Die Inschriften des Doms zu Halberstadt

Hinweis: Diese Einleitung enthält Abweichungen gegenüber der Druckfassung. Alle Von-Bis-Angaben bei Verweisen auf Katalognummern (z. B. Nr. 213223) wurden aus Referenzierungsgründen zu kommaseparierten Listen aufgelöst.

4. Inschriften und Inschriftenträger

4.1. Inschriften des Totengedenkens

Zu den Grundlagen mittelalterlichen Denkens und Handelns gehört die Memoria als Vergegenwärtigung des Vergangenen.102) Im liturgischen Totengedenken war durch Nennung des Namens, durch das Grab, mitunter durch ein Bildnis geschmückt bzw. in seiner Nähe oder auch andernorts aufgestellt, durch das angebrachte Wappen der Verstorbene – auch im rechtlichen und sozialen Sinne – anwesend.103) Durch Gebet und Gedenken war es den (Über)Lebenden möglich, die Sündenschuld der Toten zu mindern und durch Stiftungen Vorsorge für das eigene Seelenheil zu treffen. Schriftliche Aufzeichnungen in Form von Memorialbüchern und Nekrologien sowie die aus den Stiftungen fließenden Gelder für die Lebenden sicherten die rituellen liturgischen Handlungen.

Die 65 Inschriften des Totengedenkens machen etwa 23 Prozent des Gesamtbestandes an Inschriften im Halberstädter Dom aus; 13 von ihnen (fast 5 Prozent) sind nur kopial überliefert. Dazu zählen sieben der zehn ältesten inschriftlich überlieferten Grabdenkmale des Domes, die hauptsächlich [Druckseite XXVII] aus dem 15. Jahrhundert stammten. Weiter fehlen bei Ensembles des Totengedenkens, die jeweils aus Grabplatte und dabei angebrachtem Epitaph bestanden, drei Epitaphien, wahrscheinlich weil sie aus Holz waren, das im 19. Jahrhundert gerne verkauft wurde. Für diese Denkmale läßt sich nur noch ihr Text, nicht mehr jedoch ihre Gestalt bestimmen. Der vorhandene Bestand stimmt ungefähr mit den Totendenkmalen überein, die uns der Domküster Conrad Matthias Haber schon im Jahr 1728 in seinem „Domführer“ überliefert, so daß nur von wenigen seither verlorenen auszugehen ist.104) Fünf Denkmale, die Haber noch gesehen hatte, fehlen heute und müssen seither „Modernisierungen“ zum Opfer gefallen sein. Einige Grabmale waren aufgrund baulicher Veränderungen, während derer sie überdeckt worden waren oder weil sie selbst Abdeckungen hatten, Haber nicht bekannt geworden. Etliche Grabplatten hatten sich im Kreuzgang bzw. Kreuzgarten befunden. Diese hat Haber zwar nach eigener Aussage dokumentiert, allein die Aufzeichnungen sind spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verschollen.105) Ein weiterer Zeuge, Julius Karl Adolf Graf von Oeynhausen, nennt jedoch noch sieben weitere, auch Haber nicht bekannte Grabdenkmale, die er allerdings selbst auch nicht mehr gesehen haben kann.106) Offensichtlich war ihm eine Quelle zugänglich, die Teile des Doms außerhalb des von Haber beschriebenen Gebäudes, etwa im Kreuzgang, schilderte, oder er hat – weniger wahrscheinlich – auf Aufzeichnungen zurückgreifen können, die älteren Datums waren als Habers Texte.

Bei großflächigen Ausgrabungen, die zwischen 1952 und 1954 im Halberstädter Dom stattfanden, entdeckte man unter einer großen Anzahl von Särgen und Grabkisten im Boden von Langhaus und Chor nur einen einzigen Sarkophag, der eine Inschrift trug.107) Diese Sargkiste des Bischofs Bernhard (923–968) steht heute in einer Vertiefung im Chor. (Nr. 3) In der Art der Grabbezeugungen des 10. Jahrhunderts gibt die Inschrift, die im oberen Drittel der Tumba über ein Vortragekreuz verlaufend zeilenweise eingehauen worden war, nur Todestag, Namen und Titel des Bestatteten sowie einen Hinweis auf den Begräbnisort an. Als nächstälteste erhaltene Hinweise auf Begräbnisstätten sind zwei eingeritzte Inschriften anzusehen, die die Bestattungen zweier bald nach der Fertigstellung des Domchors verstorbener Bischöfe, Albrecht von Wernigerode († 1419) und Johannes von Hoym († 1437), anzeigen. An den beiden Stellen im Chorhaupt, wo sich ihre im 19. Jahrhundert wegen einer Umpflasterung des Bodens zerschlagenen Grabplatten befanden, sieht man ihre Namen in Buchstaben des 15. Jahrhunderts in die Chorwand eingeritzt.108) (Nr. 94) Während des Domneubaus waren vor allem in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Gräber aufgehoben und disloziert worden, die jedoch später wieder zurückverlegt worden sind.109) Einige der ältesten Bischofsgräber des Doms waren nach der Wiedereinbringung in den Chor durch Platten von rotem Marmor bedeckt worden, die jedoch weder Namen noch Sterbedaten oder Texte trugen.110) Einzig die Namen der dort begrabenen Bischöfe hat man – vermutlich für das Totengedenken und die zugehörigen liturgischen Handlungen – um die Zeit der Domweihe 1491 über den Grabstellen und den sie bedeckenden Platten auf die Chorwand gemalt. (Nr. 115) Zu dieser Zeit ist auch ein weiteres Tumbengrab entstanden. Es wurde vermutlich nach Wiederaufhebung einer vorübergehenden Grabstelle während der Bauarbeiten im Chor – ebenfalls um 1491 oder vorher – an derselben Stelle im Kirchengebäude, an der sich das ursprüngliche Grab befunden hatte, errichtet. (Nr. 114(†)) Es ist Begräbnisstätte und dient dem Gedenken an den 1245 verstorbenen Johannes Teutonicus (Zemeke), den ersten großen Rechtsgelehrten des Mittelalters deutscher Herkunft. Seit etwa 1220 war er in verschiedenen geistlichen Funktionen in Halberstadt tätig und hat sein Leben dort als Dompropst geendet. Die Tumba zeigt, einem Gelehrten angemessen, die vier Fakultäten als Trauernde und als Sinnbild der schöpferischen Einsamkeit und notwendiger Erholungspausen eines Gelehrtenlebens einen an seinen Tatzen schleckenden Bären. Bedeutung und Sinn dieses Zeichens gehen aus Inscriptio und Subscriptio des gleichen Bildes in der Symbolorum et Emblematum … Centuria Altera bei Joachim Camerarius hervor.111) Die Inschrift – älter als das Grabdenkmal – gibt in vier Hexametern mit mehrfachem Binnenreim das Totenlob des Gelehrten und Geehrten wieder.

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Nur im Formular auf uns gekommen, ohne daß wir wissen, wie die Grabdenkmale beschaffen waren, sind dreizehn Inschriften.112) Die Inschriften an den Grabmälern von fünf Bischöfen, drei Prälaten bzw. Domherrn und einem Stiftshauptmann nannten meistens Todestag, Namen und Titel des Verstorbenen und enthielten einen Segenswunsch. (Nr. 50 †, 75 †, 76 †, 85 †, 86 †, 98 †, 199 †, 234 †, 258 †) Drei Inschriften untergegangener Epitaphien nehmen den Sterbevermerk der Grabplatte wieder auf und fügen ein versifiziertes Trostgedicht oder ein Totenlob hinzu. (Nr. 204 †, 210 †, 227 †) Eine weitere Inschrift aus dem Jahr 1145/46, die älteste der kopial überlieferten, deren Ausführung jedoch nicht vollständig gesichert ist, erzählt in zwei leoninisch gereimten elegischen Distichen die Geschichte eines ermordeten Domherrn, der Opfer einer Auseinandersetzung zwischen Kanonikern unterschiedlicher Observanz geworden war.113) (Nr. 9 †)

Eine ungewöhnliche Form des Totenmals bietet ein – leider heute stark zerstörtes – aus Stuck hergestelltes und ehemals in die südliche Kreuzgangwand eingelassenes Denkmal, das die Erinnerung an den 1462 verstorbenen Domcantor Heinrich Thamme bewahrt.114) (Nr. 101) Ob es sich dabei um eine Grabplatte oder ein Epitaph handelt, läßt sich nicht mit Gewißheit sagen. In vier zweisilbig rein gereimten leoninischen Hexametern nennt die Inschrift den Todestag des Verstorbenen, bezeugt seine Grabstelle und drückt die Hoffnung aus, daß er die ewige Seligkeit erlangen möge ohne die Qualen des Fegefeuers ertragen zu müssen.

Die häufigste Form des Grabmals im Halberstädter Dom zeigen die 37 Grabplatten. Von ihnen sind 28 vollkommen in Stein ausgeführt gewesen, neun trugen in Metall gegossene Applikationen, die auch selbst die Form einer Platte annehmen konnten. Letztere sind die älteren überlieferten. Darunter zeigen die beiden ältesten und eine weitere jeweils den unter einem Architekturaufbau stehenden Prälaten im Umriß mit gravierter Innenzeichnung in der typischen Kleidung der Domherren mit Birett, Almutie und Chormantel sowie einem Wappen zu Füßen. (Nr. 107, 160, 192) Die umlaufende Schriftleiste wird in den Ecken und in der Mitte der Längsseite von Medaillons mit den vier Evangelisten, den Apostelfürsten oder den Dompatronen unterbrochen. Seit dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts kommen gegossene Grabplatten im Halberstädter Dom nur noch im Reliefguß vor. Sie sind bis auf eine, deren Herkunft aus den Vischer’schen Werkstätten in Nürnberg durch Vergleich nachweisbar ist, alle signiert und stammen aus den regionalen Werkstätten von Hans Meisner und Hans Wilken aus Braunschweig sowie Georg Wolgast aus Halle. (Nr. 184, 203, 215, 222, 225, 248) Die Aufteilung der Platten und ihre Darstellungen bleiben ungefähr gleich. Die gravierten oder gegossenen Inschriften nennen außer dem Datum des Todes den Namen, die Würden des Verstorbenen sowie oft einen Segenswunsch, eventuell den Bestattungsort und – wenn vorhanden – eine Stiftung. Die jüngste Inschrift nennt zusätzlich das Alter des Bestatteten.

Die überlieferten steinernen Grabplatten setzen nach der Mitte des 16. Jahrhunderts ein. Zu unterscheiden sind zwei unterschiedliche Grabplattentypen: die Bildgrabplatte mit figürlicher Darstellung und die Wappengrabplatte, die nur das Wappen des oder der Verstorbenen zeigt. Erstere bilden einen Domdignitär unter einem gegliederten Rundbogen in Hochrelief ab, in den Händen fast immer ein Buch haltend, mit etwas reicherer, aber im Prinzip entsprechender Kleidung seines Standes angetan, wie sie auch die metallenen Grabplatten zeigen, oft begleitet von Vanitassymbolik und Ranken- oder Blattornamentik. Die Inschrift ist umlaufend angebracht und setzt sich manchmal auf dargestellten Architekturteilen fort. Neben drei Einzelplatten (Nr. 209, 232, 250) – es handelt sich um die älteste und die jüngste sowie eine beschädigte Bildgrabplatte – lassen sich zwei Werkstätten unterscheiden. Schon an der Form der Gesichter mit hochstehenden Wangenknochen, tiefen Augenhöhlen, sehr gleichmäßig dreieckig geformten Biretten und stark ausgestellten Untergewändern der Dargestellten wie auch an der Behandlung der Vanitassymbole oder Masken an den Sockeln der Pilaster läßt sich die Werkstatt H1, der wir vier zwischen 1587 und 1590 entstandene Grabplatten (Nr. 224, 228, 229, 230) verdanken, bestimmen. Sie läßt sich auch an den übereinstimmenden Schriftformen zumindest bei den drei in Kapitalis gehauenen Inschriften erkennen, was die Verschleifungen an den Ziffern 1 und 5 der Jahreszahlen, der links übergreifende rechte Schaft des A und auch die links weit über den Schaft hinausreichenden Bogenenden des D zu erkennen geben. Möglicherweise gehört zu dieser Werkstattgruppe [Druckseite XXIX] auch noch eine weitere Grabplatte (Nr. 226) von 1588. Das Schriftbild stimmt weitgehend überein, aber das Gesicht ist beschädigt, so daß sich die typischen Merkmale hier nicht so deutlich zeigen. Es mag auch sein, daß hier ein anderes Mitglied der Werkstatt H1 arbeitete. Werkstatt H2 (Nr. 235, 246) – die Grabplatten stammen aus den Jahren 1600 und 1601 – ist erkennbar an den schmalen Proportionen der Gesichter, den gerade herabfallenden Untergewändern, an der breiten Stellung der Füße und an dem quergehaltenen Buch. Beide Inschriften sind in Scriptura continua gehauen, weisen häufigen Nexus litterarum und auffallend oval geformtes O auf. Auch das Formular beider Inschriften stimmt überein. Vier weitere Grabplatten aus den Jahren 1641 bis 1644 bedeckten die Gräber im Dreißigjährigen Krieg gefallener Anführer schwedischer Truppen. (Nr. 263, 264, 265, 267) Auch hier ist von der Entstehung von mindestens drei der Grabplatten in ein und derselben Werkstatt (H3) auszugehen, wie aus der Machart (Nr. 264, 265, 267) und in zwei Fällen auch aus der Schrift und dem Formular (Nr. 264, 267) hervorgeht. Drei erhaltene Wappengrabplatten aus den Jahren 1585, 1598 und 1629 weisen keine übereinstimmenden Merkmale auf, abgesehen davon, daß das Wappen entweder die Platte zentral schmückt oder mit den Ahnenwappen vereint ist und die Inschriften nicht mehr als Umschrift, sondern zunehmend zeilenweise angebracht sind. Diese Art der Grabplatten – aus den Jahren zwischen 1641 und 1646 – scheint protestantische Grabbräuche zu spiegeln. Ihre Inschriften sind meistens in deutscher Sprache angebracht. Ist die Grabschrift der Hedwig Elisabeth von Stedern aus dem Jahr 1629 noch verhältnismäßig neutral und das Bekenntnis erschließt sich nur indirekt aus der Nennung ihres Ehemanns, eines Halberstädter Domherrn, so zeigt sich im Jahr 1641 mit der Grabplatte des Domherrn Johannes Georg Vitztum von Eckstedt zum ersten Mal ein neuer Typus. (Nr. 259, 262) Das Formular enthält Name, Titel, Geburts- und Sterbedatum sowie eine oder mehrere Bibelstellen, vielleicht Leichtexte, die während des Begräbnisses zitiert worden waren. In diesem Falle war der lateinische Text einer Rückübersetzung aus der Lutherbibel geschuldet. Mutatis mutandis sind auch die Inschriften des Domherrn von Schachten sowie der Frau Hedwig von Gadenstedt und der Constantina Spiegel zu Pickelsheim als Frau und Tochter von evangelischen Domherren gestaltet. (Nr. 266, 269, 271) Von einer weiteren Wappengrabplatte aus dem Jahr 1648, die vermutlich aus den erhaltenen metallenen Wappen – die nur noch Wappenbeischriften und die Jahreszahl enthalten – und einer steinernen Platte, auf der sie sich befanden, bestanden hatte, läßt sich diesbezüglich heute keine Aussage mehr machen. (Nr. 274)

