Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 62 Stadtmuseum, aus Worms-Hochheim, Maria Himmelskron 1299/1344

Beschreibung

Grabplatte des Ritters Sigelo von Wattenheim und in Zweitverwendung des Kantors von St. Andreas Wilhelm von Wattenheim. An der Westwand der Andreaskirche, 3. Stein von Norden, aus Kloster Maria Himmelskron in Hochheim.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift (A) zwischen Linien; im Feld oben aufgehängtes Wappen, darunter achtzeilige Inschrift (B) in liniertem Feld. Vor allem am Rand bestoßen, leicht abgetreten, teilweise noch grau gestrichen.

Maße: H. 220, B. 96,5, Bu. 7,5-8,3 (A), 8,3 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskel, vor 1300 (A), gotische Majuskel (B).

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. A

    + ANNO · D(OMI)NI · Mo · CCo · / XCo · IXoa) · QUINTO · NONAS · MAII · JN DIE · JN/UENCIONIS · S(ANCTAE) / CRUCIS · O(BIIT) · SIGELO · MILES · DE WATH(EIM) ·

  2. B

    + ANNO · DO(MINI) · Mo · / CCC · XLIIII · VIII / ID(US) · NOUE(M)B(R)IS / O(BIIT) · DO(MINUS) · WILH/ELM(US) · D(E) · WA/TTENHEINb) / CA(N)TOR · ECC(LESI)E / S(AN)C(T)I · ANDREE ·c)

Datum: 3. Mai 1299; 6. November 1344.

Wappen:
Wattenheim.

Kommentar

Die klaren Majuskeln der Umschrift weisen die für Hochheim charakteristischen unter die Zeile reichenden, ornamentierenden Cauden aus der Zeit um die Jahrhundertwende auf. Bei der zweiten Inschrift wurden sie nachgeahmt und mit jüngeren Merkmalen wie spitzem L kombiniert und durch überlange Serifen bei Buchstaben wie unzialem D und kapitalem T in manieristischer Weise übertragen.2) An zusätzlichen ornamentierenden Verfremdungen kommen bei der zweiten Inschrift Zierstriche an Kürzungszeichen und Cauden an den Mittelstrichen von E und B vor; sehr häufig sind diese Zierhäkchen innerhalb von E und B bei den neu aufgefundenen Grabplatten der Zisterzienserklöster Disibodenberg und Otterberg anzutreffen.3) Das R in CANTOR ist nach einem Schulter-r der gotischen Minuskel gestaltet und sollte wohl eine Ligatur darstellen; das N in ANDREE mit nur dünnem Schrägstrich ist retrograd. Überhaupt wurden 1344 die Kontraste zwischen Schatten- und Haarstrichen gegenüber 1299 erheblich verstärkt.

Sigelo von Wattenheim ist seit 1276 in Worms urkundlich erwähnt, 1287 und 1295 zusammen mit seiner Frau Ida als Wohltäter von Maria Himmelskron.4) Ehefrau Ida und Sohn Eberhard lagen ebenfalls dort begraben.5) Wilhelm von Wattenheim muß ein naher Verwandter gewesen sein, vielleicht sogar ein Sohn, da er Kinder eines Eberhard als Erben bestimmt und ein Sohn Sigelos namens Eberhard 1317 starb.6) Um so mehr ist das anzunehmen, da Wilhelm als Kantor von St. Andreas einen triftigen Grund haben mußte, seine Ruhestätte in einer fremden Kirche zu suchen.

Sigelo ist unter dem 30. April, Wilhelm unter dem 5. November (1344) im Seelbuch von St. Martin verzeichnet.7)

Textkritischer Apparat

  1. Kdm. Worms 80 erwähnt die Grabplatte eines Ritters von Wachenheim(!) von 1449, in Zweitverwendung von 1444.
  2. Sic.
  3. Punkt im E von DIE der Inschrift A.

Anmerkungen

  1. Mus.Inv. u. Schalk.
  2. Vgl. Fuchs, Wormser Inschriften 91ff. u. oben S. LX.
  3. Autopsie, vgl. DI Bad Kreuznach, in Bearbeitung; v.a. 1.H.14. Jh.
  4. Schalk nach Boos, UB I u. Baur, Hessische Urkunden sowie Boos, UB II 734 zu I 307 Nr. 464*.
  5. Schalk nach Helwich, Opus genealogicum VIII fol. 273v.
  6. Schalk nach Bayer. HStA München, Rheinpfälzer Urkunden 1998, vom 30. Oktober 1344 u. wie Anm. 4.
  7. Liber animarum S. Martini fol. 32 u. 64v.

Nachweise

  1. Mus.Inv. MGH Nr. 12.
  2. Schalk, Grabsteine 208f. Nr. 3.
  3. Fuchs, Wormser Inschriften Abb. 43.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 62 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0006208.