Die Inschriften der Stadt Zeitz

2. Die Zeitzer Inschriften und die Geschichte der Stadt

Zeitz liegt am Südrand der Leipziger Tieflandbucht, im äußersten südlichen Südwesten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Das von der Weißen Elster durchflossene Stadtgebiet erstreckt sich von der Flußniederung (Unterstadt) bis auf eine hoch gelegene Elsterterrasse (Oberstadt). In die Stadt wurden im Laufe der neueren Zeit Orte eingemeindet, die im Erfassungszeitraum noch selbständig waren.5)

Der Ortsname Zeitz (citice, cica, cice, seit etwa 1460 czeizc, zceitz) ist am ehesten mit dem altsorbischen sit „Binse, Gelände mit viel Binsen oder Riedgras“ in Verbindung zu bringen, kann aber auch aus einer noch älteren, vorslawischen Form entstanden sein.6) Schon vor der Gründung des Bistums Zeitz bestand am Ort des heutigen Schlosses Moritzburg eine königliche Grenzburg im Slawenland als militärischer Stützpunkt und Verwaltungszentrum, umgeben von damals noch ausgedehnten Waldgebieten, in denen slawische Wohngebiete wie Inseln lagen.7) Die Grenzburg gehörte zu der durch Markgraf Gero (937–965) in wiederholten Kriegen gegen die Slawen gehaltenen Mark an Mittelelbe und Saale. Nach dem Tode Geros 965 wurde die Mark in sechs selbständige Markgrafschaften geteilt, von denen möglicherweise drei die ungefähren Territorien der späteren Bistümer Merseburg, Zeitz und Meißen umfaßten.8) Bereits seit 962 bemühte sich Otto I., in der Mark des Gero eine Kirchenorganisation zu schaffen. Im April 967 beschloß die Synode von Ravenna die Einrichtung des Erzbistums Magdeburg, zu dessen Sprengel die 946/948 gegründeten Bistümer Havelberg und Brandenburg gehören sollten. Weihnachten 968 wurden schließlich die drei neuen Bischöfe von Zeitz, Merseburg und Meißen in Magdeburg geweiht. Hugo I., ein Benediktinermönch, wurde Bischof von Zeitz (968–979).9) Sein Sprengel umfaßte die Gebiete an der Pleiße und Elster bis Naumburg, im Süden bis nach Böhmen.10) Bischöflicher Sitz wurde die Königsburg Zeitz.11) Wahrscheinlich schon unter Hugo I. wurde im Bereich der Burg, vielleicht am Platz eines kleinen Vorgängerbaues, die erste feste Domkirche errichtet. Die romanische Krypta der heutigen Schloßkirche, des früheren Peter-und-Pauls-Doms, wird mit diesem Bau in Verbindung gebracht.12) Das Zeitzer Bistum erhielt bald nach seiner Gründung Landschenkungen.13)

Nur etwa 80 Jahre später veranlaßte Kaiser Konrad II. die Verlegung des Bischofssitzes von Zeitz in die Propstei nach Naumburg und damit auf das Eigengut von Markgraf Hermann von Meißen und dessen Bruder Ekkehard.14) Papst Johannes XIX. erteilte im Dezember 1028 seine Zustimmung; der Umzug wird zwischen 1029 und 1030 erfolgt sein.15) In Zeitz wurde ein Kollegiatstift eingerichtet. Die danach einsetzenden Streitigkeiten um die Benennung des Bistums (Zeitz, Naumburg oder Naumburg-Zeitz) dauerten zweihundert Jahre an. 1230 und 1231 wird dem Zeitzer Stiftskapitel die Führung des Titels Bistum untersagt. Zur Entschädigung für den Verlust erhält von nun an der Propst des Zeitzer Kapitels Sitz und Stimme im Naumburger Kapitel.16) Die politischen Hintergründe der Verlegung des Bischofssitzes stehen in der Diskussion. Während in älteren Arbeiten im allgemeinen die Begründung aus den Quellen übernommen wurde, der Bischofssitz sei in Naumburg besser zu schützen, merkte Schlesinger dazu seine Zweifel an: der bessere Schutz des Bischofssitzes wäre in Meißen eher gegeben gewesen, und es hätte keines Eigengutes der Ekkehardiner bedurft, da es in unmittelbarer Nähe königliche Burgen an der Saale gab. Er kommt zu dem Schluß, die Verlegung habe nicht zuletzt das Totengedächtnis des Vaters der beiden Brüder und ihr eigenes aufwerten sollen.17) Neuerdings sieht Wießner die in den Quellen gegebene Begründung wieder als die treffende an.18)

Das Verlustgefühl und das Bewußtsein, der ältere und eigentliche Bischofssitz zu sein, scheint in Zeitz bis ins 16. Jahrhundert gewirkt zu haben. Nur so ist die wohl um 1536 erfolgte Anbringung von zwei sich auf die Stiftung des Bistums durch Otto den Großen beziehenden Inschriftentafeln aus Stein an der Außenwand der Stiftskirche zu erklären.19) Zeitz gewann seit 1285 mit dem Amtsantritt von Bischof Bruno, der die Residenz der Naumburger Bischöfe und damit auch die zentralen Verwaltungsbehörden des Bistums hierher verlegte, wieder an Bedeutung.20) Die Bischofsburg erfuhr im Laufe der Jahrhunderte wiederholt Um- und Ausbauten. Die gravierendsten Veränderungen scheinen unter Bischof Johannes III. (1492–1517) vorgenommen worden zu sein. Er ließ die Anlage zur Hälfte neu aufbauen und einen Teich auf ihrer westlichen und südwestlichen Seite anlegen.21) Die eigentlichen Befestigungsanlagen waren aber schon vor ihm, unter Bischof Johannes II. von Schleinitz (1422–1434), gebaut worden.22)

