Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 46 Paulusstift 2.D.13. Jh.

Beschreibung

Namen als Stifterinschrift auf der Platte des Knospenkapitells des südlichen Pfeilers des westlichen Schildbogens über der Rose, beim Zugang zum südlichen Oratorium im Obergeschoß des Westbaues. Die Schrift auf zwei Seiten der niedrigen roten Sandsteinplatte verdorben durch Ausbesserungen mit Zement und Farbanstrich, der Anfang auf einer dritten Seite verloren.

Ergänzt nach Schneider.

Maße: H. 5, B. 43 und 51, Bu. 2,7-3,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, vor 1300.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/4]

  1. [... HABITANTE]/Sa) IN E[ICXLE ....]b) / [H]ERLESHEI(M)c)

Übersetzung:

Die Einwohner von Eich(?) und Herrnsheim(?) [oder Ibersheim(?)].

Kommentar

Nicht wenige Buchstaben der ohnehin auch im ursprünglichen Zustand nicht sauber und gleichmäßig ausgeführten Schrift sind durch Beschädigungen und Ausbesserungen bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet; so dürfte an der Stelle des ersten Ortsnamens EICHHE(M) gestanden haben für Eich (nördlich Worms), dessen Patronatsrecht dem Paulusstift zustand.1) Im zweiten Ortsnamen scheint ein L lediglich durch einen weiteren senkrechten Strich verunklart, was zu einer Lesung LI führte; eine Identifizierung mit Herrnsheim, das früher u. a. auch „Herlesheim“ hieß,2) steht den Resten näher. Nimmt man dagegen an, daß an der umstrittenen Stelle des L ursprünglich gar kein Buchstabe stand, ergäbe sich vielleicht die Lesung [I]BERESHEI(M) für Ibersheim, dessen Patronatsrecht zur fraglichen Zeit dem Propst von St. Paulus zustand.3)

Die Buchstabenformen sind in einem Maße verwischt und dabei ungelenkt, auch in Buchstabenhöhen variierend, so daß man anhand von Unzialen, E, H, N, Abschlußstrichen und relativ geringen Schwellungen lediglich den schon gotischen Charakter der Buchstaben konstatieren kann, ohne zu brauchbaren und sicheren Datierungsansätzen zu kommen.

Ähnlich der Anbringung von verstreuten Personennamen diente die vorliegende Inschrift der Kennzeichnung eines von der benannten Personengruppe finanzierten Baugliedes und damit quasi als Stifterinschrift, freilich ohne entsprechende Explizierung.

Textkritischer Apparat

  1. [H]ABIT[ANTE]S nach Schneider u. Bauer.
  2. EICXEA mit Kürzung Schneider, Kraus, EICXEX Bauer; der Buchstabenbestand in seinen Resten kaum deutbar.
  3. IER LIES(EL)HE mit Kürzung Schneider u. alle nach ihm.

Anmerkungen

  1. Entsprechende Urkunde Burchards II. von 1139 erwähnt bei Schannat, Hist. ep. Worm. I 20; Weech, Synodale 249.
  2. Vgl. Register bei Boos, UB I 441, II 835, außerdem I 448 u. II 855 zu „Luzelheim“ u. anderen Namensformen mit ausschließlich „Lu“ am Wortanfang für Leiselheim.
  3. Wormser Urkunden Nr. 760.

Nachweise

  1. Schneider, Pauluskirche 38.
  2. Kdm. Worms 245.
  3. Kraus, Christliche Inschriften II 82 Nr. 182.
  4. Bauer, Baugeschichte Pauluskirche 17.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 46 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di029mz02k0004608.