Die Inschriften der Stadt Halberstadt

Vorwort

Geplant war die Sammlung, Bearbeitung und Veröffentlichung der Inschriften der Stadt Halberstadt schon seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Anschluß an die Veröffentlichung der Inschriftenbände zu Naumburg und Merseburg von Ernst Schubert, Jürgen Görlitz und Peter Ramm durch die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte Karin Iffert mit Erfassung und Aufnahme der Inschriften im Halberstädter Dom begonnen und bereits Literatur zur Stadt Halberstadt gesammelt und ausgewertet. In der Tat war der Inschriftenband schon als fünfter Band der Berliner Reihe avisiert. Die Arbeiten waren jedoch – weil im Rahmen eines gesamtdeutschen Unternehmens durchgeführt – 1968 in der DDR suspendiert worden. Nach der Gründung der Inschriftenkommission zum 150jährigen Jubiläum der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig im Jahre 1996 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Sie fanden in der Veröffentlichung des fünfundsiebzigsten Bandes der Reihe „Die Deutschen Inschriften“ mit den „Inschriften des Doms zu Halberstadt“ im Jahr 2009 einen ersten Abschluß. Seither wurden die Inschriften der Stadt Halberstadt bearbeitet. Ich danke Frau Karin Iffert, Berlin, und Herrn Dr. Peter Ramm, Merseburg, deren Literaturvermerke mir Arbeit ersparten. Dankbar gedenke ich des ehemaligen Kommissionsvorsitzenden Prof. Dr. Dr. h. c. Ernst Schubert † und des Projektleiters Prof. Dr. Walter Zöllner †, die das Vorhaben initiierten, förderten und leiteten. Besonderen Dank schulde ich Projektleiter Prof. Dr. Wolfgang Huschner für ihre ideelle, organisatorische und praktische Unterstützung.

Dank gebührt den vielen Menschen, die mir die Inschriftenaufnahme an den verschiedenen Standorten ermöglichten und mich bei Nachforschungen in Archiven und Bibliotheken unterstützt haben. Im Landesdenkmalamt Sachsen-Anhalt in Halle hatte ich Beistand in Dipl. Rest. Karoline Danz, Dipl. phil. Barbara Pregla, Dr. Elisabeth Rüber-Schütte, Dipl. phil. Reinhard Schmitt, Heike Schmidt sowie den Photographen Gunar Preuß und Reinhard Ulbrich. Den Restauratoren Daniela und Torsten Arnold, Stefanie Fischer, Corinna Grimm, Christine Machate und Ulrich Sieblist verdanke ich manchen Hinweis auf verborgene Stücke. Unterstützung erfuhr ich auch durch die Leitung und die Mitarbeiter des Stadtarchivs Halberstadt, wo mich Anette Bartl, Grabriele Bremer und Franziska Schumacher betreuten, sowie im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg, dessen Leiterin, Prof. Dr. Ulrike Höroldt, ich herzlichst danke. Im Stadtmuseum Halberstadt waren Simone Bliemeister, Karin Lazar, der Museumsleiter Armin Schulze und weitere Mitarbeiter stets für mich da. Hinweise auf Inschriften verdanke ich Daniel Priese, Halberstadt, und seinem Vater Prof. Dr. Karl-Heinz Priese, Berlin, die mir auch Lichtbilder und Abreibungen zur Verfügung stellten. Inschriftenträger, die im Anschluß an die Kriegszerstörungen geborgen worden waren, stellte mir Johann-Peter Hinz †, Ehrenbürger der Stadt Halberstadt, zur Verfügung, wofür ich auch seinen Kindern Katharina und Jacob Hinz zu Dank verpflichtet bin.

