Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 483 Stadtmuseum, aus dem Bereich des Liebfrauenstifts 1562

Beschreibung

Gedenkinschrift des Liebfrauenkanonikers und Pfarrers an St. Amandus Heinrich Kapen aus Nürnberg. Sammlungen des Stadtmuseums, aus der Umgebung des Liebfrauenstifts. Querrechteckige Platte aus Blei mit sieben linierten Inschriftenzeilen. Ausgebrochen, besonders oben links.

Maße: H. 11, B. 20,5, Bu. ca. 0,8 cm.

Schriftart(en): Unbeholfene Kapitalis, gestanzt.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. [ANNO DO]MINIa) · 1562 IST DISER / ACKER GEROT WORDEN VON MIRHE(N)/RICVS KAPENb) VON NORMBERGc) CANO/NICVS VNSER LI[B]ENd) FRAWENSTIFT / VND PFARHER ZV SANCT AMANDEN / ZV DISER ZEIT GALT EIN MALT(ER)e) KORN / IJ FL DAS FVDER WEIN [XX] FL 1562

Kommentar

Die Inschrift wurde mit geraden und gekrümmten Meißeln hergestellt; daraus erklären sich die zum Teil sehr eckigen und unterschiedlich großen Buchstabenformen. Besondere Formen wie unziales D, Minuskel-t und langes Minuskel-s resultieren aus dem Bemühen, die Buchstabenform den einfachen Hilfsmitteln anzupassen und die leichtere Form zu verwenden.

Das 1827 in der Nähe der Liebfrauenkirche gefundene Bleitäfelchen kam zu einem unbekannten Zeitpunkt als Geschenk des Bankdirektors A. Schöneck in den Besitz des Museums.1) Es sollte wohl, vielleicht bei einem Grenzstein eingelassen, den Initiator einer Meliorisierungsmaßnahme verewigen. Die Preisangaben zum Jahr 1562 dienten in erster Linie dazu, die Maßnahme zu rechtfertigen und dadurch das Verdienst des Initiators zu erhöhen. Im guten Weinjahr 1583 kostete das Fuder in Worms nur 12-14 Gulden,2) in einem Hochwasserjahr der Malter Korn in der Stadt 3,5, außerhalb 5 Gulden.3) Erhebliche Preissteigerungen um und nach der Mitte des 16. Jahrhunderts lassen sich vielfältig belegen;4) eine ganze Reihe von Bauinschriften ist in Wertheim und Umgebung mit Preisangaben verbunden: 1558 zahlte man für einen Malter Korn einen Gulden, für das Fuder Wein 31 Gulden; 15 Jahre später lagen die Preise schon bei 5 und 50 Gulden.5) Von August bis Oktober 1562 ließen sich in Köln keine Wochenpreise für Getreide ermitteln, nachdem schon im Juli gegen die jahreszeitliche Tendenz ein sich als dauerhaft erweisender Preisanstieg eingeleitet worden war.6)

Textkritischer Apparat

  1. Nur 5 senkrechte Schäfte erkennbar. Das M besteht freilich auch in NORMBERG, AMANDVS und MALTER nur aus 3 senkrechten Schäften.
  2. HERICVS KAIEN Illert.
  3. NOR MENCH ebd.
  4. VNT ERSTEN ebd.
  5. MAS ebd.

Anmerkungen

  1. Wormser Zeitung Nr. 56 (1827) nach Illert u. Begleitkarte des Täfelchens im Museum.
  2. Zorn-Wilck 637.
  3. Zorn-Meixner fol. 166v.
  4. Vgl. U. Dirlmeier, Untersuchungen zu Einkommensverhältnissen und Lebenshaltungskosten in oberdeutschen Städten des Spätmittelalters (Mitte 14. bis Anfang 16. Jahrhundert) (Abh. d. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 1978, Nr. 1) Heidelberg 1978, bes. 217; B. Sprenger, Preisindices unter Berücksichtigung verschiedener Münzsorten als Bezugsgrößen für das 16. und 17. Jahrhundert – dargestellt anhand von Getreidepreisen in Frankfurt/Main, in: Scripta mercaturiae 11 (1977) 57-72.
  5. DI I (Main- und Taubergrund) 6f.
  6. D. Ebeling/F. Irsigler, Getreideumsatz, Getreide- und Brotpreise in Köln, 1368-1797 (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Köln 65/66) Köln/Wien 1976/77, I 64f.

Nachweise

  1. F.M. Illert, Die Geschichte der Wormser Presse. Mit kulturhistorischen Fragmenten. Worms 1913, 60.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 483 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0048301.