Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 412 Worms-Wiesoppenheim, kath. Pfarrkirche 1.V.16. Jh.?

Beschreibung

Kreuztitulus eines Kaselkreuzes aus Wolle mit Brokat, das heute auf ein modernes Meßgewand aufgenäht ist. Zu Füßen des Corpus Maria Magdalena mit der Salbendose, den naturalistischen Kreuzbaum umfassend, über dem toten Christus Titulus gestickt, darüber in einem Dreipaß der hl. Aegidius, bei dem eine Hindin Schutz sucht, mit Pfeil durch die rechte Hand und Stab in der linken.

Maße: H. 95, B. 50, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDEORVM)

Kommentar

Da es in der Martinskirche von Wiesoppenheim auch keinen Aegidius-Altar gab, ist nicht auszuschließen, daß die ursprüngliche Kasel aus einer anderen Kirche stammte.1)

Die Nodi an den Schäften von I und R gehören zu den bei Tituli häufigen Verfremdungseffekten, ohne daß man die unklassischen Formen noch zur frühhumanistischen Kapitalis rechnen könnte. Einem Datierungsansatz auf 1520,2) der freilich nicht begründet wurde, widerspricht sie nicht.

Anmerkungen

  1. Vgl. Weech, Synodale 241f.; Villinger vermutete besondere Aegidius-Verehrung in Wiesoppenheim, im Bistum Worms gab es sieben diesem Heiligen geweihte Kirchen und zahlreiche Altäre.
  2. Villinger.

Nachweise

  1. C.J.H. Villinger, Kunstwerke und Heiligtümer, in: Die St. Martinskirche in Worms-Wiesoppenheim, hg. aus Anlaß der Renovation 1972/73 zum Tage der Weihe des Altares am 24. Juni 1973 durch Weihbischof Josef Maria Reuß. Worms 1973, 24 u. Abb. S. 25.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 412 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0041206.