Insgesamt sieben Epitaphien haben sich erhalten. Abgesehen von einem Bildepitaph auf Leinwand (Nr. 251) handelt es sich dabei ausnahmslos um Steinepitaphien. Drei von ihnen gehören zu Ensembles von Grabplatten und Epitaphien. (Nr. 201/202, 215/216, 248/249) Von den restlichen drei weiß man nur, daß ein Epitaph aus Holz gewesen und wohl deshalb nicht auf uns gekommen ist. (Nr. 203 aus Metall/204 †, Nr. 209/210 †, Nr. 226/227 † die Grabplatten aus Stein) Das älteste erhaltene Epitaph, das sich im Kreuzgang befindet, stammt aus dem Jahr 1553 und erfüllte offensichtlich sowohl Funktionen eines Epitaphs als auch die der Bezeichnung des Grabplatzes, wie aus dem Text des heute verlorenen unteren Teils des Denkmals zu erschließen ist, der sich eindeutig auf den Begräbnisplatz des Bestatteten bezog. (Nr. 200) Weiterhin werden in seinem Bildprogramm zum ersten Mal Hinweise auf die protestantische Konfession im damals noch nicht reformierten Halberstädter Dom erkennbar.115) Während das Ensemble für den verstorbenen, nominell immer noch katholischen Erzbischof von Magdeburg und Administrator von Halberstadt, Friedrich von Brandenburg († 1552), allein durch seine Größenverhältnisse, das künstlerische Programm und dessen Ausführung den Rahmen des Üblichen sprengt, geben auch die beiden anderen die für hohe Würdenträger des Domes mögliche Form des Totengedenkens – verbunden mit dynastischer (Selbst)Darstellung – wieder. Der Architekturaufbau des Epitaphs für Friedrich von Brandenburg (Nr. 201) ragt schon durch seine Größe hervor. Orientiert an Holzschnitten niederländischer Künstler, die als Vorlagen für die Festarchitekturen des Einzuges des Habsburgers Philipp II. (1527–1598) im Jahr 1549 in Antwerpen gedient hatten, erstreckt sich die monumentale Ädikula in fünf Ebenen und ebenso vielen Achsen an und über der südlichen Chorschranke. In der manieristischen Bild- und Formensprache des Bildhauers Hans Schenck gen. Scheußlich entwirft sie das Bild eines evangelischen Christen in einer Welt der Vergeblichkeit und Vergänglichkeit, der sein ganzes Vertrauen in die Erlösungstat Christi setzt, derer er gewiß ist. Gleichzeitig dient das Gedächtnismal der Repräsentation des dynastischen Anspruchs der Brandenburger Kurfürsten. Sowohl Vanitas der Welt als auch Erlösung daraus allein durch Christus werden durch die [Druckseite XXX] vielen, die Architekturteile schmückenden und die Bilder erläuternden Inschriften konkretisiert. In antithetischer Form erläutern sie in lutherischem Sinne die Darstellungen, die das Schema von Gesetz und Gnade mit den Prozeßdramen der Zeit verbinden. Das Grabmal des Erzbischofs versinnbildlicht das Thema des Sieges Christi über den Tod wie eine Erfüllung des Versprechens auf Erlösung, das das Epitaph verheißen hatte. Die umlaufende Inschrift greift die deutsche Sterbeinschrift des Epitaphs ins Lateinische übersetzt noch einmal auf. In einem Verwechslungsspiel von Sprachen und Schriftformen tauscht der Künstler hier in Sterbeinschrift und Künstlersignatur die Genres, um die Sprache des Luthertums zu betonen. Die beiden weiteren erhaltenen Ensembles aus Grabplatte und Epitaph für die Domdekane Friedrich von Britzke († 1576), Haupt der katholischen Partei zu seiner Zeit, und Kaspar von Kannenberg († 1605), 1591 während der Reformation des Domes konfessionell noch unentschlossen, später evangelisch geworden, stellen – trotz unterschiedlichen Bekenntnisses – eine ähnliche Glaubenshaltung heraus.116) (Nr. 216, 249) In übereinstimmender Aufteilung der Denkmale, die in Hochrelief und teilweise vollplastisch gearbeitet sind, zeigen die Bildprogramme jeweils den Verstorbenen vor einer Kreuzigung kniend. Im obersten Geschoß der Ädikula ist Gottvater abgebildet, in Entsprechungen des Alten Testaments sind beide Male neben anderen Moses und Tugendallegorien zu sehen. Außer den Sterbevermerken, die auch schon an den Grabplatten zu lesen sind, findet man versifiziertes Totenlob – einmal nur fragmentarisch. Die beiden verbleibenden steinernen Epitaphien bezeichnen zum einen – auch hier wieder in Doppelfunktion – die ansonsten unbezeichnete Grabstelle zweier oder mehrerer Kinder des Domherrn Peter von Götze. (Nr. 236) Neben den fragmentarischen Sterbevermerken wird in einer Grabbezeugung die Funktion des Denkmals thematisiert, und neben Wappenbeischriften ist ein Sinnspruch angebracht. Auch das jüngste dieser Denkmale hat eine Doppelfunktion als Erinnerungsmal und Bezeichnung der Grabstätte, wie sich aus den Inschriften des im übrigen nur durch Voluten und figürliche Ornamente geschmückten Epitaphs erkennen läßt. (Nr. 273) Die Grabbezeugung zeichnet – gerahmt von zwei Sinnsprüchen – den Lebensweg des Bestatteten Johannes Schultze, Sekretärs des Domkapitels, nach. Das einzige gemalte Bildepitaph oder Memorialbild, dessen Funktion sich nur durch eine Kreuzigungsdarstellung auf der Tafel erweist, zeigt die Familie eines der frühen Domprediger. (Nr. 251) Es vereint die lebenden und die toten Familienmitglieder. Für alle Dargestellten ist das zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes erreichte Alter angegeben, die Verstorbenen wurden darüber hinaus durch Kreuze zu ihren Häupten gekennzeichnet. Außerdem wurden nur eine Bibelstelle und ein versifizierter Denkspruch angebracht.

Eine letzte Gattung mit Inschriften des Totengedenkens bilden die Gedenksteine. (Nr. 193, 194, 221, 276) Dabei handelt es sich um Werksteine, die ursprünglich wohl im Kreuzgang (Nr. 193) oder an den darin befindlichen Gebäuden (Nr. 194, 276) angebracht waren. Ein Teil von ihnen wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zum Neuaufbau an der Außenseite des südlichen Kreuzgangflügels benutzt.117) (Nr. 221) Diese mehr oder weniger „Kritzelinschriften“ oder Inschriften, die mit geringerem handwerklichen Aufwand angebracht wurden, überliefern Namen teilweise mit persönlichen Daten, wobei nicht immer sicher ist, ob sie Todesdaten angeben und damit die Grabstellen der Genannten bezeichnen. (Nr. 193) An anderen Stellen wird deutlich, daß es sich um Geburts- und/oder Sterbedaten handelt, die um Segenswünsche vermehrt wurden. (Nr. 194, 276) Die dislozierten Steine an der Südseite des Kreuzganges nennen oft Namen und Geburtstage, nicht jedoch die Todestage. Deshalb ist anzunehmen, daß hier zu Lebzeiten Begräbnisplätze vorbereitet wurden, deren Belegung teilweise nicht mehr verzeichnet oder überhaupt nicht mehr durchgeführt wurde. (Nr. 221) Auch hier erfährt man den Namen, den Herkunftsort, das Geburts- und/oder Sterbedatum und die Würden. Segenswünsche fehlen.

Die Sprache der Inschriften des Totengedenkens ist bis in die Zeit um 1600 fast ausschließlich das Lateinische – im allgemeinen sprachlich schlicht und einfach –, das 50 Inschriften aufweisen. Von diesen sind zwölf in Verse gefaßt. (Nr. 9 †, 101, 114(†), 201, 204 †, 210 †, 216, 227 †, 229, 249, 251, 273) Meistens handelt es sich dabei – dem Anlaß angemessen – um elegische Distichen, oft in zweisilbig reinem leoninischen Reim. Vereinzelt kommen auch einfache leoninische Hexameter vor, einmal sogar Hexameter mit zwei- und dreifachem Binnenreim, in dem jeweils ein Verspaar zusätzlich zweisilbig reinen Endreim aufweist. Nicht immer zeichnen sie sich durch makellose Prosodie aus. Das Deutsche scheint sich bis auf eine fast zu vernachlässigende Ausnahme in zehn rein deutschen und [Druckseite XXXI] vier bilingualen Inschriften erst mit der Verbreitung der Reformation durchzusetzen. Zum ersten Mal finden sich Anklänge in zwei Kritzelinschriften ohne konfessionellen Hintergrund, die vermutlich die Namen von Vikaren wiedergeben. Dort werden in den Jahren 1545 und 1578 die Herkunfts- und Datumsbezeichnung durch deutsche Präpositionen und Artikel bezeichnet. (Nr. 193) Im Jahr 1558 wird dann in zwei Grabdenkmalen in eindeutig konfessioneller und politischer Absicht und im Wechselspiel zwischen lateinischer und deutscher Sprache sowie unterschiedlichen Schriftarten sowohl der Sterbevermerk in deutscher Sprache wiedergegeben als auch die benutzten Bibelstellen der Lutherschen Bibelübersetzung bzw. einem Werk Luthers entnommen.118) (Nr. 201, 202) Auch in einem eingeritzten und auf deutsch angebrachten Gießervermerk auf der Grabplatte für das damalige Haupt der katholischen Partei unter den Domherren, Friedrich von Britzke († 1576), – mit ansonsten lateinischen Texten – wird ein abgekürzter Zusatz, der allerdings auch lateinisch aufzulösen ist, in der Absicht persönlicher und konfessioneller Verwahrung angebracht.119) (Nr. 215) Das dann bleibende Eindringen der Volkssprache vollzieht sich um 1600. Nun findet man bis zur Mitte des Jahrhunderts die ersten vollständigen Texte auf Grabmälern für Laien mit Begräbnisrecht im Domkreuzgang, wie den Stiftshauptmann Wolff von Packe, Kinder – mit Zusätzen in lateinischer Sprache – oder Ehefrauen von Domherren sowie höhere Militärs, die in schwedischen Diensten vor Halberstadt gefallen waren. (Nr. 234 †, 236, 263, 264, 265, 267, 269, 271, 280) Auch Gedenksteine weisen jetzt vornehmlich die deutsche Sprache auf. (Nr. 276) Um dieselbe Zeit werden für Geistliche auch Texte aus der Lutherbibel ins Lateinische zurückübertragen, wie man beispielsweise an der Grabplatte des Domherrn Johannes Georg Vitztum von Eckstedt († 1641) sehen kann. (Nr. 262) An der 1592 errichteten Kanzel findet sich unter anderem ein deutscher Reimvers. (Nr. 231)

4.2. Inschriften auf Glocken

Die Glocken stellen mit nur acht Inschriftenträgern, von denen noch sechs erhalten sind, und drei Prozent des Gesamtaufkommens die kleinste und homogenste Gruppe von Inschriftenträgern des Halberstädter Doms dar.

Von den heute noch vorhandenen neun mittelalterlichen Glocken sind nur die drei spätmittelalterlichen gewiß für den Halberstädter Dom gegossen worden.120) Sie dienten als Sonntagsglocke (Osanna) bzw. als Spendeglocken (Laurentius, Maria Magdalena). Die Inschriften zweier weiterer Glocken, darunter die größte, die Festtagsglocke Dunna und die Uhrschlagglocke, die beide im 19. Jahrhundert umgegossen wurden, sind abschriftlich überliefert. Eine andere, an Werktagen zu läutende Glocke mit Namen Cantabona, existiert nicht mehr; mit ihr sind auch ihre Inschriften vergangen, wenn sie denn welche trug.121) Von den sechs noch existierenden Chorglocken des 12. bzw. 13. Jahrhunderts können nach ihrem Gewicht aber höchstens zwei zu dem ursprünglichen Glockenbestand des Domes gehört haben.

