Die Inschriften der Stadt Zeitz

1. Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Geleitwort

Der vorliegende Band „Die Inschriften der Stadt Zeitz“ aus der von den deutschen Akademien der Wissenschaften und von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften edierten Reihe „Die deutschen Inschriften“ ist der erste, der von der Potsdamer Arbeitsstelle des Unternehmens in ihrer derzeitigen personellen Zusammensetzung herausgebracht worden ist. Die Bände Brandenburg und Rügen sind in Arbeit.

Inschriften sind historische Quellen von großer Bedeutung und sind zugleich sehr empfindliche, stets von Beschädigung und Zerstörung bedrohte Zeugen – inzwischen weniger durch Gewalt im Krieg als durch Umweltschäden. Es handelt sich um Texte, die vom menschlichen Leben in großer Vielseitigkeit künden und einst von möglichst vielen Menschen zur Kenntnis genommen werden sollten. Ehe nicht die Inschriften des ganzen heute und ehemals deutschsprachigen Raumes ediert oder zumindest dokumentiert sind, kann niemand ruhen, der sich für das Erbe der Vergangenheit mitverantwortlich fühlt.

Die Sammlung und Edition von Inschriften erfordert vielseitige und tiefgehende Kenntnisse und Fähigkeiten, die nicht einfach an der Universität erworben werden können. Ohne ein intensives Hinzulernen durch die Praxis und ohne Anleitung durch erfahrene Fachleute wird man den Anforderungen nicht genügen. Zu besonderem Dank ist daher der derzeitige Vorsitzende der Mittelalter-Kommission der Akademie Herrn Kollegen Ernst Schubert (Halle) verpflichtet, dessen Vorarbeiten dem Band Zeitz zur Verfügunng standen und der der Inschriftenforschung in Berlin und Potsdam den Weg gebahnt hat. Auf ihn folgte als Projektleiter der leider allzufrüh verstorbene unvergessene Göttinger und Berliner Kollege Hartmut Boockmann. Nach ihm wirkte zeitweilig kommissarisch Herr Kollege Peter Zahn (Berlin, jetzt München). Ich gedenke dankbar der kollegialen Hilfe aus anderen Arbeitsstellen der Inschriftenforschung, vornehmlich aus Göttingen unter der Leitung von Professor Ulrich Schindel. Segensreich wirkte der Vorsitzende der Interakademischen Kommission „Deutsche Inschriften“, Herr Kollege Walter Koch (München), dem ich mich besonders verbunden fühle.

Noch ist der Weg weit zur Edition oder Dokumentation aller deutschen Inschriften. Schritt für Schritt läßt sich aber auch der längste Weg bewältigen. Der vorliegende Band möge ein guter Schritt sein.

Gießen, im Dezember 2000
Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Moraw,
Gießen,
Vorsitzender der Mittelalter-Kommission der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Vorwort

Die vorliegende Sammlung der Inschriften der Stadt Zeitz geht auf Vorarbeiten von Prof. E. Schubert aus der zweiten Hälfte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Damals war ein großer Teil der erhaltenen Inschriften auf Sammelbögen erfaßt und kurz beschrieben worden. Nach der Neugründung der Berliner Reihe der Deutschen Inschriften mit einer Arbeitsstelle an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 1992 wurde dieses Material Grundlage des nunmehr ersten an dieser Arbeitsstelle entstandenen Bandes. Die Leitung des Projektes hatte zunächst Prof. E. Schubert inne. Im Sommer 1995 übernahm Prof. H. Boockmann die Aufgabe. In dieser Zeit wuchs aus dem gesammelten Material das Manuskript. Nach dem unerwarteten Tod Prof. Boockmanns im Juni 1998 nahm von Oktober bis Dezember 1998 Prof. P. Zahn die Projektleitung wahr. In den Jahren 1999 und 2000 wurde das Projekt durch Prof. P. Moraw betreut, der alle Voraussetzungen für den Abschluß der Arbeiten sicherte.

