Die Inschriften der Stadt Halberstadt

2. Geschichte der Stadt Halberstadt im Spiegel ihrer Inschriften

2.1. Die äußere und innere Entwicklung der Stadt

Landschaftsbeherrschend darf man dank ihrer Lage im nördlichen Harzvorland die Stadt Halberstadt mit ihrem Ensemble von Dom, Liebfrauen- und Martinikirche im Zentrum auch heute noch nennen.4) Im Rahmen der christlichen Missionierung jenseits von Rhein und Limes mag es seit der Völkerwanderung vielleicht vereinzelt schon vor der karolingischen Eroberung Sachsens christliche Einflüsse durch angelsächsische Missionare gegeben haben, wie einige Bodenfunde, die in dieser Gegend gemacht wurden, es nahezulegen scheinen.5) Den genauen Zeitpunkt der Gründung des Bistums Halberstadt wird man nach den Ergebnissen der jüngsten diplomatischen Forschungen nicht mehr exakt bestimmen können, und die bislang als interpoliert geltende Urkunde Ludwigs des Frommen vom 2. September 814 für Halberstadt für unecht erkennen müssen.6) Damit ist die Gründung der Diözese durch Karl d. Großen im Jahr 804 obsolet. Die älteste Herrscherurkunde, die demnach für das Bistum Halberstadt ausgestellt wurde, stammt zwar von einem Karolinger, aber erst von dem letzten Herrscher der Dynastie, Ludwig dem Kind († 911), der sie 902 ausstelle.7) Nach Thomas Vogtherr war Thiatgrin (827–840), ein Neffe der Bischöfe Liudger von Münster (805–809) und Hildegrim von Châlons-en-Champagne (802–827), die bei der Gründung der Missionsstation in Halberstadt eine Rolle gespielt haben, der erste Halberstädter Bischof.8) Für ihn bestand auch kein Weihehindernis wie bei Hildegrim angesichts der Besetzung eines schon verliehenen Bistums. Deshalb wird man die von Gerhard Leopold und Ernst Schubert ergrabenen Fundamentzüge des Baus I a der sog. Kirche Hildegrims I. wohl als Missionskirche bezeichnen müssen.9) Welche Funktion die angeblich von Hildegrims Bruder, dem Heiligen Liudger, gegründete, von Hildegrim fertiggestellte und geweihte Kirche in unmittelbarer Nähe der Missionskirche hatte, läßt sich nicht mehr feststellen.10) Sie war, wie uns Quellen mit Wurzeln im späten 10. und im 12. Jahrhundert berichten, zunächst den Märtyrern Johannes und Paulus geweiht worden, trug aber später, nach den Verwüstungen von 1060 und einem Patroziniumswechsel oder einer Neugründung, als Annexbau des Domes den Namen ihres Gründers Liudger.11) Wer nun die erste Domkirche, die Kernzelle des späteren Halberstädter Gemeinwesens, gegründet und erbaut hat, wissen wir nicht. Ob Hildegrim, sein Neffe und Nachfolger Bischof Thiatgrin oder erst [Druckseite XII] dessen Nachfolger Haimo, der im Dom als erster Bischof begraben wurde, können wir nicht sagen. Erst dessen Nachfolger Hildegrim II., wiederum ein Liudgeride, konnte im Jahr 859 einen Dom weihen.12) Dieses Gebäude soll im Jahr 965 eingestürzt und anschließend wiederaufgebaut worden sein, so daß der ottonische Dom am 16. Oktober 992 in Anwesenheit des noch unmündigen Otto III. und Mitgliedern seines Hofstaates von zwölf Erzbischöfen und Bischöfen geweiht werden konnte.13) Um diese Zeit war das Erzbistum Magdeburg schon eingerichtet worden, und der Aufstieg Magdeburgs zum Metropolitensitz hatte für Halberstadt zwar eine Beschränkung seines Territoriums sowie eine andauernde Rivalität bedeutet, aber auch eine Aufwertung seiner geographischen Lage durch das vermehrte Verkehrsaufkommen an der Kreuzung zweier Handelswege bewirkt.14) Denn in Halberstadt kreuzten sich die Straßen von Bremen über Braunschweig nach Halle und aus den Rheinlanden, insbesondere von Köln über Dortmund und durch Westfalen nach Magdeburg. Das hatte nach dem Slawenaufstand von 983, der den wirtschaftlichen Aufschwung Magdeburgs dämpfte, zur Folge, daß Halberstadt eine erste Blüte erfuhr.15) Mit der Gründung des Liebfrauenstiftes gegenüber der Domkirche durch Bischof Arnulf im Jahr 1005 und der Errichtung eines benachbarten Bischofshofes um 1050 durch Bischof Burchard I. nahm die Domimmunität Gestalt an.16) Der Ursprung der Stadt Halberstadt in dem Gebiet um die Domburg herum läßt sich jedoch ohne archäologische Beweise nicht mehr genau bestimmen.17) Auch den Namen der Ansiedlung kann man dafür nicht eindeutig heranziehen.18) Inschriften aus der Frühzeit der Ansiedlung, die für den Dom seit der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts aufgrund der besonderen Überlieferungslage vorhanden sind,19) haben sich im Stadtgebiet nicht erhalten. Als ältestes Siedlungsgebiet Halberstadts mit eher landwirtschaftlichem Zuschnitt darf der heute ‚Vogtei‘ genannte Stadtteil im Nordwesten der Stadt samt dem erst später hinzugekommenen ‚Westendorf‘ westlich der Domburg gelten, der bischöflicher Herrschaft unterstand.20) Der Stadtteil tritt jedoch erst im 13. Jahrhundert in urkundlichen Quellen unter der Bezeichnung ‚advocatia‘ auf, inschriftlich ist ein Beleg erst aus dem Jahr 1640 erhalten (Nr. 282).21) Die stets raumgreifenderen Befestigungen der Domburg – vermutlich seit dem 9. Jahrhundert angelegt – konnten durch archäologische Grabungen nachgewiesen werden.22) Elemente im Prozeß der Stadtwerdung, wie Verleihung von Gerichtsrechten oder die Marktentwicklung seit der Regierungszeit Bischof Arnulfs (996–1023), hinterließen [Druckseite XIII] keine Zeugnisse in Halberstädter Inschriften, es sei denn, man rechnete einen Sinnspruch aus dem Jahr 1580, der ein Haus am Fischmarkt zierte und sich auf den Wucher bezog (Nr. 169 ), als sehr späte und rückblickende Erwähnung dazu.23) Zwei Kollegiatstifte, nämlich das schon genannte Johannesstift im Westen, knapp außerhalb der Stadt, und das Bonifatiusstift im Nordosten vor der Stadt, das sich später in der Neustadt ansiedeln sollte, gründete Bischof Brantog 1030; ein weiteres geistliches Institut, das Paulsstift, entstand unter Bischof Burchard II. zwischen 1085 und 1088.24) Rückschläge, wie den furchtbaren Stadtbrand im Jahr 1060 und weitere Verwüstungen durch die Verwicklungen des Landesherrn in die Reichspolitik mußte die Stadt hinnehmen, ohne daß wir davon aus Inschriften erfahren hätten.25) Die verheerendsten Zerstörungen wurden wohl bei der Eroberung der Stadt durch die Truppen Herzog Heinrichs des Löwen am 23. September 1179 angerichtet, wie aus dem Bericht des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg an das Mainzer Domkapitel hervorgeht.26) Wann genau die Stadtpfarrkirche St. Martini entstanden ist, läßt sich nicht mehr sagen. Sie wird zuerst in einer Urkunde aus dem Jahr 1186 genannt, als sie dem nur kurzzeitig existierenden Praemonstratenserstift St. Thomas übertragen wird.27) Im Verlauf des 13. Jahrhunderts „in einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs“28) siedelten sich dann Bettelorden, Zisterzienserinnen und Religiosen in Halberstadt an. Ein Teil der neuen Stadtbefestigung, die nach der Zerstörung der Stadt durch Heinrich den Löwen im Jahr 1179 ein reines Wall- und Grabensystems ablöste, bestand im Jahr 1199 bei der Jacobikapelle am Ende des Breiten Weges.29) 1208 ist dann auch die Existenz des Burcharditores, des nördlichen Stadttores, belegt.30) Im Jahr 1239 umschloß die Mauer samt Wall und Gräben auch die Neustadt und im Jahr 1252 sicherte die Stadtbefestigung auch die Vogtei.31) Erst das Bedürfnis der Bürger nach Schutz schloß die einzelnen, noch rechtlich und steuerlich disparaten Ortsteile bis auf die Immunitätsbezirke zusammen.32) Parallel zu diesen gemeinsamen Schutz- und Sicherungsmaßnahmen und beeinflußt durch diese entwickelte sich die Ratsverfassung.33) An exponierten Teilen der Befestigungsanlagen befanden bzw. befinden sich noch die frühesten überlieferten städtischen Inschriften. Am Gesims des Kühlinger Tors im Südosten las man die Jahreszahl 1346, am Schlußstein des östlichen Breiten Tors die Jahresangabe 1378 (Nr. 13 , 17 ). Auf dem Türsturz des noch existenten Wassertores ist das Datum des 24. Mai 1448, des Tages nach dem Fronleichnamsfest, eingehauen (Nr. 41). Sogar im Jahr 1600 finden wir noch einmal einen Wappenstein in der Stadtmauer nördlich des Breiten Weges mit den Namen der zeitigen Amtsträger wie Worthalter, Kämmerer und Bauermeister, ohne daß wir wissen, zu [Druckseite XIV] welchem Zweck er angebracht worden ist (Nr. 205). Welche Entwicklungsschritte der Stadtbefestigung die Inschriften angeben, wird daraus leider nicht deutlich. Es dürften zur Zeit der Anbringung der Inschriften Aufstockungen oder sonstige Verbesserungen gewesen sein.

Seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts hatte sich nach den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Amtszeit des Bischofs Volrad von Kranichfeld (1255–1296) durch Naturkatastrophen zu Anfang des Säkulums in „Missernten und Dürrekatastrophen“34) die Situation der Stadt dramatisch verschlechtert. Doch selbst die seit 1350 grassierende Pest fand in den überlieferten Inschriften im Stadtgebiet, im Gegensatz zu solchen in der Marienkapelle des Domes, deren liturgischer Dienst zur Abwehr der Seuche gestiftet worden war,35) keinen Niederschlag. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden dann wieder neue Bauten geplant und verwirklicht, darunter Neubauten des Kollegiatstifts St. Johannes, der Chor der Paulskirche und das neue Rathaus.36) Das Rathaus ist das erste öffentliche städtische Gebäude, das sich durch Inschriften manifestiert (Nr. 18 , 22 , 36, 112 , 147). Eine domus consulum war zuerst 1241 erwähnt worden, als die Stadtgemeinde den Grund erwarb, auf dem damals das erste Rathaus am Martiniplan schon stand.37) Dieser Bau scheint auch nach der Nutzung des neuen Gebäudes noch als Spielhaus oder Marktgebäude gedient zu haben.38) Auf den Baubeginn des neuen Rathauses wies eine Inschrift unterhalb des Dachs an der Westseite hin (Nr. 18 ). Offenbar deuteten die Inschriften auch auf den Bauverlauf von Westen nach Osten hin. Denn am Portal des Baus im Osten waren ein Schlußstein mit der Minderzahl XCVIII für das Jahr 1398 und die Darstellung einer Gruppe der Hilariusmänner zu sehen, die beide vermutlich auf die Fertigstellung des Baus hinweisen (Nr. 22 ).39) In einen Zusammenhang mit der Darstellung gehört wohl auch die sog. Hilariuslaterne von 1568, die man den neugewählten Ratsherrn anläßlich der Konstituierung des Rates am 13. Januar eines jeden Jahres vorantrug, während sie zu einem Festmahl zum Rathaus geleitet wurden (Nr. 147).40) Auf der Westseite des Baus an der äußersten südlichen Ecke stand und steht wieder der Roland – ein Rechtssymbol. Auf der Gürtelschnalle ist wohl das Jahr seiner Aufstellung, 1433, eingehauen (Nr. 36). An einem Erker, der sich vor der Zerstörung des Gebäudes an der Südwestseite befand, konnte man neben dem Erbauungsjahr 1541 eine Art verkappter Neidinschrift lesen (Nr. 112 ). Mobilien aus den Jahren 1516 und 1618, die, wenn auch vielfach überarbeitet oder vollständig erneuert, vielleicht noch aus dem Rathaus herrühren könnten, werden heute im Städtischen Museum aufbewahrt (Nr. 81 , 246). Es handelt sich um hölzerne Stadtwappen, die jedoch nur die inschriftliche Bezeichnung bzw. eine Jahreszahl tragen. Keinen Niederschlag fanden übrigens die Auseinandersetzungen mit und in der Stadt, wie etwa der Konflikt des Bischofs mit der Kirchenunion von 1335, der Pfaffenkrieg oder die Halberstädter Schicht, in den zeitgenössischen Inschriften.41)

Schon 1267 und 1327 war Halberstadt Mitglied verschiedener zweckdienlicher Städtebünde im Harzraum und darüber hinaus gewesen und gehörte seit 1387 zur Hanse, eine Mitgliedschaft, die jedoch in einem eher regionalen Rahmen blieb.42) Das 15. Jahrhundert begann in Auseinandersetzungen des Stadtherren mit den benachbarten Territorialherren oder mit und in der Stadt, die im sog. Pfaffenkrieg und in der Halberstädter Schicht gipfelten, und die geprägt waren von machtbewußten und streitlustigen oder zuletzt trägen Bischöfen, die die Verschuldung ihres Herrschaftsgebietes in ungeahnte Höhen trieben.43) Eine Lage, die anschließend zum Einfluß mächtiger Territorialfürsten und zur Wahl von deren Angehörigen zu Erzbischöfen von Magdeburg und Administratoren des Bistums Halberstadt in Personalunion führte.44) Vom Bauernkrieg 1525 wurde Halberstadt nur am Rand erfaßt und auch Ausläufer der Täuferbewegung konnten eingehegt werden.45) Seit den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts setzte [Druckseite XV] sich die Reformation in Halberstadt mehr und mehr durch. Seit den vierziger Jahren waren an sämtlichen Pfarrkirchen lutherische Prediger bestellt, die Stifter blieben jedoch zunächst und die Klöster generell katholisch.46) Der Dom war zwar erst 1591, aber vom Landesherrn selbst, dem Herzog von Braunschweig und Lüneburg und bischöflichen Administrator von Halberstadt, Heinrich Julius (1566–1613), der schon evangelisch erzogen worden war, reformiert worden.47) Diese Reformation geschah jedoch ohne Zwang und ließ in Halberstadt einige gemischt-konfessionelle Kapitel zurück.48) Demselben Landesherrn hatte die Stadt mit der Kommisse am Holzmarkt einen – bis zu ihrer Zerstörung 1945 – prägenden Bau zu verdanken (Nr. 192 (†)). Im Jahr 1596 fertiggestellt, war der schloßartige Bau zunächst für hohe Gäste des Landesherrn gedacht. Nach dessen Tod hat ihn sein Nachfolger, Herzog Friedrich Ulrich, dem Domkapitel geschenkt, das Schulden des Braunschweigers übernommen und einen Bruder des Herzogs zum postulierten Bischof von Halberstadt gewählt hatte. Deshalb finden wir daran Inschriften sowohl mit der Titulatur des Bauherrn als auch die Namen der Kapitelsmitglieder zur Zeit der Übereignung der Kommisse. Ein weiteres repräsentatives Gebäude, das wir ebenfalls dem Zusammenwirken von Heinrich Julius – der sogar Kenntnisse in der Architektur hatte – und dem Domkapitel verdanken, ist die Dompropstei am Domplatz (Nr. 233). Zwischen 1592 und 1611 erbaut, war im Obergeschoß die bischöfliche Zentralverwaltung untergebracht, während das Domkapitel das Erdgeschoß nutzte. Das Gebäude zeigt nicht nur die Wappen der Beteiligten, Administrator und Mitglieder des Kapitels, samt Beischriften, sondern in weiteren Inschriften werden auch die Namen der Bauverantwortlichen und -ausführenden genannt. Weitere Zeugnisse einer gedeihlichen Zusammenarbeit, die aber auch das Momentum der Konkurrenz nicht ausschloß, findet man in Inschriften aus der Mitte des 16. Jahrhunderts am Neubau der bischöflichen Residenz, dem Petershof (Nr. 124, 125, 133, 134). Er wurde unter dem bischöflichen Administrator Friedrich von Brandenburg 1552 begonnen, nach dessen Tod im selben Jahr wegen der eintretenden fünfjährigen Sedisvakanz durch das Domkapitel fortgeführt und von seinem Halbbruder und Nachfolger Sigismund schließlich übernommen. Betont wird in Inschriften, die in den Jahren zwischen 1552 und 1557 entstanden sind, die Fortsetzung des Baus während der Sedisvakanz durch das Domkapitel als Platzhalter des Dompatrons St. Stephanus sowie die Übernahme durch den neuen Administrator Sigismund. Aufgeführt sind Wappen und Titulatur des Landesherrn sowie die Wappen und die Initialen der zeitigen Domherren.