Über den Glockenbestand des Spätmittelalters sind wir durch eine zeitgenössische Quelle gut informiert.122) Am 22. Februar des Jahres 1465 führten der Halberstädter Domdekan Johannes Quirre, der Domherr Balthasar von Neuenstadt und der magister fabrice Johannes Groteclaws im Namen des Kapitels eine Inventur der beweglichen Güter durch, die zum Gottesdienst benötigt werden; der Notar Tileman Smetsdorp hielt sie schriftlich fest. Nach den Büchern und den Textilien werden die Glocken pendentes in turri nach ihrem Gewicht aufgeführt. So entspricht die noch existierende Glocke Osanna (Nr. 95) mit ihren heute ca. 4820 kg nahezu den – vermutlich nach der Größe geschätzten – 100 centenarios (100 Zentner = 4860 kg, legt man etwa das lüneburgisch-bremische Pfund von 486 g zugrunde), die das Inventar von 1465 angibt. Ebenso passen die vor dem ersten Umguß im Jahr 1860 gewogenen 158 Ztr. (= 7900 kg) der Dunna (Nr. 97 †) zu den 1465 geschätzten 160 centenarios (= 7679 kg nach lüneburgisch-bremischem Pfund). Auch das Gewicht der Uhrglocke (Nr. 99 †) entsprach mit gewogenen 27 Zentnern und 70 Pfund etwa den 26 Zentnern, die 1465 für eine solche [Druckseite XXXII] Glocke angegeben wurden. Von den acht Glocken, die als „die Kleinen“ (parvae) bezeichnet werden, paßt jedoch hinsichtlich des Gewichts höchstens eine auf eine der inschriftlich bezeichneten heutigen Chorglocken (Nr. 28, Gewicht: 5 Zentner = 250 kg). Die drei diesen Glocken beigegebenen Herkunftsbezeichnungen – de monasterio Huysborch, de Kancke und de Moyser – weisen darauf hin, daß man sie wohl auf der Huysburg oder in Möser (Landkreis Jerichow?) erworben hat.123) Vier weitere der im Inventar verzeichneten Glocken hingen nicht im Dom, sondern in zum Dom gehörigen Kapellen rund um den Domplatz. Die meisten der acht Chorglocken – vielleicht bis auf diejenige über der Scheitelkapelle und den sog. Adam im Dachreiter über der Vierung – könnten also erst nach 1465 angeschafft worden sein, wie die abweichenden Gewichtsverhältnisse nahelegen, auch wenn es darüber keine weiteren Quellen gibt.

Die drei inschriftlich bezeichneten Chorglocken tragen in unterschiedlicher Textlänge umlaufend ein und dieselbe Inschrift: den Beginn der Antiphon bzw. des Gebets Ave Maria. Nach Claus Peter waren sie für das dreimal täglich stattfindende Angelus-Läuten bestimmt.124) Diese Glocken, die wegen der Gewichtsunterschiede nicht identisch mit den im Inventar von 1465 genannten Chorglocken sein können, sind nach den Forschungen von Peter – wie aus Glockenform und Kronendekor zu ersehen sei – sämtlich im Verlauf des 13. Jahrhunderts in derselben Werkstatt im Harzgebiet entstanden.125) Sie können aber erst nach 1465 für den Dom angekauft worden sein.126) Vielleicht hilft zur Aufklärung dieses Sachverhalts der Vermerk weiter, der in einem Inventar des Jahres 1731 bei zweien der Chorglocken angebracht wurde.127) Dort wurde jeweils eine Jahreszahl hinter den verzeichneten Glocken mit den beiden kürzeren Ave-Maria-Texten geschrieben – und diese müssen ja die nach 1465 angeschafften sein –, einmal 1500 (vielleicht Nr. 28), zum anderen 1505 (vielleicht Nr. 29). Inschriften mit Jahreszahlen sind an den Glocken selbst aber nicht angebracht. Die Jahreszahlen könnten die Anschaffungsdaten der beiden Glocken angegeben haben. Sie wären dann zwar aus demselben Bestand, aber zu unterschiedlichen Zeiten besorgt worden. Die Geschichte der Halberstädter Chorglocken muß gewiß neu geschrieben werden.

Zwei der Glocken des Hauptgeläutes existieren nicht mehr, ihre Inschriften sind gleichwohl überliefert.128) Die im Oktober 1454 gegossene Sonntagsglocke Osanna (Nr. 95) trägt eine umlaufende Inschrift in gotischer Minuskel, die Gießervermerk, Jahreszahl und ihre Funktion als Teil eines tonal abgestimmten Geläuts mit der Festtagsglocke Dunna kombinierte. Das Ensemble existierte jedoch nur wenige Wochen, da die Festtagsglocke Dunna schon im Dezember desselben Jahres während eines Wintergewitters zerstört wurde. Die neue, im Jahr 1457 gegossene und ebenfalls auf ihr Pendant klanglich abgestimmte Festtagsglocke mußte, nachdem sie 1840 zersprungen war, mehrfach neu gegossen werden, zuletzt 1999.129) (Nr. 97 †) Ihre Inschrift, die ebenso wie die der Osanna in zweisilbig rein gereimten leoninischen Hexametern abgefaßt wurde, bezog sich ebenfalls auf ihre Funktion als Festtagsglocke, die zum Festgottesdienst rufen und auch bei feindlichem Angriff und Gewittern erklingen solle. Ob für beide Glocken aus übereinstimmendem Metrum und der Reimform auf den Gießer der Osanna, Hans Blume (Johannes Floris), geschlossen werden kann, bleibt ungewiß. Die neben dem Hauptgeläut vierte Glocke des Domes, die als Uhrschlagglocke wohl 1460 gegossen wurde, wenn man die Inschrift in emendierter Form zum Zeugnis nimmt, nannte in ihrer Inschrift – erneut in zweisilbig rein gereimten leoninischen Hexametern – wiederum Hans Blume als Gießer und [Druckseite XXXIII] in der Glockenrede ihre Funktion als Uhrschlagglocke.130) (Nr. 99 †) Die beiden jüngsten Glocken (Nr. 178 und 179) – im Jahr 1514 gegossen durch den berühmten Glockengießer Hinrik von Kampen – traten als Spendeglocken, vielleicht zum Geläut vor und während der Almosenverteilung, an die Stelle einer im Jahr 1465 noch existierenden Glocke mit gleicher Bezeichnung.131) Die umlaufenden Inschriften nennen neben den Namen der Dompatrone Stephanus und Sixtus die der Heiligen Laurentius und Maria Magdalena, deren Namen die Glocken tragen, und außer dem Gußjahr den Namen des Gießers sowie auf der Glockenflanke diejenigen der verantwortlichen Domdignitäre und eine Bitte an die Patrone um Fürbitte.

4.3. Inschriften an Gebäuden

Mit 17 Inschriftenträgern sind ca. 6 Prozent der Inschriften des Halberstädter Doms am Gebäude angebracht. Nur zwei dieser Inschriften sind uns abschriftlich überliefert.

Fast die Hälfte der Inschriften, nämlich sieben, geben Jahreszahlen wieder, die sich auf Baudaten beziehen, aus denen sich Bauabfolgen, Fertigstellung, Reparaturarbeiten oder die Bedeutung von Bildprogrammen ableiten lassen. So läßt sich am nordwestlichen Vierungspfeiler und an den folgenden vier nördlichen Langhauspfeilern der Baufortschritt an den Aufstellungsdaten der Pfeiler nachvollziehen. (Nr. 88) Am nordwestlichen Vierungspfeiler wurde vielleicht mit den Worten E(recta) e(st) i(sta) c(olumna) und der Jahreszahl m cccc xliio, die sich am ersten Langhauspfeiler wiederholt, die Aufstellung der beiden Pfeiler dokumentiert. Da der zweite Langhauspfeiler die Jahreszahl mo cccco xliiiio aufweist, die nach Westen hin folgenden jeweils aber die Zahl xliii, die für die Jahreszahl 1443 steht, läßt sich daran ablesen, daß das Langhaus des Doms in den Jahren 1442 bis 1444 zuerst von Osten und dann von Westen her geschlossen worden ist.132)

Jahreszahlen an den Schlußsteinen des Langhauses, der Neuenstädter Kapelle oder des Neuen Kapitelsaales geben den Abschluß der Einwölbung und damit die Fertigstellung der entsprechenden Gebäudeteile an. (Nr. 110, 159, 181) Auch wenn die Schlußsteine des Neuen Kapitelsaales nur Wappen und ihre Beischriften zeigen, kann die Zeit der Fertigstellung daraus erschlossen werden. Andere Jahreszahlen weisen auf größere Reparaturarbeiten hin. So etwa die nur kopial überlieferte Jahreszahl 1574, die an der Nordseite des Südturmes gestanden hat und auf Reparaturen an diesem Turm hinweist, der zuvor zweimal – in den Jahren 1454 und 1513 – bei Wintergewittern jeweils durch Blitzschlag gelitten hatte.133) (Nr. 213 †) Die an beiden Seiten des sechsten Strebepfeilers an der Südseite des Baus angebrachte Jahreszahl 1602 weist auf den Abschluß von Bauarbeiten in diesem Jahr hin, die ausgeführt werden mußten, weil die Strebebögen der noch im 13. Jahrhundert errichteten Pfeiler zu schwach waren, um dem Druck der Gewölbe standzuhalten – was zur Folge hatte, daß sie erneuert werden mußten.134) (Nr. 247)

Auf Fertigstellungen einzelner Bauteile oder -abschnitte weisen die Jahreszahlen am Portal der Winterkirche hin, die wohl den Zeitpunkt des Durchbruchs dieses Portals anzeigen, oder auch diejenige, die das ehemalige Domrentamt schmückte und vielleicht die Fertigstellung der Dombibliothek bezeichnen sollte. (Nr. 253, 254 †) Dieselbe Baumaßnahme dokumentierten wohl auch die Wappen der Domherren, die, während einer Sedisvakanz im Jahr 1613 angebracht, vermutlich die in diesem Jahr fertiggestellte Dombibliothek zierten, heute aber in der Neuenstädter Kapelle vermauert sind. (Nr. 252) Auch eine Nische im südlichen Chorumgang zeigt eine Jahreszahl an ihrem Scheitelstein. (Nr. 220) Vielleicht war hier eine Altarnische umgebaut worden, die nach der Reformation nicht mehr benötigt wurde, oder ein Durchgang angelegt worden, der heute nicht mehr erkennbar ist. Ähnliches war auch mit dem Portal im südlichen Chorumgang geschehen, das der Domdekan Matthias von Oppen 1615 hat anlegen lassen, um Zugänge zu anderen Gebäudeteilen zu ermöglichen.135) (Nr. 255) Es trägt außer der Jahreszahl eine Stifterinschrift. Mit Rötelstift wurde eine in ihrem Sinn [Druckseite XXXIV] nicht völlig verstandene Inschrift in der ehemaligen Kupferkammer angebracht, die vielleicht eine Wirtschafts- oder eine Baunachricht enthält. (Nr. 198)

Figürliche Bildprogramme am West- und Nordportal werden ebenfalls von Inschriften erläutert. Im ältesten aus der Zeit nach 1236 und vor 1250, das sich am Westportal befindet, ist das Buch des Lebens mit dem Friedensgruß bezeichnet, das Christus beim Weltgericht in seiner Linken hält. (Nr. 22) Diesen Gruß in einem hochgehaltenen Buch zeigen auch die Wappen verschiedener zeitgenössischer Bischöfe.136) Das umfangreichste Programm am Nordportal versinnbildlicht Maria Ecclesia als Fundament des Himmels, die mit allen anderen Heiligen gemeinsam den lebendigen Leib der Kirche bildet. (Nr. 87) Dargestellt ist der Marientod im Tympanon begleitet von Aposteln und Engeln, in den Archivolten umgeben von Propheten sowie Patriarchen und Königen, überhöht durch das Kreuz, das als Baum des Lebens gestaltet ist, in dessen Enden die Evangelisten dargestellt sind, und das von den Martyrien der beiden Dompatrone flankiert wird. Die Inschriften, sofern sie nicht die Abgebildeten bezeichnen, werden aus dem Canticum Canticorum gespeist, wurden als Antiphone, Responsorien oder Versus der Liturgie des Stundengebets entnommen und waren am Fest Mariae Himmelfahrt zu psallieren. Hier zeigt sich eine der Besonderheiten des Halberstädter Inschriftenbestandes: immer wieder werden an Bauwerk und Austattungsstücken liturgische Texte verwendet.

4.4. Inschriften in Wand- und Glasmalereien

Die 17 Glasfenster bzw. -scheiben und eine Wandmalerei, die Inschriften aufweisen, machen zusammen etwa 6 Prozent des Gesamtbestandes aus. Die Inschriftenträger sind noch vorhanden, wenn auch einzelne Scheiben oder Teile von Fenstern fehlen oder neuzeitlich ergänzt sind.137)

Die Glasmalereien sind nach und nach entstanden und jeweils zur Entstehung der Bauteile, die sie schlossen und schmückten, fertiggestellt worden. Die Scheitelkapelle des Domes war als Marienkapelle in langer Bauzeit vermutlich schon seit den vierziger Jahren des 14. Jahrhunderts errichtet worden.138) Nachdem sie schon 1350 scheinbar vor der Vollendung stand, wurde erst im Juli 1362 seitens des Domkapitels über ihre Bestimmung verfügt. Deshalb wird man hinsichtlich der ältesten erhaltenen Bildfenster des Domes eine Entstehung vor dem Jahr 1362 annehmen dürfen.

Die drei noch in mehr oder weniger großen Teilen erhaltenen der ursprünglich fünf Bildfenster zeigen ein Bildprogramm, das auf die Erhöhung und Verehrung Marias abgestimmt war.139) (Nr. 44, 45, 46, 47) Im Mittelfenster sieht man zwar umrankt von der Wurzel Jesse Szenen aus dem Leben Christi einschließlich der Passion, flankiert von alttestamentlichen Königen und Propheten, jedoch liegt der Schwerpunkt der Auswahl auch hier auf der Rolle Mariens in der Heilsgeschichte. Die Inschriften des Bildfensters bestehen aus den in Spruchbändern wiedergegebenen Anfängen liturgischer Texte des Advent, die sich besonders auf die in der Marienkapelle täglich zu lesende Rorate-Messe beziehen, die ihr Stifter Ludwig von Wanzleben dort eingerichtet hatte und deren Einkünfte für den weiteren Dombau verwendet werden sollten. Im Bildfenster der nördlichen Schräge des Polygons werden Darstellungen von Tugenden und Heiligen mit solchen der Engelchöre verschränkt, deren Tugend jedoch von derjenigen Marias übertroffen wird, deren Krönung in der Fensterspitze wiedergegeben ist. In Spruchbändern beigegebene Bildbeischriften bezeichnen die Dargestellten. In der südlichen Schräge des Polygons in einem nicht mehr vollständig erhaltenen Fenster sind Tugendallegorien und heilige Jungfrauen abgebildet, die als Seligpreisungen zu verstehen sind, über denen Maria mit dem Jesusknaben zu sehen ist und die auf den Jungfrauenaltar des Domes bezogen waren. In diesem Bildfenster werden Bildbeischriften mit einigen liturgischen Texten vermischt. Ein weiteres Fenster zeigte vermutlich Apostel.

