Die Inschriften der Stadt Helmstedt

[Druckseite LVI]

6. NICHT AUFGENOMMENE INSCHRIFTEN

0.1 Eine im Kloster St. Marienberg aufbewahrte Altardecke aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt nicht aus Helmstedt, sondern aus dem Augustinerchorfrauenstift Heiningen. Ihre Inschriften sind bearbeitet von F. Eisermann, Die Inschriften auf den Textilien des Augustiner-Chorfrauenstifts Heiningen (Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, I. Philologisch-Historische Klasse 6, 1996) Göttingen 1996, S. 227ff., hier S. 232ff.

0.2 Eine in St. Stephani vorhandene Messingschale, wohl aus dem frühen 16. Jahrhundert, mit einer Darstellung der Verkündigung und Buchstabenband MIVCHDF wurde nach Querner 1, S. 42 erst 1830, also außerhalb des Bearbeitungszeitraums, bei einer Auktion in Braunschweig erworben.

0.3 In der biographischen Literatur zu Reiner Reineccius, professor historiarum scribendarum in Helmstedt, ist seit G. J. Rosenkranz, Reiner Reineccius (1541–1595) – Ein Überblick seines Lebens und Wirkens, in: Zs. für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde, hg. von dem Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens, Bd. 9, 1846 die Rede von einem Denkmal in der St. Stephanikirche mit einer Inschrift in elegischen Distichen

  1. Quidquid Graia docet quidquid Romana vetustasQui jacet hic animo clauserat ille suoNulla parem nedum majorem secula noruntIngenio tantus judicioque fuitDum suus historiae splendor constabit et artiHuic sacer aeterna laude manebit honos.

Übersetzung:

Was das griechische und das römische Altertum lehrt, hatte der mit seinem Geist umfaßt, der hier ruht. Kein Jahrhundert kennt einen, der ihm gleicht, geschweige denn, der größer ist, so bedeutend war er nach Genie und Urteilskraft. Solange in Zukunft ein eigenes Ansehen für Geschichte und Kunst besteht, wird ihm in ewigem Ruhm heilige Ehre beschieden sein.

Tatsächlich handelt es sich bei der „Inschrift“ um ein falsch gedeutetes, fiktives literarisches Epitaphium, verfaßt von Heinrich Meibom (1555–1625), Professor für Dichtkunst und Geschichte an der Universität Helmstedt. Meibom ergänzte eine ihm von seinem Freund Reineccius anvertraute autobiographische Skizze u. a. um die Todes- und Beisetzungsumstände des Reineccius (Exuviae in templo D(ivi ) Stephani quiescunt – „seine sterblichen Überreste ruhen in der Kirche St. Stephani“), fügte, literarischem Brauch folgend, als Abschluß ein EPITAPHIVM überschriebenes Gedicht hinzu und veröffentlichte beides im Vorspann des von ihm besorgten 3. Bandes von Reineccius’ Historia Julia, Helmstedt 1597. Ein Nachdruck erfolgte bei J. Goes, Opuscula varia de Westphalia, Helmstedt 1668, S. 224ff.

0.4 Die Bibliothek des Klosters St. Ludgeri wurde 1602 von dem damaligen Propst Heinrich Steinhus (1599–1613) neu geordnet. Er hat dies in seiner Abschrift der „Historia monasterii Werthinensis“ des Heinrich Duden selbst mitgeteilt und kommentarlos folgende Verse angefügt (Werdener Geschichtsquellen 1,1, S. 42):

  1. Deo opt(imo) max(imo) sacrumOrdine qui pulchro digesta volumina cernistam nova quam longo tabida pene situSteinhusii lauda studiumque fidemque laborecuius in hoc cernis tot monumenta locoPraepositi munus deposcit utrumque tueriparta bona et studiis invigilare sacrisSteinhusius neutrum dum negligit esse laboratexemplum vigilis nobile praepositi.

LVII

Übersetzung:

Gott, dem Besten und Größten, geweiht. Der du die Buchbände in schöner Ordnung verteilt siehst, die neuen und die, die durch langdauernden Moder fast hingeschwunden sind, lobe den Eifer und die Gewissenhaftigkeit des Steinhus, durch dessen Anstrengung du an diesem Ort so viele Denkmäler siehst. Das Amt des Propstes fordert beides, erworbene Güter zu bewahren und stets auf die heiligen Studien bedacht zu sein. Wenn Steinhus keines von beiden vernachlässigt, bemüht er sich, ein edles Beispiel eines wachsamen Propstes abzugeben.

Auch wenn Inhalt und Einleitungsformel den Text als Inschrift ausweisen, fehlt ein Hinweis auf eine tatsächliche inschriftliche Ausführung.

0.5  Eine im Braunschweigischen Landesmuseum aufbewahrte Lade aus dem Jahre 1634, Inventarnr. Zg 1413, wird nach dem Begleittext des Museums der Helmstedter Hutmachergilde zugewiesen. Von den auf der Lade inschriftlich genannten Personen läßt sich keine in Helmstedt nachweisen. Eine Helmstedter Provenienz der Lade scheint danach nicht gegeben.

0.6  Zwei am Haus Magdeburger Tor 3 eingemauerte Grabplatten stammen vom ehemaligen Friedhof der im Zweiten Weltkrieg zerstörten katholischen Kirche St. Nikolai in Braunschweig. Ihre Inschriften sind bearbeitet von I. Henze, Zwei Grabsteine französischer Emigranten in Helmstedt: D’Aligre und de Limon-Hallwin. In: Braunschweigisches Jb. 73, 1992, S. 25ff.

Zu den Kriterien bei der Aufnahme inschriftlich bezeichneter Porträts von Helmstedter Professoren in den Katalog vgl. Anm. 144.

Zitationshinweis:

DI 61, Stadt Helmstedt, Einleitung, 6. Nicht aufgenommene Inschriften (Ingrid Henze), in: inschriften.net,   urn:nbn:de:0238-di061g011e005.