Inschriftenkatalog: Landkreis Bergstraße

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 38: Bergstraße (1994)

Nr. 60 Hirschhorn, Karmeliterkirche 1466

Beschreibung

Grabplatte des Caspar von Hirschhorn. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute an der Nordseite der Gruft. Die Inschrift beginnt oben rechts und läuft auf dem Rand zwischen Zeilen um. In den unteren beiden Ecken ist jeweils ein Kreuz angebracht. Auf der linken Seite ist ein Teil der Leiste und die obere Ecke weggebrochen. Die gegenüberliegende rechte Ecke ist vollständig abgetreten, so daß die Jahresangabe fast ganz verloren gegangen ist. Im Feld befindet sich oben eine quadratische Eintiefung, in die früher vermutlich eine Metallplatte mit einem Wappen eingelegt war.

Maße: H. 172, B. 83, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. [...]vi xvi kalendas ivni obit domi/cellvs cas[p]ara) / de hirschorn c[...]

Übersetzung:

... am 16. Tag vor den Kalenden des Juni (17. Mai), starb der Edelknappe Caspar von Hirschhorn ...

Kommentar

Die Inschrift muß im Umschreiten der Platte von rechts nach links gelesen werden! Die Buchstaben sind sehr ungleichmäßig gehauen und stehen nicht auf einer Linie. Die Lesung wird dadurch erschwert, daß b, c, d, e, h, k und l immer spiegelverkehrt geschrieben sind, während die übrigen Buchstaben richtig stehen. Das h, dessen eigentlich linke Haste kürzer ist als die rechte und das v mit stets schrägstehender rechter Haste kommen in der gleichen Form auf der Ersheimer Grabplatte des Priesters Jakobus (†1482) vor. Die ungewöhnliche Ausführung der Platte Caspars gibt zu der Vermutung Anlaß, daß der Steinmetz nicht lesen konnte und hier mit seiner Aufgabe überfordert war.

Caspar war ein Sohn Philipps I. von Hirschhorn und Irmels von Winnenburg-Beilstein. Er war mit Adelheid Schelm von Bergen verheiratet.1)

Da am Ende der Jahreszahl vi eindeutig zu lesen ist, starb Caspar nach dieser Inschrift 1466. Die von Milendunck überlieferte Inschrift seines Totenschildes gibt sein Todesdatum jedoch mit dem 17. Juni 1467 an. Da diese Inschrift jedoch aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt, könnte es dort zu einem Irrtum gekommen sein.2)

Textkritischer Apparat

  1. Vom p ist nur noch der obere Teil erhalten.

Anmerkungen

  1. Lohmann, Hirschhorn Taf. 1 u. 67; zu Philipp vgl. Nr. 50.
  2. Milendunck, Historiae 570; vgl. Nr. 198. Hirschhorner Urkunden, die sich auf Caspar beziehen, fehlen für 1466. Erst in einer Urkunde vom 11. Sept. 1467 wird er als verstorben erwähnt, vgl. Lohmann, Hirschhorn 520, Anm. 6.

Zitierhinweis:
DI 38, Bergstraße, Nr. 60 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di038mz04k0006003.