Als der Chor, mit dessen Bau man 1354 durch die Niederlegung der Liudger-Kapelle im Norden des Doms begann, nach fast einem halben Jahrhundert Bauzeit im Jahr 1400 vollendet war, waren wohl auch schon einige seiner Fenster – etwa im Obergaden und auch das Fenster nord IV (Christusfenster) in der nördlichen Schräge des Chorumgangs – fertiggestellt.140) (Nr. 52, 53) Die wenigen [Druckseite XXXV] Inschriften, die in den Fenstern zu sehen sind, geben – neben Kreuztituli – in Spruchbändern Bibelsprüche der Liturgie der Karwoche sowie für die beiden Szenen, die Christus als Gärtner neben Maria Magdalena und im Maßwerk den Erzengel Gabriel mit Zacharias zeigen, – wiederum nach Bibelzitaten – Antiphon- und Responsorienanfänge für die Osterfeiern wieder.

Die restlichen elf Bildfenster scheinen nach den stilkritischen Untersuchungen von Eva Fitz sämtlich im ersten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts entstanden zu sein. Verschiedene Werkstätten und Maler haben sie nach unterschiedlichen Stilvorlagen vermutlich nebeneineinander geschaffen. Nach den Forschungen von Eva Fitz und Karl-Joachim Maercker schuf eines der Ateliers auch Wandmalereien in der Redekin-Kapelle des Magdeburger Doms, weitere Glasmalereien im Stendaler Dom und die Programme der Halberstädter Bildfenster süd IV (Johannesfenster) und süd V (Stephanusfenster).141) Reste von Glasmalereien, die sich ursprünglich nach den Forschungen von Fitz im Fenster nord VI (Zehn-Gebote-Fenster) befunden hatten, sieht man jetzt in süd VII und nord IX.142) Von dieser Werkstatt, die vom böhmischen Stil beeinflußt war, wurden auch eine Malerei an der Schräge der südlichen Chorschranke und die Chorschrankentüren des Halberstädter Doms gefertigt. (Nr. 68, 71, 51) Im Johannesfenster (süd IV) ist nur noch eine Inschrift zu sehen, die eine Bibelstelle wiedergibt. Die beiden Stifterdarstellungen, die als einzige inschriftliche Fürbitten enthielten, wurden bei einem Bombenangriff am 8. April 1945 zerstört.143) (Nr. 62) Die ehemals vorhandenen und das noch erhaltene Wappen weisen auf Stifter aus den Familien Hoym und Redekin hin.

Meistens erläutern Bildbeischriften am unteren Rand der Bildfenster die Darstellungen. Etliche Inschriften geben die in den Nimben eingezeichneten Namen, die der Bezeichnung der dargestellten Personen dienen, wieder. Oft sind es auch Spruch- oder Schriftbänder, die liturgische Texte, Bibelstellen oder solche aus christlicher Literatur verzeichnen; so etwa die der Tiburtinischen Sibylle in den Mund gelegten oder die Maria als Gottesmutter bezeichnenden Inschriften aus Bibel und Legenda Aurea, die sich ursprünglich im Maßwerk des Marienfensters befanden und heute im Maßwerk des Fensters nord V zu sehen sind.144) (Nr. 63) Aus derselben Glasmalerwerkstatt stammen Scheiben aus süd V (Dionysiusfenster), süd VII (Karlsfenster) und nord IX (Sakramentfenster) bzw. aus den Fenstern nord VI (Marienfenster) und süd VI (Martinsfenster). Auch hier enthalten die Inschriftentexte Bildbeischriften, Nameninschriften und manchmal Antiphonanfänge.145) (Nr. 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71)

Eine fragmentarische Wandmalerei über dem Altar im zweiten Joch des südlichen Chorumgangs zeigt nur noch bei UV-Licht sichtbare Darstellungen. (Nr. 74) Die Inschriften sind so fragmentarisch wie das Wandbild selbst. Zu erkennen sind noch mehrere Heilige beiderlei Geschlechts, ein Engel und ein Kleriker. Eine der Inschriften weist als Bildbeischrift auf einem Schriftband auf das Erscheinen des Engels hin, dessen nachfolgende Rede aber leider nicht zu entziffern war. Die weiteren benennen Heilige, jedoch sind immer nur die Epitheta noch lesbar. Im rechten Gewände ließ sich inschriftlich die heilige Agatha identifizieren. Aus dem Bildprogramm und den Inschriften läßt sich schließen, daß es sich um eine Art gemaltes Retabel für den Jungfrauenaltar des Doms gehandelt hat. Vermutlich waren Szenen aus der Cäcilien- und Agathenlegende dargestellt und durch Inschriften erläutert. Die um 1420 entstandenen Malereien sind nach den Überlegungen von Eva Fitz im Umkreis der Werkstatt entstanden, der wir auch eine zwar verlorene, aber photographisch dokumentierte Strahlenkranzmadonna verdanken und in deren weiterem Umfeld Wandmalereien in der Liebfrauenkirche entstanden sein könnten.146)

4.5. Inschriften der Ausstattung

Ausstattungsstücke als Inschriftenträger, wenn wir die Gemälde der Altarretabel davon trennen, betragen mit 30 Werken fast 11 Prozent des Gesamtbestandes. Davon ist eines vollständig kopial überliefert. Sechs sind teilweise abschriftlich überliefert, die Inschriftenträger sind also heute noch vorhanden, lediglich die Inschriften selbst sind abgängig. Zwei dieser Ausstattungsgegenstände gehörten noch [Druckseite XXXVI] zum romanischen Dom: die um 1220 angebrachte monumentale Triumphkreuzgruppe und eine Orgel, die laut ihrer überlieferten Inschrift 1361 angefertigt wurde.

Die Triumphkreuzgruppe mußte für ihre Einbringung in den gotischen Dom an beiden Seiten gekürzt werden, da bei gleichgebliebenen Breitenverhältnissen von Langhaus und Chor die östlichen Vierungspfeiler des gotischen Doms, zwischen denen der Triumphbalken seinen Platz hat, breiter sind als es die des romanischen Gebäudes waren.147) (Nr. 19) Deshalb fehlen auf beiden Seiten des Balkens, der auf einer Seite die zwölf Apostel und auf der anderen die gleiche Anzahl an Propheten zeigte, je zwei Apostel auf der Westseite und Propheten auf der nach Osten blickenden Seite. Zwar gibt die Inschrift am Dreipaß des oberen Kreuzendes nur einen Kreuztitulus wieder, jedoch ist dieser durch die verwendete Schriftform und die verhältnismäßige genaue Datierung des Kunstwerks wichtig als Leitpunkt für die Entwicklung der gotischen Majuskel in Halberstadt.

Das zweite Ausstattungsstück, das noch aus dem romanischen Dom stammen muß und eine Inschrift trug, war die Orgel, die Michael Praetorius beschreibt.148) (Nr. 43 †) Die Inschrift gab einen Herstellervermerk, der auf 1361 datiert ist, und einen Vermerk über die Erneuerung des Instruments im Jahre 1495 wieder.

Ein weiteres Stück stammt gar nicht aus dem Dom.149) (Nr. 33) Ein Taufbecken, das zur Ausstattung der heute zerstörten Halberstädter Paulskirche gehörte, wurde vermutlich um 1837 in den Dom verbracht. Das Bildprogramm zeigt Szenen aus Christi Jugend bis zu seiner Taufe durch Johannes. Die erläuternden Bildbeischriften, welche die in Giebelarchitekturen dargestellten Szenen begleiten, könnten in der Behandlung von Bibelstellen durch spätantike oder mittelalterliche christliche Schriftsteller wurzeln. Eine Fünte mit identischem Programm und Inschriften befindet sich in der Halberstädter Pfarrkirche St. Martini.

Sobald einzelne Gebäudeteile des gotischen Doms fertiggestellt worden waren, begann man gleichzeitig oder nachfolgend – meist durch Stiftungen – die Ausstattung anzuschaffen. So war die Scheitelkapelle vor und um 1362 mit Bildfenstern und Skulpturenschmuck versehen worden.150) Es folgten nach der Fertigstellung des Chors im Jahr 1400 die Chorobergaden- und Chorumgangsfenster sowie die Chorschrankentüren, die die Sphäre der Geistlichkeit gegen diejenige, die auch von Laien betreten werden durfte, abschließen. Die je zweiflügeligen Chorschrankentüren sind um 1400 entstanden.151) (Nr. 51) Sie bestehen aus mit farbig gefaßtem Pergament bezogenem Holz und bilden die Dompatrone Stephanus und Sixtus, die Jungfrau Maria und Karl den Großen als Heiligen und Gründer des Bistums Halberstadt ab. Die auf Spruchbändern beigegebenen Inschriften enthalten neben einem Bibelzitat und Bildbeischriften eine aus zwei Versen der achten Strophe des Hymnus Urbs Aquensis urbs regalis gebildete Anrufung, die sich auf Karl den Großen bezieht und im Kontext unausgesprochen zusammen mit dem nicht wiedergegebenen Vers eine Bitte um Fürbitte beinhaltet. Wie die Triumphkreuzgruppe, die mit der Kreuzigungsdarstellung im Scheitelfenster des Obergadens eine Blickachse bildet, so blickt man von der nördlichen Chorschrankentür auf das genau gegenüberliegende Bildfenster süd VII, das ehemals einen Karlszyklus enthielt. Lage und Blickachse hatten wahrscheinlich Bedeutung für die Festliturgie. Von der hölzernen Chorschrankenverkleidung des 15. Jahrhunderts, die wohl die gesamte Chorschranke schmückte, konnte vor wenigen Jahren ein Fragment in Form eines Vierpasses mit einer Abbildung des Evangelisten Matthäus geborgen werden. (Nr. 125) Der zweimalig wiederholte Name auf der Rückseite diente vermutlich als Versatzmarke, die fragmentarische Inschrift auf der Vorderseite enthielt vielleicht ehemals eine Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium oder einen liturgischen Text.

Die mit 18 Stücken größte Gruppe bilden die steinernen Standbilder, die Kirchenpfeiler schmücken und auf Altären oder an anderen Standorten aufgestellt waren.152) (Nr. 82, 89, 90, 112, 116 (†), 155, 156 (†), 158 (†), 162, 163, 164 (†), 165, 167, 174, 176, 185, 207 (†), 238) Offenbar begann man seit dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts den Skulpturenschmuck zunächst für den schon fertiggestellten und wohl schon benutzten Chor zu stiften sowie um die Zeit der Schlußweihe 1491 und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts die Vierung und das Langhaus auszuschmücken. Die 14 Chorpfeilerfiguren [Druckseite XXXVII] der Apostel und beider Dompatrone wurden seit dem Ende der dritten Dekade des Jahrhunderts bis in die sechziger Jahre geschaffen. Die einzige Jahreszahl – zu Füßen der wohl am frühesten geschaffenen Figur des Andreas – nennt das Jahr 1427. (Nr. 82) Die Skulpturen lassen sich anhand des Stils datieren und dank der den meisten Skulpturen beigefügten Wappen geistlichen und weltlichen Stiftern aus den Familien Dotzem, Hoym, Koneken, Bartensleben und Quirre zuordnen. Ein Standbild stiftete Heinrich von Stammer, der zwischen 1466 und 1481 Bischof von Naumburg und zuvor Halberstädter Kanoniker gewesen war, zwei andere wohl die Domherren Otto von Bothmer bzw. Gunzelin von Bartensleben. Die Inschriften an drei der Chorpfeilerfiguren bezeichnen die Heiligen nur mit ihren Namen. In den dreißiger oder vierziger Jahren entstand auch die Altarskulptur der Katharina, die wohl aus derselben Werkstatt herrührt wie diejenigen der Apostel Johannes und Bartholomäus, an denen sich, wie auch an derjenigen des Apostels Andreas, das Wappen der Familie Dotzem findet. (Nr. 89) Die um ihre Krone umlaufende Umschrift nennt ebenfalls nur den Namen der Heiligen. Von einem der Steinmetzen, die ihre Zeichen auch am Nordportal hinterlassen haben, stammt das Relief des Ungläubigen Thomas, an dem sich dasselbe Steinmetzzeichen befindet. (Nr. 90). Die Inschrift, notdürftig als Kontamination zweier Bibelstellen charakterisiert, könnte auch von einem nicht nachgewiesenen liturgischen Text herrühren.

Mit der Skulptur des heiligen Georg beginnt eine Reihe von Standbildern, die neben der Jahreszahl des Stiftungsjahres und dem Wappen höchstens noch Initialen aufweisen. (Nr. 112, 158 (†), 162, 163, 164 (†), 165, 174, 207 (†), 238) Wenige der Heiligendarstellungen weisen eine Bitte um Fürbitte auf, wie sie am Sockel des Sebastianstandbildes am nordwestlichen Vierungspfeiler neben dem Stiftungsjahr zu sehen ist. (Nr. 167) Die Trumeaufigur des Domes, die über dem Eingang des Westportals wachte und heute an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs angebracht ist, nannte neben dem Namen die Devise des Stifters Postulo tantum humilitatem. (Nr. 156 (†)) Außerordentlichen Formenreichtum einer frühhumanistischen Kapitalis sieht man an der Konsole der Skulptur des heiligen Mauritius am ersten nördlichen Langhauspfeiler. (Nr. 176) Das Standbild des Patrons des Magdeburger Erzbistums war vielleicht von seinem Stifter, dem Magdeburger Domthesaurar und kurzzeitigen Halberstädter Domdekan Sebastian von Plotho, als Seitenhieb und Anspielung auf das Spannungsverhältnis gewählt, das zwischen der Magdeburger und Halberstädter Kirche seit der Einrichtung des Erzbistums Magdeburg im 10. Jahrhundert bestand: Plotho, der erst 1510 den Amtseid geleistet hatte, war als Halberstädter Domdekan noch im Jahr 1513 aus nicht bekannten Gründen zurückgetreten. Im Jahr darauf begegnet man ihm dann als Dompropst in Merseburg. Die Inschrift, ein Responsorium zum Fest des heiligen Mauritius, wurde so gedankenlos aus der Vorlage – dem Halberstädter Brevier – abgeschrieben, daß der Anfang des Versikels, der mit einem großen V gekennzeichnet war, später Schwierigkeiten bei der Übersetzung verursachte, weil der Buchstabe immer in der Bedeutung VESTER aufgelöst wurde.

