Inschriftenkatalog: Greifswald

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 254† St. Nikolai 1584

Beschreibung

„Tafel“ (Epitaph?) für den Bürgermeister Peter Krull und seine Ehefrau Elisabeth Engelbrecht. Bereits vor der Neugestaltung von St. Nikolai (begonnen 1823) zerstört.1) Ursprünglich in einer Seitenkapelle angebracht.2)

Inschriften nach Dähnert.

  1. A

    Nach Christi Gebort MDIII Jst geboren merket alhie Zu Demin Ehrn Peter Crull Ein Mann Ehrn und Tugend voll 5Nach Sechs und zwenzig Jahren Zur heiligen Eh außerkoren Elisabeth Engelbrechtes Mit ihr lebet in Fürchten Gottes XLVI Jahr im ehlichen Standt 10Nach seins Vermögen verrichtet Sein Ampt der Burgermeisterschaft Sein Misgünner ungeacht Drei und zwenzig Jahr mit Fleiß Gott und dem gemeen Beßten zum Preis 15Was sie durch Gottes Segen und Erbschaft An Güter haben zusammenbracht Kirchen Schüler und Armen Den gemeen Besten zu Framen Redelich und wol haben bedacht 20Darumb ihr Testament stets geacht Auch wol fördert ihr Freundt Darumb sie billig dankbar seindt Jhmb Jahr vier und zwenzig Jst sie gestorben seeliglich 25Er nach zwein Jahren gefolget ihr Mit Vorlangen und Herzen Begier Jn disser Cappell begraben sein Erwarten das Gottes Sohn erschein Und neme sie zu seinm Freudenreich ein

  2. B

    Die Testamentarien alse Jochim Engelbrecht Christoffer Corschwandt Johann Volschow und Peter Engelbrecht haben Jnen zur Gedechtniß und Ehren diese Tafel setzen lassen Anno 1584

Kommentar

Peter Krull vermählte sich Inschrift A zufolge im Alter von 26 Jahren, also im Jahr 1529, mit Elisabeth Engelbrecht, mit der er dann 46 Jahre verheiratet war (V. 5–9). Diese letzte Angabe lässt vermuten, dass seine Ehefrau im Jahr 1575, dem 24. Amtsjahr ihres Mannes (V. 23f.), verstarb. Peter Krull, Bürgermeister 1551–1577,3) muss 1577, zwei Jahre nach seiner Frau (V. 25), gestorben sein. Die Ehe war kinderlos. Elisabeths Eltern waren der Ratsherr Joachim Engelbrecht und Gertrud Segeberg.4) Die Bezeichnung des von den Testamentsvollstreckern errichteten Denkmals als „Tafel“ lässt vermuten, dass es sich dabei nicht um ein mehrteiliges, gegliedertes Epitaph im üblichen Sinne handelte. In welcher Kapelle von St. Nikolai die Eheleute bestattet wurden (V. 27), ist nicht bekannt. Die Krull’sche Stiftung (V. 15–20) ermöglichte, jährlich 60 Mark an in Greifswald geborene arme Studenten und Scholaren auszuzahlen.5) Die Testamentsvollstrecker Joachim und Peter Engelbrecht (B) waren Neffen von Elisabeth Engelbrecht.6) Bei Hans Völschow wird es sich um den 1613–1628 nachweisbaren Ratsherrn († 1628) handeln. Christoph Corswant ist entweder als der Kaufmann zu identifizieren, der 1567 das Bürgerrecht erwarb, oder als der 1598 Gestorbene gleichen Namens.7)

Anmerkungen

  1. So Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 386 mit Anm. 1.
  2. Vgl. V. 27 der Inschrift.
  3. Nach Wernicke, Greifswald, S. 537f. (Liste der Greifswalder Bürgermeister), hier S. 537.
  4. Gesterding, Erste Fortsetzung, S. 211f. (Nr. 2, 8).
  5. Gesterding, Zweite Fortsetzung, S. 132.
  6. Zu Joachim Engelbrecht vgl. Gesterding, Erste Fortsetzung, S. 213 (Nr. 14, * 1567), oder ebenda, S. 214 (Nr. 25, * 1549). Zu Peter Engelbrecht vgl. ebenda, S. 213 (Nr. 18); auch Kat.-Nr. 173.
  7. Gesterding, Zweite Fortsetzung, S. 114 (Nr. 4), S. 116 (Nr. 16).

Nachweise

  1. Dähnert, Denkmale, S. 273f. (Nr. IV).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 254† (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di077g014k0025408.