Das Hospital St. Salvator stand zumindest seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in der Obhut der Stadt. Vor dem Wassertor außerhalb der ummauerten Stadt lag das Hospital mit dem darin seit 1553 durch die testamentarische Stiftung des Dekans von Liebfrauen, Heinrich Horn, aufgegangenen Elisabethhospital und der gleichnamigen Kapelle sowie einem zugehörigen Friedhof. 1586 ließ der Stadtrat die Kapelle wiederherstellen, 1598 den Friedhof erweitern und ummauern und beides zugleich durch Inschriften auf Wappentafeln dokumentieren (Nr. 178, 200, 201). Einer von zwei ursprünglich auf diesem Gottesacker aufgestellten Grabsteinen für Männer, die beide durch gewaltsamen Tod umgekommen waren, wird heute beim Städtischen Museum aufbewahrt (Nr. 202 , 278). Gebäude mit öffentlichen Funktionen, die sich im Eigentum oder Besitz der Stadt befanden, waren Innungshäuser, wie der städtische Marstall, der das Baudatum 1574 trägt und Wappen mit Beischriften, welche die Namen der städtischen Amtsträger wiedergeben, der Schuhhof mit der über und über geschnitzten Fassade, an der die Namen der Innungsmitglieder zu lesen waren, oder auch die Ratsmühle (Nr. 152 , 164 , 189).

Es sind überhaupt die städtischen Wohnbauten hauptsächlich des 16. und 17. Jahrhunderts, die ehestens Auskunft über die Lebensverhältnisse und den Aufstieg des Bürgertums im Verlauf der Zeit geben. An ihren Inschriften – soweit vorhanden und überliefert – läßt sich mühelos verfolgen, welche Viertel oder gar Straßenzüge in welcher Zeit besonders bevorzugt wurden, wo und wann modernisiert oder aufgebaut und in welcher Weise zunehmender Wohlstand dargestellt wurde. Als das älteste Fachwerkhaus der Stadt – soweit es inschriftlich faßbar ist – muß der Ratskeller am Holzmarkt gelten. Ob es sich bei der Inschrift aus dem Jahr 1461 um den Beginn oder die Vollendung des Gebäudes handelte, läßt sich nicht mehr feststellen. Das erwähnte Datum des 6. Februar spräche eher für eine Grundsteinlegung (Nr. 45 ).49) Aus demselben Jahr ist eine Jahresangabe von einem Haus am Domplatz überliefert (Nr. 46 ). Es wird sich also um eine Kurie oder ein anderes Gebäude der Domimmunität gehandelt haben. Die Jahreszahl 1476 soll sich an der Ecke eines Hospitals in der Trillgasse in der Vogtei befunden haben [Druckseite XVI] (Nr. 48 ). Diese frühesten inschriftlich dokumentierten Gebäude hatten jedoch Bezug zur städtischen Gemeinde, zum Immunitätsbezirk oder zu einer geistlichen Institution. Mit dem 16. Jahrhundert sind die ersten Bauinschriften von Privathäusern belegt, die sich zunächst sämtlich am Fischmarkt im Zentrum der Altstadt befanden und die im Jahrzehnt zwischen 1519 und 1529 errichtet wurden (83 , 86 , 95 , 96 , 103 ).50) Leider läßt sich kaum je die Funktion der Häuser feststellen. Das früheste Gebäude, das den Zerstörungen des 2. Weltkrieges entgangen ist, befindet sich im Westendorf, jenem Ortsteil, der zusammen mit der Vogtei lange unter bischöflicher Verwaltung stand.51) Der Name des Erbauers dieses traufenständigen Hauses aus dem Jahr 1521, vielleicht ehemals Teil einer Hofanlage, läßt sich neben dem erhaltenen Datum leider nicht mehr sicher entziffern (Nr. 88). Ein Friedensgruß, der sonst meistens an Glocken vorkommt, ist dem Text vorgeschaltet. Auch in der Kühlinger Straße am südöstlichen Ende der ummauerten Stadt wurden in den Jahren 1524 und vielleicht 1528 zwei Häuser erbaut (Nr. 93 , 100 ). Aus dem letzteren Jahr ist uns vom nördlichen Rand der Altstadt, an einem Gebäude in der Gerberstraße eine der in Halberstadt seltenen niederdeutschen Inschriften überliefert (Nr. 101 ). Auch aus dem Westendorf belegen uns in diesem und im folgenden Jahr Inschriften wieder Bautätigkeit (Nr. 102 , 104 ). Danach verlagerte sich das Engagement auf den Holzmarkt, wo 1532 und 1534 Häuser entstanden waren (Nr. 106 , 107 ). Einen Bauvorgang in der Gröperstraße, also in der Neustadt, wohl in der Nähe der Gröperbrücke, d. h. nicht weit von der Stadtmauer entfernt, dokumentiert die Jahreszahl 1535 (109 ). Mit Verweis auf die Zugehörigkeit zur Domimmunität ist ein weiteres, noch erhaltenes traufenständiges Fachwerkhaus im Düsterngraben mit einer Bauinschrift aus dem Jahr 1537 versehen, obwohl es vielleicht schon knapp außerhalb der Immunitätsmauer lag (Nr. 110). Das anscheinend konzertierte Bauvorgehen in der Franziskanerstraße in den Jahren 1542 bis 1549 erstaunt, weil innerhalb weniger Jahre vier Häuser mit Inschriften versehen wurden, die auf Bautätigkeit hinweisen (Nr. 114 , 115 , 116 , 119 ). Allerdings ist zu beachten, daß in dieser Aufzählung nur die Gebäude berücksichtigt werden können, die Inschriften aufweisen. In der Zeit von 1552 bis 1554 weisen Bauinschriften auf Bauaktivitäten um die beiden Märkte bis zur Göddenstraße hin, wo schon 1541 eine Jahresangabe angebracht worden war (Nr. 126 , 129 , 131 , 113 ). Gegen Ende des Jahrzehnts wurden in den Jahren 1558 und 1559 zwei nebeneinander gelegene Häuser am Breiten Weg aufgeführt (Nr. 138 , 139 ) und mit frommen Sinnsprüchen versehen. In den Jahren 1564 bis 1570 hat sich das Baugeschehen – soweit in Inschriften faßbar – wieder in das Innenstadtkarree um den Holzmarkt verlagert (Nr. 143 , 145 , 148 , 149 ). Von der selten belegten Bautätigkeit in der Neustadt (oder doch gerade noch vom Rand der Vogtei?) kündet eine Inschrift von 1575 aus der Gröperstraße (Nr. 156 ). Im Westendorf befanden sich wie am Domplatz etliche Domherrenhöfe. Die Inschriften zeigen meist auf Wappentafeln, die von 1578 bis 1622 entstanden und überwiegend noch erhalten sind, den – zum Teil wechselnden – Besitz an (Nr. 162, 174, 184, 185 , 221, 240, 241, 262 ). 1589 und im darauf folgenden Jahr wurden zwei Häuser mit identischen Toreinfahrten – vermutlich also ebenfalls Höfe – in der Harsleber Straße aneinander gebaut und mit Bauinschriften versehen (Nr. 186 , 187 ). Zwei Solitäre am jeweiligen Ende der beiden Märkte, der sog. Stelzfuß am Holzmarkt von 1576 (Nr. 158 ) und der Schuhhof aus dem Jahr 1579 am Breiten Weg an der Ecke Schuhstraße (Nr. 164 ) zeigten in Bauzier und Inschriften die ganze Pracht des Halberstädter Fachwerkbaus. Inschriften mit Spruchweisheiten, Besitzanzeigen sowie Namen von Zunftgenossen zierten die Bauten. Diese Bautätigkeit bricht im Dreißigjährigen Krieg, als Halberstadt im wechselnden Kriegsglück mal von der einen, dann wieder von der anderen Partei beherrscht wurde,52) zwar nicht ab, aber verringerte sich. Belegt sind im Allgemeinen Häuser, die erbaut oder verbessert worden waren, bevor die Stadt von den Kriegshandlungen betroffen war. Jetzt aber sind die Bauplätze über die gesamte Stadt verteilt. Inschriften befanden sich 1618 an Häusern in der Harsleber Straße (Nr. 248 ), der Bakenstraße (Nr. 249 ) sowie am Holzmarkt (Nr. 250 ). Im Jahr darauf wird in der Commißstraße (Nr. 254 ) und am Steinhof in der Vogtei (Nr. 255 ) gebaut. Danach dünnen Hinweise auf Bautätigkeit aus, so daß sich zwischen 1620 und 1650 nur noch fünf fest datierbare (Nr. 257, 263 , 275 , 283 , 294 ) und acht nur vage in die erste Hälfte des Jahrhunderts zu setzende Inschriften finden (Nrr. 313 , 314 , 315 , 316 , 317 , 318 , 319 , 320 ).

Im Westfälischen Frieden wurde das Bistum Halberstadt aufgehoben und ging als weltliches Fürstentum an Hohenzollern-Brandenburg.53) Der 1. Januar 1624 wurde als der Zeitpunkt festgelegt, nach dem sowohl die Religionsausübung wie auch der Besitz geistlicher Güter geregelt waren (Normaljahr). Daran hielt man bis zur Säkularisation im Jahr 1810 fest. Die Zeit der Preußenherrschaft gestaltete sich friedlich. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wurde diese friedvolle Zeit 1757 unterbrochen, als die [Druckseite XVII] Franzosen Halberstadt besetzten, die sogar die geistlichen Institutionen als Fouragemagazine nutzten.54) In den napoleonischen Kriegen (Koalitionskriegen) war das Fürstentum Halberstadt dem damals entstandenen, ephemeren Königreich Westphalen eingegliedert worden; wiederum geschahen ähnliche Frevel.55) Während dieser Zeit wurden zum 1. Dezember 1810 die geistlichen Institute in Halberstadt aufgehoben.56) Seit 1815 war Halberstadt als Teil der preußischen Provinz Sachsen dem Königreich Preußen eingegliedert.57) Am 8. April 1945 wurde die Halberstädter Innenstadt durch alliierte Luftangriffe zu 82 Prozent zerstört.58) 2500 Menschen starben. Nach der Auflösung der Provinz Sachsen 1944 war die Stadt kurzfristig Teil der Provinz Magdeburg, 1945 wurde sie zur Provinz Sachsen gezogen, die seit 1946 Provinz Sachsen-Anhalt hieß und 1947 zu Land Sachsen-Anhalt umbenannt worden war; als Teil der DDR 1952 dem Bezirk Magdeburg zugeordnet, gehört Halberstadt seit 1990 zum Bundesland Sachsen-Anhalt.59)

