Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 132† Bierstr. 17 1579 / nach 1613

Beschreibung

Hausinschriften. Das zweigeschossige, giebelständige Fachwerkhaus, sechs Gefache breit mit dreistöckigem, vorgekragtem Giebel, wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Eine detailreiche Zeichnung findet sich jedoch bei Siebern/Fink1). An der Brandmauer der rechten Hausseite in Höhe des zweiten Geschosses erinnerte eine Hausmarke (H 5) mit Jahreszahl (A) an den Vorgängerbau. In der Umrahmung des Eingangs als Zwickelfiguren links Sapientia mit einem Spiegel und rechts Cognitio mit einem Buch, beiden waren Inschriften zugeordnet, die im rechten Winkel um die Zwickel verliefen (B, C), unter den Inschriften die Namen der Tugenden (D). An den drei Ständern über dem Torbogen die im 19. Jahrhundert erneuerten2) Figuren von Spes, Caritas und Fides, alle namentlich bezeichnet mit Inschriften aus jüngerer Zeit. Weitere Inschriften befanden sich auf der Schwelle des vorgekragten zweiten Geschosses (E) sowie auf den Giebelschwellen (von oben nach unten: F, G, H). In den beiden mittleren Gefachen des ersten Giebelgeschosses Engelsköpfe. Alle Felder, Schwellen und Ständer waren mit reichen ornamentalen Verzierungen bedeckt.

Inschriften nach Siebern/Fink.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel (B, C, H), gotische Minuskel mit Frakturversalien (E, G), Kapitalis (D, F).

  1. A

    1579

  2. B

    Phil · Cap · 1 · Christus mihi vitaa) mors dulce lucrum3)

  3. C

    Verbum domini manet in eternum4) si deus pro nobis quis contra nos5)

  4. D

    SAPIENTIA COGNITIO

  5. E

    Ich habe mein angesicht im augenblick deß zorns ein wenig vor dir verborgen, Aber mit ewigerb) genad wil ich mich deiner erbarmen · Esai · LIIII6) · S(oli) · D(eo) · G(loria) ·c)

  6. F

    BEATI QVI LVGENTd) QVONIAM CONSOLABVNT(VR)7)

  7. G

    Behüte mich wie ein augaffel im auge, beschirme mich unter dem schatten deiner Flügel8)

  8. H

    Ego autem cantabo Potentiam tuam et exaltabo mane misericordiam tuam Quia factus es susceptor meus et refugium meum in die tribulationis meae Ps. [58,17]e)9)

Übersetzung:

Christus ist mein Leben, Sterben mein süßer Gewinn. (B) Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Wenn Gott für uns ist, wer vermag etwas gegen uns. (C) Allein Gott die Ehre. (E) Selig sind die, die Leid tragen, denn sie werden getröstet werden. (F) Ich will von deiner Macht singen und des Morgens rühmen deine Barmherzigkeit, denn du bist mein Schutz und meine Zuflucht am Tag der Bedrängnis. (H)

Kommentar

Eine Tugend mit dem Namen Cognitio ist nicht nachgewiesen.

Textkritischer Apparat

  1. vita] vira bei Siebern/Fink kann an dieser Stelle wohl nur ein Druckfehler sein.
  2. ewiger] Siebern/Fink im Text wie auch Mithoff meiner, in der Zeichnung ewiger, das auch Flaskamp überliefert.
  3. Die Angabe der Bibelstelle sowie S. D. G. fehlen in der Zeichnung bei Siebern/Fink.
  4. LVGENT] so in der Zeichnung, im Text geben Siebern/Fink wie Mithoff I(N)DIGENT wieder.
  5. Die Zeichnung läßt die Psalmnummer 59 erkenne, sowie zwei kleine, nicht zu entziffernde Zahlzeichen. Im Text ist [58,17] ergänzt, was der Vulgatazählung entspricht.

Anmerkungen

  1. Siebern/Fink, Fig. 300, S. 310.
  2. Ebd., S. 312.
  3. Phil. 1,21.
  4. Is. 40,8.
  5. Rm. 8,31.
  6. Jes. 54,8.
  7. Mt. 5,4.
  8. Ps. 17,8.
  9. Ps. 58,17.

Nachweise

  1. Siebern/Fink, S. 312f.; Abb. Fig. 300, 301, S. 310f.
  2. Brandi, fol. 1r.
  3. Mithoff, S. 135.
  4. Thomes, Bl. XXIII (ohne A, D).
  5. Flaskamp, S. 61, Nr. 37.

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 132† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di026g003k0013203.