Für ihre freundliche, interessierte Unterstützung und Hilfe bei den Arbeiten an diesem Inschriftenband gilt den Vertretern verschiedener Institutionen in Zeitz, Naumburg und Halle/Saale großer Dank: der Leiterin des Stiftsarchivs Zeitz und des Domstiftsarchivs Naumburg, Frau R. Nagel, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums Schloß Moritzburg in Zeitz, insbesondere Frau U. Haag und Frau U. Rudolf, den Mitarbeiterinnen des Stadt- und Kreisarchivs Zeitz und der Leiterin des Archivs, Frau Pentzek, dem Archivar des Stadtarchivs Naumburg, Herrn Heinzelmann, den Mitarbeitern des Landesamtes für Denkmalpflege des Landes Sachsen-Anhalt, Halle/Saale, insbesondere Frau B. Pregla und Herrn Dr. H.-J. Krause, der evangelischen Kirchengemeinde St. Michael zu Zeitz, insbesondere der Pfarrsekretärin Frau Peter, und Herrn Pfarrer Mähnert von der evangelischen Kirchgemeinde Zeitz-Aue. Herr Dr. Wießner stellte vor dem Druck seines Werkes „Das Bistum Naumburg, Die Diözese (Germania Sacra N. F. 35,1)“ Manuskriptauszüge großzügig zur Verfügung. Allen sei herzlich gedankt, die in unterschiedlicher Form die Arbeiten unterstützten und hier namentlich nicht genannt sind. Dank gilt auch den Zeitzer Bürgern, die mit Hilfsbereitschaft und Interesse bei verschiedenen Arbeiten ihre Hand reichten, ihre Häuser öffneten und nicht zuletzt durch ihre Ortskenntnis die Sammelarbeiten erleichterten.

Die Abbildungsvorlagen stammen sämtlich von Herrn Th. Kreil (Zeitz). Die Bandgestaltung lag in den Händen von Herrn D. Otte (Berlin), der auch die Steinmetzzeichen zeichnete.

In den Dank eingeschlossen werden sollen auch die Kolleginnen und Kollegen der anderen Inschriftenarbeitsstellen „Der Deutschen Inschriften“, die mit ihrer Erfahrung und ihrem Rat die Entstehung des Bandes begleiteten; besonderer Dank gilt hier Herrn Dr. R. Fuchs (Mainz) für seine Schriftanalysen und Herrn Dr. H. Drös (Heidelberg) für die Untersuchung und Klärung heraldischer Fragen. Alle Korrekturarbeiten erfolgten mit Hilfe der Kollegen in der Potsdamer Arbeitsstelle der „Deutschen Inschriften“ Frau Dr. R. Johne, Herrn Dr. J. Zdrenka und Frau B. Wolfram-Vetter. Frau Dr. Johne hat zudem an der Bearbeitung der kopial überlieferten Wandinschriften aus dem Kloster Posa einen bedeutenden Anteil.

Ganz besonders danken will die Verfasserin über seinen Tod hinaus Herrn Prof. H. Boockmann für seine jahrelange wissenschaftliche Begleitung der Arbeiten. Ebensosehr ist Herrn Prof. F. Rädle (Göttingen) zu danken, der einige sehr schwierige lateinische Versinschriften löste und in philologischen Fragen wesentliche Hinweise gab. Wichtige Kenntnisse der diffizilen Materie der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Epigraphik sowie der Inschriftenedition hat die Bearbeiterin Frau Dr. S. Wehking (Göttingen) und Frau Dr. Chr. Wulf (Göttingen) zu verdanken. Frau Dr. Wehking half bei der Analyse und Auswertung des Inschriftenmaterials. Frau Dr. Wulf hat die im Jahr 1999 notwendig gewordene grundlegende Überarbeitung des gesamten Manuskriptes bis zum Abschluß der Arbeiten im Frühjahr 2000 begleitet.

Allen Förderern dieser Arbeit, allen, die beitrugen zum Wachsen dieses Bandes, danke ich herzlich.

Oranienburg, im Frühjahr 2000
Martina Voigt

Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Im vorliegenden Band werden die im heutigen Gebiet der Stadt Zeitz vorhandenen oder für dieses Gebiet überlieferten Inschriftenzeugnisse ediert. Berücksichtigt wurden folglich auch die ehemals selbständigen Orte Aue-Aylsdorf und Zangenberg. Erfaßt wurden Inschriften, die bis einschließlich 1650 entstanden sind oder sich bis zu diesem Jahr im Stadtgebiet befunden haben. Das Jahr 1650 wird in den Bänden der Reihe „Die Deutschen Inschriften“ im allgemeinen als Obergrenze gesetzt; einen Einschnitt in die Zeitzer Geschichte stellt es nicht dar.