Die Zeitzer Burg wird bereits früh eine Handwerker- und Händlersiedlung in ihrer Nähe gehabt haben, deren Anfänge vermutlich in slawische Zeiten zurückgehen. Deutsche Handwerker und Kaufleute siedelten sich im Brühl an, der vielleicht solch ein älterer slawischer Handelsplatz war. Im Schutz der Burg führte schon unter Heinrich I. (†936) und Otto I. (†973) eine Fernstraße vorbei, durch die der Brühl regionaler und überregionaler Umschlagplatz wurde.23) Die Nikolaikirche oder deren Vorgängerbau war die Pfarrkirche dieser später so genannten Unterstadt.24) Die weiter östlich auf dem Hügel gelegene jüngere Oberstadt bestand schon vor 1150.25) Beide Stadtkerne verband eine von Westen nach Osten verlaufende Handelsstraße, die an der Südseite der Burg entlang über den Brühl und die spätere Scharrenstraße/Brüderstraße in Richtung Voigtstraße und von hier stadtauswärts führte.26) Die Entwicklung der Oberstadt erhielt einen wesentlichen Schub durch die Einrichtung einer jährlichen Messe, die der Bischof im Jahre 1242, nach einem verheerenden Brand, befristet bis zum Jahre 1262 als Aufbauhilfe gewährte.27) Die Pfarrkirche der Oberstadt befand sich wahrscheinlich von Anfang an am Standort der heutigen Michaeliskirche.28) Vor der Unterstadt entwickelte sich die Stephansvorstadt mit dem 1147 gegründeten Stephanskloster.29) Ober- und Unterstadt waren bereits im 13. Jahrhundert von einer Stadtmauer mit Toren umgeben.30) Die Domfreiheit zwischen Bischofsburg und Unterstadt war durch Mauern von der Bürgerstadt getrennt und durch zwei Tore mit ihr verbunden.31) Die Zeitzer Bürger waren zumeist Ackerbürger. Nur wenige dürften ausschließlich als Handwerker für den städtischen Markt in Gewerben des täglichen Bedarfs tätig geworden sein.32) Die Zahl der in Zeitz ansässigen Fernhändler kann nur niedrig gewesen sein.33) Besonders vermögend waren die Tuchmacher, die Gerber und die Böttcher.

Der jüdische Bevölkerungsanteil in Zeitz war eher gering; die wenigen bekannten Nachrichten aus den Jahren zwischen 1276 und 1494 hat Wießner zusammengestellt.34) 1494 versprach Bischof Johannes II. der Stadt Zeitz die Ausweisung der Juden gegen eine jährliche Zahlung von 40 Talern an die bischöfliche Kammer als Ausgleich für die nun fehlenden Abgaben.35) Die Vertreibung der Juden aus Zeitz ist Teil eines im gesamten thüringisch-sächsischen Raum ablaufenden Verdrängungsprozesses, in dessen Ergebnis nach 1500 nur noch sehr wenige jüdische Einwohner zu finden sind.36) Inschriftliche Zeugnisse zur jüdischen Bevölkerung in Zeitz fehlen ganz; lediglich der Straßenname Judenstraße hat sich über die Jahrhunderte erhalten.

Der bischöfliche Stadtherr ließ Zeitz zunächst durch einen Burggrafen als höchsten Richter und einen Schultheiß, der auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte, verwalten. Im 14. Jahrhundert waren die Aufgaben des Burggrafen bereits auf einen bischöflichen Richter, die des Schultheißen auf den Stadtrat übergegangen.37) Der aus einem ruhenden und einem regierenden Teil bestehende Zeitzer Rat umfaßte zunächst zwölf Personen, von denen alljährlich ein Drittel ausschied und durch neue Mitglieder ersetzt wurde.38) Der Rat leistete seinen Treueeid nicht nur der Bürgerschaft, sondern immer auch dem Bischof. 1483 reformierte Bischof Dietrich IV. (1480–1492) die städtische Verfassung.39) Der Rat umfaßte jetzt 24 Personen und bestand aus drei Gruppen, d.h. einem sitzenden und zwei ruhenden Räten, die zweijährlich im Februar wechselten. Aus der Mitte des sitzenden Rates kam der in Zeitz auch consul genannte40) regierende Bürgermeister, dem zwei Kämmerer und der Ratsschreiber zur Seite standen. Weitere Ratsherren hatten das Amt des Baumeisters und die Aufsicht über Markt, Maße und Gewichte sowie die Qualität der Waren inne. Dabei stiegen die Ratsmitglieder im Laufe der Jahre auf der Stufenleiter der Ämter empor, so daß der Bürgermeister Erfahrungen in mehreren Ratsämtern mitbrachte.41) Im 16. Jh. wurde der Rat in nur zwei Gruppen geteilt, da mit den gewachsenen Aufgaben eine größere Zahl aktiv tätiger Ratsherren gebraucht wurde. Der Rat tagte in der Michaeliskirche, erhielt aber am Ende des 14. Jahrhunderts ein eigenes Gebäude, dessen Relikt wohl die Erdgeschoßgewölbe des Kaufhauses (Gewandhauses) am Altmarkt bilden.42) 1505 begann der Bau des noch heute bestehenden neuen Rathauses.43) Zur Bewältigung der mannigfachen Verwaltungs- und Versorgungsaufgaben in der Stadt stellte der Rat auch Stadtärzte, Pestärzte, Leichenbesorger, Gassenmeister (Polizisten) und Türmer an.44)

Die Zeit der Reformation war für Zeitz von großer Bedeutung. Anders als das Kollegiatstift und ein großer Teil des Stiftsadels45) griff die Bürgerschaft die neue Lehre schnell auf und forderte erfolgreich die Anstellung eines evangelischen Predigers in der Michaeliskirche. Der 1542 geweihte evangelische Bischof von Naumburg Nikolaus von Amsdorf richtete bald nach Amtsantritt eine Lateinschule für Bürgerkinder ein. Er folgte damit einer kurfürstlichen Anweisung von 1539 und der Forderung der Bürgerschaft.46) Diese Schule befand sich vermutlich zunächst im Bereich der Bischofsburg oder des Domes und wurde 1542 in das 1541 säkularisierte Franziskanerkloster verlegt.47) Unter den Lehrern findet man die bedeutenden Rektoren Johannes Rivius und Bartholomäus Pelaeus, die ihr Amt als Lebensaufgabe und nicht als Durchgangsstufe zu besser bezahlten Stellungen begriffen.48) Die Lehrordnung der Schule wurde im Geiste der Reformation unter Aufsicht und Beteiligung des Stadtrates ausgearbeitet und galt nach einigen Änderungen bis 1672.49)

Auch der – nach der durch kaiserliche Truppen erfolgten Vertreibung Bischof Amsdorfs – mit kaiserlicher Hilfe 1546 eingesetzte katholische Bischof Julius Pflug50) förderte die evangelische Schule. Seine erfolglosen Bemühungen um eine Gegenreformation in Zeitz stellte Pflug bald ein. Er berief den von ihm eingesetzten katholischen Pfarrer der Nikolaikirche nach heftigen Bürgerprotesten wieder ab, duldete die Einsetzung eines evangelischen Pfarrers und erhielt nur in der Domkirche den katholischen Gottesdienst aufrecht. Pflug hat für Zeitz besondere und bleibende Bedeutung, da er sich als Stadtherr mannigfach um die Stadt und ihre Bürger, insbesondere die Armen, verdient gemacht hat.