2.2. Die Standorte: Kirchen, Stifte und Klöster

2.2.1. Die Stadtpfarrkirche St. Martini

Die Ursprünge der Stadtpfarrkirche St. Martini liegen im Dunkeln.60) Sie wird zuerst im Jahr 1186 erwähnt, als sie von Bf. Dietrich von Krosigk (1183–1191) dem kurz zuvor in Halberstadt gegründeten, nur kurzlebigen, später in das Burchardikloster übergegangenen Praemonstratenserstift St. Thomas übertragen wird; sie muß aber wohl schon älter gewesen sein, da nach der Verleihung des Marktprivilegs 989 gewiß ein Markt entstanden war und dann wohl auch eine Marktkirche gegründet worden sein dürfte.61) Bischof Gardolph (1193–1201) soll nach der durch Truppen Heinrichs des Löwen verursachten Brandkatastrophe des Jahres 1179 die Martinikirche wiederaufgebaut haben.62) Seit 1267 sind Ablässe speziell zum Kirchenbau überliefert, für den 1274 und 1285 auch ein Bauverantwortlicher namentlich genannt wird.63) Die gotische Hallenkirche mit Westwerk und Glockenhaus hat zwei Türme von unterschiedlicher Höhe, die dem Rat unterstanden, und eine Verbindungsbrücke zwischen beiden; der südliche, höhere Turm beherbergte den städtischen Türmer.64) Im Jahre 1311 übertrug der Bischof, dem das Kollationsrecht zustand, die Pfarrkirche dem Johannesstift.65) Die Pfarrer der Martinskirche wurden seither bis in die Reformationszeit vom Propst der Johanneskirche bestellt; darüber gab es einen lange andauernden Streit mit dem Rat, der erst 1539 endgültig beigelegt wurde.66) Mit der Übertragung an das Stift ging ein Planwechsel einher, anschließend schritt der Bau der Kirche schneller voran.67) Schon vom Ende des 13. oder dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammen die ältesten erhaltenen Ausstattungsgegenstände, die Inschriften aufweisen: ein Taufkessel, der ein Pendant in der Paulskirche hatte, mit Szenen aus Kindheit und Jugend Jesu und eine Glocke (Nr. 5, 8).68) Glockenensembles haben sich aus dem 15. und vom Anfang des 16. Jahrhunderts erhalten. Es handelte sich 1439 und 1511 nach Form und Inschriften jeweils um je eine Festtags- und eine Sonntagsglocke, zu der 1511 noch eine Stundenglocke hinzukam (Nr. 39, 40 †, 71, 72 †, 73 †). Warum [Druckseite XVIII] aber Anfang des 16. Jahrhunderts ein zweites Geläut für denselben Zweck in verhältnismäßig kurzer Zeit angeschafft worden war, erschließt sich nicht. Man muß wohl an eine Konkurrenz mit dem Dom denken, der 1454/1457/1460 ein entsprechendes Geläut hatte gießen lassen, vielleicht aber auch mit Kirchen- und Stadtgemeinde an verschiedene Eigentümer.69) Daß in den Türmen um diese Zeit Gewerken tätig waren, zeigen Inschriften an Türstürzen im Südturm mit Namen und Jahreszahlen, die 1514 und 1524 eingehauen wurden (Nr. 80, 94). Seit 1539, als das Stift St. Johannes endgültig auf seine Rechte an der Martinikirche verzichtet hatte, konnte sich auch die Reformation endgültig in der Pfarre durchsetzen.70) Die Baugeschichte dokumentieren in den Jahrzehnten danach eine Reihe von Inschriftentäfelchen, die nach Reparaturen oder Erneuerungen in die Knäufe der Turmhelme gegeben worden waren (Nr. 166, 167, 179, 218, 219, 238, 321?). Sie berichten von Blitzschlag und Sturm sowie den darauf folgenden Instandsetzungsarbeiten in den Jahren 1580, 1586, am südlichen, 1602 an beiden und 1612 am nördlichen Turm. Sie nennen die Verantwortlichen für die Bauaktivitäten oder auch Handwerker. 1577 wurde – fünf Jahre vor der Kalenderrefom Papst Gregors XIII. – eine Sonnenuhr an einem Strebepfeiler der Südseite angebracht (Nr. 160). Die Inschriften zählen die Tagesstunden auf, geben die ungefähren Zeiten der Sonnenwenden sowie der Tag- und Nachtgleichen an, welche die Sonne, wenn sie denn scheint, anzeigt. Weiter ist eine Devise angeführt, die jedem die protestantische Überzeugung der Gemeinde vor Augen stellte. Außerdem gibt eine Inschrift einen Hinweis auf die Ausbesserungsarbeiten an der Kirche und die gleichzeitig in Halberstadt wütende Pest. Das liturgische Gerät der Gemeinde konnte nach der Reformation z. T. weiter genutzt werden, weil im Allgemeinen das Bild- und Textprogramm dem nicht entgegenstand. Allerdings sind die Gerätschaften, wenn nicht von den Franzosen 1807 geraubt, in ihrer Gesamtheit nach 1902 verloren- oder untergegangen.71) Darunter drei Kelche, deren Inschriften überliefert sind (Nr. 161 , 247 , 258 ). Eine Patene, weitere Kelche sowie eine Kanne, die noch 1902 in St. Martini aufbewahrt wurden, fehlen heute (Nr. 140 , 213 , 224 , 272 , 301 , 302 ).72) Im Jahr 1595 wurde eine neue, reichgeschnitzte Kanzel geschaffen, die in ihrem Bild- und Textprogramm in Katechismustexten und Bibelsprüchen ein lutherisches Glaubensbekenntnis ablegt (Nr. 191). Neben den jeweils persönlichen Grabdenkmalen finden sich einige Pfarrerbildnisse, von denen zwei wohl noch vor 1651 geschaffen wurden und Inschriften aufweisen (Nr. 284 , 298). Wie im Dom wurde auch in der Martinikirche zumindest ein Kommandeur, der während des Dreißigjährigen Krieges verstorben war, beigesetzt (Nr. 285). Auch vom Friedhof der Gemeinde südlich der Kirche sind bei Schachtungsarbeiten Reste von Grabdenkmalen gefunden worden (Nr. 232, 308, 309). Die Schicksale der Kirche nach dem Westfälischen Frieden entsprechen weitgehend denen der übrigen geistlichen Institute. Was den Bau angeht, so wurden zwischen 1843 und 1849 sowie 1880 und im darauffolgenden Jahr Verbesserungen vorgenommen.73) 1945 trafen ihn, wie die gesamte Stadt Halberstadt, die Verwüstungen durch Luftangriffe, die Alexander Kluge oder auch Walter Bolze erschreckend anschaulich geschildert haben.74) Letzterer hat aber auch den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit und in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts dokumentiert.

2.2.2. Das Kollegiatstift Beatae Mariae Virginis (Unser Lieben Frauen)

Am westlichen Ende der Domimmunität, dem Dom gegenüber, liegt die viertürmige romanische Liebfrauenkirche, an die sich im Westen der Kreuzgang anschließt. Bischof Arnulf (996–1023) hat das Stift nach der Regel des Hl. Augustinus im Jahr 1005 gegründet und vermutlich bis 1014/15 oder später errichten lassen; der Zeitpunkt einer Weihe in diesem Jahr läßt sich jedoch nicht beweisen.75) Reste des [Druckseite XIX] Ursprungsbaus konnten durch Grabungen nicht mit absoluter Sicherheit bestimmt werden.76) Nachdem der Leichnam des Gründers 1023 zunächst im Dom vor der Tür des Kreuzgangs zur letzten Ruhe gebettet worden war, wie auch aus erzählenden Quellen hervorgeht,77) wurden Teile seiner Gebeine nach ihrer Auffindung im Jahr 1372 und der Aufhebung des Grabes wegen der Arbeiten am Chor des gotischen Doms, wie aus der Inschrift seiner nach 1372 gegossenen, aber verlorenen Grabplatte in Liebfrauen zu erfahren ist, in der Liebfrauenkirche beigesetzt (Nr. 14 ).78) Über den weiteren Ausbau der Kirche im 11. Jahrhundert wissen wir entweder durch Grabungen, oder aber, insbesondere die Stiftung des Electus Thietmar im Jahr 1088 bzw. 1089 betreffend, nur durch Vermutungen; belegt ist nichts davon.79) Dafür spricht allerdings, daß er in der Liebfrauenkirche begraben worden sein soll.80) Bischof Rudolf (1136–1149) hat die Kirche „von Grund auf erneuert“, fertiggestellt und im Jahr 1146 geweiht.81) Nach seinem Tod am 6. Oktober 1149 wurde er in dieser Kirche auch begraben.82) Die Inschrift seines Gedenkgrabmals in Form einer Historischen Nachricht, die vermutlich gegen Ende des 15., vielleicht auch erst am Anfang des 16. Jahrhunderts abgefaßt wurde, ist überliefert (Nr. 62 ). Möglicherweise hatte Erzbischof Ernst von Sachsen das Grabmal in historisierendem Sinn aufführen lassen, wie er es auch für weitere Personen an verschiedenen Orten veranlaßt hatte.83) Ob die metallene Bischofsfigur, die den Ort, an dem sich das Grabmal befunden hat, heute schmückt, von dieser Gedächtnisstätte stammt, läßt sich nur vermuten. Der Brand der Stiftskirche, der im Jahr 1179 durch die Truppen Herzog Heinrichs des Löwen verursacht wurde, hat auch die Liebfrauenkirche sehr in Mitleidenschaft gezogen.84) Die Schäden müssen so stark gewesen sein, daß an eine grundlegende Erneuerung erst im Verlauf von Jahrzehnten gedacht werden konnte.85) Nur eine Inschrift, die vor dieser Katastrophe hergestellt worden ist, hat sich erhalten (Nr. 1). Es handelt sich um den Text eines Beschwörungstäfelchens aus Blei von 1142, das bei Ausgrabungen in den Jahren 1980 bis 1984 auf einem seit dem 11. bis ins 19. Jahrhundert genutzten Friedhof südlich vor dem Langhaus der Liebfrauenkirche gefunden wurde.86) Im Jahr 1192 hatte Kaiser Heinrich VI. das Kollegiatstift in seinen Schutz genommen und die Immunitätsregelung erweitert.87) Von der Wiederherstellung der Kirche, die in den Jahrzehnten nach den Zerstörungen ins Werk gesetzt worden ist, zeugen die Inschriften an den Chorschranken und den Ausmalungen des Obergadens im Langhaus (Nr. 2, 3). An den Schriftformen der Chorschrankeninschriften erweist sich, daß sie, falls es sich um die Erstfassung gehandelt haben sollte, kaum vor 1220 entstanden sein können (Nr. 2). Handelt es sich aber [Druckseite XX] um eine zweite Fassung, so wäre diese eher noch in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts zu datieren. In diesem Fall wäre eine Entstehung der Schranken um 1200, wie weithin von der kunstgeschichtlichen Forschung angenommen, möglich.88) Allerdings muß auch eine Herstellung der Stuckfiguren zunächst ohne Beschriftung ins Auge gefaßt werden, die dann erst später ins Werk gesetzt worden sein könnte. Die Obergadenausmalungen können nicht mit gleicher Sicherheit beurteilt werden, da nur einige wiederaufgedeckte Felder in situ in Augenschein genommen werden konnten (Nr. 3). Auch hier ist eine Entstehung im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts anzunehmen. In dieser Zeit oder eher ein wenig später hat der Ritter Johannes von Bodendiek dem Stift wertvolle Marienreliquien gestiftet, von denen wir durch einen Streit um deren Aufbewahrung und Verwaltung wissen.89) Diese Reliquien sorgten wohl für eine Zunahme der Marienwallfahrten zur Liebfrauenkirche und zur Steigerung der Einnahmen sowie in der Folge für die Anschaffung etlicher Gegenstände, die heute zu den aus Liebfrauen stammenden Zimelien im Halberstädter Domschatz zählen.90) Seit dieser Zeit mehrten sich auch Ablässe für das Liebfrauenstift.91) Vom Ende dieses Säkulums oder aus dem ersten Viertel des folgenden stammt die früheste erhaltene Glocke der Liebfrauenkirche (Nr. 9), die in einer Gießerwerkstatt zusammen mit Glocken aus der Martinikirche (Nr. 8) und St. Johannes (Nr. 10) gegossen worden sein könnte. Aus Urkunden der Jahre 1291 bis 1297 wissen wir, daß in Liebfrauen in diesen Jahren Beträge für Dacharbeiten an einem der Türme und für Glocken gezahlt werden mußten.92) Im Jahr 1292 mußte sogar die Festtagsglocke zerschlagen werden, um aus dem Erlös Schulden bei Juden zahlen zu können, und die Verantwortlichen mußten sich verpflichten, diese Glocke innerhalb von drei Jahren durch eine bessere zu ersetzen.93) Fünf Jahre später erfahren wir, daß die für viel Geld erworbene Festtagsglocke, die „wegen des Leichtsinns einiger Zechgesellen“ beschädigt worden war, umgegossen wurde.94) Zuvor waren in diesem Jahr schon die Gelder für die Aufhängung dieser Glocke bereitgestellt worden.95) Von Dacharbeiten erfahren wir etwa einhundert Jahre später durch in Bleiplatten geritzte Inschriften, die im Knauf des nordwestlichen Turmes gefunden wurden (Nr. 20 (†), 23 (†)). Die Inschriften berichten von Dacharbeiten an diesem wie am südlichen Turm in den Jahren 1392 bis 1394, die das Kapitel in Auftrag gegeben hatte, und von Notreparaturen am Nordwestturm nach Blitzschlag und Brand im Jahr 1399. Weitere Arbeiten an den Turmhelmen sind in derselben Form für die Jahre 1602, einem Jahr in dem auch einer der Turmknäufe der Martinikirche geflickt werden mußte, 1613 sowie 1624 dokumentiert (Nr. 217, 218, 242, 265 ). In der Zeit um und nach 1400 waren bei derartigem Verschleiß wohl auch weitere Glocken notwendig geworden (Nr. 24, 25, 27, 31 ). Eine letzte Glocke wurde 1496 durch den Glockengießer Heinrich Becker gegossen, wie dem Gießervermerk zu entnehmen ist (Nr. 59 ).

Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1402 sollte der „sente Marie Magdalenen und sente Margareten capellen“, der später sog. Tauf- oder Katholischen Kapelle, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts erbaut worden sein soll, wegen der Einrichtung eines neuen Altares bei gleichzeitiger Verlegung der beiden schon existierenden Altäre, ein Chorpolygon angefügt werden.96) In den ersten beiden Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts erforderte eine Stiftung in der 1345 geweihten Barbarakapelle mit Altaraufsatz und einer Raumausmalung von der unbekannten Stifterfamilie erhebliche Aufwendungen (Nr. 32, 33, 34).97) [Druckseite XXI] Der Altar, nach dem die Kapelle benannt ist, „sunte Jacobs unde sunte Barbaren“ wird zwar zuerst 1442 erwähnt, die Ausstattung muß jedoch schon ein oder zwei Jahrzehnte zuvor gestiftet worden sein, wie sich aus ihrem Stil ergibt.98) Die hochwertigen Malereien an den Inschriftenträgern werden z. T. einem in Norddeutschland und Thüringen tätigen Maler zugeschrieben, der später – zwischen 1444 und 1446 – in Erfurt gearbeitet hat.99) Einige Ausstattungstücke der Liebfrauenkirche, zwei um 1460 geschaffene Bildwerke aus Alabaster vom Hochaltar, werden heute in der Andreaskirche aufbewahrt (Nr. 44).100) Ein metallener Standleuchter, den 1475 der damalige Scholaster und spätere Dekan von Liebfrauen, Dietrich Block, gestiftet hatte, weist neben der Jahreszahl einen Liedvers oder eine Gebetszeile auf, der bzw. die zu einem Vorläufer des 1609 mit der Melodie von Michael Praetorius (1571–1621) komponierten Kirchenliedes „Es ist ein Ros entsprungen“ gehört hat (Nr. 47).101) Ein weiterer Leuchter war im Jahr 1546 gefertigt worden (Nr. 117 ). Einige der Standbilder der Stiftskirche entstanden in den Jahren um 1511, von denen manche vom selben Künstler herrühren, den Edgar Lehmann nach einer Skulptur im Dom „Katharinenmeister“ genannt hat (Nr. 74, 75, 76, 77, 78).102) Vier dieser Figuren sind auf Konsolen angebracht, die nur den Buchstaben A aufweisen.