Angestrebt wurde eine vollständige Erfassung der original und kopial überlieferten Inschriftentexte. Ausgeschlossen wurden – den Richtlinien der Interakademischen Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften folgend – Inschriften auf Münzen und Siegeln. Auch Inschriften auf Bucheinbänden, insbesondere in den umfangreichen Beständen der Stiftsbibliothek und der Bibliothek der Michaeliskirche, wurden nicht berücksichtigt. Eine Aufnahme der Inschriften auf den Einbänden sollte in einer gesonderten Arbeit erfolgen. Es ist zu erwarten, daß auch nach Abschluß der Arbeiten an diesem Band Inschriften gefunden werden, in erster Linie bei den in den nächsten Jahren fortdauernden Umbau- und Restaurierungsarbeiten im Altstadtgebiet. Auch während der Bearbeitung dieses Bandes wurden mehrere Originalinschriften entdeckt, die zuvor als verloren galten oder unbekannt waren.1)

Die Anordnung und Bearbeitung der Inschriftenartikel sowie die Konzeption des Bandes erfolgte nach den Richtlinien der Interakademischen Kommission für die Herausgabe der Deutschen Inschriften. Die Inschriftentexte sind im Katalogteil ediert. In Anhang 1 werden regestenartig überlieferte Inschriften mitgeteilt. Anhang 2 faßt Jahreszahlen und Initialen zusammen, die nicht in Verbindung mit Inschriften stehen. In Anhang 3 werden Steinmetzzeichen, Hausmarken und Meisterzeichen verzeichnet, sofern sie in einem Zusammenhang mit Inschriften stehen. In den zugehörigen Inschriftenartikeln finden sich Verweise mit der Signatur (M) auf Anhang 3.

Die chronologische Anordnung der Inschriften erfolgte nach der in der Inschrift genannten jüngsten Datierung, deren zeitliche Nähe zur Anfertigung der Inschrift und ihres Trägers vorausgesetzt wurde.2) Undatierte Inschriften wurden zeitlich möglichst eng eingegrenzt und an das Ende des erschlossenen Zeitraumes gestellt.

Ein zehnteiliges, thematisch gegliedertes Register soll die Orientierung im Material erleichtern.

Der Aufbau der Katalogartikel

Die Katalogartikel sind untergliedert in Kopfzeile, beschreibenden Teil, Wiedergabe des Inschriftentextes, gegebenenfalls Übersetzung, Kommentar und Anmerkungsapparat.

Die Kopfzeile enthält die laufende Nummer, die Bezeichnung des Standortes3), die Datierung(en) der Inschrift(en), daneben gestellte Fragezeichen verdeutlichen Zweifel an der Angabe des Standortes oder der Datierung.

Ein Kreuz neben der laufenden Nummer kennzeichnet Inschriften, deren Original verloren ist.
(†) Nur ein Teil der Inschrift(en) ist noch im Original erhalten.

Der beschreibende Teil eines Artikels enthält Angaben zur Ausführung der Inschrift(en) und des Inschriftenträgers. Die Beschreibung erfolgt, mit Ausnahme der Wappen, vom Blickpunkt des Betrachters aus. Handelt es sich um mehrere Inschriften auf einem Inschriftenträger, so werden diese mit (A), (B), (C), … bezeichnet. Bei original erhaltenen Inschriften werden in einer abgesetzten Zeile die Maße des Inschriftenträgers, die Buchstabenhöhe der Inschrift(en) (im allgemeinen gemessen am Buchstaben N oder n) und die Schriftart(en) genannt. Bei fotografisch oder kopial überlieferten Inschriften wird die Quelle, nach der zitiert wird, genannt. Geht aus der Überlieferung die Schriftart hervor, wird diese mit einem entsprechenden Nachweis übernommen.

Der Inschriftentext ist eingerückt. Zeilenumbrüche des Originals werden bei der Wiedergabe der Inschriften lediglich durch Schrägstriche bezeichnet. Verse hingegen werden abgesetzt, auch wenn das Original einen fortlaufenden Text aufweist.

[. . .] Punkte in eckigen Klammern bezeichnen Textverlust, der nicht ergänzt werden kann. Läßt sich die Länge des verlorenen Textes feststellen, markiert ein Punkt jeweils einen ausgefallenen Buchstaben.
[. . .] Läßt sich die Länge des verlorenen Textes nicht feststellen, stehen drei durch Spatien getrennte Punkte. Ergänzter Text steht ebenfalls in eckigen Klammern.
( ) Runde Klammern schließen aufgelöste Abkürzungen ein. Dabei folgt die Schreibung ae oder e und u oder v dem Usus der Inschrift. Gibt der Inschriftentext keine Anhaltspunkte, wird nach klassischem Gebrauch verfahren. Punkte auf der Grundlinie oder hochgestellte Punkte werden nach aufgelösten Abkürzungen nur dann beibehalten, wenn die Inschrift durchgehend mit Worttrennern versehen ist. Abkürzungen von Bibelstellen innerhalb der Inschrift werden nicht aufgelöst.
/ Ein Schrägstrich markiert das Zeilenende.
// Zwei Schrägstriche markieren einen Wechsel des Inschriftenfeldes.
AE Die Unterstreichung zweier Buchstaben kennzeichnet eine Ligatur.
· Ornamentale Wort- und Zifferntrenner, Satzzeichen, Kürzungszeichen sowie Reim- und Verspunkte werden je nach Usus der Inschrift als Punkte auf der Grundlinie oder als hochgestellte Punkte wiedergegeben. Die genaue Gestalt der Zeichen wird in der Beschreibung vermerkt.

