Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 185 St. Nikolai M.14.–E.15.Jh., 1620–1621

Beschreibung

Grabplatte für Augustin Rhaw (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte zwischen dem dritten und vierten Joch des nördlichen Seitenschiffs vor der Ostwand der Hohen Kapelle.1) Von der ursprünglich umlaufenden, heute stark abgetretenen Inschrift A sind nur Reste an der oberen Schmalseite und im oberen Bereich der linken Langseite erhalten. In den oberen Ecken Medaillons mit Evangelistensymbolen. Im oberen Drittel des Innenfeldes Inschrift B für Augustin Rhaw. Darunter Spuren einer weiteren, völlig abgetretenen Inschrift. An der linken Langseite Nummerierung C. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B und C eingehauen.

Maße: H. 141 cm, Br. 135 cm. Bu. 10 cm (A), 5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), Kapitalis mit Versalien (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Anno ˑ d(omi)ni ˑ M° / [ - - - ] / [ - - - ] / [ - - - ] vxor ei(us)a)

  2. B

    SEPVLCHRVM HEREDITARIVM / AVGVSTINI RHAWEN I(VRIS) V(TRIVSQVE) D(OCTORIS) ILL(VSTRIS)b)/ POM(ERANIAE)c) DVC(IS) CONSIL(IARII) ET ACADE(MIAE) / GRIPH(ISWALDENSIS) PROFES(SORIS) PVBL(ICI) / [ANN]O 1[6]2[.]d)

  3. C

    262

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn (...) seine Ehefrau. (A)

Erbbegräbnis des Augustin Rhaw, Doktor beider Rechte, Rat des durchlauchtigen Herzogs von Pommern und öffentlicher Professor der Greifswalder Universität. Im Jahr 162(.). (B)

Kommentar

Wem die Platte ursprünglich gewidmet wurde, ist durch den überwiegenden Verlust der ältesten Inschrift (A), deren Datierung nur nach der Schriftart vorgenommen werden kann, nicht mehr feststellbar. Später wurde sie von Augustin Rhaw (B), Sohn des Professors der Theologie Balthasar Rhaw († 1601) und der Anna Schurf aus Wittenberg, erworben. Augustin Rhaw wurde 1573 in Greifswald geboren. Nach dem Besuch des Stettiner Pädagogikums immatrikulierte er sich 1589 für das Studium der Rechte an der Universität Greifswald. Später wechselte er an die Universitäten Wittenberg, Ingolstadt und Heidelberg und war anschließend am Reichskammergericht in Speyer tätig. 1597 kehrte er nach Greifswald zurück, wurde zum pommerschen Hofrat ernannt und erlangte eine Professur der Rechte. Nach seiner Promotion zum Doktor der Rechte 1598 in Wittenberg heiratete er ein Jahr später Maria Westphal, Tochter von Hermann Westphal, Direktor des herzoglichen Hofgerichts und Professor in Greifswald. 1603 erfolgte seine Wahl zum Rektor der Universität. Die Herzoginwitwe Sophia Hedwig nahm ihn 1604 in ihren Geheimen Rat auf, 1608 wurde er Rat des Herzogs Philipp Julius. Augustin Rhaw starb am 4. November 1621.2) Der unvollständigen Jahreszahl entsprechend muss seine Inschrift im selben oder im Vorjahr angefertigt worden sein. Die Grabplatte kam später in den Besitz der Nikolaikirche (C).

Textkritischer Apparat

  1. ei(us)] Über dem Zeilenende.
  2. I(VRIS) V(TRIVSQVE) D(OCTORIS) ILL(VSTRIS)] Iudicii Pyl.
  3. POM(ERANIAE)] Oder POM(ERANORVM).
  4. Zu ergänzen zu 1620 oder 1621.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 26. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 153.
  2. Alvermann/Dahlenburg, Köpfe, S. 161.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 413 (A), 444 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 185 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0018508.