Inschriftenkatalog: Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 67: Stadt Passau (2006)

Nr. 622 Niedernburg, Kreuzgang 1571

Beschreibung

Epitaph für den Kanoniker Konrad Arzt, im Südflügel an der Südwand im zweiten Joch von Westen. Kalksteinplatte. Die Platte ist in drei Zonen geteilt: Oben und unten Schriftplatte in Rollwerkrahmen (I, II); in der Mitte in Relief der Verstorbene vor dem Gekreuzigten knien. In der Mitte Kreuz mit Titulus (III) vor mit Engelsköpfen besetzten Wolken, rechts davon Maria und Johannes, links der Verstorbene in Talar und Superpelliceum in einem Betstuhl kniend, die Hände gefaltet, den Rosenkranz in Händen, hinter ihm, sein Vollwappen, ihn überragend, im Hintergrund Stadtlandschaft. Zu Zeiten UBM 2o cod. ms. 397 in der Andreaskapelle, nach Krick dort zunächst im Boden, dann im Domkreuzgang.

Maße: H. 134 cm, B. 83 cm, Bu. 2–3,5 cm (I), 4 cm (II).

Schriftart(en): Kapitalis.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/3]

I.

  1. CVR MORTEM METVIS CHRISTIANE: QVAE AD IMMORTA/LITATEM TIBI PORTA EXISTIT · HOMO VANITATI SIMI=/LIS FACTVS EST, DIES EIVS SICVT VMBRA PRAETEREVNT / A MORTE VERAE VITAE INITIVM. IVGITER CONTEMPLA=/RI CHRISTVM, SPERNERE MVNDVM, SPERNERE SEMET/IPSVM, ET SPERNERE SE SPERNI, PERFECTA CHRISTI=/ANA PHILOSOPHIA ESTa) ·

Übersetzung:

Warum fürchtest du den Tod, Christ, der dir Pforte ist zur Unsterblichkeit? Der Mensch ist dem Nichtigen ähnlich geschaffen, seine Tage vergehen wie Schatten. Mit dem Tode beginnt das wahre Leben. Unablässig Christus zu betrachten, die Welt zu verachten, sich selbst zu verachten, gering zu schätzen, selbst verschmäht zu werden, das ist vollendete, christliche Weisheit.

II.

  1. ANNOb) D(OMI)NI · M · D · LXXI · DIE · XII · MENSIS / FEBRVARII · O(BIIT) R(EVEREN)DVSc) D(OMINVS)d) CONRADVS ARCZTb) , / PRVSSELLANVS · I(VRIS) V(TRIVSQVE) DOCTOR , PROTHONOTA=/RI(VS)e) APOSTOLIC(VS)e) , COMESAVLAE LATERANEN(SIS)f) / ET CANO(NICVS)f) PATA(VIENSIS)f) CVIVS ANIMA DEO VIVATg) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1571, am 12. Tag des Monats Februar, starb der hochwürdige Herr Konrad Arzt aus Brüssel, Doktor beider Rechte, Apostolischer Protonotar, Lateranensischer Hofpfalzgraf und Kanoniker zu Passau. Seine Seele lebe bei Gott.

III. Titulus:

  1. I N R I

    Bibel- und Schriftstellerzitat(e): Ps 143(144), 4, Wahlspruch des Hl. Philippus Neri1) (I).
 
Wappen:
unbekannt2).

Kommentar

Zur Schrift vgl. Einleitungskapitel S. LIII; zum Inschriftenträger bzw. zur Inschriftenart vgl. Einleitungskapitel S. LX.

Konrad Arzt stammte aus Brüssel. Er hatte den akademischen Grad eines Doktors beider Rechte erworben, war Apostolischer Protonotar und Lateranensischer Hofpfalzgraf. 1555 urkundete er als Senior des Domkapitels3). In der Sedisvakanz nach dem Tod von Bischof Wolfgang Graf Salm führten er und Urban von Trenbach als Ökonomen des Bistums die Amtsgeschäfte4).

Textkritischer Apparat

  1. Worttrenner in Form eines Quadrangels auf der Zeilenmitte; Doppelpunkt aus zwei übereinander stehenden Rauten.
  2. Vergrößerter Anfangsbuchstabe.
  3. Kürzung durch Punkt über verlängerter Cauda des R und hochgestelltes D mit us-Haken.
  4. Kürzung durch Hochpunkt.
  5. Hochgestellter us-Haken.
  6. Kürzung durch zwei Quadrangel auf der oberen und unteren Zeilenlinie.
  7. Worttrenner in Form eines Quadrangels auf der Zeilenmitte.

Anmerkungen

  1. Der in der Grabinschrift zitierte Spruch spernere... ist bereits im Mittelalter in vielfacher Form belegt, Vgl. Walter, Proverbia 30152ff, in der in der Grabinschrift ziterten Form entspricht er jedoch auch genau dem Motto des Hl. Philippus Neri.
  2. Damasziert, über einem Balken ein sechsstrahliger Stern. Helmzier: aus einer Krone Federn wachsend.
  3. Vgl. Krick, Domstift 60.
  4. Vgl. Weiß, Wahl Wolfgangs von Closen 82.

Nachweise

  1. UBM 2o cod. ms. 397, fol. 78v; SASR HV NL Wimmer 14b; ABP OA, Sammlung Stinglhamer/Krick 151, Nr. 12; StBP Hist. eccl. 130 VII gr, Nr. 12; Kdm Passau 116; Krick, Domstift 266 Nr. 136; Weber, Gedenktafeln 76f.

Zitierhinweis:
DI 67, Stadt Passau, Nr. 622 (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di067m010k0062204.