Inschriftenkatalog: Dom zu Halberstadt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 75: Halberstadt Dom (2009)

Nr. 6 Dom, Schatzkammer 3. D. 10.–A. 11. Jh.

Beschreibung

Kapselreliquiar, Domschatz Inv. Nr. 26;1) Silber vergoldet, getrieben, graviert, punziert, über einen Holzkern geschlagen, in der Mitte der oberen Schmalseite als Aufhängung eine mehrfach profilierte Öse mit Scharnier eines Schraubverschlusses. Das hochrechteckige Reliquiar zeigt unter dem von einem Perlstab gerahmten Türflügel der Vorderseite, in einer zweifach vertieften Ebene, von einer zweiflügeligen Tür verschlossen in einer rundbogigen, schlüssellochförmigen Öffnung das Bildnis des Hl. Demetrios. Auf der Rückseite sieht man ein getriebenes Lebensbaumkreuz; zu beiden Seiten des oberen Kreuzarmes erhaben ausgeführt das Nomen Sacrum als Titulus. Das Reliquiar ist verbeult, verschmutzt und etwas angelaufen; die Einsatzplatte der Vorderseite fehlt, die linke untere Ecke der Tür ausgebrochen, ein Loch am rechten unteren Rand der Rückseite, das obere Ende des Verschlusses ist abgebrochen.

Maße: H. 7 cm (ohne Aufhängung 5,6 cm), B. 3,5 cm, T. 1,7 cm, Bu. 0,6 cm.

Schriftart(en): Byzantinische Majuskel.

SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Hans Fuhrmann/Marion Gronemann) [1/3]

  1. I(HCOY)C // X(PICTO)Ca)Ἰ(ησοῦ)ς // Χ(ριστό)ςa)

Übersetzung:

Jesus Christus.

Kommentar

Datiert wird das kleine Reliquiar, das wie die zwei anderen (vgl. Nr. 5, 8) dem hl. Demetrios gewidmet war, der vermutlich auch auf der fehlenden Vorderplatte abgebildet war, aufgrund „technischer und struktureller Übereinstimmungen“ mit dem Reliquiar Nr. 5 sowie anhand der Form des Lebensbaumkreuzes auf die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert.2) Das geht nach Johanna Flemming auch aus der verkürzten Form der Inschrift hervor, die vor dieser Zeit von einem Prädikat ergänzt wurde.3) Bei diesem Zeitansatz wird jedoch eine Zughörigkeit zum Brautschatz der Theophanu, wie von Wentzel vermutet,4) gegenstandslos, zumal die bei der Halberstädter Domweihe im Jahre 992 erwähnten Demetriosreliquien aus den sepulcra der damals schon existierenden Altäre geborgen wurden und von neu übergebenen nicht die Rede ist.5) Deshalb muß man annehmen, daß auch dieses Reliquiar, wie die beiden übrigen in Halberstadt erhaltenen, zu den auf dem Vierten Kreuzzug von Konrad von Krosigk in Konstantinopel erworbenen gehört.

Textkritischer Apparat

  1. IHCOYC XPICTOC] Die Nomina Sacra durch Kürzungsstrich gekennzeichnet IC XC.

Anmerkungen

  1. Nebe 1889/1890, S. 90; Zschiesche 1895, S. 158; Hermes 1896, S. 101 mit Abb. S. 96; BKD, S. 273; Doering 1927, S. 66; Grabar 1950, S. 6 f.; Katalog Berlin 1977, Nr. 109 S. 57 mit Taf. 29 (A[rne] E[ffenberger]); Flemming 1979, S. 67 f. mit Abb. 22–24; Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 246 mit Abb. 117; Janke 2006, Nr. 2 b S. 140 f. mit Abb. 37–38; Der heilige Schatz 2008, Nr. 6 S. 54–57 mit Abb. (Petra Janke).
  2. Talbot-Rice 1950, S. 74; Katalog Berlin 1977, Nr. 109 S. 57; Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 246; Janke 2006, Nr. 2 b S. 140 f. mit Abb. 37–38. Zum Motiv des Lebensbaumkreuzes siehe auch Flemming 1969.
  3. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 246.
  4. Wentzel 1971, S. 32 zu dem älteren Demetriosreliquiar.
  5. Vgl. oben Nr. 5 Anm. 8.

Nachweise

  1. Nebe 1889/1890, S. 90.
  2. Hermes 1896, S. 101 mit Abb. S. 96.
  3. Katalog Berlin 1977, Nr. 109 S. 57 mit Taf. 29 (A[rne] E[ffenberger]).
  4. Flemming 1979, S. 67 f. mit Abb. 22–24.
  5. Flemming/Lehmann/Schubert 1990, S. 246 mit Abb. 117.
  6. Janke 2006, Nr. 2 b S. 140 f. mit Abb. 37–38.
  7. Der heilige Schatz 2008, Nr. 6 S. 54–57 mit Abb. (Petra Janke).

Zitierhinweis:
DI 75, Halberstadt Dom, Nr. 6 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di075l003k0000601.