Von einer Ausnahme abgesehen bildet ein 1517 entstandenes Relief mit Szenen aus dem Marienleben an der Nordwand der Scheitelkapelle den Abschluß dieser Stiftungsphase. In drei Zonen sieht man an dem wie ein Altarretabel gestalteten Kunstwerk über einer Verkündigung an Maria die Geburt Christi und den Zug der Heiligen Drei Könige vermischt mit Szenen der Verkündigung an die Hirten, dem bethlehemitischen Kindermord und der Flucht nach Ägypten. (Nr. 185) Die Arbeit gehört zum Werk des sog. Katharinenmeisters, der in der zweiten Dekade des 16. Jahrhunderts weitere Skulpturen für den Dom und auch in der Liebfrauenkirche geschaffen hatte. (Vgl. Nr. 162, 163, 165) Eine der Inschriften beruht vermutlich auf einer deutschen Bearbeitung der Historia Trium Regum des Johannes von Hildesheim.

Auch einige Gußwerke zählen zu den Stiftungen. Nachdem schon im Jahrzehnt zwischen 1491 und 1501 eine Lichtkrone für die Marienkapelle im Kreuzgang von Dompropst Balthasar von Neuenstadt gestiftet worden war, vermachte er dem Dom testamentarisch eine eiserne Leuchterkrone, die das Neue Jerusalem symbolisiert.153) (Nr. 118, 183 (†)) Sie hängt über seinem Grab im Langhaus. Die Inschrift auf der Innenseite des Reifs, die aufgemalt war, ist heute nicht mehr sichtbar. Sie gab die Marienantiphon „Regina coeli laetare“ wieder. Eine Laterne als Ewiges Licht wurde im Jahr 1563 angeschafft. (Nr. 208) Am oberen Rahmen befinden sich der Gießervermerk des Braunschweiger Metallgießers Hans Meisner und das Gußjahr.

[Druckseite XXXVIII]

Ein Zifferblatt für eine Schlaguhr mit Viertelstundenschlag ist im südlichen Seitenschiff angebracht. (Nr. 212) Die zugehörige Schlagglocke wurde vielleicht ebenfalls von Hans Meisner gegossen.154) Als Inschriften zu werten sind die in römischen Buchstaben angebrachten Zahlzeichen für die Viertelstunden und Stunden.

Einen Endpunkt der Ausstattung bildet die Einbringung der Kanzel, die im Jahr 1592 – wohl als Reaktion auf die erzwungene, aber sanfte Reformation des Doms im Jahr zuvor durch den Bischof Heinrich Julius (1566–1613) – vom Domkapitel aufgestellt worden war, um die höhere Wertigkeit der Predigt im lutherischen Gottesdienst zu betonen. (Nr. 231) Hier zeigt das von nun an auch rechtlich existierende gemischt-konfessionelle Domkapitel zum ersten Mal sein Selbstverständnis.155) Die Namen sowohl der katholischen als auch der evangelischen Domherren schmücken den Schalldeckel. Das Bibelzitat, das man wählte, bezieht sich auf das Amt des Predigers. Das Bildprogramm (Evangelisten, christliche Tugenden, eine wiederverwendete Auferstehung) war sowohl evangelischen als auch katholischen Domherren genehm. Die Abbildung am Kanzelfuß mit einer Darstellung Samsons, der die Halle der Philister niederreißt, wurde von beiden Konfessionen als Vorbild der Kreuzigung verstanden. An der Schmalseite des Aufgangs werden zwei an Totentänze gemahnende Skelette von einem gereimten Memento mori in deutscher Sprache begleitet, das auf einem Bibelvers aus dem Buch Hiob beruht. Die Inschrift greift in der ersten Zeile Luthers Vorrede zu dem biblischen Buch auf. Im Vergleich mit der drei Jahre später errichteten Kanzel der Pfarrkirche St. Martini, an der in zwölf Bildern mit sechzehn zugehörigen Bibelzitaten die beiden ersten Artikel des lutherischen Glaubensbekenntnisses dargestellt werden, ist das Programm der Kanzel im Dom konfessionell neutral.

4.6. Inschriften des Domschatzes

4.6.1. Inschriften auf Textilien

a) Bildteppiche

Die im Halberstädter Domschatz erhaltenen 51 Textilien, die Inschriften aufweisen, umfassen etwa 18 Prozent des gesamten Inschriftenbestandes. Davon entfallen auf die zehn Teppiche ca. 3,5 Prozent und auf die übrigen Paramente ungefähr 14,5 Prozent (41). Zwei der Teppiche sind nur als gemalte Kopien aus dem 18. Jahrhundert erhalten. (Nr. 11 †, 15 †)

Unter den Wirkteppichen gehören die romanischen Bildteppiche des 12. Jahrhunderts aus Halberstadt zu den ältesten erhaltenen ihrer Art.156) (Nr. 10, 14, 23) Die jüngste, erhaltene Halberstädter Wirkarbeit entstand am Anfang des 16. Jahrhunderts. (Nr. 137) Meistens waren diese Arbeiten als Wandteppiche konzipiert und verwendet worden. Ein nur noch als Fragment erhaltener Knüpfteppich des Halberstädter Bestandes ist aber vielleicht von Anfang an als Fußbodenteppich oder auch als Auflage benutzt worden. (Nr. 13) Drei Wandbehänge oder Rücklaken aus dem Spätmittelalter sind als Stickereien ausgeführt. (Nr. 49, 73, 78)

Die Bildbeischriften des mit 10,26 m Länge größten Wirkteppichs geben in einer Abbreviatur von zwei mal zwei Szenen aus der biblischen Geschichte des Abraham und drei mal drei leoninisch gereimten Hexametern in typologischer Auslegung ein Programm wieder, das sich auf die Allmacht Gottes und das Kreuzesopfer Christi bezieht.157) (Nr. 10) In trinitarischer, christologischer und eucharistischer Bedeutung werden in diesem und einem weiteren Teppich, wenn man den nur in kopialer Überlieferung auf uns gekommenen Jakobsteppich berücksichtigt – der nach einer Hypothese von Leonie von Wilckens Szenen aus der Geschichte Jakobs als Entsprechung von Auferstehung und Himmelfahrt Christi wiedergab und wie der Abrahamsteppich mit der Darstellung eines Erzengels schloß –, die durch die Erzengel versinnbildlichten Eigenschaften Gottes (Allmacht und Stärke) dargestellt, die die Heilsgeschichte erst möglich machen. (Nr. 11 †) Daß die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstandene Kopie des Jakobsteppichs einem Teppich der Stilstufe des Abrahamsteppichs entspricht, zeigen motivische Einzelheiten. Gleiches gilt für den nächstjüngeren Apostelteppich, der Jesus in einer von den beiden Erzengeln gehaltenen Mandorla und die Apostel in einer Wiedergabe [Druckseite XXXIX] der Wiederkunft Christi und des Himmlischen Jerusalem darstellt, und eine weitere gemalte Kopie mit Evangelistendarstellungen. (Nr. 14, 15 †) Durch eine jetzt aufgefundene Quittung des Domküsters Haber aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der seine malerischen Fähigkeiten auch einigen Magdeburger Altären zugute kommen ließ, erweist sich, daß er damals wesentlich mehr Drillich als Trägerstoff für seine Kopien gekauft hat, als er für die noch erhaltenen und die von Wilckens erschlossenen brauchte. Vielleicht hat er also Kopien von weiteren, damals schon zerschlissenen Teppichen hergestellt, die heute verloren sind.

Der jüngste der romanischen Bildteppiche, der Karl den Großen als Gründer Halberstadts zeigt, gehört in den Umkreis der mittelalterlichen Kalandskultur.158) (Nr. 23) Eine seiner Inschriften findet man auch in einem zwischen 1270 und 1275 entstandenen zeitgenössischen Gedicht des Könemann von Jerxheim (1240/45–1316) für den Kaland von Eilenstedt in der Diözese Halberstadt und im Prolog der Halberstädter Kalandsstatuten. Ebenso stimmen das dort thematisierte Ideal (amicitia) und die Pflichten der Priesterbruderschaft mit den Sprüchen auf dem Teppich überein.

Der zu Anfang des 16. Jahrhunderts entstandene Marienteppich zeigt zwölf Szenen des Marienlebens.159) (Nr. 137) Vielleicht wurde er für die der Maria geweihte Kapelle im Kreuzgang, die nach ihrem Stifter Neuenstädter Kapelle genannt wird, gestiftet. Die Inschriften sind im Buchstabenbestand ungenau und teilweise verballhornt.

Ein Knüpfteppich ist nur fragmentarisch überliefert. (Nr. 13) Mit grandioser Vorstellungskraft erschloß Friedrich Bellmann aus den wenigen bildlichen und inschriftlichen Überresten dieses Teppichs ein aus fünf Teppichzeilen mit je sieben Arkadenbögen bestehendes Bildprogramm, das Tugend- und Philosophendarstellungen mit Personifikationen der Artes Liberales, der Sieben Weisen des Altertums oder auch alttestamentlicher Figuren kombinierte.160) Leider sind seine Inschriften nur bruchstückhaft vorhanden.

Als Fragmente erhalten sind auch spätmittelalterliche Stickteppiche.161) (Nr. 49, 73, 78) Der älteste, der im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts entstand, könnte nach seinen Resten bildlicher Darstellung zu einem Tristanteppich gehört haben. Nach einem erhaltenen Wappen wird ein Mitglied des Geschlechts der Halberstädter Schenken von Dönstedt (Heteborn) einer der Stifter gewesen sein. Eine weitere, vermutlich als Rücklaken verwendete Stickerei vom Anfang des 15. Jahrhunderts zeigt im oberen Register Szenen aus der Legende der heiligen Katharina, im unteren aus derjenigen des Eustachius und läßt deshalb an eine temporäre Nutzung am Jahresende über dem Chorgestühl denken, wenn die beiden Heiligenfeste gefeiert werden – oder an eine außerliturgische Verwendung. Letzteres legt vielleicht – wie bei der vorher genannten Stickerei – auch die Inschrift in deutscher Sprache nahe. Gleiches gilt auch für das jüngste der gestickten Rücklaken, den Kindheit-Jesu- oder Elisabethteppich, der aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts stammt. Im oberen Register sieht man Szenen der Kindheit Jesu, darunter solche aus der Elisabethlegende. Wegen des Formats ist auch hier eine Verwendung als Banklaken wahrscheinlich. Der Sinn des Inschriftenfragments ist nicht sicher zu erschließen.

b) Paramente

Eine Vielzahl liturgischer Gewänder zählt zu den bedeutendsten Schätzen der Halberstädter Domkirche. Die ältesten Paramente mit Inschriften sind zwei eucharistische Tücher, die aus Byzanz stammen. (Nr. 17) Konrad von Krosigk brachte sie von seiner Teilnahme am Vierten Kreuzzug nach Konstantinopel in den Jahren zwischen 1203 und 1205 mit. Sie zeigen die Einsetzung des eucharistischen Sakraments. Da ihre Funktion nach östlichem Ritus nicht in die abendländische Kirche paßte, wurden sie zu einem unbekannten Zeitpunkt auf Kirchenfahnen aufgebracht. Möglicherweise ist die heutige Anbringung schon eine zweite Wiederverwendung. Nach den Forschungen von Franz Dölger sind sie nach ihren Inschriften einem Angehörigen der byzantinischen Familie der Palaiologen als Stifter zuzuordnen und in der Zeit zwischen 1185 und 1195 entstanden.162) In je zehn zwölfsilbigen Versen greift der Text jeweils in drei Versen ein alt- oder neutestamentliches Thema auf, gibt in je vier eine Stiftungsinschrift und in den drei abschließenden ein Bittgebet wieder. Nur noch unentzifferbare [Druckseite XL] Schriftreste weist eine zweite Kirchenfahne mit einer Marienkrönung und Heiligen auf, die im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts hergestellt wurde. (Nr. 83) Eine dritte Fahne zeigt den Titulus einer Kreuzigung. (Nr. 129)

Sechs Antependium, Altardecken und andere Behänge, die Inschriften aufweisen, findet man in der Zeit vom 13. bis ins 15. Jahrhundert. (Nr. 32, 48, 124, 146, 147, 154) Teilweise handelt es sich bei den Inschriftenträgern um Applikationen an den Paramenten. Auf einer umlaufenden Goldborte zeigt ein in Perlstickerei gearbeitetes Antependium mit der Marienkrönung die bisher nicht entschlüsselten Worte FINE ABON. (Nr. 32) Ähnliche undeutbare Worte finden sich auch auf Borten außerhalb Halberstadts. Vielleicht enthalten sie einen Segenswunsch oder eine unbekannte Devise. Mehrfach sind es auch nur Buchstaben, die solche Altarbekleidungen zieren. (Nr. 124, 146, 147) Daneben ist auf Altardecken der Englische Gruß bzw. das Ave Maria zu finden. (Nr. 48, 154)

Am häufigsten kommen Inschriften an der liturgischen Bekleidung der Domkanoniker vor. Am unteren Abschluß und auf den Fanones der Mitra aus einem Grabfund liest man Teile von Antiphonen aus Psalter und Hohelied, die in Bezug auf den Bischof die christliche Brautmystik aufgreifen und an Marienfesten psalliert wurden.163) (Nr. 18) Zum ersten Mal zeigt sich hier die im Halberstädter Dom später in Inschriften so beliebte Verwendung liturgischer Texte auf einem liturgischen Insigne aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts bzw. um 1200. Eine andere Mitra läßt sich anhand ihres Bildprogramms und der zugehörigen Inschrift einem Mitglied des Minoritenordens zuweisen. (Nr. 103) Da für eine der Würden, die zum Tragen einer Mitra berechtigten, im Halberstädter Dom nur ein einziger Minorit belegt ist und aufgrund des Bildprogramms zudem chronologisch schon die Verehrung Bernardinos von Siena in diesem Orden vorauszusetzen ist, konnte die Mitra als diejenige des franziskanischen Weihbischofs Johannes Sartoris (1459–1466) bestimmt werden. Einem Domdignitär, wenn nicht einem Bischof ist auch der einzige Pontifikalhandschuh, der eine Inschrift trägt, zuzuweisen. (Nr. 130) Auf dem bestickten Strickhandschuh steht außer drei Anrufungen ein Satzbeginn in deutscher Sprache, der, weil das Gegenstück des Handschuhs fehlt, nicht sinnvoll ergänzt werden kann.

