Inschriftenkatalog: Großkreis Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980)

Nr. 220 Bruchsal, Schloß 1560

Beschreibung

Epitaph des Valentin (I.) Echter von Mespelbrunn. Ehemals in der katholischen Stadtpfarrkirche U. L. Frau, Südwand des Langhauses, seit dem zweiten Weltkrieg im Schloß (Keller des Staatl. Liegenschaftsamtes) magaziniert. Bronzeepitaph mit Relief des Gnadenstuhls mit knieendem Stifter und Inschrifttafel.

Maße: H. 109, B. 60, Bu. 0,5–1,5 cm.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel.

  1. Siste Viator iter paruaq(ue)a) doctus ab Vrna Disce Vantinus qua cubet Echter humo: Quo Steterunt isthec felicia templa deca(n)o Hinc fera consilio Sustulit arma suo Plurima qui sacros conuertit semper in u(sus) Multaq(ue) coniunctis pauperibusq(ue)a) dedit Obiit 26 Nouembr(is) A(nn)o 1560. AEtatis · 55.

Übersetzung:

Bleibe stehen, Wanderer, auf deinem Weg, belehrt von dem bescheidenen Grabmal; lerne, in welchem Boden Valentin Echter ruht. Durch ihn als Dekan erstanden hier diese schönen Kirchen, durch seine Klugheit hielt er fern von hier grimmige Waffengewalt. Sehr viel hat er für heilige Zwecke aufgewendet und reich gab er den ihm Verbundenen wie den Armen. Er starb am 26. November im Jahre 1560 im Alter von 55 Jahren.

 
Wappen:
Echter von Mespelbrunn.
       
Wappen mit Beischriften:
Echter. / Habern. /
Thüngen./ Hag./1)
Hoffart./2) Klebis. /
Rosenberg. // Papenheim.//3)

Kommentar Der Verstorbene aus dem im Spessart begüterten Geschlecht der Echter von Mespelbrunn4 bezog 1519 die Heidelberger Universität; in die Matrikel wurde er schon als „canonicus Bruchsellensis“ eingetragen5. Stiftsdechant wurde er 1547 nach dem plötzlichen Tode des Franz von Adelsheim. Auf seine Bautätigkeit weist die Grabschrift ausdrücklich hin, sie ist auch durch sein Wappen an der Alten Dechanei zu Bruchsal bezeugt6. Das zitierte Verhandlungsgeschick in Kriegszeiten kann sich nur auf die Raubzüge des Markgrafen Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach beziehen, der 1522 das Hochstift Speyer plünderte und brandschatzte7. Seine Freigebigkeit geht aus den Legaten seines Testaments hervor, das insgesamt 18 Einzelposten umfaßt, darunter auch 25fl „pro erigendo aeneo epitapheo“ im Stift Sinsheim, wo Valentin Echter ebenfalls Stiftsdekan war8. Das Denkmal ist das einzige erhaltene Bronzeepitaph im Bearbeitungsgebiet; der Typus des Andachtsepitaphs – sonst in überwiegend evangelischen Gebieten selten anzutreffen – dürfte sich aus der Zugehörigkeit des Verstorbenen zu einem traditionell katholischen Adelsgeschlecht erklären lassen. Die hervorragend gestaltete Schrift mit überhöhten Anfangsbuchstaben und ziselierter Arabesken-Rahmung ist erhaben ausgeformt9. Die Inschrift ist in drei Distichen abgefaßt, die erste Zeile mit nicht ganz klassischer Prosodik.

Textkritischer Apparat

  1. Das u erscheint als n, es wurde beim Guß versehentlich gedreht.

Anmerkungen

  1. Frauenberg vom Haag zu Prunn (altbayerisches Adelsgeschlecht).
  2. Hofwart von Kirchheim.
  3. Marschall von Pappenheim.
  4. Stammburg Mespelbrunn im Spessart. – Zur Genealogie vgl. Biedermann, Steigerwald, Taf. 201–203. – A. Kittel, Beiträge zur Geschichte der Freiherren Echter von Mespelbrunn, Würzburg 1882, 31.
  5. Toepke I 518.
  6. Vgl. nr. 186 (1546).
  7. Remling II 318ff., 332.
  8. A. Wetter, Geistliche Verlassenschaften in Bruchsal im 16. Jahrhundert, in: FDA NF. 10 (1909) 210f.
  9. Zur Schrift vgl. DI. XII (Heidelberg) S. XXII mit Beispielen. – Ferner DI. XIII (Nürnberg) S. XXI. – Ein frühes Beispiel in der Goldschmiedekunst zeigt nr. 60 (um 1450/70).

Nachweise

  1. KdmBaden IX 2, 23 u. Abb. 11.
  2. Stocker, Bruchsal 27.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, Nr. 220 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di020h007k0022005.