Inschriftenkatalog: Hohenlohekreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 73: Hohenlohekreis (2008)

Nr. 21† Krautheim, kath. Stadtkirche Mariä Himmelfahrt 13. Jh./1.–3. V. 14. Jh.?

Beschreibung

Totenschild für den Johanniterordenskomtur Albrecht Graf von Zimmern. Nach Zeugnissen aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts damals in der Krautheimer Kirche an nicht näher bezeichneter Stelle aufgehängt und im Auftrag des Amtmanns (Hans) Reinhard Mosbach von Lindenfels († 1558) renoviert1. Vermutlich Holztafel mit aufgemalter Inschrift, nach Ausweis der Zimmerischen Chronik auch mit Abbildung eines Vollwappens; Verbleib unbekannt.

Inschrift nach der Zimmerischen Chronik.

  1. Albertus comesa) de Zimbern, magister in Krauten, hujus hospitalis sancti Johannis de Hierosolomitano obiit die Egidii, cujus anima requiescat in pace, anno domini 1200b)

Übersetzung:

Albrecht Graf von Zimmern, Meister dieses Spitals des hl. Johannes von Jerusalem zu Krautheim, starb am Tag des Ägidius (1. September) im Jahr des Herrn 1200. Seine Seele ruhe in Frieden.

Wappen:
Zimmern2.

Kommentar

Da die Stadtkrautheimer Marienkapelle erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet wurde (vgl. nr. 37), muß sich der Totenschild ursprünglich wohl in der Altkrautheimer Pfarrkirche befunden haben. Ob um 1200 tatsächlich bereits eine Johanniterniederlassung in Krautheim bestand, ist mangels anderweitiger Quellenbelege nicht gesichert. 1268 übertrugen die Grafen von Eberstein jedenfalls das Patronat über die Krautheimer Marienkapelle dem Orden3, ein Komtur des St.-Johannes-Spitals zu Krautheim wird 1280 erstmals urkundlich erwähnt4. Der Wortlaut der Inschrift hujus hospitalis läßt m. E. keine andere Deutung zu, als daß zur Zeit der Anfertigung die Krautheimer Kommende noch bestand. Die Inschrift muß also vor 1378 entstanden sein, da zu dieser Zeit die Kommende offenbar bereits nicht mehr existierte5. Einer Datierung ins 14. Jahrhundert ist der Vorzug zu geben, da ältere Beispiele für Totenschilde bislang nicht bekannt sind. Als Auftraggeber der Erinnerungsinschrift, die möglicherweise die Funktion hatte, der Kommende ein höheres Alter zu verleihen, kommt einzig der Johanniterorden in Frage.

Ein 1200 gestorbener Albrecht von Zimmern ist in der Stammtafel des Geschlechts nicht nachzuweisen, der Name kommt aber immerhin im 13. und 14. Jahrhundert wiederholt vor6. Merkwürdig ist auch die Bezeichnung des Komturs als „Graf“ von Zimmern, denn der Aufstieg der Freiherren von Zimmern in den Grafenstand vollzog sich erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Der Grafentitel dürfte demnach erst bei der Renovierung der Inschrift um die Mitte des 16. Jahrhunderts eingefügt worden sein.

Textkritischer Apparat

  1. Der Grafentitel war wohl kaum ursprünglicher Bestandteil der Inschrift; vgl. Kommentar.
  2. Das Eyb’sche Kopialbuch (wie unten) überliefert eine deutsche Fassung der Inschrift: Im Jahr des Herrn 1200 Albrecht Graf von Zimmern ein Meyster zu Crutheim des Spitals sant Johannis orden Commentator Jerosolimitani.

Anmerkungen

  1. Vgl. Dörzbach, Archiv der Freiherren von Eyb, von Eyb’sches Kopialbuch, fol. 1r: Eintrag Valentins d. J. von Berlichingen († 1590): „Dieser Schilt hanget zu Crutheim in der kirchen … durch Reinhart Moßbach selgen, so ein Amptmann gewesen, wider vernewert worden“; zit. nach Leistikow, Aus der Frühzeit Krautheims 15 u. ders., Berichtigung, in: Mein Boxberg 11 (1956) 67. Auf den Eintrag (ohne Angabe des Fundorts) wies erstmals Schönhuth, Crautheim sammt Umgebungen 32 hin.
  2. Stammwappen, Helmzier mit Helmkrone: „schilt und helm, darin ainiger (=einziger) underschidt, dann ain guldine crona auf dem helm zu befünden“; vgl. Zimmerische Chronik, ed. Herrmann (wie unten), Bd. 1, 120.
  3. Vgl. LdBW IV, 182.
  4. Vgl. Leistikow, Aus der Frühzeit Krautheims 15–17.
  5. Vgl. LdBW IV, 182.
  6. Europ. Stammtafeln NF XII, Taf. 83. Bereits Froben Christof von Zimmern notiert: „Wes son aber diser graf Albrecht gewesen, auch ob er ainer bsondern linien, so villeicht abgestorben sein mechte, kan man diser zeit nit wissen“; vgl. Zimmerische Chronik, ed. Herrmann, Bd. 1, 120. Ebd. 139–141 einige nicht überprüfbare Informationen zur Person nach mündlichem Bericht des Grafen Georg von Thengen, der wiederum auf mehrere Jahre zurückliegenden Mitteilungen des Deutschordenskanzlers Spies zu Mergentheim und des mainzischen Amtmanns zu Krautheim Wolf von Vellberg beruhte.

Nachweise

  1. Zimmerische Chronik, urkundlich berichtet von Graf Froben Christof von Zimmern † 1567 und seinem Schreiber Johannes Müller † 1600, nach der v. Karl Barack besorgten 2. Ausg. neu hg. v. Paul Herrmann, Bd. 1, Meersburg am Bodensee Leipzig 1932, 120, 139.
  2. Dörzbach, Archiv der Freiherren von Eyb, von Eyb’sches Kopialbuch, fol. 1r (dt. Fassung).
  3. Schönhuth, Crautheim sammt Umgebungen 32 (ungenau nach dem Kopialbuch).
  4. Ders., Burgen … Badens und der Pfalz 2, 150f.
  5. Kdm. Tauberbischofsheim 98 (nur erwähnt).
  6. Leistikow, Aus der Frühzeit Krautheims 15.
  7. DI 8 (Mosbach, Buchen, Miltenberg) nr. 615 †.
  8. Leistikow, Inschriften von Krautheim 497 (nur erwähnt).
  9. Ders., Mosbach von Lindenfels 659 (nur erwähnt).
  10. John, Krautheim 37 (nur erwähnt).

Zitierhinweis:
DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 21† (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di073h016k0002106.