Inschriftenkatalog: Odenwaldkreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 63: Odenwaldkreis (2005)

Nr. 125 Privatbesitz, aus Würzberg (Michelstadt), Schloß Eulbach 1533

Beschreibung

Namensbeischriften auf einem auf Holz ausgeführten Gemälde, das sich bis 1956 im Besitz der Grafen von Erbach-Erbach befand. Das Bild wurde 1942 in Darmstadt durch Walter Horst restauriert, der dabei die Künstlersignatur entdeckte. Eine weitere Restaurierung erfolgte 1959 in Berlin.1) Das Gemälde zeigt ein Brustbild Graf Georgs II. von Erbach in Dreiviertelfigur. Georg sitzt nach rechts gewandt vor einer Architekturkulisse. Er trägt einen weit geschnittenen schwarzen Rock und darunter ein weißes Wams. Die Ellbogen sind abgewinkelt, die rechte Hand liegt vor dem Bauch, und die linke ruht auf dem linken Oberschenkel. Das markante Gesicht wird von schwarzem Haar gerahmt, das von einem Barett bedeckt ist. Die Georg umgebende Architekturkulisse zeigt links den Ansatz eines Rundbogens, in dessen Pfeiler sich die Künstlersignatur (A) befindet. Dahinter verläuft eine Mauer in den Raum, die rechts durch eine weitere Mauer abgeschlossen wird. Auf dieser steht ein wappenhaltender Putto, unter dem auf der Mauer die Inschrift (B) angebracht ist.

Nach Photo.

Maße: H. 92, B. 71 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A), Kursive (B).

ADWL Mainz, Inschriftenkommission [1/1]

  1. A

    BALDVNG / FACIEBAT / H(ANS) B(ALDVUNG)

  2. B

    GEORG grauea) zv erdpach / Der Churfurstlichen pfalltz / Erbschenck VnderlandtVogt / yn elsas / AEtatis sve / xxvii / 1533

Übersetzung:

(A) Baldung machte es.

Kommentar

Graf Georg II. von Erbach war 1531 durch Kurfürst Ludwig von der Pfalz zum Unterlandvogt zu Hagenau und im Elsaß ernannt worden.2) In dieser Funktion nahm er die verbliebenen Reichsrechte im Elsaß wahr.3) Während seiner dortigen Amtszeit wurde er von Hans Baldung Grien porträtiert, der 1509 eine eigene Werkstatt in Straßburg gegründet hatte. Hans Baldung wurde 1484/85 geboren und arbeitete von 1503 bis 1507 in Dürers Werkstatt in Nürnberg. Nach dem ersten Aufenthalt in Straßburg von 1509 bis 1512 ging er nach Freiburg. Dort arbeitete er bis 1517 und kehrte dann nach Straßburg zurück, wo er 1545 starb.4) Das Porträt des Georg von Erbach ist das früheste erhaltene Bildnis als Dreiviertelfigur von Baldung. Das Bild ist in Anlage und Stil dem Manierismus verpflichtet und zeigt Baldung als Maler, der mit der europäischen Formensprache der Zeit bestens vertraut war.5)

Textkritischer Apparat

  1. Über u befindet sich stets ein Strich als diakritisches Zeichen.

Anmerkungen

  1. Koch 57; von der Osten 212.
  2. Simon, Geschichte 381; vgl. zu Georg auch Nr. 160.
  3. Press, Grafen von Erbach 663.
  4. Saur-Allgemeines Künstlerlexikon 6 (1992) 437 – 441; zu seinen Werken vgl. von der Osten 15 ff.
  5. Koch 58; von der Osten 213 f.

Nachweise

  1. Koch, Drei Bildnisse 58, Anm. 6 und 59 Abb. 1.
  2. Röder, Graf Georg II. 67.
  3. Von der Osten, Hans Baldung Grien 212, Nr. 76 mit Abb. Taf. 160.
  4. K. Löcher, Bildnis des Grafen Georg I. zu Erbach, in: Sammlerlust, Ausstellungskatalog 20 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 63, Odenwaldkreis, Nr. 125 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di063mz09k0012509.