Die Inschriften des Rhein-Hunsrück-Kreises II

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6. Nicht Aufgenommene Inschriften

Der folgende, keinesfalls vollständige Überblick soll abschließend über diejenigen Inschriften des Bearbeitungsgebietes informieren, die aus unterschiedlichen Gründen113) nicht in den Katalogteil aufgenommen werden konnten. Grundsätzlich blieben solche Texte ausgespart, die auf Papier oder Pergament geschrieben oder in serieller Produktion mit Hilfe von Stempeln, Gußformen bzw. Modeln angefertigt wurden. Ebenfalls nicht aufgenommen wurden diejenigen Inschriften, die erst nach 1689 in das Bearbeitungsgebiet verbracht worden sind.

In der um 1325 von Erzbischof Balduin von Trier erbauten Burg Balduinseck bei Buch wurden 1988 im Obergeschoß der heutigen Ruine figürliche, wohl in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandene Wandmalereien entdeckt114), die sich bedauerlicherweise nur noch sehr fragmentarisch erhalten haben. Es handelt sich um zwei einzelne Köpfe, Hände und zwei geschwungene Spruchbänder, die mit heute nicht mehr lesbaren, in gotischer Minuskel geschriebenen Inschriften versehen waren. Gleiches gilt für die ebenfalls in gotischer Minuskel ausgeführten Inschriften der Wandmalereien in der Nunkirche bei Sargenroth115).

Im Kunstdenkmalinventarband wird eine 1886 eingeschmolzene Glocke aus der katholischen Pfarrkirche St. Luzia in Mastershausen mit folgender Inschrift wiedergegeben: Sancta Lucia Patrona ora pro parochia, Adamus Graf Pastor. Es folgt die in arabischen Ziffern geschriebene unvollständige Jahreszahl 144., die eine Entstehung der Glocke zwischen 1440 und 1449 suggeriert. Laut einer zuverlässigen vollständigen Abschrift im Bistumsarchiv Trier116) ist die Glocke jedoch im Jahr 1744 gegossen worden und trug folgende Inschrift Sancta Lucia Patrona ora pro Parochia Adamus Graf Pastor. Johann Jacob Speck von Kirrweiler goß mich anno 1744.

In der 1870/72 neuerbauten katholischen Pfarrkirche St. Erasmus zu Rheinböllen wird ein mit der Jahreszahl 1 ◦ 5 ◦1 ◦ 2 und fünf gravierten Heiligenfiguren versehener, silbervergoldeter Messkelch mit Sechspassfuß117) verwahrt, der vermutlich anlässlich des Neubaus der Kirche gemeinsam mit anderen vasa sacra von der Unternehmerfamilie Puricelli118) gestiftet worden war. Aufgrund der bislang missverstandenen, in zwei Kreisen um ein Weihekreuz angeordneten Stifterinschrift119), kann davon ausgegangen werden, dass eine sonst unbekannte Franziskanerin namens Elsgin (Elisabeth) diesen Kelch zu Ehren des hl. Georg gestiftet hat. Offen bleibt, um welches Franziskanerinnen-Kloster es sich dabei gehandelt hat; in Frage kämen etwa (aus der näheren Umgebung) das 1781 aufgehobene Kloster Reichklara in Mainz oder das bereits 1553 aufgelöste Klarissen-Kloster Klarenthal bei Wiesbaden120) oder Trierer Konvente.

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Der mit figürlichen Darstellungen geschmückte, im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts entstandene, der „süddeutschen Renaissance“ zugehörige Kelch121), der heute in der katholischen Kirche zu Frankweiler verwahrt wird, trägt im Titulus vier in Kapitalis ausgeführte Buchstaben I N ◦I◦N, die wohl für I N R I stehen sollen.

Der in der katholischen Pfarrkirche St. Markus zu Dommershausen aufgestellte Taufstein mit der Jahreszahl 1681 gehört zwar zu einer kleinen Gruppe gleichartiger Taufsteine (Nrn. 189 und 193), befand sich aber ursprünglich in der katholischen Pfarrkirche St. Maximin in Lütz (Lkrs. Cochem-Zell) und wurde dort anlässlich des Neubaus der Kirche im Jahr 1750 durch einen neuen ersetzt122).

  1. Vgl. oben Kap. 1. »
  2. Vgl. dazu Boos, Narrenbildnis pass. »
  3. Vgl. dazu Wagner, Ravengiersburg und Nunkirche 18ff. »
  4. BAT Abt. 122, Nr. 15 fol. 320r»
  5. Vgl. dazu und zum Folgenden Kdm. Rhein-Hunsrück 1, 815. – Der Kelch wird bei erstmals im 1847 zusammengestellten Inventar erwähnt (BAT Abt. 122 Nr. 12 fol. 19v „Kelch mit silberner Kuppa von 1512“), nicht aber bei Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 671. »
  6. Vgl. dazu Ronig, Puricelli 78ff. »
  7. Laut Kdm. Rhein-Hunsrück 1, 815 ist es eine „offenbar neugotische Inschrift, verderbt, wohl nach einem nicht mehr verstandenen alten Text kopiert“. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Kelch insgesamt „um ein ausgezeichnetes, in jedem Einzelteil für das frühe 16. Jahrhundert charakteristisches Werk“ (freundliche Mitteilung von Herrn Prof. Dr. Johann Michael Fritz, Brief vom 30. Oktober 1997), dessen in gotischer Minuskel eingravierte Inschrift ebenfalls völlig unverdächtig ist. Sie lautet: + tzů ◦ diese(m) ◦ kelch ◦ hat geheische(n) ◦ golt ◦ und ◦ silbe(r) ◦ suste(r) ◦ elsgi(n) die ◦ in ◦ grawen ◦ kleydern ◦ zu ◦ sant ◦iorgen ern»
  8. Vgl. dazu Czysz; Klarenthal pass. mit dem interessanten Hinweis S. 221f. (dem hier nicht weiter nachgegangen werden kann), dass der Heiligkreuzaltar der Pfarrkirche zu Rheinböllen seit 1356 diesem Kloster inkorporiert war. »
  9. So Kdm. Rhein-Hunsrück 1, 297. »
  10. Vgl. dazu Pies, Dommershausen 23 und 109. »