Pflug war der letzte Bischof von Naumburg-Zeitz. Nach seinem Tod im Jahr 156451) übernahmen die sächsischen Herzöge als Administratoren die Verwaltung der Besitzungen des Bistums. Die kirchliche Oberaufsicht ging auf den Stiftssuperintendenten über. Das Stiftskapitel wurde nicht aufgelöst, sondern evangelisch besetzt; eine der Domherrenstellen vergab der Landesherr. Sie blieb der Familie Luther vorbehalten, die sie zwischen 1533 und 1756 in vier Generationen ausfüllte.52) Mit der Umwandlung der Stiftskirche in eine Schloßkirche wurde 1665 die Alte Nikolaikirche Stiftskirche.53)

Der Dreißigjährige Krieg brachte auch für Zeitz den wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang.54) 63 Prozent der Wohnstätten wurden zerstört; die Stadt zählte im Jahr 1646 nur noch 1145 Einwohner gegenüber 1820 im Jahr 1542.55) Die 1644 durch schwedische Truppen zerschossene Bischofsburg wurde von 1657 bis 1665 zur Residenz der Herzöge von Sachsen umgebaut. Jahrhundertelang hatten die Domkirche, die mehrfach erweiterte und erneuerte Bischofsburg, die Gebäude von Dechanei und Schule, die Häuser der Stiftsherren und die zugehörigen Nebengebäude das Bild des mittelalterlichen Zeitz bestimmt. Jetzt wurden die Reste des bischöflichen Palastes beseitigt oder gingen im Schloßbau auf. Die Türme der Schloßkirche mußten fallen. Sie störten den architektonischen Gesamteindruck einer großen, um einen Innenhof gebauten frühbarocken Schloßanlage. Der westliche Kreuzgangflügel wich dem Südflügel des Schlosses und einem sich anschließenden Treppenhaus. Jüngste Ausgrabungen im Schloßhof und um den Dom legten Grundmauern und Fußbodenreste sowie befestigte Wege frei, die dem mittelalterlichen Bauensemble angehören, deren Zuordnung aber noch aussteht.56)

Mit dem Aussterben der Zeitzer Linie der Wettiner wurde die Moritzburg als herzogliche Residenz im Jahre 1718 aufgegeben. Im Schloß brachte man die Stiftsregierung und das Konsistorium unter. 1815 fiel Zeitz an Preußen und wurde innerhalb der Provinz Sachsen Kreisstadt. Im Schloßkomplex wurde 1820 eine Korrektionsanstalt für Frauen und Mädchen eingerichtet. Nach weiteren Zwischennutzungen ging das Schloß 1928 an die Stadt Zeitz über. 1931 bezog der Zeitzer Geschichts- und Altertumsverein den Südflügel und richtete hier seine historische Ausstellung zu Zeitz und Umgebung ein. Damit wurden die Grundlagen für das noch heute im Schloß Moritzburg befindliche Stadt- und Kreismuseum Zeitz gelegt.

2.1. Die Schloßkirche (Dom St. Peter und Paul, Stiftskirche, Trinitatiskirche)

Der älteste erhaltene Teil des Domes ist die romanische Krypta, die bisher auf die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts datiert wird.57) Im Jahr 976 oder 977 soll Bischof Hugo I. durch den Einfall eines böhmischen Heeres vertrieben und die Zeitzer Bischofskirche zerstört worden sein.58) Dabei wird in der Literatur von einem St. Peter geweihten Bau ausgegangen.59) Bereits in den Urkunden zur Verlegung des Bistums Zeitz nach Naumburg wird die Kirche des Zeitzer Bischofs Peter und Paul genannt.60) Etwa zwischen 1030 und 1100 soll eine Basilika mit breitem Mittel- und zwei schmalen Seitenschiffen errichtet worden sein.61) Wießner setzt den Bau des Mittelschiffes jedoch in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts; um 1030 sei die Kirche auf drei Schiffe vergrößert worden.62) Ein Neubau der Kirche erfolgte nach Maasberg um 1108, nach Brinkmann um 1100.63) In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (zwischen 1433 und 1452) wurde der Dom in eine spätgotische Hallenkirche mit drei gleich hohen und breiten Schiffen umgebaut.64) Der Kreuzgang entstand vielleicht in demselben Zeitraum.65) Rund zweihundert Jahre später sollte die Kirche tiefgreifenden Umbauten unterzogen werden. Im Zuge des 1657 begonnenen Schloßbaus büßte der Dom seine beiden Westtürme ein. Im Innern des Domes wurde in das westliche Joch eine gewaltige Fürstenloge mit barockem Schmuck eingebaut. Die beiden Arme des Querhauses wurden mit Orgelemporen gefüllt; die Vierung verlor damit ihre Öffnung nach Norden und Süden. Kanzel und Altar66) wurden durch barocke Stücke ausgetauscht. Die südliche Empore, auf der die Chorherren 1621 ein kunstvoll geschmiedetes Gitter mit ihren Wappen und Namen hatten anbringen lassen, trat nach der Entfernung dieses Schmuckes optisch in den Hintergrund.67) Die Innenausstattung wurde stark verändert; dabei sollen auch die Grabplatten und Epitaphien „an einen sonderbaren ort versetzt worden“ sein.68) Es ist anzunehmen, daß damals noch vorhandene mittelalterliche Ausstattungsstücke entfernt wurden. Die um den Kreuzgang angeordneten Räume wurden neuen Nutzungen zugeführt.69) Die Stiftskirche erhielt 1664 ihre Weihe als Trinitatiskirche (Schloßkirche). Vergleichbar tief einschneidende Umbauten wurden in den folgenden Jahrhunderten nicht mehr vorgenommen.

Das Kirchengebäude diente 1813 als Lazarett und wurde 1821–1891 durch die Nikolaikirchengemeinde, danach durch die im Schloßkomplex untergebrachten Korrektionsanstalten genutzt. Nachdem von 1928 bis 1945 die Kirche leergestanden hatte, wurde sie bis zum Einsturz des südöstlichen Vierungspfeilers 1982 durch die katholische Gemeinde Zeitz gepachtet.70) Die in den achtziger Jahren begonnenen umfangreichen Sicherungs- und Rekonstruktionsarbeiten fanden mit der Fertigstellung des Innenraumes 1998 einen Abschluß. Die Kirche wird durch die katholische Gemeinde genutzt.

Der Kreuzgang wurde mehrfach baulich umgestaltet. So schuf man durch das Zumauern seiner Fensterbögen am Ende des 19. Jahrhunderts Räume für ein Waschhaus. Die im Boden liegenden Grabplatten wurden durch einen Fußboden überdeckt. Ende 1962 begann das Institut für Denkmalpflege Halle, das alte Fußbodenniveau freizulegen und die Fensterbögen wieder zu öffnen. Dabei entdeckte man unter einer ca. 60 bis 80 cm dicken Schicht die Grabplatten.71)

