer Fehde 1464 wegen seiner Unterstützung des Markgrafen Karl I. von Baden zum Rücktritt gezwungen. Die Wahl Pforzheims neben Burg Obergrombach (Stadt Bruchsal) als Exil und als Sterbeort und die Bestattung im Chor der Franziskaner-Klosterkirche erklären sich vermutlich durch die Verwandtschaft mit den Enzberg, die hier ihre Grablege hatten. Dem hochrangigen Kirchenfürsten hätte eher eine Bestattung in der Stiftskirche zugestanden, aber deren spätgotischer Chorneubau war vermutlich noch nicht benutzbar; vgl. Crusius, Annales Suevici 1595, pars III, 415; Gehres, Pforzheim 1811, 72; KdmBadenIX/6, 221; DI 20 (Karlsruhe) nr. 56; Fouquet, Gerhard, Das Speyerer Domkapitel im späten Mittelalter. Bd. 1,2. Mainz 1987, 686–688, nr. 264. »
  74. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 37 nr. 45. Zur Baugeschichte vgl. KdmBadenIX/6, 254–269; Lutz, Archäologische Befunde 1998, 145–147; Haag/Bräuning, Stadtkataster 2001, 149f., 160f. »
  75. Vgl. Wechsler, Inscriptiones 1743; KdmBadenIX/6, 266–269. Dem anzufügen ist der Hinweis auf Epitaph und Grabplatte für Kaspar Christoph Rohr und seine Mutter, zwischen 1602 und 1604. Wortlaut der Inschriften und Gestaltung unbekannt. Offenbar zwei bemalte Holztafeln sowie ein Steindenkmal. Der Pforzheimer Bürger und Handelsmann Rohr errichtete am 29.  August  1602 vor einer Italienreise ein Testament, verbunden mit einer Stiftung für Studierende, mit Ausführungsbestimmungen für sein Epitaph und Grabmal. Nach der Stipendienrechnung von 1604 wurden für diese Denkmäler zusammen 182 fl. ausgegeben; vgl. Roller, Johann Christoph, Erster Versuch einer Beschreibung der Stadt Pforzheim. Pforzheim 1811, 38; Pflüger 1862, 360–362. »
  76. Gehres, Pforzheim 1811, 67. »
  77. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 24 nr. 11, 27 nr. 19, 28 nr. 20, 30f. nr. 27. Zur Baugeschichte vgl. KdmBadenIX/6, 222–238; Haag/Bräuning, Stadtkataster 2001, 32, 154, 161–163. »
  78. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 111 nr. 232; KdmBadenIX/6, 229f. »
  79. Pflüger 1862, 323–329; Rieder, Karl, Zur Reformationsgeschichte des Dominikanerinnen-Klosters zu Pforzheim. In: FDA 18 (1917) 311–366; Keine Nonne für Luther. Die Reformationschronik der Eva Magdalena Neyler. Hg. v. Gerda Pfrommer. 1986, passim. »
  80. Schneid-Horn, Vom Leben in Kloster und Spital am Waisenhausplatz in Pforzheim 1991, passim. »
  81. Abdruck der Vita der Euphemia nach Fehnle bei Mone, Franz Josef, Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte I–IV. 1845–1868, hier IV, 1868, 90. »
  82. Vgl. Mürle, Reinhard, Euphemia. Die englische Königstochter im Pforzheimer Frauenkloster. Konstanz 1993; Rezensionen von Klaus Graf, in: ZGO 142 (1994) 556; Stefan Rhein, in: ZWLG 54 (1995) 472f. Bei Graf der Hinweis auf die Erwähnung durch Sunthaim; vgl. Uhde, Karsten, Ladislaus Sunthayms geographisches Werk und seine Rezeption durch Sebastian Münster. 2 Teile. Köln, Weimar, Wien 1995, hier Teil 2, 335. »
  83. KdmBadenIX/6, 226. »
  84. Von Petrus als Zisterzienserin bezeichnet. In Pforzheim existierte jedoch kein Zisterzienserinnenkloster, wohl aber in Lichtenthal, was auf eine Verwechslung hindeutet; vgl. Petrus, Franciscus, Suevia ecclesiastica 1699, 667. Diese Verwechslung hat Eingang in die Europäischen Stammtafeln gefunden mit Ottilia (geb. 8. Juni 1470, † nach 1511), bezeichnet als „OCist-Äbtissin zu Pforzheim“; vgl. Europäische Stammtafeln NF I.2, Taf. 268. »
  85. Zu diesem Gründungsvorgang vgl. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 49f. nrr. 74, 76, 50f. nrr. 78, 79, 51 nr. 80. Zur Geschichte des Spitals vgl. Gmelin, Moritz, Zur Geschichte der Spitäler in Pforzheim. In: ZGO 24 (1872) 327–399; KdmBadenIX/6, 269–271; Haag/Bräuning, Stadtkataster 2001, 154 mit altem Photo des Waisenhausplatzes. »
