Inschriftenkatalog: Stadt Ingolstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 99: Stadt Ingolstadt (2017)

Nr. 131 Pfk. Zur Schönen Unserer Lieben Frau 1527

Beschreibung

Stifterinschrift auf dem Bildfenster Mariae Verkündigung. Achsenfenster hinter dem Hochaltar (=I)1). Oben Maria und der Verkündigungsengel in einem Blütenkranz. Über dem Engel ein Schriftband mit Inschrift (I). Darunter die zwei Vollwappen zwischen den knienden Herzögen im Harnisch. Unten Stifterinschrift (II), ganz unten Renovierungsinschrift des 20. Jahrhunderts2).

Schriftart(en): Kapitalis (I), Gotische Minuskel (II).

© Stadtarchiv Ingolstadt [1/3]

  1. I.

    AVE · GRACIA · PLENAa) // · DOMIN(V)Sb) // TECVM

  2. II.

    vonc) Gottes Genadennd) // Wilhelm v(n)d Ludwig gebrü(der)e) / Pfalczgraven Bey Reind) // Herczogen In obern v(n)d / nidern Bayrn . der Zeit // Regierend 1 · 5 · 1 · 1f) · / Annog) . D(omi)nid) // 1 · 5 · 2 · 7g)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Lc 1, 28. (I)
Wappen:
Pfalz-Bayern.

Kommentar

Die in Inschrift I verwendete Kapitalis zeigt noch einige Elemente frühhumanistischer Schrift. Die Gotische Minuskel der Stifterinschrift weist einige ungewöhnliche Buchstabenformen auf, genannt sei hier die D-Form des Anno Domini und die e-Form bei nidern. Sie verdanken sich vermutlich der Renovierung des 20. Jahrhunderts.

1527 waren die Brüder Ludwig X. und Wilhelm IV. gemeinsam in Ingolstadt. Sie verliehen den beiden Pfarrkirchen eine neue Kirchenordnung3). Es wird generell vermutet, dass die Übergabe des Bildfensters im Zusammenhang mit diesem Aufenthalt der Fürsten steht4). Das in der Inschrift genannte Datum 1511 bezeichnet das Jahr der Volljährigkeit Wilhelms und damit seines Regierungsantritts. Das Glasgemälde wurde zuerst von Frankl dem in Landshut ansässigen Meister Hans Wertinger zugewiesen5).

Textkritischer Apparat

  1. Es folgt ein Kreuzornament.
  2. Weiter Abstand mit zwei Knicken des Schriftbandes.
  3. Vor der Inschrift ein Blümchen.
  4. Es folgt der Wechsel zur zweiten Scheibe.
  5. Kürzung durch Doppelpunkt, über dem u zwei horizontale, parallele, geschwungene Linien, vermutlich als ü-Punkte zu deuten, evtl. Zutat des Restaurators?
  6. Es folgt ein Blümchen.
  7. Vor und nach der Textzeile ein florales Ornament.

Anmerkungen

  1. Standort I, nach der Vorgangsweise des CVMA.
  2. Text: RENOV(IERT) V(ON) GOTTFRIED / FRENZEL NÜRNBERG.
  3. Vgl. Straub, Hausstiftung 121.
  4. Holm-Hammer, Glasgemälde 20.
  5. Frankl, Glasmalereien 206. Vgl. auch Ehret, Hans Wertinger 80-82.

Nachweise

  1. Gerstner, Ingolstadt 199; Gemminger, Ingolstadt 39; Ostermair, Beiträge II, 228; Ostermair, Wittelsbacher 94; Ostermair, Stadtpfarrkirche 17f.; Ostermair, Führer 62; Zettler, Beziehungen 53f.; Fischer, Stadtpfarrkirche 7; Wagner, Stadtpfarrkirche 9; Holm-Hammer, Glasgemälde 13-28; Ehret, Hans Wertinger 80-82, 167; Fitz in: Brandl, Liebfrauenmünster 167.

Zitierhinweis:
DI 99, Stadt Ingolstadt, Nr. 131 (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di099m018k0013101.