Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 409 Großostheim, kath. Pfarrkirche, aus Worms 1523

Beschreibung

Meisterinschrift des Wormser Goldschmieds Caspar Naysar auf der Turmmonstranz der katholischen Pfarrkirche in Großostheim (Lkrs. Aschaffenburg). Teilvergoldete Silberarbeit, bestehend aus achtpaßförmigem, mit graviertem Maßwerk verziertem Fuß, achtkantigem Schaft mit drei Knäufen;1) in den dreigeschossigen gotischen Baldachinaufbau des Gehäuses, das mit gotischer Architektur, Fialen, Krabben und Maßwerk verziert und mit Glöckchen und Figuren besetzt ist, wurde im 17. Jahrhundert ein herzförmiges Schaugefäß eingepaßt. Seitlich davon stehen die vergoldeten Statuetten der Maria und des Evangelisten Johannes; im zweiten Geschoß befindet sich die Figur des auf seine Wunden weisenden Christus, von vier Engeln mit Leidenswerkzeugen umgeben. Die Inschrift steht auf der Plattform des Fußes in einem umlaufenden und einem daran innen anschließenden Schriftband. Als Worttrenner zwei Kreise übereinander.

Maße: H. 72, Dm.(Fuß) 26, Dm.(Plattform) 10,5, Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/4]

  1. OPVSa) : ISTVD : WORMACIE : PER : ME : CASPARVM : NAYSAR : SIC : / FORMATV(M)b) : EST ANNO : 1·5·2·3·

Übersetzung:

Dieses Werk ist in Worms durch mich, Caspar Naysar, so gestaltet worden im Jahre 1523.

Kommentar

Die in Proportion und Formengebung gewiß dem Ideal einer Renaissancekapitalis zustrebende Schriftform enthält noch unklassische Formen im halboffenen D, breiten symmetrischen A und noch leicht geschwungener Cauda der R. Ungeachtet der spätgotischen äußeren Gestaltungsformen sind außer der Schriftform die Ausführlichkeit der Meisterinschrift und der alte Lokativ klassischen Traditionen verpflichtet.

Der Aussage der Inschrift, daß das Objekt in Worms hergestellt wurde, entspricht auch die Aufnahme des Meisters in den dortigen Gemeinen Rat im Jahre 1529 mit dem Zusatz „aurifaber, Petri Krapfii gener“.2)

Textkritischer Apparat

  1. Fehlt von Hefner-Alteneck, Fritz u. Rosenberg.
  2. FINITVM von Hefner-Alteneck, Fritz u. Rosenberg.

Anmerkungen

  1. Gegenüber der Abbildung in Kdm. heute der runde Knauf unten, nicht mehr in der Mitte.
  2. Kraus, Quellen II 124.

Nachweise

  1. C. Becker/J.H. von Hefner-Alteneck, Kunstwerke und Gerätschaften des Mittelalters und der Renaissance 3. Frankfurt 1863, 60 Taf. 68.
  2. J.H. von Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 7. Frankfurt 21888, 17 u. Taf. 472.
  3. Rosenberg Nr. 23821 (mit Nachzeichnung), III Nr. 4920.
  4. Die Kunstdenkmäler von Unterfranken, Bezirksamt Aschaffenburg, bearb. von A. Feulner u. B.H. Röttger (Die Kunstdenkmäler von Bayern III 24) München 1927, 26 u. Abb. Taf. II.
  5. Jubiläumsausstellung der Stadt Aschaffenburg. Katalog. Aschaffenburg 1957, Nr. 170 Abb. 27.
  6. Scheffler, Goldschmiede Hessen 761 Nr. 7 u. Abb. 3.
  7. E. Lang, Pfarrkirche St. Peter und Paul, Großostheim (Schnell, Kunstführer 1242) München/Zürich 1980, Abb. S. 20.
  8. Fritz, Goldschmiedekunst 345 Nr. 35.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 409 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0040908.