Die Inschriften der Stadt Zeitz

3. Inschriften, Inschriftenträger und Überlieferung

Der im Katalog verzeichnete Bestand der Inschriften der Stadt Zeitz umfaßt 325 Nummern. Davon sind im Original lediglich 117 Nummern erhalten, 208 Inschriften liegen nur noch in kopialer Überlieferung vor, der damit besondere Bedeutung zukommt.

Die bei weitem umfangreichste Überlieferung stellt die von Johann Zader verfaßte Naumburg-Zeitzische Stiftschronik dar. Johann Zader wurde am 19. Oktober 1612 als Sohn des Pfarrers der Zeitzer Nikolaikirche Jakob Zader128) geboren. Nach dem Abschluß seines Studiums der Theologie 1640 wurde er Rektor der Zeitzer Stiftsschule, 1641 Diakon an St. Michael, 1647 Pfarrer an St. Nikolai und schließlich 1655 Naumburger Domprediger. Johann Zader starb am 17. März 1685 in Naumburg.129) Durch seine Anstellungen in den Städten Zeitz und Naumburg, gestützt auf sein eigenes Ansehen und das seiner Familie, war es Zader möglich, in den umfangreichen Aktenbestand von Stadt und Stift Einsicht zu nehmen. Die bereits 1653 geplante Drucklegung der Stiftschronik in tausend Exemplaren wurde immer wieder durch die Stadträte von Zeitz und Naumburg aber auch durch Vertreter der Stiftsregierung Zeitz und durch das Naumburger Domkapitel verhindert.130) Der Grund soll in der unerwünschten Offenlegung von Vorgängen in fernerer, mehr noch in näherer Vergangenheit gelegen haben. Die Interessengegensätze spitzten sich anscheinend zu, denn Zaders Erben hielten sein Manuskript über Jahre unter Verschluß, bevor sie es nach vorherigen Absicherungen an die Stadt Naumburg verkauften. Es handelt sich dabei um die im folgenden Zader/O genannte Handschrift. Eine Drucklegung wurde ernsthaft wohl nie wieder in Angriff genommen.131)

Die von Zader verfaßte Naumburg-Zeitzische Stiftschronik ist, soweit bekannt, in sechs mehr oder weniger vollständigen Fassungen überliefert, deren genauer Zusammenhang bisher noch nicht untersucht ist.

  • Zader/O im Stadtarchiv Naumburg, Autograph
  • Zader/Nb im Stiftsarchiv Naumburg, eine wohl zu Zaders Lebzeiten angefertigte und von ihm redigierte Abschrift
  • Zader/O/StArZz im Stiftsarchiv Zeitz, Autograph
  • Zader/Grubner im Stiftsarchiv Naumburg, spätere Abschrift
  • Zader/StArZz im Stiftsarchiv Zeitz, spätere Abschrift
  • Zader/StdtArZz im Stadtarchiv Zeitz, spätere Abschrift

Aus der Anlage der inschriftenüberliefernden Kapitel in den verschiedenen Handschriften lassen sich zwei Grundfassungen erschließen.132) In Fassung A, zu der die Handschriften Zader/O und Zader/Nb gehören, geht Johann Zader nach der räumlichen Anordnung der Inschriftenträger im Fußboden oder an den Wänden einer Kirche vor. Dabei lokalisiert er den betreffenden Gegenstand recht genau.133) In Fassung B, zu der deutlich die Handschriften Zader/StArZz, Zader/Grubner und wohl auch Zader/O/StArZz zählen, ordnet Zader die Inschriften einer Kirche chronologisch und verzichtet auf die Wiedergabe der ihm weniger wichtig erscheinenden Texte. Fassung A ist vollständiger als Fassung B, da hier auch Grabinschriften für Frauen und Kinder mitgeteilt werden, die in Fassung B fehlen.

