Inschriftenkatalog: Stadt Ingolstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 99: Stadt Ingolstadt (2017)

Nr. 285† Pfk. Zur Schönen Unserer Lieben Frau 1575

Beschreibung

Sterbeinschrift auf dem Epitaph des Paulus Aemilius und seiner Ehefrau Anna, geb. Pflanzmann. Ehemals außen, Südwand, östlich beim östlichen Südportal1), davor in der südöstlichen Chorumgangskapelle auf der Epistelseite in der Wand (Oefeleana 300). Schon zu Götzens Zeit, der sich bei der Beschreibung auf Ostermair beruft, fast völlig verwittert. Unten Schriftplatte mit Inschrift in acht Zeilen, darüber in der Sockelzone die Familie, laut Clm 2105 der Verstorbene mit sechs Söhnen, die Verstorbene mit elf Töchtern, alle kniend, darüber Relief Pauli Bekehrung, laut Clm 2105 mit einer hebräischen Inschrift. Kalkstein.

Beschreibung und Text nach Götz, Wappen nach Clm 2105.

  1. [Anno]a) 1575 den 9. Juni starb der / [Ehrnvest]a) und Wolgelert Herr M(agister) / [Paulus Aemilius]a) Romanus [der]a) heil(igen) / [Sprach]a) Professor allhie. / Anno 15<..> [den <...> starb die]b) / Ehrentug[entsamec) Frau / Anna]b) Pflanzmann[ind) / deren Seelen Gott genadee) Am]en.b)

Wappen:
Aemilius2), Pflanzmann3).

Kommentar

Paulus Aemilius Romanus stammte aus einer jüdischen Familie in Rödelsee (Lkr. Kitzingen/Ufr.). 1538 reiste er mit Unterstützung des späteren Bischofs von Augsburg, Otto Truchsess von Waldburg, nach Rom, wo er sich zum Christentum bekehrte und den Beiname Romanus annahm. 1542 ist er als Buchdrucker in Augsburg nachweisbar; er spezialisierte sich auf den Druck hebräischer Werke und druckte u. a. den ersten hebräisch-deutschen Pentateuch. Von 1545 bis 1575 lehrte er an der Universität Ingolstadt Hebräisch. Er muss dort auch Medizin studiert haben, da er 1547 das medizinische Bakkalaureat erwarb. 1575 begann er mit der Katalogisierung der hebräischen Handschriften und Drucke der Münchner Hofbibliothek, die er aber nicht mehr fertig stellen konnte4).

Textkritischer Apparat

  1. Teilweise fehlerhafte Ergänzungen durch Götz nach Mederer, verbessert nach Mederer.
  2. Ergänzungen durch Götz, angeblich nach Mederer, der diesen Teil der Inschrift jedoch nicht überliefert.
  3. ehrntugentreiche Clm 2105, Oefeleana 300 und Cgm 3368.
  4. sein Hausfrau folgt Oefeleana 300, Cgm 3368 und Cgm 3017; das folgende fehlt Cgm 3368.
  5. gnädig sein wölle Clm 2105, Oefeleana 300 und Cgm 3017.

Anmerkungen

  1. Gerstner, Frauenkirche 58.
  2. Durch einen Sparren geteilt, auf dem Scheitelpunkt des Sparrens ein Vogel, eine Blume im Schnabel. Clm 2105 bezeichnet das Wappen irrtümlich Lerchenfeld, das Lerchenfelder Wappen (Bay 15) zeigt ebenfalls einen durch einen Sparren geteilten Schild, auf diesem Sparren (nicht oben auf dem Scheitelpunkt) ist eine auffliegende Lerche zu sehen.
  3. Sämann.
  4. Zu Aemilius Paulus vgl. Biographisches Lexikon 3.

Nachweise

  1. Clm 2105 fol. 43r-v, Nr. 170; Oefeleana 300 p. 98; Cgm 3368 fol. 34v; Cgm 3017 fol. 16r; Mederer, Annales II, 25; Gemminger, Ingolstadt 246 (nur Aemilius); Ostermair, Stadtpfarrkirche 49. 59; Götz, ULF 29f.

Zitierhinweis:
DI 99, Stadt Ingolstadt, Nr. 285† (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di099m018k0028504.