Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 58 Stadtmuseum, aus Worms-Hochheim, Maria Himmelskron 1295/1338

Beschreibung

Grabplatte der Guda, Tochter Dirolfs von Hochheim, und in Zweitverwendung der Hippela, Ehefrau des Gerhard Schmutzel von Dirmstein. Steinsammlung im Hof an der Stadtmauer, 9. Stein von Osten, aus dem Kloster Maria Himmelskron in Hochheim.1) Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien (A); innerhalb zweite Umschrift (B), nach innen durch weitere Linie abgegrenzt. Rand und Oberfläche bestoßen und angewittert sowie vier fehlende Ecken aufgeputzt.

Maße: H. 221, B. 110, Bu. 8,5 (A), 7 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskel, vor 1300 (A), gotische Majuskel (B).

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    + ANNO · [D(OMI)NI · M · / CCX]Ca) · VI · IN · UIG(I)L(I)A · CIRCV(M)CIS(IONIS) · O(BIIT)b) [· / GU/DAc) · FI]LIA · [DI/RO]LFI · MILITIS · FUNDATORI(S) · H(UIUS) LOCI

  2. B

    + ANNO · DO(MINI) · [M · / C]CC · XXX · UIIId) · O(BIIT) · D(OMI)NA · HIPPEL[A / V]XORe) · DO(MINI) / G(ER)HARDIf) · SMUZ(EL) · I(N) DIE · G(ER)DRVD(IS) · U(IRGINIS) ·

Datum: 31. Dezember 1295; 17. März 1338.

Kommentar

Obwohl feine Linien der Abtretung zum Opfer fielen, genügen die verbliebenen Merkmale, fast achsensymmetrisches A, nur mit geraden Linien, unter die Zeile reichende Cauden bei F, H und R sowie Vorkommen von unzialem D, um schriftgeschichtlich die Lesung des Todesjahres bei Zorn zu bestätigen.2) Die spätere Inschrift erweist sich durch ausgeprägte Schwellungen an Bögen und Schaftenden als deutlich jünger.

Guda, Tochter Ritter Dirolfs, ist im Seelbuch von St. Martin erwähnt, dagegen nicht mehr in der großen Anniversarstiftung der Familie von 1299.3) In der Familie des Vaters und dessen erster Gattin Guda war der Name verbreitet. Als Todestag gibt der Grabstein den 31. Dezember 1296 an; nach heutiger Rechnung und in Berücksichtigung des freilich problematischen Weihnachtsstiles gilt die Angabe für das Jahr 1295. Hippela, Frau des Gerhard Schmutzel, war eine Stiefschwester zu Guda aus der ersten Ehe von Dirolfs Frau Agnes mit Eberhard von Krobsburg und wurde in der Schenkung von 1318 als verwitwet erwähnt.4) Mit ihrem Ehemann ist sie im Seelbuch von St. Martin unter dem 24. Juli genannt.5)

Textkritischer Apparat

  1. Ganz schwach ist unter dem Putz der senkrechte Fuß eines Abschlußstriches erkennbar, zu einem C, nicht zu einem X gehörig. Gegen Schalk, der zu CCCX ergänzte, stützt die Abschrift in Zorn-2 fol. 96 (marg.) eine Ergänzung auf CCXC, vgl. auch Anm. c. Das Datum läßt sich auch gut mit Beobachtungen zu Hochheimer Schrifteigentümlichkeiten vereinbaren, vgl. bei Anm. 2.
  2. Mögliche Ergänzung nach Schalk wäre CHR(IST)I, beginnend mit X. Ein Rest des X ist links unten eben noch vermutbar. Fehlt aber bei Zorn-2, und in der Tat könnte besagter Rest die Kürzung von OBIIT darstellen; als in eine Biegung übergehender Fuß von X wäre er damals ungewöhnlich. Ein Ausfall von CHRISTI läßt sich mit dem verbleibenden Raum besser vereinbaren. Hinter CIRCV(M)CIS Lücke in Mus.Inv. bis vor FI · MILITIS; im weiteren wurden Lücken nicht mehr gekennzeichnet, da für die Textrekonstruktion unbedeutend.
  3. So Zorn-2 mit einem Text, der in wesentlichen Merkmalen mit lesbaren Teilen der vorliegenden Inschrift übereinstimmt.
  4. 1336 Zorn-2.
  5. So auch Schalk; vor dem X unerwartet großer freier Raum.
  6. DIROLFI DICTI Zorn-2.

Anmerkungen

  1. Mus.Inv., Schalk.
  2. Vgl. oben S. LX.
  3. Liber animarum S. Martini fol. 72v; Boos, UB I 327ff. Nr. 496.
  4. Schalk 220; Boos, UB II 91ff. Nr. 136. Gerhard Schmutzel starb 1313, vgl. Nr. 94.
  5. Liber animarum S. Martini fol. 46 u. wie Anm. 4.

Nachweise

  1. Zorn-2 fol. 96 (marg.).
  2. Mus.Inv. MGH Nr. 20.
  3. Schalk, Grabsteine 224f. Nr. 17.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 58 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0005804.