Bisher war zu den verschiedenen Handschriften und ihrer Zahl wenig bekannt. In Publikationen zur Zeitzer Geschichte wird das Werk lediglich als „Zader“ zitiert, ohne auf die verwendete Fassung und Handschrift hinzuweisen. Es ist deshalb im Einzelfall sehr genau zu prüfen, welche der Handschriften zugrunde gelegt wurde. Mit der Edition der in der Stiftschronik enthaltenen Inschriften gelangen erstmals größere Teile des Zaderschen Werkes in Druck und werden damit einem über eine kleinere Zahl von Spezialisten hinausgehenden Leserkreis zugänglich.

Das Hauptinteresse Zaders galt der Geschichte des Bistums und späteren Stifts Naumburg-Zeitz und der Städte Naumburg und Zeitz, die er in seinem Werk in drei Büchern abhandelt. Das erste Buch ist in beiden Grundfassungen der Stiftsgeschichte gewidmet und enthält die geographische und historische Beschreibung des Stiftsgebietes und eine Geschichte der Bischöfe aus den schriftlichen Quellen. Das zweite Buch handelt in Fassung A von der Stadt Zeitz, in Fassung B von der Stadt Naumburg, das dritte Buch in Fassung A von der Stadt Naumburg, in Fassung B von der Stadt Zeitz. Die Gebäude und Kirchen der Stadt beschreibt Zader in eigenen Kapiteln und geht dabei auch auf deren Innenausstattungen, zu denen die Inschriften gehören, ein. Zader nennt den Platz, an dem er die Inschrift vorfand, oder die Quelle, auf die er seine Überlieferung stützt, beschreibt häufig kurz den Inschriftenträger und benennt zumeist auch das Material. Den Inschriftentext überliefert er grundsätzlich wortgetreu, wobei es zu orthographischen Abweichungen kommen kann. Diejenigen Inschriften, denen Zader besondere Bedeutung zumaß, sind buchstabengetreu und mit der Zeilenanordnung der Vorlage wiedergegeben. In diesen Fällen übernimmt er auch die Schreibung in Majuskeln und Minuskeln der Inschrift.

Als Leithandschriften für die Wiedergabe der Inschriften werden hier Zader/O und Zader/Nb zugrunde gelegt. Die Schreibung des Chronisten wird beibehalten. Eine Ausnahme bildet der in lateinischen Texten verwendete Buchstabe ß, der in ss aufgelöst wird. Die Zadersche Interpunktion wurde nicht beibehalten, da sich nicht erweisen läßt, daß sie mit dem jeweiligen Original identisch ist.

Die Stiftschronik enthält insgesamt 108 nur in Regestenform überlieferte Grabinschriften, bei denen sich nicht mehr feststellen läßt, inwieweit sie wörtliche Bestandteile der Inschriftentexte enthalten. Diese können daher entsprechend den Bearbeitungsrichtlinien nicht in den Katalog aufgenommen werden. Die Regesten sind aus diesem Grund in Anhang 1 wiedergegeben. Sie beziehen sich überwiegend auf die Friedhöfe „Oberer Johannesgottesacker“ und „Unterer Johannesgottesacker“ und deren Kapellen.

Außerhalb des Zaderschen Werkes werden nur einzelne Inschriften bei Jakob Thamm (abgeschlossen 1601, Autograph)134) und Christian Gottlieb Liebner135) wiedergegeben. Beide Überlieferungen befinden sich im Stadt- und Kreisarchiv Zeitz/Moritzburg.

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Die Inschriftenüberlieferung der Stadt Zeitz setzt im 12. Jahrhundert mit der auf 1123 datierten Grabschrift des Bischofs Dietrich I. ein (Nr. 1). Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts sind weitere fünf Inschriften zu verzeichnen, bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zwölf Inschriften. Etwas dichter wird die Überlieferung im 15. Jahrhundert mit 37 Inschriften und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit 41 Inschriften. 113 Katalognummern fallen in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, 108 Nummern in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Der Inschriftenbestand wird dominiert von der Gruppe der Grabinschriften, die 238 Nummern umfaßt. Sehr viel kleiner ist die nächstgrößere Gruppe der Bau- und Hausinschriften mit 22 Nummern. Als weitere kleine Bestände sind die Glocken und Gemälde mit jeweils neun Nummern und die Kelche mit sieben Nummern zu nennen. Als Besonderheit ist hier auf eine Gewandnadel (Nr. 210) als Inschriftenträger zu verweisen.