Vom Leben der Chorknaben und Stiftsherren während der Gottesdienste erfahren wir durch Kritzelinschriften aus den Jahren 1564, 1568 und 1614 an einer Chornische sowie am Chorgestühl mit Einträgen aus den Jahren 1585 und 1606 (Nr. 144, 177). Meist handelt es sich um eingeritzte Namen und Jahreszahlen, einmal jedoch um die Nachricht, daß jemand an dieser Stelle das Alleluja gesungen habe. Nach der Reformierung des Stiftes und der Einführung des evangelischen Gottesdienstes im Jahr 1604 wurde offensichtlich ein neues Taufbecken nötig, das zehn Jahre später das Kapitel in Auftrag gab und das mit den Wappen und Namen der Stiftsherren – ganz gleich ob noch katholisch oder schon evangelisch – versehen wurde (Nr. 243). Interessant ist auch das jüngste Ausstattungsstück, eine Grufttür (Nr. 300). Eine ihrer Inschriften beweint den Verlust eines Stiftsbruders mit dem den Auftraggeber eine enge Freundschaft verband (Nr. 300). Die große Anzahl der Grabplatten und Epitaphien, die sich im Lauf der Jahrhunderte angesammelt und erhalten hatte, gehörte nicht ausschließlich zur Stiftskirche. Die meisten der heute im Kirchenraum aufgestellten Denkmale waren zwar ehemals in den Kirchenboden eingelassen und oft von hölzernen Abdeckungen geschützt. Im Kreuzgang werden aber auch Platten von Angehörigen anderer Stifter oder weltlichen Personen aufbewahrt, da der Kreuzgang zeitweise als Teil des städtischen Museums fungierte. Die ältesten erhaltenen Grabdenkmale stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert (Nr. 26, 29, 30). Besonders interessant ist eine Gruppe von Grabdenkmalen, die in ein und derselben Werkstatt (H5) entstanden sind (Nr. 58, 70). Die jüngere für den Stiftshauptmann Friedrich von Hoym von 1510 steht in einem Zusammenhang mit einer Kreuzigung von der Hand des „Katharinenmeisters“, die die Eheleute Hoym zwei Jahre zuvor gestiftet hatten und die im im Kreuzgang ihren Platz fand (Nr. 69). Zu dieser Stiftung könnte auch ein Konsolstein gleich neben der Kreuzigung, aber an der Westwand des Kreuzgangs befindlich, gehören (Nr. 64). Weitere Grabdenkmale für Stiftsherren zeigen auch die Platten zweier Halberstädter Weihbischöfe, die, obwohl beide Dominikaner, ebenfalls Dignitäre des Liebfrauenstiftes waren (Nr. 111, 118). Zu weiteren Grabplatten, die für Kanoniker des Liebfrauenstifts hergestellt wurden, siehe Kap. 4.1.

Nach der Einführung des protestantischen Gottesdienstes im Jahr 1604 und den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, während dessen die Konfessionen je nach Machthabern wechselten – 1629 katholisch, nach Einrücken der Schweden zwei Jahre später wieder protestantisch – und der Einführung [Druckseite XXII] des Normaljahres zum 1. Januar 1624, ist das Liebfrauenstift als gemischtkonfessionelles Kapitel zu verstehen, auch wenn zeitweise nur ein Kapitular dem katholischen Glauben anhing.103) Auch dieser Kirche blieb jedoch wie dem Dom wohl aufgrund der gemischtkonfessionellen Verfassung große Bilderstürmerei erspart.104) Eine Umgestaltung der Kirche erfolgte 1615 und 1661, als die Wandmalereien übertüncht und der Lettner abgerissen und durch ein Eisengitter ersetzt wurde.105) Als Lazarett, Gefangenenlager und Pulverkammer wurden die Gebäude in den napoleonischen bzw. den Freiheitskriegen benutzt.106) Aufgehoben zum 1. Dezember 1810, „verblieb die Kirche bis 1840 ... in unwürdiger Verkommenheit“, wurde anschließend durch Mittel des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. unter der Leitung des Generalkonservators Ferdinand von Quast wieder instandgesetzt und im Jahr 1848 zur Nutzung der „evangelisch reformierten Hofgemeinde“ überlassen. Betroffen von den schweren Zerstörungen des Luftangriffs vom 8. April 1945 wurden die Kirchengebäude von 1946 bis 1954 unter Aufsicht des Dombaumeisters Walter Bolze restauriert.107) Seit der Zeit der politischen Wende 1989/90 und besonders nach 2001 wurden verschiedentlich Maßnahmen zur Erhaltung der Liebfrauenkirche durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, unterstützt durch engagierte Vereine und Bürger, durchgeführt.108)

2.2.3. Das Kollegiatstift St. Johannes †

Bischof Brantog, ein ehemaliger Propst und Abt des Klosters Fulda, der 1023 erhoben und geweiht worden war, gründete das Stift nach seiner Rückkehr von einer Gesandtschaftsreise, die ihn von 1027 bis 1029 im Auftrag Kaiser Konrads II. nach Konstantinopel geführt hatte, vermutlich im Jahr 1030.109) Das Kollegiatstift hat wohl zunächst in der Stadt, später dann westlich vor dem danach benannten Johannistor gelegen.110) Durch Bf. Reinhard wurde es wahrscheinlich in den Jahren 1107/1108 zu einem regulierten Augustiner-Chorherrenstift reformiert.111) Besitzungen waren dem Stift in den Jahren 1145, 1153, 1199 und 1225 sowie 1261 verbrieft worden.112) Nachdem das Johannesstift schon dreimal, 1060, 1179 und 1209, Zerstörungen erleben mußte, hatte es auch im 14. Jahrhundert mehrfach Brände und Plünderungen zu erdulden.113) 1311 wurde ihm das Patronat der Stadtpfarrkirche St. Martini übertragen.114) Seit 1369 und 1386 gehörte das Stift zur Union der Halberstädter Kirchen.115) Gegen eine Erneuerung im Sinne der Windesheimer Kongregation wehrten sich die Stiftsherren in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ohne diese Neuerungen vollständig abwenden zu können.116) 1539 verzichtete das Stift auf seine Rechte an der Pfarrkirche St. Martini zugunsten des Rats der Stadt und beanspruchte wegen Personalmangel künftig nicht mehr, den Pfarrer aus der Mitte seiner Kanoniker wählen zu lassen.117) Seit eben dieser Zeit gehörte die Kirchengemeinde fest dem evangelischen Glauben an, die Stiftsherren jedoch blieben katholisch, [Druckseite XXIII] obwohl es auch in der Stiftsgeistlichkeit schon früher Bestrebungen zur Verbreitung der Reformation gegeben hatte.118) Die Kirchenvisitationen der Jahre 1564 und 1589 in der evangelischen Pfarre St. Johannes brachten die üblichen Beschwerden, da das Stift sich die Einkünfte gesichert hatte und die Pfarre leer ausgangen war.119) Im Jahr 1587 scheint ein Brand einen großen Schaden an den Klostergebäuden verursacht zu haben.120) Im Jahr 1631 legten die Schweden aus militärischen Gründen die Kirche samt der ganzen Anlage nieder.121) Das Stift, das später in den sog. Lüderschen Hof an der Stelle der Alexiuskapelle gezogen war, existierte jedoch noch weiter und trotzte Aufhebungsabsichten in den Jahren 1657, 1667 und 1708 von Seiten des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm (1640–1688), und Friedrichs (III.) I. (1688/1701–1713).122) Erst zum 2. Oktober 1804 wurde das Stift durch Regierungsbeschluß aufgehoben und in eine königlich-preußische Domäne umgewandelt.123) Von der Ausstattung haben sich zwei Glocken mit Inschriften vom Ende des 13. oder dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts und 1397 erhalten (Nr. 10, 21). Sie hatten die Zerstörung des Kirchengebäudes im Jahr 1631 überdauert und waren vor der endgültigen Niederlegung des Baus Anfang 1644 abtransportiert worden; sie verblieben mit den weiteren Glocken bis 1648 auf dem Bauhof des Domstiftes.124) Anschließend wurden sie der lutherischen Gemeinde St. Johannes übergeben, die bei ihrer neuen Kirche zunächst einen hölzernen, 1680 dann den noch vorhandenen Glockenturm erbaute, in dem die zwei erhaltenen Glocken noch heute hängen.125) Außerdem haben sich vier Kelche im Besitz der Kirchengemeinde St. Johannes erhalten, jedoch leider keine Nachrichten über ihre Herkunft (Nr. 55, 98, 168, 280). Der Kelch von 1491 (Nr. 55) kann nur, wie vermutlich der zeitlich folgende für den katholischen Ritus geschaffen worden sein (Nr. 98), die beiden jüngeren auch für die protestantische Gemeinde (Nr. 168, 280). Eine nicht mehr erhaltene Glasscheibe mit der Jahreszahl 1600 und der Aufschrift Johannis-Closter könnte aus einem nach dem Brand vom Jahre 1587 errichteten „Neubau“ bis in das 19. Jahrhundert überdauert haben (Nr. 208 ). Alle weiteren inschriftlich belegten Gegenstände oder Bauteile gehören zu der 1648 eingeweihten Kirche der Johannesgemeinde (Nr. 276 , 289, 290, 291, 292, 295).

2.2.3.1. Die Johanneskirche im Westendorf

Die Pfarre betreute seit jeher das Westendorf und die Vogtei.126) Schon seit den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts hatte es in der Geistlichkeit des Stiftes, zu dem die Pfarrei damals gehörte, Sympathien für die Reformation gegeben.127) Seit etwa 1540 wurden in der Pfarre, obwohl das Stift katholisch blieb, protestantische Prediger berufen.128) Angelegentlich der Kirchenvisitation 1564 bitten Bauermeister, Altarleute und Vorsteher der Gemeinde, das Stift wolle in Zukunft, wie im Augsburger Religionsfrieden 1555 vereinbart, das Kirchenpersonal bezahlen, und sie bitten um Zuweisung der Andreaskirche für den Gottesdienst.129) Nach dem Brand von 1587 fand die Pfarrgemeinde tatsächlich Unterschlupf in der Andreaskirche, wo sie bis 1627 verblieb.130) Von dort aus mußte sie, als die katholische Herrschaft durch kaiserliche Truppen gesichert wurde, nach Wiedereinzug der Franziskaner, in die alte Stiftskirche ziehen.131) Seit Ende 1629 war der evangelische Gottesdienst, in der gesamten Stadt außer in der Pfarrkirche St. Martini verboten. Der Gottesdienst mußte bis 1631 in einem Privathaus stattfinden. Unter erneuter protestantischer Herrschaft zog die Gemeinde in diesem Jahr wieder in die Andreaskirche.132) Die Stiftskirche wurde von den Schweden verwüstet. In den nächsten Jahren hielt dieses Hin und Her [Druckseite XXIV] an.133) Seit 1640 dachte die Gemeinde über einen Neubau der Kirche innerhalb der Stadt nach und sammelte weithin Gelder dazu.134) Nachdem dann 1643 die Stiftskirche durch die schwedischen Truppen vollständig dem Erdboden gleichgemacht worden war, schritt man zur Tat.135) Man wendete sechshundert Taler auf, um den Baugrund vom Domkapitel zu erwerben und beauftragte den Quedlinburger Zimmermeister Wolf Götze mit dem Bau einer Fachwerkkirche. Der Grundstein wurde am 29. Juni 1646 gelegt, eineinhalb Jahre später der Bau „in Tach und Fach gebracht“ (Nr. 289, 290, 291).136) Als das Gotteshaus am 9. März, einem Sonntag Laetare, eingeweiht wurde, wird auch die Eingangstür, die Meister Wilke gestiftet hatte, fertiggestellt gewesen sein (Nr. 292).137) Noch im selben Jahr war der Glockenturm für die vier Glocken aus der alten Johanneskirche gebaut worden; der mußte aber 1680 erneuert werden; in ihm hängen die verbliebenen Glocken noch heute (Nr. 10, 21).138) Wann die Deckenmalerei fertiggestellt wurde, kann nur vermutet werden (Nr. 295). In den Jahren 1692 war ein neuer Altar gestiftet worden, 1719 löste eine neue Orgel die aus der Andreaskirche stammende alte Orgel ab.139) 1748 und einhundert Jahre später wurden Kirchenjubiläen gefeiert.140) 1812 erlitt die Gemeinde durch eine neue Pfarrordnung finanzielle Einbußen und wurde in einen langjährigen Rechtsstreit gezogen.141) Im Jahr 1830 wurde eine neue Kirchenordnung erlassen.142)

2.2.4. Das Kollegiatstift SS Bonifatii und Mauritii

Das Bonifatiusstift wurde, wie das Chorherrenstift St. Johannes, von Bischof Brantog (1023–1036) gegründet.143) Der genaue Zeitpunkt ist unbekannt, vielleicht – wie schon für St. Johannes vermutet – um 1030.144) Zuerst befand sich die Einrichtung an einem Ort außerhalb der Stadt, der Bossleben hieß, heute wüst gefallen ist und nur noch durch eine entstellte Form des Namens als Bullerberg bekannt ist.145) Der Besitz des Stiftes aus der Ursprungsgründung lag im Norden und Osten vor der Stadt, spätere Erwerbungen bei Staßfürt und Schöppenstedt.146) Nach den Zerstörungen der Stadt durch Truppen Heinrichs des Löwen 1179 und Ottos IV. 1209 wuchs das Bedürfnis der Stiftsherren nach einer Ansiedlung innerhalb des schützenden Mauerrings.147) Ebenso trug der Drang nach der teilweisen Aufhebung der vita communis dazu bei, die in der Stadt leichter zu verwirklichen war.148) 1237 bestätigt Bf. Ludoph I. (von Schladen) die Übertragung der Kirche St. Mauritii oder Moritz, wie sie im Deutschen heißt, in der (Neu)Stadt, deren Patronatsrecht der damalige Dompropst Meinhard von Kranichfeld hielt, sowie Grund und Boden dem Stift.149) Im Jahr 1240 fand dann der Umzug statt, anschließend wurde die Kirche umgebaut und vergrößert.150) Sechs Jahre später erließ Papst Innocenz IV. einen ersten Ablaß, 1250 der Erzbischof von Köln, Konrad von Hochstaden, einen zweiten, 1252 der Kardinal Hugo von S. Sabina zwei weitere, im Jahr 1254 der Erzbischof Gerhard von Mainz.151) Schon im Jahr 1247 hatte Bischof Meinhard von Kranichfeld [Druckseite XXV] bestätigt, daß der zeitige Dompropst Hermann von Anhalt den Kanonikern das Recht der freien Pfarrwahl in St. Moritz überlassen hatte.152) 1287 wurde ein Streit zwischen Propst und Kapitel über die Zuwahl der Stiftsherren beigelegt.153) In diese Zeit fällt 1281 der Guß der ältesten datierten Glocke des Stifts wie auch der Stadt Halberstadt, der im Jahr 1319 eine zweite folgte (Nr. 4, 7). Zwei weitere komplettierten das Geläut in den Jahren 1376 und vermutlich 1409 (Nr. 15, 28). Glocken dürfen als die langlebigsten Kulturgüter einer Kirche angesehen werden, die aber auch zu allen Zeiten gerne gehandelt wurden. Für die Glocke von 1319 ist jedoch die Anschaffung für das Bonifatiusstift bzw. die Pfarre St. Moritz wegen der darauf angebrachten Mauritiusplakette bewiesen. 1313 war der Friedhof der Pfarre erwähnt worden, der in der Stadt lag.154) Ein Statut regelte 1332 und 1350 die Abwesenheit der Kanoniker und Vikare vom Stift.155) 1358 wird eine Vikarsbruderschaft bestätigt.156) Der Kirchenunion in der Stadt Halberstadt war das Stift zunächst um 1250, dann wiederum 1369 und 1386 beigetreten.157) Zwei Urkunden aus den Jahren 1368 und 1369 geben eine Reaktion auf die seit der Mitte des Jahrhunderts auftretende Pest wieder.158) Um den durch Verlust von Stiftsherren verminderten Gottesdienst aufrecht erhalten zu können, werden Kanoniker niederer Rangstufen durch Überspringen zu den Großen Präbenden zugelassen. Eine Einschränkung der Voraussetzungen für die Aufnahme in ein Kanonikat erfolgte wieder 1484.159) Ein Altarretabel für die Moritzkirche, das sich aber heute in der Andreaskirche befindet, war schon 1430 hergestellt worden (Nr. 35). Die Pfarre St. Moritz war dem Stift 1457 inkorporiert worden.160) Von einer Erneuerung einer geistlichen Bruderschaft mit dem St. Johannesstift erfahren wir 1494.161) Mit dem Stift St. Paul verbindet sich das Kapitel im Jahr 1506.162) Schon im Jahr 1488 hatte man eine grazile Lichtkrone anfertigen lassen, die im Jahr 1517 um eine weitere, ähnlich aufwendige vermehrt wurde (Nr. 54, 82). Nach Einführung der Reformation fanden in den Jahren 1564 und 1589 – wie an anderen geistlichen Einrichtungen der Stadt – Kirchenvisitationen in der Pfarre St. Moritz statt.163) Zwischen Pfarre und Stift, das sich die Pfarrgüter angeeignet hatte, war – auch wegen anderer Beschwernisse – Streit entstanden. 1610 muß ein Streit zwischen dem Kapitel und der Kirchengemeinde beigelegt werden.164) Drei Jahre später werden noch einmal die Statuten des Kapitels von 1584 durch den Administrator Heinrich Julius bestätigt.165) Nachdem die Dekane bis 1621 sämtlich katholischen Glaubens gewesen waren, wurde mit Ludolf Brandes wie die folgenden – bis auf eine Ausnahme – ein erster evangelischer gewählt.166) In diese Zeit fallen die Renovierung der Sakristei im Winkel zwischen nördlichem Querschiff und Chor im Jahr 1623, vielleicht die Anschaffung einer neuen Kanzel, die der stärkeren Betonung des Wortgottesdienstes gerecht werden sollte, und in den Jahren 1633 und 1640 von liturgischem Gerät (Nr. 264 , 299, 274 (†), 281). Nach dem Westfälischen Frieden mit der Wiederaufnahme der personalen Verhältnisse des Normaljahrs vom 1. Januar 1624 bestand das Kapitel zunächst als gemischtkonfessionelles weiter, seit 1749 war es jedoch nur noch mit Evangelischen besetzt.167) 1694 war noch für die kommende Zeit eine Einigung über die Nutzung der Kirche als Simultaneum getroffen worden.168) In dieser Weise blieben die Verhältnisse bis zur Aufhebung des Stifts am 1. Dezember 1810.169) Wegen Verfall des Kirchengebäudes [Druckseite XXVI] mußte der Bau 1843 und 1886 gründlich überholt werden, was jedoch nur unzureichend geschah.170) Dabei wurde die Kanzel beseitigt, deren vermutliche Reste heute im Depot des Städtischen Museums aufbewahrt werden (Nr. 299).