In den Halberstädter Kirchengemeinden und Pfarreien erfuhr ich jedwede Hilfe, so daß ich die Inschriftenträger, die sich in ihrer Obhut befinden, unter guten Bedingungen aufnehmen konnte. Ein Dankeschön geht an die Pfarrgemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Halberstadt St. Johannis, St. Katharina, St. Martini, St. Moritz, St. Laurentius in Wehrstedt, der Kirche Zum Heiligen Berg Gottes in Klein-Quenstedt und St. Petri in Emersleben. Ich bin den Pfarrern Torsten Göhler, Harald Kunze, der Kirchenangestellten Barbara Kosock sowie Annegret Rütze, Klein-Quenstedt, Gisela Windel, Wehrstedt, und Ralph-Rainer Wenske, Emersleben, für ihre Hilfe verpflichtet. In der reformierten Gemeinde der Liebfrauenkirche durfte ich die Hilfsbereitschaft der Pfarrer Sabine Beck und Friedrich Wegner in Anspruch nehmen und erhielt Beistand von Rosemarie Lauenstein, Herta Lüdecke sowie Günter Markowski †, die mir in jeglicher Weise behilflich waren. Regen gedanklichen Austausch pflegte ich mit Bruder Valentin Arnrich vom Halberstädter Franziskanerkloster St. Andreas, wofür ich ihm zu großem Dank verpflichtet bin. Dr. Adolf Siebrecht, Halberstadt, der mir wertvolle Hinweise auf Archivalien gab und Verbindungen herstellte, sowie seine Tochter Uta Siebrecht, Magdeburg, die mir ihre Magisterarbeit zur Verfügung stellte, ließen mich an ihren Kenntnissen teilhaben, von denen ich profitiert habe. Dank schulde ich auch Prof. Dr. Gerhard Aumüller, Marburg, der mir die Kopie eines wertvollen Handschriftenfundes zur Verfügung stellte.

Ihr Wissen stellten die Glasmalereiforscher Dr. Eva Fitz, Berlin, auf deren bewährte Hilfe und Gesprächsbereitschaft ich stets zählen konnte, und Prof. Dr. Frank Martin † sowie der Glockenbeauftragte für Westfalen Claus Peter, Hamm, uneigennützig in meinen Dienst. Besonderen Dank schulde ich Herrn Prof. Dr. Fidel Rädle, Göttingen, der einige schwierige lateinische Übersetzungen überprüfte, [Druckseite VIII] Verbesserungsvorschläge machte und mich an seinem großen Wissensschatz teilhaben ließ. Den Kollegen in den Inschriftenforschungsstellen in Deutschland und Österreich gebührt mein Dank für ihre Diskussionsbereitschaft über Forschungsfragen. Besonders herausheben will ich hier keine der Arbeitsstellen, möchte jedoch meinem Kollegen Dr. Rüdiger Fuchs, Mainz, für eine fruchtbare Diskussion über ein Spezialproblem herzlich danken. Auch meinen Kollegen Dr. Jan Ilas Bartusch, Heidelberg, der mir einen bedeutenden Handschriftenfund zur Verfügung stellte, sowie Dres. Sabine Wehking und Christine Wulf, beide Göttingen, die mir die Nutzung der Handschrift in Form einer CD ermöglichten, bin ich sehr zu Dank verpflichtet. Mein Dank richtet sich weiterhin an Dr. Christine Steininger, München, für wertvolle Quellenhinweise.

In der Forschungsstelle konzentrierten sich die Kollegen, obgleich mit eigenen Arbeiten belastet, immer wieder auch auf den vorliegenden Band. Karina Viehmann M. A., Leipzig, leistete große Hilfe bei zusätzlichen Fotoarbeiten in Halberstadt, deren Hauptteil in bewährter Weise Markus Scholz übernommen hatte. Archivarbeiten führten Thomas Rastig M. A., der auch das Register vorbereitet hat, und Sven Jaros M. A., beide Leipzig, durch. Die entsagungsvolle Arbeit kritischer Überprüfung und sorgfältigen Korrekturlesens wurde von den Kollegen Marion Gronemann, Dr. Franz Jäger, dem auch der Stadtplan mit den wichtigsten Inschriftenstandorten verdankt wird, Dr. habil. Frank-Bernhard Müller und Katja Pürschel M. A., besonders aber Dr. Cornelia Neustadt übernommen. Renate Brömme, Halle, hat zum wiederholten Male in bewährter Weise die Zeichnungen der Steinmetzzeichen und Hausmarken angefertigt. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.

Abschließend danke ich allen, die die Fertigsstellung des Bandes in ihre Hände genommen haben, den Publikationsbeauftragten der Sächischen Akademie, Dipl. Germ. Michael Hübner und Dipl. Ing. Barbara Zwiener, beide Leipzig, sowie Ursula Reichert und ihren Mitarbeitern im Dr. Ludwig Reichert Verlag in Wiesbaden.

Halle an der Saale, 2014

Hans Fuhrmann

1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die Inschriften der Stadt Halberstadt bis zum Jahr 1650 mit Ausnahme von Dom und Domschatz, zu denen ein eigener Band bereits erschienen ist.1) Aufgenommen wurden nach dem Provenienzprinzip die Inschriftenträger aus der Zeit vor dem Jahr 1651, die sich in der Stadt in den Grenzen von 1996 und ihren Einrichtungen befunden haben. Berücksichtigt ist die originale wie auch die kopiale Überlieferung. Vollständigkeit ist angestrebt, ohne daß sich ausschließen läßt, daß nach Abschluß der Arbeiten noch die eine oder andere Inschrift – ob im Original oder in Abschrift – gefunden werden kann.

