Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 294 Kloster Schöntal (Gde. Schöntal), Kloster, kath. Pfarrkirche St. Joseph (ehem. Klosterkirche) vor 1557, 1557

Beschreibung

Grabplatte des Abts Sebastian Stattmüller. Innen an der Nordwand des nördlichen Seitenschiffs, fünfter Stein von Westen; ursprünglich in der von Abt Stattmüller errichteten Trinitätskapelle, einer nicht näher zu lokalisierenden Seitenkapelle des Langhauses1, im Boden; im Zuge des barocken Kirchenneubaus vor 1717 (Weihe der Kirche) am jetzigen Standort auf einem Sockel aufgerichtet, der mit einer von Abt Knittel verfaßten Versinschrift versehen wurde2. Sandstein. Sterbevermerk auf dem Rand umlaufend eingehauen; im wannenartig eingetieften Mittelfeld in Flachrelief die stehende Figur des Abts in Kukulle, mit Mitra und Handschuhen, in der Linken den Krummstab mit Sudarium, in der Rechten ein geöffnetes Buch vor der Brust haltend. Unten links ein kleiner Wappenschild. Die Mitra ragt – die Inschrift unterbrechend – bis in die Kopfleiste. Leichte Abtretungsspuren, Ränder ausgebrochen und ergänzt, die Inschrift mit grauer Farbe nachgezogen.

Maße: L. 177, B. 81,5, Bu. 5,9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien, Kapitalis.

  1. Anno // d(omi)ni · 1 · 5 · / 〈5 · 7 · iia) · FEBR(VARII) 〉 Obijt Reverendvs Jn Christo pater ecb) d(omi)n(u)s / Sebastianvs Jn Cesarea / professvs Abbas hvivs Monasterij Cvivs a(n)i(m)a Reqviescat in pace

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1557 am 2. (?) Februar starb der in Christo ehrwürdige Vater und Herr Sebastian, der zu Kaisheim die Profeß abgelegt hat, Abt dieses Klosters. Seine Seele ruhe in Frieden.

Wappen:
Stattmüller3.

Kommentar

Die Gotische Minuskel ist relativ schmal. Der steife, eckige Duktus wird vorwiegend durch Einzelformen bewirkt. So besteht der gebrochene obere Bogen des zweistöckigen a aus einem langen waagerechten Deckbalken und einer links angehängten, geschwungenen Haarlinie; entsprechend verläuft der untere Bogenabschnitt des Schluß-s waagerecht; die oberen Schaftenden des v sind ohne Brechung waagerecht geschnitten, ebenso die Unterlängen von p und q, das untere Schaftende des i ist dagegen leicht rechtsschräg geschnitten. Die Versalien entstammen vorwiegend einem leicht verfremdeten Kapitalis-Alphabet, daneben wird ein gebrochenes C mit eingestelltem geschwungenen Zierstrich verwendet. Trennpunkte in Form von einfachen oder paragraphzeichenförmig verzierten Quadrangeln werden nur in der Kopfzeile verwendet. Von der Hand desselben Steinmetzen stammen nach Ausweis der weitgehend identischen Schrift zwei Grabmäler in Kocherstetten und Krautheim von 1523 bzw. 1540 (nrr. 213, 235). Der Nachtrag des Todestages ist unschwer an der abweichenden, plumpen Ausführung, zudem am Wechsel der Schriftart zu erkennen. Die Grabplatte und der Hauptteil des Sterbevermerks wurde folglich schon zu Lebzeiten des Abts ausgeführt.

Sebastian Stattmüller aus Oettingen wurde 1495 geboren und trat 1512 in Kloster Kaisheim (Lkr. Donau-Ries) in den Zisterzienserorden ein. Die Priesterweihe erhielt er 1520. 1537 wurde er zum Abt von Schöntal gewählt4, das seit 1282 unter der Paternität von Kaisheim stand. Stattmüller bekämpfte die Reformation, auch im eigenen Konvent, war aber gleichwohl selbst Familienvater5. Am Ende seines 20jährigen Abbatiats lag offenbar einiges in Schöntal im Argen6.

Textkritischer Apparat

  1. Zwei oben und unten gebrochene Schäfte; die beiden Punkte nur aufgemalt. Eine Lesung als 11 ist nicht auszuschließen.
  2. So statt et.

Anmerkungen

  1. Vgl. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 24v.
  2. ENARRANT FASTI / SUBLECTI FACTA SEBASTI, / QUEM PATREM PATRUM / FECIT DISCORDIA FRATRUM.
  3. Mühlrad.
  4. Alle Angaben nach Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 48r.
  5. Vgl. OAB Künzelsau 799.
  6. Nach StAL B 503 II Bü 16, fol. 14r starb Stattmüller „plurima restauranda relinquens“.

Nachweise

  1. Hebenstreit (StAL B 503 II Bü 10) p. 72.
  2. Müller/Stöcklein (WLB Cod. Don. 600) fol. 24v.
  3. OAB Künzelsau 781.
  4. Kdm. Künzelsau 340 (nur erwähnt).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 294 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di073h016k0029406.