2.2.5. Das Kollegiatstift SS Petri und Pauli

Das Stift muß wohl zwischen 1085 und 1088 von Bischof Burchard II. gegründet worden sein, wie die Erwähnung der Gegenwart von je zwei namentlich bekannten Erzbischöfen und Bischöfen wahrscheinlich macht.171) Eingerichtet und ausgestattet wurde es für zwölf Kanoniker, die an Zahl den zwölf Aposteln entsprechen sollten.172) Burchard II. hinterließ durch seinen jähen Tod die Kirche jedoch ungeweiht.173) Eine Urkunde Bischof Rudolfs (1136–1149) aus dem Jahr 1136 vermeldet, daß die kirchlichen Angelegenheiten lange aufgelöst und die Kanoniker versprengt gewesen seien und erst sein Vorgänger, Bischof Reinhard (1107–1123), das Stift erneut begabt, das kanonische Leben erneuert, die Stiftsherren wieder versammelt und die Kirche geweiht habe.174) Nach dem verheerenden Brand im Jahr 1179, als den rings um Kreuzgang und Vorhalle gelegenen Kurien Immunitätsrechte verliehen werden, scheint die vita communis aufgehoben zu sein.175) Außerdem durften die Kanoniker den ihnen zustehenden Zoll des Gallusmarktes (um den 16. Oktober) an allen Tagen, die er andauerte, für Bauarbeiten an der Kirche, besonders am Dach, verwenden.176) Von der Wahl neuer Kanoniker war der Propst ausgeschlossen.177) Seit 1483 beaufsichtigte allein der Dekan das kanonische Leben.178) Ablässe hatte das Stift von Papst Innocenz IV. 1246, von Kardinal Hugo von Saint-Cher 1252, im Jahr 1287 von Erzbischof Giseler von Bremen und zwölf weiteren Bischöfen sowie vier Jahre später von Papst Nicolaus IV. für Bauvorhaben, im Heiligen Jahr 1300 in Rom ausgestellt von einem Erzbischof und 13 Bischöfen für die fabrica und die Beleuchtung bekommen.179) Seit demselben Jahr wachte ein Cantor über die Chorschüler.180) Kurz nach 1300 wird der Taufkessel für St. Paul entstanden sein, der heute im Domschatz aufbewahrt wird.181) Abwesenheit von Vikaren wird 1334, von Kanonikern 1367 mit Strafen belegt.182) Mit dem Bau des neuen gotischen Chores begann man 1363.183) Im Jahr 1364 werden Kapitelsstatuten für den Gottesdienst festgelegt, der, wie beklagt wird, „in vielem lahmt“.184) Die Besitzungen und Freiheiten des Stifts bestätigt 1460 Papst Pius II.185) Die engen Verbindungen zwischen den Stiften St. Bonifatii und St. Paul werden in einer Urkunde von 1506 deutlich, als über die Stellvertretungen von Diaconen und Subdiaconen an beiden Stiften gehandelt wird.186) 1508 wird das Fest der Kirchweihe vom Sonntag nach Peter und [Druckseite XXVII] Paul (29. Juni) auf den Sonntag nach Mariae Heimsuchung (2. Juli) verlegt.187) Ein Streit zwischen dem Kapitel und den Vikaren über die Kurienhöfe wird im Jahr 1512 beigelegt.188) 1515 bestätigt Erzbischof Albrecht von Brandenburg die Statuten der Vikare.189) Das Kapitel St. Paul beschwert sich zusammen mit anderen Kapiteln und Konventen 1547 oder 1548 bei Kaiser Karl V. über den ehemaligen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen (1532–1547), einem Verfechter der Reformation, wegen der Wegnahme von sakralen Bildern, liturgischem Gerät und Lebensmitteln.190) In den Jahren 1564 und 1589 wurde an der Pfarre, wie an den anderen Halberstädter Pfarren, eine Kirchenvisitation auf Anweisung des bischöflichen Administrators Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg durchgeführt.191) Wie zwischen anderen Stiften und zugehörigen Pfarren bestand auch hier 1564 zwischen beiden Streit um Besitz und Rechte. 1589 ist das Kapitel im Besitz des Chors, die Gemeinde hat das Kirchenschiff. Im Jahr 1573 hören wir in einer Urkunde des Papstes Gregor XIII. von einem Organisten und einer neugebauten Orgel des Stiftes.192) Die Residenzpflicht wird wegen den sich nähernden schwedischen Truppen 1639 bis auf weiteres aufgehoben.193) 1653 sucht eine Feuersbrunst die Stadt heim und vernichtet über fünfzig Häuser.194) In einem Brandbrief im wahrsten Sinne des Wortes heißt es, daß man ob odium in catholicam religionem keine Hilfe zu erwarten habe. 1687 werden die Statuten von St. Bonifatius dem Großen Kurfürsten vorgelegt.195) Am 11. Januar 1812 wurde das Stift aufgehoben, zwei Wochen später fand der letzte Gottesdienst statt.196) Anschließend diente der Bau als Lazarett oder Fouragemagazin, die Gemeinde fand Aufnahme in St. Martini.197) Im 20. Jahrhundert diente die 1908 renovierte Paulskirche zunächst als Garnisonskirche der Militärseelsorge, der Chor seit 1926 als Ruhmeshalle für die Gefallenen der Kriege des Kaiserreiches.198) Die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verbliebenen Überbleibsel des Gebäudes wurden 1969 gesprengt.199) Erhalten haben sich aus dem Stift nur wenige Gegenstände. Von anderen haben wir Nachricht. Neben der Fünte, die heute im Dom steht,200) wissen wir von einem Triumphbogen (Nr. 215 ), der nach seiner Schrift aus dem 16. Jahrhundert stammen soll, liturgisches Gerät war wohl mit der Gemeinde nach St. Martini gekommen (Nr. 272 , 301 ).

2.2.6. Das St. Andreaskloster

Das Kloster samt Kirche liegt im Westendorf und somit nach der Art der Bettelorden nahe der ehemaligen Stadtmauer nicht weit vom Harsleber Tor.201) Die Franziskaner waren wohl Ende 1223 nach Halberstadt gekommen.202) Ihre erste Niederlassung sollen sie in einem Haus am Markt gefunden haben, wo sich später der Ratskeller befunden hat.203) 1246 soll Graf Heinrich der Ältere (V.) von Regenstein die Schenkung seines Hofes mit Garten in der Stadt an die Franziskaner getätigt haben, wie einer Quelle – allerdings von 1746 – zu entnehmen ist.204) Dieser Grundbesitz wird in der Forschung als Baugrund [Druckseite XXVIII] für die Andreaskirche angesehen.205) In den Jahren 1284 und 1289 erhielt der Konvent Grundstücke nahe der Stadtmauer hinter dem Heilig-Geist Hospital, die dann vielleicht der Erweiterung des Geländes dienten.206) Ende 1288 oder Anfang des folgenden Jahres soll der Sohn und Nachfolger des Stifters von 1246, Heinrich der Jüngere (VI.) von Regenstein, eine Schenkung gemacht und in der Folge eine Kirche und den Konvent haben bauen lassen.207) Deshalb gilt der Regensteiner als Gründer des Klosters.208) Nach der Inschrift auf seinem Epitaph aus Rübeländer Marmor, das allerdings erst aus dem Jahr 1722 herrührt, soll er 1289 den Grundstein der Kirche auf dem Gelände Klein-Blankenburg gelegt haben, wie die davor verlaufende Straße auch heute noch heißt.209) Todenhöfer schließt, da er als Gründer im Chor begraben wurde, daß zum Zeitpunkt seines Todes 1311 dieser Bauteil schon fertiggestellt gewesen sei.210) Für den Bau der dreischiffigen ehemals gewölbten Hallenkirche rechnet Valentin Arnrich mit einer Bauzeit von zehn bis zwölf Jahren, Achim Todenhöfer vermutet einen wesentlich längeren Bauverlauf.211) Im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts erhielt das Kloster weitere Liegenschaften.212) Da es im Westendorf als einem Teil der Vogtei lag, einem Bereich, der nicht der städtischen Herrschaft unterstand, und der, obwohl das Kloster päpstlicherseits exemt war, bischöflicher bzw. domkapitularischer Rechtsprechung oblag.213) Besonders betonte der Orden Seelsorge, Predigt und Beichte.214) Etliche der Brüder haben abwechselnd mit den anderen Mendikanten als Domprediger fungiert.215) In der Halberstädter Niederlassung sollen im Lauf der Zeit zwölf Provinzkapitel stattgefunden haben.216) Dem Kloster wurden besonders während des 15. und im beginnenden 16. Jahrhundert eine große Anzahl Seelgerätstiftungen von Einzelpersonen, seien sie adelig oder bürgerlich, von Bruderschaften und Zünften, noch zu Lebzeiten oder testamentarisch, als Geldrente oder als Immobilien gemacht.217) Nicht heranzuziehen für die Schilderung der Kirchenausstattung sind aber die beiden Altarretabel des 15. Jahrhunderts, deren älteres – um 1430 – im Chor ursprünglich aus St. Moritz stammt (Nr. 35), während das jüngere von 1456 der Andreaskirche vor 1902 von der Generalverwaltung der Kgl. Museen in Berlin leihweise überlassen wurde.218) Auch das kleine Relief der Anbetung der Hl. Drei Könige und die Madonna mit dem Kind von etwa 1467, die heute in der Kreuzkapelle steht, gehörten eigentlich zum Kunstdenkmalbestand der Liebfrauenkirche und sind möglicherweise z. Zt. des Königreichs Westphalen auf Befehl des napoleonischen König Jérôme in die Andreaskirche gekommen; dieser hatte zumindest die Absicht, die Liebfrauenkirche der Andreasgemeinde zu übertragen (Nr. 44).219) Eine Glocke aus St. Andreas wurde bei dem Luftangriff 1945 zerstört; des weiteren existiert im Städtischen Museum eine Glocke von 1486, die ebenfalls Kriegsschädenerlitten hat und die zumindest von Dombaumeister Bolze auf zwei Lichtbildaufnahmen mit „Andreaskloster“ beschriftet wurde (Nr. 52, 99 ).220) Beschlossen wird diese Reihe von Ausstattungsstücken von zwei Meßkelchen aus dem 15. Jahrhundert, die in St. Andreas bewahrt werden, von denen einer aber vielleicht aus St. Paul [Druckseite XXIX] stammt (Nr. 61, 65). Im 15. Jahrhundert gab es einen Einigungsversuch hinsichtlich der Regeln und Lebensweisen des Ordens, als Reform konnen sich solche Bemühungen in Halberstadt aber erst 1492 unter der Führung des Visitators Swederus Jurthe durchsetzen.221) Als 1517 seitens des Papstes der Orden in zwei Richtungen aufgeteilt wurde, Martinianer (ehemals Konventualen) und Observanten, stieß der Halberstädter Konvent zur Observanz.222) Mit der Durchsetzung der Reformation und schließlich durch den Dreißigjährigen Krieg war der Bestand des Klosters immer wieder gefährdet, was auch teilweise durch inneren Zerfall geschehen war.223) Damals nahm das Kloster Brüder aus aufgelösten Konventen in anderen Landesteilen auf; die Martinianer wurden aber selbst mehrfach vertrieben, konnten aber immer wieder zurückkehren.224) Zugleich nahm der Konvent an Zahl immer weiter ab. Das Kloster mußten die verbliebenen Brüder mehrfach räumen, erhielten es aber stets wieder restituiert.225) Die weiteren Stücke aus dieser Zeit in St. Andreas, die Inschriften tragen, drei Werksteine, sind bis auf eines verloren (Nr. 269 , 270 , 311). Ein Werkstein gibt vielleicht eine Weihenachricht aus dem Jahr 1630 wieder, die nach einer vorherigen Profanierung während des Dreißigjährigen Krieges angebracht wurde (Nr. 270 ). Entgegen allen Befürchtungen blieb das Kloster 1629 nach dem Normaljahrsbeschluß bestehen und wurde erst im Rahmen der Säkularisierung 1810 aufgehoben.226) Nach 1920 zogen wieder Franziskaner in das Kloster; sie überstanden den Zweiten Weltkrieg mit seinen Zerstörungen, der das Kloster vollständig und die Kirche weitgehend zerstörte.227) Die Gemeinde selbst bewerkstelligte den Aufbau zunächst in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts und dann nach 1981.