2.2. Die Michaeliskirche

Die Michaeliskirche ist als Pfarrkirche der Oberstadt wohl gleichzeitig mit ihr entstanden. Nachrichten Thietmars von Merseburg zu einem auf einem Hügel (saltus) gelegenen Ort mit fester Kirche, den Boso, späterer Bischof von Merseburg (968–970), nach sich selbst benannt habe,72) werden immer wieder sowohl mit Kloster Posa (s. u.), als auch mit einem vermuteten Vorgängerbau der Michaeliskirche in Verbindung gebracht. Thietmar beläßt es bei einer recht allgemein gehaltenen Notiz, deren eindeutige Zuordnung zu einem der beiden Standorte nicht möglich ist.73) Die heute erkennbaren romanischen Bauteile der Michaeliskirche wurden bisher in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert, in die Zeit also, aus der auch die erste schriftliche Nachricht über diese Kirche stammt.74) Damals dem Stephanskloster inkorporiert, wurde sie in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts umgebaut und erweitert. Dabei wurden die Apsiden am Chor abgetragen, die Mauern geschlossen und in die Nord- und Südwand des längsrechteckigen Chors je ein Spitzbogenfenster eingebaut.75) Im 13. Jahrhundert entstanden aufwendige, mit Stuck verzierte gemalte Darstellungen der Apostel an den Wänden des Chorraumes.76) Um 1450 ließ Bischof Peter von Schleinitz das Nonnenkloster St. Stephan in die Stadt neben die Michaeliskirche verlegen. Zu ungefähr derselben Zeit erhielt die Kirche ihre heutige gotische Form. Die Seitenschiffe wurden verbreitert und in der Höhe ihrer Gewölbe dem Mittelschiff angeglichen. Große Seitenfenster spendeten Licht.77) Um 1520 schließlich wurde die Vorhalle an der Südwand errichtet. Wohl 151778) entstand im ersten Stock an der Nordwestecke der Kirche ein Andachtsraum für die Nonnen, aus dem ein hölzerner Gang über die Straße hinweg direkt in das gegenüberliegende Klostergebäude führte.79) Durch den Raum gelangte man auf die Empore. Die um 1450 an die nordöstliche Ecke angebaute Sakristei wurde um 1520 erweitert und aufgestockt. In ihrem ersten Stock wurde später die Bibliothek untergebracht.80) Im Zuge dieser Arbeiten erweiterte man auch die Fenster im Chorraum der Kirche, nur das an der Nordwand gelegene Fenster der Apsis wurde zugemauert, da hier jetzt die Sakristei anschloß. Dabei wurden die oben erwähnten Apostelfiguren wohl zum Teil zerstört; vielleicht waren sie damals längst übermalt. Die spätgotische Eingangshalle am Südportal der Kirche entstand ebenfalls um 1520.81) In der Zeit vor der Reformation besaß die Kirche 14 Altäre, über deren Ausstattung keine Nachrichten überkommen sind.82) Um 1763 müssen die meisten mittelalterlichen Ausstattungsstücke der Kirche noch existiert haben.83) Der wertvolle geschnitzte Hochaltar fiel erst um 1827 einer durch den damaligen Superintendenten veranlaßten Purifizierung der Ausstattung zum Opfer.84)

Die Michaeliskirche diente auch als Versammlungsort der Bürgerschaft und bis zum Bau eines Rathauses als Sitzungsort des Rates. Sie war bevorzugter Bestattungs- und Gedächtnisort der Bürgermeister und Ratsherren wie der führenden Familien der Stadt. Die Vielzahl an Tafeln und Steinen wurde nach Liebner im Juni 1792 durch den Superintendenten Kupfermeister spürbar vermindert.85) Endgültig ließ dann 1827 Superintendent Delbrück die Kirche leerräumen. Vor seinen Augen fanden nur einige wenige Steine Gnade, die heute die Bodenplatten des Chors bilden.86) Nicht eines der ehemals zahlreichen hölzernen Epitaphien ist erhalten. Der um die Kirche gelegene Friedhof wurde angesichts der häufigen Epidemien, v. a. der Pest, in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu eng für die große Zahl von Toten. 1553 zwang eine neuerliche Pestepidemie zur eiligen Verlegung der Bestattungen vor die Stadtmauern.87) Der Kirchhof um die Michaeliskirche wurde im 19. Jahrhundert eingeebnet und gepflastert.

2.3. Der Obere Johannesgottesacker

Der Friedhof wurde angelegt, nachdem die Zahl der in der Michaelisgemeinde zu bestattenden Toten im 16. Jahrhundert die Aufnahmegrenzen des an der Kirche gelegenen Friedhofs überstiegen hatte.88) 1553 ließen Stadtrat und Kirchenälteste ein vor dem Wendischen Tor gelegenes Grundstück zum Friedhof herrichten. Die 1566 auf dem Friedhof geweihte Annenkapelle wurde 1810 abgerissen.89) Im Jahre 1625 zwang die Pest zu einer Erweiterung des Friedhofsgeländes, das schließlich 1633 ummauert wurde.90) Die auf dem älteren, dem nördlichen Teil des Friedhofs gelegenen Bestattungen aus dem 16. Jahrhundert wurden 1813 und 1830 beseitigt,91) auf dem Areal entstand ein Stadtpark. Heute ist keine der in den Erfassungszeitraum gehörenden Grabinschriften des Oberen Johannesgottesackers mehr erhalten.

2.4. Die Alte Nikolaikirche

Die dritte größere Kirche der Stadt war die zwischen Unter- und Oberstadt am heutigen Nikolaikirchplatz gelegene Nikolaikirche. Sie gilt als die älteste Pfarrkirche der Stadt.92) Ihre Ursprünge reichen bis in die Entstehungszeit der Unterstadt zurück. Unklar ist, ob eine im Jahr 1079 zerstörte Jakobikirche ein Vorgängerbau am selben Ort mit anderem Patrozinium war.93) 1147 und 1230 wird eine Nikolaikapelle genannt, 1255 ein dazu gehöriger Friedhof.94) Bereits 1147 hatte der Propst des Stiftskapitels das Patronat über die Nikolaikirche inne.95) Im Jahr 1385 wurde die Kirche nach einem Brand wieder aufgebaut,96) 1576 erhielt sie neue Glocken, nachdem die alten unter Bischof Nikolaus von Amsdorf zu Geschützen eingeschmolzen worden waren.97) 1579 wurde ein evangelisches Diakonat an St. Nikolai gegründet, über das weiterhin das inzwischen evangelische Stiftskapitel das Patronat ausübte.98) In den Jahren 1618 bis 1631 wurden Taufstein, Altar, Orgel, Kanzel, Turmuhr und Empore erneuert.99) 1665 wies Herzog Moritz den Stiftsherren der Domkirche nach deren Umbau zur Schloßkirche die Nikolaikirche als Sitz an. Sie brachten Ausstattungsgegenstände des Doms mit: Kelche, Glocken, Bücher, vielleicht auch mindestens ein Altarretabel.100) 1792 wurde die Kirche erneut ausgebessert, diente aber noch im selben Jahr als Lazarett und verfiel in den folgenden Jahren. Nach dem letzten Gottesdienst wurde der mittelalterliche Bau 1821 abgerissen, der umgebende Kirchhof eingeebnet und gepflastert.101) Die Grabdenkmäler dieser Kirche wurden bei ihrem Abbruch beseitigt und als Baumaterial verwendet, die Ausstattungsgegenstände versteigert.102) Erst 1891 wurde ein Neubau an der heutigen Geschwister-Scholl-Straße geweiht. Dieser Neubau wurde Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit geräumt.

