Die Inschriften der Stadt Pforzheim

Geleitwort

Pforzheim zählt zu den im Zweiten Weltkrieg am stärksten zerstörten deutschen Städten. Am 23. Februar 1945 wurden durch einen nur 19minütigen Luftangriff 17600 Menschen getötet und vier Fünftel der Gebäude zerstört, in der Innenstadt alle, die historischen Baudenkmäler eingeschlossen. Doch kaum eine andere Stadt in Deutschland hat nach dem Krieg so weitschauende und nachhaltige kulturpolitische Anstrengungen unternommen wie Pforzheim, um sich des kulturellen Erbes zu vergewissern und es für Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen. Dafür hat sich die Stadt die Förderung geisteswissenschaftlicher Unternehmungen angelegen sein lassen – und tut dies noch – mit einer Intensität, die ebenso ungewöhnlich wie vorbildlich ist. 1955, als der 500. Geburtstag des großen Pforzheimers Johannes Reuchlin gefeiert wurde, stiftete die Stadt den Reuchlin-Preis für geisteswissenschaftliche Leistungen. Es war der erste derartige Preis im Nachkriegsdeutschland. Er wird von Anfang an in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vergeben. Auch ist an Pforzheims wissenschaftliche Festgabe des Jubiläumsjahres zu erinnern, die 1994 eine zweite, um neue Beiträge ergänzte Auflage erfuhr. Die Reihen der „Reuchlin-Schriften“ und der „Quellen und Studien zur Geschichte der Stadt Pforzheim“ wurden 1961 ins Leben gerufen. Die wissenschaftlichen Ausgaben des Briefwechsels Reuchlins und die der Reuchlinschen Werke in den „Berliner Ausgaben“ erfreuen sich der großzügigen Förderung durch die Stadt. Das gilt ebenfalls für den hier vorgelegten Inschriften-Band. Auch dieses Werk ist der Zusammenarbeit der Stadt Pforzheim mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zu verdanken – einer Zusammenarbeit, die sich bei der Vergabe des Reuchlinpreises und bei der Edition des Reuchlin-Briefwechsels bereits hervorragend bewährt hat.

Der Heidelberger Forschungsstelle der „Deutschen Inschriften“ obliegt die Bearbeitung der Inschriften Baden-Württembergs. Die Bearbeitung folgt der Einteilung der Kreise. Die erste Leiterin der Forschungsstelle, Frau Professor Dr. Renate Neumüllers-Klauser, hat wegen des sich beschleunigenden Zerfalls der epigraphischen Denkmäler, der durch Umwelteinflüsse verursacht wird, eine möglichst frühe, der wissenschaftlichen Bearbeitung der Inschriften weit vorangehende photographische Sicherung des Bestandes betrieben. Bereits 1973, als die Kreisreform die Grenzen neu gezogen hatte und Frau Professor Neumüllers-Klauser sich dem neuen Enzkreis und dem von ihm umschlossenen Stadtkreis Pforzheim zuwandte, richtete sie, ohne entsprechende Akademiemittel in der Hand zu haben, an die Stadt Pforzheim die Bitte, die „Sicherungsphotographie“ ihrer Inschriften mit der wissenschaftlichen Unterstützung der Akademie vorzunehmen. Frau Professor Neumüllers-Klauser zählte nicht vergeblich auf das Interesse und die Munifizenz der Stadt Pforzheim.

Die Kriegszerstörungen haben starke Umschichtungen des Inschriftenmaterials und zahlreiche Verluste verursacht, haben aber auch Neufunde ermöglicht. In vielen Fällen ging es indes nicht allein um die photographische Sicherung des noch Vorgefundenen, sondern um die Bergung und Restaurierung der Inschriften selbst und ihre Aufbewahrung an einem endgültigen, der Verzeichnung in den Deutschen Inschriften zugrunde zu legenden Standort. Die gefährdeten Denkmäler wurden in den letzten Jahren von den zuständigen Behörden, der Oberfinanzdirektion, der staatlichen und der städtischen Denkmalpflege, in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle der Akademie ausgezeichnet restauriert und im Inneren der Schloßkirche aufgestellt. Auch hat die Stadt Pforzheim ihre Museumsbestände neu geordnet und die historischen Grabmäler des Hauptfriedhofs vorbildlich unter Dach gebracht.

