Inschriftenkatalog: Regensburger Dom (I)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 74: Inschriften des Regensburger Doms (I) (2008)

Nr. 96 Kreuzgang, Mittelhalle Westwand, 3. Joch 1383

Beschreibung

Grabplatte des Bischofs Theoderich von Abensberg (Absberg) aus rotem Marmor, ehemals hinter dem Hochaltar. Der Stein wurde den Recherchen Cranners nach im Jahre 1793 in die Mittelhalle des Kreuzgangs versetzt und dort an der Westwand aufgerichtet1). Die Inschrift auf erhöhtem Rand beginnt oben links, läuft um den ganzen Stein und endet im letzten Viertel der linken Längsseite. Im Feld: Das Reliefbildnis des Bischofs im Pontifikalornat auf einem mit großen Quasten besetzten Kissen ruhend, in seiner Linken das Pedum, in der Rechten ein Buch haltend. In den beiden unteren Ecken jeweils ein kleiner Hund. Die vier Ecken füllen kleine Wappenschilde, die die Inschrift unterbrechen. Der Stein ist in relativ gutem Zustand, lediglich die rechte untere Ecke ist abgebrochen.

Maße: H. 205 cm, B. 97 cm, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

© BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. an(n)o ∙ d(omi)ni ∙ M ∙ ccc ∙ lxxx // iii ∙ o(biit) ∙ venerabilis ∙ d(omi)n(u)s ∙ theodricus ∙ ep(iscopu)s ∙ ecc(lesi)e ∙ ratisp(o)n(ensis) // ∙ in vigilia ∙ leonhardi //∙ de ∙ abnsperg ∙ natus ∙ sit ∙ tibi ∙ chr(ist)e a) ∙ datus b)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1383 am Vorabend zum Fest des Hl. Leonhard starb der ehrwürdige Herr Theoderich, geborener von Abensberg, Bischof der Regensburger Kirche, er sei dir, Christus, gegeben.

Versmaß: Letzte Zeile der Inschrift ein Pentameter.

Datum: 1383 November 05.

Wappen:
Hochstift2), Abensberg3), Gundelfingen4).

Kommentar

Theoderich oder Dietrich war der zweite Sohn des Ulrich III. des Älteren von Abensberg und der Elisabeth von Gundelfingen, dessen erster Ehefrau5). Er war seit 1370 Dompropst von Bamberg, Domherr in Regensburg und gehörte zu den Mitstiftern des Kollegiatstiftes Neuessing (Lkr. Kelheim/NB.). Ab 1380 stand er der Pfarrei in Abensberg (Lkr. Regensburg) vor6). Nach dem Tode Bischofs Konrad von Haimburg im Jahr 1381 wurde er vom Domkapitel als dessen Nachfolger gewählt, bestätigt, konsekriert und mit den Regalien belehnt. Er ließ für den Rückerwerb der im Jahre 1382 verpfändeten Herrschaft Stauf (Donaustauf, Lkr. Regensburg) ein Subsidium caritativum einrichten7). Für diesen Rückerwerb und für die Anschaffung von Tafelsilber für den bischöflichen Haushalt nahm er auch Gelder seiner Brüder in Anspruch, die diese nach der kurzen Amtszeit des Bischofs zurückforderten. Diese finanziellen Belastungen führten zu einer erneuten Verpfändung der Herrschaft Stauf an Bayern. Die Domherren verweigerten ihrem Bischof auf Grund dieser Zerwürfnisse den Besuch am Sterbelager und die Abhaltung feierlicher Exequien nach dessen Tod8). Möglicherweise war er der Stifter des Hieronymus-Altares im Dom9). Er starb stark verkannt und unbeweint10).

Textkritischer Apparat

  1. xpe mit Kürzungszeichen.
  2. Die Trennzeichen sind Quadrangeln.

Anmerkungen

  1. Leoprechting 15; Oefele I, 214: Sepultus est post altare chori Ratisponensis; Handschriftensammlung 53: unter dem Hochaltar auf der Erd; Cranner 51: Nahe bey dem Tabernakel; ebenso: Hund, Metropolis 76; anders Kdm Regensburg I, 170, hier ist als Zeitraum der Transferierung das 19. Jahrhundert angegeben. Zur früheren Lage auch Schuegraf, Dom I, 132; Freytag/Hecht 10; Hubel, Mittelalterliche Plastik in Kreuzgang und Kapitelhaus 55; Hausberger, Grablegen 373.
  2. Bi 129; Heydenreuter, Wappen der süddeutschen Hochstifte 130f.
  3. BayA1 3, 7; Hund, Stammenbuch I, 15; Leoprechting 37.
  4. BayA1 41.
  5. Hund, Stammenbuch I, 14, III, 130; Bernclau, Episcopatus 43.
  6. Hund, Metropolis 7; Bernclau, Episcopatus 43; Ries, Generalschematismus 1. In der Sammlung Resch IV, Blatt 91 ist er auch als Dompropst von Würzburg verzeichnet.
  7. Hund, Stammenbuch I, 14f., weiter erwarb er für das Domkapitel Autting, das Dorf Sulzbach und Schloss Eglofsheim; vgl. auch HAB Altbayern 41 (Regensburg I), 115; Deutsch, Ehegerichtsbarkeit 78 (Anm. 100, 101).
  8. Biographische Daten zusammengefasst nach Janner, Bischöfe III, 286 ff., 315, 391; Hausberger, Geschichte I, 200 f.; ders., Bischöfe (Theoderich von Abensberg) 633.
  9. Mai, Bruderschaften und Benefizien 415.
  10. Oefele II, 509.

Nachweise

  1. Hund, Stammenbuch I, 15; Bernclau, Episcopatus 43; Handschriftensammlung 53; Zirngibl, Epitaphia 1; Ried, Collectio 2v; Oefele I, 214; Cranner 51; Sammlung Resch IV, Blatt 91 (Zeichnung von Justus Popp 1826); Schuegraf, Dom I, 132; Sammlung Heckenstaller 298, 340; Hubel, Mittelalterliche Plastik in Kreuzgang und Kapitelhaus 55 (Abb. 3).

Zitierhinweis:
DI 74, Inschriften des Regensburger Doms (I), Nr. 96 (Walburga Knorr, Werner Mayer), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di074m013k0009605.