Von den 238 Grabinschriften liegen 67 in originaler Überlieferung vor. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts überwiegen die im Original erhaltenen Inschriften, während in der darauffolgenden Zeit der Großteil der Texte nur noch in Abschrift vorliegt. Dies erklärt sich vermutlich daraus, daß die Grabdenkmäler des 16. und 17. Jahrhunderts bei der Renovierung der Kirchen im 18. und besonders im 19. Jahrhundert als künstlerisch wertlos erachtet und aus den Kirchen entfernt wurden.136) 81 Grabinschriften stammen aus der Schloßkirche (der ehemalige Dom und Domkreuzgang), davon liegen 45 nur noch in kopialer Überlieferung vor. In den Bereich der Klosterkirche gehören 61 Grabinschriften, von denen nur noch sieben Inschriften im Original überliefert sind. Aus der Michaeliskirche stammen 43 Grabinschriften, darunter nur fünf erhaltene. Die 21 Grabinschriften der Alten Nikolaikirche sind bis auf ein Fragment verloren.

Unter den Grabdenkmälern sind die Grabplatten und Epitaphien hinsichtlich ihrer Situierung und ihrer Funktion als zwei große Gruppen voneinander zu unterscheiden. Eine Grabplatte diente als Bedeckung des Grabes, befand sich also ursprünglich unmittelbar am Begräbnisort. Heute ist diese unmittelbare Zuordnung der Platte zum Grab in den meisten Fällen nicht mehr erkennbar, da diese Denkmäler zumeist von ihrem ursprünglichen Platz entfernt und an den Kirchenwänden aufgestellt wurden. Den überwiegenden Teil der Grabplatten machen hochrechteckige Platten aus Sand- oder Kalkstein aus, die in einigen Fällen mit Metalleinlagen versehen waren; bei fünf Nummern handelt es sich um Bronzegrabplatten (Nr. 21, 36, 38, 62, 78).

Schon die älteste erhaltene auf das Jahr 1308 datierte steinerne Grabplatte (Nr. 9) zeigt die auch in späterer Zeit überwiegende Gestaltung mit umlaufender Inschrift. Im Mittelfeld findet sich hier die Ritzzeichnung eines Kreuzes. Drei auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datierende Grabplatten weisen im Innenfeld erstmals figürliche Darstellungen in Ritzzeichnung auf, bei denen es sich in zwei Fällen um einen Geistlichen (Nr. 13 und 19) und in einem Fall um einen Ritter (Nr. 14) handelt. Die älteste Grabplatte mit einem figürlichen Relief im Innenfeld stammt aus dem Jahr 1452 (Nr. 31). Die figürliche Darstellung eines Bürgerlichen findet sich erst auf einem aus dem Jahr 1619 stammenden Stein (Nr. 262). Neben den Abbildungen der Verstorbenen in Ritzzeichnung oder Relief finden sich auf wenigen Platten auch Darstellungen von Kelchen oder Wappen im Mittelfeld. Zwei Doppelgrabplatten aus den Jahren 1514 und 1557 (Nr. 73 und 112) sind jeweils für zwei im Relief dargestellte Vikare bestimmt. Die älteste Grabplatte mit zeilenweise verlaufender Inschrift stammt aus dem Jahr 1510 (Nr. 67); diese Form kommt bis zum Ende des Bearbeitungszeitraums immer wieder vor, ist mit insgesamt nur 14 Nummern jedoch deutlich seltener als die Grabplatten mit umlaufender Inschrift. Die Kombination beider Formen zeigen zwei Grabplatten aus den Jahren 1585 und 1637 (Nr. 173 und 304).