Der Weg von der ersten Photosicherung der vorgefundenen Inschriften und Inschriftenfragmente bis zur wissenschaftlichen Aufarbeitung und Präsentation sowohl der erhaltenen und teilweise neu aufgestellten als auch der verlorenen und nur aus kopialer Überlieferung bekannten Inschriften war weit und lang, aber auch ertragreich. Aus den ursprünglich gesuchten 155 Inschriften, welche die ältere Literatur kannte, wurden insgesamt 250 Inschriften, davon 158 im Original erhaltene und 92 nur kopial überlieferte. Sie alle legt dieser Band nun vor. Es war ein besonders schwieriger Band. Denn der erwähnte Verlust und die Verstümmelung vieler Originale im Zweiten Weltkrieg beeinträchtigt die Beurteilung der epigraphischen und kunsthistorischen Entwicklung der Pforzheimer Inschriften, und zudem erschwert der Verlust der alten Bestände des Stadtarchivs – eine Folge bereits[Druckseite X] des Pfälzer Erbfolgekriegs am Ende des 17. Jahrhunderts – die prosopographische und historische Erschließung.

Seitens der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gebührt Frau Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss, der Leiterin der Forschungsstelle „Deutsche Inschriften“ von 1990 bis 2001, großer Dank. Sie hat sich der wissenschaftlichen Bearbeitung der Pforzheimer Inschriften in einer ersten Phase als Mitarbeiterin der Forschungsstelle, dann als deren Leiterin und zuletzt noch, nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt, als engagierte Ruheständlerin beharrlich angenommen – mit ihrer langen Erfahrung und stets mit starker innerer Beteiligung. Daß dieser Inschriften-Band mehr als andere Bände, mehr auch als der von Frau Neumüllers-Klauser 1983 vorgelegte Inschriftenband des Enzkreises, Kriegsfolgen aufzuarbeiten und Erinnerungssplitter zu sammeln hat, läßt sich schon beim bloßen Durchblättern des Text- und des Bildteils erfassen. Neben den prächtigen Monumenten der badischen Fürstengrablege, die 1945 dank vorsorglicher Maßnahmen vor der Zerstörung glücklich bewahrt werden konnten, präsentiert der Band viele Fragmente und dokumentiert Verlorenes. Er schafft ein Stück Kontinuität. Die Edition, die Abbildung und die Kommentierung der Inschriften machen es zusammen mit der Einleitung möglich, zu lesen und zu verstehen, was Pforzheimer und Fürsten die Mit- und Nachwelt lesen und verstehen lassen wollten. Es ist der Wunsch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, ihrer Kommission und der Forschungsstelle, daß dieser Band viele, vor allem viele Pforzheimer erreichen möge.

Freiburg i. Br., im Mai 2003
Prof. Dr. Dieter Mertens
Vorsitzender der Inschriften-Kommission bei der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Vorwort

Colligite quae superaverunt, ne pereant!
(Io 6, 12–13)

Jedes Kulturdenkmal, das heute zugrunde geht, ist für alle Zeit verloren.
Was wir jetzt nicht retten, kann nie mehr gerettet werden.
Was wir jetzt versäumen, kann keine künftige Generation mehr nachholen
(Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, 8. November 1985)

Der vorliegende Band der Inschriften der Stadt Pforzheim enthält die Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit bis zum Jahre 1650. Dieser 15. Band der Heidelberger Reihe der Deutschen Inschriften schließt eine Lücke, die seit der Bearbeitung und Edition der Inschriften des Enzkreises (DI 22) in den Jahren 1975 bis 1983 noch offen geblieben war. Die seitdem mehrfach in Aussicht genommene Bearbeitung Pforzheims mußte aus den verschiedensten Gründen immer wieder aufgeschoben werden, bis 1995 ein Neuanfang durch eine finanzielle Unterstützung der Stadt Pforzheim greifbar wurde. Erst 1999 konnte die Arbeit kontinuierlich fortgesetzt werden.

