Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 20: Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe (1980)

Nr. 180 Flehingen (Gem. Oberderdingen), ev. Pfarrkirche St. Martin 1542

Beschreibung

Grabmal des Erpf Ulrich von Flehingen. Im Innern an der Nordwand des Langhauses, 1. Stein v. l. Hochrechteckige Platte aus hellgrauem Sandstein mit an drei Seiten umlaufender Schrift zwischen Linien, unten Sockelleiste; im Feld Figur des Ritters, kniend, mit vier Ahnenwappen (neuerdings? tingiert).

Maße: H. 197, B. 102, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Anno d(omi)ni · 1542 am tag · s · lucie / verschid der Edel vnd Ernvest Erpf vlrich von / flehingen der zeit vogt zv maulbru(n) de(m) got gnad /

Datum: 13. Dezember.

Wappen:
Flehingen/Talheim/
Kerstel v. Dirmstein/Lomersheim/

Kommentar

Erpf Ulrich, geb. 1487 als Sohn des Ulrich IV. von Flehingen1 und seiner zweiten Frau, Katharina geb. von Talheim, nahm an der Verteidigung Brettens 1504 teil und wurde 1508 kurpfälzischer Amtmann daselbst, 1534 herzoglich württembergischer Obervogt zu Maulbronn2. Seit 1515 war er mit Anna Hofwart von Kirchheim vermählt3.

Das Denkmal hat in derselben Kirche ein Gegenstück im Grabmal des Wolf Ulrich von Flehingen, Bruder des Verstorbenen4. Abgesehen von der gleichartigen Komposition – die Brüder knien mit Gestus der „ewigen Anbetung“ und waren ehemals wohl dem Altar zugewandt – ist die Schrift bei beiden identisch. Das E zeigt zweibauchige Form; V, W und v öffnen sich oben weit, dagegen stehen die Hasten aufeinanderfolgender Buchstaben eng gedrängt. Aufgrund dieser Schriftform und stilistischer Merkmale lassen sich derselben Werkstatt weitere Grabsteine in Schwaigern (Kr. Heilbronn), Schrozberg (Kr. Crailsheim), Niederstetten und Wachbach (beide Kr. Mergentheim) zuschreiben5.

Anmerkungen

  1. Vgl. nr. 61.
  2. Vgl. die Chronik des Georg Schwartzerdt, Abdruck bei Schäfer, Geschichte Bretten 202ff.; ferner Krebs, Dienerbücher Kurpfalz nr. 740; Beuttenmüller, Vögte 91f.; Pfeilsticker nr. 2603.
  3. Grabstein der Eltern erhalten; vgl. nrr. 183, 184.
  4. Vgl. die folgende nr. 181.
  5. Siehe Einleitung S. XXV.

Nachweise

  1. KdmBaden IX 1, 47f., Abb. 22.
  2. Helwich, Flehingen 21f.
  3. Feigenbutz, Kraichgau 68, 371.

Zitierhinweis:
DI 20, Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe, Nr. 180 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di020h007k0018006.