Inschriftenkatalog: Regensburger Dom (I)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 74: Inschriften des Regensburger Doms (I) (2008)

Nr. 203 Kreuzgang, Mittelhalle, Westseite, 2. Joch 1450

Beschreibung

Grabplatte des Kanonikers Christian von Stingelheim aus rotem Marmor, im Boden eingelassen1). Der obere Teil ist ab der Mitte des Kopfes überdeckt von einer an der Wand aufgerichteten Grabplatte, so dass die Inschrift am Original nicht zugänglich ist. Die Inschrift ist auf erhöhtem Rand erhaben gehauen, beginnt vermutlich oben links, läuft um den ganzen Stein und endet ebenda. Im Feld: Die Gestalt des Kanonikers, bekleidet mit Chorgewand und fein gearbeiteter Almucia, auf einem mit großen Quasten gezierten Kissen ruhend. Viertelrelief. In seiner Linken hält er ein Buch, die Rechte erhoben. In der unteren linken Ecke das Vollwappen unter einem Kielbogen. Die Grabplatte ist in der oberen Hälfte quer gebrochen.

Ergänzt nach Text Eppinger:

Maße: H. 165 cm (links), H. 160 cm (rechts), B. 91 cm, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. [A(nno) D(omini) 1450 die 9 / men]s(is) ∙ decembris a) ∙ o(bit) ∙ ven(erabi)lis ∙ vir ∙ d(omi)n(u)s ∙ Cristann(us) b) ∙ Stingel/haimer ∙ can(oni)c(us) ∙ et ∙ de//can(us) ∙ h(uius) ∙ eccl(es)ie ∙ rat(isbonensis) ∙ c(uius) ∙ a(n)i(m)a ∙ in pace c) ∙ requie[scat] d)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1450 am neunten Tag des Monats Dezember starb der ehrwürdige Mann, Herr Christian Stingelheim, Domherr und Dekan dieser Regensburger Kirche. Seine Seele möge ruhen in Frieden.

Datum: 1450 Dezember 09.

Wappen:
Stingelheim2).

Kommentar

Christian von Stingelheim war der Sohn des Friedrich von Stingelheim zu Thürnthening (Lkr. Dingolfing/Landau/NB.) und dessen zweiter Ehefrau Brigitta, geborene Pfäffinger3). Im Jahr 1419 wurde er in das Domkapitel aufgenommen und 1443 zum Dekan ernannt4). 1428 wurde er Nachfolger des Johannes Fuchs (s. Kat.-Nr. 167) im Amt des Kapitelschreibers5). Von 1433 bis 1441 hatte er die Pfarrei Chammünster (Lkr. Cham/Opf.) inne sowie die Pfarrei und das Erzdekanat Cham6). Er gehörte zu den Mitunterzeichnern der Wahlkapitulation zur Wahl Friedrichs II. von Parsberg (s. Kat.-Nr. 200) im Jahr 14377), ebenso unterzeichnete er im Jahr 1450 die Kapitulation zur Wahl Friedrichs III. von Plankenfels (s. Kat.-Nr. 222)8). Er stiftete sowohl für die Domkirche als auch für St. Emmeram einen Jahrtag9), sowie zwei große Kerzen für den Hochaltar im Dom10).

Textkritischer Apparat

  1. Das zweite e ist hochgestellt.
  2. Sic! i fehlt.
  3. Ohne Wortabstand.
  4. Die Trennzeichen sind Quadrangeln.

Anmerkungen

  1. Freytag/Hecht 48; Kdm Regensburg I, 174.
  2. Bay 59; Mayr, Genealogie der Familie von Stingelheim 13 überliefert zur Inschrift vier Wappen: Stingelheim, Sandizell, Berwang, Weichs.
  3. Mayr, Genealogie der Familie von Stingelheim 10: Hier wird die Mutter Brigittas als geborene Frashauser bezeichnet, genannt auch Wolfin zu Nabeck; Bernclau, Episcopatus 403 bezeichnet Brigitta als geborene Wolf von Nabeck; vgl. hierzu Liedke, Zur Bau- und Besitzgeschichte der Burgen, Schlösser und Edelsitze im Pfleg- und Landgericht Dingolfing, in: Ars Bavarica 75/76 (1995), 137.
  4. Leoprechting 56, 89; Bernclau, Episcopatus 403; Paricius, Nachricht 30, 43; Ried, Catalogus; MB 24, 655f.; Janner, Bischöfe III, 487.
  5. RG IV/1, Sp. 351 (26. März 1428).
  6. Mayr, Genealogie der Familie von Stingelheim 13; Ries, Generalschematismus 291.
  7. Oefele I, 221; Janner, Bischöfe III, 451 (mit allen 28 Artikeln der Kapitulation).
  8. Oefele I, 221; Janner, Bischöfe III, 487.
  9. Stingelheim, Alt-Adeliche Bayerische Familien 191.
  10. Hubel/Schuller, Dom 60.

Nachweise

  1. Eppinger 17, 31; Bernclau, Episcopatus 403; Zirngibl Epitaphia 54; Ried Collectio 28v; Sammlung Heckenstaller 369; Mayr, Genealogie der Familie von Stingelheim 13.

Zitierhinweis:
DI 74, Inschriften des Regensburger Doms (I), Nr. 203 (Walburga Knorr, Werner Mayer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di074m013k0020301.