Zitationshinweis:

DI 86, Stadt Halberstadt, Einleitung (Hans Fuhrmann), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di086l005e007.

  1. Die Lage beschreibt mit anderen Worten auch Herzog 1964, S. 36. »
  2. Zuletzt dazu Ludowici 2006; Pöppelmann 2006; Siebrecht 2002 c. »
  3. Kölzer 2012, S. 104–110; Vogtherr 2012, S. 136–145; Vogtherr 2006, S. 91–98. »
  4. MGH DLK, Nr. 15 S. 118 f.; UBHH Bd. 1, Nr. 17 S. 6 f. »
  5. Vogtherr 2012, S. 143. So schon Fritsch 1913, S. 12 f., Müller 1938, S. 88 f., Claude 1972, S. 8, Schrader 1989, S. 72, Röckelein 1999, S. 66, dort S. 66–68 zu den Liudgeriden in Halberstadt. »
  6. Leopold/Schubert 1984, S. 11 f., 26–38. Zuletzt dazu Leopold 1999, S. 300–306. Einen Forschungsüberblick zum Bistum Halberstadt gibt Springer 2004. »
  7. Leopold/Schubert 1984, S. 11 f., S. 80 Nr. 103 mit Abb. 17, Nr. 104, 109, 110. Daß Hildegrim die Kapelle 827 geweiht habe, wie Leopold 1999, S. 300 schreibt, läßt sich nicht beweisen. Vgl. MGH SS XXIII, S. 80 f., MGH SS XXXVII, S. 64 f. Siehe dazu auch Vogtherr 2012, S. 143 mit Anm. 58; Katalog Halberstadt 2004, I. 4 S. 180 (U[ta] S[iebrecht]). Schwineköper 1977, S. 30–32 sah darin eine von Liudger erbaute Pfarrkirche für die Domimmunität „die auch die weltlichen Einwohner der eigentlichen civitas mit einschloß“, (gemeint sind die Vogtei und das Westendorf) aus der dann später das Johannesstift hervorgegangen sei, wie er aus der Bezeichnung des Standorts „in hac civitate“ in einer Urkunde von 1133 und der Bestätigung der Seelsorge für die Stadt außerhalb des Marktbezirks im Jahr 1138 schloß. Allerdings hätte das einen Patroziniumswechsel oder einen Übergang auf ein anderes Patrozinium vorausgesetzt, da das Johannesstift den Heiligen Johannes Baptista und Johannes Evangelista geweiht war; ein solcher hätte nach der Zerstörung der Johannes und Pauls-Kirche beim Dom im Jahr 1060 stattfinden können; zum Johannesstift vgl. Mülverstedt 1872, S. 31–37. Die Seelsorge in der Stadtkirche St. Martin wurde dem Stift St. Johannes erst 1311 übertragen und oblag noch in der Reformationszeit dem Stift; vgl. auch UBHH Bd. 1, Nr. 169 S. 139 f., Nr. 191 S. 162; ebd. Bd. 4, Nr. 2651 S. 32; UB Stadt Halberstadt Nr. 336 S. 261–265, siehe auch Nr. 72 bei Anm. 11. »
  8. Leopold/Schubert 1984, S. 11 f. Vgl. MGH SS XXIII, S. 80 f., MGH SS XXXVII, S. 64 f. »
  9. MGH SS XXIII, S. 81; MGH SS XXXVII, S. 77 f. »
  10. MGH SS XXIII, S. 85–88; MGH SS XXXVII, S. 204, 252–254; MGH SS N.S. IX, S. 82 (Thiertmar II, 35); Huschner 2006, S. 243–251; Benz 1975, S. 24–47. »
  11. Militzer/Przybilla 1980, S. 23, 39, 86 f. Zum Verlust des Territoriums siehe Fitz 2003, S. 24; Bogumil 1972, S. 185; Schmidt-Ewald 1916, S. 1–4; Quiter 1969, S. 54–78 und passim; siehe auch die sich mit der Erhebung Magdeburgs zum Metropolitensitz beschäftigende Literatur: Claude 1972 Teil 1, S. 63–95, Engels 1975, Beumann 1991, Althoff 1998, Althoff 2002, Hehl 1997, Hehl 1998, Hehl 2001, Huschner 2003, S. 624–658; Huschner 2013, S. 67–98 stellt die Bistumsgründung in einen europäischen, auch missionspolitischen Zusammenhang. »
  12. Fitz 2003, S. 24; Schwineköper 1977, S. 32; Handbuch der Historischen Stätten Provinz Sachsen-Anhalt, S. 295. Zum Slawenaufstand Lübke 1986, Nr. 220–224. »
  13. Siehe dazu Schwineköper 1977, S. 32; Siebrecht 2002 g, S. 217–219; Lauwigi 2002, S. 51–63; Huschner 2014 und unten Kapitel 2.2. »
  14. Siebrecht 2002 c, S. 18–21; Siebrecht 2006, S. 119 f. mit Abb. 1, nimmt an, daß sich eine „wohl sächsische Siedlung mit dem Namen Halberstadt ... vermutlich seit dem 6. Jh. etwa 1000 Meter westlich der Domburg in der Nähe einer Flußgabel der Holtemme“ befand. »
  15. Siebrecht 2002 d, S. 16 f., Siebrecht 2006, S. 119 und Fitz 2003, S. 23 beide nach Eichler/Walter 1986, S. 127 für die Bedeutung ‚Stätte, Siedlung am geteilten Bach‘ auf topographische Gegebenheiten zielend. Militzer/Przybilla 1980, S. 16 nach Ruhe 1965, S. 48, 84, 133 halten ‚Alfurtestedt‘ als ‚Stätte aller bzw. vieler Furten‘ für namengebend. Nicht aufgegriffen wurde bisher ein Vorschlag von Doering, der glaubte, es handele sich um die christliche Umkehrung einer ‚Stadt der Alben oder Elfen‘, heidnischer Geister, die mit dem Einzug des Christentums in ihr Gegenteil verkehrt worden sei zu einem ‚locus beatorum = Saligenstadt‘; BKD, S. 164 f. Demnach habe eine Gründung in dem als Seligenstadt bezeichneten Osterwieck, für die es keinen Nachweis gebe, nie stattgefunden, sondern Halberstadt sei auch Gründungsort des ursprünglich Seligenstadt genannten Ortes im späten 8. Jahrhundert gewesen. Siehe dazu auch unten das Beschwörungstäfelchen Nr. 1, in dem ein alber genannter Alb erwähnt ist. Als einen Eigennamen Albher, Alpher, Halver versteht Arndt 1910, S. 7–11, die Bezeichnung nach einer Arbeit von Gustav Scheidel aus dem Jahr 1902, Scheidel 1902, einen im Kern niedersächischen Namen, der soviel bedeute wie „Herr der Elfen“. »
  16. Siehe DI 75 (Halberstadt Dom), S. XVII und Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8»
  17. Militzer/Przybilla 1980, S. 16–20; Herzog 1964, S. 35 f. betont die Hofgüter, die den Charakter „der beinahe einzigartigen Stadtanlage“ bestimmt hätten. »
  18. UBHH Bd. 1, Nr. 584 S. 521 f.; UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 133 S. 114 f.; zur topographischen Stadtentwicklung Militzer/Przybilla 1980, S. 30. »
  19. Siebrecht 2006, S. 119–139; Moos 2006, S. 141–143; Springer 2004, S. 52 f. mit Anm. 35, Zitationsvermerk im Text nicht angezeigt; Siebrecht 2002 e, S. 41–49; Militzer/Przybilla 1980, S. 21. »
  20. Zur Stadtwerdung und den Marktrechten MGH DLK Nr. 15 S. 118 f., DO III, Nr. 55 S. 460 f., DH IV, Nr. 108 S. 142 f., DH IV, Nr. 203 S. 260 f.; UBHH Bd. 1, Nr. 5 S. 2 f., Nr. 50 S. 36 f., Nr. 92 S. 67 f.; UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 2 S. 1 f., Nr. 3 S. 2 f., Nr. 4 S. 3 f.; Nr. 5 S. 4 f.; siehe dazu auch Militzer/Przybilla 1980, S. 36–52. Zum Marktprivileg auch Wittek 2002, S. 77–81 mit Abb. 34. Zur Entwicklung des Marktes auch Siebrecht 2002 f, S. 84 f. »
  21. Siehe Wichart 2002, S. 255–261; Siebrecht 2002 h, S. 249–254; Siebrecht 2002 i, S. 254 und unten zu den jeweiligen Institutionen unten Kapitel 2.2.3., 2.2.4., 2.2.5. »
  22. MGH SS XXIII, S. 96; Fitz 2003, S. 25; Boettcher 1913, S. 28, 42–44. »
  23. UBHH Bd. 1, Nr. 287 S. 257 f.; MGH SS XXIII, S. 108 f.; Fitz 2003, S. 25 f.; Puhle 1995, S. 152 f.; Wichmann war jedoch nie, wie Puhle schreibt, Bischof von Halberstadt gewesen, sondern dort erzogen und später Propst von St. Paul und Dompropst; zum Bischof ist er dann in Naumburg erhoben worden; LexMA Bd. 9, Sp. 60–62 (J[oachim] Ehlers); Boettcher 1913, S. 65–69. »
  24. UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 7 S. 9; Siebrecht 2002 j, S. 236; die Vermutung von Franz Schrader, daß schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts die Martinikirche als Marktkirche existierte, läßt sich nicht beweisen, ist aber wahrscheinlich, denn nach der Verleihung des Marktprivilegs 989 war ein Markt auch eingerichtet und in einem Privileg für Quedlinburg 994 erwähnt worden; gewiß war dann auch alsbald eine Marktkirche gegründet worden; siehe Schrader 1989, S. 53 f.; Militzer/Przybilla 1980, S. 22; Schlesinger 1975, S. 279 f. »
  25. Fitz 2003, S. 25 und 26 und unten. »
  26. Militzer/Przybilla 1980, S. 52. »
  27. Ebd., S. 53. UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 16 S. 18. »
  28. Die Befestigunganlagen der Vogtei gehörten jedoch nicht, wie der Ring um Alt- und Neustadt, der Stadtgemeinde sondern den Bewohnern; Militzer/Przybilla 1980, S. 53. Herzog 1964, S. 35 mit Anm. 33 sieht die Stadtbefestigung schon 1208 vollendet. Vermutlich hatten aber auch das Domkapitel als überzeitliche Vertretung des Bischofs als Stadtherrn und das Liebfrauenstift aufgrund Besitzes nahe der Stadtmauer den Mauerbau gefördert, wie eine verlorengegangene Inschrift am Grabdenkmal für Johannes Semeca (Zemeke) zu deuten ist, die dem berühmten Rechtsgelehrten und sukzessive Domscholaster, Domdekan und schließlich Dompropst, den Mauerbau und ihre Versorgung zuschreibt, die er vielleicht als Propst des Liebfrauenstiftes getätigt hatte; vgl. DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 114 (†). Einen etwas anderen Verlauf der Einhegung der Stadt gibt Arndt 1910 a, S. 11–18. »
  29. Militzer/Przybilla 1980, S. 65: „Der Mauerbau kann also in seiner Bedeutung für die Entwicklung der Stadt Halberstadt kaum überschätzt werden.“ Ebd., S. 57: „Der Mauerbau veränderte das Recht.“ Ebd., S. 178: „In Halberstadt ist recht deutlich zu erkennen, wie der Mauerbau die Einführung der Ratsverfassung begünstigt und gefördert hat.“ »
  30. Ebd., S. 65. »
  31. Fitz 2003, S. 27. »
  32. Ebd., S. 27 f.; DI 75 (Halberstadt Dom), S. XVIII und Nr. 44»
  33. Fitz 2003, S. 28. »
  34. UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 46 S. 51; BKD, S. 181 f., 451–459; Herzog 1964, S. 35; Militzer/Przybilla 1980, S. 59 f.; Igel 2006, S. 494 f. »
  35. BKD, S. 451 als Rat- und Spielhaus bezeichnet; nach Igel 2006, S. 494 fungierte es „zugleich auch als Marktgebäude“. »
  36. Herzog 1964, S. 35 setzt die Bauzeit des Neuen Rathauses genau für die inschriftlich belegte Zeit zwischen 1381 und 1398 an. »
  37. Siehe zum Hilariusmahl Wittek 2004. »
  38. Grieme 2004, S. 185–210; Scholz 1999, S. 90–93; Ehbrecht 1996 Bd. 1, S. 322–337. »
  39. Fitz 2003, S. 28 f.; Wittek 1994, S. 551–593; zu den Halberstädter Handelsverbindungen Militzer/Przybilla 1980, S. 156–176, 178 f. »
  40. Fitz 2003, S. 29; siehe auch die Biographien der Halberstädter Bischöfe des 15. Jahrhunderts bei Gatz 2001, S. 227– 230, Gatz 1996, S. 735 f., 321 f. »
  41. Ernst von Sachsen sowie Albrecht, Johann Albrecht, Friedrich und Sigismund, alle aus dem Geschlecht der Brandenburger Kurfürsten; siehe Gatz 1996, S. 13–16, 337 f., 202, 665; Hartmann 2006, S. 9–17. »
  42. Vogler 1991, S. 179–195; Schrader 1977, S. 24–28. »
  43. Fuhrmann 2006 b, S. 257, 268; Fitz 2003, S. 30 mit Anm. 97; Langenbeck 1886, S. 12–33, 70; Schrader 1972; Schrader 1977, S. 29–54. »
  44. Scholz 2006, S. 629–642; Langenbeck 1886, S. 71–129; Opel 1869. »
  45. DI 75 (Halberstadt Dom), S. XXI f. »
  46. Siehe z. B. die Grundsteinlegung für die Moritzkirche in Halle am 12. und 13. April 1388; Bartusch 1998, S. 83 f. Nr. 1 und 2 sowie S. 90–103; siehe auch unten Kapitel 6. »
  47. Zu vermerken ist, daß das in Nr. 83 behandelte Gebäude bis 1806 als Ratswaage gedient hat. »
  48. Militzer/Przybilla 1980, S. 19 f., 30, 41. »
  49. Opel 1891, passim; Opel 1866, passim; Jacobs 1897, passim; Boettcher 1914, S. 81–103, 161–196; Schrader 1972. »
  50. Wagner 1905, S. 161–213; Westphal 1991, S. 46; Tullner 2008, S. 44. »
  51. Fitz 2003, S. 30; Elis 1857, S. 43. »
  52. Fitz 2003, S. 30; Zschiesche 1895, S. 142. »
  53. Fitz 2003, S. 30; Zschiesche 1895, S. 142. »
  54. Herzberg 1900, S. 27–29; Tullner 2008, S. 55–60. »
  55. Kluge 2008. »
  56. Tullner 2012, S. 31–139. »
  57. Siehe dazu oben bei und mit Anm. 27. »