Kaseln haben sich unter den Meßgewändern aus liturgischer Notwendigkeit – sie wurden immer wieder benutzt – besonders oft erhalten. Zählt man die Kaselkreuze hinzu, so sind es insgesamt 15, an welchen im Halberstädter Dom Inschriften überliefert sind. (Nr. 25, 26, 61, 92, 104, 119, 128, 139, 148, 149, 150, 151, 182, 196, 239) Finden sich an den beiden ältesten Glockenkaseln aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts noch Antiphonanfänge oder Bibelzitate, wie sie zuvor auch an einer Mitra festgestellt werden konnten, so hat sich seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts der Kreuztitulus, der zu der oft auf der Kaselrückseite befindlichen Darstellung der Kreuzigung gehörte, als einzige Beschriftung durchgesetzt.164) Eine einzige weitere Inschrift an einer Kasel besteht aus einem fragmentarischen, nicht entschlüsselten Text. (Nr. 92) Zweimal sind nur Buchstaben überliefert. An einer der beiden Kaseln ist damit nur das Attribut des dargestellten Heiligen vervollständigt. Ansonsten handelt es sich wohl um eine Initiale als Besitzvermerk. Ähnlich kommen solche Initialen an zwei Pluviales des 14. Jahrhunderts vor. (Nr. 54, 57) Auch einige Dalmatiken tragen einzelne Buchstaben, hier ist jedoch, wie die Art der Anbringung zeigt, eher an eine ornamentale Funktion der Buchstaben zu denken. (Nr. 243, 244) Eine Dalmatik weist ein in gotischer Minuskel in den Stoff gewebtes Christusmonogramm auf. (Nr. 127) An einem Ensemble von zwei weiteren, wie auch an einer Stola und zwei Manipeln, findet man auf den aufgesetzten Borten Anrufungen oder Heiligennamen. (Nr. 79, 80, 81, 152, 153)

Ein Korporalienkästchen des 14. Jahrhunderts ist ebenfalls mit einer Anrufung versehen. (Nr. 58) Zwei Bursen zeigen kaum Variationen: eine aus dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts mit einem Kreuztitulus, der zu einer entsprechenden Darstellung gehört, und eine vom Ende des 15. oder vom Anfang des 16. Jahrhunderts mit den Initialen des Eigentümers und Stifters Michael Stammer. (Nr. 91, 189) Bis auf die aus dem byzantinischen Bereich herrührenden eucharistischen Tücher und die älteren Glockenkaseln sind die Inschriften der Paramente eher von Monotonie geprägt.

4.6.2. Inschriften an Goldschmiedearbeiten

Inschriften an Goldschmiede- und Elfenbeinarbeiten belaufen sich mit 31 Stücken auf ungefähr 11 Prozent des Inschriftenbestandes in Dom und Domschatz. Dazu gehört als ältester Inschriftenträger [Druckseite XLI] ein Silbertäfelchen, das vielleicht noch aus dem 7. Jahrhundert stammt und aus Byzanz nach Halberstadt gekommen ist. (Nr. 1) Die Kreuzigungsdarstellung auf dem Silberplättchen zeigt anstelle eines Kreuztitulus am oberen Ende des Kreuzesstammes den Namen Jesu als griechisches Nomen Sacrum. Außerdem stehen die Evangelienworte aus Johannes 19,26–27, die die Anempfehlung von Maria und Johannes enthalten, ebenfalls in griechischer Sprache darauf. Dieses Täfelchen hatte vermutlich Bischof Konrad von Krosigk (1201–1208, † 1225) vom Vierten Kreuzzug mitgebracht. In Halberstadt ließ er es zusammen mit Kreuzreliquien und anderen Herrenreliquien, solchen der Apostel und anderer Heiliger in einem Tafelreliquiar bergen, das er mit Gold und Edelsteinen kostbar ausschmücken ließ. Unter diesem Schmuck befindet sich auch eine Gemme des späten 9. oder frühen 10. Jahrhunderts aus Bergkristall, die zum Siegelstein geschnitten worden war und den Namen TEODVLFVS als Inschrift trägt.

Fünf weitere Schatzstücke stammen aus Byzanz, sind wahrscheinlich während des Vierten Kreuzzuges erworben worden, weisen griechische Inschriften auf und dienten sämtlich als Reliquiare oder hatten als solche gedient. (Nr. 2, 5, 6, 7, 8) Zwei Elfenbeintafeln in Diptychonform aus der Mitte des 10. Jahrhunderts waren in Halberstadt zersägt und dann als Reliquiar sekundär verwendet worden. (Nr. 2) Sie enthalten Nomina Sacra als Bildbeischriften zu den dargestellten Heiligen. Ihre ursprüngliche Funktion ist umstritten. Auch drei silberne und vergoldete Kapselreliquiare, die nach griechischem Brauch um den Hals getragen wurden, geweihtes Öl enthielten und das Grab des heiligen Demetrios symbolisieren, weisen Bildbeischriften mit den Namen der auf ihnen abgebildeten Heiligen auf. (Nr. 5, 6, 8) Einmal weist eine Authentik auf den Inhalt des entsprechenden Reliquiars hin. (Nr. 8) Sie lassen sich durch Vergleich mit anderen byzantinischen Kleinkunstwerken sämtlich in das 10. oder 11. Jahrhundert datieren.

Übertroffen werden sie an Kostbarkeit noch durch die Weihbrotschale, die nach dem Ritus der Ostkirche zur Bereitung des geweihten Brotes verwendet wurde. (Nr. 7) Die sehr kunstvolle byzantinische Treibarbeit zeigt im Schalenboden eine Kreuzigung, die an Rand und Wandung von je acht heiligen Bischöfen sowie Kriegern und Märtyrern umgeben wird. Die Inschriften geben die Einsetzungsworte Christi während des Letzten Abendmahles wieder und bezeichnen die dargestellten Heiligen durch Bildbeischriften. Die Schale war in Halberstadt zwischen 1205 und 1208 zu einem Stephanusreliquiar umgearbeitet worden. Vier noch erhaltene Figuren von Steinewerfern am Rand zielten auf eine heute verlorene Statuette, die in der Mitte des Rundes angebracht war und wahrscheinlich die gekrönte Schädelkalotte trug. Die jüngst geäußerte Überlegung, daß das noch in Halberstadt aufbewahrte Armreliquiar des heiligen Stephanus in der Mitte der Schale befestigt war, ist allein wegen der Größenverhältnisse gegenstandslos.165) Auch die in diesem Zusammenhang geäußerte Vermutung, bei der Weihbrotschale könne es sich um das von Nikolaus Nektarios von Casole erwähnte Reliquiar für das gesäuerte Brot vom Abendmahl aus der Pharoskirche gehandelt haben, ist gewiß nicht richtig. Zwar wird der Bischof von Halberstadt in der Schilderung als einer der Finder erwähnt, jedoch soll diese Schale danach nicht nur die Einsetzungsworte, sondern auch einen Hinweis auf ihre Funktion in griechischen Worten enthalten haben;166) und diese fehlen auf der Halberstädter Weihbrotschale.

Ältestes Schatzstück sind zwei Elfenbeintafeln, die 414 entweder in Konstantinopel oder in Rom entstanden sind. (Nr. 4) Sie wurden in Halberstadt zur Ausstattung eines Bucheinbandes wiederverwendet. Ob die beiden Tafeln westlicher oder östlicher Provenienz sind, wie ein jüngst aufgekommener Forschungsstreit diskutiert167), kann unter Umständen ein bisher übersehenes Inschriftenfragment lösen helfen: in der Mitte des rechten Randes einer der beiden Tafeln sieht man einige Elfenbeinbruchstücke, die wenige Buchstabenfragmente aufweisen und aus dem späten 10. Jahrhundert stammen könnten. Wenn diese Zeitstellung sich trotz der komplizierten Überlieferungssituation erhärten ließe, böten die Tafeln einen Hinweis auf ihre Umarbeitung vor dem 13. Jahrhundert und damit eine Präferenz für die weströmische Provenienz.

Eine unklare Datierung verbindet sich auch mit dem vielleicht ältesten Reliquiar des Domschatzes. (Nr. 12) Das Taschenreliquiar, das neben Herrenreliquien auch solche eines der Dompatrone, Papst Sixtus II., und der Heiligen Jungfrauen in Köln enthält, läßt sich seiner Form nach eher in das 9. oder 10. Jahrhundert setzen. Nach den Buchstabenformen der Inschrift würde seine Schrift sowohl in das [Druckseite XLII] 10. als auch noch bis in die Zeit nach der Mitte des 12. Jahrhunderts passen. Die Lösung für dieses Rätsel könnte in einer Materialbeobachtung liegen. Der unterste Streifen des Silberbeschlages des Reliquiars scheint abgelöst und durch einen neuen, der die Reliquienbeischriften enthält, ersetzt und mit einer bestimmten Sorte Silbernägel befestigt worden zu sein. Deshalb ist in Betracht zu ziehen, daß an dieser Stelle eine ältere Inschrift, die zur Form des Reliquiars paßte, abgetrennt und eine neue angebracht worden ist. Vielleicht hat man sogar versucht, die Buchstabenform der älteren Inschrift zu imitieren, was zu dem unklaren Befund führte. Das Reliquiar könnte also um das Jahr 1000 entstanden, die Inschrift aber um 1160 erneuert worden sein. Zwei weitere Reliquiare, die beide wohl aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts herrühren, enthalten nur die Reliquienbeischriften. (Nr. 20, 24)

Drei mittelalterliche Kreuze, davon zwei Vortragekreuze, die als Hartsteinschliffe aus Bergkristall gefertigt wurden, weisen Kreuztituli bzw. als Bildbeischriften die Namen der dargestellten Evangelisten auf. (Nr. 34, 35, 36) Ganz ähnliche Inschriften haben auch zwei Vortragekreuze aus Silber, die um 1580 entstanden. (Nr. 219) An dem gemischtkonfessionellen Domkapitel waren die Traditionslinien offensichtlich stark. Zum Teil aus Glas besteht auch der sog. Karlspokal, ein Reliquiar in der Form eines Trinkglases. (Nr. 38) Inschriftlich nur mit einem Titulus unter der Büste des Herrschers ausgestattet, bewahrt das Schauglas neben anderen Reliquien ein Stück vom Haupt Karls des Großen. Seit dem Himmelfahrtstag 1343 wurde der Frankenherrscher in Halberstadt nicht mehr nur als Bistumsgründer, sondern auch als Heiliger verehrt. Eingerichtet worden war das Fest durch den Domdekan Themo, der vielleicht auch den Pokal stiftete. Zum Festtag am 28. Januar herrschte in Halberstadt noch bis ins 16. Jahrhundert die Stimmung eines Volksfestes.

Eine Reihe von liturgischem Gerät ist seit dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts neben Inschriften mit Kreuztituli, die an den Kreuzigungsdarstellungen der Objekte vorkommen, durch Anrufungen, Jahreszahlen und Stifterinschriften vertreten. (Nr. 77, 108, 131, 132, 133, 138, 157, 175, 191) Im Jahre 1501 wurde einer der Kelche von dem Benediktinermönch und Halberstädter Weihbischof Matthias Kanuti, Titularbischof von Gada in Grönland, gestiftet. (Nr. 157) Die Inschrift zitiert einen Versikel des Totenoffiziums „Libera nos“. Das Bildprogramm zeigt außer der Kreuzigung und dem Dompatron Laurentius den benediktinischen Ordensgründer Benedikt von Nursia und als Wappen von Gada einen das Pedum schulternden Eisbären. Eines von zwei Altarleuchterpaaren ist mit den Namen von acht Aposteln versehen worden. (Nr. 16, 217) Aus der Anzahl von zweimal vier Aposteln ergibt sich die Frage, ob es noch einen dritten Leuchter gegeben hat. Das im Jahr 1576 gestiftete Leuchterpaar aus unedlem Metall nennt nur den Stifter und die Jahreszahl. Gleiches gilt auch für zwei Vasen, die der Domkirche im Jahr 1635 verehrt wurden. (Nr. 261)

Zwei Cantorenstäbe, von denen weltweit nur wenige überliefert sind, haben sich in Halberstadt ebenfalls erhalten. (Nr. 93, 111) Der Schmuck der Holzstäbe in Form silberner Manschetten ist ähnlich, die Inschriften weichen voneinander ab. Ob das Holz des älteren Stabes aus der Cypresse geschnitten wurde, wie seine Inschrift zu sagen scheint, oder ob darin eine Anspielung auf das Holz des Kreuzes Christi vorliegt oder beides, muß offen bleiben. Der jüngere der beiden Stäbe weist nur die Jahreszahl 1486 auf; in diesem Jahr wurde die Einwölbung des Domes vollendet. Ein Zusammenhang damit ist jedoch nicht gesichert.

Abschließend ist auf zwei Objekte einzugehen, die ursprünglich nicht zum Domschatz gehört haben. Eine Ablaßtafel und ein Marientabernakel gehörten zur Halberstädter Liebfrauenkirche. (Nr. 27, 37) Während der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts – vermutlich 1837 – wurden sie beide in die Domsammlung verbracht. Die Inschrift der nach 1290 gefertigten, niellierten Messingtafel nennt die in der Liebfrauenkirche zu erwerbenden Ablässe und gibt die Höhe der Bußnachlässe an. Die Tafel, die das Kultbild der Kirche wiedergibt, sollte wohl wie ein Werbeplakat wirken. Das Marientabernakel, vermutlich aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts, war in dem 1681 erneuerten Hauptaltar der Kirche gefunden worden. Die Arbeit aus Holz und Elfenbein, in Frankreich oder im Rheinland entstanden, weist als Inschrift zweimal den Anfang des Ave Maria auf.