Der Zeitzer Inschriftenbestand enthält insgesamt zwölf Grabplatten mit auf Stein aufgebrachten Metall-einlagen oder größeren Metalltafeln. Keines der aus Metall gefertigten Stücke befindet sich heute noch auf der originalen Steinplatte.137) Die älteste überlieferte Bronzegrabplatte aus dem Jahr 1434 zeigt die Figur des Bischofs Johannes II. von Schleinitz in Ritzzeichnung; die um die Tafel gesetzte Rahmenleiste mit der Inschrift ist verloren (Nr. 21). In derselben Form war auch die vermutlich für Bischof Peter von Schleinitz angefertigte Grabplatte (Nr. 38) aus dem Jahr 1463 gestaltet, von der ebenfalls nur das in Metall gefertigte Innenfeld erhalten ist. Im Falle der Grabplatte des im selben Jahr verstorbenen Bischofs Georg von Haugwitz (Nr. 36) ist nur die Rahmenleiste erhalten. Zwei Grabplatten aus den Jahren 1501 und 1520 (Nr. 62 und 78) weisen Rahmenleisten aus Metall und separat gefertigte Relieffiguren der Verstorbenen auf. Bei den kleineren Metalleinlagen der anderen Grabplatten handelt es sich um rechteckige Tafeln oder Medaillons mit Inschriften, die teilweise mit Wappen und figürlichen oder ornamentalen Verzierungen kombiniert sind. Der überwiegende Teil dieser Inschriften ist erhaben ausgeführt. Diese Stücke stammen aus der Zeit von 1539 bis 1602.138)

Während die Grabplatte an den Begräbnisort gebunden war, konnte das Epitaph, das häufig zusätzlich zur Grabplatte angefertigt wurde, an einem beliebigen Platz errichtet werden. Im Zeitzer Inschriftenmaterial setzt eine räumliche Trennung von Begräbnisort und von Gedächtnisort Kirche, in der ein Epitaph angebracht wurde, anscheinend erst nach der Einrichtung des ersten Zeitzer Friedhofs, des Oberen Johannesgottesackers, ein. In der Zeit davor befinden sich Grabplatte und Epitaph in enger räumlicher Nähe. Die meisten Epitaphien des Zeitzer Bestands sind lediglich kopial überliefert; über ihre Gestaltung lassen sich nur unzureichende Angaben gewinnen. Lediglich fünf Epitaphien sind erhalten, die in die Zeit von 1536 bis 1603 fallen. Vier der Epitaphien haben die Form hochrechteckiger Steine mit einem Aufsatz (Nr. 87, 108, 116 und 141). Sie zeigen alle den Verstorbenen, in einem Fall eine Frau, in Bethaltung unter dem Kreuz, sowie Tafeln oder Kartuschen mit Inschriften. Das einzige erhaltene hölzerne Epitaph aus dem Jahr 1603 (Nr. 223) ist zugleich das einzig bekannte Epitaph aus dem Berichtszeitraum, das eine aufwendigere mehrteilige Gestaltung aufweist. Es ist vor allem auch deshalb hervorzuheben, weil eine als Baum gestaltete 32teilige Ahnenprobe den Gesamteindruck dominiert.

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Der Gesamtbestand der Zeitzer Inschriften setzt sich zusammen aus 190 Inschriften in lateinischer und 107 Inschriften in hochdeutscher Sprache sowie 21 Inschriften, die sowohl deutsche als auch lateinische Texte enthalten. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts sind alle Inschriften ausnahmslos in Latein abgefaßt. Die hochdeutsche Sprache findet sich erstmals in der Michaeliskirche auf Spruchbändern einer auf die Mitte des 15. Jahrhunderts datierten Wandmalerei, die die Legende von den drei Lebenden und den drei Toten darstellte (Nr. 34).