  58. Wie Anm. 27. Schrader 1989, S. 53 f. schließt aus der Erwähnung der cives forenses im Jahr 1105 auf die gleichzeitige Existenz einer ecclesia forensis und meint, daß schon unter Bf. Burchard II. eine Pfarre St. Martin bestanden habe. Aus der Gleichsetzung von mercatores, die in einer Urkunde Bf. Burchards II. erwähnt werden, und cives forenses in einer Urkunde Bf. Friedrichs von 1105 sowie der Einhegung der Domimmunität, von der wir im Jahr 1018 hören, schließt er auf die Existenz einer Marktkirche vor 1018. Siebrecht 2002 j, S. 235 f. folgt ihm. UB Stadt Halberstadt, Nr. 2 S. 3 f. und Nr. 4, S. 3 f.; MGH SS XXIII, S. 90. Siehe auch Bolze 1993, S. 71 (Horst Scholke); Militzer/Przybilla 1980, S. 22; Schlesinger 1975, S. 279 f. »
  59. BKD, S. 387; Siebrecht 2002 j, S. 236; die Quelle für diese Nachricht konnte nicht verifiziert werden. »
  60. UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 131, 141, 142, 193, 286, 401; weitere ebd., Nr. 416, 440, 665; ebd. Bd. 2, Nr. 1046; vgl. BKD, S. 388. »
  61. BKD, S. 390–394; Dehio Sachsen-Anhalt I, S. 335; Siebrecht 2002 j, S. 238 f. »
  62. UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 336 S. 262, Nr. 557 S. 440 f.; UBHH Bd. 4, Nr. 2651 S. 32; siehe auch oben Anm. 27. »
  63. UB St. Johann, Nr. 514, 515 S. 453–455; Nebe 1880, S. 34. »
  64. BKD, S. 388. »
  65. Siehe zur Fünte aus der Paulskirche DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 33. Siehe auch Kapitel 4.2 und 4.4. »
  66. Zu dem Ensemble im Dom DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 97 †, 99 †, 95»
  67. Zum Verzicht siehe UB St. Johann, Nr. 509 S. 447–449, Nr. 514, 515 S. 453–455; zur Durchsetzung der Reformation Scholz 2006, S. 636 f.; Nebe 1880, S. 34. »
  68. BKD, S. 401–403. »
  69. Nach BKD, S. 409. »
  70. BKD, S. 388. »
  71. Kluge 2008; Bolze 1993, S. 93–157. »
  72. MGH SS XXIII, S. 92 ohne einen Hinweis auf die zeitliche Eingrenzung des Geschehens; vgl. Siebrecht 2002 g, S. 209 „1015“; Mülverstedt 1879, S. 581 „und zuerst 1015 ... geweiht“; Mülverstedt 1871, S. 409 „der die erste Einweihung 1005 vollzog und bis 1020 fortbaute“; so schon Niemann 1824, S. 46; Nieter 1812, S. 27. Die Zeitangaben lassen sich nirgends verifizieren; der von Siebrecht angegebene Literaturverweis auf Mülverstedt 1879 führt zu einer Literaturangabe Mülverstedts, der sich selbst in der Harz-Zeitschrift 1871, S. 409 ff. zitiert, Seiten, die in der zitierten Ausgabe der Zeitschrift keinen Hinweis auf die Quelle seiner Behauptung enthalten. Elis 1886, S. 3 setzt den Baubeginn „wahrscheinlich 1005“ an. Siehe zum Gründungszeitpunkt jetzt auch Huschner 2014, der nachweist, daß es sich offensichtlich um eine Kompensation für die Anerkennung der Wiedereinrichtung des Bistums Merseburg durch Arnulf handelt, die er exakt ein Jahr zuvor akzeptiert hatte. »
  73. Siebrecht 2002 g, S. 209; Doering 1899, S. 121–123. »
  74. MGH SS XXIII, S. 92. »
  75. Siehe jedoch auch DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 115»
  76. So schon Siebrecht 2000, S. 10 mit Anm. 8. Zu den Ausgrabungen Leopold 1997 b, S. 172–184; Doering 1899, S. 121–123; zur Stiftung Scholke 2004, S. 58–60; Siebrecht 2002 g, S. 208 f.; Dehio Sachsen-Anhalt I, S. 328; Leopold 1997 b, S. 172 f.; Findeisen 1996, S. 14 f.; BKD, S. 314; Elis 1886, S. 2–12; Mülverstedt 1871, S. 409–412; Lucanus 1848, S. 12; Lucanus 1805, S. 58; Lenz 1749, S. 49; alles wohl nach Winnigstedt, s. Abel 1732, S. 299. Weitere Belege waren nicht zu ermitteln. »
  77. MGH SS XXIII S. 101. Elis 1886, S. 4 stellt ebenfalls eine Beziehung zu dem Begräbnis in der Kirche her: „den man in Folge dessen wohl als den besonderen Wohltäter der Kirche bezeichnet hat, der vielleicht für die Möglichkeit eines Neubaues sorgte.“ »
  78. MGH SS XXIII, S. 107, 16; nach dem Nekrolog der Liebfrauenkirche, aus dem 12. oder 13. Jahrhundert soll er die Kirche am 11. Oktober 1146 geweiht haben (V. Idus Octobris Gorgonius martyr – Dedicatio ecclesie sancte Marie quam fecit Rodolphus episcopus M. C. XL. VI. Hanc renovavit); Zitat nach: Elis 1886, S. 4 Anm. 3. Verwirrend ist, daß der Festtag des Hl. Gorgonius am 9. September gefeiert wurde und gleichzeitig nach dem Halberstädter Festkalender an diesem Tag auch die Dedicatio ecclesiae Mariae begangen wurde. Da die 5. Iden des September aber auf den 9. dieses Monats fallen, dürfte dieser Tag als Weihedatum wohl wahrscheinlicher sein; vgl. Grotefend 1892 Bd. 2, S. 92. Eine von Nickel 1988, S. 4 angegebene Weihenachricht von 1145 war nicht zu eruieren. »
  79. MGH SS XXIII, S. 107. »
  80. Vgl. DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 114 (†) bei und mit Anm. 25; Neugebauer/Brandl 2012, S. 49 f. zum Grabmal der Königin Editha im Magdeburger Dom. »
  81. Siehe oben Kapitel 2.1. bei und mit Anm. 26 und 29. Elis 1886, S. 5 irrt, wenn er glaubt, das Kirchengebäude müsse „wenig gelitten haben“, weil man erst im 13. Jahrhundert größere bauliche Veränderungen vorgenommen habe. Tatsächlich können unter den Obergadenausmalungen des Kirchenschiffs noch heute Brandspuren festgestellt werden; freundlicher Hinweis von Dipl. Restauratorin Stefanie Fischer, Schildow. Bf. Volrad nennt die Kirche in einer Urkunde von 1268 noch „rapinis et incendiis multipliciter vexaretur“; UBHH Bd. 2, Nr. 1198 S. 340 f. »
  82. Siehe auch Rüber-Schütte 2005, S. 139 und oben Kapitel 2.1. bei und mit Anm. 26 und 29. »
  83. Zu den Grabungsergebnissen Siebrecht 1989, S. 29–37. »
  84. RI IV, 3, Nr. 205 S. 84 f.; gedruckt bei Lucanus 1805, S. 59 f. Anm. b (fehlerhaft). Im Jahr darauf bestätigte Papst Coelestin III. diese Urkunde; Pflugk-Harttung 1881, Nr. 423. Einige Bestimmungen hatte schon Bischof Dietrich dem Stift 1184 gewährt; vgl. UBHH Bd. 1, Nr. 301 S. 268 f. »
  85. Zuletzt dazu Hohmann 2000, bes. S. 127 f. »
  86. LHASA Magdeburg, MS 322, Nr. 85 (vor 1259), 94 (1266), 107 (1270); Krause 1997 a, S. 126–143; Krause 1997 b, S. 455–494; Mülverstedt 1879, S. 576–599. »
  87. Siehe dazu DI 75 (Halberstadt Dom), S. XXII f. und Nr. 27, 37, 21 sowie die Halberstädter Sitzmadonna, Der heilige Schatz 2008, Nr. 97 S. 330 f. »
  88. LHASA Magdeburg, MS 322, Nr. 58 (1245), 62 (1247), 64 (1248), 76 (1252), 108 (1270), 117 (1272), 123 (1274), 151 (undatiert, um 1285), 162 (1289), 181 (1284); siehe auch DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 27; Magin 2011, S. 102 f. mit Abb. 1; BKD, S. 315; Elis 1886, S. 5 mit Anm. 1. »
  89. Peter 2003/2004, S. 2–4, 9–26, besonders 19–21. Zu diesen Glocken auch Mülverstedt 1871, S. 410 mit Anm. 7; BKD, S. 317. »
  90. Peter 2003/2004, S. 3, 19 f. »
  91. Ebd., S. 4, 21. »
  92. Ebd., S. 20. »
  93. Elis 1886, S. 6; nach BKD, S. 315, 317 und Lucanus 1848, S. 9 soll dieser Chorabschluß erst im Jahr 1552/53 vollendet worden sein, Uta Siebrecht setzt seine Erbauung in die Zeit um 1360; Siebrecht 2002 g, S. 212. Nach der offiziellen Einführung der Reformation mit der ersten protestantischen Predigt am 1. Januar 1604 durch David Müller war hier der Gottesdienstraum für die Katholischen. Vgl. auch Winnigstedt in Abel 1732, S. 429. »
  94. LHASA Magdeburg, Rep. Cop. 468, Film 337 S. 309, zit. nach Siebrecht 2000, S. 17 und 36 sowie Bd. 2 Abb. 32; danach hieß es in einem Kopiarverzeichnis, daß in einem pergamentenen Messbuch der katholischen Kapelle B. M. V. zur Weihe der Barbarakapelle und der Maria Magdalenen und Margaretenkapelle stehe: „A(nn)o d(omi)ni 1345 feria (quar)ta infra (octa)vam Pasche in Honore(m) B(eati) Jacobi Apost(oli) Majory et B(eatae) Barbarae Virg(inis) Capella est dedicata et D(omi)nica quasimodogeniti dedicatio p(er)agit(ur) in hac eadem Capella“ Übersetzung: „Im Jahre des Herrn 1345 am Mittwoch in der Osteroktav (30. März) ist zur Ehre des heiligen Apostels Jacob des Älteren und der heiligen Jungfrau Barbara die Kapelle geweiht worden und am Sonntag Quasimodogeniti (3. April 1345) wird die Weihe in dieser derselben (also: Maria Magdalene und Margreten) Kapelle vollzogen.“ Man hat also entweder wohl 1345 in der Osteroktav gleich zwei Kapellen geweiht oder aber zu einem unbekannten Zeitpunkt war die Weihe der Maria Magdalenen und Margaretenkapelle vollzogen worden oder sollte es noch werden oder aber diese Weihe sollte alljährlich gefeiert werden. »
  95. Elis 1886, S. 7 zum Jahr 1442; zum Stil der Ausstattung Fitz 2003, S. 58–60 hier bes. 59 mit Anm. 221; Lauth 1998, S. 60–63. Nach BKD, S. 318 soll ein Stiftsherr namens Magister Johannes von Gittelde die Kapelle, weiter ein Johann von Wernigerode einen Altar gestiftet haben; das Ganze wird mit den Jahreszahlen 1350, 1351 und 1353 verbunden. Siehe auch BKD, S. 339 f. mit einem zeitlich früheren Ansatz der Gewölbeausmalungen. »
  96. Fitz 2003, S. 59. »
  97. Siehe auch DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 100. Dorthin mögen sie wohl z. Zt. des Königreichs Westphalen auf Befehl des Königs Jérôme gekommen sein, der das zumindest befohlen hatte; vgl. BKD, S. 309. Siehe weiter unten 2.2.6. bei Anm. 219. »
  98. Siehe zu Block und Praetorius auch DI 75 (Halberstadt Dom), S. XXIV»
  99. Siehe dazu auch DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 162, 163, 165, 167, 185, 156»
  100. Mülverstedt 1871, S. 410 mit Anm. 9; BKD, S. 309; Findeisen 1996, S. 12, 17 f.; Siebrecht 2000, S. 18. »
  101. Siebrecht 2000, S. 18; DI 75 (Halberstadt Dom), S. XXII»
  102. BKD, S. 309, 324; Riemann 1983, S. 379 mit Anm. 27; Findeisen 1996, S. 17; Hohmann 2000, S. 16; Siebrecht 2000, S. 18; Siebrecht 2002 g, S. 212 f. »
  103. BKD, S. 309; Siebrecht 2000, S. 18; Siebrecht 2002 g, S. 213. »
  104. Bolze 1993, S. 3–68; Siebrecht 2002 g, S. 213 f. »
  105. Siebrecht 2000, S. 21; Siebrecht 2002 g, S. 214. »
  106. LexMA Bd. 2, Sp. 576 (K[arlotto] Bogumil); MGH SS XXIII, S. 93, ebd. XXXVII, S. 372 f. zu Brantogs Todesjahr 1036; BKD, S. 368 „gegen das Jahr 1030“; Bogumil 1972, S. 114; UB St. Johann, S. 9* „um 1030“; siehe auch Wichart 2002, S. 255; ohne eine genauere Zeitangabe der Stiftung Derling 1748, S. 3 f.; Rätzell 1848, S. 1 „1030“; Mülverstedt 1872, S. 31 „zwischen 1025 und 1030“; „1026“ Winnigstedt in Abel 1732, S. 276. Zur Gesandschaftsreise nach Konstantinopel siehe Wolfram 1992. »
  107. Winnigstedt in Abel 1732, S. 276 f.; Mülverstedt 1872, S. 31; BKD, S. 368; UB St. Johann, S. 9*; Wichart 2002, S. 255 f.; außerhalb der Stadt schreibt Derling 1748, S. 3 f., 12 f. »
  108. MGH SS XXIII, S. 102 f.; Bogumil 1972, S. 115; UB St. Johann, S. 9*; Mülverstedt 1872, S. 31; zu Reinhard siehe auch Averkorn 1997, 3. 8. S. 11–14 bes. S. 14; Wichart 2002, S. 256. »
  109. UB St. Johann, Nr. 11 S. 12–14, Nr. 15 S. 17–19, Nr. 22 S. 26 f., Nr. 36 S. 39–41, Nr. 64 S. 70–74; s. a. BKD, S. 368 f. »
  110. Mülverstedt 1872, S. 34; BKD, S. 369. »
  111. UB St. Johann, Nr. 133 S. 144–146; Bitte um päpstliche Bestätigung 1363 ebd., Nr. 262, 263 S. 275–279; Beilegung eines Streits um die Collation ebd., Nr. 509 S. 447–449. »
  112. UB St. Johann, S. 12*. »
  113. UB St. Johann, S. 13*, Nr. 352 S. 347, Nr. 372 S. 359. »
  114. UB St. Johann, Nr. 509 S. 447–449, Nr. 514 S. 453 f. »
