Inschriftenkatalog: Stadt Minden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 46: Stadt Minden (1997)

Nr. 15† St. Johannis nach 1216

Beschreibung

Grabplatte des Priesters Ramwardus. Die Grabplatte befand sich im 18. Jahrhundert noch in der Johanniskirche.1)

Inschrift nach Bünemann.

  1. Dominus RAMWARDVS sacerdos canonicus Mindensis fundator huius Ecclesiae sancti Joannis Apostoli et Evangelistae

Übersetzung:

Herr Ramward, Priester, Mindener Kanoniker (und) Gründer dieser Kirche des heiligen Johannes, des Apostels und Evangelisten.

Kommentar

Bünemann führt die Grabschrift, die er nach Autopsie wiedergibt, auf, um zu widerlegen, daß der Begründer der Johanniskirche Mindener Dompropst gewesen sei. Es ist allerdings nicht ganz klar, worauf er diese Richtigstellung bezieht, da Ramward nur in der Pielschen Chronik als Propst bezeichnet wird; Hermann von Lerbeck und die Jüngere Bischofschronik bezeichnen ihn lediglich als Kanoniker des Mindener Domes und – zusammen mit Bischof Thietmar – als Begründer der Johanniskirche.2) Diese Nachricht geht auf eine Urkunde des Jahres 1216 zurück, derzufolge Bischof Thietmar den Kanoniker des Domstifts Ramwardus veranlaßte, das Johannisstift zu begründen.3) Mooyer weist 1160 bis 1167 einen Subdiakon namens Ramwardus nach, 1176–96 einen Presbyter desselben Namens.4) Möglicherweise handelte es sich dabei bereits um den Kanoniker des Domstifts, der sich in verschiedenen Urkunden aus der Zeit von 1190 bis 1205 als Zeuge nachweisen läßt und dort als presbyter bezeichnet ist.5) Das Regest einer nicht mehr erhaltenen Urkunde des Johannisstifts aus dem Jahr 1189 lautet De bonis von Eildessen a fundatore Renwardo 1189.6) Im Nekrolog des Klosters Möllenbeck ist ein Ramwardus unter dem 24. Juli als verstorben eingetragen.7) Die Datierung der Grabschrift ergibt sich aus der genannten Urkunde von 1216, in der Ramwardus – anders als der im gleichen Zusammenhang mit dem Zusatz dive memorie genannte Bischof Thietmar – nicht als verstorben bezeichnet ist. Das genaue Gründungsdatum des Kollegiatsstifts St. Johannis, das die Chronisten mit 1206 angeben, ist in der Urkunde nicht überliefert. Die Gründung muß jedoch vor dem März 1206 erfolgt sein, da in diesem Monat Bischof Thietmar von Minden verstarb. Urkundlich zu belegen ist die Existenz des Johannisstifts erstmals im Jahr 1208, als es zu Auseinandersetzungen um Beisetzungen auf dem Friedhof St. Johannis mit dem Marienstift kam, das das Begräbnisrecht für sich reklamierte.8) Der Presbyter Ramwardus ist nach 1216 urkundlich nicht mehr nachzuweisen.

Anmerkungen

  1. Bünemann, Nachrichten, p. 143.
  2. Piel, Chronica, S. 47; Hermann von Lerbeck, S. 28 u. 59; Jüngere Bischofschronik, S. 170.
  3. UB Minden 1, Nr. 66, S. 20f. Der entsprechende Passus der von Bischof Konrad von Minden ausgestellten Urkunde lautet: Omnibus Christi fidelibus liquido innotescat, quod dominus et avunculus noster dive memorie Diethmarus Mindensis episcopus in fundo sancti Petri a domino Ramwardo maioris ecclesiae nostre canonico in honorem sancti Johannis evangeliste infra civitatem nostram Mindensem ecclesiam fundari constituit ...
  4. Ernst Friedrich Mooyer, Versuch eines Nachweises der in dem Todtenbuche des Klosters Möllenbeck vorkommenden Personen und Ortschaften. In: Westfälische Zeitschrift 2, 1839, S. 1–105, hier S. 62.
  5. WUB 2, Nr. 504 u. 590; WUB 6, Nr. 12 u. 22.
  6. StA Münster, Findbuch A 213, lfd. Nr. 1.
  7. Mooyer (wie Anm. 4).
  8. StA Münster, Minden, Kollegiatsstift St. Johannis, Urkunden ß1. Dieser Vorgang ist nur durch Regesten überliefert; die zugehörigen Urkunden sind nicht erhalten.

Nachweise

  1. Bünemann, Nachrichten, p. 143.

Zitierhinweis:
DI 46, Stadt Minden, Nr. 15† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di046d003k0001500.