Für die Grabinschriften des Zeitzer Bestands wird überwiegend die lateinische Sprache verwendet. 142 durchgehend lateinischen Inschriften stehen 81 Inschriften in hochdeutscher Sprache gegenüber, auf zehn Denkmälern finden sich Inschriften in beiden Sprachen. Die älteste überlieferte Grabinschrift von 1123, die für Bischof Dietrich I. verfaßt ist, besteht aus einem kurzen Sterbevermerk in Prosa und einer vier Hexameter umfassenden Versinschrift. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts sind weitere zwei in Versen abgefaßte Grabinschriften überliefert, von denen eine für den 1394 verstorbenen Dechanten Heinrich Dreisker von Etzdorf (Nr. 16), die andere für den 1434 verstorbenen Bischof Johannes II. (Nr. 22) bestimmt war. Diesen wenigen Versinschriften stehen insgesamt 28 Prosagrabschriften gegenüber, die aus einem formelhaften Sterbevermerk und einer Fürbitte bestehen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kommen insgesamt vier lateinische Versinschriften in Kombination mit Prosagrabschriften vor.

Neben den formelhaften kurzen lateinischen Prosagrabschriften treten seit dem Ende des 14. Jahrhunderts Inschriften mit erweitertem Formular auf, seit Beginn des 16. Jahrhunderts auch freier formulierte Texte. Als Beispiel für ein erweitertes Formular kann hier die Grabinschrift des 1393 verstorbenen Hermann von Etzdorf angeführt werden, die eine kurze Erwähnung seiner geistlichen Würden enthält (Nr. 15). Die Grabinschrift des 1501 verstorbenen Damian Roggenbach benennt den Begräbnisplatz und endet in einer ausführlicher formulierten Fürbitte (Nr. 61). Auf der erhaltenen Grabplatte des Eckardt Museler von 1510 steht das Epitheton venerabilis und eine kurz gefaßte Beschreibung seiner beruflichen Tätigkeit (Nr. 67).

Von diesen weitgehend formelhaften Texten heben sich die frei formulierten lateinischen Prosagrabschriften für Andreas Leuchtenstern aus dem Jahr 1501 (Nr. 63) und für Heinrich Schmiedeberg aus dem Jahr 1520 (Nr. 78) deutlich ab. Die Grabschrift von 1501 enthält eine Biographie des Verstorbenen, die Grabschrift von 1520 erinnert an eine Stiftung Schmiedebergs und fordert den Vorübergehenden dazu auf, für diesen zu beten. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden die kurzen lateinischen Prosagrabschriften seltener verwendet im Gegensatz zu den immer häufiger werdenden frei formulierten längeren Texten. Letztere nehmen bis zum Ende des Erfassungszeitraums an Umfang zu und enthalten teilweise ausführliche biographische Angaben. Besonders hervorzuheben ist hier die Grabschrift für den 1564 verstorbenen Bischof Julius Pflug, die neben längeren biographischen Ausführungen auch eine wortreiche Würdigung seiner Verdienste enthält (Nr. 120).

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts finden sich im Zeitzer Bestand erstmalig Prosagrabschriften in deutscher Sprache. Die beiden ältesten deutschen Prosagrabschriften für den bischöflichen Kanzler Johannes Biermost von 1512 (Nr. 70) und für den Bürgermeister Matthäus Sichling von 1514 (Nr. 74) bestehen aus einem kurzen Sterbevermerk, dem im Fall des Johannes Biermost noch eine Fürbitte hinzugefügt ist. Diese Form der kürzeren deutschen Prosagrabschrift wird in der Folgezeit beibehalten und seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch mit lateinischen und deutschen Versinschriften oder mit lateinischen Prosainschriften kombiniert.