2.5. Der Untere Johannesgottesacker

Der Friedhof wurde 1586 für die Nikolaikirchengemeinde angelegt, als die Bestattungsfläche um die Alte Nikolaikirche zu klein geworden war. Seinen Namen soll er nach dem ersten Bestatteten, Johannes Kronstein, erhalten haben.103) Die heute verfallende Kapelle wurde 1603 geweiht, 1857 gründlich renoviert und auch zum Teil umgebaut. Einige „wohl erhaltene“ Grabsteine wurden damals um die Kirche herum aufgestellt.104)

2.6. Die Klosterkirche mit den Klostergebäuden

Das Zeitzer Franziskanerkloster wurde in den Dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts gegründet. Es dürfte bald nach 1238 erbaut worden sein. 1279 wurde die Kirche geweiht.105) Der ursprünglich kurze Altarraum wurde in der Zeit zwischen 1430 und 1450 verlängert.106) Das Gewölbe in seinem heutigen Zustand wird in das frühe 15. Jahrhundert datiert.107) Dementsprechend wurden die an den Deckengewölben der Kirche, im Kreuzgang und den ehemaligen Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoß des Kreuzganges gefundenen Wandmalereien in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts gesetzt.108) Nach der Säkularisierung des Klosters wurde die 1540 gegründete Lateinschule (Stiftsschule) 1541 in den Klosterkomplex verlegt. Die Unterrichtsräume waren um den Kreuzgang angeordnet. In den ehemaligen Zellen des Obergeschosses wohnten die Lehrer und der Rektor.109) 1542 wurde das Kircheninnere renoviert.110) Unter Herzog Moritz Wilhelm wurde der Innenraum 1689 bis 1692 barock umgestaltet.111) Eine umfangreichere Restaurierung erlebte die Kirche 1870 bis 1874. Dabei wurde wohl auch die Ausstattung stark reduziert.112) Es sollen „alte wertvolle Grabsteine aus der Kirche herausgenommen und als Wegplatten nach der Tür des Gymnasiums hin rücksichtslos verwendet“ worden sein.113) An der Nordwand der Kirche befanden sich außen mehrere Grabgewölbe, deren einer Teil bereits 1719 abgebrochen worden sein soll und deren Rest zwischen 1870 und 1874 verschwand.114) Im Zuge von Restaurierungsarbeiten im Kreuzgang wurden 1908 dreiteilige Bogenfenster anstelle vorhandener eckiger Fenster eingebaut.115) 1951 bis 1953 beseitigte man die Kriegsschäden.116) Die Kirche wurde noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts für Gottesdienste genutzt. Nach langem Leerstand und zunehmendem Verfall umfassen erste Restaurierungsarbeiten die Eindeckung des Daches und die bauliche Sicherung.

2.7. Die Stephanskirche

Auf dem im Mittelalter vor den Mauern der Stadt gelegenen Grundstück der Stephanskirche befand sich seit 1147 ein Benediktinerinnen-Kloster, das um 1450 zur Michaeliskirche verlegt wurde.117) Der heutige, 1741 geweihte Kirchenbau soll am Standort der Klosterkirche errichtet worden sein.118) Sein unmittelbarer Vorgänger war mehrfach umgebaut und repariert worden, behielt jedoch offensichtlich sein unansehnliches Äußeres und genügte nicht mehr den Bedürfnissen der Gemeinde.119) Einige Ausstattungstücke des Vorgängerbaus blieben erhalten: ein Kelch, vermutlich aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (Nr. 18), eine Glocke von 1482 (Nr. 43), ein Altarretabel von um 1515 (Nr. 76), ein Kelch aus dem 15. oder dem Anfang des 16. Jahrhunderts (Nr. 84), eine Schrifttafel mit der Reihe der evangelischen Pfarrer dieser Kirche von 1645 (Nr. 313). Die Chronik des Johann Zader enthält keine Informationen über die ehemals in der Stephanskirche vorhandenen Grabinschriften.120)

2.8. Das Kloster Posa

Der Bau der Kirche des 1114 von Bischof Dietrich I. gestifteten Klosters wurde 1115 begonnen und 1122 beendet.121) Das Kloster wurde mit Hirsauer Mönchen besetzt. Die ersten Dotierungen erfolgten aus den Erbgütern des Bischofs.122) 1551 wurde das Gelände des wohl erst jetzt aufgelösten Klosters verpachtet123), die Bibliothek aber gelangte (nach einem Umweg über das alte Zeitzer Schloß) 1576 in die landesherrliche Schule zu Schulpforta, wo sie sich noch heute befindet.124) Bereits im folgenden Jahrhundert waren nur noch wenige Gebäude vorhanden; alle anderen hatten als Steinbruch gedient, die Grabplatten wurden zerschlagen.125) Johann Zader überliefert, indem er selbst eine heute verschollene Handschrift Johann Linckes kopiert, Wandinschriften aus den Klostergebäuden.

2.9. Das Rathaus

Von 1505 bis 1509 wurde das Rathaus unter Leitung von Baumeister Sebaldus Waldstein aus Altenburg errichtet126) und 400 Jahre später durch Anbauten und einen Turm erweitert. Dafür mußte der auf dem Nebengrundstück seit dem Mittelalter betriebene Gasthof zum roten Löwen weichen.127)