  86. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 104f. nr. 216, 122f. nr. 261. »
  87. Vgl. KdmBadenIX/6, 271. »
  88. KdmBadenIX/6, 248–250; Haag/Bräuning, Stadtkataster 2001, 154f. »
  89. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 126 nr. 269; ferner 127 nrr. 272, 273. »
  90. Karlsruhe, GLA 171/1514, Bürcklin, Diözesanbeschreibung 1737, fol. 15. »
  91. Unklar ist, ob die Altstädter Pfarrkirche schon im 16. Jahrhundert eine Grablege der in Würm residierenden Familie Leutrum von Ertingen enthielt, wie die Standortangaben der Kopialüberlieferung des 16. Jahrhunderts vermuten lassen (vgl. nrr. 106, 168, 197). Da der Adelshof der Leutrum sich in der Nähe der Dominikaner-Klosterkirche, der späteren ev. Stadtpfarrkirche, befand, kann eine Grablege dieser Familie auch hier gewesen sein (nrr. 121, 137). Jedenfalls wurden die Leutrum nach dem Dreißigjährigen Krieg in der kleinen Filialkirche in Würm bestattet, obgleich diese kirchenrechtlich erst 1902 als Pfarrei selbständig wurde; zum Verzeichnis der in Würm bestatteten Leutrum vgl. Gerwig, Robert, Das Kirchlein zu Würm als Leutrum’sche Grabkirche. In: Kirchliches Gemeindeblatt für Pforzheim 6 (1918) 22–24. »
  92. Zur Geschichte der Pforzheimer Friedhöfe vgl. Stolz, Aloys, Geschichte der Stadt Pforzheim. Pforzheim 1901, 541f. KdmBadenIX/6, dort bei den jeweiligen Kirchen und Kapellen; ferner Timm, Hauptfriedhof 1995, 9–16. »
  93. Die Bezeichnung civis für Angehörige der städtischen Oberschicht ist auch in anderen Städten im ausgehenden 13. und beginnenden 14. Jahrhundert zu beobachten; vgl. DI 29 (Worms) nrr. 59, 60, 63, 78, 79, 90, 57 u. ö.; DI 12 (Heidelberg) nrr. 112, 15, 13; DI 23 (Oppenheim) nrr. 18, 21, 22, 26, 28, 9 u. ö. Vgl. dazu Zotz, Thomas, Bischöfliche Herrschaft, Adel, Ministerialität und Bürgertum in Worms. In: Herrschaft und Stand. Untersuchungen zur Sozialgeschichte des 13. Jahrhunderts. Hg. v. Josef Fleckenstein (Veröff. d. Max-Planck-Instituts für Geschichte 51). Göttingen 1979, 92–136, bes. 118–136. »
  94. Vgl. auch Luthers Schrift „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“: WA 23 (1901) 323ff.; ferner: Happe, Barbara, Die Entwicklung der deutschen Friedhöfe von der Reformation bis 1870. Tübingen 1991, 177f.; dies., Vom Gottesacker zum urbanen Friedhof – Lage, Anordnung und Gestaltung von Begräbnisplätzen und Gräbern als Ausdruck einer religiösen und sozialen Ordnung. In: Zum ewigen Gedächtnis. Beiträge einer Arbeitstagung im Bildungshaus Kloster Schöntal 1999. Hg. v. Peter Schiffer (Forschungen aus Württ. Franken 50). Stuttgart 2003, 23–30. »
  95. Sie wurden teilweise in einem „Betsaal“ geborgen, der im Bereich des bis 1877 belegten sog. „Alten Friedhofs“ zwischen der Lindenstraße und dem Eisenbahndamm lag. »
  96. Vgl. Timm, Hauptfriedhof 1995, 9ff. »
  97. Vgl. Happe, Barbara, Jenseitsvorstellungen und Sepulkralarchitektur des 16. und 17. Jahrhunderts – Camposanto-Friedhöfe. In: Diesseits- und Jenseitsvorstellungen im 17. Jahrhundert. Forschungs- u. Gedenkstätte Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz. Sonderreihe Monographien IV. Hg. v. Ingeborg Stein. Jena 1996, S. 75–92. »
  98. Vgl. KdmBadenIX/6, 238–242. »
  99. Vgl. die Liste der Grabmäler des Hauptfriedhofs auf S. 201. Vollständige Beschreibung und Wiedergabe der Inschriften bei Seeliger-Zeiss, Anneliese, Die historischen Grabmäler im Wandelgang des Pforzheimer Hauptfriedhofs. In: PforzhGbll 11 (2003), im Druck. »