Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 57 Paulusstraße 1, aus Paulusstift 1293

Beschreibung

Grabplatte des Wormser Bürgers Herbord. Im Boden der Hofeinfahrt des Hauses Paulusstraße 1, wahrscheinlich aus dem Komplex des Paulusstiftes. Hochrechteckige Platte aus hellgelbem Sandstein mit Umschrift, Linien nicht erkennbar. Sehr stark abgetreten, möglicherweise oben beschnitten, da sonst zu wenig Raum für die Jahreszahl vorhanden wäre.

Maße: H.(erh.) 167, B. 66-70, Bu. 9-10 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, vor 1300.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. [ANNO D(OMI)NI M/CC]XC · III · IIII · K(A)L(ENDAS) · AVG(VS)TI · O(BIIT) · HERB/ORDV(S) / CIVI[S WOR(M)A]CIE(N)SI[S .......]

Datum: 29. Juli 1293.

Kommentar

Die schon in ihrem ursprünglichen Zustand unten leicht konisch zulaufende Platte ist, soweit die Abtretung überhaupt eine Beurteilung zuläßt, mit einer relativ frühen gotischen Majuskel beschrieben, deren Schwellungen noch nicht sehr ausgeprägt sind; zusammen mit dem Vorkommen von kapitalem E erlauben die Schriftformen nur die vorgeschlagene Ergänzung des Datums.1)

Ohne Personennachweis leitet sich die Herkunft des Steines aus dem Komplex des Paulusstiftes nur aus der räumlichen Nähe und dem Wissen um den sorglosen Umgang mit dessen Denkmälern ab.2) Der Name Herbord ist am Ende des 13. Jahrhunderts für mehrere Wormser Bürger urkundlich belegt; von den bekannten ließe sich wohl nur „Herbordus iuvenis raparius civis Wormatiensis“ mit dem Verstorbenen identifizieren.3)

Anmerkungen

  1. Vgl. zur Schriftgeschichte oben S. LX.
  2. Vgl. oben S. XIX.
  3. Boos, UB I 440.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 57 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0005705.