Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 43† Baden-Baden, Stiftskirche Unserer Lieben Frau 1387

Beschreibung

Grabplatte für Katharina Maler. Zwischen dem ersten und zweiten Joch westlich des Chorschlusses von Franz Josef Herr im Boden entdeckt, als 1801 das nördliche Chorgestühl kurzzeitig von seinem Standort entfernt wurde.1 Der bis dahin fast vollständig verborgene Stein lag in unmittelbarer Nähe des Epitaphs für Markgraf Leopold Wilhelm von Baden2 und etwa dreieinhalb Fuß neben der Grabplatte mit der Nummer 13, die damals ersetzt und irrtümlich mit einer Inschrift für Markgraf Jakob I. von Baden (gest. 1453) und für dessen Gemahlin Herzogin Katharina von Lothringen (gest. 1439) versehen wurde.3 Hochrechteckige Platte mit Umschrift. Verlustumstände unbekannt.

Inschrift nach GLA Karlsruhe 47/22, Herr.

Maße: H. ca. 195, B. ca. 87 cm.4

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (?).5

  1. Katherina . malerin . in . ips(o)a) . die . S(ancti)a) dÿonisij . o(biit) . an(n)o . m° . ccc° . Lxxxvij° .

Übersetzung:

Katharina Maler starb am Tag des hl. Dionysius im Jahre 1387.

Datum: 26. Februar 1387.

Kommentar

Die Verstorbene selbst läßt sich urkundlich nicht nachweisen. Vermutlich war sie verwandt mit Klaus und Schochman Maler, die um 1381 von den Markgrafen Bernhard I. und Rudolf VII. von Baden mit bestimmten Gülten und Gütern belehnt wurden, Klaus unter anderem mit Matten zu Stollhofen (Stadelhofen).6

Die Grabplatte datiert noch aus der Zeit vor dem Neubau des Chores um 1453/547 und gehört mithin zu den ältesten bekannten Denkmälern der Stiftskirche. Es überrascht allerdings, daß man sie als einziges bürgerliches Grabmal in die Grablege der Markgrafen von Baden übernommen haben sollte. Motive, die eine solche Ehre rechtfertigen würden, sind bisher unbekannt. Wenn diese aber bestanden, verwundert es um so mehr, warum man dann nicht verhinderte, daß das Grabmal vom Chorgestühl verdeckt wurde. Wahrscheinlicher ist demnach, daß die Platte im Chor lediglich als Baumaterial Verwendung fand8 und man nur deshalb darauf verzichtete, ihre Inschrift abzuarbeiten, weil sie ohnehin nicht sichtbar sein würde.

Textkritischer Apparat

  1. Abkürzung durch Doppelpunkt.

Anmerkungen

  1. Sämtliche Angaben nach GLA Karlsruhe 47/22, Herr (wie unten). Zur annähernden Lokalisierung der Fundstelle siehe GLA Karlsruhe G Baden-Baden nr. 108, Grundriß Stiftskirche (1801), abgedr. in Kdm. Baden-Baden 136 (Abb. 107). Zum Chorgestühl vgl. ebd. 94; zum älteren Gestühl siehe nr. 170.
  2. Vgl. dazu Kdm. Baden-Baden 121f. nr. IV (Abb. 98).
  3. Vgl. dazu nrr. 119, 138; Kdm. Baden-Baden 135 nr. 13.
  4. Vgl. GLA Karlsruhe 47/22, Herr (wie unten): „Dieser Stein ist 2’ 9’’ breit und 5 1/2’ lang.“
  5. Vgl. ebd.: „mit altdeutschen Buchstaben“.
  6. Vgl. RMB, Bd. 1, nrr. 4462f. In einer Urkunde vom 22.4.1479 sind mit Clemens Maler und seiner Hausfrau Bärbel erstmals zu Baden ansässige Familienangehörige bezeugt, vgl. Regesten u. Urkunden 440 nr. 75.
  7. Vgl. nr. 71; zum Neubau des Stiftschores s. a. Kdm. Baden-Baden 77.
  8. Vgl. als Parallelbeispiel nr. 49.

Nachweise

  1. GLA Karlsruhe 47/22, Herr, Bericht, o. S. nr. 13.

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 43† (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di078h017k0004307.