Die Inschriften des Doms zu Halberstadt

GESAMMELT UND BEARBEITET VON HANS FUHRMANN UNTER NUTZUNG DER VORARBEITEN VON KARIN IFFERT UND PETER RAMM

Geleitwort von Ernst Schubert

Der Band enthält in 281 Katalognummern die Sammlung der Inschriften des Halberstädter Doms, darunter diejenigen des größten an einer Kirche erhaltenen Domschatzes in Deutschland. Sie spiegeln die Geschichte des Bistums, seiner Bischöfe und des sie tragenden Domkapitels seit dem 9. Jahrhundert sowie die Baugeschichte der gotischen Kirche. Die Geschichte des Halberstädter Bistums und seiner Gründung im frühen 9. Jahrhundert erschließt sich im Rückblick durch Inschriften des 13. bis 16. Jahrhunderts, in deren Mittelpunkt Karl d. Gr. als Gründer und Heiliger steht. Damit begegnete man dem Trauma, das die Errichtung des Erzbistums Magdeburg auf Kosten Halberstadts im 10. Jahrhundert verursacht hatte, und verwies auf das ehrwürdige Alter des eigenen Bistums. Einzigartig sind die romanischen Wirkteppiche des 12. Jahrhunderts, die ältesten erhaltenen ihrer Art. Ihre Inschriften vermitteln das Weltbild des Domklerus und seine theologischen Hintergründe. Die Schwerpunkte der kommentierten Edition liegen neben den für Kirchen üblichen Inschriften des Totengedenkens, der mittelalterlichen Glocken, des Gebäudes und seiner Ausstattung insbesondere in der umfangreichen Überlieferung an Glasmalereien und im Domschatz, der unschätzbare Kunstwerke byzantinischer und niedersächsischer Herkunft enthält. Durch die Teilnahme des Halberstädter Bischofs Konrad von Krosigk (1201 – 1208, † 1225) am Vierten Kreuzzug und an der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 gelangten viele einzigartige Goldschmiede-, Email- und Elfenbeinarbeiten nach Halberstadt. Sie wiesen als Reliquiare bereits griechische Inschriften auf oder sie wurden anschließend unter Anbringung neuer lateinischer Inschriften zu solchen umgearbeitet. Die Kirchenausstattung, die in der Folge des gotischen Domneubaus seit dem 13. Jahrhundert nach und nach angeschafft wurde, bietet in Glasfenstern und Wandmalereien, an Altarretabeln und Skulpturen, Glocken und liturgischem Gerät zahlreiche Inschriften. Eine reiche Paramentensammlung erstreckt sich über die mittelalterlichen Epochen. Häufig geben die Inschriften durch die Aufnahme von liturgischen Texten oder Zitaten christlicher Autoren Erläuterungen und Reflexionen theologischer oder typologischer Sachverhalte. Da der Dom als Begräbnisstätte des Klerus diente, sind viele Grabmonumente erhalten, die Inschriften aufweisen, um so das Gedächtnis der Toten zu bewahren und das liturgische Gedenken zu erleichtern. Die Inschriften der frühen Neuzeit zeichnen die späte und sanfte Reformation des Halberstädter Doms nach. So lassen sich die Reformation des Domes und die Existenz als gemischtkonfessionelles Domkapitel mit gegenseitiger Duldung der Konfessionen in Inschriften belegen. In diesem Geiste der Toleranz scheint die Wurzel für die Erhaltung der Halberstädter Kunstschätze zu liegen, die zu den bedeutendsten Europas gehören.

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Hinweis: Die Einleitungen und das Literaturverzeichnis sind jeweils mittels eines persistenten Identifikators (URN) zitierfähig. Den Zitationshinweis finden Sie jeweils am Ende eines Kapiteltextes bzw. des Literaturverzeichnisses.

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Der Inschriftenband

Die Inschriften des Doms zu Halberstadt

Die Inschriften des Doms zu Halberstadt
Band 75 der Reihe „Die Deutschen Inschriften“. Gesammelt und bearbeitet von Hans Fuhrmann. Wiesbaden 2009. ISBN 978-3-89500-641-8

Reichert-Verlag