  1. Das betrifft im vorliegenden Band nur Aue und Posa, da für die anderen Orte keine Inschriftenüberlieferung nachweisbar ist. Das 1147 in einer Schenkung Bischof Udos I. an das Kloster Posa erstmals erwähnte Aue ist seit 1952 Teil der Stadtgemeinde Zeitz (Schulz, S. 139). »
  2. Vgl. Eichler/Walther, S. 305. »
  3. Nach Schlesinger I, S. 172, wurde die Königsburg erstmals 976 erwähnt. Bereits damals habe dort eine Petrikirche bestanden. Müller, Bürger, S. 10–12, entwickelt die Theorie, Zeitz habe bereits zu dem 531 zerstörten Thüringerreich gehört. »
  4. Vgl. Geschichte Sachsen-Anhalts I, S. 78–79. »
  5. Vgl. Nr. 3»
  6. Zur Bistumsgründung Schlesinger I, S. 25, 32, 34 und Nrn. 89 und 90. »
  7. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 40. »
  8. Zur Baugeschichte und Geschichte der Kirche s. u., Abschnitt 2.1. Schloßkirche. »
  9. Schlesinger I, S. 41–42: Grundbesitz und Kirchen in den Landschaften Plisni (um Altenburg), Puonzouwa (um Zeitz an der Elster), Ducharin (um Teuchern), Weta (an der Wethau, südlich von Naumburg). Ebd., S. 50, werden die königlichen Burgen Altenburg und Zeitz samt zugehörigen Dörfern und neun Kirchen an verschiedenen Orten als Zeitzer Besitz genannt. Später wurde wohl Altenburg wieder eingezogen und Zeitz dafür der zum Gebiet Puonzouwa gehörige Burgbezirk Krossen gegeben. »
  10. Schlesinger I, S. 92. »
  11. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 47, und Wießner, Naumburg, in: LdM 6, Sp. 1055. »
  12. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 109. »
  13. Schlesinger I, S. 92–94. »
  14. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 125f. »
  15. Nrn. 89 und 90. »
  16. Drößler, Zeitz, S. 12; Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 137f. Im HB der historischen Stätten, S. 521, wird das Jahr 1286 für die Verlegung der Residenz angegeben. »
  17. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 45. »
  18. Vgl. Nr. 21»
  19. Nach 950 soll sich der Handel mit Böhmen belebt haben, vgl. Schlesinger I, S. 35. Vgl. auch Drößler, Zeitz, S. 11. »
  20. Auf die Diskussion um den Standort einer früheren Jakobskirche in Zeitz kann hier nicht eingegangen werden. Zuletzt äußert sich dazu Wießner, der mit Günther (Jakobskirche) einen Vorgängerbau der Nikolaikirche für die Jakobskirche hält, vgl. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 212. Zum Thema s. auch unten, Abschnitt 2.4. Alte Nikolaikirche. »
  21. So Drößler, Zeitz, S 12. 1147 wird Zeitz civitas, 1228 oppidum genannt, vgl. Dehio 1976, S. 528. Wießner geht mit Günther (Entwicklung) von einer planmäßigen Anlage der Oberstadt durch die bischöflichen Stadtherren im 12. Jahrhundert aus, vgl. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 213 und 573. »
  22. Drößler, Zeitz, S. 12; Günther, Entwicklung, S. 75. »
  23. Drößler, Zeitz, S. 12; Wolf, Zeitz, in: HB der historischen Stätten, S. 520. Wolf vermutet, der Bischof habe nach 1030 die Marktherrschaft nur über die Oberstadt ausgeübt, während das Kollegiatsstift die Marktherrschaft über die Unterstadt, deren Kirche (Nikolaikirche) dem Stift gehörte, innehatte. »
  24. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 213, sieht in der Michaeliskirche den Nachfolgebau der vielfach gesuchten Kirche in Bosenrode. Danach wäre der Platz oder Ort Bosenrode mit seiner Kirche im Stadtgebiet aufgegangen. »
  25. Günther, Entwicklung, S. 71. »
  26. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 214. »
  27. Drößler, Zeitz, S. 13. Die Tore waren das Herrenbäckertor und das Propsteitor. Ein drittes, das Peterstor, führte aus der Domfreiheit auf die Elsteraue. Die Domherrenstraße gibt noch heute in etwa die Lage dieses Viertels an. »
  28. Müller, Bürger, S. 29. »
  29. Vgl. Müller, Bürger, S. 28–31. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 215, schreibt von einem nicht unbedeutenden Fernhandel der Zeitzer Kaufleute mit Wolle und Tuchen im 13. Jahrhundert. »
  30. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 219–223. »
  31. Ebd., S. 223. »
  32. Vgl. Neufeld, Juden, S. 169. Neufeld zufolge lebten nach 1500 nur in Meißen, Zwickau, Plauen, Mühlhausen und Nordhausen noch Juden. »
  33. Rothe, AdG, S. 114–116. »
  34. Ebd., S. 117. »
  35. Ebd., S. 120. »
  36. Vgl. u. a. Nr. 165, Anmerkung 4. »
  37. Vgl. u. a. die Nrn. 50, 142, 165, 235, 249, 267, 276, 283. Zu Aufbau und Arbeitsweise des Zeitzer Rates vgl. Braun, Chronik, S. 31. In den Inschriftennummern dieses Bandes begegnet der geschilderte Ratsaufbau in den Lebensläufen der Bürgermeister und Ratsherren. »
  38. Droßler, Zeitz, S. 14. »
  39. Vgl. Anhang 2, 1505. »
  40. Braun, Chronik, S. 31. Vgl. auch u. a. die Nrn. 159, 168, 177, 192. Nach den überlieferten Grabinschriften sind die genannten Ämter anscheinend seit der Mitte des 16. Jahrhunderts besetzt worden. »
  41. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 169: Nur wenige der Stiftskapitularen traten zum neuen Glauben über, darunter Basilius Wilde (Nr. 110), Felician von Peschwitz (Nr. 133), Johannes Rothe (vgl. Nr. 122), Michael Arnold (Nr. 129). »
  42. 1524 kaufte der Rat ein Haus in der Rothegasse, in dem er eine Grundschule einrichtete, vgl. Schamberger, Geschichte, S. 66. Klare Nachrichten über diese Schule gibt es nicht. An anderer Stelle wird berichtet, die Schule sei mit der Stiftsschule im Franziskanerkloster vereinigt worden; so auch Philipp, S. 209, und Radtke, Aus der Zeitzer Gelehrtenschule des 16. Jahrhunderts, in: Mk. Zeitz 103, 1929, S. 9. »
  43. Rothe, AdG, S. 37. Bereits im Jahr 1140 bestand eine Schule zur Ausbildung kirchlichen Nachwuchses in einem neben dem Dom gelegenen Gebäude, vgl. Schamberger, Geschichte, S. 66. Zu Lehrern der Stiftsschule vgl. u. a. die Nrn.: 132, 134, 157, 175 und im Anhang 1, Unterer Johannesgottesacker Friedhof 1617 sowie Oberer Johannesgottesacker, neuer Teil 1626 und 1629. »
