Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 73† † Schloss vor 1585

Beschreibung

Bildteppich. Seide; anlässlich der sogenannten Jülicher Hochzeit 1585 zwischen Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und Markgräfin Jakobe von Baden mit neun weiteren Teppichen im Langen Saal des Düsseldorfer Schlosses aufgehängt. Die „herrlichen, kostbarlichen kunstreichen von allen Farben seiten“, also seidenen, Teppiche waren aus dem Klever Schloss nach Düsseldorf gebracht worden1) und zeigten Szenen aus der Apostelgeschichte, v. a. zur Geschichte des hl. Paulus. Sie sind auf zwei der Kupferstiche von Hogenberg, die die ausführliche, von Dietrich Graminäus verfasste Beschreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten illustrieren, abgebildet;2) eine Inschrift ist lediglich auf dem Teppich mit der Darstellung der Enthauptung des Paulus zu erkennen.3) Dargestellt sind auf der linken Bildseite einige römische Soldaten mit Feldzeichen, im Vordergrund der hl. Paulus, kniend mit zum Gebet gefalteten Händen, hinter ihm ein Soldat, der mit dem Schwert ausholt; im rechten Bildteil ein weiterer Soldat. Am oberen Bildrand die Bildbeischrift.

Nach Kupferstich von Hogenberg bei Graminäus.

Maße: H. ca. 480 cm.4)

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. DECOLATIO PAVLI

Übersetzung:

Enthauptung des Paulus.

Kommentar

Graminäus beschreibt an mehreren Stellen ausführlich die Ausstattung der Räume, in denen die Feierlichkeiten stattgefunden haben, und erwähnt mehrfach Teppiche. Die zehn Stücke, die die Wände des Langen Saals schmückten, beschreibt Graminäus in seinen Angaben zu den Feierlichkeiten des 17. Juni näher. Sie zeigten auf der Grundlage der entsprechenden Kapitel in der Apostelgeschichte die Steinigung des hl. Stephanus, die Bekehrung des hl. Paulus und seine Missionstätigkeit bis hin zum zehnten Teppich, auf dem die Kreuzigung des hl. Petrus und die Hinrichtung des hl. Paulus abgebildet waren. Auf dem Kupferstich deutlich zu erkennen ist allerdings lediglich die Enthauptung des Paulus. Zum Wortlaut der Inschriften auf den Teppichen macht Graminäus keine Angaben, fügt aber noch an, dass weitere Teppiche zu diesem Thema aus Platzgründen nicht aufgehängt worden seien.

Graminäus berichtet auch, dass das Gemach der Jakobe mit den schönsten von 14 Teppichen ausgestattet worden war, deren Darstellungen dem Thema der menschlichen Liebe gewidmet und die „kunstreich mit allerhandt Figuren vnd Poetischen gedicht“ versehen waren. Ebenso sind die Hofstube „mit vnderscheidlichen Täppichen geziert“ und die Räume weiterer, im Schloss untergebrachter Gäste entsprechend ausgestattet worden. Auch die Galerie im Westflügel des Schlosses zur Hofseite hin wurde bei der Fechtschule am 19. Juni so geschmückt.5) In und vor der Schlosskapelle waren Teppiche an den Wänden aufgehängt worden, die Szenen aus dem Leben Jesu sowie zu Auferstehung, Himmelfahrt und den Pfingstereignissen zeigten.6)

Die Teppiche zählten sehr wahrscheinlich zu den 120 Gobelins und „lederne Stücke“, die im Zuge der Vorbereitungen aus Kleve nach Düsseldorf gebracht worden waren.7) Über welchen Zeitraum sie sich letztlich in Düsseldorf befunden haben, ist nicht bekannt.

Anmerkungen

  1. Rümmler, Hochzeit, S. 171; das Zitat ebd.
  2. Graminäus, Beschreibung, Kupferstiche 5 u. 6. Zu den Hochzeitsfeierlichkeiten sowie der Beschreibung des Graminäus und den Kupferstichen vgl. Kap. 2.1.5 der Einleitung.
  3. Die Kupferstiche sind zudem in einer zweiten, vermutlich älteren Fassung herausgegeben worden, deren Abbildungen in Details von den bei Graminäus enthaltenen abweichen. Vgl. dazu Kap. 2.1.5 der Einleitung, dort Anm. 161. Die bildliche Darstellung des Teppichs (Stadtmuseum Düsseldorf, DV-7.1; koloriert) zeigt in dieser Fassung solche Unterschiede; die Inschrift fehlt.
  4. Nach Rümmler, Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 34, waren die Teppiche 7 Ellen hoch. Eine Düsseldorfer Elle betrug ca. 0,685 m. Vgl. dazu Spohr, Düsseldorf, S. 439. Angaben zur Breite sind nicht bekannt.
  5. Die Zitate bei Graminäus, Beschreibung, nicht paginiert; zum 15. Juni 1585 u. zum 17. Juni 1585. Vgl. zur Unterbringung der Gäste auch Rümmler, Hochzeit, S. 170f.; dies., Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 33f.; zu den Teppichen auch Kat. Land im Mittelpunkt, S. 434–436, Nrn. G 4c u. e sowie S. 439, Nr. G 4j (E[lse] R[ümmler]); außerdem die Abbildungen auf den Kupferstichen 6 (Hofstube) und 26 (Fechtschule). Private Räume wie die Gemächer der Jakobe und der Gäste sind von Hogenberg nicht abgebildet worden.
  6. Graminäus, Beschreibung, nicht paginiert; zum 16. Juni und Kupferstich 3; vgl. auch Kat. Land im Mittelpunkt, S. 434, Nr. G 4b (E[lse] R[ümmler]).
  7. Rümmler, Hochzeit, S. 171; dies., Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 34. Ein summarisches Verzeichnis der Tapisserien, die von Kleve für die Feierlichkeiten benötigt wurden, in LAV NRW R, Jülich-Berg II, Nr. 1998, fol. 56r.

Nachweise

  1. Graminäus, Beschreibung, Kupferstich 6.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 73† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di089d008k0007308.