  115. Ebd., Nr. 515 S. 455, Nr. 520 S. 457 f.; BKD, S. 369; Langenbeck 1886, S. 14 ff., 30 ff. »
  116. Nebe 1880, S. 47–55. »
  117. UB St. Johann, Nr. 543 S. 468, Nr. 546 S. 470; ein Brand 1529, wie Mülverstedt 1872, S. 34 und BKD, S. 369 angeben, konnte nicht verifiziert werden. »
  118. Wichart 2002, S. 261; BKD, S. 369. »
  119. Mülverstedt 1872, S. 34; BKD, S. 369; Wichart 2002, S. 261. »
  120. Mülverstedt 1872, S. 34; BKD, S. 369; Wichart 2002, S. 261. »
  121. Derling 1748, S. 74–77 und S. 130–135; Rätzell 1848, S. 17; UB St. Johann, Nr. 594 S. 496 f.; BKD, S. 372. »
  122. Derling 1748, S. 74–77; Rätzell 1848, S. 17; BKD, S. 375; siehe auch unten Kapitel 2.2.3.1. Kirchengemeinde St. Johannes. »
  123. UB St. Johann, Nr. 5 S. 6 f. und Register S. 617. »
  124. Derling 1748, S. 22–54; Rätzell 1848, S. 6 f. »
  125. Derling 1748, S. 55–59; Rätzell 1848, S. 7 ff. »
  126. Nebe 1880, S. 48. »
  127. Derling 1748, S. 60–62; Rätzell 1848, S. 9 f. »
  128. Derling 1748, S. 61 f.; Rätzell 1848, S. 10. »
  129. Derling 1748, S. 62; Rätzell 1848, S. 11. »
  130. Derling 1748, S. 62 f.; Rätzell 1848, S. 12. »
  131. Derling 1748, S. 68–73; Rätzell 1848, S. 14 f. »
  132. Derling 1748, S. 68–73; Rätzell 1848, S. 14 f. »
  133. Ladovius 1648, S. 187, 186 (Sic!); Derling 1748, S. 69–72; Rätzell 1848, S. 14. »
  134. Ladovius 1648, S. 186 (!); Derling 1748, S. 73; Rätzell 1848, S. 15. »
  135. Siehe dazu oben bei und mit Anm. 124, 125; zum Schicksal der Glocke Derling 1748, S. 74 f.; Rätzell 1848, S. 17 f. »
  136. Ladovius 1648, S. 189; Derling 1748, S. 72; Rätzell 1848, S. 20. »
  137. Derling 1748, S. 79–82; Rätzell 1848, S. 21–24, 44 f., 71–100. »
  138. Rätzell 1848, S. 28–33, 48–51. »
  139. Rätzell 1848, S. 37 f. »
  140. MGH SS XXIII, S. 93; der Annalista Saxo zum Todesjahr des Stifters 1036, ebd. XXXVII, S. 372 f., ebenso die Annales Magdeburgenses, MGH SS XVI, S. 170. »
  141. Mülverstedt 1872, S. 25 mit Anm. 1; UB S. Bonifacii et S. Pauli, S. IX f. »
  142. Ebd., S. X. »
  143. Ebd., S. X f. »
  144. Ebd., S. XII f.; Mülverstedt 1872, S. 25. »
  145. UB S. Bonifacii et S. Pauli, S. XIII. »
  146. Ebd., Nr. 28, 29 S. 26–28 und S. XII; BKD, S. 375; Siebrecht 2002 h, S. 250. »
  147. UB S. Bonifacii et S. Paulii, Nr. 32–34 S. 30 und S. XII; Mülverstedt 1872, S. 26; der Umzug „1237 oder 1238“ BKD, S. 375. »
  148. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 37, 42, 46, 47, 48a S. 31, 34, 36 f.; 38; der Ablaß des Kölner Erzbischofs Nr. 42 mit unkorrektem Datum, in Köln wurde der Osterstil beachtet; siehe REK III, 1, Nr. 1570 und Fuhrmann 2000, S. 116–118 und S. 551. Die Ablässe mehrten sich in der Folgezeit. Siehe zu den Ablässen hauptsächlich für Bau und Bauunterhaltung auch BKD, S. 379. »
  149. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 39 S. 32. »
  150. Ebd. Nr. 87 S. 64 f. »
  151. UB Halberstadt Bd. 1, Nr. 341 S. 265 f.; BKD, S. 375. »
  152. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 152, 170, 182 S. 117 f., 131 f., 187 f. »
  153. Ebd., Nr. 177, 187, 322 S. 134 f., 141 f., 188; BKD, S. 376. »
  154. UBHH Bd. 2, Nr. 833 S. 116 f.; UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 187a, 203 S. 142, 150; BKD, S. 376. »
  155. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 186, 189 S. 140 f., 143 f.; 1368 heißt es: „presertim cum urgens necessitas aut evidens utilitas id exposcat“, in der letzten Urkunde heißt es 1369 dann wörtlich: „sed urgente necessitate mortalitatis et pestilentie et presertim propter defectus canonicorum protunc morientium cultus divinus compleri non poterat“. »
  156. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 324a S. 192 f. »
  157. Ebd., Nr. 263, 267, 272 S. 169–171, 172–174, 175. »
  158. Ebd., Nr. 357 S. 202. »
  159. Ebd., Nr. 393 S. 213, »
  160. Ebd., S. XXIII; Nebe 1880, S. 41–43. Nach BKD, S. 376 soll der erste evangelische Pfarrer 1540 in die Moritzkirche eingeführt worden sein, UB S. Bonifacii et S. Pauli, Register 594 nennt M. Matthias Georgius Schwein für das Jahr 1553? »
  161. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 496 S. 241. »
  162. Ebd., Nr. 490, 497 S. 238–241. »
  163. Ebd., S. XV. »
  164. Ebd., S. XIX. »
  165. Ebd. S. XIX Anm. 2. »
  166. Mülverstedt 1872, S. 27; UB S. Bonifacii et S. Pauli, S. XXV; BKD, S. 376; Siebrecht 2002 h, S. 251. »
  167. BKD, S. 380; Siebrecht 2002 h, S. 251. »
  168. MGH SS XXIII, S. 101 ohne zeitliche Angabe; MGH SS XXXVII, S. 418 zu 1071; UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 2 S. 293, Nr. 212 S. 465 mit der Nennung der Erzbischöfe Gebhard von Salzburg (1060–1090), Hartwig von Magdeburg (1079–1102) und der Bischöfe Hartwig von Verden (1085–1097) und Werner von Merseburg (1073–1093). Die Schnittmenge ihrer Pontifikatszeiten mit dem Lebensende von Burchard II. († 1088) ergibt, daß die Gründung zwischen 1085 und 1088 stattgefunden haben muß. Mülverstedt 1872, S. 27 „um 1083“, BKD, S. 356 „1083 oder 1085“, Siebrecht 2002 i, S. 245 „1083/1085“. »
  169. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 2 S. 292. »
  170. Ebd., S. XXVII und Nr. 2 S. 293 „templum inconsecratum reliquit“. »
  171. Ebd., Nr. 2, S. 293 und S. XXVIII. »
  172. Ebd., Nr. 8 S. 201 und S. XXX; auch Nr. 115 S. 392 f. von 1334; Mülverstedt 1872, S. 29. »
  173. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 8. S. 301 »
  174. Ebd., Nr. 9 S. 301 f. und S. XXX. »
  175. Ebd.; das Dekanat war 1425 eingerichter worden ebd., Nr. 173 S. 443 f.; Nr. 355 S. 516 durch Papst Julius II. 1506; zu den Rechten des Propstes entscheidet Papst Alexander VIII. 1496; ebd., Nr. 338 S. 511 f. »
  176. Ebd., Nr. 20 S. 308 f., Nr. 25 S. 312 f., Nr. 63 S. 345–347, Nr. 74 S. 355. »
  177. Ebd., Nr. 75 S. 356 f.; 1390 für Bauanglegenheiten ebd., Nr. 148 S. 424; BKD, S. 358. »
  178. DI 75 (Halberstadt Dom), Nr. 33. Siehe dazu auch im Katalog Nr. 5»
  179. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 114 S. 392, Nr. 133 S. 412 f.; Nr. 190 S. 458. »
  180. Ebd., Nr. 127 S. 403, Nr. 144 S. 421; BKD, S. 359; Siebrecht 2002 i, S. 246. »
  181. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 128 S. 404–407 bes. S. 404: „et pro divini cultu aucmentando, qui proch dolor hucusque ibidem in multis claudicabat“, Nr. 129 S. 407 f. zu den Memoriengeldern, Nr. 136 S. 414–416 zu Pflichten und Rechten der Diacone und Subdiacone. »
  182. Ebd., Nr. 221 S. 473. Der berühmte Humanist Enea Silvio Piccolomini (1405–1464), der 1458 als Pius II. sein päpstliches Amt antrat, hatte 1454 Deutschland besucht und seine Eindrücke auch über Halberstadt in seiner Historia de Europa niedergeschrieben; Piccolomini 1609, S. 286. Siehe zu ihm auch Enzyklopädie der Renaissance, S. 418. »
  183. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 357 S. 517. »
  184. Ebd., Nr. 366 S. 519 f. »
  185. Ebd., Nr. 379 S. 523, Nr. 382 S. 524. »
  186. Ebd., Nr. 395 S. 527 f. »
  187. Ebd., Nr. 462 S. 545 f.; zu Johann Friedrich I. von Sachsen Enzyklopädie der Renaissance, S. 242. »
  188. UB S. Bonifacii et S. Pauli, Nr. 469a S. 548, Nr. 487a S. 552; zum Jahr 1661 ebd. Nr. 517 S. 563; zum Jahr 1702 Nr. 527 S. 569 f.; Nebe 1880, S. 39–41 auch zum Folgenden. »
  189. UB S. bonifacii et S. Pauli, Nr. 477 S. 549 f. »
  190. Ebd., Nr. 509 S. 560. »
  191. Ebd., Nr. 513a S. 561. »
  192. Ebd., Nr. 524 S. 565–567. »
  193. Mülverstedt 1872, S. 28; BKD, S. 358. »
  194. Ebd. »
  195. Siebrecht 2002 i, S. 247. »
  196. Ebd. »
  197. Siehe oben bei und mit Anm. 181. »
  198. Todenhöfer 2010, S. 72; so auch Ulpts 1997, S. 220. »
  199. Ulpts 1997, S. 216; danach Todenhöfer 2010, S. 78; Arnrich 2002 a, S. 276. »
  200. Ulpts 1997, S. 216 mit Anm. 24, danach Todenhöfer 2010, S. 78; die Stelle, die von beiden lokalisiert wird „wo später die Kommisse stand“, ist jedoch nicht dieser Platz, sondern etwas weiter östlich „da anitzo des Raths Weinkeller ist“; siehe Winnigstedt bei Abel 1732, S. 352. »
  201. Ulpts 1997, S. 217 f.; Todenhöfer 2010, S. 78; Arnrich 2002 a, S. 276. Die Zählung der Regensteiner Grafen ist sehr unsicher. Schwennicke Europäische Stammtafeln Bd. XVII, Taf. 117 versieht offensichtlich nur die regierenden Mitglieder der Familie mit Ordnungszahlen. In den von Schmidt edierten Urkundenbüchern und danach wohl in den darauf fußenden Publikationen wurden sämtliche namensgleichen Personen durchgezählt. Hier werden nach Arnrich 1996, S. 5 der Ältere und der Jüngere Graf des Hauses unterschieden, in Klammern gefolgt von den Ordnungszahlen nach Schmidt 1889, S. 17 f. und 27 f. so auch Todenhöfer; Ulpts zählt wie die Halberstädter Urkundenbücher, ebenfalls von Schmidt herausgegeben, aber vor der genealogischen Untersuchung, je eine Einheit niedriger. »
  202. Ulpts 1997, S. 218; Todenhöfer 2010, S. 78. »
  203. UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 190, 231 S. 152 f., 182 f.; siehe auch Ulpts 1997, S. 218 f.; Todenhöfer 2010, S. 78; Arnrich 2002 a, S. 276 f. »
  204. Ulpts 1997, S. 219; Todenhöfer 2010, S. 78; Arnrich 2002 a, S. 277. »
  205. Ulpts 1997, S. 219; Todenhöfer 2010, S. 78; Arnrich 2002 a, S. 277; siehe auch BKD, S. 410. »
  206. Dort heißt es: „... et ecclesiam ex lapide quadro ... fundavit“. Siehe unten Kap. 6; so auch Todenhöfer 2010, S. 78; BKD, S. 418–421. »
  207. Todenhöfer 2010, S. 78; Dehio Sachsen-Anhalt I, S. 338 nennt „um 1330“. Das Begräbnis könnte aber auch erst drei Jahre später stattgefunden haben, wie auf der Grabplatte zu lesen ist. Möglich ist, daß der Graf schon länger tot war, als er dann in der 1314 fertiggestellten Kirche begraben worden ist. Siehe unten Kapitel 6. »
  208. Arnrich 2002 b, S. 283 f.; Todenhöfer 2010, S. 78. »
  209. Ulpts 1997, S. 219 f.; Todenhöfer 2010, S. 789. »
  210. Ulpts 1997, S. 220 f. »
  211. Ebd. 224–231. Besonders eindrücklich zeigt sich das bestehende Konkurrenzverhältnis bei der Beilegung eines Streites zwischen dem zweiten Pfarrer an St. Martini, Heinrich von der Wort, der sich als novus homo in vicaria, d. h. neu in dieser Funktion bekannte, und den Minoriten. Demnach sollte der Vikar am kommenden Christi Himmelfahrstag und an Pfingsten, wenn die Predigt zuende sei, in Gegenwart der Minoriten und Predigerbrüder vor seinen Pfarrkindern mit lauter Stimme wiederrufen, daß er seinen Pfarrkindern verboten habe, bei Ordensangehörigen zu beichten; UB Stadt Halberstadt Bd. 1, Nr. 203 S. 161 f.; siehe auch Ulpts 1997, S. 228. »
  212. Arnrich 2002 a, S. 278. »
  213. Ulpts 1997, S. 222; danach Arnrich 2002 a, S. 277. »
  214. Ulpts 1997, S. 231–240. »
  215. Siehe unten Kap. 6. »
  216. BKD, S. 309; siehe auch oben bei und mit Anm. 100; zur Madonnenskulptur Arnrich 2002 b, S. 285 mit Abb. 125. »
  217. Halle LDASA, Fotoarchiv, ohne Inventarnummern. »
  218. Ulpts 1997, S. 239 f. »
  219. Ulpts 1997, S. 240, siehe zum Konflikt zwischen Observanten und Konventualen seit dem 15. Jahrundert auch Weigel 2003, S. 32–39; Bredenbals 2003, bes. S. 65–68. »
  220. Ebd., S. 241–243. »
  221. Ebd., S. 243; Mülverstedt 1872, S. 46 f. »
  222. Mülverstedt 1872, S. 47. »
  223. Ebd. »
  224. Arnrich 2002 a, S. 280. »