  44. Blaschke, Sachsen. Zu Pelaeus vgl. Nr. 209»
  45. Pappe, S. 76. Bis 1827 behielt die Schule den Namen Stiftsgymnasium. Wiederholt für die Schule gemachte Stiftungen ermöglichten auch die Ausbildung unbemittelter Schüler in den je 50–60 Schüler umfassenden, zunächst vier, Klassen. Nach Pappe wurden zwischen 1564 und 1568 allein 100 Stiftsschüler gefördert. »
  46. Vgl. Nr. 120»
  47. Ebenda. »
  48. Pappe, S. 35. »
  49. Pappe, S. 35. Vgl. auch unten, Abschnitt 2.4. Alte Nikolaikirche. »
  50. So wurde der Unterricht in der Stiftsschule ganz aufgegeben und erst 1660 wieder in bescheidenerem Umfang aufgenommen, vgl. Pappe, S. 79. »
  51. Müller, Bürger, S. 45. »
  52. Grabungen durch Wieland Wienkämper im Auftrage des Landesmuseums Halle. Vgl. auch Nr. 170»
  53. Dehio 1976, S. 528. »
  54. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 121. Müller, Burg, S. 344 und 345, datiert den Einfall auf 974. »
  55. Maasberg, S. 11, vermutet, es habe sich um einen Holzbau gehandelt; s. auch Wießner, Bistum Naumburg 1,1, S. 110. »
  56. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 110. »
  57. Koch/Richter, Dom, S. 2. Müller, Burg, S. 345. Braun, Moritzburg, S. 13, formuliert vorsichtig: „vor 1100“, bezeichnet die heutige Westwand aber als romanisch. Maasberg, S. 11, setzt den ersten festen Bau, von dem die Krypta der einzig verbliebene Bauteil sei, um 1000 an. Sie vermutet als Vorgängerin eine Holzkirche, die 976(!) abgebrannt sein könnte. Die Arbeiten an diesem ersten Steinbau seien aber bereits 1002 durch eine erneute Zerstörung behindert worden. »
  58. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 485. »
  59. Maasberg, S. 11; Brinkmann, Peter- und Paulsdom, S. 22. »
  60. Müller, Burg, S. 345. Koch/Richter, Dom, S. 2. Vgl. Nr. 25. Zum Problem einer späteren Datierung dieses Domumbaus vgl. die Nr. 45 und Anhang 2, 1497. »
  61. So die Datierung bei Koch/Richter, Dom, S. 21, während im Dehio 1976, S. 531, um 1400 datiert wird und Braun, Zeitz, S. 14, einen frühgotischen Kreuzgang um 1300 annimmt. Die einzige am Bau selbst vorhandene Datierung ist die Jahreszahl 1499 über einem Türbogen im fünften Joch des Ostflügels, vgl. Anhang 2, 1499. »
  62. Der Chronist Zader konnte den mittelalterlichen Hochaltar noch beschreiben, vgl. Nr. 125»
  63. Das Gitter gelangte auf Bitten des Pfarrers der Stephanskirche, Magister David Teubner, in den Vorgängerbau der heutigen Stephanskirche und wurde auf der Männer-Empore angebracht. Beim Abriß dieses alten Baues 1739 ging das schmiedeeiserne Gitter verloren, vgl. Dietmann, S. 82, Anmerkung a. »
  64. Liebner, Bd. 7, S. 37. Die erst um 1900 durch Brinkmann wiedergefundenen und im Chor aufgestellten Bronzegrabplatten können damals entfernt worden sein. Vgl. u. a. die Nrn. 36, 38, 62, 78, 91, 110, 179, 185. »
  65. Liebner, Bd. 7, S. 38. Die Kapelle Maria in ambitu wurde Kanzleistube. »
  66. Maasberg, S. 7. »
  67. Dokumentation der Arbeiten im Museum Schloß Moritzburg, Zeitz, Album A I. »
  68. Thietmar, Chron. II, 36 (Thietmar von Merseburg, neu übertr. u. erl. von Werner Trillmich. Darmstadt 1957): „... suo nomine vocavit.“ »
  69. Drößler, Michaeliskirche, S. 3, referiert Thietmar von Merseburgs Bericht über einen durch den Mönch Boso, 968 Bischof von Merseburg, nahe der Stadt Zeitz auf einem Berg ausgeführten Kirchenbau. Er identifiziert den Ort mit der auf einem Berge/Hügel gelegenen Oberstadt von Zeitz, die erwähnte Kirche sieht er als Vorgänger der Michaeliskirche. Im gleichen Sinne zuletzt Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 213. Gegen eine Identifizierung der Nachricht bei Thietmar mit Posa spricht die ziemlich klare Gründungsgeschichte von Kloster Posa, s. u. »
  70. Eine Urkunde Bischof Wichmanns von Naumburg von 1154. Zur Baugeschichte vgl. Drößler, Michaeliskirche, S. 4. Braun, Reste, S. 269, setzt einen Vorgängerbau auf das letzte Viertel des 10. Jahrhunderts. »
  71. Drößler, Michaeliskirche, S. 6. »
  72. Die Aposteldarstellungen wurden 1896 gefunden. Sie trugen Reste von Namenbeischriften. Die Darstellungen wurden in den folgenden Jahren nicht restauriert, sondern übermalt, ihre ursprüngliche Anordnung auf der Wandfläche verändert, vgl. 5. Jahresbericht des Vereins zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen für 1898/99, Magdeburg 1899, S. 65–68, auch Nickel, Wandmalereien, S. 297. 1969 wurden die Übermalungen durch Tünche verdeckt, s. Denkmale, S. 521. Die Inschriftentexte sind verloren. »
  73. Dehio 1976, S. 533. Eine hier erwähnte Zerstörung durch die Hussiten 1430 ist nicht sicher belegt. »
  74. Vgl. Anhang 2, 1517. »
  75. Liebner, Bd. 7, S. 209. Nach Liebner wurde der Gang 1617 abgerissen. »
  76. Zader/O/StdtArZz, Buch 3, fol. 521, datiert die zur Unterbringung der Bibliothek geleisteten Umbauarbeiten auf 1618 und schließt eine Datierung von Bauarbeiten am Chorgewölbe an: „inwendig übern Chor im Gewölbe stehet die Jahr Zahl 1509, ist vermutlich, daß damals daßselbe Gewölbe erbaut worden.“ Auf fol. 525 berichtet Zader, 1518 sei auch die gesamte Kirche innen geweißt und ausgemalt und die Empore mit Figuren und Bildern bemalt worden „wie die Zahl an der Wand neben den Schüler Chor ausweiset“. »
  77. Pappe, S. 38; Drößler, Michaeliskirche, S. 9. »
  78. Rothe, AdG, S. 61, berichtet, 1571 sei die Kanzel, 1611 die Taufe erneuert worden. An der hölzernen Taufe sei das Leben Jesu dargestellt gewesen. »
  79. Dietmann, S. 83: „Man erblickt bey dieser Kirche sowohl von außen als innen noch viel Gothisches … An verschiedenen alten Epitaphien und Denkmälern mit merkwürdigen Ueberschriften fehlt es hier nicht …“ »
