Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 250 Marienstr. 17 (1616?)

Beschreibung

Holzbalkendecke und Türbogen in dem zur Straße gelegenen Zimmer im ersten Stock des traufenständigen Nebenbaus. Die bemalte Decke wurde bei einer Renovierung des Hauses 1983 freigelegt. In den sechs Fächern zwischen den Deckenbalken befindet sich in der Raummitte je ein ovales Medaillon mit der Darstellung eines der fünf Sinne als Frauengestalt. Der Inhalt der ersten beiden Medaillons ist nicht erhalten, die übrigen in Teilen nur noch schemenhaft. Während sich über das erste Medaillon keine Aussage treffen läßt, war in dem zweiten vermutlich Auditus dargestellt. Es folgen im dritten Medaillon Odoratus mit einer Blumenschale im Arm, im vierten Tactus mit zwei Papageien, im fünften Gustus mit einem Trinkhorn und im sechsten Medaillon Visus mit einem Spiegel. Alle Frauengestalten sind in Kopfhöhe mit Beischriften (A) versehen. Die Längswände des Raums sind unterhalb der Fenster mit Tuchdraperien bemalt, zwischen den Fenstern mit Pflanzenornamenten geschmückt. Über der rundbogigen Tür verläuft dem Bogen folgend die in schwarzen Buchstaben ausgeführte Inschrift (B), von der nur noch ein Teil erhalten war, die jedoch bei der Renovierung wiederhergestellt wurde.

Maße: Bu.: 3–4,5 cm (A); 4 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

Sabine Wehking [1/3]

  1. A

    [AVDITVS] ODORATUS TACTVS GVSTVS VISVS

  2. B

    SVB VMBRA ALARVM TVARVM PROTEGES ME1)

Übersetzung:

Das Gehör, der Geruchssinn, der Tastsinn, der Geschmack, das Sehen. (A)

Du wirst mich unter dem Schatten deiner Flügel beschirmen. (B)

Kommentar

Die Darstellung der fünf Sinne war ein beliebtes Thema der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts2), das von dort auch in die angrenzenden Landschaften getragen wurde, so u. a. auch als figürlicher Schmuck von Fachwerkhäusern3). Die Holzbalkendecke und die Inschriften stammen vermutlich aus der Entstehungszeit des traufenständigen Anbaus (vgl. Nr. 156).

Anmerkungen

  1. Nach Ps. 16,8.
  2. Dazu Hans Kauffmann. Die Fünfsinne in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, Fs. D. Frey, Breslau 1943, S. 133–157.
  3. Ein Verzeichnis der Fachwerkbauten des Weserraums, deren figürlicher Schmuck die fünf Sinne zum Thema hat, gibt Hansen, S. 312f.

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 250 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0025006.