Schon in den Jahren 1975/76 hatte die Stadt Pforzheim im Rahmen unserer Vorarbeiten für den Enzkreis die Photo-Dokumentation für die Inschriften ihres Stadtgebiets übernommen. Der größte Teil dieser Photos, damals angefertigt durch Jürgen Wiesenfahrt, Stadtarchiv Pforzheim, hat nun im Abbildungsteil des vorliegenden Bandes Aufnahme gefunden, ergänzt durch Neuaufnahmen von Elke Schneider, der bewährten Photographin der Heidelberger Inschriften-Kommission. Seit diesem Beginn fruchtbarer Zusammenarbeit hat die Stadt Pforzheim immer wieder die Entstehung des Bandes in großzügiger Weise gefördert, wofür Dr. Joachim Becker, bis 2001 Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim, und Dr. Alfred Hübner, Leiter des Kulturamts, in erster Linie großer Dank gebührt. Herzlich gedankt sei aber auch den städtischen Dienststellen, dem Stadtarchiv mit Dr. Hans-Peter Becht, Dieter Essig und Dr. Stefan Pätzold sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde mit Dr. Christoph Timm und dem Stadtmuseum mit Frau R. Lehr. In den Pforzheimer Kirchen habe ich wertvolle Hilfe von den Pfarrämtern und ihrem stets geduldigen Mitarbeiterstab erfahren. An erster Stelle ist hier die evangelische Schloßkirche St. Michael zu nennen, die mit ihrem großen Inschriftenschatz über die Hälfte der Pforzheimer Inschriften stellt. Sie steht in der Obhut des Staatlichen Vermögens- und Hochbauamtes, das mir stets alle Wünsche erfüllt und in fünfzehn Jahren enger Zusammenarbeit die Rettung, Restaurierung und Neuaufstellung der am Außenbau gefährdeten Denkmäler veranlaßt und finanziert hat. Dafür ist Baudirektor Dipl. Ing. Michael Schwan, Pforzheim, und Dipl. Ing. Stefan B. von Freydorf, Ettlingen, Dank zu sagen. Die Arbeiten wurden gefördert und durch die Bereitstellung von Akten und alten Abbildungen unterstützt durch die Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, Außenstelle Karlsruhe, wobei stellvertretend Dr. Johannes Wilhelm, Dr. Hermann Diruf und Otto Teschauer zu danken ist.

Bei der Bearbeitung des Pforzheimer Materials in Archiven und Bibliotheken habe ich stets kompetente Hilfe erfahren im Generallandesarchiv Karlsruhe, im Archiv des Ev. Oberkirchenrats Karlsruhe, in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe und nicht zuletzt in der Universitätsbibliothek Heidelberg, deren freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern ich hiermit meinen Dank abstatte. Zahlreiche Einzelpersonen haben meine Arbeit mit Rat und Tat unterstützt. Stellvertretend seien genannt: Prof. Dr. Friedrich Karl Azzola, Trebur, Prof. Dr. Reinhard Düchting, Sandhausen, Dr. Susanne Düchting, Bochum, Prof. Dr. Klaus Hallof und Dr. Luise Hallof, Berlin, Dr. Gil Hüttenmeister, Tübingen, Dirk Kottke, Tübingen, Dr. Dr. h. c. Heinz Scheible, Sandhausen, Friederike und Henning Schleifer, Pforzheim, und Renate Vogeler, Eppelheim.

Besonders kompetente Hilfe habe ich von den Kollegen meiner ehemaligen Heidelberger Arbeitsstelle erfahren. Ohne die umsichtige Redaktionsarbeit und alle Phasen kritisch begleitende Unterstützung von Dr. Harald Drös hätte die Edition nicht ihre jetzige Form erhalten. Ihm und seinem engagierten Arbeitsteam, Dr. Ilas Bartusch und Lars Adler M. A., danke ich nicht nur für die Hilfe bei der Entzifferung vieler zerstörter Inschriftfragmente und bei der Diskussion aller Übersetzungsfragen, sondern auch für die Zeichnung des Lageplans, die Erstellung des Layouts für den Tafelteil sowie für die Übernahme der Korrekturen.