Aufnahme und Anordnung der Inschriften bzw. der Inschriftenartikel geschieht entsprechend den Richtlinien der Interakademischen Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften. Aufgenommen wurden alle Inschriften, soweit sie nicht Gegenstand der Forschungen anderer Disziplinen sind, wie sie z. B. die Sphragistik, die Numismatik und die Kodikologie darstellen, oder Objekte wie Kacheln, Medaillen, Ofenplatten und ähnliche, die aus serieller Herstellung stammen. Auch auf Pergament oder auf Papier geschriebene Texte, die nicht der Definition von Inschriften entsprechen, wurden beiseite gelassen. Ebenso blieben die Inschriften geschlossener jüdischer Bestände, wie sie sich etwa in Friedhöfen darstellen, Gegenstand des jeweiligen Spezialgebietes. Meisterzeichen oder Hausmarken sind nur berücksichtigt und als Nachzeichnung wiedergegeben, wenn sie in Beziehung zu Inschriften stehen und nicht schon anderweitig ediert wurden.

Katalog

Alle Inschriften sind chronologisch angeordnet. Eine möglichst enge Eingrenzung undatierter Inschriften ist angestrebt. Sie sind jeweils an das Ende des ermittelten Zeitraums gesetzt. Wurde ein terminus ante oder post quem festgestellt, so ist der Katalogartikel vor bzw. nach dem entsprechenden Datum eingeordnet. Weisen mehrere Inschriften gleiche Datierung auf, so wurde – wenn es möglich war – eine relative Chronologie nach der Schrift der Inschriftenträger aufgestellt, oder es wurden wegen der besseren Vergleichbarkeit Materialgruppen gebildet. Gleichartige Inschriftenträger unterschiedlicher Zeitstellung am gleichen Standort können in Sammelnummern gefaßt sein. Mehrere Inschriftendatierungen an einem Träger werden durch Kommata getrennt und nach der frühesten Inschrift in den Katalog eingeordnet.

Die Katalogartikel sind in Kopfzeile, Beschreibung, Wiedergabe des Inschriftentextes, Kommentar und Apparat gegliedert.

In der Kopfzeile stehen die laufende Nummer der Inschrift(en), ihr Standort und ihre Datierung(en).

Ein Kreuz neben der laufenden Nummer zeigt Verlust des Originals an.
(†) Ein Kreuz in Klammern steht, wenn nur noch ein Teil der Inschrift(en) oder ihr Träger im Original erhalten sind.
A. 9. Jh.? Ein Fragezeichen hinter der Zeitangabe deutet auf eine unsichere Datierung hin.

Ein aus anderen Quellen ermitteltes oder erschlossenes Datum ist in runde Klammern gesetzt.

Die Beschreibung mit Ausführungen zu Inschriftenträger(n), Standort(en) und Inschrift(en) erfolgt – bis auf die Wappenbeschreibungen, wo entsprechend der Fachterminologie umgekehrt verfahren wird – vom Standpunkt des Betrachters aus. Mehrere Inschriftenträger in einem Artikel werden mit römischen Zahlen gezählt. Die maßgebliche Quelle photographisch, zeichnerisch oder abschriftlich überlieferter Inschriften wird genannt. Mehrere Inschriften auf einem Inschriftenträger werden alphabetisch fortlaufend mit Großbuchstaben A, B, C ... bezeichnet. Die maximalen Maße des Inschriftenträgers, die Buchstabenhöhe und die Schriftart werden bei original überlieferten Inschriften angegeben, bei abschriftlichen [Druckseite X], wenn sie bekannt sind. Eine außerhalb des Satzspiegels positionierte Abbildungsnummer weist auf die Abbildung einer Inschrift im Tafelteil hin.

Der Inschriftentext ist eingerückt. Sind mehrere Inschriften auf einem Träger, so werden sie entsprechend der Beschreibung alphabetisch mit A, B, C ... bezeichnet. Zeilenumbrüche am Original werden in fortlaufendem Inschriftentext durch Schrägstriche angezeigt. Verse sind – auch bei fortlaufender Wiedergabe am Original – voneinander abgesetzt. Kopial überlieferte Inschriften sind in der vom Kopisten gewählten Wiedergabe, aber ohne Interpunktion übernommen. Fehlende Kürzungszeichen werden vermerkt.

