Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 324 Liebfrauenstift 1491

Beschreibung

Grabplatte des Kanonikers Nikolaus Wormb aus Neckarhausen. Innen vor der Wand des nördlichen Chorumganges, 9. Stein von Westen; früher im Boden im Ostteil des Chorumganges mit der Markierung XI rechts unten.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien; im Feld oben tief eingelassenes Loch in Kelchformat mit drei Löchern, die wohl zur Befestigung eines metallenen Kelches dienten. Rand und untere linke Ecke bestoßen, Schriftverlust.

Maße: H. 213,5, B. 117,5, Bu. 7,2-8,0 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, sehr spät mit Elementen der frühhumanistischen Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. · AN(N)O · D(OMI)NI · M · CCCCa) · XCI · / PENYLTIMAb) · DIE · MAII · O(BIIT) · D(OMI)N(V)S · NICOLA/US · WO[R(M)B] DE · / NEKERHVSENc) · CANONICVS · HVI(VS) · ECCL(ESIAE)

Datum: 30. Mai 1491.

Kommentar

Die sehr späte Majuskel aus dem Ende des 15. Jahrhunderts weist einige bemerkenswerte Buchstabenformen und Ligaturen auf: A kommt in zwei verschiedenen Formen vor – gotisch breit mit links geschwungenem Schaft und schrägem Mittelbalken oder wie in der frühumanistischen Kapitalis mit gebrochenem Mittelbalken und breiter Trabs als achsensymmetrischer Buchstabe. Gedrungene, von den Bögen weit überragte Schäfte bei D, N, P und U verleihen der Inschrift zusammen mit schlanken, dicht gedrängten Buchstaben wie E und C eine eigentümliche Abwechslung im Schriftrhythmus. Der beim I zweimal vorkommende Nodus ersetzt beim E auch den Mittelstrich; der Bogen dieses offenen, runden E ist einmal in den eines N, einmal in den eines R weitergeführt. Als charakteristisch für die sehr späte gotische Majuskel in Worms läßt sich an diesem Stein u.a. bei H und N das Absinken der stärksten Schwellung unter den Bogenscheitel beobachten. Der Krümmungsradius der meisten Bögen wird dadurch erheblich größer als bei Buchstaben der Jahrhundertmitte; die Schriftform gehört folglich zu den Übergangsschriften.2)

Ein Kanoniker namens Nikolaus Wormb ist zu 1482 in einer Anlage zum sogenannten Morschheimer Prozeß genannt.3)

Textkritischer Apparat

  1. CCC Kdm.
  2. Y für V, unterer Schaftteil als Bogen unter die Ligatur reichend. DOV...CIMA bei Kdm. 19. Mai las Ihm, Grabplatten.
  3. WO[RM · PL]EBANVS ET Kdm. – WOR[EM]PE · /[DE] NEKERHVSEN Schalk suggestiv, aber mit dem vorhandenen Raum und Buchstabenbestand kaum zur Deckung zu bringen; bei kürzerem Familiennamen, wie oben vorgeschlagen, und Lesung des Bogens mit E als DE beginnt die letzte Zeile mit NEK wobei nach dem N ein verhältnismäßig breites Spatium angesetzt wird; ein ebenso breites N findet sich im Wort CANONICVS.

Anmerkungen

  1. Nach dem Lageplan von 1911, vgl. oben S. XXIII.
  2. Vgl. oben S. LXIII.
  3. Schalk Anm. 35 nach Urkunde im StA Worms, Abt. 1 Bd. 1851.

Nachweise

  1. Kdm. Worms 221.
  2. Ihm, Pfarrchronik 62f.
  3. Schalk, Gräber 207 Nr. 3 u. Abb. 6 – Fuchs, Wormser Inschriften Abb. 51.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 324 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0032405.