[Druckseite XII]

Der Intervention von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Géza Alföldy, Heidelberg, verdanke ich die Möglichkeit, die Bearbeitung des Pforzheimer Bandes nach meinem Ausscheiden aus dem Dienst der Akademie zu Ende führen zu dürfen. Seinem Nachfolger im Vorsitz der Heidelberger Inschriften-Kommission, Prof. Dr. Dieter Mertens, Freiburg i. Br., danke ich besonders herzlich für die wohlwollende Betreuung und kritische Durchsicht des Manuskripts sowie für sein immer spürbares Engagement für die Belange der Inschriften.

Heidelberg, im Mai 2003
Anneliese Seeliger-Zeiss

1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften der heutigen Stadt Pforzheim bis zum Jahr 1650. Diese Zeitgrenze ergibt sich keineswegs zwingend aus dem vorhandenen Inschriftenbestand. Es wäre sinnvoll gewesen, die Bearbeitung bis 1689/1693 fortzuführen, weil die kriegerischen und politischen Ereignisse im Umfeld des Orléans’schen Krieges für die Inschriftenproduktion der südwestdeutschen Region eine Zäsur bedeuteten und eine neue Epoche einleiteten. Dagegen scheint nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ein Anknüpfen an die Traditionen des ersten Viertels des 17. Jahrhunderts möglich gewesen zu sein, so daß sich Epitaphien aus der Zeit um 1625 nicht wesentlich von solchen um 1660 unterscheiden. Aber entsprechend den Vorgaben der Interakademischen Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften und mit Rücksicht auf die anzustrebende Einheitlichkeit der Edition im Rahmen des Gesamtunternehmens gilt die zeitliche Einschränkung bis 1650 auch für diesen Band. Gesammelt und bearbeitet wurden alle erhaltenen Inschriften-Denkmäler, ferner solche, die zerstört oder verloren sind, deren Inschriften aber in gedruckten oder ungedruckten Quellen sowie durch Abbildungen, Kopien oder Rekonstruktionen überliefert sind. Eine vollständige Erfassung wurde zwar angestrebt, ist aber angesichts der besonders ungünstigen Quellenlage kaum zu erreichen. Den Bearbeitungsrichtlinien der deutschen Akademien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften folgend wurden die Inschriften des jüdischen Kulturkreises sowie die Inschriften auf Siegeln, Münzen, Medaillen und Bucheinbänden nicht einbezogen, da diese Gegenstand eigener Fachdisziplinen (Judaistik, Sphragistik, Numismatik, Einbandkunde) sind. Auf die Aufnahme von isoliert stehenden Jahreszahlen, Initialen, Monogrammen sowie Hausmarken und Steinmetzzeichen wurde verzichtet, wenn diese nicht mehr erhalten und daher nicht nachprüfbar waren. Dasselbe gilt für Jahreszahlen an Gebäuden, Flurdenkmälern und Grenzsteinen1).

Kernstück der Edition ist der Katalogteil. Jede Inschrift hat eine Katalognummer erhalten. Im Katalogteil sind die Inschriften nach Katalognummern chronologisch und nach einem einheitlichen Schema angeordnet. Jeder Katalogartikel ist gegliedert in einen das Denkmal beschreibenden Teil, einen Editionsteil mit Transkription, kritischem Variantenapparat und Übersetzung und in einen Kommentarteil.

Die Kopfzeile enthält links die laufende Nummer der Inschrift. Ein Kreuz hinter der Katalognummer zeigt an, daß die Inschrift im Original verloren ist. Steht das Kreuz zwischen runden Klammern, bedeutet dies entweder, daß der Inschriftenträger zwar erhalten, die gesamte Inschrift aber im Original verloren und nur noch kopial überliefert ist, oder bei Sammelnummern, daß ein Teil der dort zusammengefaßten Inschriftenträger verloren ist.