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts treten verstärkt lateinische Versgrabschriften auf, die häufig mit lateinischen oder deutschen Prosagrabschriften in Verbindung stehen. Die erste lateinische Versgrabschrift, die nicht für einen Geistlichen bestimmt ist, wurde dem nach 1523 gestorbenen bischöflichen Amtsverwalter Georg Ganser gewidmet (Nr. 82). Eine Sonderstellung nehmen die Inschriften auf dem Epitaph der Magdalena Walther, der Ehefrau des Johannes von Schenitz, von 1559 ein, unter denen sich nicht nur die einzige im Zeitzer Bestand überlieferte lateinische Versgrabschrift für eine Frau befindet, sondern auch eine umfangreiche Inschrift in deutschen Reimversen und das älteste auf einem Zeitzer Grabdenkmal vorkommende Bibelzitat, hier in lateinischer Sprache (Nr. 116). Mit der als Chronodistichon abgefaßten Grabschrift für den 1562 verstorbenen Bürgermeister Ambrosius Weiße (Nr. 118) setzt die Verwendung der lateinischen Versgrabschriften in Kreisen des gebildeten Bürgertums ein. Die in deutschem Reimvers verfaßten Grabschriften bleiben im Zeitzer Material mit insgesamt vier Nummern (Nr. 137, 146, 171 und 177) die Ausnahme. Auch Bibelzitate in lateinischer oder deutscher Sprache auf Grabdenkmälern kommen im Zeitzer Material mit zehn Nummern vergleichsweise selten vor. Dies erklärt sich möglicherweise daraus, daß das Interesse des Kopisten Zader vorwiegend den biographische Angaben enthaltenden Sterbevermerken galt, so daß er nur in Einzelfällen die auf den Grabdenkmälern befindlichen Bibelzitate oder Grabgedichte wiedergab. Insgesamt überwiegen die Prosatexte in deutscher wie in lateinischer Sprache auf den Grabdenkmälern bis zum Ende des Erfassungszeitraums deutlich.

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Von den insgesamt 22 Bau- und Hausinschriften sind noch neun Inschriften im Original erhalten. Zehn Nummern sind dem weltlichen, zwölf Nummern dem geistlichen Bereich zuzurechnen. Soweit sich die Sprache der Haus- und Bauinschriften aufgrund genügenden Wortmaterials feststellen läßt, überwiegen die lateinischen Texte mit elf Nummern gegenüber fünf deutschen Inschriften und einem deutsch-lateinischen Mischtext. Die älteste Bauinschrift aus dem Jahr 1223 befand sich an einer Mühle des Stifts (Nr. 4). Es handelt sich dabei um eine längere in Prosa abgefaßte lateinische Stiftungsinschrift. Unter den Inschriften aus dem weltlichen Bereich finden sich unterschiedliche Texttypen: drei Stiftungsinschriften, eine Grundsteinlegungsinschrift, eine Bauinschrift, zwei Namen mit Baudatum, in einem Fall mit kurzem Bibelzitat, ein Gasthofsname sowie eine Devise religiösen Inhalts zusammen mit einem Baudatum. Damit weisen die Bauinschriften des weltlichen Bereichs ein breites, wenn auch nur mit Einzelfällen zu belegendes Spektrum an Texttypen auf. Es fehlen im Zeitzer Bestand Sprüche und Sentenzen weltlichen oder religiösen Inhalts.

Bei den Bauinschriften aus dem kirchlichen Bereich handelt es sich in sieben Fällen um Stifterinschriften, davon sind vier Inschriften als längere Prosatexte formuliert, drei Inschriften bestehen lediglich aus Baudatum und Jahreszahl. Daneben kommen noch drei längere Bauinschriften vor. Die Bauinschrift der Kapelle des Unteren Johannesgottesackers von 1603 schildert in deutschen Reimversen, wie der Bau ‚ins Trockene gebracht‘ wurde (Nr. 226). Eine Sonderstellung unter den Bauinschriften nimmt zum einen das in der Schloßkirche angebrachte Schriftband mit der Inschrift Ich heyse keselib (Nr. 57), zum anderen die Inschrift an der Kapelle „Maria in ambitu“ im Kreuzgang der Schloßkirche ein (Nr. 72). Die auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datierte Käselieb-Inschrift ist nur bedingt als Bauinschrift anzusehen, da die Verbindung mit dem Bau der Schloßkirche auf einer Sage beruht. Wenn man sie als Bauinschrift auffassen will, handelt es sich hierbei, zusammen mit der in den gleichen Bauzusammenhang gehörenden Stifterinschrift von 1487 (Nr. 45), um die älteste deutschsprachige Bauinschrift des Zeitzer Bestandes. Die Inschrift an der Kapelle „Maria in ambitu“ schildert in fünf lateinischen Distichen den Neubau der Kapelle im Jahr 1512 und gibt als Begründung für die Baumaßnahme an, daß die Akustik in der alten Kapelle als unzureichend empfunden wurde.