Sind mehrere mit A, B, C ... bezeichnete Inschriften auf einem Inschriftenträger, so kennzeichnet ein Kreuz hinter einem Buchstaben eine nicht mehr erhaltene Inschrift.
[…] Eckige Klammern, die Punkte einschließen, zeigen Textverlust an, bei dem sich die Anzahl der verlorenen Buchstaben annähernd darstellen läßt. Dabei steht ein Punkt für einen Buchstaben. Ergänzter Text wird ebenfalls in eckige Klammern gesetzt.
[– – –] Drei Striche in eckigen Klammern stehen für nicht mehr genau bestimmbaren Textverlust.
( ) Kürzungen werden in runden Klammern aufgelöst. Die Auflösung einzelner Buchstaben wird dem Usus der Inschrift entsprechend vorgenommen, so bei AE- oder E-Schreibung und bei U- oder V-Schreibung. Gibt es keine Anhaltspunkte in der Inschrift selbst, wird nach klassischem Gebrauch verfahren. Abkürzungen der Angaben von Bibelstellen werden nicht aufgelöst.
< > Freigebliebene Stellen am Inschriftenträger, die für Nachträge dienen sollten und die zum Zeitpunkt der Herstellung des Trägers noch nicht eingetretene Sterbedaten berücksichtigen sollen, werden – ob nachgetragen oder nicht – durch spitze Klammern markiert.
/ Ein Schrägstrich kennzeichnet das Zeilenende oder einen Knick in einem Schriftband.
// Zwei Schrägstriche zeigen den Wechsel des Inschriftenfeldes oder eine Unterbrechung der Inschrift durch eine Darstellung an.
AB Striche unter zwei oder mehr Buchstaben bezeichnen ihre Ligatur, Bogenverschmelzung oder Nexus Litterarum.
-- Worttrennzeichen am Zeilenende oder -anfang werden durch Doppelstriche, auf die Zeilenmitte gesetzte Punkte oder Doppelpunkte gekennzeichnet.

Wappenbeischriften sind anschließend an die übrigen Inschriften ediert. Die Anordnung von Ahnenproben wird dabei möglichst beibehalten. Blasonierung und Wappennachweise finden sich im Anmerkungsapparat.

Lateinische, griechische und italienische Inschriften werden übersetzt. Eckige Klammern enthalten Ergänzungen, die dem Textverständnis dienen, runde Klammern Erläuterungen.

Das Versmaß metrischer Inschriften wird bestimmt und die Reimform angegeben.

Datierungen nach dem römischen oder dem Festkalender werden aufgelöst. Im November 1583 war im Erzbistum Mainz der Gregorianische Kalender (n. St.) eingeführt worden.2) Vereinzelt fand in Halberstadt zur Zeit schwedischer Besatzung erneut der Julianische Kalender Beachtung, der aber bis ins Jahr 1700 gebräuchlich blieb. In Zweifelsfällen sind beide Datierungen angegeben. Die Einordnung der Inschriften erfolgt nach Neuem Stil.

Die Wappenzeile gibt die Wappen möglichst entsprechend ihrer Anordnung auf dem Inschriftenträger wieder. Ihr Nachweis und eine Blasonierung erfolgt im Anmerkungsapparat.

Der Kommentar nimmt Stellung zu paläographischen oder inhaltlichen Besonderheiten der Inschrift, nennt biographische Daten und erläutert historische, hilfswissenschaftliche, kunsthistorische, sprachliche, theologische oder volkskundliche Zusammenhänge. Paläographische Beschreibungen richten sich nach der „Terminologie der Schriftbeschreibung“ der Deutschen Inschriften.3)

[Druckseite XI]

Der Apparat besteht aus Buchstaben- und Ziffernanmerkungen. Der Buchstabenapparat enthält Textvarianten, nennt orthographische und paläographische Besonderheiten oder verweist auf Fehler im Text. Die Ziffernanmerkungen weisen Quellen und Literatur nach oder erläutern Besonderheiten in Beschreibung und Kommentar. Das abschließende Literaturverzeichnis nennt in chronologischer Reihenfolge die Quellen und Publikationen, welche die Inschrift überliefern oder abbilden.

Zitationshinweis:

DI 86, Stadt Halberstadt, Einleitung (Hans Fuhrmann), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di086l005e007.

  1. DI 75 (Halberstadt Dom). »
  2. Siehe Grotefend 1991, S. 24 ff. »
  3. Terminologie 1999. »