Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 3 Mainz, Mittelrheinisches Landesmuseum, von einem Friedhof b. Liebfrauen 5.-6. Jh.

Beschreibung

Grabstein des Grutilo. 1842 unweit der Liebfrauenkirche gefunden, über die Sammlung Bandel 1862 ins Museum gelangt, Inv. Nr. S 3012. Hochrechteckige Platte aus Kalkstein mit dreizeiliger Inschrift in vorliniertem Feld, darunter Christogramm zwischen zwei Tauben. In zwei Teile zerbrochen, allseitig ohne erkennbaren Schriftverlust ausgebrochen.

Maße: H.(erh.) 34, B.(erh.) 33, Bu. 2,7-3,3 cm.

Schriftart(en): Frühchristliche Schrift.

  1. HIC IN PACE / QVIESCETa) · G/RVTILO

Übersetzung:

Hier ruht in Frieden Grutilo.

Kommentar

Der wortarme Grabstein des Grutilo, der weder Stifter, Stand oder Lebensalter mitteilt, stammte mit anderen von einem Friedhof bei der heutigen Liebfrauenkirche.1) Wie alle Wormser Grabsteine aus der nördlichen Vorstadt gehört er einer frühen Phase an, nämlich dem 5.2) oder 5.-6. Jahrhundert3); knappes Formular, Namenformen, Ornamentik und Schriftniveau legen das nahe, wobei Eingrenzungen auf halbe Jahrhunderte gewagt erscheinen. In dieser Gruppe werden zusammengefaßt die Steine mit knappem „hic“-Formular, germanischen oder ungeklärten Namen, einfachen Christogrammen und Tauben sowie geradezu experimentierenden Schriftformen, die im vorliegenden Falle A mit gebrochenem Mittelbalken, schrägen Fußstrich des L noch ohne Durchschneidung und „Zwei-Strich-Q“ sowie ein eigenwilliges R umfassen, dessen Bogen weder Schaft noch Cauda berührt4) und aus P abgeleitet erscheint. Außerdem weisen die Buchstaben des Grutilo-Steines ausgeprägte gespaltene Sporen und ungewöhnliche Körperlichkeit auf.

Die Verbindung des Namens, der inschriftlich als Crotilo in Britannien vorkommt, zum germanischen Stamm Chrot-/hrot- ist fraglich;5) ebensowenig überzeugt die Herleitung aus ahd. grôz für „dick“ mit Diminutivsuffix.6) Im Wortstamm bestehen Parallelen zu keltischen Namen.7)

Textkritischer Apparat

  1. Sic.

Anmerkungen

  1. Vgl. vorangehende Nrn. u. Reuter, Johann Philipp Bandel zum Schicksal der Steine.
  2. So Bauer; Reuter: 1. Hälfte 5. Jahrhundert.
  3. So Boppert.
  4. Boppert 4 u. ebd. Paläographische Übersichtstafel; die Stilverwandtschaft mit dem Stein der Pauta, nach Bauer, legt eine Frühdatierung nahe.
  5. Boppert gegen J.P. Münz, Ein altchristlicher Grabstein des Taunusgebietes, in: Nassauische Annalen 13 (1874) 200.
  6. Gombert. Die Bedeutung „Sandbewohner“ bei Schönfeld, Wörterbuch 114 ist nicht begründet.
  7. Staab, Untersuchungen zur Gesellschaft 18.

Nachweise

  1. Le Blant, Inscriptions chrétiennes I Nr. 345 u. Abb. 235.
  2. Lindenschmitt, Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit II,5 Taf. V Nr. 4.
  3. Klein, Römische Inschriften 344 Nr. 192.
  4. Becker, Älteste Spuren des Christentums 13 Nr. 5.
  5. Weckerling, Römische Abteilung I 95.
  6. Kraus, Christliche Inschriften I 16 Nr. 26, Additamenta II 339, Taf. I,4.
  7. Körber, Inschriften des Mainzer Museums 135 Nr. 224.
  8. CIL XIII 2,1 Nr. 6259.
  9. Bauer, Mainzer Epigraphik 12 Abb. 24.
  10. Diehl, Inscriptiones Latinae Nr. 3112B.
  11. Gombert, Frühchristliche Grabsteine 18 (Abb. 12).
  12. Villinger, Unser Lieben Frau zu Worms (1948) 6 (Abb.).
  13. E. Salin, La civilisation Mérovingienne d‘après les sépultures, les textes et le laboratoire II. Paris 1952, Abb. 41.
  14. Reuter, Johann Philipp Bandel 62 Nr. 11 u. Taf. 4,3.
  15. Boppert, Frühchristliche Inschriften 161f. (mit Abb.)

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 3 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0000309.