  1. Nr. 247»
  2. Vgl. Mitzschke, Inschriften, S. 155–156. Hier findet sich auch der Text der Grabinschrift von Johann Zader. Den Grabstein soll Zader zwei Jahre vor seinem Tode in Auftrag gegeben haben, vgl. Grubner, Hist. Nachr., S. 23. »
  3. Philipp, 1800, S. 42. Zader hatte vom Zeitzer Domkapitel bereits einen Druckkostenzuschuß von 12 Talern bei geschätzten Gesamtkosten von 40 Talern bewilligt bekommen, vgl. Grubner, Hist. Nachr., S. 23. »
  4. Philipp, 1800, S. 42, beklagt nicht nur selbst den großen Mangel, sondern zitiert auch ein Werk von Zschakwitz, Jus Publicum, 1710, in dem es heißt „Es wäre zu wünschen, daß Zaders Naumburgische Chronik das Licht der Welt erblicken dürfte, weil sie viel Singularia historica hat, allein weil dieser Mann ein so großer Liebhaber von der Wahrheit gewesen, so möchte daran nicht zu gedenken seyn.“ 1763 beklagt Dietmann, S. 82, das Fehlen des Zaderschen Werkes in gedruckter Form und wünscht, zumindest „im Compendio“ gedruckten Zugang. »
  5. Grubner, Hist. Nachr., S. 28, beschreibt die ihm zugängliche Fassung als die kürzere und vermutet eine in Naumburg vorhandene Vollversion, von der er Berichte vorliegen hatte, deren Verbleib damals jedoch ungeklärt war. Es handelt sich ganz offensichtlich bei der Grubner bekannten Originalhandschrift um die hier Zader/O/StArZz benannte Fassung, die aus Naumburg beschriebene ist die hier Zader/O benannte. Grubner geht bei seiner Analyse von den Mitteilungen im historischen Teil aus; seine Beobachtung scheint das nur vom Inschriftenmaterial her Erläuterte zu bestätigen. »
  6. Zader teilt Orientierungspunkte (wie z. B. eine bestimmte Kirchenwand, Pfeiler, Lesepult, Empore, Altar, Taufstein) mit und geht dann die Reihe der Inschriftendenkmäler ab. Es ist sogar möglich, sich aufgrund seiner Beschreibung ein ungefähres Bild vom Inneren der Zeitzer Kirchen im 17. Jahrhundert zu machen. »
  7. Gebundene Handschrift in drei Folio-Bänden im Stadt- und Kreisarchiv Zeitz unter den Nummern 3500 00/15, 3500 00/16, 3500 00/17. Die mit Hilfe eines Schreibers am 10.11.1600 begonnene Niederschrift wurde am 31.12.1601 beendet. Der von Thamm selbst gegebene Kurztitel der Chronik lautet: Regentenbuch des Stifts Naumburg und Zeitz. Der erste Band umfaßt den Zeitraum von 966 bis 1541. Der zweite Band behandelt den Zeitraum von 1542 bis 1586, der dritte Band den Zeitraum von 1586 bis 1601. Vgl. auch Nr. 235»
  8. Chronik der Stadt Zeitz, Bd. 1–8, 1729, handschriftl. Ms. in gebundenen Bänden im Stadt– und Kreisarchiv Zeitz unter der Nummer 3500 00/06 bis 3500 00/13»
  9. Vgl. dazu oben zur Michaelis- und zur Klosterkirche. Die Denkmäler der Alten Nikolaikirche gingen bei deren Abriß zugrunde (s. o.). Der Umbau der Stiftskirche zur Schloßkirche zog bereits in den 50er Jahren des 17. Jahrhunderts die Vernichtung eines Großteils ihrer Denkmäler nach sich. »
  10. Eine ihrer Metalleinlagen beraubte Steinplatte ohne Inschrift ist in die Westwand des Inneren der Schloßkirche eingelassen. Die vorhandenen Metallplatten konnten ihr nicht zugeordnet werden. »
  11. Nr. 91, 107, 110, 121, 179, 185 und 219»