  80. Rothe, AdG, S. 61. Lange galt der Hochaltar als vermißt. Zwei hochwertige geschnitzte Figuren des Altars werden auf der Albrechtsburg in Meißen aufbewahrt. Die 1571 gestiftete Taufe (vgl. Anm. 82) ist verschollen. »
  81. Liebner, Bd. 7, S. 195. »
  82. Darunter die Nrn. 182, 308, 315, 317. »
  83. Vgl. unten, Abschnitt 2.3. Oberer Johannesgottesacker. »
  84. Nach Rothe, AdG, S. 70, wurden zunächst die aufgenommenen Gebeine des Michaeliskirchhofs in einem Beinhaus neben der Michaeliskirche gesammelt, bis die Fassungsgrenzen des Kirchhofs dennoch erreicht waren und die Einrichtung eines neuen Friedhofs unumgänglich wurde. »
  85. Zergiebel II, S. 135. Vgl. dazu auch Nr. 199»
  86. Rothe, AdG, S. 202–204. Vgl. auch Nr. 293»
  87. Rothe, AdG, S. 208; Schamberger, Erbbegräbnis, S. 248. »
  88. Zader/O/StArZz III, S. 37. »
  89. Schlesinger I, S. 172, und II, S. 404; Günther, Jakobskirche, S. 122–126. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 182 und 212; auf S. 182 geht Wießner davon aus, daß die durch Wiprecht von Groitzsch 1079 zerstörte Jakobskirche „... offenbar als Nikolaikirche wieder aufgebaut ...“ worden sei. »
  90. Schlesinger II, S. 404; Mk. Zeitz 32, 1922, S. 119; Zader/O/StdtArZz, Buch 3, fol. 543. »
  91. Mk. Zeitz 32, 1922, S. 119. »
  92. Zader/O/StArZz III, S. 37; Liebner, Bd. 7, S. 443 und 451. »
  93. Zader/O/StdtArZz, Buch 3, fol. 543. »
  94. Mk. Zeitz 32, 1922, S. 119. »
  95. 1618 ließ Stiftspräsident Johann Ernst von Haugwitz alle katholischen Bildwerke wegschaffen, insbesondere den Altar, der im Dezember 1620 durch einen evangelisch geprägten ersetzt wurde, vgl. Liebner, Bd. 7, S. 452. Liebner beschreibt den mittelalterlichen Altar mit der Darstellung von Maria und mehreren Heiligen als minderwertig. Es kann sich um den unter Nr. 65 beschriebenen Altar in der Michaeliskirche handeln. Der lutherische Altar berichtete in sieben Bildern von der Einsetzung des Heiligen Abendmahles. 1618 ließ Wolf Christoph von Zechau den neuen Taufstein setzen. 1623 wurde die Orgel erneuert, 1631 die Kanzel, so Zader/O/StArZz III, S. 37. 1625 ließ Kanzler Josef Avenarius eine Schlaguhr für die Kirche anfertigen, berichtet Liebner, Bd. 4, S. 69. Die Empore wurde bereits 1618 eingezogen, aber erst 1646 zur Zeit der Funktion als Domherrenkirche „mit goldener Schrift gezieret“, so Zader/O/StArZz III, S. 37. »
  96. Pappe, S. 35; Mk. Zeitz 32, 1922, S. 119. »
  97. Mk. Zeitz 32, 1922, S. 119. »
  98. Rothe, AdG, S. 68. Mk. Zeitz 32, 1922, S. 119: Die Turmuhr wurde an das Rittergut Salsitz, die Orgel in das „reußische“ Dorf Harpersdorf, die kleinste Glocke nach Göbitz, zwei andere nach Haynsburg verkauft. Die Haynsburger Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg bei einem Brand der Kirche vernichtet; die beiden anderen Glocken der Alten Nikolaikirche konnten nicht ausfindig gemacht werden. Die Kirche selbst wurde für 380 Taler zum Abbruch an Malermeister Topschall verkauft, ein Teil der Bestatteten auf den Unteren Johannesgottesacker umgebettet, die meisten blieben am Ort. Ein Teil der Grabdenkmäler gelangte als Schutt in die Wälle und auf die Straßen, vgl. Zeitzer Landsmann, Nr. 86, 1932. »
  99. Rothe, AdG, S. 71. Zu Kronstein Nr. 177»
  100. Rothe, AdG, S. 69. Die im Freien aufgestellten Steine sind noch vorhanden, aber vollständig verwittert und nicht mehr identifizierbar. »
  101. Schlesinger II, S. 305. Dehio 1976, S. 534, datiert auf die Mitte des 13. Jahrhunderts. »
  102. Pappe, S. 50. Die Kirche soll bis dahin einen geraden Abschluß gehabt haben, vgl. Krautheimer, Die Kirchen der Bettelorden in Deutschland, Köln 1925, S. 109. »
  103. Dehio 1976, S. 534. Nach Krautheimer, a. a. O., war diese Kirche schon immer gewölbt und stellt damit neben der Zittauer eine architektonische Besonderheit unter den Franziskanerkirchen dar. »
  104. Datierung von Brinkmann, Wandmalereien, S. 64ff. Die Datierung wird auch von Nickel, Wandmalereien, S. 296, beibehalten. Jubelt, Gymnasium, S. 9, vermutet in Nikolaus Eisenberg (zu ihm Nr. 26) den Schöpfer der Wandmalereien, wie schon Braun, Franziskanerkloster, S. 24. Siehe auch Nr. 32»
  105. Stiftsgymnasium, S. 11. Rothe, AdG, S. 37, datiert den Umzug der Schule auf 1542. »
  106. Jubelt, Gymnasium, S. 10. Vgl. auch Nr. 126»
  107. Jubelt, Gymnasium, S. 10. »
  108. Rothe, AdG, S. 36, berichtet, sämtliche Emporen seien entfernt, Fenster, Türen und Stühle ausgetauscht und die Kanzel verlegt worden. »
  109. Stiftsarchiv Zeitz, Nachlaß Jubelt, Notiz auf einem von fünf handschriftlichen Blättern zur Klosterkirche. »
  110. Vgl. Jubelt, Gymnasium, S. 10. »
  111. Ebd. »
  112. Dehio 1976, S. 534. »
  113. Schlesinger I, S. 173. »
  114. Pappe, S. 41. Dietmann, S. 88. »
  115. Pappe, S. 41: 1447/48 soll am Standort der alten Klosterkirche ein Holzbau mit steinernem Turm errichtet worden sein, 1624 wurde der Chor in Stein ausgeführt, 1625 der Altar umgesetzt, 1627 das Kirchenvorderteil massiv gebaut, 1628 der Turm repariert. Nachdem 1644 Pfarrer Lobeck die Nordwand auf eigene Kosten in Stein hatte bauen lassen, wurde schließlich 1739 der alte Kirchenbau abgerissen. »
  116. Zu Johann Zader vgl. unten, Abschnitt 3. In der Chronik findet sich über leeren Seiten die Überschrift Stephanskirche, die darunter zu erwartende Beschreibung der Kirche, insbesondere des Kircheninneren, der Ausstattungsstücke und Grabdenkmäler fehlt jedoch. »
  117. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 485; Zader/Grubner III, S. 73 und 74. »
  118. Urkunde vom 9. November 1121, In: UB Naumburg, 123. Ausführlicher zur Ausstattung des Klosters vgl. Petzoldt, Monasterium, S. 75–78. »
  119. Wießner, Bistum Naumburg 1, 1, S. 165. Vgl. Nr. 126»
  120. Pappe, S. 45–46 (nach Zader). »
  121. Pappe, S. 45–46 (nach Zader). »
  122. Jubelt, Rathaus, S. 3. »
  123. Jubelt, Rathaus, S. 7. Vgl. auch Nr. 208»