4.6.3. Inschriften an Holzarbeiten

Etwa 4 Prozent des Gesamtbestandes an Inschriften (11) befinden sich an Werken, die aus Holz geschaffen oder daran angebracht sind. Berühmtestes Beispiel ist der sog. Halberstädter Schrank, dessen Fassung zu den „ältesten Werken der Tafelmalerei“ gehört. (Nr. 21) Der Reliquienschrank entstand in der fünften Dekade des 13. Jahrhunderts, vermutlich in den Jahren zwischen 1245 und 1250. Zwei Bildbeischriften mit den Namen der beiden abgebildeten Heiligen gehören zu den Darstellungen auf [Druckseite XLIII] den Innenseiten der Türflügel. Auf den Außenseiten fügte man – vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts – eine Ritzinschrift hinzu, die den Anfang einer Marienantiphon enthält.

Mehrere Deckel von Gefäßen haben sich erhalten, die Inschriften oder Inschriftenfragmente aufweisen. Die Funktion der zugehörigen Behältnisse bleibt trotzdem unbekannt. Höchstens die Art ihrer Verwendung – liturgisch oder paraliturgisch – läßt sich annähernd vermuten. Der Deckel einer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gedrechselten runden Dose mit dem Anfang der Marienantiphon Ave Maria spricht für eine liturgische Verwendung, die heraldisch anmutenden Schmuckmotive darauf stehen dazu im Widerspruch. (Nr. 31) Nur noch fragmentarisch erhalten ist der Deckel eines Kastens aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, der zu unterschiedlichen Zeiten auf beiden Seiten bemalt wurde. (Nr. 39) Nur noch bruchstückhaft sind auch die daran angebrachten Inschriften vorhanden. Ein Kastendeckel ähnlicher Form aus dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts zeigt die Fußwaschung Christi durch eine Sünderin im Hause des Pharisäers Simon. (Nr. 195) Ein Spruchband über der Szene gibt die Bibelstelle Lk 7,36–50 paraphrasiert in deutscher Sprache wieder.

Zwei zusammengehörige und ebenfalls gedrehte und gefaßte Holzschalen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts beziehen sich hinsichtlich ihres Bildprogrammes und ihrer Inschriften auf die auch im Karlsteppich behandelten Themen. (Nr. 40, 41) Hier wie dort sind es Philosophen und ihnen zugeschriebene Aussagen, die Freundschaft, Freigiebigkeit und Vorsicht gegenüber Beliebigen thematisieren. Die zweite Schale bezieht sich durch die Darstellung einer Christus- und Judas-Szene im Rahmen des Letzten Abendmahles und einer erläuternden Inschrift auf das Erbarmen. Als Schalen, die wahrscheinlich rituell während Bruderschaftsmahlen und Armenspeisungen benutzt wurden, gehören sie – wie der Karlsteppich – in den Umkreis der Kalandskultur einer Priesterbruderschaft in Verbindung mit oder ohne Laien. Eine dritte Schale, die der Schriftform zufolge um 1400 entstanden ist und in der wahrscheinlich ungeweihtes Brot als Opfergabe aufbewahrt wurde, enthält in ihrer Umschrift eine Anrufung aus dem Umkreis des Agnus Dei. (Nr. 56)

Ebenfalls aus Holz ist ein erhaltener Maßwerkkamm vom Ende des 15. oder dem Anfang des 16. Jahrhunderts, der zum Heiligen Grab der Domkirche gehört haben könnte. (Nr. 144) Die fragmentarische Inschrift aspice qvi transis qvia tv michi fand sich schon im 12. Jahrhundert auch über einer Kreuzigung über dem Eingang zur Grabeskirche in Jerusalem. Kuriosen Wert hat eine aus Holz gefertigte Notiztafel, die wohl um 1577 entstanden ist und auf der man eigentlich auf eine Wachsschicht schrieb. Eingeschnitzt findet man daran einen Herstellungsvermerk, Initialen und Jahreszahlen. Die Notizen im Wachs, die wohl Anmerkungen zu bestimmten Heiligenfesten enthalten, lassen sich nur unzusammenhängend lesen. (Nr. 218) Zwei hölzerne Kruzifixe mit Kreuztituli und einer fragmentarischen Stifterinschrift beschließen die Werke dieser Gattung. (Nr. 240, 245)

4.6.4. Inschriften an Altarretabeln und auf Gemälden

Fast 10 Prozent der erfaßten Inschriften (27) befinden sich an Altaraufsätzen oder auf Gemälden, die zumeist von Retabeln herrühren. Zwei sind ganz oder nur teilweise durch Photographien überliefert. (Nr. 103 (†), 214 †) Mit oder nach der Fertigstellung einzelner Gebäudeteile des gotischen Doms war begonnen worden, Chor und Langhaus sukzessive mit Altarschmuck und Gemälden auszustatten. Durch die Verlegung und die Neueinrichtung von Altären wurden seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vermehrt Altarretabel gebraucht. Nachdem schon bei der Fertigstellung von Chor und Chorumgang über Altären Wandmalereien angebracht worden waren und über diesen vielleicht auch Glasmalereien der Fensterverglasung die Funktion des Altarschmuckes übernommen hatten, scheint das erste erhaltene Altarretabel dasjenige für den Altar in der Marienkapelle gewesen zu sein. (Nr. 84) Vielleicht schon 1415, jedenfalls im ersten Drittel des Jahrhunderts, entstand dieser Altaraufsatz, von dem nur noch die Mitteltafel und der linke Flügel erhalten sind. Die Tituli sind in die Kronreifen und auf Spruchbänder der dargestellten Heiligen Jungfrauen gemalt und teilweise mit Perlen beklebt. In gleicher Weise wurden Buchstaben auf Mantelschließen aufgebracht.

Jedoch erst aus dem letzten Drittel des Jahrhunderts sind Altaraufsätze, die in größerer zeitlicher Dichte entstanden sind, erhalten. Anscheinend ging man hinsichtlich der Stiftungen nach der liturgischen Bedeutung der Altäre vor. Ein teils farbig gefaßter Altaraufsatz aus Alabaster wurde um 1460 für den Kreuzaltar geschaffen. (Nr. 100) Drei der Kreuzenden des Kalvarienbergs zeigen Reliefs von Evangelisten. Ob die daran angebrachten Inschriften noch zeitgenössisch oder Ergebnis von Restaurierungen sind, ist fraglich. In den Jahren 1629/30 wird an einen Samuel Stinger ein Betrag zur Illuminierung und Versetzung eines Alabasteraltars gezahlt. Ob für diesen oder einen anderen, weiß man nicht.

[Druckseite XLIV]

Um 1470 wurde das Retabel des Euphemienaltars geschaffen. (Nr. 106 (†)) Es befand sich ehemals im zweiten Joch des südlichen Seitenschiffs von Osten.168) Auf der Innenseite des linken Flügels stand Euphemia vor dem Richter Priscus, der durch eine Bildbeischrift namentlich gekennzeichnet war. Eine Kreuzigung mit Maria, Johannes, den Aposteln Petrus und Paulus und den beiden Dompatronen (Inv. Nr. 415) gehörte ursprünglich vielleicht in das östlichste Joch des nördlichen Seitenschiffs.169) (Nr. 109) Sie soll um 1480 entstanden sein. Neben einem Kreuztitulus sind nur in einem Buch, das der Apostel Paulus in seinen Händen hält, fragmentierte Worte verzeichnet.

Die zeitlich nächsten vier Altaraufsätze entstanden alle gegen Ende des 15. Jahrhunderts. (Nr. 120, 121, 122, 123) Ihre Inschriften beinhalten sämtlich nur Kreuztituli oder knappe Bildbeischriften, in einem Fall auch Bibelzitate. Die sog. Halberstädter Kruzifixustafel mit den Nameninschriften der dargestellten Heiligen in den Nimben hat sich vielleicht auf dem von Bischof Albrecht von Rikmersdorf (1366–1390) gestifteten Altar der Heiligen Jakobus d. Ä., Martin und Livinus befunden, der ehemals in medio ecclesiae seinen Platz hatte. (Nr. 120) Von demselben Meister stammt auch eine Kreuzigung, die nur einen Kreuztitulus aufweist und nach ihrem Goldhintergrund vielleicht identisch mit derjenigen ist, die im frühen 19. Jahrundert den Altar unter der Lettnerhalle schmückte, oder mit der, die im siebten Joch des südlichen Seitenschiffs aufgestellt war. (Nr. 121) Die Tituli der beiden Tafeln (Nr. 120, 121) weisen übrigens genau die gleichen Buchstabenformen und Ausführungen der Inschriften auf, was die Identität des herstellenden Meisters zusätzlich sichert. Die Tafel der beiden Johannes’, die auf dem Rahmen die Namen der Dargestellten in Bildbeischriften trägt, befand sich ursprünglich im östlichsten Joch des südlichen Seitenschiffs. (Nr. 122) Ihre Entstehung am Ende des 15. Jahrhunderts ergibt sich auch aus ihrer Schriftähnlichkeit mit den Inschriften über den Grabstellen der Bischöfe Arnulf, Sigmund und Branthog, die um 1491 entstanden sein müssen. Das vierte unter diesen Altarretabeln weist zum ersten Mal im Bearbeitungsgebiet in größerem Umfang auf Spruchbändern mit Bibelzitaten die frühhumanistische Kapitalis auf, die jedoch mit Inschriften in gotischer Minuskel alterniert. (Nr. 123) Der Altaraufsatz befand sich früher auf der Nordempore.

Der Wandelaltar in der Neuenstädter Kapelle ist für diesen zum Anfang des 16. Jahrunderts fertiggestellten Annexbau des Kreuzgangs geschaffen worden. (Nr. 136) Die Inschriften des leider überrestaurierten Altaraufsatzes lassen sich nicht mehr eindeutig beurteilen. Sie zitieren Antiphonanfänge, Bibelworte und Buchstabenfolgen. Vier weitere Altarretabel oder die Reste davon, die alle zwischen dem Ende des 15. und dem Anfang des 16. Jahrunderts entstanden sind, zeigen ebenfalls Bildbeischriften, Kreuztituli oder Buchstabenfolgen. (Nr. 140, 141, 142, 143) Ein weiteres Relikt, das von einem Altarretabel stammen könnte, ist eine Tüchleinmalerei mit einer Kreuzigung, die als Inschrift jedoch nur einen Kreuztitulus aufweist. (Nr. 145) Tüchleinmalereien gehörten auch zum Reliquienschrank auf dem Hauptaltar des Doms, für den jedoch keine Inschriften bekannt sind.170)

Ein signierter Altar stammt aus der Werkstatt des Hans Raphon, der Bürger von Northeim war und für verschiedene Auftraggeber im Harzvor- und -umland arbeitete. (Nr. 161) Die Inschriften des Altarretabels sind überlegt strukturiert worden: Inschriften auf den Leisten, die die Bildflügel horizontal unterteilen, benennen die Szenen durch Bildbeischriften. Die um die Flügel umlaufenden Inschriften erklären die Darstellungen durch weitere Bildbeischriften oder Bibelzitate näher. Gesprochenes oder geschriebenes biblisches Wort wird durch Tafeln im Bild oder durch Spruchbänder illustriert. Zur Erläuterung von Bibelstellen werden liturgische Texte benutzt. Inschriften in den Nimben bezeichnen die dargestellten heiligen Personen. Ein um die Mitteltafel umlaufendes Gedicht, das vielleicht Gedankengut aus dem Umkreis des Thomas von Kempen transportiert, beinhaltet eine zentrale Frage, die vermutlich Maria, vielleicht aber auch dem Betrachter in den Mund gelegt als eine Aufforderung zur Andacht aufgefaßt werden kann. Dasselbe Gedicht ziert auch – in ihrem Zusammenhang von der Wissenschaft bislang unbeachtet – den oberen und unteren Rand der Mitteltafel des von Hans Raphon signierten Passionsaltars für die Göttinger St. Georgskapelle, der von der Göttinger Kalandsbruderschaft in Auftrag gegeben worden war.171)

Ein Wandelaltar mit geschnitztem Schrein nennt nur die Namen der dargestellten Heiligen und die Bibelstelle als Bildbeischriften. (Nr. 168) Vielleicht handelte es sich bei diesem um den Altar der Vierzehn [Druckseite XLV] Nothelfer, der 1505 von dem Vikar Heinrich Lauenstein gestiftet worden war. Er hatte ursprünglich seinen Platz vielleicht auf der Südempore und wäre dann später in die Stephanuskapelle im Kreuzgang transferiert worden. Zwei Tafelbilder, eine Predella und ein Flügelaltar in Form eines Tabernakelschranks, die alle in der ersten Dekade des 16. Jahrhunderts entstanden sind, zeigen Tituli, z. T. als Gewandsauminschriften. (Nr. 169, 170, 171) Zwei Tafelbilder, die Darstellungen der Heiligen Christophorus sowie Anna Selbdritt und Maria Magdalena abbilden, waren ehemals Flügel ein und desselben Altars.172) Er befand sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch im dritten Joch des nördlichen Seitenschiffs. Die beiden Flügel flankierten ein steinernes Marienrelief. Ebenfalls Anna Selbdritt, begleitet von dem Apostel Matthias und Karl dem Großen, zeigt eine Predella, die heute ein nicht zugehöriges Altarretabel trägt, das nach einem ebenfalls auch davon zu unterscheidendem, heute aufgesteckten Maßwerkkamm als Sebastiansaltar bezeichnet wird. (Nr. 171) Die Namen wurden in frühhumanistischer Kapitalis ausgeführt.

Drei Tafeln des sog. Sippenaltars, der die Sippe Christi ins Bild setzt, die zu Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts gestohlen worden waren, hängen jetzt wieder im südlichen Seitenschiff. (Nr. 177) Die Nimben zeigen die trassierten Namen der Heiligen als Bildbeischriften. Weil außer der Sippe Christi auf zwei Seiten der Flügel die Heiligen Erasmus und Silvester abgebildet sind und nach der Ansicht Peter Findeisens der heilige Erasmus die Züge des Magdeburger und Mainzer Erzbischofs, Administrators von Halberstadt und Kardinals Albrecht von Brandenburg trägt, vermutet Findeisen, daß der Kirchenfürst der Stifter des Altars gewesen ist.173) Ein seit 1426 belegter Erasmusaltar hat ehemals in einer Kapelle des Kreuzgangs gestanden. Ein dreiflügeliges sog. Marienaltärchen, das nach den Forschungen von Busch und Strieder eine Kopie eines Gnadenbildes in Santa Maria del Popolo in Rom ist, weist nur einen einzigen Buchstaben auf. (Nr. 187) Ein Altar mit einer Predella, heute auf dem Hochaltar, hatte im frühen 19. Jahrhundert im ersten Joch des nördlichen Seitenschiffes gestanden. (Nr. 188) Nach dem Bildprogramm könnte es sich um den Altar handeln, der nach der Vereinigung des Marienaltars in der Scheitelkapelle mit dem Georgsaltar im Jahr 1436 in dieser Marienkapelle im äußersten Osten des Doms aufgestellt war, der ja beide Patrozinien verbildlicht wiedergibt. Als Inschrift trägt das Blatt nur einen Kreuztitulus.

