Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 116 St. Marien nach 1427, 1704

Beschreibung

Grabplatte für Johannes Palitz (A) und Dionys Behrens (B). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im vierten Joch des nördlichen Seitenschiffs.1) Die ehemals umlaufende Inschrift A für Johannes Palitz ist überwiegend abgetreten und nur noch beiderseits der linken oberen Ecke lesbar. In den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen, von denen die beiden oberen stark, die unteren gänzlich abgetreten sind. Auf der unteren Hälfte des Innenfeldes eine Kartusche, deren Inschrift ausgemeißelt wurde, und ein darüber angebrachtes Rankwerk, das anscheinend ein ebenfalls getilgtes Wappen enthielt. Am oberen Rand des Innenfeldes eine weitere ausgemeißelte Inschrift. Darunter untereinander sowie auf dem Kopf stehend Nummerierung C und Inschrift B für Dionys Behrens. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, B und C eingehauen.

Maße: H. 227 cm, Br. 130 cm. Bu. 6,5 cm (A), 5,5–8 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), Kapitalis mit Versalien (B).

Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Anno ˑ d(omi)ni ˑ M ˑ cccc ˑ vi ˑ [.]e[ - - - ] / [ - - - ]a[...] a[ - - - ] / [ - - - ] / [ - - - ] iohannes paliszea) ˑ

  2. B

    DIONŸSŸ BERENS / ERBLICH A(NNO) 1704

  3. C

    38

Kommentar

Inschrift A in der älteren Form der gotischen Minuskel zeigt unten stumpf endende Schäfte des i und unten gebrochene bei n.

Johannes Palitz war der Sohn von Hermann Palitz und Elisabeth Bukow, Tochter des Ratsherrn Heinrich Bukow. Johannes’ Bruder Gerhard Palitz war Ratsherr von 1397 bis zu seinem Tod im Jahr 1406 und mit einer Tochter von Arnold Hilgemann, Schwester des späteren Bürgermeisters Johannes Hilgemann, verheiratet, die ein Haus in der Kuhstraße in die Ehe einbrachte. Infolge einer Erbteilung erhielt Gerhard 1386 ein Eckhaus in der Knopfstraße, Johannes das Nachbarhaus, in dem der Vater zuvor gewohnt hatte, das er aber 1390 an den Apotheker Gerlach veräußerte. Johannes erwarb 1397 ein Haus in der Hunnenstraße, verkaufte es aber 1407 an den Ratsherrn Johann Hennings d. Ä. Nach Pyl wird er zuletzt für das Jahr 1427 im Zusammenhang mit einem Rentenkauf erwähnt.2) Die heute nur noch in Resten lesbare Inschrift A war vermutlich beiden Brüdern gewidmet. Vom Sterbevermerk für Gerhard ist nur der Anfang mit der Jahreszahl 1406, die seinem Todesjahr entspricht, erhalten, von der Inschrift für Johannes nur das Ende mit seinem Namen. Wahrscheinlich wurde sie erst nach Johannes’ Tod angefertigt, wenn sein Name nicht Teil einer Grabbezeugung ist, die er schon zu Lebzeiten hätte anbringen lassen können. Nach mehreren Besitzwechseln, die durch den Verlust der entsprechenden Inschriften nicht mehr nachvollzogen werden können, wurde die Platte 1704 durch den Barbier Dionys Behrens, der das Eckhaus Rakower Straße/Mühlenstraße besaß, erworben (B).3) Zuvor oder danach war sie im Besitz der Marienkirche (C).

Textkritischer Apparat

  1. palisze] pahszen Pyl.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Marien, Nr. 142. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Marien, Nr. 126.
  2. Pyl, Genealogien 5, S. 218–220; Igel, Bürgerhaus, Dokument 37008, 56101, 71002 und öfter.
  3. Schwedische Landesaufnahme Greifswald, S. 83.

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Marienkirche, S. 223 (A).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 474 (B), 564 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 116 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0011603.