In der Mitte der Kopfzeile steht der Standort. Angegeben wird stets der letzte erschließbare Standort mit dem historischen, vor der 1974 abgeschlossenen Gebietsreform gültigen Ortsnamen. Die jetzige Gemeindezugehörigkeit wird in Klammern beigefügt. Bei Kirchen sind ihre ehemalige Funktion und das Patrozinium in Klammern beigegeben.

In der Kopfzeile rechts außen steht die Datierung. Bei Grabinschriften gilt das Todesjahr als Anhaltspunkt, falls keine Hinweise für eine genauere zeitliche Ansetzung vorliegen. Die Entstehungszeit undatierter Inschriften ist so eng wie möglich eingegrenzt. Diese Inschriften sind jeweils am Ende des in Frage kommenden Zeitraums eingeordnet. Unsichere Datierungen sind mit einem Fragezeichen versehen. Bei Sammelnummern und bei Inschriftenträgern mit Inschriften aus verschiedenen Entstehungszeiten werden alle Datierungen, durch Kommata abgetrennt, angegeben. Die früheste Inschrift bestimmt dabei die Einordnung in den Katalog. Bei einer Zweitverwendung des Inschriftenträgers in späterer Zeit werden die Inschriften zusammen mit dem Inschriftenträger unter der Nummer der frühesten Inschrift gemeinsam behandelt; später nachgetragene Inschriften erhalten [Druckseite XIV] einen Rückverweis auf ihren Standort innerhalb des Katalogs. Inschriften mit gleicher Datierung werden der alphabetischen Abfolge der Standorte nach eingeordnet.

Die Beschreibung beginnt mit der Benennung des Inschriftenträgers, gegebenenfalls der Inschriftengattung sowie in der Inschrift genannter Personen. Darauf folgt die präzise Angabe des heutigen Standorts, bei Standortwechsel oder Verlust ergänzt durch Hinweise zur Herkunft und zu früheren Standorten. Daran schließt sich eine Kurzbeschreibung mit Angaben zu Material, Herstellungstechnik und Erhaltungszustand an. Die Beschreibung erfolgt vom Betrachter aus; nur für Wappenbeschreibungen ist – den Regeln der Heraldik gemäß – vom Wappenträger aus vorzugehen. In Sammelnummern sind die einzelnen Inschriftenträger mit römischen Zahlen durchnumeriert. Bei nichtoriginalen oder ergänzten Inschriften wird die Quelle der Textwiedergabe genannt. Am Schluß des Abschnitts stehen die Maßangaben (in cm) von Inschriftenträger, Buchstaben bzw. Ziffern sowie die Bestimmung der Schriftart. Die Schrifthöhe orientiert sich an der Höhe des Buchstabens N/n.

Bei der Wiedergabe der Inschriftentexte werden folgende Zeichen verwendet:

A, B, C Mehrere Inschriften auf demselben Träger werden durch Großbuchstaben unterschieden.
A† Ein Kreuz hinter dem Buchstaben kennzeichnet die nichtoriginal überlieferten Inschriften, wenn sich innerhalb einer Nummer sowohl erhaltene als auch nicht erhaltene Inschriften befinden.
/ Ein Schrägstrich markiert das Zeilenende auf dem Träger. Prosatexte werden fortlaufend wiedergegeben. Eine Ausnahme machen in diesem Band die Sarginschriften. Sie werden, ihrer besseren Lesbarkeit halber, entsprechend ihrer zentriert überlieferten Anordnung zeilenweise wiedergegeben. Auch die metrischen Inschriften sind versweise angeordnet.
// Doppelte Schrägstriche kennzeichnen den Übergang auf ein anderes Inschriftfeld oder eine Unterbrechung der Inschrift, etwa durch die Plazierung eines Wappens innerhalb der Schriftzeile.
a(n)i(m)a In runden Klammern werden Abkürzungen unter Auslassung des Kürzungszeichens aufgelöst.
[An]no Eckige Klammern machen Textverlust, nicht mehr lesbare Stellen sowie Ergänzungen aus nichtoriginaler Überlieferung deutlich.
[. . .] Ist eine Ergänzung nicht möglich, zeigen Punkte zwischen den Klammern die geschätzte Anzahl verlorener Schriftzeichen an.
[– – –] Ist die Länge einer Fehlstelle ungewiß, werden drei Gedankenstriche in die Klammer gesetzt.
15<24> In spitze Klammern gesetzt werden die im Originaltext für spätere Einträge – etwa für Sterbedaten – ausgesparten Stellen sowie diese später erfolgten Einträge selbst.
aetatis Bögen unter der Zeile bezeichnen Ligaturen, Nexus litterarum und Bogenverschmelzungen. Die Verschmelzung zweier i bzw. I (mit Lautwert ii) zur Y-Form wird nicht als Y, sondern – je nach Erscheinungsbild – als ij-, II- oder IJ-Nexus dargestellt. Andere Buchstabenverbindungen (Enklaven, Verschränkungen) werden nicht im Text kenntlich gemacht, sondern in Anmerkungen erläutert.

Fremdsprachige Inschriften werden übersetzt. Die Übersetzung unterbleibt, wenn es sich um einen mehrfach wiederkehrenden oder formelhaften Wortlaut handelt. Bei metrischen Inschriften wird das Versmaß vermerkt. Datierungen nach den römischen Fixdaten der Kalenden, Nonen und Iden und nach dem Festkalender werden aufgelöst. Im evangelisch geprägten Bearbeitungsgebiet spielte die Gregorianische Kalenderreform von 1582 keine Rolle, denn der Julianische Kalender alten Stils wurde (bis 1700) beibehalten. Alle Wappen werden benannt und nachgewiesen. Unbekannte Wappen werden blasoniert. Bei Ahnenproben gibt das Druckbild die Anordnung der Wappen wieder.

Der Kommentar beantwortet die mit Text, Gestalt und Funktion der Inschrift zusammenhängenden Fragestellungen. Er enthält Angaben zur Biographie der genannten Personen und ihrem historischen Umfeld. Er gibt Auskunft über Sprache, Formular und epigraphische Besonderheiten sowie [Druckseite XV] zur kunsthistorischen Einordnung der Inschrift und des Inschriftenträgers. Der paläographische Befund verwendet das Vokabular der 1999 erarbeiteten Terminologie zur Schriftbeschreibung2).

Der Apparat ist in Buchstaben- und Ziffern-Anmerkungen unterteilt. Die Buchstaben-Anmerkungen sind textkritischen Fragen gewidmet (Textvarianten, problematische Lesungen, orthographische und paläographische Besonderheiten, Fehler im Text). Die Ziffern-Anmerkungen enthalten Erläuterungen, Verweise und Literaturnachweise.

Das abschließende Literaturverzeichnis weist in chronologischer Folge die Titel der wichtigsten Veröffentlichungen und Erwähnungen der Inschrift nach. Am Schluß des Editionsbandes erschließt ein zehnteiliges Register das Inschriftenmaterial nach den verschiedensten Gesichtspunkten hin. Die Inschriften sind dort nach ihrer Katalognummer zitiert.

Der Tafelteil ist nicht streng chronologisch geordnet. Vielmehr wurden verwandte Inschriftengattungen zusammengestellt, um vergleichende Überlegungen zu erleichtern. Den Abbildungen liegt kein einheitlicher Maßstab zugrunde. Den Abschluß bilden die Liste der auf den Inschriftenträgern registrierten Steinmetzzeichen sowie zwei Lagepläne für die Inschriften in der ev. Schloßkirche. Eine Liste der Grabmäler im Wandelgang des Hauptfriedhofs findet sich im Anhang des Katalogteils.

  1. In Kapitel 7 der Einleitung findet sich eine Zusammenstellung nicht aufgenommener Inschriften. »
  2. Deutsche Inschriften – Terminologie zur Schriftbeschreibung. Wiesbaden 1999. »