Inschriftenkatalog: Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 91: Hersfeld-Rotenburg (2015)

Nr. 175 Bad Hersfeld, Museum 1571, 1754, 1815

Beschreibung

Inschriften auf dem sogenannten „Schützenkleinod“, das früher im Stadtarchiv aufbewahrt wurde und sich nun in der ständigen Ausstellung des Museums im zweiten Stock befindet (Inventar-Nr. Q 881271). Es besteht aus einem gewölbten Schild aus Silber, auf dem die Figuren des von vier Pfeilen durchbohrten heiligen Sebastian und zweier Bogenschützen stehen. Auf der Rückseite sind die Inschriften (A) und (B) angebracht. Der Name von (A) ist durch Kreuze abgetrennt, die Jahreszahl durch längliche Punkte auf etwa der Zeilenmitte. Auf dem getriebenen Rand befinden sich in regelmäßigen Abständen fünf gleichartige kleine Schellen, das Hersfelder Doppelkreuz sowie zwei kleine Schilde, von denen das linke auf der Vorder- und auf der Rückseite die Initialen sowie die Jahreszahl (C) trägt und das rechte die Initialen (D). Auf der großen leeren Fläche steht über Inschrift (B) ein tief eingegrabenes zweistöckiges Z, rechts daneben inmitten verschiedener Kratzer nur geritzt A und R, ohne daß man einen Zusammenhang herstellen könnte, wenngleich die Buchstabenformen mit jenen der ältesten Inschrift vereinbar sind.

Maße: Dm. 13, Bu. 0,4 (A) cm.

Schriftart(en): Kapitalis, moderne Minuskel.

© Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Brunhild Escherich) [1/2]

  1. A

    CIRIACVS ∙ SCHNa) ∙ 1571

  2. B

    1815 erneuert durch wieder errichtete Schützen Compagnie

  3. C

    ISb) CSb) // STb) 1754

  4. D

    CSb)

Wappen:
Wappenbild: Stift Hersfeld.

Kommentar

Das Schützenkleinod gehörte zum Gildeinventar der Schützen und wurde vom Schützenkönig während seiner Amtszeit bei öffentlichen Anlässen an einer Halskette auf der Brust getragen. Das hier beschriebene Kleinod von 1571 ersetzte das 1558 erwähnte ältere Kleinod,1) oder die Jahreszahl gilt nur einer Veränderung oder Verbesserung des alten Kleinods. Kurz darauf, im Jahr 1573, borgte sich die Schützengilde 12 Taler bei der Stadt und setzte das Kleinod als Pfand ein,2) möglicherweise sogar zur Finanzierung desselben.

Den Hersteller wird man mit Cyriacus Schon bzw. Schön identifizieren müssen, der auch unter Cyriacus Goldschmied von Hersfeld firmiert und in Hersfelder Kirchenrechnungen der Jahre 1566, 1567 und 1572 als Verfertiger von „Zeichen, die Armen tragen“ vorkommt; er gehörte zur Schmiedezunft, während wohl ein gleichnamiger Sohn und weitere bei den Leinenwebern eingeschrieben waren.3)

Textkritischer Apparat

  1. SCHN Demme; Kempe; Mozer. Der Name konnte lange nicht geklärt werden; Hörle vermutete Schneider. Die Schreibung weist einige verwirrende Details auf: Das C ist nur halb so groß wie die übrigen Buchstaben geschrieben, über dem vermeintlichen retrograden N könnte ein einfacher Strich eine Kürzung anzeigen, am zweiten Schaft des Buchstabens geht nur oben ein Balken ab. Daher könnte sogar ein längerer Name wie Schneider oder Schnell in Frage kommen. Dafür gibt es allerdings keinen Anhaltspunkt. Siehe auch unten den Kommentar.
  2. Die Initialen konnten nicht aufgelöst werden. CS steht nicht für den Hersteller von 1571, weil es zu 1754 gehört.

Anmerkungen

  1. Demme 73 f., Anm. 3.
  2. Nach Kempe 12.
  3. So nach Mozer 30 ff.

Nachweise

  1. Demme, Nachrichten I 74, Anm.
  2. Hörle, Alt-Hersfelder Inschriften 110 (A–C).
  3. Kempe, Hersfelder Schützenkleinod 12.
  4. Mozer, Hersfelder Bürgerschützen 30.

Zitierhinweis:
DI 91, Hersfeld-Rotenburg, Nr. 175 (Sebastian Scholz und Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di091mz14k0017500.