Wappenbeischriften werden im Anschluß an die übrigen Inschriften wiedergegeben. Fußnoten verweisen auf die im Anmerkungsapparat zu findenden Blasonierungen und Wappennachweise. Tragen auf dem Inschriftenträger dargestellte Wappen keine Beischriften, werden die Namen in einer der Anordnung der Wappen auf dem Inschriftenträger soweit wie möglich entsprechenden Form wiedergegeben. Fußnoten verweisen auf die im Anmerkungsapparat zu findenden Blasonierungen und Wappennachweise.

Einer fremdsprachigen, zumeist lateinischen Inschrift schließt sich die Übersetzung an.

Bei metrischen Inschriften folgt die Bestimmung des Versmaßes.

Der Kommentarteil enthält Erläuterungen zu verschiedenen, mit der Inschrift oder dem Inschriftenträger zusammenhängenden Fragen. Diese können sich beispielsweise auf Besonderheiten der Schrift, der Sprache oder des Inhalts einer Inschrift beziehen, historische oder biographische Angaben umfassen oder der Erklärung ikonographischer Zusammenhänge dienen.4)

Der Apparat gliedert sich in Buchstaben- und Ziffernanmerkungen sowie Quellenangaben. Die Buchstabenanmerkungen beziehen sich auf textkritische Probleme der Inschrift; sie enthalten abweichende Lesarten der Parallelüberlieferung, soweit sie relevant sind, und weisen auf orthographische Besonderheiten oder fehlerhafte Stellen hin. Die Ziffernanmerkungen enthalten Erläuterungen und Literaturhinweise.

Die am Schluß des Artikels angeführten Quellenangaben beziehen sich auf die wichtigsten kopialen Überlieferungen der Inschrift und geben Abbildungsnachweise. Enthält eine Publikation lediglich eine Abbildung und keine Textwiedergabe der Inschrift, ist das durch den Zusatz (Abb.) gekennzeichnet. Vollständigkeit ist bei den Quellennachweisen nicht angestrebt. Ist die Inschrift lediglich kopial überliefert, steht an erster Stelle diejenige Quelle, nach der die Inschrift zitiert wird.

  1. Als verloren galt die nur kurzzeitig freigelegte und inzwischen wieder überbaute Grabplatte für den 1585 verstorbenen Domherrn Philipp Holler in der Schloßkirche (Nr. 174). Für verloren mußten auch alle Grabplatten aus der Alten Nikolaikirche angesehen werden. Ein Grabplattenfragment im Museum Schloß Moritzburg, Zeitz, dessen Namenszeilen fehlen, konnte jedoch mit Hilfe der kopialen Überlieferung eindeutig als die Platte für den 1632 verstorbenen Knaben Johann Karl Avenarius (Nr. 287) identifiziert werden. Unerwartete Inschriftenfunde sind ein Quaderstein im Wohnhaus Messerschmiedestraße 15 (Nr. 6) und ein Wappenstein für Bischof Johannes III. von Schleinitz von 1498, der mit seiner unbehauenen Seite nach oben liegend, als Türschwelle gedient hatte (Nr. 49). »
  2. Zu keiner der mitgeteilten Originalinschriften ist das Datum oder der genaue Zeitraum ihrer Herstellung aus ergänzenden Quellen bekannt. »
  3. Die Standorte werden mit den heute in Zeitz üblichen Namen angegeben. Bei den Standortbeschreibungen ist zu berücksichtigen, daß in den drei großen Zeitzer Kirchen – Schloßkirche, Franziskanerkirche, Michaeliskirche – zum Teil umfassende Instandsetzungsarbeiten während der Zeit der Erfassung der Inschriften geleistet wurden und werden (Schloßkirche) oder aber in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Umsetzungen von erhaltenen Inschrifttragern können oder werden (Schloßkirche) damit einhergehen. »
  4. Ein großer Teil der Angaben zu den Personen wurde den Handschriften der Zaderschen Chronik (s. u., Abschnitt 3), Leichenpredigten und kleineren Archivalien entnommen. Auch durch den Vergleich des Inhalts der vorliegenden Inschriftentexte, die zu einem hohen Anteil aus Grab- und Gedächtnisinschriften bestehen, wurden Familienzusammenhänge geklärt. Querverweise sollen eine Zuordnung der Mitglieder einer Familie zueinander erleichtern. »