Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Rhein-Hunsrück-Kreises II

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 79: Rhein-Hunsrück-Kreis II (2010)

Nr. 13 Ohlweiler, Evangelische Kirche 1. Hälfte 14. Jh.

Beschreibung

Glocke. Glockenstuhl, südliche Glocke. Kleine schmucklose Glocke mit einzeiliger Schulterumschrift zwischen doppelten Rundstegen. An der Flanke poröse, durch den Guss verursachte Fehlstellen. Schlagton1) e bzw. fis.

Maße: H. 62, Dm. 69, Bu. 3,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/7]

  1. +a) S(ANCTVS) IOHANNES ◦ S(ANCTVS) LVCAS ◦ S(ANCTVS) MARCVS ◦ S(ANCTVS) MA[T]HEVSb)

Kommentar

Die flächigen Buchstaben sind mit zum Teil keilförmig verbreiterten Sporen und deutlichen Bogenschwellungen ausgeführt. Die variantenlos gestaltete Majuskel (flachgedecktes trapezförmiges A, unziales H, rundes N) zeigt als einzige Zierform I mit Nodus, dabei sind unziales E, C und symmetrisches unziales M durch einen Abschlussstrich geschlossen. Der Balkensporn des L erreicht nicht die halbe Buchstabenhöhe. Auffällig ist der breite auf die Mitte des S gelegte Balken, der die zeittypische Kürzung für S(ANCTVS) anzeigt. Als Worttrenner dienen sechsstrahlige Sternchen2). Insgesamt weisen die Schriftformen in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts3).

Sollte die kleine Glocke nicht anderswoher stammen4), dürfte sie zur Erstausstattung der 1371 erstmals bezeugten und (bis auf Teile des Turms) 1788 neu errichteten Kirche gehört haben5). Mit der Nennung der Evangelisten auf der Glocke sollte deren himmlischer Schutz vor Unwetter angerufen werden.

Textkritischer Apparat

  1. Textbeginn durch Tatzenkreuz im Kreis angezeigt.
  2. T missglückter Buchstabe in Form eines unten spitzen O auf Grundstrich.

Anmerkungen

  1. Angaben nach Schellack.
  2. Sternchen als Worttrenner sind auf Glocken nicht vor der ersten Hälfte des 14. Jh. nachzuweisen, vgl. dazu DGA Mittelfranken 10f.
  3. Die bisherige Datierung „wohl (…) frühe(s) 13. Jh.“ (Busley) bzw. „12.-13. Jh.“ (Kdm.) ist zweifellos zu früh angesetzt. Zudem erinnern die Formen stark an eine in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts gegossenen Glocke; vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 70 mit Abb. 35a.
  4. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 667 überliefert keine Glocken für Ohlweiler. Laut einem Bericht des damaligen provinzial-kirchlichen Bauamtes aus dem Jahr 1921 bestand das alte Geläute „aus kleinen unscheinbaren Bronzeglocken“, zit. nach Wagner, 200 Jahre, 125. Nach Busley soll die Glocke „angeblich aus Ravengiersburg“ stammen; nach dem Hinweis bei Schellack/Wagner, Sohren 102 könnte sie zusammen mit einer zweiten translozierten Glocke (Nr. 27) aus Sohren gekommen sein. Möglicherweise ist auch eine Herkunft aus dem Taunusgebiet denkbar, da sie sehr große Ähnlichkeiten mit einer dortigen Glocke aufweist (vgl. Anm. 3).
  5. Vgl. dazu Wagner 119ff.

Nachweise

  1. Busley, Kunstdenkmäler Simmern 204f. (erw.).
  2. Schellack, Verzeichnis 543.
  3. Kdm. Rhein-Hunsrück 1, 717.
  4. Schellack/Wagner, Kirchen und Kapellen 27.
  5. Wagner, Ohlweiler 130.

Zitierhinweis:
DI 79, Rhein-Hunsrück-Kreis II, Nr. 13 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di079mz12k0001308.