Ein Tafelbild mit den Vierzehn Nothelfern, das einst ebenfalls einen Altar geschmückt haben könnte, weist die Worte des Stifters miserimini (!) mei auf. (Nr. 190) Die Tafel stammt möglicherweise aus der Liebfrauenkirche. Als Kriegsverlust zu gelten hat eine Tafelmalerei, die früher über dem Eingang der Marienkapelle gehangen hat und von der noch eine Photographie vorhanden ist. (Nr. 214 †) Die Malerei mit der Darstellung eines Apokalyptischen Weibes wurde zwar zu Anfang des 15. Jahrhunderts geschaffen, die Inschrift mit ihren starken Fraktureinflüssen stammt jedoch erst aus dem zweiten oder dritten Viertel des 16. Jahrhunderts. Möglicherweise war der Text im 16. Jahrhundert restauriert worden. Vielleicht war er aber auch zu dieser Zeit erst geschaffen worden, um bestimmte religiöse Überzeugungen bezüglich des Marienheiligtums im Dom zu betonen. Auch eine Altarpredella, die aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts herrührt, wurde offensichtlich im Jahr 1620 mit der Jahreszahl und den Namen heiliger Jungfrauen versehen. (Nr. 257) Das Porträt des Reformators Philipp Melanchthon mit einem Sterbevermerk ist wohl in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden. (Nr. 277)

4.7. Kritzelinschriften

Zwanzig Inschriftenträger, das sind etwa 7 Prozent des Gesamtbestandes des Domes, weisen Kritzelinschriften auf. Die meisten wurden auf wenig professionelle Weise an den unterschiedlichsten Orten, oft mit ungenügenden Werkzeugen angebracht. Aufgenommen wurden nur solche Kritzelinschriften, die durch eine angegebene Jahreszahl oder durch die Schriftform datierbar sind. Meistens stehen sie zusammen mit Namen oder Initialen. Gesammelt wurden Kritzelinschriften zwischen 1462 und 1650. Sie befinden sich aufgemalt oder eingeritzt an den Chortüren, am Chorgestühl und den Chorschranken, an den Altarnischen des Chorumgangs oder am Lettner, in der Neuenstädter Kapelle und im Neuen Kapitelsaal. Meistens beinhalten sie (Heiligen-)Namen, Jahreszahlen, Initialen, einzelne Buchstaben, manchmal auch begonnene Satzperioden. An der nach Süden gelegenen westlichen Chortür [Druckseite XLVI] unter der Lettnerhalle nennt die älteste das Jahr 1462 und den Namen vermutlich eines Kanonikers oder Vikars. (Nr. 102) Wohl derselbe Name kommt, nach dem ausschließlich verewigten Vornamen zu urteilen, auch an der nördlichen Tür vor, nur hier mit der Jahreszahl 1469 kombiniert. (Nr. 105) Meistens ziehen solche Kritzeleien weitere nach sich, so daß dann mehrere Jahreszahlen unzusammenhängend beieinander stehen. Die Jahreszahl 1495, kombiniert mit mehreren Initialen und weiteren Jahreszahlen, weist auch eine Inschrift an einer Altarnische im dritten Joch des nördlichen Chorumgangs auf. (Nr. 117) An der Nordseite des Chorgestühls stehen vermutlich die – nach der Schriftform im Verlauf des 15. Jahrhunderts angebrachten – Heiligennamen Lambertus und Gregorius im Genitiv, als würde ein Besitz angezeigt oder auf eine Tagesdatierung Bezug genommen worden sein. (Nr. 126) Manchmal stehen auch nur einzelne Buchstaben da. (Nr. 134) Auf einem Brett neben dem eisernen Bücherkasten im Südosten des Chorumgangs, das wohl als Unterlage von Wachstafeln, Pergament oder Papierbögen fungiert hatte, um die Namen der Ausleihenden aufzunehmen, finden sich in einer Schrift des 15. Jahrhunderts die Worte: est hic e... T (Nr. 135) Nicht weit davon steht in anderer Schrift die Jahreszahl 1649 mit Initialen. (Nr. 173) An der Maßwerkbrüstung der Nordempore sieht man einige Namen, die mit Daten verbunden sind. Hier kommen die Namen IOACHIM TADKE, ASSVERVS LVDEMANN oder IaCOBVS LAWENSTEIN zusammen mit den Jahren 42 VSQ(VE) 55, 56 und 60 vor, und sie weisen wohl entweder auf Baumeister oder Bauknechte hin, die an den entsprechenden Arbeiten beteiligt waren, oder aber auf Vikare, die die Altäre der Nordempore bedienten. (Nr. 205) Den Namen ASSVERVS LVDEMANN findet man dann noch einmal an der südlichen Chorschranke zwischen den Säulen des Epitaphs für Friedrich von Brandenburg mit den Jahreszahlen ANNO 1552 VSQ(VE) 1561, was zumindest Klarheit bezüglich der zeitlichen Einschätzung der Namen an der Nordempore schafft. (Nr. 206) Ehemals befand sich ein Altar in der Nähe. Vielleicht ist hier aber auch eine Teilnahme an der Herstellung des Epitaphs für Friedrich von Brandenburg dokumentiert. Einzelne Namen im Neuen Kapitelsaal weisen vielleicht auf Bauhandwerker hin, Kritzelinschriften an der Neuenstädter Kapelle könnten auch schlecht ausgeführte Gedenkinschriften sein. (Nr. 241, 242, 256, 278, 279)

  1. LexMA Bd. VI, Sp. 510–513 (O[tto] G[erhard] Oexle). »
  2. Oexle 1983, S. 31–35, 46 f.; Oexle 1984, S. 391–434; Kroos 1984, S. 293–353; Fuhrmann 2002 a, S. 215 f. »
  3. Haber 1739, S. 18–45. »
  4. Ebd., S. 45. »
  5. Vgl. Kap. 3, S. XXV f. zur Sammlung von Oeynhausen. »
  6. Leopold/Schubert 1984, S. 14, 62–64 mit Abb. 31 und Tafel 27. »
  7. Zu den Bestattungsplätzen siehe Haber 1739, S. 39 f. »
  8. Haber 1737, S. 6–8; Doering 1899, S. 121. »
  9. Haber 1739, S. 43. Vgl. auch oben bei Anm. 19–22»
  10. Vgl. Henkel/Schöne, Sp. 443. »
  11. Siehe Kap. 3, S. 25 f. zu Oeynhausen, Sammlung und Haber 1739. »
  12. Siehe Nr. 9 † zu Annales Palidenses. »
  13. Das schon zuvor im Zentralbereich stark beschädigte Grabmal wurde bei den Umbauarbeiten im Kreuzgang in den Jahren 2004 bis 2007 durch seinen Ausbau erneut stark beschädigt und wird jetzt in der Stephanuskapelle im Kreuzgang aufbewahrt. »
  14. Vgl. zum Folgenden Fuhrmann 2006 b, S. 258–266 mit Abb. 1–14. »
  15. Ebd., S. 267 Anm. 66, 271 f. »
  16. Siehe dazu Bolze 1991, S. 77–79 mit Abb. 89–91. »
  17. Fuhrmann 2006 b, S. 260–266 mit Abb. 4–14. »
  18. Ebd., S. 271 f. mit Abb. 20–21. »
  19. Siehe zum Glockenwesen des Halberstädter Doms Nr. 28, 29, 30, 95, 97 †, 99 †, 178, 179 und Peter/Bund 1997 und Peter 1999. Es hat noch weitere in früherer Zeit abgegangene Glocken gegeben. »
  20. Diestelkamp 1929 a, S. 87. Sie wurde 1997 durch die neugegossene Micha ersetzt. Cantabona war auch nicht die Bezeichnung für die Festtagsglocke, wie Peter 1999, S. 123 meint. »
  21. LHASA Magdeburg, Rep. Cop. Nr. 681 A 1, fol. 53r–53v; ediert von Diestelkamp 1929 a, S. 87 f. »
  22. Die zweite Angabe, de Kancke, ließ sich nicht zuweisen. Nicht bei allen angeführten Glocken handelt es sich bei dem vorangestellten de um eine Präposition. Einmal heißt es: de Anderglocke, ein anderes Mal: de Spendeklocke. Gemeint ist mit de in diesen Fällen der bestimmte Artikel im Deutschen. Die Bezeichnungen de Kancke und de Moyser könnten also auch Eigennamen bedeuten. Im Fall der Bezeichnung de monasterio Huisborch steht jedoch eindeutig eine Präposition, wie aus der folgenden Ablativform zu erkennen ist. Mag sein, daß sich dieser Satz nicht nur auf eine, sondern auf alle Glocken, de parvis, bezieht und diese vom Kloster Huisburg gekauft worden waren. Auch wenn sie anhand archivalischer Quellen schwierig zu verfolgen sind und auch zu bewegen waren, so wurden Glocken doch genauso wie Teile des Kirchenschatzes verborgt, verpfändet oder verkauft; vgl. z. B. DI 59 (Stadt Lemgo), Nr. 22 †. »
  23. Peter/Bund 1997, S. 348 f.; Peter 1999, S. 123–125. »
  24. Ebd. »
  25. Siehe oben. »
  26. LHASA Magdeburg, Rep. A 14, Lit D Nr. 5 (Specificationes von Geräthschaften beym Bauamt Halberstadt (Domacten) Bauamt B 5) samt einer beiliegenden Kopie. »
  27. Nr. 97 †, 99 †. »
  28. Vgl. auch Peter/Bund 1997, S. 329–333; Peter 1999, S. 129–134. »
  29. Vgl. auch Peter/Bund 1997, S. 349; Peter 1999, S. 135. »
  30. LHASA Magdeburg, Rep. Cop. Nr. 681 A 1, fol. 53r–53v; ediert von Diestelkamp 1929a, S. 87 f.; vgl. zu den Spendeglocken auch Peter/Bund 1997, S. 332 f., 337 f., 346; Peter 1999, S. 152–154. »
  31. Vgl. z. B. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 30. »
  32. Elis 1883, S. 19. »
  33. Ebd., S. 35 mit Anm. 4; Mülverstedt 1894, S. 125. »
  34. Haber 1739, S. 40. »
  35. Vgl. UBHH Bd. 1, Taf. II Nr. 11, Taf. IV Nr. 27, Taf. V Nr. 2628, Bd. 2 Taf. IX Nr. 60. Vgl. auch die Abb. bei Siebrecht 2006, S. 702 Nr. 9, 14–16, 20. »
  36. Vgl. dazu Fitz 2003, S. 83. »
  37. Vgl. auch zum Folgenden ebd., S. 71–73. »
  38. Vgl. ebd., S. 83–85. »
  39. Vgl. ebd., S. 73 f., 148. »
  40. Vgl. ebd., S. 207–213, 354. »
  41. Vgl. ebd., S. 246–258. »
  42. Vgl. ebd., S. 194, 196–206. »
  43. Vgl. ebd., S. 236 f. »
  44. Vgl. ebd., S. 225–237, 304–327, 356–375, 245–299. »
  45. Vgl. ebd., S. 57–60. »
  46. Vgl. zur Triumphkreuzgruppe Beer 2005, Lutz 2004 und Krause 2002. »
  47. Praetorius 1619, S. 97–118. »
  48. Vgl. Kostbarkeiten 2001, S. 84 ([Ute] B[ednarz]). »
  49. Vgl. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 21–23; Fitz 2003, S. 77–146. »
  50. Vgl. Fitz 2003, S. 42 f., 245–272, 385–424; Fuhrmann 2002 b, S. 59–62; Fuhrmann 2006 a, S. 298–303. »
  51. Vgl. auch für das Folgende z. B. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 46–54. »
  52. Vgl. Fuhrmann 2002 a, S. 209–216. »
  53. Es wird sich dabei aber kaum um die Ave-Maria-Glocke gehandelt haben, wie Peter 1999, S. 131 annimmt. »
  54. Vgl. zur Reformation des Halberstädter Doms Odenthal 2005, S. 41–72; Fuhrmann 2006 b, S. 268–270. »
  55. Vgl. Kurth 1926, S. 38–52. »
  56. Vgl. dazu Wilckens 1967; Berschin 1980; Schwab 1980; Schwab 1981; Fuhrmann 2009. »
  57. Vgl. Fuhrmann 2008. »
  58. Vgl. Gynz-Rekowski 1967; Gynz-Rekowski 1968. »
  59. Vgl. Bellmann 1983. »
  60. Vgl. Kohwagner-Nikolai 2006, Nr. 31–33 S. 304–313. »
  61. Vgl. Dölger 1953. »
  62. Bellmann 1984 a, S. 98–103; Happach 1984, S. 96 f. »
  63. Schuette 1930, S. 69–72 mit Taf. 43, 44, 45; Kroos 1970, Nr. 26 S. 122–124 mit Abb. 26–28, 115, 116. »
  64. Der heilige Schatz 2008, Nr. 20 S. 90–93 (Christian Hecht). »
  65. Riant 1878, S. 233 f. »
  66. Cameron 1998, Engemann 1999, Bühl 2001. »
  67. Büsching 1819, S. 247. »
  68. Ebd., S. 247. »
  69. Vgl. Karlson 2001, S. 121–129. »
  70. Vgl. DI 19 (Stadt Göttingen), Nr. 80; Wolfson 1992, Kat. Nr. 76 S. 194 f. »
  71. Nr. 169, 170; vgl. Büsching 1819, S. 253. »
  72. Kostbarkeiten 2001, S. 109 ([Peter] F[indeisen]). »